DSGVO: Vier von fünf Unternehmen sind nicht ausreichend vorbereitet

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Regulierung ist für die Finanzbranche ein großes Thema. Auf der einen Seite sind viele Finanzdienstleister immer noch damit beschäftigt, sich an die MiFID II-Regeln zu gewöhnen, die seit Januar verbindlich gelten. Nun kommt auch noch der Datenschutz dazu. Die Zeit drängt. Denn ab 25. Mai 2018 gilt die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO). Dieses Thema ist offensichtlich lange Zeit nicht ernst genug genommen worden – nicht nur in der Finanzbranche. Das zeigt ein aktueller Report von Capgemini, für den 1.000 Führungskräfte und 6.000 Verbraucher in acht Ländern und acht Branchen zu Fortschritten, Haltung und Möglichkeiten im Zusammenhang mit der DSGVO befragt wurden.

Der Umfrage zufolge sieht sich die große Mehrheit der Unternehmen noch nicht bereit für die Anwendung der Regulierung. Obwohl die EU-DSGVO am 25. Mai 2018 rechtsbindend wird, verfehlen durchschnittlich 85 Prozent der Firmen in den USA und Europa die Vorgaben der EU; in Deutschland sind es 81 Prozent. Eines von vier Unternehmen wird es sogar bis Jahresende nicht schaffen, regelkonform zu werden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Wenn die Zeit zur Umsetzung der DSGVO am 25. Mai 2018 abläuft, sind Unternehmen in Europa und den USA in ihren Fortschritten unterschiedlich weit. US-amerikanische und britische Unternehmen sehen sich der Zielgeraden im Schnitt am nächsten, obwohl auch hier nur 63 bzw. 55 Prozent berichten, größtenteils oder komplett konform zu sein. Spanien (54 Prozent), Deutschland (51 Prozent) und Niederlande (51 Prozent) folgen auf dem Fuß. Schweden hat nach eigenen Angaben noch den weitesten Weg: Hier glauben nur 33 Prozent der Befragten, fristgerecht konform zu sein.

(MvA)

Der überraschende Erfolg der Renten-ETFs

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Auch eine Erfolgsbranche muss manchmal Rückschläge hinnehmen: Die Mittelzuflüsse für börsengehandelte Fonds sanken in Europa von 1,3 Milliarden Euro im März auf nur 660 Millionen Euro im April. Zum ersten Mal seit zwei Jahren sanken dabei die Mittelzuflüsse aus Aktien-ETFs (-1,5 Mrd. Euro). Grund zur Panik besteht aber nicht. Denn ETFs sind immer noch gefragt. Allein im institutionellen Bereich dürfte der europäische ETF-Markt bis 2020 jährlich um 300 Milliarden Euro ansteigen, schätzen Experten. Dazu trägt insbesondere der Anleihebereich bei. So übrigens auch im April: Der Anleihesektor sammelte im vergangenen Monat 1,4 Milliarden Euro an frischem Geld ein, also fast so viel, wie Aktien-ETFs einbüßten.

Quelle: Lyxor

Der Rückgang der Nachfrage nach einfachen Aktien-ETFs und der Zuwachs bei Renten-ETFs im April ist vielleicht kein Zufall, sondern könnte der Beginn einer Trendwende sein. Das ergibt sich aus einer Umfrage des Analyse- und Beratungsunternehmen Greenwich Associates im Auftrag von BlackRock. Dem Report zufolge sind auch nachhaltige Investments, Smart Beta sowie Multi-Asset-Strategien auf dem Vormarsch.

Quelle: Lyxor

Der Grund für die Verschiebungen: Institutionelle Investoren in Europa seien mit einer Vielzahl globaler Marktbedingungen konfrontiert, die sich schnell ändern. Dazu gehörten die Rückkehr der Volatilität an die globalen Kapitalmärkte, der bevorstehende Trendwechsel hin zu einem Umfeld steigender Zinsen, das anstehende Ende der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank sowie die anhaltende Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II und andere regulatorische Initiativen, so die Verfasser der Studie. Als Antwort auf die neuen Herausforderungen nutzen institutionelle Investoren zunehmend die Vielseitigkeit börsengehandelter Indexfonds (ETFs), um ihre Portfolios anzupassen. Sie integrieren diese umfassender in taktische und strategische Anlageprozesse und -strategien.

Der ETF-Portfolioanteil institutioneller Investoren im europäischen Markt steigt an

Im Durchschnitt ist der ETF-Anteil in den Portfolios der institutionellen Investoren, die an der Blackrock-Studie teilgenommen haben, von 7,7 Prozent im Vorjahr auf aktuell 10,3 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Ein Großteil des Wachstums lässt sich darauf zurückführen, dass speziell im Anleihebereich neue institutionelle Nutzer auf den Markt gekommen. Der Anteil der Investoren, die Anleihen-ETFs nutzen, ist im vergangenen Jahr demnach auf 45 Prozent gestiegen. 2016 waren es nur 38 Prozent gewesen.

Auch in anderen Anlageklassen setzen institutionelle Investoren zunehmend ETFs ein. Etwa ein Viertel der institutionellen Investoren in Europa nutzt ETFs 2017 im REITs-Segment, 2016 war es nur etwa einer von fünfen gewesen. Der Anstieg im Bereich Rohstoffe war im gleichen Zeitraum noch wesentlich ausgeprägter: In diesem Segment ist der Anteil der Nutzer unter den institutionellen Investoren in Europa auf ein Drittel gestiegen, von zuvor nur 20 Prozent.

„Nach mehrjährigem regulären Einsatz von ETFs haben institutionelle Investoren in Europa erkannt, dass ETFs einfache, vielfältig einsetzbare und kosteneffiziente Instrumente sind. Daher bauen sie ihre entsprechenden Investitionen zügig aus“, sagt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates. 

Quelle: Greenwich Associates

„ETFs sind das natürliche Ergebnis der Evolution am europäischen Finanzmarkt, wo Investoren zunehmend auf Transparenz, Auswahlmöglichkeiten und Werthaltigkeit bedacht sind. Speziell die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die Handels-Reportings zur Pflicht macht, trägt dazu bei, die Liquidität von ETFs in Europa umfassend zu zeigen. Damit hilft sie, Investoren neue, kreative Wege aufzuzeigen, um intelligentere Portfolios aufzubauen“, sagt Hamed Mustafa, Leiter des Geschäfts mit institutionellen Kunden im Bereich ETF & Index Investments bei BlackRock in Deutschland.

(MvA)

Könnte die Inflation steigen?

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  • Es sieht nicht so aus, als ob sich die Inflation bald erhöhen könnte. Aber man soll sich nie zu sicher sein. In den USA gibt es zunehmend warnende Stimmen.
  • Eine höhere Preissteigerung würde einen Anstieg der Bondrenditen mit ent¬sprechenden Kursverlusten der Anleger nach sich ziehen.
  • Trotzdem kann man in Bonds investieren. Man muss nur stärker auf Emittenten- und Wechselkursrisiken achten.

Vor Kurzem hat der Chefstratege der Deutschen Bank, Dr. Ulrich Stephan, eine interessante Begebenheit aus der jün­geren amerikanischen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, so sagte er, blieb die Inflation trotz hohen Wachstums und niedriger Ar­beitslosigkeit lange Zeit sehr niedrig (unter 2 %). Keiner hatte dafür eine so richtige Erklärung. 1965 wurden dann die Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid eingeführt. Dadurch stiegen die Gesundheitskosten stark an. Die Inflation bekam Beine. Sie erhöhte sich von 1,9 % im Januar 1966 auf 6,1 % (!) Anfang 1970. Die Anleiherenditen sprangen von 4,7 % auf 7,7 %. Anleger in festverzinslichen Bonds machten Verluste.

Geschichte wiederholt sich nicht. Man kann aus ihr jedoch Lehren ziehen. Eine ist, dass die Inflation sich nicht immer langsam und stetig entwickelt. Sie macht vielmehr – wie andere ökonomische Variablen auch – oft unerwartete Sprünge. Das haben wir schon häufiger und nicht nur in den USA erlebt. Ein besonders krasses Beispiel waren die Inflationsschübe nach den großen Ölpreissteigerungen in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass die EZB bei stärkerer Preissteigerung ihren Kurs nennenswert verändern würde. Dazu hat sie sich zu sehr festgelegt.«

Eine andere Lehre ist, dass die Inflation, wenn sie denn ein­mal in Bewegung geraten ist, sich selbst beschleunigt. Ver­braucher, die in den Geschäften mehr zahlen müssen, ver­langen dann auch höhere Löhne. Unternehmer heben ihre Preise stärker an, wenn sie sehen, dass das auch andere tun. So ein sich selbst beschleunigender Prozess ist schwer einzufangen. Für Notenbanken ist er ein Albtraum. Daher das Bestreben, inflationäre Prozesse genau zu analysieren und sie schon in der Anfangsphase zu bekämpfen. Das hat nichts mit übertriebener Sensibilität zu tun, wie das der Bun­desbank häufig vorgeworfen wurde. 

Nun hat Dr. Ulrich Stephan die Geschichte natürlich nicht zufäl­lig erzählt. Er vermutet vielmehr Ähnlichkeiten der damali­gen mit der heutigen Situation. Auch jetzt fährt die Konjunk­tur auf hohen Touren. Den Unternehmen fehlt es vorne und hinten an Facharbeitern. Bei der Inflation tut sich aber nichts. In Europa liegen die Preise zur Zeit gerade mal um 1,2 % über dem Vorjahr. 

Wiederholt sich die Geschichte?
Inflation, Monate seit Anfang 2003 und 2013

Quelle: EZB

Könnte es sein, dass wir wie damals auch jetzt wieder von einer steigenden Inflation überrascht werden? Viele Indizien dafür gibt es nicht. Ganz abwegig ist es aber auch nicht. In der Grafik habe ich die Jahre nach 2003 mit der Zeit nach 2013 verglichen. Die Kurven weisen einige Ähnlichkeiten auf. Über vier Jahre blieb die Inflation konstant beziehungs­weise ging sogar zurück. Dann plötzlich veränderte sich im Zyklus 2003 alles. Die Ölpreise schossen nach oben. In der Folge erhöhten sich die Lohnsteigerungen. Die Inflation zog kräftig an, von 1,8 % auf 4,1 % Mitte 2008. Das alles vollzog sich in einem Umfeld, in dem schon die ersten Symptome der Fi­nanzkrise erkennbar wurden.

Wenn es heute so liefe wie damals, müsste die Geldentwer­tung jetzt auch nach oben gehen. Wahrscheinlich ist das nicht, wohl aber vorstellbar. Immerhin steigen die Kranken­hauskosten in den USA nach den Angriffen von Trump auf Obamacare. In den USA mehren sich prominente Stimmen, die vor einer höheren Inflation warnen. Die Federal Reserve hat ihren Kurs leicht verschärft.

In Europa spüren wir vor allem, dass der Ölpreis in Bewe­gung gekommen ist. Seit Jahresanfang ist er von USD 66 auf USD 80 pro Barrel (Brent) gestiegen. Das sind mehr als 20 %. Superbenzin ist kräftig teurer geworden. Die Preise für Energie, die immerhin einen Anteil von 11 % am Waren­korb des Verbraucherpreisindex haben, haben sich spürbar erhöht.

Manche sagen, dass die Ölpreise ein Sonderfaktor sind, der mit Inflation nichts zu tun hat. Sie schauen nur auf die „Kerninflation“ (ohne Preise für Energie, saisonabhängige Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak). Ich halte das für eine Milchmädchenrechnung. Zum einen muss der Verbrau­cher auch ölinduzierte Preissteigerungen bezahlen. Seine Kaufkraft (und die Fähigkeit zu sparen und zu konsumieren) verringert sich. Zum anderen beeinflussen Ölpreise auch das inflationäre Klima. Arbeitnehmer fordern höhere Löhne. Die ölverarbeitende Industrie hat größere Kosten.

Was heißt es für die Finanzmärkte, wenn die Geldentwer­tung wie im letzten Zyklus steigen würde? Damals erhöhte die EZB die Leitzinsen von 2,5 % auf 3 %. Die Anleiheren­diten gingen um gut einen halben Prozentpunkt nach oben. Beides war verglichen mit dem Inflationsanstieg von über 2 Prozentpunkten relativ wenig. Das hing aber damit zusam­men, dass die Welt damals schon unter dem Eindruck der beginnenden großen Finanzkrise stand und die Märkte sehr risikoavers waren.

Heute sähe das wohl anders aus. Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass die EZB bei stärkerer Preissteigerung ihren Kurs nennenswert verändern würde. Dazu hat sie sich zu sehr festgelegt. Die 10-jährigen Bundrenditen würden je­doch deutlich anziehen. Sie gingen schnell über 1 %, im weiteren Verlauf aber vermutlich auch auf 1,5 %. Das wäre immer noch niedrig, aber deutlich höher als heute.

Für den Anleger

Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse der Anleihen und der Investor macht Verluste. Schon seit einiger Zeit rate ich, beim Kauf von Bonds vorsichtig zu sein. Andererseits: Je hö­her die Zinsen, umso interessanter werden die Kupons, wenn man die Papiere über die ganze Laufzeit hält. Vor al­lem bei Anleihen von Unternehmen und Emerging Markets kann man inzwischen ordentliche Renditen erzielen. Aller­dings sind solche Papiere mit Emittenten- und eventuell auch mit Währungsrisiken verbunden. 

Schwellenländer-Kontraste

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Vietnams Erfolgsgeschichte basiert auf Privatisierungen, einem besseren Schutz geistigen Eigentums und klaren politischen Entscheidungen in Bezug auf eine schnelle Entwicklung des Exportsektors. In Indonesien geschieht fast das Gegenteil: Die Regierung wird zunehmend populistisch und unterstützt die heimischen Verbraucher auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die großen Exportunternehmen bleiben fern oder verlassen das Land, um sich in anderen asiatischen Staaten niederzulassen, vorzugsweise in Vietnam.

Derzeit gibt es in den Schwellenländern fast keinen größeren Kontrast als den zwischen Vietnam und Indonesien. Das betrifft hauptsächlich klare, strategische politische Entscheidungen und ihre effektive Umsetzung. Vietnam weist hier beeindruckende Ergebnisse vor. Natürlich spielt das politische System eine große Rolle: Entscheidungen können leichter getroffen und Reformen einfacher umgesetzt werden, wenn die Politiker keine Rücksicht auf Wiederwahlen oder unwillige Lokalregierungen nehmen müssen. Trotz allem ist Vietnams Exporterfolg in den vergangenen Jahrzehnten außergewöhnlich. In den zurückliegenden 20 Jahren sind die vietnamesischen Exporte fünf Mal schneller gewachsen als das Durchschnittswachstum in den Schwellenländern und doppelt so schnell wie das Exportwachstum in China – dem Land also, das als Exportweltmeister bekannt ist. Insbesondere in letzter Zeit lässt Vietnam den Wettbewerb hinter sich.

Die starken ausländischen Kapitalzuflüsse – alleine die Direktinvestitionen betragen rund 20 Milliarden US-Dollar jährlich – halten die Währung stabil und machen es den Währungshütern relativ leicht, die Inflation und die Zinsen niedrig zu halten. Der daraus resultierende Konsumboom ist derzeit einer der stärksten im gesamten Schwellenländeruniversum.

Und Indonesien? Die Inflation war hier in den vergangenen Jahren ebenfalls niedrig, und auch hier spielen ausländische Kapitalzuflüsse eine entscheidende Rolle. Der große Unterschied zu Vietnam ist jedoch, dass Direktinvestitionen fast nie in den Industriesektor fließen und der Zinsunterschied zwischen Indonesien und den USA viele spekulative Gelder angezogen hat. Jetzt, wo die Regierung in Jakarta einen deutlich populistischeren Kurs eingeschlagen hat, sind diese spekulativen Investitionen unter Druck geraten und es wird zunehmend schwierig, die Rupiah stabil zu halten. Dies wird voraussichtlich zu einer höheren Inflation führen, was die Regierung wiederum dazu veranlassen könnte, den heimischen Konsumenten mit noch umfangreicheren Preisinterventionen unter die Arme zu greifen. Insgesamt wird sich das Investitionsklima vermutlich nicht verbessern. Aber genau das ist der Schlüssel zu ertragreichen ausländischen Direktinvestitionen, erfolgreichen Exporten und stabilem Wirtschaftswachstum. In den 1990er Jahren lag der Tiger Indonesien meilenweit vor dem verarmten Vietnam. Heute hat sich Vietnam zum Vorbild für das stagnierende und zunehmend abgeschlagene Indonesien entwickelt.

Emmanuel Macrons erster Jahrestag als Präsident

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Mit Blick auf Frankreichs Konjunkturindikatoren so folgten diese bisher den Trends der Eurozone und zeigten eine stabile Entwicklung, gefolgt von einem Abschwung. Jüngstes Beispiel hierfür ist das diesjährige Wachstum im ersten Quartal, das sich in Frankreich auf 0,3% (Eurozone auf 0,4%) verlangsamte, nachdem das Land eine Rate von 0,7%, in Einklang mit seinen europäischen Nachbarn, im 4. Quartal 2017 vorweisen konnte. Umfragen unter Wirtschaftsführern legen ähnliche Ergebnisse nahe.

Die Wirtschaftspolitik muss sich noch beweisen

Wie eingangs erläutert ist es noch verfrüht, die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der Regierung von den gesamtwirtschaftlichen Faktoren zu trennen; daher werden die Haushaltsergebnisse 2018 als nützliche Benchmark dienen. Das Haushaltsdefizit für das Jahr 2017 belief sich auf 2,6% und fiel damit zum ersten Mal seit 2007 unter die berüchtigte 3 Prozent-Marke, vor allem aufgrund des steigenden Wachstums zwischen 2016 und 2017 von 1,1% auf 2%. Für das Jahr 2018 wird wie im letzten Jahr ein Wachstum von 2% erwartet, so dass es Aufgabe der Regierungspolitik sein wird, den Staatshaushalt in diesem Jahr zu prägen; das Haushaltsdefizit wird hierbei einen guten Maßstab für die Bemühungen der politischen Entscheidungsträger abgeben.

Eines hat sich auf jeden Fall im Laufe des letzten Jahres verändert; nämlich die Art und Weise wie die internationale Gemeinschaft, sowohl Investoren als auch andere Experten über Frankreich und seinen Präsidenten spricht. Das Land erfreut sich wachsender Beliebtheit, was zum einen auf den Auftritt dieses Newcomers auf der weltpolitischen Bühne zurückzuführen ist, zum anderen auf sein aktives internationales Engagement, insbesondere seine Bemühungen Europa voranzubringen.

Globaler Kontext im Wandel

Während des ersten Amtsjahres des Präsidenten haben wir einige Reformen erlebt, aber es wäre verfrüht, ihre Wirksamkeit bereits jetzt zu bewerten. Jedoch können wir beurteilen, wie relevant sie vor dem Hintergrund einer sich ändernden weltwirtschaftlichen Dynamik sind: die Welt verändert sich rapide und Reformen müssen mit diesen Veränderungen Schritt halten, um wirklich effektiv zu sein. Es gab drei entscheidende Verschiebungen in der Weltwirtschaft, nämlich eine neue politische Ordnung, eine radikale geographische Verlagerung der Wirtschaftsleistung und der Beginn einer neuen technologischen Revolution; die Wirtschaftspolitik muss demnach auf Grundlage dieser drei Faktoren bewertet werden.

Neue politische Ordnung

Mit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus, dem Brexit-Referendum in Großbritannien und dem Vormarsch der Populisten in Mitteleuropa, und jüngst in Italien, haben wir bedeutende politische Umwälzungen gesehen. Dieser politische Wendepunkt ähnelt stark dem der frühen 1980er Jahre – mit dem Auftritt Reagans, Thatchers, Mitterrands und Kohls – der damals, in den schwierigen Jahren nach der ersten Ölkrise, rückläufigem Wachstum und erhöhter Arbeitslosigkeit, eine neue Ära einläutete. Zu der Zeit führte die neue politische Landschaft zu einer schnellen Deregulierung der Finanzmärkte und machte so die Bühne frei für die Globalisierung, die die letzten 30 Jahre geprägt hat.

Der zu beobachtende politische Wandel der letzten zwei Jahre ist teilweise das Ergebnis der Globalisierung, aber auch der Art und Weise, wie die Krise bewältigt wurde. Mit Blick auf die Globalisierung wurde die Einkommensentwicklung des Mittelstands in den entwickelten Märkten von der Einkommensdynamik in den Schwellenländern vorgegeben, insbesondere von China und Indien, wie in Branko Milanovics berühmten Elefanten-Chart dargestellt.

Unterdessen führte auch die Krise des Jahres 2008 zu geringerem Wirtschaftswachstum und nachlassender Einkommensdynamik für den Mittelstand in den meisten entwickelten Märkten. Diese Faktoren waren der Auslöser für die neuen politischen Entscheidungen der letzten Jahre. Diese Entscheidungen sind genau entgegengesetzt derer der frühen 1980er Jahre … diesmal erleben wir nicht die Anfänge der Globalisierung oder offenen Märkte, sondern eher eine Verlagerung, nach innen zu schauen, einhergehend mit einer rückgängigen weltweiten Koordination. Brexit ist der Inbegriff dieses Phänomens, und passend zu diesem Trend ist Trumps Ausblick auf die Weltwirtschaft.

Macron und das neue Gleichgewicht

Mit Macrons Wahlsieg unterzog sich Frankreich nicht dieser Art von politischem Wandel, aber während die Wirtschaft global ausgerichtet bleiben mag, haben sich die Regeln definitiv geändert und eben das ist die zugrundeliegende Botschaft der neuen politischen Ordnung. Die aktuelle Tendenz geht in Richtung abnehmender Kooperation, so dass jedes Land mehr Autarkie bei der Wachstumsförderung an den Tag legen muss und es sich nicht leisten kann, auf Impulse aus der restlichen Welt zu warten. Länder können nicht mehr darauf bauen, dass der Rest der Welt das Tempo hochfährt, um so die eigene Performance zu steigern.

Auf dieser neuen Weltbühne müssen Volkswirtschaften in der Lage sein, eigene Impulse zu setzen und erforderliche Mittel zu finden, um sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Hierzu sind zwei Voraussetzungen notwendig: 

Zum einen benötigen Volkswirtschaften effektives und innovatives Produktivvermögen, um Produktivitätssteigerungen zu erzielen, und in dieser Hinsicht ist Emmanuel Macrons öffentlich erklärtes Ziel, private Investitionen durch öffentliche Ausgaben zu unterstützen, ein wichtiger Schritt. Hierbei entstehen Anforderungen an die Kapitalqualität: Investitionen in Frankreich sind hoch, aber es fehlt an Innovation, was die Produktion als Ganzes schwächt und nach unten zieht, so dass öffentliche Investitionen sowohl Verpflichtungen begründen, aber auch Anreize für wagemutige Innovationen schaffen.

Das öffentliche Investitionsprogramm, das vor ein paar Monaten von Jean Pisani Ferry dargelegt wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass öffentliche Investitionen, die auf Forschung und Produktion setzen, einen Erfolgszyklus für die Stützung der konjunkturellen Dynamik schaffen. Zum anderen ist ein flexibler Arbeitsmarkt erforderlich, um schnell auf Veränderungen im Konjunkturzyklus reagieren zu können und eine Rationalisierung und Vereinfachung der Mittelverteilung innerhalb Branchen über den gesamten Zyklus durchzuführen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ein nachhaltiges, selbsttragendes Wirtschaftswachstum.

Frankreich hinkt jedoch in diesem Bereich hinterher. Im Falle eines Zyklus-Aufschwungs erholt sich der französische Arbeitsmarkt nur langsam. Der folgende Chart zeigt Frankreich im Vergleich zur Eurozone und ihrer Aufschwungphase im ersten Quartal 2013. Die Beschäftigung in der Eurozone stieg schnell an, jedoch nicht in Frankreich, vor allem nicht im privaten Sektor. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Arbeitsmarktdynamik nicht robust genug ist, das Wirtschaftswachstum anzutreiben und zu verstetigen. Schocks können im Falle eines Konjunkturrückgangs zwar absorbiert werden, bei einer Konjunkturerholung ist die Beschäftigungsdynamik jedoch unzureichend. Dies ist besonders beunruhigend vor dem Hintergrund, dass das Potenzialwachstum in den entwickelten Ländern derzeit schwächer ist als früher, daher ist es zwingend erforderlich, schnell einen Weg zu finden, dieses Wachstum anzukurbeln.

Diese Anpassungsfähigkeit ist nun in der Arbeitsmarktregulierung sowie in Regierungserlassen Frankreichs verankert und sollte zu einer höheren Flexibilität bei Veränderungen von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen. Jedoch muss die verbesserte Reaktionsfähigkeit auch einhergehen mit Bestrebungen einer Revision von Trainingsprogrammen, sonst könnte sie fehlschlagen, denn übermäßige Flexibilität führt zu erhöhter Unsicherheit seitens der Mitarbeiter. Das neue Arbeitsmarktgesetz macht die französische Wirtschaft flexibler und ermöglicht es ihr, bei den ersten Anzeichen einer Expansion schneller zu reagieren. Dank der Möglichkeit, schneller auf Veränderungen zu reagieren, wird der Wachstumsprozess der französischen Wirtschaft autarker und kann nachhaltige Impulse eigenständig generieren.

Die Welt ist im Wandel – eine Tatsache, die über sämtliche Produktionsbereiche hinweg berücksichtigt werden muss. In Frankreich scheint dieser Wandel, meiner Meinung nach, bereits im Gange zu sein. Und dies ist nur der Anfang einer Neumischung der Weltwirtschaft.

Von Philippe Waechter, Chief Economist, Ostrum Asset Management

Geopolitischen Risiken sind den Märkten egal

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Marktrückblick In einer ereignisreichen Woche, geprägt von einer neuen Regierungskoalition in Italien, dem Besuch von Angela Merkel bei Wladimir Putin und der Einigung zwischen den USA und China in Bezug auf den Handelskonflikt, standen auch einige ökonomische Daten zur Veröffentlichung an. Diese entwickelten sich weitestgehend positiv und damit auch die globalen Aktienmärkte. Für Europa wurden die Zahlen für das BIP-Wachstum des 1. Quartals veröffentlicht. Diese entwickelten sich wie erwartet stabil. Für Deutschland waren die ZEW-Daten relevant. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist um 0,5 Punkte geringfügig auf einen neuen Indexwert von 87,4 Punkten zurückgegangen. Dennoch fiel das Ergebnis besser aus, als von Analysten erwartet worden war. Die ZEW-Konjunkturerwartungen blieben auf demselben Niveau wie im Vormonat. Der Indikator beträgt nach wie vor minus 8,2 Punkte. Dies liegt Experten zufolge an neuen, politisch getriebenen Unsicherheiten. Die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA, die Befürchtung einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts zwischen Europa und den USA sowie weiter steigende Rohölpreise belasteten die Erwartungen für Deutschland. In den USA wurden derweil Daten zu den Einzelhandelsumsätzen veröffentlicht. Die US-Industrieproduktion verzeichnete wie erwartet einen Anstieg um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zum Wochenausklang wurden noch Daten aus Philadelphia zum dort ansässigen Fed-Index veröffentlicht. Diese zeigten sich mit einem Wert von 34,4 Punkten deutlich besser als die Konsensschätzung. Das lag nach Expertenmeinungen an der durchweg positiven Stimmung aller relevanten Sektoren. Mit dem Blick nach China wurden ebenfalls Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion veröffentlicht. Die Einzelhandelsumsätze für den Monat April lagen mit einem Zuwachs von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr unter den Erwartungen der Märkte, wobei die Daten zur Industrieproduktion mit 7,0 Prozent die Konsensschätzung übertrafen.

Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent stieg um etwas mehr als 1 US-Dollar und schloss auf einem Niveau von 78,51 US-Dollar je Barrel. Der US-Dollar legte gegenüber dem Euro um 1,5 Prozent weiter zu und steht nun bei unter 1,18 EUR/USD. Gegenüber dem japanischen Yen gab der Euro 0,3 Prozent nach.

In diesem Umfeld schnitt aus Sicht des Euro-Anlegers der US-amerikanische Aktienmarkt, gefolgt vom japanischen und europäischen, am besten ab. Ebenfalls positiv entwickelte sich der MSCI World. Innerhalb Europas entwickelte sich die Eurozone leicht positiv, während Titel aus den Emerging Markets ein knappes Prozent nachgaben und somit schlechter abschnitten als Werte aus den Industrienationen. Auf Sektorebene ergab sich folgendes Bild: In Europa entwickelten sich die Sektoren Energie, Öl/Gas und Gesundheit am besten. Eine Underperformance zeigten hingegen die Bereiche Finanzen, Telekom und Konsum. In den USA gehörten Titel aus den Sektoren Energie, Rohstoffe und Industrie zu den größten Gewinnern, während Aktien aus den Bereichen Versorger, IT und Telekom eine Underperformance gegenüber dem breiten Markt aufwiesen. Small Caps schnitten gegenüber Large Caps in den USA besser ab, wobei in Europa Large Caps etwas besser abschnitten. Hinsichtlich „Value“ und „Growth“ entwickelten sich in Europa Growth-Titel besser, während es in den USA kaum Unterschiede in der Wertentwicklung dieser beiden Investmentstile gab.

Investoren sollten sich auf eine vorsichtige Gangart einstellen

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„Sollte der US-Forderung nach einer weiteren deutlichen Absenkung des chinesischen Außenhandelsüberschusses erneut Nachdruck verliehen werden, würde im Umkehrschluss die schwächelnde Konjunktur weiter belastet. Investoren sind also gut beraten, sich auf eine höhere Volatilität einzustellen“, erklärt Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers.

Verantwortlich dafür seien steigende (US-)Zinsen und hohe Aktienmarktbewertungen, so Wenzel weiter. Der Dollar habe dabei einmal mehr seinen Charakter als „Fluchtwährung“ unter Beweis gestellt: Trotz oder vielmehr gerade wegen der politischen Unwägbarkeiten hat der Dollar in den vergangenen Wochen deutlich an Wert gewonnen. Über die künftige Geldpolitik gibt es keine Zweifel: Weitere Zinserhöhungen seien laut dem neuen Fed-Chairman Jerome Powell vorprogrammiert.

Für Europa sind Experten zuversichtlich, trotz des politischen Stillstands und möglicher Neuwahlen in Italien: „Trotz der mageren Wertentwicklung seit Jahresbeginn bleiben wir davon überzeugt, dass die europäischen Börsen das Jahr 2018 positiv beschließen werden“, so Wenzel. „Die zurückliegende Berichtssaison hat gezeigt, dass sich die Unternehmensgewinne vielversprechend darstellen.“ Die Konjunktur sei nicht notwendigerweise auf eine stabile Regierung angewiesen, das hätten die vergangenen Jahre schon vielerorts gezeigt.

Virulente Fragen für Europa mit bedeutender Dimension

Mit Blick auf die Entwicklungen auf globalem politischen Parkett stellen sich laut Franz Wenzel gleich zwei virulente Fragen für die Finanzmärkte. Kann die europäische Bankenreform weiter vorangetrieben werden, um die Konjunktur zu fördern? Und: Inwieweit strahlt eine instabile italienische politische Lage möglicherweise auch in Richtung Europa aus? Die europäische Reformfähigkeit und Glaubwürdigkeit seien hier aus seiner Sicht einmal mehr gefragt.

Unterdessen sind die Ölpreise so hoch wie seit über dreieinhalb Jahren nicht mehr.[1] Die Diskussion um das Iranatomabkommen und die Krise im Nahen Osten haben den Ölpreis in den vergangenen zwölf Monaten von zunächst 50 US-Dollar auf heute etwa 75 US-Dollar ansteigen lassen. „Wir unterstellen, dass ein dauerhafter Anstieg von etwa 10 US-Dollar etwa 0,1 Prozent Wachstum kostet“, sagt Wenzel. Sollte der Ölpreis auf heutigem Niveau bleiben, könne das nach dieser Faustregel etwa 0,2 Prozent Wachstum kosten und die Inflation um etwa 0,3 bis 0,4 Prozent anheben.

Renditen-Flirt mit 3-Prozent-Marke: Versuchung für Investoren

Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen nähern sich derweil der 3-Prozent-Marke. Sollten Investoren dieses Niveau nutzen und investieren wollen, ist laut der Experten angesichts der guten Konjunktur und weiter zu erwartender Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank dennoch Vorsicht vor langlaufenden US-Anleihen das erste Gebot der Stunde. Allein für 2018 werden noch drei Zinserhöhungen unterstellt, gefolgt von drei weiteren Zinsschritten für 2019. Die Erhöhungen werden auch am langen Ende der Zinskurve nicht spurlos vorübergehen, sagt Wenzel. „Wir wären nicht überrascht, wenn sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf Sicht von zwei Jahren in Richtung der 4-Prozent-Marke bewegen würden“, erläutert der Experte. Unabhängig von diesen möglichen Entwicklungen bliebe laut seiner Aussage für alle ausländischen Investoren weiterhin die Währungssicherung ein zentrales Thema.

[1] Sorte Brent

Technologie ist nicht gleich Technologie

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Der technologische Fortschritt und die demografische Entwicklung nehmen nicht nur Einfluss auf unser Leben – sondern auch auf Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle entsprechend neu ausrichten. Die Herausforderung für Asset Manager besteht darin, auf das veränderte Unternehmensumfeld reagieren zu können: „Vor allem bei der Aktienauswahl ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, um langfristig positive Erträge erzielen“, sagt Stéphane Lago, Produktspezialist bei AXA Investment Managers (AXA IM).

Über den kurzfristigen Hype hinausdenken

Gerade wenn es um die Bewertung des kommerziellen Potenzials neuer oder sich entwickelnder Technologien wie Augmented Reality oder Blockchain geht, können Investoren Lago zufolge einige Grundsätze beachten: „Die Krux ist es, über den kurzfristigen Hype hinauszublicken. In erster Linie lässt sich davon ausgehen, dass es für neue Technologien im Schnitt länger dauert, Gewinne zu erzielen, als es generell erwartet wird“, sagt Lago. Der Gartner Hype-Zyklus1 zeige beispielsweise auf, wie Technologien oder Innovationen einen Zyklus beginnend bei der Entwicklung, über Erwartungen und Desillusionierung bis hin zur Produktivität innerhalb des Unternehmens durchlaufen. Dieser Zyklus benötige unterschiedliche zeitliche Rahmen, die meist länger ausfallen als erwartet.

„Dementsprechend benötigen Unternehmen auch mehr Zeit, bis sie ihr Geschäftsmodell monetarisieren“, erläutert Lago. So meldete Twitter im Februar 2018 seinen ersten Quartalsgewinn seit der Gründung vor zwölf Jahren, da die Werbetreibenden die Plattform erst allmählich neben etablierten Playern wie Facebook und Google wahrnähmen.

Entfaltung des kommerziellen Potenzials 

Ein weiteres Kriterium, um die vielversprechendsten Unternehmen ausfindig zu machen, sei das Potenzial von Innovationen und Technologien, sobald sie kommerziell nutzbar würden. „Ein gutes Beispiel dafür sind Collaborative Robots, die in Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden. Sie haben ihren Ursprung in der Automobilindustrie, werden aber mittlerweile in verschiedenen Branchen herangezogen, wie im Onlinehandel oder der Logistik“, so Lago weiter.
Ähnlich verhielt es sich mit dem 3D-Druck – auch hier sei das kommerzielle Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft. „Er wird die Rationalisierung der Fertigungs-, Logistik- und Vertriebsindustrie in den nächsten Jahrzehnten erheblich verändern. Denn er bietet Unternehmen einzigartige Möglichkeiten, maßgeschneiderte und hochwertige Produkte wie Prototypen oder Triebwerkskomponenten herzustellen“, erklärt Lago.

Global Player bieten enormes Innovationspotenzial

Entgegen der allgemeinen Annahme werden Lago zufolge neue Technologien nicht notwendig von Small Caps, Hochschulforschungen oder Entwicklungslaboren erfunden. Eine gute Ausgangslage für neue Innovationen böten vor allem die weltweit größten Unternehmen – gerade im Bereich Robotics und Automatisierung. „Die selbstfahrenden Autos von Waymo, einer Tochtergesellschaft von Alphabet (Google), legten in den USA wöchentlich mehr als 25.000 autonome Meilen auf komplexen Straßen zurück. Die Flotte ist bisher mehr als vier Millionen Meilen gefahren und mit jeder Meile mehr gewinnt die Firma an Daten und dementsprechend an Erfahrung, um den Fahrprozess zunehmend zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Alphabet zu einem Haupttreiber für autonomes Fahren wird, der die traditionelle Automobilindustrie aufmischen wird“, so Lago. 

Aber auch im Bereich Small und Mid Caps gebe es vor allem in Japan eine Vielzahl interessanter Unternehmen, die als Zulieferer für die Robotik-Bestandteile agieren – und entsprechend für Investoren attraktiv sind. „Beispiele dafür sind Nabtesco und Renesas, die Teil der Wertschöpfungskette der industriellen Automatisierung sind“, so Lago.
Für die Aktienauswahl des AXA WF Framlington Robotech Fonds verfolgt das Management einen Multi-Cap-Ansatz. Der Fonds investiert über alle Unternehmensgrößen hinweg in globale Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, die in verschiedenen Sektoren wie Industrie, Technologie, Fertigung, Gesundheit und Transport an Robotik- und Automatisierungslösungen arbeiten. „Wir glauben, dass dies der beste Weg ist, um die verschiedenen Trends langfristig zu erfassen“, erläutert Lago. 

Erfahren Sie mehr zum AXA WF Framlington Robotech Fonds auf unserer deutschen und unserer österreichischen Webseite. 

Deutschland verbessert Top-Positionierung im OECD- Nachhaltigkeits-Ranking

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Top 5 im Visier

Deutschland macht Fortschritte bei seinen Anstrengungen, nachhaltiger zu werden. Dies geht aus einer Analyse hervor, deren Ergebnisse in das aktuelle Länder-Nachhaltigkeits-Ranking von Degroof Petercam AM eingeflossen sind. Bereits seit 2007 untersucht der belgische Vermögensverwalter halbjährlich neben Schwellenländern auch OECD-Staaten auf insgesamt 60 Einzelkriterien in den Bereichen ‚Transparenz und demokratische Werte‘, ‚Umwelt‘, ‚Bildung und Innovation‘, ‚Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung‘ sowie ‚Wirtschaft‘.

Im aktuellen Länder-Vergleich wird Deutschland auf Platz 6 von insgesamt 35 OECD-Staaten, und damit einen Rang höher als im 2. Halbjahr 2017, geführt. „In der Summe zählt Deutschland zu den nachhaltigsten Staaten weltweit. In den vergangenen 5 Jahren hat es sich in dieser Hinsicht sukzessive verbessert – ein Trend, der sich auf globaler Ebene, also sowohl bei Schwellenländern als auch entwickelten Staaten, beobachten lässt. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung. Allerdings bleibt viel Potenzial, noch nachhaltiger zu werden – auch für Deutschland“, sagt Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei Degroof Petercam AM. 

Deutschland mit Licht und Schatten

Seit dem Start des Nachhaltigkeits-Rankings im Jahr 2007 bewegt sich Deutschland stets im oberen Drittel. Eine Ausnahme bildet lediglich das Kriterium ‚Bildung‘. Dennoch hat sich Deutschland in diesem Bereich vom 17. Platz in 2013 auf den aktuell 14. Rang verbessert. Deutlich positiver schneidet Deutschland bei ‚Innovationen‘ ab mit einem 8. Rang in Bezug auf Investments in innovative Technologien. Gut steht Deutschland auch in puncto ‚Transparenz’ da – gegenüber 2013 ist es 3 Plätze nach oben geklettert auf aktuell Platz 7. Trotz der hohen Gesamtwertung in diesem Bereich ist Deutschland nicht führend bei den Subkriterien ‚Korruption’ (11. Platz), ‚Pressefreiheit’ (15. Platz) und ‚Stärke der Institutionen’ (13. Platz). Auf 5-Jahres-Sicht leicht verschlechtert von Rang 9 auf 10 hat sich die Einstufung im Bereich ‚Bevölkerung’. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Kriterien ‚Armut‘ und ‚Vermögensverteilung‘.

Deutschland ist bei Umwelt und ökologischer Vielfalt im Ranking traditionell in den Top-Rängen zu finden, hat jedoch über die vergangenen 5 Jahre einen Rang abgeben müssen auf aktuell Platz 8. Die gute Positionierung resultiert in erster Linie aus dem relativ hohen Anteil an Erneuerbaren Energien bei der Elektrizitätserzeugung. Bei den Treibhausemissionen muss sich Deutschland dennoch verbessern und den Anteil der Kohle im Energiemix weiter reduzieren.

Nachhaltigkeit von Staaten auf den Prüfstand stellen

Für Nachhaltigkeitsexpertin Ophélie Mortier ist es essentiell, dass Investoren und Vermögensverwalter nicht nur Schwellenländer, sondern gerade auch die hoch entwickelten OECD-Länder regelmäßig auf ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen hin untersuchen und dies in Anlagestrategien berücksichtigen. Dies zeige das Beispiel Staatsverschuldung: Vor kurzem habe der Internationale Währungsfonds IWF gewarnt, dass der globale Schuldenberg aktuell 12 Prozent höher ist als 2009. Insgesamt mache die weltweite Verschuldung mit 164 Billionen Dollar das 2,25-Fache des kumulierten Sozialproduktes aus.

„Beim Thema Staatsverschuldung tragen die Regierungen der Industrieländer eine besondere Verantwortung. Nicht nur die große Finanzkrise von 2008 hat gelehrt, dass diesbezüglich zwischen gesunden und ungesunden Ländern unterschieden werden muss. Wichtig bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit erachten wir darüber hinaus, wie transparent und demokratisch ein Land ist, wie es um die Gesundheit, Bildung und Vermögensverteilung seiner Bevölkerung bestellt ist, wie wirtschaftlich stark und innovativ ein Land ist und wie es letztendlich mit der Umwelt umgeht“, sagt Ophélie Mortier.

Die aktuellen Ergebnisse dieser Analyse sind in nachfolgender Grafik ersichtlich. Zu je 19 Prozent fließen die Kriterien ‚Umwelt‘, ‚Bildung und Innovation‘, ‚Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung‘ sowie ‚Wirtschaft‘ ein, während ‚Transparenz und demokratische Werte‘ mit 26 Prozent gewichtet werden.

Aktuelles OECD-Nachhaltigkeits-Ranking von Degroof Petercam AM

Zuordnung der 17 Sustainable Development Goals (SDG’s)der Vereinten Nationen im DPAM-ModellÜber

Plastik-Ausstieg: Welche Unternehmen werden am meisten betroffen sein?

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In der jüngsten Vergangenheit ist der Einsatz von Plastik Gegenstand intensiver öffentlicher Diskussionen geworden. Aufgrund von Schlagzeilen wie „Mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren bis 20501“ und „UN verpflichtet sich auf Verbot von Plastikmüll im Meer2“ wurden die Verbraucher und Aufsichtsbehörden auf ein Problem aufmerksam, das bis vor Kurzem der allgemeinen Öffentlichkeit nicht bewusst war. Die Sorgen wegen des Plastikmülls regen mittlerweile die Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden dazu an, Maßnahmen zu ergreifen.

Öffentlichkeit und Politik sagen dem Plastikmüll den Kampf an


Quelle: EUR-Lex Datenbank, Google.

* 2018 ist ein annualisierter Wert basierend auf Werten des ersten Quartals.
** Zahlen stehen für Sucheingaben bei Google für „Plastikmüll“.

Die am meisten betroffenen Hersteller von PlastikproduktenBis dato waren die Auswirkungen relativ gering und konzentrierten sich auf Nischenbereiche. Während einzelne Plastikprodukte besonders ins Rampenlicht geraten sind, geht das Problem jedoch weit über Plastiktüten, Mikroperlen und Strohhalme hinaus.

Wir richten einen umfassenderen Blick auf den allgemeinen Kunststoffsektor, bewerten die Bereiche der Verbraucherverpackungen, die am meisten unter Druck geraten dürften, und widmen uns den Unternehmen, welche diese Produkte zur Verfügung stellen, sowie den Rohstoffen, die in diesen Produkten enthalten sind.

Während auf Konsumgüter fokussierte Unternehmen von der erhöhten Aufmerksamkeit am meisten betroffen sind, dürften die Auswirkungen andernorts in den Wertschöpfungsketten der Kunststoffindustrie – etwa bei Verpackungsunternehmen und Rohstofflieferanten – intensiver und disruptiver ausfallen. Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette analysiert, um potenzielle Risiken zu bewerten, die ihnen ausgesetzten Unternehmen zu identifizieren und Maßnahmen auszumachen, die einige Branchenführer ergreifen. Unseres Erachtens werden die Hersteller von Kunststoffverpackungen am stärksten betroffen sein.

Abbildung 2: Konsumkunststoffe betreffen verschiedene Branchen


Quelle: Schroders

  • Konsumunternehmen werden gezwungen sein, ihren Einsatz von Plastik einzuschränken und Wegwerfplastik gegen alternative Materialien auszutauschen bzw. ihre Verpackungen neu zu konzipieren oder zu reduzieren. Eine lange Liste von Unternehmen hat bereits Vorhaben angekündigt, um ihre Herangehensweise beim Einsatz von Verpackungen zu ändern. So hat Whitbread, der Eigentümer von Costa Coffee, ein landesweites Recycling-Programm angekündigt, während Coca-Cola sich dazu verpflichtet, sämtliche Verpackungen bis 2030 zurückzunehmen und zu recyceln, und McDonald’s vorhat, die Verpackungen bis 2025 gegen erneuerbare oder recyclebare Materialien auszutauschen. Dies wird Kosten für neue Ausrüstungen, die Neuausrichtung von Lieferketten und in einigen Fällen einen höheren Materialaufwand mit sich bringen. Allerdings zeigt unsere Analyse, dass Unternehmen, die sich auf diese Trends einstellen, profitieren könnten. Kosteneinsparungen durch einen reduzierten Einsatz von Verpackungen, ein verbessertes Image bei den Verbrauchern und geringere regulatorische Risiken könnten zu höheren Margen für Lebensmittelhersteller und auf Haushaltswaren & Körperpflegeprodukte spezialisierte Unternehmen führen. Unseres Erachtens sind auf nicht alkoholische Getränke fokussierte Unternehmen, die so weitermachen wie bisher, den größten negativen Risiken ausgesetzt.

  • Verpackungsunternehmen stehen vor größeren Herausforderungen. Derzeit bestehen 37 % von Verbraucherverpackungen aus Plastik3, was sich künftig eindeutig ändern wird. Andererseits werden Marktführer, die dazu in der Lage sind, nachhaltige Alternativen wie Biokunststoffe oder Kunststoffe mit erhöhter Recyclebarkeit zu entwickeln, aus diesen Herausforderungen gestärkt hervorgehen. Sie sollten dazu in der Lage sein, unverwechselbare Produkte zu etablieren, bei denen sie über Preismacht verfügen und mit denen sie ihre derzeitige Abhängigkeit von herkömmlichen Standardkunststoffen überwinden können. Während einige wesentliche Mitspieler bereits ihre Innovationsbemühungen auf die Entwicklung nachhaltigerer Verpackungsmaterialien lenken, gehen die Innovationen unseres Erachtens zu langsam voran, um es der gesamten Branche zu ermöglichen, herkömmlichem Plastik ungeschoren den Rücken zu kehren. Unsere Analyse des gefährdeten operativen Gewinns einzelner Verpackungsunternehmen unterstreicht den Wert von guter Führung, da gut aufgestellte Unternehmen kaum Auswirkungen verspüren werden, während bei Nachzüglern bis zu ein Drittel des Gewinns in Gefahr ist.

  • Chemieunternehmen entwickeln allmählich kompostierbare Biokunststoffe und verschiedene Arten von Polymeren, die zu einem verringerten Materialaufwand führen können. Biokunststoffe und kompostierbare Materialien werden immer beliebter. Der Markt für Biokunststoffe dürfte bis 2030 jährlich um insgesamt 30 % (gerechnet ab 2013) wachsen, verglichen mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3 % für Kunststoffe, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden4. Biokunststoffe haben allerdings ihre Schwachstellen: Unter Umständen ist es schwer sie zu recyceln, sie sind teurer in der Herstellung und sie sind noch nicht in großen Mengen verfügbar. Verbesserungen in der Zelluloseaufarbeitung dürften die Qualität und Quantität allerdings steigern und die Kosten senken. Da die Hersteller von ihren am Endverbrauchermarkt tätigen Kunden zunehmend unter Druck gesetzt werden, dürften die innovativeren Unternehmen Marktanteile erobern. Die meisten dieser Nutznießer werden sich wohl aus den gegenwärtigen Branchenführern hervorgehen.

  • Abfall- und Recyclingunternehmen dürften von einer zunehmenden Nachfrage nach Recycling am Ende der Lebensdauer und nach Wiederverwertung profitieren. Die jüngsten Beschränkungen für Müllimporte nach China und ein erhöhter politischer und regulatorischer Druck in Bezug auf Plastikmüll schaffen für die Recyclingbranche ein potenzielles Sprungbrett. Neue regionale Gegebenheiten, neue Anwendungen und neue Produkte könnten zu einem Marktwachstum von 7–9 % führen. In einer fragmentierten und stark umkämpften Branche die potenziellen Nutznießer zu identifizieren ist eine große Herausforderung. Unseres Erachtens werden lokalisierte Lösungen den Ausschlag geben.

  • Wesentliches Rohmaterial zur Herstellung von Kunststoffen ist Öl. Rund 4–8 % der globalen Ölproduktion fließt in die Herstellung von Plastik5, wovon schätzungsweise die Hälfte wiederum für Verpackungen eingesetzt wird. Infolgedessen dürften die Auswirkungen auf diesen Markt moderat sein. Allerdings ist dieser Aspekt auch nicht gerade hilfreich, da sich die Thematik zu den allgemeineren Herausforderungen, vor denen der Energiesektor steht, noch hinzugesellt.

Wegwerfplastik ist heutzutage in der Branche der Verbraucherprodukte und deren Wertschöpfungsketten allgegenwärtig. Wir gehen davon aus, dass sich der Druck von den spezifischen Nischen, die aktuell im Rampenlicht stehen, auf eine breitere Palette von Produkten ausweiten wird. Dies alles trägt zu einer globalen ökologischen Herausforderung bei, welche im Begriff ist, sich vom ökologischen Sorgenkind zu einem Wirtschaftsfaktor zu mausern.

 

 

1 G. Wearden, „Laut Ellen MacArthur bis 2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren“, The Guardian, Januar 2016.
2 R. Harrabin, „UN verpflichtet sich zu einem Ende des Plastikmülls in den Meeren“, BBC News, Dezember 2017.
3 Unwrapping the Packaging Industry, EY, 2013.
4 „Global Bioplastics Market Predicted To Grow 350%“, Energy and Gold, März 2016.
5 New Plastics Economy: Rethinking the Future, Ellen MacArthur Foundation, Dezember 2017.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

 

Der Beitrag wurde am 02.01.18 auch auf schroders.com veröffentlicht.