Marktbericht: Thyssenkrupp im Fokus, Brexit sörgt für Vola, Alibaba sahnt beim Singles Day ab

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Thyssen im Fokus

Nachdem die Aktie von Thyssenkrupp nach einer Gewinnwarnung am Freitag mehr als 12 % abgeben musste, fragen sich Investoren, wie es in dieser Woche weitergeht mit dem Mischkonzern. Das Geschäft mit Anlagen, Autoteilen und Aufzügen verläuft schleppend, noch dazu droht eine Kartellstrafe in der Stahlsparte.
Die Marktkapitalisierung der Aktie liegt nur noch knapp über 10 Milliarden Euro – und macht Thyssenkrupp damit zum potenziellen Übernahmekandidaten.
Interessenten haben es vor allem auf das lukrative Aufzugsgeschäft abgesehen.

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Der DAX eröffnet mit 11.466 Punkten fast unverändert. Volkswagen, HeidelbergerCement und Thyssenkrupp können leichte Gewinne verbuchen, während Lufthansa, Infineon und SAP teils kräftig abgeben.

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Aktienhändler not amused

Großbritannien ist nach wie vor noch Meilen entfernt von einer Brexit-Lösung. Es geht um die grüne Grenze auf der irischen Insel: Mit dem Austritt aus der Union wäre Nordirland plötzlich genauso EU-Ausland wie Weißrussland oder Moldawien, was die entsprechenden Kontrollen erforderlich macht. Auch die Menschenrechtssituation in Nordirland muss dann neu verhandelt werden – London ist nach dem Brexit nicht mehr an die europäischen Konventionen gebunden.

Die Aktienhändler sind über die knapp fünf Monate vor dem Brexit-Termin noch immer ungelösten Fragen “not amused” und preisen die Unsicherheit in die Aktien ein. Der Volatilitätsindex auf den FTSE 100 hat das höchste Niveau seit Juli erreicht.

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Alibaba bricht alle Rekorde

Am 11. November war der der höchste Feiertag im Kalender des chinesischen Einzelhandels. Am sogenannten “Singles Day” wurde geshoppt, was das Konto hergibt – und das war nicht wenig: Rund 30 Milliarden US$ hat der chinesische Internet-Retailer Alibaba gestern an einem einzigen Tag umgesetzt. Das entspricht einem Sechstel des Jahresumsatzes von Amazon. Oder dem 14fachen des Umsatzes von Karstadt im Jahr 2017.
Analysten monieren jedoch, dass das Umsatzwachstum von Alibaba am Singels Day langsam zurückgeht: Heuer wuchs der Absatz nur um 27 % gegenüber 2017.
Im Vorjahr lag das Plus noch bei 39 %.

Alibaba-Aktie
Alibaba-Aktie

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Shootout zwischen Rom und Brüssel

Am Dienstag entscheidet sich, wer die Macht hat über den italienischen Staatshaushalt: Innenminister und Frontmann Salvini mit seinem Finanzminister Giovanni Tria – oder die EU-Granden Draghi und Junckers. Es geht um einen neuen Haushaltsplan, den die Italiener bis dahin vorlegen sollen. Rom will die Ausgaben erhöhen, die Steuern senken und das Rentenalter verringern. Gleichzeitig verringert sich die Wachstumsprognose für 2019 auf ein Prozent. Dafür müssen Schulden in Höhe von 2,4 % des BIP aufgenommen werden – inakzeptabel für Brüssel. Die EU könnte Rom mit einer Strafe von 0,2 % des BIP bzw. 34 Milliarden Euro für die Überschreitung des Budgets belegen. Diese Strafe kann später sogar auf 0,7 % des BIP steigen. Am Kapitalmarkt muss Italien aktuell 3,4 % Rendite auf die 10jährige Staatsanleihe zahlen.

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Saudis wollen Ölproduktion zurückfahren

Der saudische Ölminister Khalid al-Falih ist der Meinung, die Menge des weltweit produzierten Öls ist derzeit zu hoch und sollte deshalb um rund eine Million Barrel pro Tag zurückgefahren werden. Im vergangenen Jahr lag die Produktion bei 92,6 Millionen Barrel pro Tag. Al-Falih glaubt, die globale Nachfrage werde im Dezember um eine halbe Millionen Barrel sinken.

Es ist absehbar, dass Saudi Arabien mit dieser Politik mit den USA in Konflikt geraten wird; Präsident Trump ist an einem nachhaltig niedrigen Ölpreis interessiert, um die Boomphase der US-Wirtschaft möglichst lange am Leben zu halten.

Am Montag steigt der Preis für das Barrel WTI leicht auf 61 US$, hat aber gegenüber seinem diesjährigen Höchststand vom 3. Oktober trotzdem mehr als zwanzig Prozent abgegeben.

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Flugzeugfonds stürzen ab

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Flugzeug-Leasing galt noch vor kurzem als ein sicheres Geschäft. Darauf konnten sich Käufer von Flugzeugfonds verlassen. Das Prinzip klingt überzeugend: Anders als bei allen anderen Sachwerten wie Immobilien oder Schiffen, die als geschlossene Fonds angeboten werden, basieren Flugzeug-Fonds auf langfristigen Leasing-Modellen. Die Anleger investieren gemeinsam in ein Flugzeug. Alle laufenden Kosten und Risiken wie beispielsweise Wartung, regelmäßiger Austausch von Teilen und ungeplante Reparaturen liegen jedoch nicht bei den Investoren, sondern beim jeweiligen Leasingnehmer, also der Fluggesellschaft, die das Flugzeug least. Selbst Triebwerkschäden schlagen sich nicht auf die Bilanz des betreffenden Fonds durch. Die Reparaturkosten tragen nicht die Investoren, sondern normalerweise die Fluggesellschaften oder der Hersteller des zu reparierenden Teils. Geschlossene Flugzeug-Fonds schütten je nach Flugzeug und Initiator sieben bis neun Prozent des Kapitaleinsatzes jährlich an ihre Anteilseigner aus. Ist der Finanzierungsanteil im Fonds getilgt, steigen die Ausschüttungen sogar noch.

Besonderer Renditekick: Der Erlös aus dem Verkauf der Maschine am Laufzeitende ist steuerfrei. Deshalb überrascht es auch nicht, dass geschlossene Flugzeugfonds in den vergangenen Jahren sowohl bei Anbietern als auch bei Anlegern sehr gefragt waren. Seit 2008 haben deutsche Anleger mehr als 1,6 Milliarden Euro in geschlossene A380-Fonds investiert.

Die Rechnung geht vermutlich nicht mehr auf

Leider entpuppen sich derzeit die langfristig angelegten Renditerechnungen, mit denen Flugzeugfonds in den vergangenen Jahren angepriesen wurden, als zu optimistisch. Insbesondere der A380, der mit einem ersten Fonds im November 2017 an den Start gegangen ist, macht Sorgen: Die ersten Leasingverträge mit den Airlines sind ausgelaufen, der nächste Schwung steht an. Und es sieht nicht gut aus. An der Fondsbörse werden Anteile mit horrenden Abschlägen gehandelt.

Der Gund: Normalerweise erhalten Leasingflugzeuge nach Ablauf des Leasingvertrags eine Grundüberholung und werden entweder verkauft oder neu verleast. Das Problem: Der Markt hat sich ungesund zugespitzt. In den zurückliegenden zehn Jahren ist mehr als die Hälfte des gesamten Eigenkapitals, das deutsche Anleger in geschlossene Flugzeugfonds investierten, in den A380 geflossen. Im Vergleich zu der Rolle, die der A380 im globalen Fluggeschäft spielt, sind deutsche Anleger in diesen Flugzeugtyp überallokiert, stellte die Ratingagentur Scope schon im Herbst vergangenen Jahres in einer Studie fest.

Diese Fokussierung der Anleger rächt sich nun. Zwar haben Anleger der A380-Fonds über zehn Jahre hinweg vergleichsweise hohe Ausschüttungen zwischen 7 und 8,5 Prozent per annum erhalten. Damit ist bereits ein Großteil des investierten Kapitals wieder an die Anleger zurück. Damit die Rechnung erwartungsgemäß positiv aufgeht, muss ein Flugzeug nach Ablauf eines Leasingvertrags jedoch auch gut verkauft werden. Das ist die entscheidende Performance-Komponente. Und hier gibt es Probleme: Die Veräußerung eines gebrauchten A380 ist nicht so einfach. Denn als Käufer dieses Riesenflugzeugs kommen nur wenige Airlines in Frage. Bislang nutzen überhaupt nur 13 Fluggesellschaften den A380 und verfügen über Personal zum Betrieb dieses Flugzeugtyps. Ob künftig weitere Airlines den Betrieb aufnehmen, steht in den Sternen. Denn viele Airlines setzen auf ihren wichtigsten Routen eher wieder auf mehrere Flüge pro Tag mit mittelgroßen Zweistrahlern, um lukrative Geschäftsreisende genau zu deren Nachfragespitzen optimal zu erreichen.

Aber auch andere Flugzeugfonds machen Sorgen. So beurteilt der Insolvenzrechtler Tobias Hartwig der Kanzlei Schultze & Braun nach Auswertung öffentlich zur Verfügung stehender Informationen zu aktuell 73 laufenden Fonds deutscher Anbieter rund 60 Prozent der Gesellschaften kritisch. Ein Grund für die Probleme der Fonds sei der sich verschärfende Wettbewerb der Fluggesellschaften, dem in Europa etwa unter anderem schon Air Berlin und Monarch zum Opfer fielen, so Hartwig. So wiesen zum Beispiel Bilanzen Fehlbeträge aus, die nicht durch Eigenkapital gedeckt seien. Dies sei ein Alarmzeichen dafür, dass sich eine Überschuldung des Fonds abzeichnet und ein Grund, eine mögliche Insolvenz zumindest zu prüfen, erklärte der Insolvenzrechtsexperte in einem Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv.

Hohe Kursabschläge an der Fondsbörse Deutschland

Was diese Konstellation für die zu erwartenden Verkaufspreise und die Entwicklung der betreffenden Flugzeugfonds bedeutet, lässt sich bereits an den Kursen ablesen, die an der Fondsbörse Deutschland für Anteile von A380-Fonds aufgerufen werden. Der Trend jedenfalls ist unverkennbar: Der durchschnittliche Vermittlungskurs tatsächlich abgewickelter Transaktionen lag in den Jahren 2009 bis 2012 noch bei rund 80 Prozent des Nominalwertes. 2017 sank er auf nur noch knapp über 50 Prozent. Derzeit sind Fondsanteile für deutlich weniger zu haben.

So wird beispielsweise der DS Rendite-Fonds Nr. 135 Flugzeugfonds X, mit dem Anleger in ein 2010 erbautes Passagierflugzeug vom Typ Airbus A 380-800 investiert haben, an der Zweitmarktbörse für nur noch ein Drittel seines Nominalwertes angeboten. Im Klartext bedeuten diese Zahlen, dass für zahlreiche Investoren des A380 die Rechnung nicht mehr aufgehen wird. Verluste bei den einstmals als sicher geltenden Fonds sind nun nicht mehr ausgeschlossen.

Neuigkeiten und Chancen bei Global Sustainable Equity

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Die boomende US-Wirtschaft als Teil des Problems?
Im zweiten Quartal wuchs die US-Wirtschaft mit einer Jahresrate von über 4 Prozent. Damit erzielte sie eines der besten Ergebnisse seit Jahren. Der Arbeitsmarkt ist nahezu leergefegt, die Arbeitslosenquote liegt mit nur noch 3,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 1969. Nicht umsonst hat Amazon kürzlich den Mindestlohn für seine Beschäftigten um 50 Prozent auf 15 Dollar pro Stunde angehoben. Obwohl die statistischen Daten insgesamt noch eine geringe Inflationsrate ausweisen, bleibt die US-Notenbank Fed auf dem eingeschlagenen Kurs und erhöhte den Leitzins auf nunmehr 2,25 Prozent.

Die Straffungspolitik der US-Währungshüter steht damit in deutlichem Kontrast zur Geldpolitik in vielen anderen Ländern – und verursacht erste Probleme. Besonders bekamen dies in den vergangenen drei Monaten die Türkei und Argentinien zu spüren. Aber auch andere Schwellenländern sind aufgrund der Angst vor einer weltweiten Ansteckung in schweres Fahrwasser geraten. Das anhaltende Ringen um den Brexit und die Haushaltspläne der italienischen Populisten sorgen derweil dafür, dass auch die Märkte in Europa unter Druck bleiben. In der Folge verbuchten europäische Bankenwerte mit die schwächste Performance in den Industrieländern.

Aber auch jenseits der Geldpolitik führt die im Vergleich starke US-Wirtschaft zu globalen Verwerfungen, ist sie doch Wasser auf die Mühlen der nationalistisch gefärbten Agenda der Trump-Administration. So ließ die Ankündigung von Einfuhrzöllen in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden US-Dollar den Handelsstreit zwischen den USA und dem Reich der Mitte im dritten Quartal weiter eskalieren. Damit nicht genug, drohte Trump mit einer Anhebung der Strafzölle auf 25 Prozent im Januar. Im Gegenzug belegte China US-Importe im Wert von 60 Milliarden US-Dollar mit Vergeltungszöllen.

Der Klimawandel wird greifbar

Deutlich beunruhigender als das Anziehen der Zinsschraube, eskalierende Handelskonflikte und der um sich greifende Populismus ist wohl die Häufung von Extremwetterereignissen. In diesem Jahr jagt ein Negativrekord den anderen, sei es in Form von Waldbränden auf der Nordhalbkugel, von Hitzewellen in Europa und Japan oder von Megastürmen und Flutkatastrophen in einer Vielzahl anderer Weltregionen. Der Klimawandel kann nicht mehr als abstraktes Risiko in ferner Zukunft abgetan werden. Er findet vor unser aller Augen statt und bedroht mit seinen Folgen auch den weltweiten Wohlstand.

Handelskrieg erreicht die IT-Branche

Zu den Branchen mit der besten Wertentwicklung gehörten im dritten Quartal Informationstechnologie, Gesundheit und Industrie. Dessen ungeachtet gerieten einige IT-Unternehmen zwischen die Fronten der aufziehenden Handelskriege. Bereits im September gab es erste Anzeichen für eine nachlassende Investitionstätigkeit von Firmen, die im Industrie-, IT- und Automotive-Markt aktiv sind. Im Gesundheitssektor schnitten Pharma- und Biotechnologiewerte am besten ab. Wir sehen attraktive Anlagechancen in den Bereichen IT und Industrie. Energie, Verbrauchsgüter und Finanzen dürften weniger langfristiges Renditepotenzial beinhalten.

Die größten positiven Beiträge zur Wertentwicklung:

Die Aktie von Hubbell (Thema Effizienz), einem nordamerikanischen Hersteller von Elektro-zubehör, Lichttechnik und Leistungskomponenten, erholte sich von der Talfahrt, die die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal ausgelöst hatte. Hubbell hatte darin über schwächer als erwartete Gewinnmargen berichtet und den Rückgang auf Inflations¬druck zurückgeführt. Der Vorstand des Unternehmens gab zu verstehen, die Preise würden zum Ausgleich angehoben werden, und wir nutzten die Gelegenheit zum Ausbau unserer Position. Die Ergebnisse für das zweite Quartal signalisierten eine Verbesserung, und die Unternehmensleitung korrigierte die Prognose für den freien Cashflow nach oben. Hubbell will mit seinen Produkten die elektrische Effizienz, Zuverlässigkeit und Sicherheit erhöhen. Angeboten werden unter anderem Niedervoltsysteme, Verdrahtungsvorrichtungen, LED-Leuchten sowie intelligente Steuerungen und Leistungskomponenten für Stromnetze. Die zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft ist eine nötige Voraussetzung für den erfolg¬reichen Übergang zu einer Wirtschaftsweise mit niedrigem Co2-Ausstoß, und Hubbell liefert dafür die Infrastruktur.

Progressive (Thema Sicherheit), einer der größten Autoversicherer der USA, setzte seine gute Aktienperformance fort. Der Titel profitiert zurzeit von einer Ausweitung des Geschäfts¬felds auf Wohngebäudeversicherungen und dem erfolgreichen Bemühen, Gebäude- und Autoversicherungen im Paket anzubieten. Die Expansion in neue Märkte beschert Progressive ein strukturell höheres Beitragswachstum und bessere Gewinn¬margen. Das Unternehmen siedelt sich selbst im Bereich Datenwissenschaft an, als Spezia¬list für die Versicherungsbranche. Progressive nutzt datenanalytische Methoden, um beispielsweise Fahrgewohnheiten zu untersuchen und auf diese Weise Autofahrer zu identifizieren (und als Kunden zu gewinnen), die weniger riskant fahren. Dadurch werden seine Versicherungsnehmer zu einer defensiveren Fahrweise ermuntert, was wiederum niedrigere Versicherungsbeiträge ermöglicht. Progressive gewinnt so einen Wettbewerbs¬vor¬teil und kann schneller wachsen.

Die Aktie von Encompass Health (Thema Gesundheit), einem führenden Anbieter von Anschlussheilbehandlungen in den USA, stieg nach Veröffentlichung von Ergebnissen, die ein robustes organisches Wachstum in den Geschäftssparten häusliche Pflege und Palliativ¬medizin belegen. Das Unternehmen verkündete überdies eine Akquisition, durch die es seine Stellung in der Hospizversorgung in den USA weiter ausbauen wird. Nachdem der Titel gut gelaufen war, haben wir unsere Position auf eine Größe reduziert, die dem Risiko einer Änderung der staatlichen Förderung Rechnung trägt. Encompass ist gut aufgestellt, um von der Alterung der Bevölkerung und dem dadurch erhöhten Kostendruck im ameri¬kanischen Gesundheitswesen zu profitieren. Seine Rehabilitationskliniken und die Angebote im Bereich der häuslichen Pflege bieten Kostenvorteile gegenüber Altenpflege¬einrichtungen.

Autodesk (Thema Wissen & Technologie), der weltweit führende Anbieter von Design-Software (CAD, Computeranimation) für Architekten und Ingenieure, verzeichnete nach Bekanntgabe der Quartalszahlen einen Anstieg seiner Aktie. In den Ergebnissen spiegelte sich der Übergang zu einem profitableren Modell mit wiederkehrenden Erlösen wider – statt Software-Lizenzen zu erwerben, wechseln viele Anwender zu digitalen Abonnements. Mittlerweile fließen angeblich 96% der Einnahmen von Autodesk auf wiederkehrender Basis. Aus unserer Sicht ist dadurch eine größere Gewinnstabilität für den Fall gewähr¬leistet, dass die Baukonjunktur an Schwung verliert. Mit den Lösungen von Autodesk können Kunden die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Entwürfe optimieren. Das kann etwa bedeuten, dass der Energiebedarf drastisch reduziert wird, dass eine robuste und ökologisch nachhaltige Infrastruktur geschaffen wird oder dass bei der Pro¬duktentwicklung und -herstellung neue Wege gegangen werden.

Die größten negativen Beiträge zur Wertentwicklung:

Kurseinbußen musste die Aktie von IPG Photonics (Thema Effizienz) hinnehmen. Der welt¬weit führende Hersteller von Hochleistungsfaserlasern erzielt fast 50% seiner Umsätze in China, und der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und der Volksrepublik sowie die daraus resultierende makroökonomische Ungewissheit haben einige Kunden veranlasst, Kaufentscheidungen zu verschieben. Durch die Produkte von IPG werden indu¬strielle Fertigungsprozesse grundlegend verändert. Die Produktivität steigt, und negative ökologische Auswirkungen werden reduziert. Die Laser sind stärker, zuverlässiger und bis zu zwanzigmal energieeffizienter als herkömmliche Industrielaser. Daraus ergibt sich eine weit größere Zahl von Anwendungsmöglichkeiten.

Die Aktie von Evoqua Water Technologies (Thema Wasserwirtschaft), einem Wassertech¬no-logie¬unternehmen mit dem alleinigen Schwerpunkt Wasseraufbereitung, fiel nach Ver-öffentlichung der Quartalszahlen. Wie bereits im Vorquartal litt Evoqua unter Verzögerun¬gen bei öffentlichen Großprojekten. Die Unternehmensleitung ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Ertragslage in den nächsten Monaten im Zuge der Fertigstellung dieser Pro¬jekte verbessern wird. Evoqua hat Kunden im kommunalen Bereich und in der Industrie, und die angebotenen Lösungen umfassen den gesamten Wasserzyklus von der Gewinnung und Trinkwasseraufbereitung bis hin zur Abwasserbehandlung und -wiederverwendung. Kunden können durch eine sparsamere Wassernutzung, die durch die Aufbereitungs¬anlagen von Evoqua ermöglicht wird, ihre Kosten senken. Sie werden außerdem bei der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen und Vorgaben zur Umweltverträglichkeit von dem Unternehmen unterstützt.

Microchip (Thema Effizienz) verzeichnete Kurseinbußen. Der Entwickler und Hersteller von Mikrocontroller-Chips hatte über Anzeichen für einen schwächeren Geschäftsverlauf bei einigen seiner Kunden berichtet. Verantwortlich dafür waren mehrere Faktoren, unter anderem Sorgen über höhere Zölle sowie Engpässe bei passiven Komponenten an anderen Stellen in der Lieferkette. Hinzu kam die Übernahme von Microsemi, die während des Quartals abgeschlossen wurde. Im Nachhinein erfuhr Microchip, dass die Firmenleitung von Microsemi durch absichtliches „Zustopfen“ der Vertriebskanäle die Umsatz- und Gewinnzahlen künstlich in die Höhe getrieben hatte. Unserer Ansicht nach sind diese Probleme vorübergehender Natur, und wir sehen in Microchip nach wie vor einen der weltweit bestpositionierten Nutznießer der Vierten industriellen Revolution. Mikrocon¬troller finden als grundlegende Bausteine einer vernetzten Welt unzählige Anwendungen. Sie sind unentbehrlich für die Verbesserung der Effizienz, mit der elektrische Energie erzeugt und verbraucht wird.

Die Aktie von ASML (Thema Wissen & Technologie), einem internationalen Hersteller von Geräten zur Fertigung von Mikrochips, fiel wie der gesamte Halbleitersektor. Viele Markt-teilnehmer sind beunruhigt über die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten, den mög-licherweise schon erreichten Höhepunkt der Nachfrage in verschiedenen Endabnehmer¬märkten und das schwache Preisumfeld im Speicherbereich. Auch wenn dies alles berech¬tigte Sorgen sein mögen, betrachten wir Halbleiter weiter als Grundbausteine einer ver¬netzten Welt, und die Produkte von ASML sind unseres Erachtens entscheidend für künf¬tige Effizienzgewinne bei Halbleitern. ASML sieht seine „Mission“ in der Entwicklung neuer Technologien für High-Tech-Lithographiesysteme (Übertragung von Mustern oder Formen auf Silizium-Wafer), messtechnischer Systeme und innovativer Software-Lösungen für die Halbleiterindustrie. Damit trägt das Unternehmen maßgeblich dazu bei, dass sich das Mooresche Gesetz weiter bewahrheiten kann und immer kleinere, billigere, leistungsstär¬kere und energieeffizientere Mikrochips gebaut werden. Der technologische Fortschritt in Bereichen wie Gesundheit, Technologie, Kommunikation, Energie, Mobilität und Entertain¬ment wird so erst möglich.

Aktivität und Positionierung

In unserer Strategie sind die Themen Wissen & Technologie und Effizienz überproportional vertreten. Das zeigt sich an der Übergewichtung von IT- und Industriewerten gegenüber dem Index. Nach wie vor untergewichtet sind Energie-, Basiskonsum- und Finanzwerte. Die regionale Aufteilung stimmt dagegen mit der des MSCI World Index überein – die Strategie wird bewusst so gemanagt, dass dies der Fall ist, wohingegen sich die Sektor-Gewichtungen als Nebeneffekt aus der Suche nach den interessantesten Titelideen und dem Bemühen um ein ausgewogenes Risikoprofil ergeben.

Neue Positionen wurden im Laufe des Quartals in Nintendo und MasterCard aufgebaut. Von Analog Devices und Tetra Tech haben wir uns getrennt.
Nintendo (Thema Lebensqualität) ist ein japanischer Hersteller von Spielkonsolen und Videospielen. Das prinzipienfeste Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, allen Kunden, die mit seinen Angeboten in Berührung kommen, „ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Nintendos Produkte sind familienorientiert und zeichnen sich durch eine starke soziale Komponente aus. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Nintendo wesentlich von anderen Spieleanbietern, und wir sind der Meinung, dass ein Unternehmen, das seine Aufgabe darin sieht, so viele Menschen wie möglich – unabhängig von Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit – glücklich zu machen, einen Platz in unserem Portfolio verdient hat. Untersuchungen haben überdies gezeigt, dass Spiele die Lesekompetenz und die mathematischen Fähigkeiten, Multi-Tasking, Ausdauer und Feinmotorik verbessern. Erfreulich finden wir auch, dass Nintendo eine Technologie entwickelt hat, mit der Eltern die Spielenutzung ihrer Kinder aus der Ferne überwachen und kontrollieren können, und dass das Unternehmen Schritte unternimmt, um die negativen Folgen von übermäßigem Spielen zu minimieren.

Mastercard (Thema nachhaltige Immobilien- und Finanzanlagen) betreibt ein weltweites Netz zur Zahlungsabwicklung in über 200 Ländern. Der Finanzdienstleister hat sich einen sicheren, einfachen und intelligenten elektronischen Zahlungsverkehr zum Ziel gesetzt. Mastercard gilt als führend bei Innovationen in dem Bereich. Zu den vielen Vorteilen elektronischer Zahlungen gehören die Sicherheit und Bequemlichkeit von Zahlungsvor¬gängen, aber auch die positiven Effekte für Wirtschaftswachstum und finanzielle Inklusion. Mastercard hat rund um den Globus zahlreiche Projekte initiiert, bei denen es darum geht, Finanzdienstleistungen erschwinglich zu machen. Mit weiteren Programmen soll ein inklu¬sives Wachstum gefördert werden.

Ausblick

In der ersten Oktoberwoche zogen die Anleiherenditen weltweit scharf an. Parallel dazu war an den internationalen Aktienmärkten eine deutliche Rotation der bevorzugten Anlagestile zu verzeichnen. So überflügelte der MSCI World Value Index am Donnerstag, dem 4. Okto¬ber, den MSCI World Growth Index um 1,3% – das war die stärkste Out¬performance an einem einzelnen Tag seit Mai 2009. Besonders stark unter Druck standen IT-Werte, wohin¬gegen Energie-, Finanz-, Basiskonsum- und Versorgertitel, in denen unsere Strategie unter¬gewichtet ist, zu den Bereichen zählten, die am besten abschnitten. Für die Strategie, die ja dem wachstumsorientierten Anlagestil zuneigt, ist das gegenwärtige Umfeld schwierig, besonders wegen der Übergewichtung des IT-Sektors.

Bei einem Active Share des Portfolios von über 90% sind Phasen der Underperformance (genauso wie solche der Outperformance) schon aus statistischen Gründen unvermeidlich, und wir möchten unsere Anleger ermuntern, die aktuelle Situation als potenzielle Einstiegs-gelegenheit zu betrachten. Auf kürzere Sicht kommt es immer wieder zur „Mean Rever¬sion“ (Rückkehr zum langfristigen Mittel), und wenn es so weit ist, sollten wir nie den Unterschied zwischen Bewertung und tatsächlichem Wert vergessen. Es gibt zahlreiche Faktoren, die zu kurzfristigen Schwankungen der Bewertungen führen können – einer der wichtigsten davon ist das Zinsniveau. Bewertung und Wert dürfen wie gesagt nicht ver¬wechselt werden, und nach unserer Überzeugung wird Wachstum – auf lange Sicht – immer den größten Wert für Anleger schaffen.

Ein wichtiges Merkmal unserer Strategie ist die Bedeutung, die wir in unserem Investment-prozess dem Thema Nachhaltigkeit im Hinblick auf ökologische und soziale Entwicklungen beimessen. Dieser Ansatz verleiht uns eine enorme Klarheit und Konsequenz bei der Suche nach attraktiven Titeln in Bereichen, in denen starke thematische Wachstumstreiber am Werk sind. Die Umstellung auf eine klimaverträgliche Wirtschaftsweise und die Vierte industrielle Revolution, die eine zunehmende technologische Durchdringung aller Bereiche der globalen Wirtschaft mit sich bringen wird, sind zwei extrem mächtige Investment¬trends. Unser Portfolio ist so aufgestellt, dass es von diesen Trends profitieren kann. Beide sind untrennbar mit einer Lösung der zahlreichen Konflikte zwischen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit verbunden.

Wir gehen davon aus, dass die Ölpreise wieder sinken werden. Vom Standpunkt der Produzenten ist ein hoher Ölpreis im Grunde kontraproduktiv, da er Innovations- und Substitutionsprozesse nur noch beschleunigt. In zehn Jahren wird es mehr erneuerbare Energie, wesentlich mehr Elektroautos und Milliarden zusätzlicher internetfähiger Geräte geben, die mit ihren Halbleitern und Mikrochips riesige Datenmengen erfassen, aber auch selbst erzeugen. All diese Daten werden in der Cloud gespeichert werden, was entspre¬chen¬de Speicherkapazitäten erfordert. Sie werden von Softwareprogrammen analysiert und nutzbar gemacht werden – zur Erreichung von Effizienzgewinnen, zur Steigerung der Produktivität und zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Unser Portfolio enthält Aktien vieler Unternehmen, die in diesen Bereichen führend sind. Vertreten sind aber auch Firmen aus dem Konsumsektor, die eine Vorreiterrolle bei dem Bemühen spielen, die Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Des Weiteren investieren wir in Kranken- und Lebensversicherer, in Gesundheitsdienstleister, in Spezialisten für Wassertechnologie, elektrische Sicherheit und Architektur, in Bildung und Unterhaltung. Wenn wir an Nach¬haltigkeit denken, sehen wir eine ganze Welt von Möglichkeiten – unser Portfolio ist sehr breit gefächert, hat aber zugleich eine klare Ausrichtung.

Die aktuelle Schwellenländerkrise folgte bekannten Mustern

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Eine protektionistische US-Handelspolitik wird asiatischen und anderen Schwellenländern schaden, die am stärksten von den globalen Handelsströmen abhängen. Die derzeitigen Währungsprobleme der Türkei dürften dagegen
kaum auf andere Schwellenländer überschwappen, nicht zuletzt, weil sich die Leistungsbilanzen der Länder in den letzten Jahren tendenziell verbessert haben.

Klassische Schwellenländerkrisen

Eine Schwellenländerkrise tritt in der Regel dann ein, wenn sich ein Land durch eine übermäßige Kreditaufnahme überschuldet und dadurch ein massives Leistungsbilanz- oder Haushaltsdefizit aufbaut. Meistens wächst in einem solchen Land die Wirtschaft schneller als dies eigentlich gerechtfertigt wäre, und damit steigt auch die Kreditschöpfung, meistens in US-Dollar. Wenn dann die Märkte angesichts des Schuldenbergs nervös werden und bezweifeln, ob das Land diese Schulden auch finanzieren kann, dann wollen sie sich aus dem Land zurückziehen. Die negativen Folgen schlagen sich dann als Erstes in der Währung nieder. Irgendwann fallen die Preise für Vermögenswerte so weit, dass der Markt einbricht – und in der Regel gibt es dafür einen Auslöser. Beispielsweise betrachten viele den Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 als den Beginn der globalen Finanzkrise.

Turbulenzen in der Türkei

Die Türkei hat ein Leistungsbilanzdefizit von rund 5,5 Prozent des BIP, daraus ergibt sich ein jährlicher Finanzierungsbedarf von rund 60 Milliarden US-Dollar. Anleger machten sich nicht nur über die Höhe der Schulden Sorgen, sondern auch über die Äußerungen der türkischen Regierung, die zudem auch einige unorthodoxe wirtschaftspolitische Maßnahmen in die Wege leitete. Großbritannien weist zwar auch ein erhebliches Leistungsbilanzdefizit auf, dieses wird jedoch durch Investitionen aus dem Ausland finanziert. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei wird dagegen hauptsächlich durch Portfoliozuflüsse, internationalen Handel und Kreditaufnahme finanziert. Damit ist das Land stark von den Bedingungen an den Finanzmärkten abhängig.

Da die Anleger immer weniger glauben, dass die Türkei das Defizit bewältigen kann, und sich die Regierung außerdem weigert, die Zinsen zu erhöhen, um dem Verfall der Lira Einhalt zu gebieten, ist es nur allzu verständlich, dass sich die Anleger angesichts der zunehmenden Drohungen einer Erhebung von Handelszöllen aus dem Land zurückgezogen haben. Verstärkt wurde dies noch durch die Massenentlassungen in den türkischen Behörden. Dies hat ihrer Glaubwürdigkeit massiv geschadet, denn Schatz- und Finanzminister der Türkei ist Berat Albayrak – der Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan!
Die Gefahr, die von US-Präsident Trump für die Handelspolitik ausgeht, mag neu sein, die Lage in der Türkei ist es dagegen keineswegs. Man denke nur an frühere Schwellenländerkrisen wie das „Taper Tantrum“, die Asien-Krise und die „Fragilen Fünf“. Bei diesen Ereignissen haben die Anleger das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik eines Landes verloren und damit die Währung unter Druck gesetzt, was zu einer Abwertung führte.

In der Vergangenheit wurden derartige Probleme kurzfristig durch Maßnahmen zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit gelöst, beispielsweise durch geldpolitische Schritte oder haushaltspolitische Initiativen. Die Türkei hat dagegen weitgehend an ihrer politischen Richtung festgehalten und auch den IWF nicht um Hilfe gebeten. Daher dürfte die türkische Lira auch zukünftig immer wieder unter Beschuss geraten, und es könnte in den kommenden Monaten zu einer erneuten Krise kommen.

Begrenztes Ansteckungsrisiko

Aber nicht nur in der Türkei ist die Lage unruhig, auch Argentinien hat mit einem schwindenden Vertrauen in seine Währung zu kämpfen. Die jüngste Folge war der Rücktritt des Chefs der Zentralbank.

Das Wirtschaftswachstum Argentiniens ist somit zwar gefährdet, wir sehen aber kaum Ansteckungsrisiken. Auch die brasilianische Wirtschaft ist in einer relativ guten Verfassung. Das Leistungsbilanzdefizit ist sehr gering und wird durch ausländische Direktinvestitionen finanziert. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die momentane Phase der US-Dollar-Stärke nicht mehr allzu lange andauern dürfte. Sobald sich die Märkte wieder auf die Haushaltslage der USA konzentrieren, wird der US-Dollar an Wert verlieren. Sofern es zu keinen größeren politischen Fehlentscheidungen kommt, die zugegebenermaßen in Schwellenländern wahrscheinlicher sind als in Industrieländern, dann scheinen aktuell keine Schwellenländer am Rande des Abgrunds zu stehen.

Das Problem mit Handelskriegen

Die Krise in der Türkei ist zwar typisch für Schwellenländer, das heißt jedoch nicht, dass der Welthandel keinen Anlass zur Sorge gibt. Schätzungen einiger Analysten zufolge wird der Handelskrieg das globale BIP um 1 Prozent bis 2,3 Prozent schmälern. Einige Experten gehen auch davon aus, dass die US-Notenbank als Reaktion auf die Zölle die Zinszügel rascher anziehen wird. Die Auswirkung eines Handelskriegs auf einzelne Länder lässt sich jedoch kaum vorhersagen – nicht zuletzt, weil wir noch nicht wissen, wie weit die US-Regierung in ihren protektionistischen Bestrebungen gehen wird.

Trotzdem stehen Asien und Schwellenländer wie China, Mexiko, Kolumbien, Malaysia, Korea und Thailand, die der Gefahr durch die protektionistische Politik von US-Präsident Trump ausgesetzt sind, vor großen Herausforderungen. Zölle werden nichts nützen, denn viele Schwellenländer hängen ökonomisch generell von Rohstoffen, Deviseneinnahmen oder Halbfertigprodukten ab und sind somit sehr stark an globalen Handelsströmen beteiligt. Sollte sich der Welthandel abschwächen, dann werden einige dieser Volkswirtschaften unweigerlich unverhältnismäßig stark unter Druck geraten.

Was wir aus dem Crash im Oktober lernen können

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Schon Mark Twain, der Schriftsteller und Spekulant, wusste, dass der Monat Oktober einer der gefährlichsten Börsenmonate ist. Aber dann hat er wohl augenzwinkernd hinzugefügt: Die anderen gefährlichen Monate wären Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, November und Dezember.

In diesem Jahr ist wieder einmal der Oktober besonders aufgefallen. Nicht allein durch den Markteinbruch selbst, sondern insbesondere dadurch, dass manche Aktien an mehreren Tagen hintereinander extrem, also um mehrere Standardabweichungen, gefallen sind. Das bedeutete Kursabschläge von mehrmals über 10% bei Titeln, bei denen keine oder sogar noch positive Unternehmensmeldungen vorhanden waren. Hierzu gehörten insbesondere Titel, die in den Jahren zuvor einen großen Kursanstieg zu verzeichnen hatten.

Handelte es sich dabei nur um eine Art „Momentum Crash“? Keineswegs. Betroffen waren auch Aktien, deren Kurse bereits zuvor gefallen waren und bei denen eher andere Faktoren wie Bewertung oder Stabilität stark ausgeprägt waren. Auch solche Titel fielen ohne neue Nachrichten mehrfach um mehrere Standardabweichungen. Ginge es nach den Theorien der Statistiker und klassischen Ökonomen, hätte es so etwas gar nicht geben dürfen.

Eine weitere Beobachtung: Unsere gesamten regelbasierten Faktorstrategien hatten im Oktober, insbesondere an einigen Ausnahmetagen, eine noch niedrigere Wertentwicklung als der Gesamtmarkt. Der Faktor Momentum schlug hierbei besonders negativ zu Buche, gleichwohl dieser nur etwa 25% unserer Auswahl bestimmt. Auch die regelbasierten Systeme anderer Fondsmanager lieferten im Oktober eine erhebliche, teils noch größere Underperformance ab.

Das bedeutet: Gerade systematische Strategien, die das Ziel verfolgen eine Outperformance zu generieren, haben im Oktober eine Underperformance gebracht. Das liefert meines Erachtens auch eine Erklärung für den zurückliegenden Oktobercrash: Der Grund für die statistisch abnormalen Kursrückgänge ist selbst systematisch – Irrationalität, Massenpsychologie – wie immer man es auch nennt. Systematische Strategien waren davon entsprechend besonders betroffen. Abrupte Kursrücksetzer halten naturgemäß viele Marktteilnehmer von Aktieninvestments ab. Ebenso hält die zurückliegende Kursschwäche viele Investoren gerade von systematisch interessanten Aktien zurück. In der Folge generieren diese Aktien mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Outperformance. 

Langfristige Marktbeobachtungen bestätigen diese Sichtweise und auch die letzten Tage haben bereits entsprechende Anhaltspunkte geliefert. Aktien, deren Allokation eine systemische Auswahl zugrunde liegt, sollten nach der zuletzt irrationalen Börsenphase besondere Chancen besitzen.

Der Autor Dr. Robert Velten, Geschäftsführer der Velten Asset Management GmbH, ist Initiator und Berater des ‚Velten Strategie Deutschland‘ (WKN A2ATCU). Das Management des auf deutsche Aktien ausgerichteten Fonds setzt – wissenschaftlich untermauert – auf Erhebung und Auswertung exklusiver Unternehmens-Kennzahlen, die Erfolgsfaktoren wie Wachstum und Bewertung besser abbilden, als herkömmliche Messverfahren.

Rohstoffpreise auf Kurs ins Unbekannte

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Zwei Faktoren sind ausschlaggebend dafür, ob Rohstoffpreise Rezessionen verursachen: das Angebotsmanagement und Kapazitätsengpässe. Die OPEC betreibt beispielsweise schon seit 1960 ein mehr oder weniger erfolgreiches Angebotsmanagement im Rohölmarkt. Zudem setzte sie in der Vergangenheit zweimal den Ölpreis als politisches Druckmittel ein – 1972 und 1979. Der Ölpreisanstieg damals bedeutete, dass die Konsumenten in den Industrieländern mehr Geld für Ölimporte ausgeben mussten und daher immer weniger für inländischen Konsum übrighatten. Die Folge war jeweils eine Rezession in den Industrieländern. Auch stieg der Ölpreis im Vorfeld und während der Rezession der US-Wirtschaft 1990 aufgrund des ersten Irak-Kriegs merklich an. In einem breiten Rohstoffpreisindex haben Energiepreise aufgrund ihrer überragenden Bedeutung für die Gesamtwirtschaft naturgemäß ein hohes Gewicht und somit einen starken Einfluss auf die Indexentwicklung.

Bloomberg-Rohstoffpreisindex

Bloomberg-Rohstoffpreisindex
Bloomberg-Rohstoffpreisindex

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Metzler

Der Anstieg der Rohstoffpreise im Vorfeld und während der
US-Rezessionen von 2001 und 2007 war dagegen auf Kapazitätsengpässe
zurückzuführen. Ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft über viele Jahre
hinweg und die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft gingen
mit einer enorm steigenden Nachfrage nach Rohstoffen einher, die nicht
mehr mit den bestehenden Kapazitäten befriedigt werden konnte. Die
Weltwirtschaft benötigte eine Verschnaufpause, damit das Angebot zum
höheren Nachfrageniveau aufschließen konnte.  

Die seit 2016 stabilen Rohstoffpreise signalisieren, dass das Angebot
an Rohstoffen ausreichend ist, um ein solides Wachstum der
Weltwirtschaft zu ermöglichen. Die Entwicklung der Rohstoffpreise
signalisiert somit keine erhöhten Rezessionsrisiken. Sollte es jedoch zu
einer Rezession aufgrund einer Eskalation des Handelskriegs oder eines
anderen politischen Schocks kommen, würde ein merklicher Rückgang der
Rohstoffpreise drohen. Aufgrund der gegenwärtig niedrigen
Inflationsraten wäre dann die Gefahr groß, dass die meisten Länder
schnell in eine Deflation abgleiten.

USA: Stabile Inflation

Kurzfristig
betrachtet, ist der Bloomberg-Rohstoffpreis-index von seinem Hoch
Anfang Oktober bis Anfang November um mehr als 5 % gefallen, von seinem
Hoch im Mai sogar um knapp 10 %. Da die Rohstoffpreisentwicklung die
Inflation (Mittwoch) stark beeinflusst, dürfte sie im Oktober auf 2,5 %
gestiegen sein, im November dann aber wieder fallen. Das Inflationshoch
von 2,9 % im Juli dürfte damit auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht
werden. Inflationsrisiken in den USA drohen vor allem vom Arbeitsmarkt
und den Löhnen. Bisher beschleunigte sich das Lohnwachstum jedoch nur
geringfügig.

Gute Konjunktur sorgt für sinkende Arbeitslosenquoten

Gute Konjunktur sorgt für sinkende Arbeitslosenquoten
Gute Konjunktur sorgt für sinkende Arbeitslosenquoten
Gute Konjunktur sorgt für niedrige Arbeitslosenquoten

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Darüber
hinaus werden noch die Einzelhandelsumsätze (Donnerstag) sowie die
Industrieproduktion (Freitag) als realwirtschaftliche Daten
veröffentlicht. Als Umfragedaten werden der Geschäftsklimaindex der
Mittelständler (Montag) sowie der Philadelphia Fed Index (Donnerstag)
veröffentlicht.

Asien: Negatives Wachstum in Japan, fragile Konjunktur in China  

Das
Wachstum in Japan dürfte im dritten Quartal wieder negativ sein
(Mittwoch), nachdem das erste Quartal schon bei -0,2 % gegenüber dem
Vorquartal lag. Japan ist damit nur knapp einer Rezession entgangen –
definiert als zwei Quartale mit negativem Wachstum in Folge. Tatsächlich
verzerren jedoch die BIP-Daten das Bild der derzeit boomenden
japanischen Wirtschaft, da viele Sonderfaktoren das Wachstum beeinflusst
haben, etwa Wetterkapriolen. Schon im zweiten Quartal lag das Wachstum
bei kräftigen 0,7 % als eine Reaktion auf die Schwäche zuvor. Auch im
vierten Quartal dürfte das BIP wieder kräftig steigen. In Japan kommt
zum ersten Mal seit langem endlich ein längerer Investitionszyklus der
Unternehmen in Gang. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Unternehmen
mithilfe von Robotern und künstlicher Intelligenz immer mehr in Rente
gehende Arbeitnehmer ersetzen müssen. Schon in den vergangenen fünf
Jahren stieg die Produktivität in Japan schneller als in den USA. In den
kommenden fünf Jahren könnte der Abstand sogar noch größer werden.

In China werden die Einzelhandelsumsätze (Mittwoch) und die
Industrieproduktion (Mittwoch) veröffentlicht – beide dürften sich im
Rahmen der Erwartungen bewegen. Die chinesische Regierung versucht mit
immer weiteren Maßnahmen die Konjunktur zu stabilisieren. Der
Handelskonflikt scheint China stärker zu treffen als gedacht. Immerhin
eröffnet der hohe Handelsbilanzüberschuss der chinesischen Regierung
genügend Spielraum für Wirtschaftsstimuli.

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management

FinVermV: Die Regelung zu Interessenkonflikten wird verschärft

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Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) verfolgen gespannt die Entwicklung der Beratungen zur neuen Verordnung über Finanzanlagenvermittlung, kurz FinVermV genannt. Durch die Verordnung sollen die Pflichten aus MiFID II für die Finanzanlagenvermittler umgesetzt werden. Für die 34f-ler ist nicht das gesamte Programm aus MiFID II umzusetzen, sondern lediglich die Vorgaben, die Art. 3 Abs. 2 der MiFID II vorsieht. Seit Monaten ist das Papier in der Diskussion. Am Mittwoch nun hat das Bundeswirtschaftsministerium den Verbänden ihren Entwurf vorgestellt. FundResearch sprach darüber mit Dr. Christian Waigel. Der Rechtsanwalt bezieht Stellung zu einzelnen Punkten des Entwurfs.

Interessenkonflikte / Vergütungen

„Die Regelung zu Interessenkonflikten wird deutlich verschärft“, sagt Christian Waigel. Vermittler werden nun verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, müssen die Interessenkonflikte offengelegt werden. „Die Conflict of Interest Policies der Finanzanlagenvermittler werden sich demnach stark denen von lizenzierten Instituten angleichen.

Kundeninformationen

Die statusbezogenen Informationspflichten gemäß § 12 FinVermV bleiben unverändert. Sie werden allerdings erweitert. Hinzu kommen zum Beispiel Informationen zur Sprache mit dem Kunden, zu den verwendeten Kommunikationsmitteln, zur Häufigkeit der Berichterstattung sowie eine Beschreibung der Grundsätze über den Umgang mit Interessenkonflikten. Auch hinsichtlich der Informationen der Anleger über Risiken und Kosten findet eine Angleichung an lizenzierte Institute statt. Strenger wird die Regelung zur Information über die Kosten. Auch Finanzanlagenvermittler müssen nun Kosteninformationen versenden und sind an die Delegierten Rechtsakte aus MiFID II gebunden.

„Für Finanzanlagenvermittler bedeutet das mehr Pflichten: Sie müssen Anlegern vor Abschluss sowie mindestens jährlich während der Laufzeit einer Anlage alle Informationen in Bezug auf die Kosten und Nebenkosten der Anlagevermittlung oder der Anlageberatung sowie in Bezug auf die Kosten der Finanzanlagen sowie der Zahlungsmöglichkeiten des Anlegers erteilen“, erklärt Christian Waigel.

Darüber hinaus muss Anlegern mitgeteilt werden, ob eine abhängige oder eine unabhängige Beratung erbracht wird und warum die Beratung als unabhängig oder nicht unabhängig einzustufen ist.

Die Vorgaben für Werbemitteilungen werden an MiFID II angeglichen. Wichtigster Punkt: Kundeninformationen dürfen nicht irreführend und Marketingmitteilungen müssen als solche gekennzeichnet sein.

Product Governance

Die Vorgaben für Product Governance sind streng und gleichzeitig für alle Neuland. Auch die Finanzanlagenvermittler sollen sich die Zielmärkte für Finanzinstrumente besorgen und dann nur innerhalb des Zielmarktes vertreiben. „Das ist sogar etwas strenger als MiFID II, weil dort ein Verkauf außerhalb der Zielmärkte eigentlich gestattet ist, dann aber dem Kunden gegenüber, zumindest in der Anlageberatung, begründet werden muss“, so Waigel. „Wahrscheinlich wird man im Verfahren aber noch eine Angleichung an die großzügigere Regelung für lizenzierte Institute vornehmen“, fügt Christian Waigel hinzu. Immerhin in einem Punkt hat sich die Lage entspannt: Finanzanlagenvermittler müssen keinen eigenen Zielmarkt für die Finanzanlagen entwickeln.

Provisionen

Hinsichtlich Provisionen ist der Entwurf großzügig. Hier werden nicht die Vorgaben aus MiFID II übernommen. Es ist keine Rede von einer Qualitätsverbesserung und dem damit im Zusammenhang stehenden Dokumentationsaufwand, der den lizenzierten Instituten im Moment in der Praxis Schwierigkeiten bereitet. „Konkret bedeutet das, das Finanzanlagenvermittler weiterhin nicht gezwungen sind, von ihren Kunden eine Vergütung zu verlangen, nur um an ihren Dienstleistungen etwas zu verdienen“, erklärt Christian Waigel. Sie dürfen auch in Zukunft Provisionen von Dritten, etwa von den Produktgebern, beziehen. Sie müssen diese Provisionen nicht zur Qualitätsverbesserung ihrer Dienstleistungen einsetzen. Allerdings müssen die Zuwendungen offengelegt werden.

Weiterhin – und das ist neu hinzugekommen – dürfen sich die Zuwendungen nicht nachteilig auf die Qualität der Vermittlung und Beratung auswirken, und die Zuwendungen dürfen nicht die Verpflichtung des Finanzanlagevermittlers beeinträchtigen, im bestmöglichen Interesse des Anlegers zu handeln. „Damit kehrt das Wirtschaftsministerium das Prinzip aus der MiFID II praktisch um. Zuwendungen müssen zwar nicht zur Qualitätsverbesserung verwendet werden, aber sie dürfen andererseits auch nicht die Qualität der Dienstleistungen beeinträchtigen“, so Waigel.

Beratungsprotokoll und Geeignetheitserklärung

„Der Wechsel vom Beratungsprotokoll zur Geeignetheitserklärung, wie sie MiFID II vorsieht, ist keine Überraschung. Der Wortlaut des § 18 FinVermV-E ist nahezu identisch mit § 64 Abs. 4 WpHG“, so Waigel. Die Geeignetheitserklärung muss die erbrachte Anlageberatung nennen und erläutern, wie sie auf Präferenzen, Anlageziele und die sonstigen Merkmale des Anlegers abgestimmt wurde.

Geeignetheitsprüfung

„Für Finanzanlagenvermittler gelten nun dieselben hohen Sorgfaltsmaßstäbe bei der Geeignetheitsprüfung wie bei den lizensierten Instituten. Beispielsweise wird auch der neue Äquivalenztest aus der MiFID II Anwendung finden“, so Waigel. Danach ist bei gleicher Eignung von zwei oder mehreren zur Auswahl stehenden Finanzanlagen, diejenige Finanzanlage dem Anleger zu empfehlen, welche die geringsten Kosten und Komplexität aufweist. Außerdem ist bei Umschichtungen in den Kundendepots zu prüfen, ob die Vorteile einer Umschichtung deren Kosten überwiegen.

Telefonaufzeichnung

„Leider ist in dem Entwurf die Telefonaufzeichnung für Beratungsgespräche enthalten, genauso wie für lizenzierte Institute. Es sind alle Telefongespräche und die elektronische Kommunikation aufzuzeichnen, sobald sie die Vermittlung oder Beratung zu Finanzanlagen betreffen. Die Aufzeichnung soll vor allem die Teile der Gespräche enthalten, in denen Anlageberatung oder Anlagevermittlung erbracht werden“, erklärt Christian Waigel. Finanzanlagenvermittler müssen die Gesprächsaufzeichnungen gegen nachträgliche Verfälschung und unbefugte Verwendung sichern und  die Kunden über die Aufzeichnung informieren. Anleger dürfen während der Aufbewahrungsfrist eine Kopie der Aufzeichnungen verlangen.

„Wir gehen davon aus, dass im Laufe der Anhörungen noch die ein oder andere Anpassung vorgenommen wird“, so Waigel.

Die komplette Stellungnahme von Dr. Christian Waigel im Wortlaut als PDF-Dokument.

Hüfner: Die „langweilige“ Geldpolitik

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In der Geldpolitik geht es in Europa derzeit außerordentlich ruhig zu. Während die amerikanische Federal Reserve alle drei Monate darüber diskutiert, die Zinsen zu erhöhen und sie damit sogar einen deftigen Krach mit dem Präsidenten riskiert, ist es bei der Europäischen Zentralbank fast schon langweilig. Sie hat einen festen Fahrplan (Forward Guidance). Sie arbeitet diesen Schritt für Schritt ab. Seit Oktober hat sie die Wertpapierkäufe von EUR 30 Mrd. auf EUR 15 Mrd. pro Monat reduziert. Am Jahresende sollen sie ganz auslaufen. Im Herbst 2019 wird die EZB dann anfangen, die Leitzinsen aus dem negativen Bereich herauszuholen. Das lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor.

Entsprechend interessieren sich die Märkte auch nicht dafür, was die Europäische Zentralbank tut. Sie saugen allenfalls Honig aus mehr oder weniger optimistischen Äußerungen von Herrn Draghi oder Herrn Praet (dem Chefvolkswirt der EZB) zur Konjunktur oder der Preisentwicklung. Sonst ist, so scheint es, weitgehend tote Hose.

Das Bild täuscht jedoch. Schaut man genauer hin, dann tut sich im monetären Bereich doch etwas. Das Wachstum der Geldmenge verlangsamt sich. M1 stieg vor drei Jahren noch um fast 12 %. Jetzt nimmt es nur noch etwas mehr als halb so viel zu (6,8 %). Siehe Grafik.

DAS GELD WIRD KNAPPER
M1 in % yoy, Wertpapierkäufe in EUR Mrd.

Das Geld wird knapper
Das Geld wird knapper

Quelle: EZB

Das hängt natürlich mit dem Auslaufen der Wertpapierkäufe der Europäischen Zentralbank zusammen. Das sogenannte APP (Asset Purchase Program) startete im März 2015 mit Käufen von monatlich EUR 60 Mrd. Ein Jahr später wurde es auf EUR 80 Mrd. aufgestockt. Jetzt wird es wieder zurückgeführt. Bei den Zinsen hat man von diesem Programm nicht viel gemerkt. Wo es sich aber ausgewirkt hat, war – das ist nicht so spektakulär – bei den monetären Bedingungen auf den Märkten.

»Die ultralockere Geldpolitik, die zur Überwindung der großen Finanzkrise und zur Bekämpfung der Eurokrise notwendig war, läuft aus.«

Es ist zu vermuten, dass das Wachstum der Geldmenge M1 weiter zurückgeht. Einmal natürlich so lange, bis das Wertpapierankaufprogramm Ende des Jahres ganz ausläuft. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass der Prozess auch dann noch weitergeht. M1 ist die Summe aus Bargeld und täglich fälligen Einlagen. Dieses Aggregat verringert sich nicht nur wenn die Liquidität zurückgeht (das geschieht über das Auslaufen der Wertpapierkäufe). Es wird auch dann kleiner, wenn Wirtschaft und Private nicht mehr so viel Cash halten, sondern in Festgeld gehen.

Das wird passieren, wenn die Aussicht auf steigende Zinsen aufkeimt. Denn dann erhöhen sich die Opportunitätskosten der Haltung von Bargeld und von täglich fälligen Einlagen. Das wird nicht gleich zu Jahresbeginn passieren. Es kommt aber im Laufe des Jahres, wenn der Zeitpunkt für eine Anhebung der Leitzinsen in Europa näher rückt. In den USA, die schon länger die Leitzinsen erhöhen, ist das Wachstum der Geldmenge M1 auf inzwischen 3,8 % gefallen. Diese Größenordnung könnte auch hier erreicht werden, vermutlich noch nicht im nächsten Jahr, aber vielleicht 2020.

Was ist schlimm daran? Gar nichts. Es heißt nur, dass die monetären Bedingungen in Europa trotz weiter extrem niedriger Zinsen restriktiver werden. Es gibt nicht mehr so viel Geld. Die ultralockere Geldpolitik, die zur Überwindung der großen Finanzkrise und zur Bekämpfung der Eurokrise notwendig war, läuft aus. Wir haben jahrelang beklagt, dass die Zentralbank einen zu expansiven Kurs fährt. Wir sollten jetzt nicht kritisieren, wenn sich die Verhältnisse normalisieren und der monetäre Mantel enger wird. Geld muss knapp sein, sonst kann es seine Funktion in einer Volkswirtschaft nicht erfüllen.

Das wirkt sich zunächst auf die Konjunktur aus. Wenn die Geldmenge langsamer zunimmt, dann haben die Menschen weniger im Portemonnaie. Sie kaufen weniger. Es gibt eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang zwischen M1 und der Konjunktur statistisch nachgewiesen haben. Wenn die Geldmenge weniger zunimmt, dann wächst die volkswirtschaftliche Nachfrage langsamer und die Konjunktur wird schwächer. Das können wir derzeit beobachten.

Allerdings ist die Korrelation zwischen beiden Größen nicht perfekt. Die Geldmenge schwankt stärker als die Konjunktur. Zudem gibt es zwischen beiden zeitliche Verzögerungen. Sie betragen ungefähr drei bis vier Quartale. Das ist verständlich. Wenn die Verbraucher weniger Geld in der Tasche haben, reduzieren sie nicht stante pede ihre Käufe, sondern warten erst ab, ob die Veränderung dauerhaft ist.

Die zweite Auswirkung betrifft die Kapitalmärkte, speziell die Aktienkurse. Sie funktioniert ähnlich. Wenn die Wachstumsrate von M1 sinkt, dann verschlechtert sich das Klima an den Börsen und nach einer gewissen Zeit gehen auch die Kurse nach unten. Umgekehrt wenn sich das Wachstum der Geldmenge beschleunigt.

Insgesamt ist M1 damit ein weiterer Indikator für die Börsenentwicklung. Mit sinkendem Wachstum der Geldmenge M1 werden im Übrigen auch die Schwankungen der Kurse größer.

Für den Anleger

Viele meinen, dass es nach dem schlechten Oktober jetzt wieder ein „Back to Normal“ an den Aktienmärkten geben könnte. Ich halte das auch für möglich. Aber man muss auch die veränderten monetären Bedingungen im Kopf haben. Wir müssen uns also mit kleineren Brötchen zufrieden geben. Auch 2019 werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ein Crash ist allerdings nicht zu befürchten. Dazu ist die Konjunktur zu gut und das Geldmengenwachstum zu hoch. Darüber hinaus würde ich mich nicht wundern, wenn sich die Geldmengenentwicklung am Ende auch in höheren Zinsen zeigt. Bisher haben wir davon allerdings noch nichts gesehen.