Barnaby Wiener, MFS: „Wir stehen vor dem steilsten wirtschaftlichen Abschwung seit Menschengedenken“

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Seit Anfang 2020 liegt Barnaby Wiener mit dem MFS Prudent Capital Fund im Plus. Wir fragen den britischen Fondsmanager, wie er dieses Plus erreicht hat und ob er die Kapitalmärkte weiterhin skeptisch beurteilt.

Mr. Wiener, Sie haben schon vor der Corona-Krise vorsichtig investiert. Aus welchen Gründen?
Die Weltwirtschaft und das Finanzsystem standen zuvor bereits auf extrem wackligen Füssen. Noch nie war die systemweite Verschuldung so hoch wie heute und wuchs die Wirtschaft nominal so wenig, obwohl die monetäre Stimulierung immer extremer wird. Zudem haben die Unternehmen auf breiter Front jedes erdenkliche Mittel eingesetzt, um ihre Bilanzen zu optimieren und ihre Eigenkapitalrendite zu maximieren, was aber nicht nachhaltig sein dürfte und die langfristigen Gewinnaussichten schmälern wird. 

Der MFS Prudent Capital Fund hat im Corona-Crash kaum verloren. Wie haben Sie das geschafft?
Wie haben drei Strategien kombiniert, die sich unkorreliert zueinander verhalten: zum einen Qualitätsaktien, dann Verkaufsoptionen auf Aktienindizes und schließlich kurzlaufende US-Staatsanleihen sowie liquide Mittel, die bis zu 40 Prozent vom Portfolio ausgemacht haben.

Haben Sie Ihren Cash-Anteil wieder reduziert, um in Aktien oder Anleihen zu investieren?
Generell scheuen wir Veränderungen am Portfolio. Aber wir haben zuletzt rund zehn Prozent in Aktien und Anleihen investiert, die seit Langem nicht so attraktiv waren.

Welche Aktien waren darunter? 
Zum großen Teil bestehende Titel wie Costco Wholesale oder KDDI, aber auch neue Positionen wie Danone, Heineken, Oracle und Citrix. Dies sind jeweils solide Unternehmen mit relativ stabilen Cashflows, die nicht übermäßig in den Sog der Krise geraten dürften.

„Wir befinden uns irgendwann im Herbst 1914“

Inwiefern wird die Corona-Krise die Kapitalmärkte beeinflussen?
Selbst im besten Fall – wenn das Virus unter Kontrolle ist, und der Lockdown innerhalb der nächsten Zeit beendet wird – wird der entstandene Schaden immens sein. Wir stehen vor dem steilsten wirtschaftlichen Abschwung seit Menschengedenken. Er wird alles andere, was wir bisher erlebt haben, in den Schatten stellen.

Gibt es kein Fünkchen Hoffnung?
Die Talfahrt am Aktienmarkt wird nicht ewig andauern. Irgendwann werden die Erwartungen so niedrig sein, dass es echte Schnäppchen gibt und ein neuer Marktzyklus beginnen kann. Hiervon sind wir aber noch weit entfernt. Um es mit einem geschichtlichen Vergleich auszudrücken: Wir befinden uns irgendwann im Herbst 1914.

Also am Beginn des 1. Weltkriegs, der noch bis zum November 1918 dauern sollte.
Erzherzog Franz Ferdinand ist ermordet worden, der Schlieffenplan ist in Kraft getreten, es wurden Ultimaten gestellt und erste Schüsse sind gefallen. Die Soldaten marschieren guten Mutes in Richtung Front und denken, dass sie Weihnachten wieder zu Hause sind. Und dann kommt alles ganz anders.

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