Angst vor einem Machtwechsel in Argentinien

Schlagworte:
Auslöser der Panik an den Märkten war die überraschende Niederlage des wirtschaftsliberalen Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen Mitte August.

Die Kurse argentinischer Staatsanleihen befinden sich im freien Fall: Investoren scheint jeder Preis recht, um die Papiere loszuwerden. Grund ist die Schlappe des wirtschaftsliberalen Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen. Finanzexperten mahnen zur Ruhe.

Ist Argentinien auf dem Weg in die
Staatspleite? Blickt man auf die Kurse argentinischer Staatsbonds, scheinen
Investoren fest davon überzeugt. Fast alle Papiere handeln mittlerweile
zwischen 40 und 50 Cent je US-Dollar Nennwert und damit auf Ramschniveau. „Das
deutet darauf hin, dass diejenigen, die jetzt verkaufen, einen Zahlungsausfall
als unvermeidlich und unmittelbar bevorstehend ansehen“, sagt Luc D’hooge,
Leiter der Emerging-Markets-Sparte beim Fondsanbieter Vontobel AM. Auslöser der
Panik an den Märkten war die überraschende Niederlage des wirtschaftsliberalen
Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen Mitte August. Der Oppositionskandidat
Alberto Fernández, mit der Ex-Präsidentin Cristina Kirchner als Vizekandidatin,
erhielt 47,6 Prozent der Stimmen. Macri kam lediglich auf 32 Prozent.

Das Ergebnis hat die Finanzmärkte in
Alarmstimmung versetzt und die Angst vor einer weiteren Staatspleite des
südamerikanischen Landes geschürt. Am Devisenmarkt brach der Kurs beim
argentinischen Peso dramatisch ein. Gegenüber dem US-Dollar verlor die Landeswährung
knapp ein Viertel ihres Wertes und fiel zeitweise auf ein Rekordtief von knapp
62 Peso je US-Dollar. Auch der Anleihemarkt reagierte prompt: In US-Dollar
notierte Staatsbonds mit längeren Laufzeiten verzeichneten im Schnitt Verluste
von etwa 25 Prozent. Bei kürzeren Laufzeiten brachen die Kurse um rund 35
Prozent ein. Noch immer haben sich die Märkte nicht erholt.

Bei der Geldanlage ist Angst ein
schlechter Berater. Marktexperten warnen Investoren deshalb vor vorschnellen
Entscheidungen. Gerade bei Staatsanleihen, die in Lokalwährung notieren, sehen
sie weiterhin Chancen für Anleger. „Wir glauben, dass Argentinien wenig
Interesse daran haben wird, seinen Zahlungsverpflichtungen in Lokalwährung
nicht nachzukommen“, sagt Vontobel-Experte D’hooge. Lokale inflationsgeschützte
Anleihen würden vor allem von der staatlichen Sozialversicherungsinstitution (ANSES)
und den lokalen Banken gehalten. Es gebe aktuell keinen Grund für die
Regierung, ihrer eigenen Investorenbasis zu schaden. Er rät deshalb nicht zum
Verkauf und hält die Staatspapiere im Gegenteil auch für ausländische
Investoren für attraktiv.

Nur für Mutige: Aktuelle Renditen
argentinischer Staatsanleihen

 

Rendite in %

21.08.2019

21.07.2019

21.08.2018

Argentinien 1-Jahr

31,05

31,30

39,39

Argentinien 3-Jahre

47,84

42,38

41,71

Argentinien 5 Jahre

24,55

23,86

24,68

Argentinien 9 Jahre

25,05

24,51

18,15

 

Quelle:
investing.com

Gleichwohl: Mit Turbulenzen müssen
Anleger in Argentinien weiterhin rechnen. Zwar hat die Regierung Schritte
angekündigt, um die Märkte und den Wechselkurs zu stabilisieren. Das sei jedoch
eine schwierige Aufgabe, warnt Anthony Kettle, Partner und Fondsmanager bei
Bluebay Asset Management. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich die
Opposition vor den Wahlen auf eine politische Linie festlegen wird. „Allerdings
besteht eine gewisse Motivation, eine Wirtschaft zu übernehmen, die unter einer
neuen Regierung die Chance auf Erholung hat“, sagt Kettle.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die
Entwicklung an den Anleihemärkten ist der Besuch von Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nach Angaben des IWF-Sprechers Gerry Rice „bald“
geplant ist. Dann entscheidet sich, ob die Institution dem südamerikanischen
Land ein weiteres Mal Geld leihen wird. „Das Ergebnis dieser Überprüfung dürfte
für die kurzfristige Entwicklung der Anleihen entscheidend sein“, sagt Kettle.