Brexit und Coronavirus: Stay cool

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FundResearch blickt auf die letzte Woche zurück und gibt einen Ausblick auf künftige Ereignisse. Im Fokus diesmal: die Angst vor dem Coronavirus und Großbritanniens langer Abschied von Europa.

Rückblick auf die vergangene Woche

Steve Bray hat jetzt endlich Feierabend. Drei Jahre lang hat „Mister Stop Brexit“ jeden Tag, an dem das britische Unterhaus getagt hat, sein überdimensioniertes Megafon vor seinen Mund gehalten und den Parlamentariern lauthals „Stop Brexit!“ zugerufen. Die BBC hat die Szenerie immer wieder übertragen und in unterschiedlichen Zusammenhängen in ihre Berichterstattungen eingestreut. So ist Steve Bray in Großbritannien zweifellos zum prominentesten Pro-Europäer geworden. Seit Freitag vergangener Woche ist Ruhe. Der Brexit ist offiziell vollzogen, und Bray kann seine angeschlagene Stimme nur noch mit einem Pint warmen Bieres ohne Schaum ölen. Man hätte ihm mehr Erfolg gegönnt. 

Jetzt folgt eine Übergangsphase bis Ende des Jahres, in dem die Europäische Union mit Boris Johnson die Details verhandelt. Es wird eine Phase werden, die sich für mutige Investoren lohnen könnte. Denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“, wie Hermann Hesse einmal schrieb. In diesem Zusammenhang bedeutet das: Mit der endgültigen Brexit-Entscheidung sind Hoffnung und Optimismus eingekehrt. Man weiß nicht, was kommt, aber es könnte ja doch was Gutes sein. Und so gehören britische Aktien seit Herbst vergangenen Jahres zu den Lieblingen der Anleger. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres, als der Brexit-Streit eskalierte und sich schließlich abzeichnete, dass Boris Johnson seine Ideen durchsetzen würde, summierten sich die Käufe auf insgesamt 7,1 Milliarden Euro. Der britische Leitindex FTSE gewann in dieser Zeit rund sieben Prozent an Wert. Cool handeln, wenn die Anderen sich ängstigen, zahlt sich an der Börse meistens aus.

Diese Erkenntnis könnten Investoren auch in Zusammenhang mit dem Medienhype um den Coronavirus 2019-nCoV für ihre Anlageentscheidungen nutzen. Glaubt man führenden Virologen, wird der Virus sich dem menschlichen Organismus vermutlich bald so anpassen, dass er als harmlose Erkältung fortlebt und seinen Wirt nicht tötet. Im chinesischen Wuhan, wo das öffentliche Leben durch die Quarantäne-Maßnahmen derzeit quasi brach liegt, wird das Leben nicht nur weitergehen, sondern bald wieder gefeiert werden. Es wird Erleichterung und Nachholeffekte geben. Das gilt auch für die Aktienbörsen, die in der vergangenen Woche vom Corona-Virus befallen waren. Deshalb gilt jetzt: Cool bleiben. Es könnte sich lohnen.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag wird der britische PMI Bau veröffentlicht. Der Index spiegelt den Zustand der Baubranche Großbritanniens wider. Der Bausektor beeinflusst das britische BIP zwar nicht so sehr wie das verarbeitende Gewerbe. Doch er ist ein wichtiger Trendindikator. Im vergangenen Jahr zeigte dieser Trend stetig nach unten. Seit Oktober hat sich die Branche etwas stabilisiert. Ob der vollzogene Brexit nun für einen Aufschwung oder einen Abschwung sorgt, wird sich in den kommenden Monaten vielleicht schon abzeichnen.

Am Mittwoch veröffentlicht Markit Economics Zahlen zu Produktion und Dienstleistung sowie zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in der Eurozone. Die Zahlen geben einen Überblick über den Zustand der Wirtschaft auf dem europäischen Kontinent – und der britischen Insel. Großbritannien ist in der Statistik noch enthalten. 

Am Donnerstag wird der Nationale Statistikservice die offizielle Arbeitslosenquote Griechenlands veröffentlichen. Aktuell liegt die Quote bei immer noch hohen 16,6 Prozent. Das ist erstens viel und zweitens – absolut und isoliert gesehen – nur begrenzt aussagefähig. Denn Griechenlands Statistikbehörde genießt nicht den besten Ruf.  Spannend ist jedoch die Entwicklung. Griechenlands Wirtschaft ist offensichtlich auf gutem Wege, sich von den Schocks der Eurokrise zu erholen.

Am Freitag veröffentlichen sowohl Deutschland als auch China ihre Handelsbilanzen. Der Vergleich der Entwicklung in den beiden Ländern lohnt sich. Aktuell sieht es so aus, dass Chinas Importe zunehmen, während der Export auf hohem Niveau stagniert. China konzentriert sich immer mehr auf sich und stärkt den Binnenmarkt. In Deutschland blieb die Handelsbilanz in den vergangenen Monaten – unter Berücksichtigung der üblichen Schwankungen – unter dem Strich stabil. Deutschland bleibt eine Exportnation – mit allen positiven und negativen Implikationen. Negativ ist beispielsweise die zurückhaltende Investitionstätigkeit hierzulande. Aber vielleicht liefern neue Zahlen in den kommenden Wochen hier ja neue Erkenntnisse.