Die besten europäischen Aktienfonds im Check

Schlagworte: ,
Auf den ersten Blick steht Europa momentan nicht gut da. Doch das kann täuschen. Die erfolgreichsten europäischen Aktienfonds finden jedenfalls weiterhin attraktive Aktien.

Wer über Europa sinniert, denkt derzeit fast zwangsläufig an die
nächste Krise. Wie schlimm wird der EU-Austritt der Briten? Wie können
Frankreich und Italien ihre Staatshaushalte wieder in Ordnung bringen?
Wie lange hält der Euro noch? Sollte man um
europäische Aktien also lieber einen Bogen machen? Fondsmanager denken
naturgemäß anders und möchten in die erfolgreichsten Unternehmen des
Kontinents investieren. Makroökonomische Themen wie der Brexit oder die
Eurokrise spielen da vielfach nur eine untergeordnete Rolle.

Das gilt zum Beispiel für Franz Weis, Eva Fornadi und Rebecca Kaddoum,
die den im August 2009 aufgelegten Comgest Growth Europe Opportunities
leiten. Die Manager der französischen Fondsboutique setzen seit über 30
Jahren auf Unternehmen, die viele Jahre lang überdurchschnittlich stark
wachsen. „Quality Growth“ haben die Franzosen diesen Anlagestil getauft,
mit dem sie sehr erfolgreich sind und Jahr für Jahr etliche FundAwards
gewinnen. Beim Comgest Growth Europe Opportunities zählen zu ihren
favorisierten Einzelwerten etwa die Gesundheitskonzerne Fresenius und Lonza sowie die Technologiewerte ASML und Wirecard.

Bankaktien meiden sie dagegen, weil sie ihren Ansprüchen nicht
genügen. Insgesamt halten Weis, Fornadi und Kaddoum im Comgest Growth
Europe Opportunities lediglich 39 Titel, zu denen auch viele Nebenwerte
zählen. Grund: Während die Manager beim Comgest Growth Europe nur in
erprobte Titel investieren, kaufen sie beim Opportunities auch Titel,
die ihr Wachstum noch nicht so lang unter Beweis gestellt haben. Das
Kalkül hinter diesem Ansatz ist einfach: Unternehmen, die lange Zeit
stark wachsen, bringen Anlegern auf lange Sicht überdurchschnittlich
hohe Renditen, ohne dass die Kurse dafür besonders stark schwanken
müssen. Tatsächlich schwanken die Comgest­Fonds meist nicht sehr stark
und hielten sich in schwierigen Börsenjahren wie 2008, 2011 oder 2018
sehr gut.

Growth & Value

Auch Fondsmanager Alexander Darwall weist eine hervorragende Bilanz auf. Seit April 2007 managt der Brite den Jupiter
European Growth Fund und investiert dort in europäische Unternehmen,
die langfristig stark wachsen können und überdurchschnittlich
profitabel sind.

„Wir möchten das Innenleben von starken
Unternehmen verstehen und nicht über Marktzyklen spekulieren“, sagt er.
In den vergangenen zehn Jahren wurde der Jupiter European Growth Fund
mit diesem Ansatz zum besten europäischen Aktienfonds, vor allem auf
fünf und zehn Jahre ist er spitze und erhält dafür zwei FundAwards. Auch
Darwall mischt immer wieder Nebenwerte bei und hält nur knapp 35
Einzelwerte in seinem Portfolio, in die er oft sehr lange investiert
bleibt. Zu seinen größten Titeln gehören etwa die Gesundheitswerte Grifols und Novo Nordisk
sowie die Technologiewerte Amadeus IT und Wirecard. Telekomwerte meidet
er dagegen, weil sie für ihren Geschäftsbetrieb und die Investitionen
zu viel Kapital benötigen. „Alles in allem ist Europa die Heimat vieler
Unternehmen, die weltweit führende Produkte und Dienstleistungen
anbieten und die 2019 weiterhin kontinuierlich erfolgreich gegen die
besten Unternehmen auf der globalen Bühne konkurrieren können“, erklärt
Fondsmanager Darwall.

Sehr erfolgreich waren zuletzt auch zwei Indexfonds von Deka
Investments: der Deka Europe Strong Growth 20 ETF sowie der Deka Europe
Strong Value 20 ETF. Mit dem Growth­ETF investieren Anleger in 20
europäische Aktien, die mit ihrem historischen und erwarteten
Gewinnwachstum überzeugen. Zu den größten Einzelwerten gehören hier etwa
die Gesundheitswerte Evotec und Genmab
sowie die Luxusmarke Hermès International. Mit dem Value­ETF halten
Anleger dagegen 20 europäische Aktien, die mit einem günstigen
Kurs­Gewinn­ oder Kurs­Buchwert­Verhältnis überzeugen. Hier zählen die
Versicherer Hannover Rück oder Swiss Re beispielsweise zu den größten Einzelwerten.

Klein & fein

Bei den reinen Nebenwertefonds überzeugt vor allem der Comgest Growth
Europe Smaller Companies. Dort investieren Eva Fornadi und Rebecca
Kaddoum sowie zwei weitere Kollegen in lediglich 29 Einzelwerte, die
ebenfalls ihren hohen Quality­Growth­Ansprüchen genügen. Einen sehr
guten Lauf hatte zuletzt auch der DJE Mittelstand & Innovation. Bei
diesem DJE-Fonds investiert René Kerkhof in Nebenwerte aus Deutschland,
der Schweiz und Österreich, die stark wachsen und nationale oder
internationale Marktführer sind – was vor allem auf Gesundheits­,
Industrie­ und Technologiewerte zutrifft.

Fünf kreative Ideen, um eine Million Dollar zu investieren

Schlagworte: , , , , , ,
Wo würden Sie jetzt eine Million Dollar investieren, wenn Sie sie hätten? Diese Frage hat Bloomberg fünf Experten gestellt. Die Antworten reichen von US-Bürgerkriegsanleihen bis zu handgefertigten Schaukelstühlen.

Wo würden Sie jetzt eine Million Dollar investieren, wenn Sie sie hätten? Diese Frage hat Bloomberg fünf Experten gestellt. Die Antworten reichen von US-Bürgerkriegsanleihen bis zu  handgefertigten Schaukelstühlen.

Mark Mobius, Gründer von Mobius Capital Partners ist Fan von alten Anleihen, für die es eine kleine, aber leidenschaftliche Anhängerschaft gibt. „Ich mag Anleihen, die einen Moment in der Geschichte festhalten„, erklärt Mobius und nennt ein konkretes Beispiel: Die Nordstaaten emittierten während des US-Bürgerkriegs 1861 zweijährige verzinsliche Schuldverschreibungen mit einem Kupon von sechs Prozent und einem Nominalwert von 50 US-Dollar. Eine dieser Anleihen wurde im August vergangenen Jahres bei einer Auktion eines Teils der Joel R. Anderson Collection of U.S. Paper Money für 1,02 Millionen Dollar versteigert. Durch diesen Verkauf hatte die Anleihe ihren Wert glatt verdoppelt.

Sarah Heller, Wein-Expertin und Getränkeberaterin, liebt Vintage-Mode, vor allem zeitlose Kreationen von Emilio Pucci aus den 1970er Jahren, die auch heute noch zeitgemäß aussehen. „Während Sie vielleicht eines seiner Kleider für ein paar tausend Dollar online finden, ist Kleidung, die Prominente einmal getragen haben, deutlich mehr wert“ erklärt Heller. Als Beispiel nennt sie das schwarze Satin-Abendkleid von Hubert de Givenchy, das Audrey Hepburn in dem Film „Breakfast at Tiffany’s“ trug. Das Kleid wurde 2006 bei Christie’s für 467.200 Pfund ($609.000) verkauft.

Anthony Roth, Chief Investment Officer des Wilmington Trust, sammelt Möbel von Sam Maloof, einem der wichtigsten Vertreter der amerikanischen modernen Möbel der Mitte des Jahrhunderts. „Dessen handgefertigten Stücke bestehen aus wunderschönem Holz, das ohne Nägel und Metall verbunden ist. Er ist vor allem für seine Schaukelstühle bekannt“, so Roth. Die Kunsthandwerksammlung des Weißen Hauses habe einen solchen Schaukelstuhl, ebenso wie das Metropolitan Museum of Art. „Ich denke, dass seine Schaukelstühle mit niedrigem Rücken eigentlich schöner und unglaublich elegant sind“, sagt Anthony Roth. Die Stühle werden zu Preisen zwischen 15.000 bis 20.000 Dollar gehandelt.

JD Montgomery, Manager bei Canterbury Consulting, empfiehlt Investments im E-Sport-Bereich. „Ich würde die Million aufteilen und 40 Prozent davon in  eine spielunabhängige Infrastruktur investieren, die Spiele unterstützt“, so Montgomery. Als Beispiel nennt er eine Firma namens Discord, einer Chat-Plattform für Spiele mit über 200 Millionen Nutzern. „Die anderen 60 Prozent verteile ich auf drei Teams. Interessante Namen sind Cloud9, 100 Diebe und die Seoul-Dynastie“, so Montgomery. Das wertvollste Team, Cloud9, sei 310 Millionen Dollar wert, man könne aber auch auf kleinere Teams zu wesentlich niedrigeren Kosten zugreifen. Zudem gebe es Fonds, mit denen man in Teams investieren kann. Die Größe der Branche bezeichnet JD Montgomery bereits als unglaublich, und sie stünde erst am Anfang.

Norman Villamin, Chief Investment Officer bei Union Bancaire Privee, findet Musiklizenzen spannend. Sie seien ein wirklich netter Weg, um hohe Renditen in einer Welt niedriger Zinsen zu erzielen. Und das Beste daran sei, dass sich diese Investition nicht im Gleichschritt mit dem Rest der Welt des festen Einkommens bewege. „Die Lizenzgebühren für Musik bewegen sich in den Takt ihres eigenen Schlagzeugers“, orakelt Villamin. „Bereits in den späten 90er Jahren begab David Bowie Anleihen, die durch Einnahmen aus seiner Musik gestützt wurden. Seit langem kaufen Investoren Verlagsrechte für Hit-Song-Kataloge. Der Unterschied besteht darin, dass Investoren keine Lennon & McCartney-Tunes mehr kaufen müssen“, so Villamin. Musiklizenzen seien deshalb zwar keine neue Anlageklasse. Doch mit dem Aufkommen des Streamings und der Explosion von Shows auf Netflix und Amazon, die Soundtracks benötigen, könnten selbst obskure Songs Gewinne bringen. Laut Villamin gibt es Investmentgesellschaften, die die Songs von platinverkaufenden Künstlern kaufen und ihnen in Anzeigen, TV und Film neues Leben einhauchen. „Man kann auch Songrechte von den Komponisten kaufen, anstatt von der aufgenommenen Musik. Wenn man es lieber allein machen möchte, kann man für Musikrechte bieten, die von ihren Eigentümern an Online-Musikbörsen zum Verkauf angeboten werden, die in den letzten Jahren entstanden sind“, erklärt Villamin.

Ein gutes Jahr für Aktien

Schlagworte: ,
Der deutsche Aktienmarkt entwickelt sich derzeit ähnlich wie vor zehn Jahren. Wenn sich das fortsetzen sollte, hätten wir am Ende trotz aller Unkenrufe ein gutes Aktienjahr. Die Geschichte wiederholt sich nicht. Nach der großen Finanzkrise waren die Bedingungen viel kapitalmarktfreundlicher.

Man kann die Bären an der Börse nicht zählen. Aber viel spricht dafür,
dass sie zumindest in Europa nach wie vor in der Mehrheit sind. Sie
gehen davon aus, dass die Aktienkurse nach der erfreulichen Entwicklung
zu Jahresbeginn wieder kippen. Es könnten wegen der schlechten
Konjunktur neue Tiefstände erreicht werden. Natürlich gibt es auch
Bullen, die mit einer weiteren Aufwärtsbewegung rechnen. Aber sie haben
es schwer, im derzeitigen Umfeld überzeugende Argumente zu finden.

»Eine längerfristige Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse ist nicht unmöglich.«

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mich zu den
Bullen rechne. Das beruhte ursprünglich auf einem Bauchgefühl. Ich habe
dazu dann vor kurzem eine volkswirtschaftliche Begründung geliefert. Sie
beruht darauf, dass der Konjunkturabschwung im Laufe dieses Jahres
auslaufen wird (vielleicht schon im ersten Halbjahr). Dann kommt das
Konjunkturtief. Es ist erfahrungsgemäß die beste Zeit für Aktien. Da
müsste es mit den Kursen also wieder nach oben gehen.

Denn dann sind die Unternehmensgewinne niedrig, die
Zinsen gehen noch nicht wieder hoch. Da können die Kurse nur steigen. Es
könnte sein, dass die Entwicklung der Märkte in den ersten Monaten
dieses Jahres diese Perspektive bereits vorweggenommen hat. Das Risiko
ist natürlich, dass die Politik – sei es in Amerika oder in
Großbritannien – bei all dem einen Strich durch die Rechnung macht.

Ich halte diese Begründung nach wie vor für
tragfähig. Trotzdem ist die Sache so wichtig, dass ich nach weiteren
Argumenten suche. Eines fand ich für den DAX in der nebenstehenden
Grafik.

Sie zeigt im unteren Teil die Entwicklung des
deutschen Aktienindex nach der Rezession in der großen Finanzkrise. Im
Laufe des Jahres 2008 stürzten die Kurse dramatisch ab. Im März 2009
drehte sich die Situation. Von nun an ging es – natürlich unter
Schwankungen – wieder nach oben. Über diese Linie habe ich die
Entwicklung des DAX zehn Jahre später, also seit 2017 gelegt. Im Laufe
des Jahres 2018 gingen die Kurse wie damals kräftig nach unten,
besonders stark im Dezember. Anfang 2019 drehte sich die Situation und
der DAX erhöhte sich.

Die Parallelität der beiden Kurven ist verblüffend.
Ich hätte mir das nicht so vorgestellt. Mit ein bisschen Phantasie kann
man die obere Kurve analog der Entwicklung in 2009/10 verlängern. Dann
ergäbe sich für die nächsten zwei Jahre eine wunderschöne
Aufwärtsentwicklung mit vergleichsweise wenigen Schwankungen. Was für
eine Perspektive für Anleger!

Das darf man natürlich nicht ernst nehmen. Die
Geschichte wiederholt sich nicht. Aus der Parallelität zweier Kurven
kann man keine Schlüsse auf die Zukunft ziehen. Was dieser Vergleich
aber zeigt, ist eine wichtige Erkenntnis: Eine längerfristige
Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse ist nicht unmöglich. Es hat sie auch
nach nicht so spektakulären Crashs wie der großen Finanzkrise gegeben.
Beispiele sind die Kurseinbrüche 2011 und 2016. Damals gab es nach dem
Tiefpunkt allerdings größere Schwankungen, weshalb ich diese Beispiele
hier nicht genommen habe.

Wie sich die Bilder gleichen

Wie sich die Bilder gleichen
Wie sich die Bilder gleichen

Quelle: Bundesbank

Anleger denken häufig zu kurzfristig. Sie meinen,
wenn die Börse ein paar Monate nach oben gegangen ist, dann muss
automatisch eine Korrektur folgen. Die Bäume wachsen auch am
Kapitalmarkt nicht in den Himmel. Die Grafik zeigt, dass das nicht so
sein muss.

Damit aber genug der Parallelität. Es gibt natürlich
auch erhebliche Unterschiede zwischen der damaligen Entwicklung und
heute. Das Wichtigste ist, dass der Verlauf damals sehr viel
dramatischer war (das kann man wegen der unterschiedlichen Maßstäbe in
der Grafik leider nicht sehen). In den ersten zweieinhalb Monaten nach
dem Tiefpunkt stiegen die Kurse damals um 18 %. Diesmal waren es „nur“
10 %.

Wenn man den gesamten Zeitraum des Aufschwungs bis
Ende 2010 betrachtet, ergab sich damals ein Zuwachs des DAX von
unvorstellbaren 80 %. Wenn man das in die heutige Zeit übersetzen würde,
hätten wir Ende dieses Jahres einen Stand des DAX von über 16 000. Ende
2020 wären es über 19 000. Das mögen sich auch ausgemachte Optimisten
nicht vorstellen.

Die außerordentliche Dynamik der damaligen Entwicklung hatte gute Gründe. Erstens:
waren die Kurse damals im Crash viel stärker gefallen. Sie haben sich
im Verlauf von 2008 fast halbiert. In 2018 fiel der DAX „nur“ um 18 %.
Da gibt es natürlich viel weniger Aufholpotenzial.

Zweitens: war der
Konjunktureinbruch in der großen Finanzkrise viel tiefer. Das reale
Bruttoinlandsprodukt ging im Jahr 2008 um 5 % zurück. Ähnlich widrige
gesamtwirtschaftliche Bedingungen können sich heute auch die
ausgekochtesten Pessimisten nicht vorstellen.

Drittens: waren die
Maßnahmen der Wirtschafts- und Geldpolitik zur Überwindung der Rezession
damals viel umfangreicher als heute. Das öffentliche Defizit (in % des
BIPs) stieg in Deutschland von 2007 bis 2010 um fast 5 Prozentpunkte. In
diesem Jahr baute der Finanzminister dagegen lediglich den Überschuss
von 1 % ab. Die Zinsen wurden von 2,5 auf 1 % gesenkt (gemessen an der
Hauptrefinanzierungsfazilität). Für dieses Jahr hat die EZB gerade mal
beschlossen, die geplante Zinserhöhung um drei Monate nach hinten zu
schieben.

Es ist klar, dass sich solche Unterschiede im
gesamtwirtschaftlichen Umfeld an der Börse niederschlagen. Die
Aufwärtsentwicklung wird daher 2019 sehr viel bescheidener sein.

Für den Anleger

Es gibt also Argumente, dass 2019 ein gutes
Aktienjahr wird. Es wird nicht so steil aufwärts gehen wie vor zehn
Jahren. Es wird auch nicht geradlinig sein. Die großen Risiken sind
politische Entwicklungen sowohl in den USA als auch in Großbritannien.

Zwei Brexit-Szenarien und ihr Einfluss auf die Märkte

Schlagworte: ,
Eine dritte Abstimmung über den Austritt aus der EU scheint in London vom Tisch zu sein. Ein Aufschub scheint am wahrscheinlichsten, trotzdem besteht noch immer das Risiko eines ungeregelten Brexits.

Nach
der Ankündigung des Sprechers des britischen Unterhauses, John Bercow,
dass er es Premierministerin Theresa May nicht gestatten wird, ein
drittes Mal über ihr Rücktrittsabkommen ohne wesentliche Änderungen
abstimmen zu lassen, besteht weiterhin Unklarheit über die
Brexit-Verhandlungen. Das britische Parlament hatte das Abkommen zuvor
am 15. Januar mit einer Mehrheit von 432 zu 202 und am 12.
März mit einer Mehrheit von 391 zu 242 Stimmen abgelehnt. Bevor
Unterhaus-Sprecher John Bercow dies verkündete, wollte Premierministerin
May vor dem EU-Gipfel am 21. März dem Parlament das Abkommen zum
dritten Mal vorlegen in der Absicht, einen kurzfristigen
„technischen Aufschub“ zu beantragen, falls das Abkommen zustande kommt.
Es wird erwartet, dass sie nach Alternativen suchen wird, sie aber
keine andere Wahl hat, als einen langfristigen Aufschub zu beantragen,
um einen neuen Deal einzufädeln.
 
Im Vorfeld des EU-Gipfels skizzieren wir zwei Brexit-Szenarien und ihre erwarteten Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
 

Szenario 1: Langer Aufschub (75%)

Im
wahrscheinlichsten Szenario gewährt die EU einen längerfristigen
Aufschub von Artikel 50. Premierministerin Theresa May erklärte letzte
Woche,
dass sie einen langfristigen Aufschub beantragen werde, wenn bis zum 20.
März kein Deal zustande gekommen ist. Politischen Kommentatoren zufolge
dürfte ein solcher Aufschub eher Jahre als Monate dauern. Es ist jedoch
ungewiss, ob alle EU-Mitgliedstaaten eine
solche Verlängerung billigen würden, die einer einstimmigen Zustimmung
im Europäischen Rat bedarf.
 
Die
EU-Verhandlungsführer haben deutlich gemacht, dass sie keinen
langfristigen Aufschub oder weitere Zugeständnisse gewähren werden, wenn
Großbritannien
nicht beabsichtigt, seine Position in Bezug auf den Brexit entsprechend
zu überdenken. Ein solcher Aufschub könnte ein Türöffner für alternative
Möglichkeiten sein, wie einen sehr weichen Brexit, eine Parlamentswahl,
möglicherweise gefolgt von einer neuen Regierung
mit einer überarbeiteten Verhandlungsstrategie, oder sogar ein zweites
Referendum mit der Möglichkeit eines Verbleibs in der EU.
 
Dieses
Szenario würde sich positiv auf die Märkte auswirken. Die Renditen des
Pfund Sterling und von britischen Staatsanleihen haben sich in
diesem Jahr bereits deutlich erholt (siehe Grafik), da der Markt einen
kurzfristigen Aufschub einpreist. Im Falle eines längeren Aufschubs
erwarten wir weitere Anstiege. Wir gehen davon aus, dass das britische
Pfund seinen Anstieg von 5% gegenüber dem Euro
seit Jahresbeginn ausbaut und die Rendite von 10-jährigen britischen
Anleihen den diesjährigen Anstieg von 9 Basispunkten gegenüber ihrem
deutschen Pendant fortsetzt, in der Markterwartung, dass die Bank of
England wieder auf einen geldpolitischen Normalisierungskurs
einschwenkt. Natürlich hängt jede Normalisierung von den britischen und
globalen Wirtschaftsbedingungen ab. Wir erwarten dann ebenso einen
Anstieg von britischen Aktien, insbesondere in den inländischen Sektoren
und im Immobilienbereich.
 

Brexit Referendum
Brexit Referendum

Grafik
1: Die Renditen von Pfund Sterling und britischen Staatsanleihen sind
dieses Jahr deutlich gestiegen (Quelle: Thomson Reuters Datastream,
NN Investment Partners)

Szenario 2: Brexit ohne vertragliche Regelung (25%)

Ein
ungeregelter Brexit wird im Allgemeinen als viel unwahrscheinlicher
angesehen als ein Aufschub, hätte aber auch viel negativere
Auswirkungen.
In diesem Szenario kann sich Großbritannien mit der EU nicht auf einen
Aufschub einigen und tritt am 29. März ohne Abkommen aus. Obwohl
unwahrscheinlich, ist dies möglich. Dass die EU einem Aufschub zustimmt,
ist keineswegs garantiert, zudem müsste die Zustimmung
einstimmig erfolgen. Einige Euroskeptiker haben verlautbart, dass sie
sich dafür einsetzen werden, dass irgendein EU-Mitgliedstaat ein Veto
gegen einen Aufschub einlegt, da sie einen harten Brexit erzielen
möchten. Darüber hinaus haben mehrere Mitgliedstaaten
klargestellt, dass jeder Aufschub einen bestimmten Zweck haben sollte.
Wenn Großbritannien seinen derzeitigen Verhandlungsweg fortsetzt, ohne
seinen roten Faden zu ändern, wäre es unwahrscheinlich, dass die EU
einen Aufschub genehmigt. Ein Aufschub müsste wahrscheinlich
auf dem EU-Gipfel am 21. März genehmigt werden, so dass wenig Zeit
bleibt, um die zögerlichen Staaten zu überzeugen, und Großbritannien
müsste am Ende die EU verlassen, weil es der Vertrag so vorschreibt.

Dies hätte sehr negative Auswirkungen auf die Märkte, die in letzter Zeit mit einem kurzfristigen Aufschub rechnen. Wir erwarten insbesondere eine Abwertung des britischen Pfund gegenüber allen wichtigen Währungen. Die Renditen von britischen Staatsanleihen würden wahrscheinlich sinken, da Anleger auf den britischen Märkten nach Sicherheit suchen würden, während die Bank of England weitere Lockerungsmaßnahmen vornehmen würde, um einen kurzfristigen Wachstumsschock abzufedern. Britische Aktien und Immobilien sollten unserer Meinung nach besonders stark betroffen sein. In geringerem Maße wäre dies auch ein negatives Ereignis für Risikoanlagen weltweit, insbesondere jedoch in Europa.

Die EU wird wahrscheinlich einen Aufschub gewähren, aber ein ungeregelter Brexit ist immer noch nicht vom Tisch

Es besteht die allgemeine Auffassung, dass die EU wahrscheinlich einen Aufschub von Artikel 50 gewähren wird, wenn Großbritannien einen solchen Antrag stellt. Deutschland und andere große EU-Mitgliedstaaten haben eine offensichtliche Bereitschaft zur Flexibilität bekundet. Diese Länder könnten Druck auf kleinere Staaten ausüben. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hat die EU aufgefordert, sich für einen Aufschub offen zu zeigen. Darüber hinaus wäre ein Ausstieg ohne vertragliche Regelung am 29. März in niemandes Interesse. Wir erwarten daher, dass Großbritannien und die EU eine Art Verlängerungsabkommen schließen werden und damit eine Katastrophe verhindert werden kann. Dennoch hat der häufig turbulente Brexit-Prozess deutlich gemacht, dass keine noch so gefährliche Option vom Tisch ist.

Aufschwung der Aktienmärkte als Kontrapunkt zur Panik

Schlagworte: ,
Wie ganz zu Beginn des Jahres vermutet hat sich der Aufschwung der Aktienmärkte als Kontrapunkt zur Panik zum Jahresende 2018 tatsächlich eingestellt.

Angetrieben wurde die Entwicklung durch die Kehrtwende der Fed in ihren Bemühungen um die Normalisierung der Geldpolitik. Der Aktienindex MSCI World legte in den ersten beiden Monaten des Jahres 11,21% zu und machte damit seine Korrektur vom letzten Quartal 2018 vollständig wieder wett. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob dieser Aufschwung gute Chancen hat, in den kommenden Monaten anzuhalten.

Der Zusammenstoß von Konjunkturzyklus und Geldpolitik bildete die Kulisse der Märkte im Jahr 2018. Das ist in diesem Jahr nicht mehr der Fall.

Die Konjunkturabschwächung hält an, und an Schwachpunkten mangelt es nach wie vornicht. In der Litanei der politischen Ungewissheiten vonEuropa bis in dieUSA und bis hinzur Problematik der Überschuldung ineinem neuen Umfeldder Wachstumsschwäche dürftendie Märkte Gründegenug finden, umin diesem Jahr wieder Vorsicht walten zu lassen. Diese wenig verlockende Realität wird durch ein zentrales Szenario erweitert oder zumindest gemildert, das sich objektiv betrachtet gegenüber dem vergangenen Jahr besänftigt hat. Denn die Märkte haben die laufende Konjunkturverlangsamung zur Kenntnis genommen, ebenso wie die Zentralbanken, die sich mittlerweile von ihrer Entschlossenheit zu einer Normalisierung der Geldpolitik in einem Gewaltmarsch gelöst haben. Der Zusammenstoß von Konjunkturzyklus und Geldpolitik bildete die Kulisse der Märkte im Jahr 2018. Das ist in diesem Jahr nicht mehr der Fall.

Jetzt ist vielmehr die Stunde der Erschlaffung gekommen, ein Nährboden für zauderhafte Märkte, eine Art langsame und heikle Befreiung nach der Kollision von 2018, die weniger direktionale Anlagestrategien erfordert, welche stärker auf die Generierung von Alpha als auf das Management von Beta fokussiert sind.
Die politischen Parameter, die die Märkte in diesem Jahr beeinträchtigen könnten, sind zahlreich: abschließende Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission und dem Vereinigten Königreich über den Brexit, letzte Wendungen in den Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China, neue Drohungen aus Amerika, Importzölle auf deutsche Autos zu verhängen, Europawahlen. Diese für das Vertrauen und damit für das Wachstum bedeutenden Entwicklungen kommen in den nächsten Monaten oder gar Wochen in ihre entscheidende Phase. Sie sorgen daher kurzfristig für Ungewissheit. Es ist jedoch davon auszugehen, dass von den schlechtesten Strategien, die niemandem etwas nützen, letztlich abgesehen wird.

Wenngleich es unvernünftig ist, auf die Vernunft der Politiker zu setzen, könnte eine wenngleich wackelige Fortsetzung des Modus Vivendi den Märkten ermöglichen, nach Monaten der Angst weiterhin Erleichterung erkennen zu lassen. 

In dieser Phase
der Konjunktur-verlangsamung
können sich die
Performanceun-
terschiede zwischen einzelnen
Werten als ein
bedeutender Performancefaktor
erweisen – ganz
im Gegensatz zu
2018.

Blickt man über die unmittelbare Zukunft hinaus, dürfte die Richtung der Märkte im Jahr 2019 jedoch im Wesentlichen vom wirtschaftlichen Umfeld abhängen, das mittlerweile besonders trübe geworden ist. Denn die weltweite Konjunkturverlangsamung hält zurzeit wie erwartet weiter an.

In den USA bleibt die Bautätigkeit schwach, und die Indikatoren für den Fertigungssektor wie der Markit Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der mit 53,7 im Februar auf dem niedrigsten Niveau seit 2017 lag, zeigen weiter in die falsche Richtung. Doch solange die Nachfrage nach Dienstleistungen anhält (die Indikatoren haben sich seit einem Jahr kaum verändert), was durch einen nach wie vor robusten Arbeitsmarkt unterstützt wird, dürfte die Wirtschaft insgesamt nur eine moderate Abschwächung verzeichnen. Diese Aussicht wird mittlerweile von der jüngsten Unterstützung seitens einer Zentralbank bestärkt, deren Dogma der Normalisierung sich plötzlich zu einer eingestandenen Furcht vor dem Druck der Märkte und einem zunehmenden Desinteresse für die kurzfristigen Inflationsindikatoren gewandelt hat.

Zudem könnte der Ausgang der Handelsverhandlungen mit China konkrete Unterstützung für das Vertrauen und für Anlagen leisten. Dieser Ausgang hängt gewiss von dem schwierigen Gleichgewicht ab, das zwischen einer langfristigen ideologischen Konfrontation und dem beiderseitigen Interesse an einer Einigung gefunden werden muss, einer Einigung, die beiden Seiten ermöglicht, das Gesichts zu wahren, und eine Selbstgeißelung verhindert. Doch die Konjunkturverlangsamung in den USA, das Herannahen der nächsten Präsidentschaftswahlen und die Instabilität der Märkte, die im vergangenen Dezember zu beobachten war, erhöhen die Wahrscheinlichkeiteines„Deals“, der zumindest äußerlich für die beiden Hauptakteure zufriedenstellend ist.

In Europa bestätigen die im Februar veröffentlichten Wirtschaftsdaten wie der Markit Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der mittlerweile unter 50 liegt, dass die Konjunkturschwäche vom Ende vergangenen Jahres nicht allein Sache der deutschen Automobilproduktion ist, die vorübergehend von der Einführung der neuen WLTPNorm für die CO2-Emissionen belastet wurde. Eine weitere Verschlechterung dürfte zwar durch die Stärkung der Kaufkraft der Verbraucher dank einer gewissen Aufheiterung bei Löhnen und Beschäftigung verhindert werden, aber für eine echte Stabilisierung bedarf es eines Anziehens der chinesischen Nachfrage, die moderat ausfallen dürfte. Der EZB bleibt keine andere Wahl, als bei ihrer extrem akkommodierenden Haltung zu bleiben.

China steuert weiterhin seinen schwierigen Kurs (siehe Carmignac’s Note vom Januar „50 shades of black“) zwischen erforderlicher Entschuldung, Druck an der Handelsfront und Konjunkturabschwächung. Die zur Stützung des Konsums ergriffenen Maßnahmen dürften im Laufe des Jahres eine Stabilisierung des chinesischen Wachstums ermöglichen, insbesondere wenn es zu einer Einigung im Handel mit den USA kommt. Doch sie werden sicher keine Triebkraft für europäische Exporte sein, die mit der vergleichbar wäre, die ihnen im Jahr 2016 zugutekam.

Zu Beginn des Jahres 2019 zeichnet sich also insgesamt eine mehr oder weniger sanfte Landung der weltweiten Volkswirtschaften ab, die durch Geldpolitiken abgefedert wird, deren Ehrgeiz zu einer Straffung sich gelegt hat. In diesem Umfeld könnten sich die Aussichten für die Aktienindizes von den derzeitigen Niveaus aus durch ihre Mittelmäßigkeit auszeichnen, da sich die durchschnittlichen Bewertungen seit Jahresbeginn bereits wieder erholt haben und die Aussichten für das Wachstum der Unternehmensgewinne äußerst dürftig sind. In dieser Phase der Konjunkturverlangsamung könnten sich jedoch die Performanceunterschiede zwischen einzelnen Werten als ein bedeutender Performancefaktor erweisen – ganz im Gegensatz zu 2018, als die Einschätzung der Richtung der Indizes für die Performance viel entscheidender war. Insbesondere Aktien von Unternehmen, die noch angemessen bewertet und in der Lage sind, ihre Margen zu verteidigen und ihr Wachstum zu halten, dürften in dem von uns für dieses Jahr erwarteten schwachen wirtschaftlichen Umfeld einen erheblichen Qualitätsaufschlag für sich in Anspruch nehmen können. Eine ähnliche Einschätzung, dass nämlich in diesem Jahr das Generieren von Alpha bevorzugt werden sollte, statt auf die großen Trends zu setzen, gilt auch für die Anleihemärkte, insbesondere die für Unternehmensanleihen.

Auf die Größe kommt es an: Die besten Small-Cap-Fonds

Schlagworte: ,
Größe ist ein bedeutender Parameter beim Faktor-basierten Investment. Nebenwerte-Fonds konnten in den vergangenen fünf Jahren bis zu 100 Prozent Performance erzielen.

Rund 14.500 Aktiengesellschaften gibt es weltweit, deren Aktien an Börsen gehandelt werden. Rund ein Drittel davon, nämlich 5.929, fallen in die Größenordnung der Small Caps, hierzulande auch Nebenwerte genannt. Für Investoren sind sie deshalb interessant, weil sie die größeren Aktien regelmäßig outperformen. David schlägt Goliath. Size ist denn auch eine der interessantesten Optionen beim Faktor-Investing.

Eine Auswertung über verschiedene Märkte hinweg zeigt, dass Small-Cap-Fonds relativ ähnliche Renditen aufweisen. Mit der Fondssoftware FVBS Professional lassen sich die besten Fonds mit Schwerpunkt Nebenwerte aus den Regionen International, Europa, USA und Deutschland einander gegenüberstellen. Für die Auswertung wurden die jeweils besten vier Fonds über fünf Jahre ausgesucht. In diesem Ranking konnte der beste Fonds 101 % Rendite erwirtschaften, der schlechteste kam immer noch auch über sechzig Prozent. Dabei verteilen sich die Ergebnisse über die Märkte hinweg, allerdings stellen Fonds mit Anlageschwerpunkt USA die Hälfte der Top-Acht, während Fonds, die in deutsche Nebenwerte investieren, eher in der unteren Hälfte des Feldes angesiedelt sind.

# NAME MARKT VOL (Mio €) YTD 5 YRS ISIN
1 WB US Small Mid Cap Growth I $ US 617 17,1 % 101,9 % LU0181864389
2 iShares TecDAX® (DE) DE 808 6,1 % 96,9 % DE0005933972
3 TRP US Smaller Companies Equity Q US 1300 19,3 % 91,8 % LU0929966207
4 Lupus alpha Micro Champions EU 41 14,1 % 90,0 % LU0218245263
5 Siemens Global Growth INT 110 14,7 % 89,5 % DE0009772657
6 UBS (L) EF Mid Caps USA $ Q-acc US 126 22,4 % 88,7 % LU0358044807
7 Threadneedle (L) Pan Europ SC Opp ASH EU 821 14,4 % 87,5 % LU0640478920
8 TRP US Smaller Companies Equity A (EUR) US 1300 19,3 % 87,2 % LU0918140210
9 Threadneedle (L) Global SC AE € acc INT 366 15,1 % 84,1 % LU0570870567
10 BSF European Opp. Ext. Strategies A2 € EU 801 11,8 % 81,3 % LU0313923228
11 Comgest Growth Europe Small Co’s € Acc EU 316 18,8 % 80,9 % IE0004766014
12 MainFirst Germany Fund A DE 532 12,0 % 76,5 % LU0390221256
13 Postbank MegaTrend INT 28 10,8 % 72,7 % DE0005317374
14 AXA WF Fram. Global Small Cap F € acc INT 121 12,1 % 68,5 % LU0868490979
15 DWS German Small/Mid Cap DE 241 14,9 % 63,5 % DE0005152409
16 Lupus alpha Sm. German Champions A DE 1210 10,6 % 62,6 % LU0129233093

Auf Platz eins der Nebenwerte-Fonds steht der William Blair US Small-Mid Cap Growth Fund, der den Russell 2500 Growth als Benchmark hat. Mit 3% Agio und einem Total Expense Ratio von 1,69 % liegen die Kosten im mittleren Bereich. Seit Jahresbeginn konnte der Fonds bereits 17 % zulegen – das viertbeste Ergebnis im Feld.

Den zweiten Platz nimmt ein ETF ein: Der iShares TecDAX UCITS ETF gewann mit deutschen Technologiewerten seit 2014 rund 97 % hinzu. Ohne Agio und mit TER von 0,51% ist der Fonds natürlich erheblich günstiger als die aktiv gemanagte Konkurrenz.

Der dritte Platz geht wieder an ein aktiv gemanagtes Produkt: Der T. Rowe Price US Smaller Companies Equity Fund legte über fünf Jahre fast 92 % zu; auch bei diesem Fonds fällt kein Agio an, die TER liegen bei 2,35 %.

Was Berater bei Pflegeheimen beachten müssen

Schlagworte: ,
Das Geschäft mit Pflegeheimen boomt. Anleger aus dem In- und Ausland reissen sich um diese Immobilien. Die Fonds, Anlagegesellschaften, Versicherungen und Versorgungswerke erhoffen sich bessere Erträge als bei Bürohäusern, Wohnungen und Supermärkten.

2018
wechselten Pflegeheime für insgesamt gut 2,1 Milliarden Euro den
Besitzer, hat CBRE gezählt. Das war der zweithöchste Jahreswert, den der
internationale Maklerkonzern je ermittelt hat.
Es kommen noch viele
Millionen Euro dazu, denn CBRE erfasst nicht das, wofür sich immer mehr
Privatanleger interessieren: den direkten Kauf einzelner
Pflegeapartments. „Ich gehe davon aus, dass Privatanleger
im vergangenen Jahr mehr als 500 Millionen Euro in Pflegeapartments
investiert haben“, sagt Markus Bienentreu. Er ist Geschäftsführer der
Kölner Terranus. Das Unternehmen hat als Berater und Vermittler fast
ausschließlich mit Großinvestoren zu tun.

Der Kauf einzelner
Apartments in Pflegeheimen ist jedoch nur eine Variante, wie
Privatpersonen in Pflegeimmobilien investieren können. Es gibt noch eine
zweite: Ab 10 000 Euro ist es möglich,
sich an einem Geschlossenen Pflegeheimfonds zu beteiligen.

4,5 Prozent Mietrendite im Jahr

Pflegeapartments gibt es ab etwa 120 000
Euro, sagt Rolf Specht, Gründer und Geschäftsführer der Bremer Specht
Gruppe. Der Geschäftsmann hat seit 1988 etwa 4000 Pflegeapartments
verkauft – im Regelfall an Privatiers. „Verluste
hat damit noch keiner unserer Käufer gemacht“, betont er. Sein
Unternehmen baut selbst Pflegeheime und springt als Betreiber ein, falls
mal ein Pächter ausfällt. „Das war bei uns bislang viermal der Fall.“
Die Sache mit dem Betreiber ist nicht das
einzige, was eine Anlage in Pflegeapartments von der Investition in
Eigentumswohnungen unterscheidet. „Die Mietrenditen bei Wohnungen liegen
in der Regel unter denen von Pflegeapartments“,
sagt Specht. Er nennt als typischen Wert für die von ihm vertriebenen
Objekte Mietrenditen von 4,5 Prozent im Jahr. Bei Wohnungen an
nachgefragten Standorten seien es oftmals nur 3,5 Prozent, wenn
überhaupt. Allerdings gebe es bei Eigentumswohnungen eine Chance
auf Wertsteigerungen. Die habe man bei Pflegeapartments eher nicht.

Bienentreu, der anders als Specht nicht
viel vom Verkauf einzelner Apartments an Anleger hält, rechnet anders.
„Ein Pflegeapartment sollte schon mindestens zwei Prozentpunkte mehr
Rendite abwerfen als eine Eigentumswohnung.“ Aus
seiner Sicht stecken in Pflegeimmobilien deutlich höhere Risiken als in
Wohnungen, allein schon deswegen, weil es für ein Seniorenheim einen
Betreiber braucht. Geht der pleite, haben die Eigentümer der
Pflegeapartments ein Problem.

Doch zurück zum Geschäft von Specht. Der
Bremer verkauft Pflegeapartments, die 20 bis 50 Quadratmeter haben. Als
typischen Preis nennt er das 22-Fache einer Jahresmiete. Damit liegt er
am unteren Ende der üblichen Preisspanne
im Einzelverkauf. Specht kritisiert andere Anbieter, die erstens
deutlich teurer verkaufen und zweitens so tun, als sei der Kauf eines
Pflegeapartments ein vom Staat garantiertes Investment. Das ist es trotz
Pflegeversicherung ganz und gar nicht.

Investitionen in Pflegeheime:  

PRO


Der Bedarf an Pflegeplätzen in Deutschland steigt. Experten halten in
den nächsten 20 Jahren einen Zuwachs an Pflegebetten von jährlich 10 000
bis 20 000 für erforderlich.
Die Nachfrage bleibt also voraussichtlich sehr hoch.
• Käufer werden im Grundbuch eingetragen.
Sie können ihr Pflegeapartment daher grundsätzlich jederzeit beleihen,
vererben, verschenken oder veräußern.
• Käufer müssen sich kaum um ihr Investment kümmern, da das Apartment im Regelfall für mindestens
20 Jahre an einen Pflegeheimbetreiber
vermietet ist. Dieser zahlt Mietnebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung
und diverse Versicherungen. Der Eigentümer muss nur Geld für die
Instandhaltung von Dach und Fach zurücklegen. Das sollte
aber nicht zu knapp bemessen sein. Als empfehlenswert gelten jährlich
mindestens sieben Euro pro Quadratmeter – besser etwas mehr.
• Für die Vermietung an Pflegebedürftige sorgt der Betreiber.
• Eigentümer können die für Immobilien üblichen zwei Prozent Abschreibung im Jahr geltend machen.
• Jährliche Mietrenditen von zumeist etwa
vier bis fünf Prozent; Mieten sind in der Regel indexiert, sie steigen
also im Umfang der Inflationsrate.
• Bevorzugtes Belegungsrecht für Käufer, die selbst Bedarf an einem Pflegeplatz haben. 

CONTRA

• Intransparenter Markt; für Berater und Käufer ist es schwer einzuschätzen, ob der Kaufpreis gerechtfertigt ist.
• Bei Missmanagement des Betreibers und zum Beispiel daraus folgenden Leerständen kann es zu Mietausfällen kommen.
• Geht ein Betreiber pleite, kann sich
die Suche nach einem neuen Betreiber schwierig gestalten. In der
Interimszeit kann es länger dauern, frei gewordene Plätze neu zu
belegen. Weiteres Risiko: Der neue Betreiber zahlt womöglich
weniger Miete.
• Der Gesetzgeber kann die Standards für Pflegeheime verschärfen. Das kann zu geringeren Einnahmen der Eigentümer führen.
• Der Markt für den Kauf von
Pflegeapartments ist nicht reguliert. Käufer tun also gut daran, sich
sehr gründlich zu informieren. Tipp: Vor dem Kauf einen Blick in die
Bilanz des Pflegeheimbetreibers werfen.
• Anders als bei Eigentumswohnungen gibt es in der Regel keine Aussicht auf Wertsteigerungen.
• Bei erforderlichen Arbeiten an Dach und
Fach braucht es einen Konsens mit allen anderen Eigentümern. Wollen
oder können einzelne Eigentümer nicht mitziehen, kann es sein, dass
dringend erforderliche Sanierungs­ oder Modernisierungsarbeiten
nicht ausgeführt werden können.
• Kritiker halten die jährlichen Mietrenditen von meist vier oder fünf Prozent mit Blick auf die Betreiberrisiken für zu gering.

Weiterhin Misstrauen gegenüber europäischen Aktien

Schlagworte: ,
Während in dieser Woche 4,6 Milliarden US$ aus europäischen Dividendenwerten flossen, konnten US-Aktien die stärksten Zuflüsse seit einem Jahr verbuchen.

Wer den Louis-de-Funès-Klassiker „Drei Bruchpiloten in Paris“ gesehen hat, kennt diese aus einem 1925 am Broadway produzierten amerikanischen Musical (No, No Nanette) entlehnte Melodie. Obwohl sie im Juni 2016 für einen Austritt aus der Europäischen Union votiert hatten, beharren die Briten standhaft darauf, weiterhin mit ihren europäischen Partnern Tee zu trinken. In einem Abstimmungsmarathon sprachen sich die Abgeordneten in Westminster diese Woche nun für einen Aufschub der eigentlich am 29. März ablaufenden Austrittsfrist aus, in der Hoffnung, den Europäern weitere Zugeständnisse abringen zu können.

Diese Unsicherheit schürt weiterhin Misstrauen gegenüber europäischen Aktien (aus denen in dieser Woche 4,6 Mrd. Dollar abgezogen wurden), während US-Aktien die seit einem Jahr stärksten Zuflüsse innerhalb einer Woche verbuchen konnten (25,5 Mrd. Dollar). Und wie seit Jahresbeginn setzen die Märkte derweil ihren unaufhaltsamen Anstieg auf immer neue Jahreshöchststände fort.

Dies verblüfft insbesondere in Europa, wo die Schwarzmaler den Ton angeben. Eine Rezession lässt sich jedoch bislang nicht blicken. Auch die Ankündigungen der EZB haben nichts an der Einschätzung der Anleger zum Euroraum geändert, der sich zwar weiterhin durch schwache Wachstums- und Inflationsdaten auszeichnet, dafür aber ausgeglichene Finanzhaushalte vorweisen kann. In den Geschäftsberichten spiegelt sich noch immer die Konjunkturabkühlung des letzten Quartals 2018 wider.

Der Brexit wird weiterhin Vorbehalte gegenüber dem europäischen Kontinent nähren, da das britische Referendum als Vorläufer eines Auseinanderreißens Europas gewertet wird. Tatsächlich jedoch haben die Briten in der europäischen Geschichte oft die Außenseiterrolle gespielt. Zudem ist das Vereinigte Königreich nicht Teil derselben Währungsgemeinschaft. Der Euroraum indes hat sich in der griechischen, der portugiesischen und der irischen Krise als solide bewährt. Angesichts der jenseits des Ärmelkanals herrschenden Unschlüssigkeit darüber, wie (und warum) der EU-Austritt zu vollziehen sei, könnten die Brüsseler Entscheidungsträger es unseren britischen Partnern vielleicht mit einer anderen Zeile aus dem anfangs erwähnten Lied versuchen: „Darling, this place is a lovely oasis“!