Capital Group: Konjunktur – Erste Anzeichen von Optimismus für Europa

Schlagworte: , , ,
Alles in allem hat die europäische Wirtschaft eine überraschende Widerstandsfähigkeit gezeigt. Die Arbeitslosigkeit ist in den meisten Ländern gesunken und steigende Löhne sowie eine niedrigere Inflationsrate haben das real verfügbare Einkommen angekurbelt.

Die
Regierungen haben die Finanzpolitik durch Steuersenkungen und höhere
öffentliche Ausgaben gelockert. Diese Faktoren haben die Konsumausgaben
gestützt und die Konsumentenstimmung ist weiterhin robust.

Einzelhandel
Einzelhandel
Einzelhandel

Konjunkturindikatoren
wie der Einkaufsmanagerindex (EMI) für Dienstleistungen, die dabei
helfen, die Aktivitätsniveaus zu messen, sind seit dem ersten Quartal
2019 relativ schwungvoll angestiegen, während sich derselbe Index für
das verarbeitende Gewerbe (EMI Verarbeitendes Gewerbe) relativ gesehen
schwächer entwickelt hat. Es könnten sich jedoch erste Anzeichen für
einen Wendepunkt in der Produktionstätigkeit abzeichnen. Der
Auftragseingang hat sich im Oktober 2019 spürbar verbessert und dies
könnte in Verbindung mit einem Rückgang der Fertigwarenbestände in
Deutschland und Frankreich kurzfristig einen möglichen Wendepunkt in
Bezug auf die Geschäftstätigkeiten bedeuten1.

Die
anhaltend niedrige Inflation und die politische Unsicherheit in der
Region bleiben zentrale Themen. Die Handelsspannungen und das langsamere
Wachstum in China haben die Exportländer, insbesondere Deutschland,
unter Druck gesetzt. Trotz dieser Gegenwinde gibt es Hinweise darauf,
dass das Schlimmste vorbei sein und sich das Wachstum stabilisieren
könnte, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.

Wie sind europäische Aktien vor diesem Hintergrund positioniert?

Während
europäische Aktien im Laufe des Jahres 2019 starke absolute Renditen
erwirtschaftet haben, sind sie gegenüber US-amerikanischen Aktien
weiterhin zurückgeblieben. Wir haben in den letzten zehn Jahren ein
ähnliches Muster beobachtet. Es gibt eine Reihe von Gründen für
überlegene Indexrenditen bei US-Aktien: ein starker US-Dollar,
politische Unsicherheit und Handelszölle – um nur einige zu nennen. Ein
weiterer Faktor ist die Art und Weise, wie die Aktienmarktrenditen in
der Regel gemessen werden.

Ein
oberflächlicher Vergleich der US- und europäischen
Aktienindexergebnisse lässt einige wichtige Details im Verborgenen.
Europäische Indizes weisen im Allgemeinen eine stärkere Konzentration
von Aktien in Branchen der „alten Wirtschaft“ wie Finanzen, Rohstoffe
und Energie auf. Wenn man dies mit den USA vergleicht, dominieren dort
Technologie und Gesundheitswesen. Diese zuletzt genannten Branchen haben
sich stark erholt und die Bewertungen in die Höhe getrieben.

Auf
den europäischen Märkten gibt es zwar nicht viele Technologietitel,
deren Kurse in höchste Höhen steigen, es mangelt ihnen jedoch nicht an
marktführenden Unternehmen. Ein bedeutender Teil des Gesundheitsbereichs
konzentriert sich zwar in den USA, in Europa sind jedoch große
Pharmaunternehmen wie Novartis, AstraZeneca und Novo Nordisk ansässig.
In der Nicht-Basiskonsumgüterbranche besitzen die in Frankreich
ansässige LVMH, Kering und die Schweizer Firma Richemont einige der
bekanntesten Luxusmarken der Welt. Darüber hinaus sind diese Unternehmen
nicht nur auf die Gesundheit der einheimischen europäischen Wirtschaft
angewiesen, sondern sie sind etablierte multinationale Unternehmen mit
bedeutenden Märkten in den USA und in Asien.

Im
Vergleich zu US-amerikanischen Aktien zahlen europäische Aktien im
Verhältnis zu ihrem Kurs (im Durchschnitt) höhere Dividenden und werden
zu niedrigeren Bewertungen gehandelt, was bedeutet, dass ihre
Aktienkurse niedriger sind, wenn sie als ein Vielfaches ihrer zugrunde
liegenden Gewinne betrachtet werden. Dies sind attraktive Merkmale für
Anleger, die es vorziehen, in einem spätzyklischen Konjunkturumfeld
defensiver zu sein.

In
Anbetracht des Potenzials für eine Verbesserung des makroökonomischen
Umfelds in Europa, des globalen Charakters ausgewählter europäischer
Unternehmen und attraktiver Bewertungen im Vergleich zu ihren
US-Pendants lassen sich unter den in Europa börsennotierten Aktien
einige interessante längerfristige Anlagemöglichkeiten finden. 

KGV
KGV
KGV

1. Quelle: Markit, Stand: 31. Oktober 2019.