Börsengehandelte Indexfonds stehen immer wieder in der Kritik

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So schrumpfte das in ETFs gebundene Anlegerkapital zuletzt.

Höher,
schneller, weiter: Börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange
Traded Funds), erlebten in der vergangenen Zeit einen wahren Höhenflug. Viele Anleger
erliegen dem Charme der Anlageform, die leicht zu handeln ist und ohne teuren
Fondsmanager auskommt. Ein weiterer Vorteil: ETFs sind börsennotiert, mithin jederzeit
handelbar und immer verfügbar. Doch was, wenn auf einen Schlag viele Investoren
die Lust an einem ETF verlieren? Experten sorgen sich vermehrt um die
Liquiditätslage in angespannten Marktphasen, manche sprechen gar davon, ETFs könnten
in schwierigen Zeiten als Brandbeschleuniger wirken.

So kommt
beispielsweise die Bundesbank in einer Studie zu dem Schluss, dass die immer stärkere
Verbreitung von ETFs eine Gefahr darstelle. Preisentwicklungen, egal ob positiv
oder negativ, werden an den Finanzmärkten verstärkt, heißt es in der Analyse: „Die
Analyse verschiedener Flash Crashs deutet darauf hin, dass Potenziale zur
kurzfristigen Verstärkung von Phasen ausgeprägter Anspannungen an den
Finanzmärkten bestehen“

Jason
Xavier, Leiter des EMEA-ETF-Geschäfts der Fondsgesellschaft Franklin Templeton
Investments, widerspricht. Er sagt: „Märkte sind irrational und schon immer
gestiegen und gefallen.“ Der enorme Aufstieg der ETFs habe dieses Phänomen
nicht verursacht. Im Gegenteil: ETFs böten in der aktuell turbulenten Zeit, die
so sehr von Brexit-Verhandlungen, Schuldenkrisen und Handelskonflikten geprägt ist,
sogar eine besonders hohe Flexibilität und Markttransparenz.

ETF-Boom ist womöglich vorbei

Sein
Argument stützt er auch auf die unterschiedlichen Handelschancen für Anleger. „Eine
der zentralen Eigenschaften eines ETFs ist die Tatsache, dass das Angebot an
Anteilen flexibel ist“, sagt er. So können Investoren ETFs nicht nur über die
Börse kaufen und verkaufen, sondern auch direkt mit anderen Marktteilnehmern in
den Handel treten. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger auf ihren
Vermögenswerten sitzen bleiben, falls sich einmal keine Käufer an der Börse finden.
In diesem Fall hätten Anleger immer noch die Möglichkeit, Anteile an einen
befugten Teilnehmer zu verkaufen. Diese Sekundärliquidität werde von Kritikern
oft übergangen.

Die Sorgen
der ETF-Kritiker vor einem immer stärkeren Einfluss der ETFs auf die Märkte
könnten zudem übertrieben sein. So schrumpfte das in ETFs gebundene
Anlegerkapital zuletzt. Allein im Mai flossen unterm Strich 8,4 Milliarden Euro
aus den Produkten ab, meldete jüngst die Fondsgesellschaft Amundi. Besonders
stark verloren Aktien-ETFs, die 18,3 Milliarden Euro an Mittelabflüssen
verzeichneten.

Auch Zahlen
des US-Finanzdienstleisters Broadridge Financial Solutions weisen darauf hin,
dass der ganz große ETF-Boom womöglich vorbei sein könnte. Danach legten
Investoren in den USA im ersten Quartal 2019 erstmals seit drei Jahren mehr
Geld in klassische Indexfonds an als in börsengehandelte ETFs. Den
traditionellen Fonds flossen dabei zum ersten Mal seit einem Jahr überhaupt
wieder Netto-Mittel zu. „Es wird interessant sein zu sehen, ob das nur ein saisonaler
Trend ist, oder ob er sich bestätigt“, heißt es in der Marktanalyse.