Angesichts der Risiken ist Flexibilität gefragt

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Der US-Leitindex S&P 500 hatte den besten Jahresstart seit 30 Jahren. Trotzdem bleiben die meisten „Auguren“ skeptisch. Dr. Manfred Schlumberger, Leiter des StarCapital-Portfoliomanagement, zeigt sich optimistischer.

Chancen sieht Schlumberger aktuell insbesondere an den
europäischen Börsen und den Märkten der Schwellenländer, denen die
Kurseinbrüche des vergangenen Jahres günstige Bewertungen beschert hätten.
Wie er in der StarInvest, dem monatlichen Marktausblick des Oberurseler
Vermögensverwalters, erklärt, sollten die Schwellenbörsen weiter vom
vorläufigen Ende der Leitzinserhöhungen in den USA, dem nachlassenden
Aufwertungsdruck auf den US-Dollar und den seit Ende letzten Jahres wieder
zunehmenden Kapitalzuflüssen profitieren.

Unterdessen befände sich Europa noch immer im Abseits der
internationalen Kapitalflüsse. Zum einen sei die Region in den Portfolios
internationaler Investoren weiterhin stark untergewichtet. Außerdem hätten
erschöpfte Risikobudgets institutionelle Investoren zum Jahresende zu
massiven Abverkäufen von Aktien gezwungen. Auch Publikumsfonds hätten hohe
Abflüsse verzeichnet und ihre Aktienquoten momentumgetrieben und aus Sorge
vor schmerzhaften Jahresperformancezahlen gesenkt. „Die Januarrallye erwischte
folglich viele Investoren auf dem falschen Fuß“, so Schlumberger. „Setzt sich
die aktuelle Kurserholung fort, geraten viele dieser unterinvestierten
Trendfolger unter massiven Kaufdruck. So könnte die Hausse weiter die Hausse
nähren.“

Die globale Konjunktur habe sich zwar abgekühlt, aber
eine Rezession in 2019 sei wenig wahrscheinlich. Während in den USA mit einem
Wachstum von etwas über 2% gerechnet werde, stemme sich China mit
Steuererleichterungen, höheren staatlichen Investitionen und einer expansiveren
Geldpolitik gegen den Wirtschaftsabschwung. In Europa sorge die Aufweichung
der Haushaltsregeln in Italien und Frankreich für fiskalpolitischen
Rückenwind. Zusätzlich werde der private Konsum durch das starke Lohnwachstum
nicht nur in Deutschland gestützt.

Nachdem die amerikanische Notenbank (FED) eine Zinspause
sowie eine Reduktion ihrer monatlichen Anleiheverkäufe in Aussicht gestellt
hat, sieht Schlumberger auch die Gefahr eines Überschießens der
FED-Zinspolitik vom Tisch. Im Euroraum werde es unter dem im Herbst
ausscheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi ohnehin keine Zinserhöhung geben.
Stattdessen werde die EZB in Kürze mit einem neuen Langfristtender zur
Bankenfinanzierung (TLTROs) geldpolitisch sogar wieder etwas mehr Gas geben.

Bei aller Zuversicht sieht Schlumberger aber auch zwei
große Risiken. Eines wäre eine Eskalation des US-chinesischen Handelsstreits,
durch die sich der Abschwung der chinesischen Wirtschaft verschärfen würde.
In diesem Fall wäre eine Rezession im vom Exportland Deutschland dominierten
Europa unausweichlich. Der gleiche Effekt könnte eintreten oder noch
verschärft werden, wenn die chinesische Führung nicht ausreichend aufs
Gaspedal drückt. „In diesen Fällen müsste man den Optimismus für das
Börsenjahr 2019 abschreiben“, warnt der erfahrene Investmentexperte.

Als geringeres Risiko betrachtet er dagegen
inzwischen den Brexit. Hier zeichne sich zwar noch keine Lösung ab. Der Markt
schätze das Risiko eines harten Brexit jedoch immer niedriger ein. Schlumberger
zufolge würde aber selbst ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU
vermutlich nur kurzfristige Kurskorrekturen auslösen, da viele Investoren
inzwischen lieber „ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende“
herbeisehnen.

Den ausführlichen Marktkommentar finden Sie hier.