Edouard Carmignac nicht mehr Fondsmanager des Investissement

Schlagworte: ,

Edouard Carmignac hat das Fondsmanagement des Carmignac
Investissement (ISIN: FR0010148981)
an David Older abgegeben. Zudem wird Older Teil des Management-Teams des
Carmignac Patrimoine, wo er für die Zusammenstellung des Aktienportfolios
zuständig sein wird. In dieser Position arbeitet er eng mit Edouard Carmignac zusammen,
der als Fondsmanager erhalten bleibt. Von dem Rücktritt beim Investissement  bleiben
Edouard Carmignacs weitere Funktionen unbetroffen. Er wird nach Angaben des
Asset Managers weiterhin als Chief Investment Officer fungieren und für die
strategische Ausrichtung der Franzosen zuständig sein.

Hintergrund des Personalwechsels ist nach Informationen der
Online-Plattform „Citywireselector“ die Performance des Investissement . Über die
vergangenen drei Jahre lag die Wertentwicklung des Fonds weit unter der seiner
Benchmark. Die Performance sei sowohl enttäuschend als auch deutlich unter dem
langfristigen Durchschnitt, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.
Verantwortlich dafür sei das schwierige Marktumfeld, zu dem eine Positionierung
schwer gefallen sei.

Carmignac
Investissement (blau): Von der Benchmark (rot) zuletzt klar abgehängt

Carmignac Investissiment vs. Stoxx 1800 EM exposed
Carmignac Investissiment vs. Stoxx 1800 EM exposed

Quelle: FVBSprofessional, rollierende Zeiträume, Stand 11.09.2018

Zum ersten Mal hätten die Zentralbanken Investoren dazu
gebracht die reale Wirtschaftsentwicklung zu ignorieren und noch stärker ins
Risiko zu gehen. Carmignac habe das nicht nutzen können, so der Sprecher.

In einer Stellungnahme zum Führungswechsel betonte Edouard
Carmignac, er habe „absolutes Vertrauen“, David Older das Management des
globalen Aktienportfolios zu überlassen. Er selbst werde sich verstärkt der Marktanalyse
zuwenden.

Die Ankunft der Lohninflation

Schlagworte: ,

Bevor das Schreckgespenst des Protektionismus die Märkte in Atem hielt, war der US-Arbeitsmarkt, genauer gesagt die Lohninflation, der erste Stressfaktor des Jahres. Da die Lohninflation im Februar deutlich höher als erwartet ausfiel, ließ sie eine Beschleunigung und mögliche Entgleisung der Inflation in den USA sowie eine daraus folgende aggressive geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank (Fed) befürchten. Auch wenn die Reaktion der Anleger zweifelsohne überzogen war, hatte diese Episode zumindest den Vorteil, dass das Thema Inflation in den Köpfen der Anleger ankam.

Trotz immer besserer Arbeitsmarktzahlen, eines steten Rückgangs der Arbeitslosenquote und durchschnittlich rund 200.000 neu geschaffener Stellen pro Monat blieb die Lohninflation seitdem jedoch moderat. Hierfür gibt es mehrere Erklärungen. Einerseits den Anstieg der privaten Einkommen vom Jahresanfang im Zuge der Steuerreform, die den Wunsch nach Lohnerhöhungen eindämmte. Andererseits die Rückkehr von Arbeitnehmern auf den Arbeitsmarkt, die lange Zeit außer Arbeit waren und daher weniger hohe Lohnforderungen stellen.

Seitens der Unternehmen waren jedoch andere Töne zu vernehmen. Eine Erhebung des Institute for Supply Management (ISM) nannte die Arbeitskosten als einen der Faktoren für den Anstieg der gezahlten Preise. Ebenso wiesen kleinere Unternehmen in der Befragung durch den US-Verband der freien Berufe (NFIB) auf einen ausgeprägten Lohndruck hin, und einige berichteten von Schwierigkeiten bei Neueinstellungen. Insgesamt deuteten diese verschiedenen Erhebungen auf eine höhere Lohninflation hin, als sie den Zahlen des Bureau of Labor Statistics (BLS) bislang zu entnehmen war.

Der am vergangenen Freitag veröffentlichte Bericht des BLS bestätigte diese Beobachtungen. Denn der durchschnittliche Stundenlohn legte im August um 0,4 Prozent zu, während lediglich 0,2 Prozent erwartet worden waren. Über ein Jahr betrachtet stieg er um 2,9 Prozent, während die Prognose lautete, dass er mit 2,7 Prozent stabil bleiben würde. Der Rückgang der Erwerbsquote erzeugt einen Aufwärtsdruck auf die Löhne. Dagegen haben die Stagnation bei den durchschnittlich geleisteten Stunden und der Rückgang der Unterbeschäftigungsquote eher einen dämpfenden Effekt. Anders gesagt: Es handelt sich um eine „echte“ Lohninflation und nicht bloß um einen Masseneffekt.

Sobald der Anstieg der privaten Einkommen durch die Steuerreform aufgesogen ist, wird sich der Anstieg der US-Löhne in den kommenden Monaten fortsetzen. Entscheidend ist nun die Frage, ob es den Unternehmen gelingt, diese Kostensteigerungen auf höhere Verkaufspreise umzulegen. Falls ja, werden die Verbraucherpreise weiter ansteigen, was die Fortsetzung der von der Fed begonnenen geldpolitischen Straffung rechtfertigen würde. Im gegenteiligen Fall werden die Margen der Unternehmen unter Druck geraten. Dies könnte letztlich negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne haben, sobald der günstige Basiseffekt der Steuerreform verpufft.

Was kaum jemand über Steuereinnahmen weiß

Schlagworte: ,

Steuern sind immer ein brisantes Thema für die Personen und Unternehmen, die sie zahlen. Deshalb sollte es nicht überraschen, dass eine Untersuchung der OECD, einer Organisation, die sich hauptsächlich aus reichen Nationen zusammensetzt, einige Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bei der Studie wurden Daten zur Besteuerung in 35 Ländern zusammengetragen und verglichen.

Hier greifen wir einige der interessantesten Fakten heraus.

1. Die meisten Volkswirtschaften erheben heute mehr Steuern im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) als zu jedem anderen Zeitpunkt seit 1990

In rund 80 % der erfassten Länder wurden die Steuern zwischen 1990 und 2016 erhöht. Aufgrund der höheren Steuereinnahmen in allen wesentlichen Sektoren, insbesondere aus Mehrwert- und Unternehmenssteuern, stieg das Verhältnis der Steuern zum BIP auf ein Rekordhoch von 34 %.

Die Gründe dafür sind komplex. Dies gilt insbesondere für den starken Anstieg seit der Finanzkrise von 2008. Der Anstieg ergibt sich, wie wir nachstehend erklären, nicht zwangsläufig daraus, dass verschuldete Regierungen die Steuersätze anheben, um mehr Geld einzunehmen.

Steuern in Prozent des BIP: Durchschnitt der OECD

Steuereinnahmen
Steuereinnahmen

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Der OECD-Durchschnitt beruht auf den Daten von 2015.

2. Zu diesem allgemeinen Anstieg der Besteuerung kam es, obwohl die Unternehmenssteuersätze seit den 1980er-Jahren um etwa die Hälfte gesunken sind

Eine markante Entwicklung war der „Steuerkrieg“ bei der Unternehmenssteuer. Die Länder kämpften darum, die niedrigsten Steuersätze anzubieten, um Unternehmen anzuziehen. Um dies besser zu veranschaulichen, bedienen wir uns einer Grafik aus einer kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Studie. Sie zeigt, dass der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz über längere Zeit hinweg massiv gesunken ist. Beachtenswert ist auch, dass die Gesamteinnahmen aus Unternehmenssteuern dank höherer Vorsteuergewinne trotz der niedrigeren Steuersätze gestiegen sind.

Globaler Durchschnitt der Unternehmenssteuersätze (in %)

Globaler Durschschnitt
Globaler Durschschnitt

Quelle: The Missing Profits of Nations, 2018, Tørslø, Wier, Zucman.

3. Unternehmenssteuern sind eine ziemlich bedeutungslose Quelle von Staatseinnahmen

Beitrag zu den gesamten Steuereinnahmen: Durchschnitt der OECD

Bedeutungslose Quelle
Bedeutungslose Quelle

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Der OECD-Durchschnitt beruht auf den Daten von 2015.

Dies ist nichts Neues. Trotz der rückläufigen Unternehmenssteuersätze sind die Unternehmenssteuern im Vergleich zum BIP seit 1990 nicht gesunken. Angesichts ihres geringen Beitrags zu den Gesamteinnahmen ist eine Senkung der Unternehmenssteuer ein viel weniger kostspieliger Schritt als eine Senkung der Einkommensteuer – trotz des wachsenden Widerstands in der Bevölkerung. Die Regierungen hoffen auch, dass eine Senkung der Unternehmenssteuer Unternehmen dazu ermutigt, sich in einem Land niederzulassen oder ihre Präsenz dort auszuweiten und mehr Menschen zu beschäftigen, die Einkommensteuern zahlen und besteuerte Güter und Dienstleistungen kaufen.

4. Mehrwertsteuern und andere Steuern auf Güter und Dienstleistungen (zum Beispiel Zölle) bringen erheblich höhere Summen in die Staatskassen

Einnahmen aus Güter- und Mehrwertsteuern im Verhältnis zur Unternehmenssteuer

Gütersteuer
Gütersteuer

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

5. In den meisten Ländern hat die Einkommensteuerlast im Vergleich zum BIP seit dem Jahr 2000 nicht zugenommen. Steuererhöhungen wurden über die Hintertür realisiert. 

Die Hauptlast machte sich in weniger aufsehenerregenden Bereichen wie Mehrwertsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen bemerkbar.

Prozentualer Anteil der OECD-Länder, deren Abhängigkeit von verschiedenen Steuern seit 2000 gestiegen ist

oecd länder
oecd länder

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

6. Der Obsession der britischen Verbraucher mit den Hauspreisen steht ein ebenso großer Wunsch der Regierung gegenüber, aus diesem Sektor Einnahmen zu erzielen

In Großbritannien sind die Steuereinnahmen aus Immobilien in Prozent des BIP höher als in jeder anderen großen Volkswirtschaft und mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt.

Steuern in Prozent des BIP

Prozent BIP
Prozent BIP

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Japan und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

7. Griechenland und Italien werden häufig kritisiert, nehmen im Verhältnis zum BIP aber mehr Steuern ein als die meisten anderen großen Volkswirtschaften 

Die Steuerlast noch viel weiter anzuheben, ist keine realistische Option. Die fiskalische Situation kann nur durch Ausgabenkürzungen verbessert werden (zum Beispiel durch eine Reduzierung der sehr großzügigen Sozialleistungen) und/oder durch Bemühungen zur Erhöhung der Produktivität, etwa eine Lockerung der Arbeitsgesetze. Vor allem in Italien ist im gegenwärtigen politischen Klima jedoch keine der beiden Maßnahmen eine denkbare Option, jedenfalls auf kurze Sicht.

Steuereinnahmen in Prozent des BIP

Länderübersicht
Länderübersicht

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.


http://www.oecd.org/

http://www.nber.org/papers/w24701

Dieser Artikel ist am 11.09.2018 auch auf schroders.com erschienen.

Erinnerung an die Finanzkrise

Schlagworte: ,

Als die globale Finanzkrise aus dem Ruder lief, war der „Moral Hazard“, d.h. das moralische Risiko, plötzlich in aller Munde, verbunden mit der Sorge, dass staatliche Rettungsaktionen unbeabsichtigte Bewertungsniveaus und andere Folgen heraufbeschwören würden. Nach der Rettung der britischen Hypothekenbank Northern Rock und der Notübernahme der US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008 waren die Behörden ermüdet und das moralische Risiko wurde größer. Vor diesem Hintergrund brach Lehman zusammen, während Merrill Lynch gerettet wurde. Die Folgen der Pleite sind jedoch bis heute spürbar. Wir haben gelernt, mit einer neuen Generation des Moral Hazard zu leben und machen uns derzeit Sorgen über die Auswirkungen des Endes der quantitativen Lockerung.  

Denn eins haben die Märkte gelernt: Wenn die Zentralbanken beschließen, dass sie „alles Notwendige tun werden“, haben sie eine größere Feuerkraft als die Märkte. Die Währungshüter müssen es selbstverständlich schaffen, diese Überzeugung an ihren eigenen Rentenmärkten zu vermitteln. Die Steuerung der Wechselkurse erwies sich aber als deutlich schwieriger, wie die Bank von England 1992 und die Schweizer Nationalbank 2015 feststellen mussten. Nun schenken Anleger den Zentralbanken große Aufmerksamkeit, da die Märkte die Drosselungen der Zentralbankmaßnahmen sehr zurückhaltend beurteilen. Die Märkte reagierten mit besonders heftigen Kursausschlägen auf jegliche Äußerungen der Notenbankchefs Bernanke, Draghi, Carney oder Kuroda, die für die Marktteilnehmer mit den bisherigen Stellungnahmen nicht in Einklang zu bringen waren. 

Die gute Nachricht ist, dass die Zentralbanken schon lange ein breites Spektrum an Faktoren aufmerksam verfolgen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich 2008 wiederholt deutlich, zugleich wird eine künftige Abkühlung etwas gedämpft. Die schlechte Nachricht ist, dass viele Kommentatoren gebetsmühlenartig die nächste schwere Finanzkrise à la 2008 prophezeien. Wie wir von Northern Rock bis Lehman gesehen haben, führte ein verzweigtes Zusammenspiel von Ereignissen zum Kollaps. Das Gros dieser Probleme wurde in den letzten knapp zehn Jahren „ordentlich“ geregelt. Aber das hält die Kassandras nicht davon ab, einen unmittelbar bevorstehenden Kollaps an den Finanzmärkten oder eine ausgetrocknete Liquidität am Anleihemarkt zu prophezeien. Durch Regulierungen ist das ordentliche Kapital von Banken kräftig gestiegen. Außerdem herrscht die weiterverbreitete Meinung, dass sich die Niedrigzinsphase dadurch verlängert hat und die Fähigkeit der Banken beschnitten wurde, großzügig Kredite zu vergeben, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die globale Disruption seit der globalen Finanzkrise manifestiert sich in vielerlei Hinsicht, wobei der Volksentscheid zum Vollgeld von Juni nur eine von vielen unerwarteten Folgen war. 

Vor diesem Hintergrund ist große Aufmerksamkeit bei der Verwaltung von Portfolios mit Blick auf voraussichtliche Folgen statt absurder Prognosen geboten. In der Finanzkrise von 2008 die einzige Ursache des Populismus zu sehen, wäre nicht angemessen. Aber die Kombination aus skeptischen Stimmbürgern, harten Sparauflagen (Austerität) und Geldpolitik wird auch weiterhin die Entschlossenheit und Strategietreue aktiver Manager an allen wichtigen Rentenmärkten auf die Probe stellen.

Boutique Veritas wechselt den Besitzer

Schlagworte: ,

Wie heute bekannt wurde hat der französische Asset-Manager
La Française
die in Frankfurt ansässige Veritas Gruppe erworben. Über die Kosten wurden
keine Angaben gemacht. Die Transaktion steht unter Vorbehalt der Zustimmung
durch die Aufsichtsbehörden.

Mit dem Erwerb streben die Franzosen den Ausbau ihres Vertriebs
an. Die Veritas Gruppe operiert von Frankfurt und Hamburg aus. Die beiden
Standorte bleiben erhalten und dienen künftig der La Française
Group als Standort für Investmentteams.

Durch die Übernahme wächst das von der Gruppe verwaltete
Vermögen um rund 10%. Nach eigenen Angaben betreut La Française
bisher Kundenkapital in Höhe von etwa 70 Mrd. Euro. Die Veritas Gruppe kommt
zusammen auf knapp 7 Mrd. AuM.

Deutschland sei von großer strategischer Bedeutung für La Française,
heißt es in der Pressemitteilung. Man wolle sich mit 48 Mitarbeitern, verteilt
auf die zwei Standorte Hamburg und Frankfurt, hierzulande als „lokaler Player“
etablieren.

„Die Übernahme beendet eine achtzehnmonatige Suche nach einem
geeigneten lokalen Partner“, erläutert Patrick Rivière, Managing Director der
La Française Group. In ihrer Geschäftsentwicklungsstrategie sei der
deutsche Markt schon früh als Priorität erkannt worden, so Rivière weiter, die Asset-Management-Expertise
von Veritas ergänze die der La Française ideal.

In den Schatten gestellt

Schlagworte: ,

Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Schwellenländer schwächt sich im Vergleich zu seinem Höhepunkt im ersten Quartal 2018 zwar ab, aber nur moderat. Die Wachstumsprognose von NN Investment Partners (NN IP) für die Gruppe der Schwellenländer insgesamt für 2019 liegt bei 4,8% im Vergleich zu 5,2% im laufenden Jahr.

Hinter diesen Zahlen sehen wir jedoch eine wachsende Kluft zwischen den Ländern mit geringen makroökonomischen Ungleichgewichten und einer effektiven Wirtschaftspolitik sowie Ländern mit großen Ungleichgewichten und Regierungen, die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, ihre Politik anzupassen.

Maarten-Jan Bakkum, Senior Stratege für Schwellenländer bei NN Investment Partners:

„Die meisten asiatischen Schwellenländer sind in relativ guter Verfassung. Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen China und den USA könnte zwar erhebliche Auswirkungen auf nicht-chinesische Exporteure in der Region haben, doch der heimische Konsum und lokale Investitionen sollten in der Lage sein, einen Teil dieser potenziellen negativen Wirkung zu kompensieren.

China selbst hat eine neue Runde an konjunkturellen Stimulusmaßnahmen eingeläutet. Indien wiederum ist für die globalen Handelsprobleme nicht so anfällig, da seine Wirtschaft relativ geschlossen ist und das Land einen neuen Kreditzyklus gestartet hat, der das Wachstum antreiben dürfte.

Auch außerhalb Asiens gibt es Länder mit ordentlichen makroökonomischen Fundamentaldaten, die nicht unbedingt einen großen Rückgang erleben werden. Chile und sogar Mexiko sind dafür gute Beispiele, während Russland vom steigenden Ölpreis profitiert.

Die Wachstumsprobleme konzentrieren sich auf jene Länder, die vor fundamentalen Herausforderungen stehen und wo die jüngsten Marktturbulenzen am schmerzhaftesten waren. Die Türkei wird eine tiefe Rezession kaum vermeiden können, während die argentinische Wirtschaft bereits rückläufig ist, nachdem die Regierung dazu gezwungen wurde, ihre Politik zu straffen.“

…was zählt sind die Gewinne

Schlagworte: ,

  • Die Gewinne der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen
    steigen schneller als die Aktienkurse
  • Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind in letzter Zeit
    zurückgegangen, was die Bewertung der Unternehmen attraktiver macht
  • Die
    makroökonomischen Faktoren sind günstig, das Wachstum ist solide, und die
    Zinssätze sind niedrig

Die Sorge ist aufgekommen, dass es an Märkten, die auf immer neue Höchststände klettern, irgendwann zu einer Korrektur kommen kann, wenn das Bewertungsniveau zu hoch wird. In den ersten Monaten dieses Jahres gingen die Aktienkurse weltweit auf Talfahrt, ehe sich der Bullmarket fortsetzte, der mittlerweile 10 Jahre dauert.

Die Anleger brauchen sich keine Sorgen zu machen, solange die Gewinn-Komponente des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV), die allen Aktienmarktbewertungen zugrunde liegt, stark bleibt, meint Jeroen Blokland, Senior-Portfoliomanager bei Robeco Investment Solutions.

„In den letzten Monaten und sogar Jahren wurde viel über die Bewertungen von Aktien gesprochen, vor allem über das KGV von US-Aktien”, stellt Blokland fest. „Und auch wenn die US-Aktienmärkte sicher nicht billig sind, hat es bisweilen den Anschein, dass die Anleger der Kurs-Komponente des KGV zu viel Bedeutung beimessen, obwohl die Entwicklung an den Märkten tatsächlich durch die Gewinn-Komponente bestimmt wird.“

Robeco Index Earnings
Robeco Index Earnings

Quelle: Robeco

„Die Aktienkurse und die Gewinne je Aktie bewegen sich häufig zusammen, auch wenn sich ihr relatives Tempo von Zeit zu Zeit ändert. Zum Beispiel sind die Gewinne der S&P 500-Unternehmen in den letzten 12 Monaten um ca. 20 % gestiegen, und es wird erwartet, dass sie in den nächsten 12 Monaten noch schneller zunehmen. Das bedeutet, dass die Gewinne dieser Unternehmen zumindest bis auf weiteres rascher steigen als ihre Aktienkurse. Und das ist genau der Grund, warum die Besorgnis über hohe Bewertungen wieder deutlich abgenommen hat.“

Hohe Gewinne drücken das Bewertungsniveau

Eine andere Betrachtungsweise ist laut Blokland, die KGVs mit ihrem langfristigen Durchschnittswert zu vergleichen, wie in unten stehender Grafik dargestellt. In den ersten Monaten dieses Jahres erreichte das KGV für den S&P 500 einen Höchstwert von 23,3, ist aber seitdem um 11 % auf 20,8 gefallen.

Robeco Index PERatio
Robeco Index PERatio

Quelle: Robeco

„Da der S&P 500 Index in letzter Zeit mehrere neue Höchststände erreicht hat, ist der deutliche Rückgang der Bewertungen rasch zunehmenden Gewinnen und nicht niedrigeren Aktienkursen zuzuschreiben“, sagt Blokland. „Außerdem liegt das KGV aktuell ‚nur’ um 7 % über dem langfristigen Durchschnittswert der letzten 30 Jahre. Deshalb wird das Bewertungsniveau attraktiver, wenn die Gewinne stärker steigen als die Aktienkurse – auch wenn neue Allzeithochs erreicht werden.“

Vergleich mit anderen Aktienmärkten

Das ist auch außerhalb der USA zu beobachten, sagt Blokland. „In Europa zeigt sich noch deutlicher als an den US-Aktienmärkten, wie wichtig die Gewinne sind. In den letzten beiden Jahren sind die Gewinne der im MSCI Europe enthaltenen Unternehmen um eindrucksvolle 88 % gestiegen. Die Aktienkurse haben dagegen ‚nur’ 17 % zugelegt. Zum Vergleich: In den USA sind die Aktienkurse in den letzten zwei Jahren um 40 % gestiegen – mehr als doppelt so viel wie europäische Dividendentitel.“

„Die Kombination aus dem sehr eindrucksvollen Gewinnwachstum und der eher bescheidenen Performance europäischer Aktien hat zu einem strukturellen Bewertungsrückgang geführt. Seit September 2016 ist das durchschnittliche KGV im MSCI Europe von knapp 29 auf nur noch 17 und damit um 40 % gefallen. Außerdem sind Aktien aus der Eurozone verglichen mit ihrem langfristigen Durchschnittswert inzwischen 15 % günstiger.“

„Die Bewertung allein ist kein besonders nützlicher Maßstab, um Entscheidungen zur taktischen Asset Allocation zu treffen“

„Das europäische Beispiel macht auch deutlich, dass die Bewertung alleine kein besonders nützlicher Maßstab ist, um Entscheidungen zur taktischen Asset Allocation zu treffen. Die europäischen Aktienmärkte sind in den letzten Jahren durch eine nicht abreißende Serie von politischen Risiken gebremst worden. Die strukturelle Zunahme politischer Risiken veranlasst Anleger häufig, eine höhere Risikoprämie zu verlangen, was zu niedrigeren Bewertungen führt. Das ändert jedoch nichts daran, dass der steile Anstieg der Gewinne europäischer Unternehmen ein wichtiger Bestimmungsfaktor für das Bewertungsniveau an Europas Aktienmärkten war und ist.“

Blokland sieht an den Börsen der Schwellenländer eine ähnliche Entwicklung: „Auch diese sind durch politische und wirtschaftliche Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen worden, weshalb das Gewinnwachstum und die Aktienmarktperformance denen in anderen Regionen hinterherhinken.“

„Abgesehen davon ist das Bild in den Schwellenländern mit dem in den USA und Europa vergleichbar. Die Gewinne steigen schneller als die Aktienkurse, sodass die Bewertungen heute niedriger sind als vor ein paar Jahren. Das Bewertungsniveau an den Aktienmärkten der Schwellenländer liegt ungefähr 5 % unter dem langfristigen Durchschnittswert, während es vor zwei Jahren noch deutlich darüber lag.“

Fokussierung auf die Gewinne, nicht die Aktienkurse

Blokland hält es deshalb für wichtig, dass Anleger auf die Gewinn-Komponente und auf die Kurs-Komponente des KGV achten. „Bei der Beurteilung traditioneller Bewertungsmaßstäbe neigen Anleger dazu, sich zu sehr auf die Kurs-Komponente zu konzentrieren“, sagt Blokland. „Das gilt vor allem dann, wenn die Aktienmärkte – wie es derzeit in den USA der Fall ist – neue Allzeithochs erklimmen und die Angst vor überteuerten Aktienmärkten anschließend exponentiell zunimmt.“

„Die Macht der Gewinne sollte nicht unterschätzt werden. Zurzeit ist das Weltwirtschaftswachstum solide, die Zinssätze bewegen sich weiter auf historisch niedrigem Niveau, und das Lohn- und Gehaltswachstum ist bestenfalls verhalten. Zusammen führen diese Faktoren gegenwärtig zu sehr starkem Gewinnwachstum, was auch in absehbarer Zukunft so bleiben wird. Auch wenn die Bewertung selten alleine größere Marktkorrekturen auslöst, sollten fallende Bewertungen immer als etwas Positives für die Aktienmärkte angesehen werden.“

Den vollständigen Marktbericht finden Sie hier im Download.

Marktausblick: Aktien weiter unter Druck

Schlagworte: ,

DAX dauerhaft unter 12.000 Punkten

Anfang der letzten Handelswoche stand der DAX bei 12.346 Punkten, am Ende der Woche bei 11.959 Punkten  – ein Verlust von rund 3,1 Prozent. Andreas Büchler, Aktienanalyst des Analysehauses Qarat AG, geht nicht davon aus, dass die Bullen zeitnah das Ruder im deutschen Blue-Chips-Index übernehmen werden. „Der Markt testet die Untergrenzen seines Bewegungsspielraums aus“, so der Chart-Spezialist. Die Serie fallender Zwischenhochs der letzten Zeit, deute auf einen Abwärtstrend hin.

DAX: Geht es weiter bergab?

DAX Ein Jahr
DAX Ein Jahr

Quelle: finanzen.net

Luftholen der US-Börsen

Anders die Aussichten für die USA. Der S&P500 hat eine steile Kursfahrt hinter sich. In den letzten zwölf Monaten ging es um 15,4% aufwärts, in den letzten 3 Jahren um gut 47% ins Plus und in den letzten fünf Jahren um rund 70%. In der abgelaufene Handelswoche fiel der Index um 1,3% auf 2.868 Punkte. Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet der NASDAQ Composite. Seit Beginn September fällt der Kurs um rund 2,4% auf 7.902 Punkte.
Für Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank, sind die Sinkflüge der US-Börsen nur ein Strohfeuer. „Die anstehenden Konjunkturdaten in den USA sollten das Bild einer kräftig wachsenden Wirtschaft bestätigen und somit für eine gewisse Unterstützung sorgen“, so Schickentanz.

Aus China grüßt der Bär

An den chinesischen Aktienmärkten geht es derzeit bergab. Der Hang Seng purzelte in den letzten sieben Tagen um 3% und liegt nun bei 26.603 Punkten. Im Shanghai Composite ging es in der abgelaufenen Börsenwoche um 0,5% runter. Aktuell steht die Kursnadel bei 2.702 Punkten. Der Index verlor seit Jahresbeginn gut 15% und liegt aktuell knapp 20% unter seinem Jahreshöchststand 2018. Markus Reinwand, Aktienanalyst der Hessischen Landesbank, sieht den Trend bestätigt: „Chinesische Aktien befinden sich bereits im Bärenmarkt“, so Reinwand. Er nennt „Geopolitik und Handelskonflikt“ als Ursache des Kursverfalls.

Kryptowährungen im freien Fall

Starke Kursverluste mussten in der ersten Septemberwoche auch die Top-Coins Bitcoin und Ethereum hinnehmen. Bitcoin fiel auf 5.466 Euro – Tiefststand seit November 2017. Auch Ethereum rutschte auf einen Jahrestiefstwert. Eine Coin ist derzeit 173 Euro wert.

Ethereum: Zurück auf den Kurswert von Juli 2017

Ethereum verliert
Ethereum verliert

Quelle: BTC-Echo

Dr. Philip Giese, Chartanalyst der Plattform BTC-Echo, macht dafür konzeptionelle Gründe aus. Der Konsensmechanismus der Ethereum zugrunde liegenden Blockchain müsse nachgebessert werden. Ein Prognose wagt er nicht. „Aktuell wird ein wichtiger Support getestet“, so Giese, von den Indikatoren her könnte der Kurs in nächster Zeit weiter fallen.

James Hughes übernimmt eine neue Spezialabteilung bei Natixis

Schlagworte: ,

Natixis Investment Managers (Natixis), mit einem verwalteten Vermögen von 1 Billion USD einer der größten Vermögensverwalter weltweit, gab heute die Gründung von „Natixis Dynamic Solutions“ bekannt. Die neue Einheit bündelt die vielfältige Expertise innerhalb der Multi-Affiliate-Organisation des Unternehmens für die Entwicklung maßgeschneiderter Anlagelösungen für Kunden. James Hughes, ehemaliger Global Head of Strategic Client Solutions bei Aberdeen Standard Investments, wird das neue Geschäft mit Sitz in London leiten und direkt an CEO Jean Raby berichten. James Hughes wird im Dezember 2018 zu Natixis kommen.

Jean Raby, CEO von Natixis Investment Managers: „Mit Natixis Dynamic Solutions kann nun die gesammelte Expertise der vielen Asset Manager unserer Gruppe in den Bereichen Asset Allocation und Portfolioaufbau genutzt werden, um in komplexen Fragen der Alloka-tion und Portfoliokonstruktion zu beraten. James verfügt über die Breite und Tiefe globaler Erfahrung, um die rasante Entwicklung dieses Geschäfts voranzutreiben, und über das Fachwissen, um zusammen mit all unseren angeschlossenen Asset Managern Anlagelö-sungen zu entwickeln, die in unserer Branche einzigartig sind und direkt auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.“

Vor seinem Wechsel zu Aberdeen Standard Investments war Hughes als „Managing Director Multi-Asset Solutions“ für Gottex Fund Management tätig. Zuvor verwaltete er als „Group Chief Investment Officer“ Vermögenswerte in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar in 22 Ländern in Diensten der HSBC Insurance mit Sitz in London und Hongkong. Seine achtjährige Karriere bei HSBC beinhaltete auch Funktionen als Chief Investment Officer von HSBC In-surance Vietnam und als Head of Multi-Manager/Multi-Asset in der Region Asien-Pazifik und in EMEA für HSBC Asset Management.

Natixis Dynamic Solutions entstand durch die Zusammenführung der europäischen „Solutions“-Kompetenzen von Natixis Investment Managers, namentlich der früheren „Portfolio Research & Consulting Group“ (PRCG) und der „Investment and Client Solutions“ (ICS)-Einheit von Ostrum, der größten Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers. Dynamic Solutions wird selektiv auf das Fachwissen der verschiedenen Investment-Tochtergesellschaften des Unternehmens zurückgreifen, um Anlagelösungen zu liefern, die den sich ständig ändernden Bedürfnissen der Anleger entsprechen, sowie Beratungs-, Strukturierungs- und Treuhandmanagementdienstleistungen anbieten. Natixis Investment Managers bietet über seine globale Vertriebsplattform Zugang zu 28 führenden aktiven Investmentmanagern, die sich jeweils aus Überzeugung auf die Anlagestile und -disziplinen konzentrieren, in denen sie nachweislich über eine hohe Kompetenz verfügen. Diese sogenannte „Multi-Affiliate“-Struktur erlaubt es, Unabhängigkeit und aktives Asset Management zu nutzen, um den Anlegern einen besseren Service bieten und ihnen zu helfen, langfristig stärkere und stärker diversifizierte Portfolios aufzubauen.

Claire Martinetto, ehemalige Projektleiterin der „Solutions“-Initiative für Natixis Investment Managers, wird als stellvertretende Leiterin der neuen Einheit fungieren. „Natixis Dynamic Solutions“ umfasst drei Bereiche: „Consulting and Advisory“ unter der Leitung von James Beaumont, ehemaliger Leiter der Portfolio Research & Consulting Group von Natixis Investment Managers; „Investment Solutions and Services“ unter der Leitung von Oumar Diawara, ehemaliger Leiter der Structured Investment Services Platform bei Seeyond; und „Multi-Asset Multi-Affiliate Investments“ unter der Leitung von Franck Nicolas, ehemaliger Leiter Investment and Client Solutions bei Ostrum. Seeyond und Ostrum sind beide Tochtergesellschaften von Natixis Investment Managers.

Edgar Walk: Wie wird die US-Notenbank auf Inflationsüberraschungen reagieren?

Schlagworte: ,

Die
US-Wirtschaftsdaten sind derzeit robust und signalisieren ein
Wirtschaftswachstum von über 3 % im dritten Quartal. Verantwortlich dafür ist
der fiskalische Stimulus, der jedoch schon im Jahresverlauf 2019 einen immer
geringeren Wachstumsbeitrag liefern wird. Die zuletzt schwachen Daten vom
frühzyklischen Wohnimmobilienmarkt zeigen zudem, dass ohne den fiskalischen
Stimulus die Wachstumsdynamik wahrscheinlich deutlich geringer wäre.
Nichtsdestotrotz gehen vom fiskalischen Stimulus in Kombination mit einem
leicht überhitzten Arbeitsmarkt zunehmend Inflationsrisiken aus. So besteht
eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation (Donnerstag) mit leicht
höheren Werten überrascht. 

Wie soll nun
die US-Notenbank darauf reagieren? Die Finanzmarktakteure rechnen noch mit
insgesamt drei Leitzinserhöhungen der Fed bis Ende nächsten Jahres: Die
effektive Federal Funds Rate dürfte von derzeit 1,9 % auf 2,65 % steigen. Ein
Leitzins von etwa 2,65 % würde in etwa dem geschätzten neutralen Niveau
entsprechen, bei dem die US-Notenbank die Wirtschaft weder stimuliert noch
bremst. Auch würde damit die Renditestrukturkurve in den USA noch leicht steil
bleiben, solange die Rendite 10-jähriger US-Treasuries zwischen 2,8 % bis 3,0 %
schwankt. Studien zeigen, dass nur eine inverse Renditestrukturkurve erhöhte
Rezessionsrisiken signalisiert. Interessanterweise scheint auch eine immer
größere Anzahl an Mitgliedern des Offenmarktausschusses die Steilheit der
Renditestrukturkurve als Zielgröße der Geldpolitik im Blick zu haben.

Finanzmarktakteure
erwarten noch drei Zinsschritte in den USA
 
USD-Overnight-Indexed-Swaps-Forwards
in %

Finanzmarktakteure erwarten noch drei Zinsschritte in den USA
Finanzmarktakteure erwarten noch drei Zinsschritte in den USA

Quellen: Thomson Reuters
Datastream, Metzler; Stand: 7.9.2018

Die US-Notenbank steht
somit vor einem Dilemma: Reagiert sie einerseits mit aggressiven
Leitzinserhöhungen auf die Inflationsüberraschungen, würde die Renditestrukturkurve
invers – mit nachlassendem Fiskalstimulus würde spätestens 2020 eine Rezession
drohen, bei der die Inflation schnell wieder in Richtung der 0 %-Marke fallen
könnte. Bleibt sie andererseits bei ihrer Politik der vorsichtigen
Leitzinserhöhungen im Einklang mit den Erwartungen der Finanzmarktakteure,
würde sich die Inflation über einen längeren Zeitraum über ihrem Inflationsziel
etablieren und könnte somit Glaubwürdigkeit der Fed unterminieren. Der Vorteil
wäre jedoch, dass die US-Notenbank den Aufschwung nicht in Gefahr bringen
würde, wenn die fiskalischen Impulse 2019 sukzessive nachlassen. Auch lag die
Inflation in den vergangenen Jahren regelmäßig unterhalb des Inflationsziels
der US-Notenbank, sodass sich auch eine Phase von ein bis zwei Jahren mit
höheren Inflationsraten rechtfertigen ließe. Wir gehen davon aus, dass die
US-Notenbank eher den vorsichtigen Weg wählen wird, da auch Fed-Präsident
Powell in seiner Rede in Jackson Hole davon sprach, dass in Zeiten hoher
Unsicherheit eine abwartende Haltung die beste Option sei.

Die anderen
Datenveröffentlichungen wie das Geschäftsklima der kleineren und mittleren
Unternehmen (Dienstag), die Zahl der offenen Stellen (Dienstag), die
Erzeugerpreise (Mittwoch), die Einzelhandelsumsätze (Freitag) sowie die
Industrieproduktion (Freitag) treten gegenüber den Inflationsdaten in den
Hintergrund.  

EZB: abwartende Haltung

Die EZB (Donnerstag)
scheint das Primat einer „abwartenden Haltung“ von US-Notenbankpräsident Powell
schon nahezu perfektioniert zu haben. Der ehemalige Bundesbankpräsident Axel
Weber kritisierte die EZB in diesem Zusammenhang auch dafür, dass eine robuste
wirtschaftliche Entwicklung eigentlich nicht mit negativen Zinsen vereinbar
sei. Trotzdem dürfte sich die EZB nicht aus ihrer Ruhe bringen lassen.

Die sentix- und
ZEW-Konjunkturerwartungen (Montag und Dienstag) könnten erste Anzeichen einer
Stabilisierung zeigen, während die Industrieproduktion (Mittwoch) noch im Juli
schwach gewesen sein dürfte. Der Blick wird sich auch auf die Entwicklung der
Arbeitskosten (Freitag) richten, da immer mehr Unternehmen in Europa gegenüber
ihren Aktieninvestoren über steigende Lohnkosten klagen. Steigende Löhne werden
sich langsam aber sicher in höhere Preise widerspiegeln.    

China: schwierige Übergangsphase

Die chinesische Wirtschaft
wächst schon seit einigen Quartalen stabil über 6,5 %, obwohl die chinesische
Regierung schon seit Ende 2015 die Neukreditvergabe stark eindämmt, um die
Verschuldung zu reduzieren. Dabei ist die Kreditvergabe des regulierten
Bankensektors sogar leicht gestiegen, während die Kreditvergabe im sogenannten
„Schattenbankensystem“ deutlich gefallen ist.

Die
chinesische Regierung vollzieht bisher eine Gratwanderung zwischen Entschuldung
und Konjunkturstabilisierung

Die chinesische Regierung vollzieht bisher eine Gratwanderung zwischen Entschuldung und Konjunkturstabilisierung
Die chinesische Regierung vollzieht bisher eine Gratwanderung zwischen Entschuldung und Konjunkturstabilisierung

* Gleitender
12-Monats-Durchschnitt
Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: Juli 2018
(Nettoneufinanzierung), 


Laut
Expertenmeinung schränkte die chinesische Regierung jedoch zuletzt die
Kreditvergabe zu stark ein – mit negativen Auswirkungen auf die Konjunktur, die
noch durch den Handelskrieg verstärkt wurden. Die Mehrheit der Experten rechnet
unter anderem damit, dass die USA bald neue Strafzölle in Höhe von 10 % oder 25
% auf Importe aus China in Höhe von 200 Mrd. USD erheben werden. Danach stehen
jedoch laut Expertenansicht die Chancen gut, dass die USA auf weitere Maßnahmen
verzichten und es eine Annäherung zwischen beiden Ländern geben könnte. Zwar
beschloss die chinesische Regierung in den vergangenen Wochen neue
Stimulusmaßnahmen und erleichterte wieder die Kreditvergabe; die positiven
Effekte auf die Wirtschaft dürften jedoch erst gegen Jahresende sichtbar
werden. Vor diesem Hintergrund dürften die Einzelhandelsumsätze (Freitag) und
die Industrieproduktion (Freitag) nach der Schwäche in den vergangenen Monaten
kaum Anzeichen einer Belebung im August aufgewiesen haben.

Die chinesische
Regierung schaffte den Schuldenabbau bei stabilem Wachstum bisher durch die
erfolgreiche Forcierung des Strukturwandels. Die alten Branchen wie die Schwerindustrie
verlieren zunehmend an Bedeutung und neue Unternehmen entstehen zunehmend im
Konsum- und Technologiesektor. Dementsprechend sind auch die Gewichte der
Unternehmen aus dem Konsum- und Technologiesektor in den vergangenen Jahren an
der Börse für Inlandsaktien merklich gestiegen.

MSCI
China A Shares: Aktienmarkt reflektiert erfolgreichen Strukturwandel
 Marktkapitalisierung
in %

MSCI China A Shares: Aktienmarkt reflektiert erfolgreichen Strukturwandel Marktkapitalisierung in %
MSCI China A Shares: Aktienmarkt reflektiert erfolgreichen Strukturwandel Marktkapitalisierung in %

Wachstumsbranchen:
Basiskonsumgüter; Nicht-Basiskonsumgüter; IT
Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler

Insbesondere gehört China
dank umfassender staatlicher Hilfen zu den großen Gewinnern der
Digitalisierung. Unter den 20 größten Internetunternehmen der Welt sind schon
acht Unternehmen aus China. Auch stehen derzeit in China die meisten
Supercomputer der Welt.

China und
USA im Kampf um die digitale Vorherrschaft
Top 10
der schnellsten Supercomputer der Welt auf Basis des Messprogramms LINPACK

China und USA im Kampf um die digitale Vorherrschaft
China und USA im Kampf um die digitale Vorherrschaft

Quelle: TOP500.org  

Die chinesische Wirtschaft
verfügt vor diesem Hintergrund über ein anhaltend hohes Wachstumspotenzial in
den kommenden Jahren.

Eine gute und erfolgreiche
Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset
Management