Boris Johnson und der Zinsausblick der EZB

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An den Kapitalmärkten ist die Wahl des Blondschopfs zum britischen Premier nicht besonders gut angekommen.

FundResearch blickt auf die letzte Woche zurück und gibt einen Ausblick auf kommende Ereignisse.

Es war abzusehen, jetzt ist es passiert. Sowohl die USA als auch Großbritannien werden von merkwürdigen alten Männern mit blonder Frisur regiert. Beide wurden in New York geboren. Und das sind nicht die einzigen Gemeinsamkeiten der beiden angelsächsischen Staatslenker. Beide behaupten, ihr Land wieder „groß“ machen zu wollen. Beide haben ein Gespür für gelungene PR, und sowohl Johnson als auch Trump stellen häufig ihr gestörtes Verhältnis zu Wahrheit und Fakten unter Beweis. Beide haben von Wirtschaft keine Ahnung. Donald Trump lässt sich zwar gerne als „business man“ und „dealmaker“ feiern. Doch seine Wirtschaftspolitik ist wirr, nennenswerte Deals mit anderen Nationen mit positivem Effekt für die US-Wirtschaft kann er nicht vorweisen. Und Boris Johnson? Er gibt sich erst gar nicht die Mühe, Wissen oder gar Interesse für ökonomische Aspekte zu haben. Sein Ausspruch „Fuck Business“ wurde zuletzt häufig in den Medien diskutiert.

An den Kapitalmärkten ist die Wahl des Blondschopfs zum britischen Premier deshalb auch nicht besonders gut angekommen. Das britische Pfund kostet aktuell etwa 1,11 Euro und damit so wenig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Zur Erinnerung: Im Jahr 2015, einem Jahr vor dem Brexit-Referendum, mussten Devisenhändler für ein britisches Pfund noch 1,45 Euro zahlen. Zwar kann eine schwächere Währung der Exportindustrie eines Landes grundsätzlich helfen, doch im Falle Großbritanniens liegt die Sache anders. Das Land würde im Falle eines No-Deal-Brexit dem wichtigsten Handelspartner gegenüber, nämlich der EU, als Drittstaat gelten. Im Gegensatz zu anderen Drittstaaten wäre Großbritannien aber ohne Handelsabkommen. Sprich: Britische Unternehmen müssten ihre Produkte bei Exporten in die EU vergleichsweise hoch verzollen. Für Boris „Fuck Business“ Johnson könnte das schon bald zum Problem werden. Denn er hat seinen Landsleuten ein starkes Land und eine wiederaufblühende Wirtschaft versprochen – ohne zu verraten, wie er diese Ziele erreichen will. EU-Zölle werden ihm da nicht helfen.

Sinkende Zinsen am Horizont

Bei dem Medien-Getöse rund um die Wahl Boris Johnsons ist der Zinsausblick, der „Forward Guidance“ der EZB in der vergangenen Woche leider etwas untergegangen. Mit dem Papier hat Noch-EZB-Chef Mario Draghi den Boden für eine weitere Zinssenkung und die Wiederbelebung des Ankaufprogramms bereitet. Die Maßnahmen könnten bereits im September verabschiedet werden – gerade noch rechtzeitig, bevor Christine Lagarde dann im November in Frankfurt das Zepter über die europäische Geldpolitik übernimmt.

Der Rentenmarkt hat auf Draghis Ankündigung sofort reagiert. Die Renditen für Bundesanleihen haben neue Tiefststände erreicht, zugleich zeigen Anleger mehr Risikobereitschaft bei europäischen Wertpapieren. Die Zentralbanken dominieren also weiterhin den Markt, während es so scheint, als ob Anleger die fundamentale Analyse zunehmend vernachlässigen würden. Das könnte sich schon bald als Fehler erweisen. Denn ob die EZB mit ihren angekündigten Maßnahmen der lahmenden Konjunktur in Europa neuen Schwung verleihen kann, bleibt abzuwarten.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag wird das Ergebnis der GfK Verbrauchervertrauensumfrage veröffentlicht. Der Index misst das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Aktivität. Die Zahlen könnten einen Hinweis darauf geben, ob die Konsumfreudigkeit der Deutschen die Wirtschaft auf Spur halten kann, nachdem das verarbeitende Gewerbe und die Exportwirtschaft technisch gesehen bereits in eine Rezession abgerutscht sind.

In welcher Form sich das Verbrauchervertrauen tatsächlich in der Konsumfreude der Deutschen abbildet, zeigen am Mittwoch die Einzelhandelsumsätze, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht werden.

Am Donnerstag folgen weitere Deutschlandzahlen von der ifo: die Geschäftsaussichten, der Geschäftsklimaindex und die „aktuelle Beurteilung“ – ein Frühindikator für die Geschäftserwartungen in Deutschland. Das Institut befragt dafür mehr als 7.000 Unternehmen über ihre Einschätzung der Geschäftslage und ihre kurzfristigen Planung.

Am Freitag rücken wieder US-Daten in den Fokus der Aufmerksamkeit. Das US Bureau of Economic Analysis wird an diesem Tag das annualisierte Bruttoinlandsprodukt für die Vereinigten Staaten veröffentlichen. Der letzte veröffentlichte Wert lag bei 3,1 Prozent Wachstum. Experten rechnen mit einem Rückgang auf 1,8 Prozent.