Billionenmarkt Nachhaltigkeit

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Auch 2018 investierten Anleger in Deutschland wieder Rekordsummen in den Markt für nachhaltige Geldanlagen, zeigt eine aktuelle Studie. Dabei werben längst nicht mehr nur Unternehmen mit nachhaltigen Strategien um die Gunst der Anleger. Auch für Staaten wird das Thema immer wichtiger.

Egal ob im Supermarkt, im
Modegeschäft oder beim Autokauf: Nachhaltigkeit ist zu einem Schlagwort
geworden, das allgegenwärtig ist – auch in der Finanzwelt. 2018 haben
Investoren in Deutschland erneut Rekordsummen in nachhaltige Geldanlagen
investiert, zeigt der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen
(FNG). Ende vergangenen Jahres lag das nach sozialen, ethischen und
ökologischen Kriterien angelegte Vermögen in Deutschland bei rund 219,1
Milliarden Euro. Das sind 48 Milliarden Euro mehr als noch im Vorjahr. Rechnet
man auch noch nachhaltige Investments im weiteren Sinne dazu, bei denen
Unternehmen immerhin gewisse Nachhaltigkeitskriterien verfolgen, kommt man auf eine
Gesamtsumme von rund 1,53 Billionen Euro.

Es gibt verschiedene Strategien, nach
denen die Finanzindustrie nachhaltige Produkte gestalten kann. Am weitesten
verbreitet unter Fondsmanager sind dem FNG zufolge Ausschlusskriterien. Knapp
128 Milliarden Euro verwalten Asset Manager nach dieser Strategie, bei der
heikle Branchen von vornherein ausgeschlossen werden. Bei Unternehmen achten Investoren
vor allem darauf, dass Arbeitsrechte eingehalten werden, auf die Bekämpfung von
Korruption und Bestechung sowie auf die Achtung der Menschenrechte. Klimaschutz
gewinnt bei der Titelauswahl an Bedeutung. Der Ausschluss von Unternehmen, die
Kohle fördern oder verstromen, ist jüngst neu in die Top Ten der beliebtesten
Ausschlussgründe eingezogen: Er rangiert nun auf Platz fünf.

Bei Staaten achten Investoren laut
FNG-Bericht am meisten darauf, wie Regierungen Korruption verhindern. Dahinter
folgt der Umgang mit Bürgerrechten in Diktaturen und der Klimaschutz. Durchs
Raster fallen zum Beispiel Staaten, die Umweltkonventionen wie den Pariser
Klimavertrag nicht ratifiziert haben. Ophélie Mortier, Leiterin der
Nachhaltigkeitsabteilung der belgischen Fondsboutique Degroof Petercam, sieht
in der Selektion einen Schritt in die richtige Richtung. „Investoren können und
müssen dazu beitragen, weltweit eine nachhaltige Staatsführung in der Breite zu
fördern“, sagt sie. Nur so würden sich globale Probleme wie der Klimawandel
lösen lassen. Wie groß der Effekt einer Intervention von Seiten der
Finanzmärkte sein kann, zeige der Blick in die Portfolios der großen Pensionsfonds
in Europa. „Darin haben Staatsanleihen immerhin ein Gewicht von 30 Prozent“,
sagt Mortier.

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Bonds von Staaten, die die
sogenannten ESG-Kriterien berücksichtigen, können sich für Investoren auch
monetär lohnen, ist die Anlageexpertin überzeugt. Das Akronym steht für Environmental,
Social and Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. „Staatspapiere
nachhaltiger Länder zeigen sich in Krisenzeiten grundsätzlich
widerstandsfähiger“, sagt Mortier. Das wurde unter anderem im Zuge der
Eurokrise im Jahr 2010 deutlich. Damals habe sich das nachhaltig wirtschaftende
Skandinavien deutlich besser geschlagen als beispielsweise Südeuropa, wo die
Regierungen weniger Wert auf die Einhaltung der ESG-Kriterien gelegt haben.

Institutionelle Investoren sind der
wichtigste Treiber des Marktes für nachhaltige Geldanlagen, zeigt der
FNG-Bericht. Rund 93 Prozent des investierten Vermögens befanden sich Ende 2018
in der Hand von Kirchen, Versicherungen, Versorgungseinrichtungen und anderen
institutionellen Anlegern. Die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten
dürfte künftig weiter steigen, prognostiziert FNG-Vorstandsmitglied Helge
Wulsdorf. Der Grund: Die EU hat jüngst ein umfassendes Paket zur Stärkung des
Markts für nachhaltige Anlagen beschlossen. Seit Anfang des Jahres müssen
institutionelle Investoren im Beratungsgespräch zum Beispiel explizit fragen,
ob und wie nachhaltig der Kunde sein Geld anlegen möchte. „Die Nachfrage privater
Anleger nach nachhaltigen Anlageprodukten dürfte dadurch einen deutlichen Schub
erleben“, sagt Wulsdorf.