Aktive Fonds performen besser als passive – aber nur ohne Gebühren

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Eine Studie der europäischen Finainzaufsicht zeigt: Aktiv gemanagte Fonds haben sich in den vergangenen Jahren besser entwickelt als passive Fonds. Aber nur, wenn man die Managementgebühren in dieser Statistik außen vor lässt.

Hohe Fondskosten bedeuten leider nicht, dass das Management besonders gut ist. Das zeigen immer wieder Studien, die sich mit dem Thema befassen. Unter anderem hat die Ratingagentur Morningstar in den vergangenen Jahren immer wieder mal Fondskosten und Performance gegeneinander gehalten und kam – vereinfacht gesprochen – ohne Ausnahme zu dem Ergebnis: Je teurer der Fonds, desto schlechter die Performance. So gesehen, sollten Fondskosten zweifellos als eines der wichtigsten Kriterien bei der Fondsauswahl berücksichtigen werden.

Die Erkenntnis ist eigentlich nicht überraschend. Denn die Gebühren haben einen signifikanten Einfluss auf die Fondsperformance. Das haben auch andere wissenschaftliche Studien schon mehrfach bewiesen.

Auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA wollte es nun genauer wissen. Ihre aktuelle Studie zur Fondsbranche im europäischen Markt geht sehr ins Detail. Sie zeigt unter anderem die Entwicklung passiver und aktiv gemanagter Fonds im Vergleich. Erste Erkenntnis: In den vergangenen fünf Jahren betrug der Anteil passiver Instrumente am gesamten Aktienmarktsegment in Europa rund zehn Prozent. Das Wachstum der passiv verwalteten Portfolios war jedoch beträchtlich: 11%, 39% und 95% in den letzten 1-, 3- und 10-Jahres-Abschnitten gegenüber 10%, 26% und 78% bei aktiv verwalteten OGAW-Fonds. Weitere Erkenntnis: Auf nationaler Ebene ist das passive Segment in einigen Domizilen wie etwa Belgien, Italien und  Frankreich vernachlässigbar, während es in anderen Domizilen wie Irland, Luxemburg, Schweden und Großbritannien zehn bis 30 Prozent ausmacht.

Der Performancevorsprung aktiv gemanagter Fonds wird von den Kosten aufgefressen

Die dritte wichtige Erkenntnis der Untersuchung zum Performance- und Kostenvergleich ist bedauerlich: Die Studie zeigt, dass sich aktiv gemanagte Aktienfonds in Bezug auf die Bruttorendite über den Zeitraum von einem Jahr und drei Jahren mit 16% und 15% sowie 11% und 10% etwas besser entwickeln als passive Aktienfonds. Das Kostenniveau ist im Zeitablauf weitgehend stabil und für aktiv verwaltete OGAW-Fonds mit Auswirkungen auf die jährliche Bruttorendite rund 0,6 Prozentpunkte konstant höher als für passiv verwaltete Instrumente.

Folglich sind die jährlichen Nettorenditen nach einjährigen und dreijährigen Horizonten ähnlich, etwa 14% beziehungsweise 9%, während sie bei passiv verwalteten Fonds im Vergleich zu aktiv verwalteten nach längeren Zeithorizonten höher sind: 9,7% gegenüber 8,4% nach siebenjährigen Horizonten und 5,8% gegenüber 5,5% nach zehnjährigen Horizonten. Die Einbeziehung der Inflation ändert nichts an diesem Bild.

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit bereits veröffentlichten Studien sowohl auf EU- als auch auf US-Ebene. In ihrem Vermögensverwaltungsbericht hebt die EZV (2017) hervor, wie nach Gebühren die Anlegerrenditen in typischen kostengünstigen passiven Fonds höher sind. Eine Untersuchung des Investor Protection Bureau des Office of the New York Attorney General aus dem Jahr 2018 ergab ähnliche Ergebnisse.

Auch die Ergebnisse anderer Studien zeigen übereinstimmend, dass aktiv verwaltete Fonds den Anlegern deutlich höhere Kosten verursachen als ihre passiven Konkurrenten, während sie sie in Bezug auf die jährliche Bruttoperformance oder sogar eine unterdurchschnittliche Performance mindestens gleich gut laufen.

Fazit: Aktive verwaltete Fonds sind eigentlich die bessere Idee. Wären da nicht die hohen Kosten.