Japan-Aktien sind für investoren interessant

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Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten und einem stotternden Wachstum in China.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag den sechsten Wahlsieg in Folge eingefahren. Für Anleger ist das eine gute Nachricht. Mit Abe an der Spitze dürfte das Land seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs fortsetzen.

Die Japaner haben sich für die
Fortsetzung des Status Quo entschieden: Die Liberaldemokratische Partei LDP von
Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag die Oberhauswahl gewonnen – zum
sechsten Mal in Folge. Zusammen mit ihrem aktuellen Koalitionspartner, der
buddhistischen Neuen Gerechtigkeitspartei, kommt die LDP laut offiziellem Wahlergebnis
vom Montag auf 71 Sitze, die Opposition erhält 53 Sitze. Damit kann das
Regierungslager jetzt in der zweiten Kammer des Parlaments 141 von 245 Mandaten
für sich verbuchen. Im Vergleich zu 2013 haben die Regierungsparteien zwar einige
Sitze verloren. Abe präsentierte sich dennoch zufrieden: „Die Japaner haben
gezeigt, dass sie Stabilität wollen. Nicht Chaos. Die Oppositionsparteien haben
keine Vision für Japan“, sagte der Ministerpräsident dem TV-Sender NHK.

An Abes Vision, der sogenannten
Abenomics, arbeitet die Regierung seit dem Jahr 2012. Abe war und ist der
Überzeugung, dass alle profitieren, wenn es der Wirtschaft gut geht. Deshalb war
Abe einst mit dem Versprechen angetreten, Japan aus der Jahrzehntelang
andauernden wirtschaftlichen Stagnation zu befreien. Um den stotternden Motor
wieder zum Laufen zu bringen, hatte der frisch ernannte Premierminister Ende
2012 eine neue Wachstumsstrategie erdacht, die seither seinen Namen trägt. Die
Kernelemente: Höhere Staatsausgaben, eine ultralockere Geldpolitik selbst um
den Preis negativer Zinsen und wachstumsorientierte Strukturreformen.

Die Früchte der Abenomics sind
langsam zu sehen: Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um
rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten
Staaten und einem stotternden Wachstum in China. „Zweifellos hat die
Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung rund um Shinzo Abe zum positiven
Wachstum und der rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenquote beigetragen“,
sagt Christophe Braun, Investmentstratege beim US-amerikanischen Fondsanbieter
Capital Group. Für Anleger ist der Erfolg Abes daher eine gute Nachricht.
Denn unter seiner Führung dürfte die Regierung an der wirtschaftsfreundlichen
Politik festhalten: Alle Japaner sollen weiterhin „den warmen Wind“ der
Abenomics spüren, versprach Abe bereits kurz nach der Wahl.

Steigende Konsumlust

Für Investoren sieht Anlagestratege
Braun in Japan aktuell viele Chancen: So hätten japanische Unternehmen im Jahr
2018 die höchsten operativen Margen seit Jahrzehnten verzeichnet, die
Break-Even-Ratios seien deutlich zurückgegangen. „Insgesamt sind die
Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich zu früher und auch zu anderen
Ländern günstig“, sagt Braun.

Karsten Marzinzik, Investmentstratege
bei Swisscanto Asset Management, sieht das ähnlich. „Das Segment der
japanischen Small und Mid Caps halten wir prinzipiell nicht nur kurzfristig für
eine interessante Beimischung im Aktien-Portfolio, sondern auch auf lange Sicht
für eine sinnvolle Diversifikationsoption“, sagt er. Potential sieht Marzinzik
unter anderem in Unternehmen, die im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. Auch
Wachstumsunternehmen könnten dank neuer Technologien ihr Geschäft in den
kommenden Jahren deutlich ausweiten, prognostiziert der Anlagestratege. Nicht
zuletzt dürften Unternehmen profitieren, deren Geschäftserfolg stark von der Binnennachfrage
abhängt. Denn sollte sich die japanische Wirtschaft in Abes sechster Amtszeit
weiter erholen, dürfte das die Konsumlust der Japaner fördern – und die Kurse inlandsorientierter
Unternehmen beflügeln.

WisdomTree: Deutliche Ölpreissteigerung möglich

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Der Grund ist die verschärfte Sicherheitslage am Persischen Golf. In dieser Region droht eine bewaffnete Auseinandersetzung

Von Nitesh Shah, Director, Research und Rohstoffexperte bei WisdomTree.

Die
Sicherheitslage im Persischen Golf verschlechtert sich. Die
Beschlagnahme eines britischen Schiffes durch die iranische
Revolutionsgarde stellt eine Verletzung des Völkerrechts dar. Die
britische Premierministerin Teresa May leitet heute Morgen um 10 Uhr
(Londoner Zeit) eine Sitzung des für Ausnahmesituationen zuständigen 
Civil Contingencies Committee (Cobra), um
eine diplomatische Lösung zu finden. Aber welche Möglichkeiten stehen
zur Verfügung? Weitere finanzielle Sanktionen werden wahrscheinlich
nicht funktionieren , sondern den Iran lediglich weiter vergrämen.

Eine
Kapitulation vor den Forderungen des Iran wird das Vereinigte Königreich
schwach aussehen lassen und dazu auch unfähig, seine Vermögenswerte zu
schützen. Nachdem der Iran das Uran auf ein Niveau angereichert hat, das
gegen das Atomabkommen verstößt, gewinnt das Land keine Freunde in der
internationalen Gemeinschaft. Das Risiko einer militärischen
Intervention steigt daher.

Angesichts
des Risikos, dass sich das Öl nicht frei aus der Straße von Hormuz
heraus bewegen kann, könnte der Ölpreis deutlich steigen. 30 Prozent des
weltweit verschifften Rohöls muss die Meerenge passieren. Auch Gold –
oftmals Anlaufstelle für Investoren, die eine Absicherung gegen
geopolitische Spannungen suchen – wird weiter steigen.“

Die G7 haben in Chantilly die Facebook-Währung Libra aufs Korn genommen

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Kein Wunder: Libra birgt Gefahren für das klassische Währungssystem

Rückblick auf die vergangene Woche

Spätestens seit vergangener Woche ist klar: Facebook ist nicht irgendein US-Tech-Unternehmen. Facebook wird von der Staatengemeinschaft als Gegner auf Augenhöhe wahrgenommen. Und da kennen die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten, die sich in Chantilly bei Paris getroffen haben, keine Gnade mehr.

Facebook soll gleich an zwei Fronten attackiert werden. Zum einen an der Steuerfront: Im Abschlussdokument des G7-Treffens wurde das Ziel einer Mindestbesteuerung von Internet-Unternehmen genannt. Firmen wie Facebook sollen dazu verpflichtet werden, eine Mindeststeuer in den Ländern abzuführen, in denen sie Geschäfte tätigen. Vorbild ist die US-Praxis, wonach eine Steuer von 10,5 Prozent anfällt. Dieser Wert liegt deutlich unter der normalen Besteuerung von Konzernen im Inland. Dadurch sollen Gewinnverlagerungen  ins Ausland verhindert werden. Es wäre ein Fortschritt, wenn diese Regeln international angewendet würden. Gleichzeitig zeigt es, wie schwierig es ist, den sogenannten Plattform-Unternehmen steuerlich beizukommen.

Die zweite Front machten die G7 auf ihrem Treffen bei der geplanten Facebook-Währung Libra auf. Kein Wunder: Libra birgt Gefahren für das klassische Währungssystem. Auf den ersten Blick scheint es sich bei Libra nur um einen praktischen Geldverschiebe-Bahnhof zu handeln, mit dem Geld weltweit schnell von A nach B transferiert werden kann. Doch Libra ist mehr. Es ist das Tor zu einer parallelen Finanzwelt, die nicht mehr der Kontrolle der Notenbanken und der klassischen Bankaufsichten unterliegt. Und anstatt für die Bevölkerung kleinerer Staaten mit schwachen Bankensystemen eine praktische Lösung darzustellen, wie Facebook suggeriert, bedroht Libra sogar deren Währungen: Denn Libra wird mit Staatsanleihen unterlegt. Es geht hier angesichts der weltweiten Verbreitung von Facebook und der potenziellen Libra-Nutzer um Billionenbeträge. Würde sich Libra tatsächlich durchsetzen, würde Zuckerbergs Social-Media-Konzern plötzlich deutlich spürbaren Einfluss auf den Anleihen- und Devisenmarkt ausüben. Das können weder die Industriestaaten noch die betroffenen Länder gutheißen, in denen sich Libra quasi als Zweitwährung etablieren würde.

Und für die Notenbanken ist Libra ohnehin ein rotes Tuch. Deshalb kommen nicht nur aus Europa, sondern auch aus den USA kritische Töne: US-Präsident Donald Trump hält bekanntermaßen wenig von der Facebook-Idee. Hier weiß er sich ausnahmsweise einig mit dem Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell. Der hatte bei einer Anhörung im Kongress massive Bedenken gegenüber Libra vorgetragen. Geldwäsche, Finanzierung von Terrorismus, die Stabilität der Währung und Privatsphäre nannte er als wichtige Themen. Und er deutete schon mal an, dass Facebook es nicht leicht haben werde, Libra genehmigt zu bekommen. So viel steht fest: Eine Konkurrenz zur Weltleitwährung US-Dollar ist jedenfalls mit Sicherheit weder im Interesse der USA noch der Fed.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag wird in Großbritannien Boris Johnson aller Voraussicht nach zum neuen Parteivorsitzenden der Tories gewählt. Was gleichbedeutend damit ist, dass er zum neuen Premierminister ernannt wird. Johnson hat sich zuletzt keine Mühe gegeben, diplomatischer oder verhandlungsbereiter gegenüber der EU aufzutreten als seine Vorgängerin Teresa May. Johnson strebt einen kompromisslosen, harten Brexit an. Immerhin weiß man in Brüssel dann, woran man ist. Nur wissen die Briten dann auch tatsächlich, was sie wollen? Die letztmögliche Ausfahrt vor der Brexit-Autobahn ist ein erfolgreiches Misstrauensvotum mit anschließenden Neuwahlen. Denn die Labour-Partei hat mittlerweile ihr Herz für Europa wiederentdeckt.

Der Industriesektor in Deutschland befindet sich in der Rezession. Die Frage ist, ob nun auch der  Dienstleistungssektor folgt. Antworten können am Mittwoch der Einkaufsmanagerindizes und am Donnerstag der ifo-Index  liefern.

Am Donnerstag tagt die EZB. Die Europäische Zentralbank ist derzeit in der Zwickmühle. Anfang Juni hat Präsident Draghi in Portugal weitere geldpolitische Maßnahmen angekündigt. Bis jetzt ist es bei der Ankündigung geblieben, obwohl die Konjunktur in der EU derzeit auf wackeligen Füßen steht und die Inflationserwartungen eher sinken. Vermutlich wird die EZB auch am Donnerstag noch keine konkreten Maßnahmen vorstellen. Aber sie wird vielleicht einen Ausblick darauf geben, vielleicht sogar mit Zeitplan.

Am Freitag veröffentlicht das US Bureau of Economic Analysis das annualisierte Bruttoinlandsprodukt der USA. In der Zahl spiegelt sich der Geldwert aller Waren und Dienstleistungen wider, die in diesem Jahr innerhalb der USA hergestellt werden. Anhand des annualisierten BIPs lässt sich das Tempo ablesen, in dem die US-Wirtschaft wächst. Experten rechnen mit einer deutlichen Abschwächung des Tempos.

Robeco: Marktkommentar, KW29

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Lega waters down flat tax election promise

Speculation on fall of Italian government rises  

Main market events

Peripheral spreads tightened during the week, although on
Friday Italian bonds came under some pressure after speculation on a possible
upcoming fall of the Lega-5-Star government. The supposed deadline is July
20th, to allow for new elections before the Autumn budget round. Last week’s
sell-off in Spanish and Portuguese bonds only lasted for two days as speeches
by ECB members increased the prospects for further stimulus in September.
Italian bonds have returned 8.9% year-to-date, Spanish bonds 8.9%, Portuguese
bonds 8.7% and Irish bonds 6.6%.

Italy

The Italian government is considering to introduce a
reduced, flat tax rate of 15% on personal incomes in 2020, but only on the part
of the income in excess of 2019 levels. A flat tax on incomes has been the main
policy pledge of the ruling Lega party. A flat tax rate of 15% on incremental
incomes is estimated to cost just EUR 2bn, as opposed to several tens of
billions if a flat rate on all incomes would be implemented.

Spain

Negotiations between the Socialist PSOE and Podemos broke
down this week, as PSOE leader Sanchez refused to give ministerial positions to
Podemos members. This increases the chances of renewed elections around
September. Although PSOE won the 28-April elections, they remain well short of
an absolute majority. Latest polls show PSOE would gain even more seats than in
the 28 April ballot. The Spanish economy continues to ignore the political
uncertainty and seems to weather the slowdown in the rest of Europe well,
thanks to solid growth in the services sector.

ECB

Ahead of next week’s ECB meeting, at which
the central bank is expected to pave the way for fresh policy easing in
September, ECB staff seemingly have begun studying a potential revamp of their
inflation goal of “below but close to 2%”.
In his Sintra speech from last month President Draghi already emphasized that
there was conviction at the ECB in pursuing the inflation goal in a “
symmetric”  fashion. That
would allow the ECB to keep inflation above 2% for a while after a period of inflation
weakness, and hence to keep policy accomodative even longer.

Robeco Euro Government Bonds

We used the sell-off in Portuguese bonds to close the
underweight in PGBs. Moreover we bought 4-year Italian inflation-linked bonds.
We believe peripheral risk will remain well supported in the run up to the ECB
meeting next Thursday. After a period of weakness, inflation linked bonds are
expected to gain ground as the ECB steps up its efforts to revive inflation
expectations.  The fund is 42% invested
in peripheral bonds, which is 1% above the level of the index. Year to date the
absolute return of the fund is 7.22%*.

* Robeco Euro Government Bonds, gross of fees, based on Net
Asset Value, 18 July, 2019. The value of your investments may fluctuate. Past results
are no guarantee of future performance.

Türkei vor Leitzinssenkung?

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Ende des Monats steht in der Türkei die nächste Zinsentscheidung an. Dann wird sich auch zeigen, wie es mit der Wirtschaft des Landes weitergeht.

Seit langem drängt Präsident Recep Tayyip Erdogan die türkische Zentralbank dazu, die Leitzinsen zu senken, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Bald könnte sein Wunsch Wirklichkeit werden. Finanzexperten sind entsetzt. Sie warnen trotz attraktiver Renditen vor Investitionen in der Türkei.

In der Türkei bestimmt ab sofort der
Staatschef über die Geldpolitik: Bis Ende des Jahres solle die Inflation des
Landes von über 15 Prozent auf einen einstelligen Wert sinken, sagte Präsident
Recep Tay­yip Erdogan dem türkischen Sender Habertürk. Er weiß auch schon, wie
er sein Ziel erreicht: Die Zentralbank soll an der Zinsschraube drehen. Sobald
der Leitzins in der Türkei niedriger liege, werde auch die Preisbeschleunigung
deutlich zurückgehen, sagte Erdogan dem Sender.

Es ist nicht das erste Mal, dass der
Präsident von der türkischen Zentralbank niedrigere Zinsen fordert. Erdogan
liegt seit langem im Clinch mit Notenbankchef Murat Cetinkaya, weil dieser sich
bis zuletzt weigerte, die Leitzinsen zu senken. Nun aber könnte die Zentralbank
dem Druck des Präsidenten nachgeben. Denn in der Nacht zum Samstag feuerte
Erdogan den 43-jährigen Währungshüter Cetinkaya. Jetzt steht sein Vize Murat
Uyasal an der Spitze. Von ihm erwartet Erdogan mehr Gehorsam.

Ende des Monats steht in der Türkei
die nächste Zinsentscheidung an. Dann wird sich auch zeigen, wie es mit der
Wirtschaft des Landes weitergeht. Erdogan ist der Ansicht, dass Zinssenkungen
die galoppierende Inflation wirksam bekämpfen können. Die volkswirtschaftliche
Theorie sagt allerdings genau das Gegenteil: Niedrigere Zinsen wirken normalerweise
wie Brandbeschleuniger auf die Inflation, denn mit ihnen steigt die Geldmenge
im Wirtschaftskreislauf noch weiter an.

Marktbeobachter sehen die Entlassung
Cetinkayas und den gewachsenen Einfluss Erdogans auf die Geldpolitik des Landes
äußerst kritisch. Sébastian Galy, Anlagestratege bei Nordea Asset Management,
geht davon aus, dass die türkische Regierung nach dem Rausschmiss einen
aggressiveren Lockerungszyklus einleiten will, als der Markt derzeit einpreist:
„Die Zentralbank wird vermutlich ein stetiges Tempo der Lockerung verfol­gen,
was zu einer weiteren Schwächung der Lira und damit zu einer importierten
Inflation führen wird“, sagt der Anlageprofi. Als Reaktion auf die Nachricht
ist die Landeswährung bereits um 2,8 Prozent gefallen. 

Vorsicht vor türkischen Staatspapieren

Investoren rät Galy zu äußerster Vorsicht:
Eine schwache türkische Lira in Kombination mit nur geringem Wirtschaftswachstum
berge vor allem auf der Kreditseite Gefahren. Türkische Unternehmen haben
beachtliche Schulden in Euro und US-Dollar angesammelt, in der Hoffnung, dass
die Lira an Wert gewinnen wird – sie zahlen nun umgerechnet in die
Heimatwährung immer höhere Zinsen. Auch die Devisenreserven der Zentralbank
seien gering, würden gerade einmal 20 Prozent der privaten Einlagen bei
Geschäftsbanken umfassen. „Die Notenbank kann sich somit keine großen
Interventionen am Devisenmarkt leisten“, sagt Galy. Das verunsichert Haushalte
und Unternehmen. Und das wiederum belastet die Wirtschaft des Landes. Kurzum: Von
einem Investment in die Türkei rät Galy derzeit entschieden ab.

Yasemin Ravai, Anlagestrategin beim
luxemburgischen Fondsanbieter Eurizon Capital, ist ähnlich besorgt. Zwar seien
die Renditen türkischer Anleihen nach wie vor attraktiv, für zehnjährige
Staatspapiere mit einer Laufzeit von einem Jahr erhalten Investoren derzeit beispielsweise
rund 18 Prozent Rendite. Sich darauf einzulassen, das sei aber nur vertretbar, solange
sich die türkische Währung nicht bewege. Weil der Markt zuletzt fast völlig
zusammengebrochen sei, sollten Anleger von den Papieren jetzt die Finger
lassen. „Auch wir haben uns dort lediglich am kurzen Ende positioniert“, sagt
Ravai.

WisdomTree: Anleihen-Chart der Woche

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Anleger stürzen sich sowohl in Safe-Haven-Anlagen als auch in höher verzinsliche Anleihen.

Anleger sehen sich aktuell mit etwas mehr als 12,9 Billionen US-Dollar negativ verzinsten Anleihetiteln konfrontiert, was die Höchststände vom 30. Juni 2016 übersteigt.

Von Lidia Treiber, Director Research bei WisdomTree.

Dies
entspricht einem Anstieg von fast 68 Prozent seit Juli 2018 und wird in
erster Linie von negativ verzinslichen Staatsanleihen getragen. Der
Grund hierfür ist die Marktunsicherheit im Zusammenhang mit der
Verlangsamung des globalen Wachstums, den Handelskriegen und dem Brexit,
was Anleger in historisch sichere Anlagen treibt. Der Markt geht davon
aus, dass die Europäische Zentralbank eine lockere Geldpolitik fortführt
und die Zinsen weiter senkt.

Demzufolge beobachten wir eine globale
Erholung der Anleihemärkte über das gesamte Ratingspektrum hinweg.
Anleger stürzen sich sowohl in Safe-Haven-Anlagen als auch in höher
verzinsliche Anleihen. Das drückt die Renditen anschließend nach unten.
Wir gehen davon aus, dass die Höhe der negativ verzinslichen Anleihen am
Markt noch steigen wird. Das zwingt Investoren, weiterhin nach Renditen
außerhalb der traditionellen, festverzinslichen Anlageklassen zu suchen
und das Risiko vorläufig in ihren Portfolios aufrechterhalten.

ChartKW29
ChartKW29
ChartKW29

Im aktuellen Umfeld der sinkenden Renditen bieten hybride Anleihen wie AT1 (Additional Tier1) CoCos1 (Contingent
Convertible Bonds) eine attraktive Performance im Vergleich zu anderen
Anlageklassen. Sie weisen per 1. Juli 2019 eine „Yield-to-worst“
(Rendite bis zum schlechtesten Zeitpunkt) von 5,52 Prozent Prozent aus
und nur 3,33 Jahre Duration unter Verwendung des iBoxx Contingent
Convertible Liquid Developed Europe AT1 (Eur Hedged) Index als Referenz.
Diese Anlageklasse richtet sich an renditeorientierte Anleger, die mit
dem Rendite-/Risikoprofil dieser Assets vertraut sind.

In Betracht
gezogen werden können europäische Hochzinsanleihen, die den liquiden
Hochzinsindex iBoxx EUR als Referenz verwenden. Dieser Index weist
derzeit eine Rendite von 3,54 Prozent auf und ist damit 1,98 Prozent
niedriger als der AT1 CoCo-Index im selben Zeitraum. Selbst Anlegern,
die sich in der Vergangenheit in Schwellenländern engagiert haben,
können AT1 CoCos derzeit noch einen Renditevorteil bringen. Emerging
Market (EM)-Unternehmensanleihen bieten 3,61 Prozent Rendite bei 5,23
Jahren Laufzeit, EM USD-Staatsanleihen 5 Prozent bei 9,42 Jahren
Laufzeit.“

1
AT1 CoCos wurden entwickelt, um Banken bei der Einhaltung neuer
Vorschriften für die Zeit nach der Finanzkrise zu unterstützen. Als
jüngste Klasse nachrangiger Anleihen sind AT1 CoCOs darauf ausgelegt,
die Kapitalverluste einer Bank in finanziellen Krisenzeiten aufzufangen.
Es handelt sich um Hybrid-Anleihen, die dazu bestimmt sind, in
Eigenkapital umgewandelt zu werden oder deren Kapital ganz oder
teilweise abgeschrieben wird, wenn bestimmte in den Anleiheunterlagen
angegebene Ereignisse eintreten.

Das vollständige Dokument Sie sich auch in der englischen Originalversion im PDF-Format  hier downloaden.

Metzler AM: Marktausblick USA

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Nach der Finanzmarktkrise wurde den US-Unternehmen lange vorgeworfen, dass sie zu wenig investieren würden. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass der Vorwurf nicht mehr berechtigt ist.

Edgar Walk nennt eine sinkende Innovationsrate als wichtigste Determinante eines zurückgehenden Produktionswachstums.

Metzler: Innovationsschwäche in den USA?

In
den USA verlangsamte sich das Produktivitätswachstum seit der
Finanzmarktkrise merklich, was die maßgebliche Ursache für das schwache
Wirtschaftswachstum seitdem ist. In der volkswirtschaftlichen Analyse
wird in der Regel das Produktivitätswachstum in zwei Faktoren
unterteilt: Innovation und Investition. Der Output pro gearbeiteter
Stunde (Produktivität) steigt, wenn beispielsweise ein Ochse durch einen
Traktor in der Landwirtschaft ersetzt wird (Investition) oder wenn eine
neu gezüchtete Weizensorte bei gleichem Input an Dünger und Pestiziden
einen höheren Ertrag liefert (Innovation).

Nach
der Finanzmarktkrise wurde den US-Unternehmen lange vorgeworfen, dass
sie zu wenig investieren würden. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass
der Vorwurf nicht mehr berechtigt ist. Berechnet man den langfristigen
Trend seit 1980 – mit Beginn der aktuellen Niedriginflationsphase –,
dann liegen die nominalen Investitionsausgaben fast wieder im
langfristigen Trend. Zwar zeigten die Auftragseingänge für
Investitionsgüter (Donnerstag) zuletzt etwas Schwäche, was jedoch auf
den Handelskonflikt zurückzuführen ist. Grundsätzlich entwickelten sich
die Investitionsausgaben ordentlich; da die Unternehmenssteuerreform als
Gegengewicht zu den negativen Effekten des Handelskonflikts wirkte.  

US-Investitionsausgaben fast auf langfristiger Trendlinie

Nominale Investitionsausgaben der Unternehmen in USD

US1
US1
US1

Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: 15.2.2019

Dementsprechend
ist der Beitrag der Unternehmensinvestitionen zum
Produktivitätswachstum auf Basis der Daten des Conference Boards kaum
gesunken. Der Rückgang des Produktivitätswachstums kann somit
überwiegend mit einer sinkenden Innovationsrate erklärt werden – von
einem Beitrag zum Produktivitätswachstum von etwa 1 %-Punkt pro Jahr vor
der Finanzmarktkrise auf nahezu 0 %-Punkte pro Jahr seitdem.

Verlangsamung des Produktivitätswachstums in den USA hauptsächlich Folge einer sinkenden Innovationsrate

in %-Punkten (gleitender Durchschnitt über 5 Jahre)

US2
US2
US2

Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: 31.12.2018

Dieses
Ergebnis ist doch sehr überraschend angesichts der US-amerikanischen
Innovationsführerschaft in der Digitalisierung. Zwei Erklärungen sind
für den Rückgang des Produktivitätswachstums denkbar. So könnte es sein,
dass die Statistikbehörde das Wirtschaftswachstum seit der
Finanzmarktkrise um etwa 1,0 % pro Jahr unterschätzt, da die neue
digitale Welt nur schwer statistisch zu erfassen ist. In diesem Falle
würde auch der Beitrag der Innovation zum Produktivitätswachstum
automatisch wieder von etwa 0 %-Punkten auf 1,0 %-Punkte steigen, und
die Verlangsamung des Produktivitätswachstums wäre nur ein statistisches
Artefakt.

Die andere Erklärung ist, dass die Digitalisierung bisher nur
die Konsumgewohnheiten geändert hat, aber nicht nennenswert die
Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Auch könnten sich die hohen
Produktivitätssteigerungen infolge der Digitalisierung nur auf wenige
Unternehmen beschränken und kaum auf die Gesamtwirtschaft ausstrahlen.  

Wäre
das tatsächliche Wirtschaftswachstum höher als in der Statistik
ausgewiesen – im zweiten Quartal (Freitag) wird mit einem Wert von 2,6 %
gerechnet –, dann wäre das Zinsniveau gegenüber der erzielbaren Rendite
auf das eingesetzte Kapital viel zu niedrig, und ein Investitionsboom
wäre zu beobachten. Das nur moderate Wachstum der zinssensitiven
Sektoren spricht eher dafür, dass es sich um eine wirkliche Wachstums-
und Produktivitätsschwäche handelt. Am Mittwoch werden noch die Neubauverkäufe und die Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht.

EZB vor großen Ankündigungen

EZB-Präsident
Draghi kündigte bei seiner Rede in Portugal Anfang Juni weitere
geldpolitische Maßnahmen an und weckte damit große Erwartungen der
Finanzmarktakteure. Allerdings rechnen sie noch nicht mit konkreten
Schritten auf der Sitzung diesen Donnerstag, sondern nur mit der
Ankündigung einer geldpolitischen Strategie, um die Konjunktur wieder
auf Kurs zu bekommen und die Inflationserwartungen wieder bei 2,0 % zu
verankern.

Für
die EZB wäre es gefährlich, die Erwartungen zu enttäuschen. Eine neue
Studie ( vgl. Jordà et al., 2019) kommt nämlich zu dem Schluss, dass die
Entwicklung am Arbeitsmarkt oder der Output Gap schon seit 1999 keinen
signifikanten Effekt mehr auf die tatsächliche Inflationsentwicklung
hat. Von 1999 bis 2008 beeinflusste hauptsächlich die vergangene
Inflationsentwicklung die zukünftige, da die Inflation über diesen
Zeitraum mehr oder weniger stabil war, sodass der Koeffizient der
vergangenen Inflation automatisch einen hohen Wert annimmt.

Seit 2008
spielen jedoch die Inflationserwartungen eine deutlich größere Rolle.
Die Zentralbanken müssen daher verstärkt Erwartungsmanagement betreiben,
was der EZB zuletzt nicht sehr gut gelungen ist. Die langfristigen
Inflationserwartungen laut Inflationsswaps sind mit derzeit 1,23 % weit
von dem Inflationsziel von 2,0 % entfernt.  

Die Realwirtschaft hat keinen Einfluss mehr auf die Inflation

Koeffizienten der Einflussfaktoren auf die Inflation

Realwirtschaft
Realwirtschaft
Realwirtschaft

Quellen:
Òscar Jordà, Chitra Marti, Fernanda Nechio, and Eric Tallman (2019):
Why Is Inflation Low Globally?; FRBSF Economic Letter

Darüber
hinaus muss die EZB auch ein Auge auf die Konjunktur werfen. Die
spannende Frage ist, ob die Rezession in der Industrie den
Dienstleistungssektor mit nach unten zieht, oder ob der
Dienstleistungssektor ein konjunktureller Stabilisator sein kann. Die
Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch) sowie der ifo-Index (Donnerstag)
werden darüber Auskunft geben. Sollte sich die Konjunktur schwächer als
erwartet entwickeln, bräuchte die EZB Unterstützung durch die
Fiskalpolitik auf europäischer Ebene.  

Entweder harter Brexit oder kein Brexit

Voraussichtlich wird Boris Johnson am Dienstag zum neuen Parteivorsitzenden und damit zum neuen Premierminister ernannt.  

Grundsätzlich
hat sich seit dem Brexit-Referendum nichts geändert, und meine Aussagen
vom August 2018 gelten immer noch: „Eigentlich könnte der Brexit so
einfach sein: Großbritannien verlässt die EU im März 2019 und verhandelt
anschließend in einer Übergangsphase ein Freihandelsabkommen à la
Kanada. Zudem könnte die EU Großbritannien den Zugang zu europäischen
Institutionen wie dem Patentamt etc. gewährleisten – gegen Zahlung
natürlich.

Der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel beschrieb
die britische Verhandlungsstrategie denn auch treffend: „Before, they
(the British) were in with a lot of opt-outs; now they are out and want a
lot of opt-ins.” Der Knackpunkt ist jedoch die irische Grenze. In dem
„Kanada-Modell“ ist es nicht möglich, die Grenze zwischen der Republik
Irland und Nordirland offenzuhalten – für die notwendigen Personen- und
Zollkontrollen müsste sie geschlossen werden. Daher gibt es nur eine
Entweder-oder-Lösung: einen harten Brexit oder einen sehr weichen
Brexit, also einen De-facto-Verbleib in der EU.“

Die
Verhärtung der Rhetorik in den vergangenen Tagen spricht dafür, dass
Boris Johnson nun einen harten Brexit anstrebt. Wahrscheinlich können
ihn nur ein erfolgreiches Misstrauensvotum und Neuwahlen davon abhalten.
Dadurch, dass die Labor-Partei nun ins „Remain“-Lager gewechselt ist,
würde es bei den Neuwahlen um entweder einen harten Brexit oder Remain
gehen.  

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management

Den gesamten Marktausblick können Sie sich hier auch im PDF-Format downloden.

WisdomTree: Silberpreis-Prognose

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Auf Jahressicht erwarten wir daher ein Plus bei Silber um fast 7 Prozent, was über den von uns erwarteten 5 Prozent für Gold liegt.

Silber hat eine hohe Korrelation zu Gold. Beim Thema Handelskrieg gibt es jedoch divergierende Effekte.

Von Nitesh Shah, Director Research und Rohstoffexperte bei
WisdomTree.

Zusammenfassung:

Die Rallye bei Silber wird sich fortsetzen, wird aber
voraussichtlich nicht vollständig zum Gold aufschließen. Im Juni 2019 brachen
die Goldpreise aus und stiegen um 10 Prozent. Silber hingegen legte nur um 6
Prozent zu.

Unserem Prognosemodell zufolge ist ein Anstieg des
Silberpreises von 15,3 US Dollar Ende Juni 2019 auf 17,0 US Dollar pro Feinunze
bis Ende Dezember 2019 zu erwarten, bevor er bis Ende Juni 2020 auf 16,5 US
Dollar zurückgeht.

Auf Jahressicht erwarten wir daher ein Plus bei Silber um
fast 7 Prozent, was über den von uns erwarteten 5 Prozent für Gold liegt. Es
ist jedoch unwahrscheinlich, dass Silber die jüngste Kursentwicklung von Gold
vollständig einholen wird.

Die Bewegungen beim Gold- und Silberpreis weisen eine
Korrelation von fast 80 Prozent auf. Aber einige der Merkmale, die die
Goldpreise im Moment antreiben, sind vielleicht nicht so unterstützend für
Silber: So befeuern beispielsweise Ängste vor Handelskriegen die geopolitische
Prämie bei Gold.

Wenn diese Ängste jedoch die Nachfrage nach Industriegütern
beeinträchtigen, könnte Silber darunter leiden, denn mehr als 50 Prozent des
Edelmetalls wird für industrielle Anwendungen verwendet. Wir gehen davon aus,
dass die globalen PMIs im verarbeitenden Gewerbe weiter sinken. Das könnte sich
jedoch ändern, wenn die Handelsverhandlungen wieder auf Kurs kommen. Unser
Prognosemodell bei Silber berücksichtigt, dass die Investitionen in den Bergbau
gestiegen sind – was mit Verzögerung zu einer höheren Metallproduktion führt.

Den vollständigen Ausblick können Sie sich hier im PDF-Format downloaden.

Die Qualität der Berater wird immer besser

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Vermittler sind nach der neuen IDD-Richtlinie gezwungen, sich mindestens 15 Stunden pro Jahr weiterzubilden.

Die IDD-Richtlinie wurde von vielen Maklern kritisch gesehen. Nun zeigt sich: Die Anzahl der Vermittler nimmt tatsächlich ab. Doch durch die Weiterbildungspflicht steigt die Qualität.

Wie beurteilen Vermittler und Vermittlerinnen die Umsetzung der IDD-Richtlinie? Anfang dieses Jahres veröffentlichte der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW dazu eine Umfrage, die das Stimmungsbild unter Makler auf den Punkt brachte und eine deutliche Skepsis in der Branche erkennen ließ. Das Ergebnis der Befragung: Nicht ganz die Hälfte der Makler überzeugte der Regulierungsgedanken der IDD. Der Regulierung der Finanzanlagenvermittlung gemäß § 34f GewO standen ebenfalls nur 42 Prozent der Befragten positiv oder sehr positiv gegenüber. 63 Prozent der rund 1.300 befragten Vermittler gab an, keine positiven Auswirkungen der IDD-Umsetzung erkennen zu können. Kein Wunder: In der Praxis hapert es oft an der Umsetzung. Nur die Hälfte der Vermittler sah sich laut Umfrage genötigt, ihre Abläufe an die IDD-Vorgaben anzupassen. Dafür gaben 90 Prozent an, dass der gestiegene Administrationsaufwand lästig sei.

Die Branche schrumpft

Schon Anfang des Jahres zeigte sich: Die IDD-Richtlinie wird die Branche verändern. 34 Prozent der Makler wollten sich laut Umfrage aufgrund des gestiegenen Verwaltungsaufwands auf bestimmte Produkte konzentrieren. Und neun Prozent wollten ihr § 34d Geschäft sogar ganz aufgeben. Ein halbes Jahr später lässt sich feststellen: Tatsächlich schrumpft die Branche. Das zeigt die Statistik des Versicherungsvermittlerregisters. Im zweiten Quartal 2019 haben sich mehr als 500 Vermittler ausgetragen. Damit ist ein neuer Tiefststand von 199.421 Vertretern, Maklern und Beratern erreicht.

Allein bei den erlaubnisfreien Vertretern, die von Versicherern ein- oder auch wieder ausgetragen werden, sind in den vergangenen drei Monaten fast 600 Vertreter verschwunden, seit Jahresbeginn sind es rund zweitausend. Ein Grund für den Schwund ist die Einführung einer allgemeinen Weiterbildungspflicht. Insbesondere viele nebenberufliche Vertreter wollen sich den Aufwand ersparen. Schließlich  sind Vermittler nach der neuen IDD-Richtlinie gezwungen, sich mindestens 15 Stunden pro Jahr weiterzubilden. Das bedeutet nicht nur Zeit- sondern auch erheblichen Kostenaufwand.

Rechnet man die Entwicklung des ersten Halbjahres auf das ganze Jahr 2019 und für die kommenden Jahre im gleitenden Durchschnitt die Veränderungsraten der Jahre seit 2011 hoch, könnte bis Anfang 2024 die Zahl der eingetragenen Vermittler auf knapp 170.000 fallen. Das wären 36 Prozent weniger als noch Anfang 2011 oder beinahe 100.000 Vermittler. Bei den erlaubnisfreien Vertretern werden in fünf Jahren nach dieser Hochrechnung sogar fast die Hälfte aus dem Markt ausgeschieden, bei den Vertretern mit Gewerbeerlaubnis rund 13 Prozent.

Die Qualität steigt

Diejenigen, die dabei bleiben, kommen ihrer Weiterbildungspflicht fleißig nach. Das zeigen aktuelle Zahlen der Weiterbildungs-Interessengemeinschaft „gut beraten“. Einer aktuellen Erhebung zufolge haben bereits 32.816 Teilnehmer die Zielvorgabe für das laufende Jahr erreicht. Mehr als 8.000 Vermittler haben sich sogar 30 Stunden weitergebildet. Der Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) konstatiert in seiner aktuellen Strukturanalyse: „Knapp 65 Prozent der Vermittler favorisieren nach dieser Analyse das 30-stündige gut beraten-Weiterbildungsziel, das über den 15-stündigen gesetzlichen Standard hinausgeht.“, so BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli. Von den bundesweit 199.421 Versicherungsvermittlern im Register des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurden 147.805 Weiterbildungskonten für den Weiterbildungsnachweis nach IDD genutzt. Das sind immerhin 85 Prozent aller registrierten 173.660 Konten.

Derzeit beteiligen sich an der Weiterbildungs-Gemeinschaft 61.878 Ausschließlichkeitsvermittler (36 Prozent) und weitere 39.987 Vermittler im angestellten Außendienst (23 Prozent). Makler (28.881) und Mehrfachagenten (8.727) haben einen Anteil von 22 Prozent. 22.416 Personen mit einem Weiterbildungskonto sind Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmen (13 Prozent).

Für China-Investoren steigen die Chancen

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Die chinesische Politik hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt

China vermeldet weiterhin sinkende Wachstumszahlen. Für Investoren ist das allerdings kein Grund, sich aus dem Markt zurückzuziehen, sagen Experten bei Jupiter Asset Management und der Capital Group. Im Gegenteil.

Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist erneut zurückgegangen. Mit nur noch 6,2 Prozent lag das Plus im zweiten Quartal zwar noch innerhalb der Zielvorgabe der chinesischen Regierung, war aber zugleich so schwach wie seit dem Jahr 1990 nicht mehr. Für Charles Sunnucks, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management, ist das aber kein Grund zur Sorge. Er behält die chinesische Politik genau im Auge. Die Partei hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt. „Wie immer bleibt es aber ein schwieriger Balanceakt, dringend notwendige Reformen umzusetzen und gleichzeitig die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren“, kommentiert Sunnucks die Lage in China.

Die größte Unbekannte bleibt der Handel. Neben dem BIP-Wachstum schrumpfte zuletzt auch das Exportwachstum. Das verunsichert Unternehmer und Investoren. Jupiter-AM-Fondsmanager Sunnucks unterscheidet bei Investments nun nach zwei Arten von Unternehmen: „Diejenigen, die in einer wachsenden Wirtschaft lediglich zyklische Gewinne erwirtschaften, und solche, die eine solide Performance auf Grundlage echter, struktureller Faktoren erzielen.“ Letztere gewinnen seiner Meinung nach in Zeiten nachlassenden Wachstums für Investoren an Bedeutung. Dabei spielt auch die Entwicklung der Gesellschaft in Asien eine große Rolle. Die Mittelschicht in asiatischen Ländern wächst rasant. So entsteht eine immer breitere Mittelschicht mit steigendem Einkommen.

Chancen für Stock Picker

Das wirkt sich besonders auf den Binnenmarkt in China aus. Dort sieht Richard Carlyle, Investment Director bei der Capital Group, auch die größten Chancen. Denn China öffnet seinen Markt zunehmend für ausländische Investoren: „Mehr als 800 Unternehmen, in die Ausländer bislang nicht investieren konnten, dürften ihnen in den nächsten Jahren für Anlagen zur Verfügung stehen.“ Besonders interessant sei dieser Markt für Stock Picker. Denn eine Investition in chinesische Unternehmen will gut geprüft sein. So haben Analysten chinesischen Ratingagenturen zuletzt mehrfach vorgeworfen, gegen Bezahlung zu gute Bewertungen zu vergeben. Eine eigenständige Prüfung kann sich also auszahlen. Capital-Group-Investmentstratege Carlyle träumt bereits von der großen Entdeckung: „Stellen Sie sich vor, Sie entdecken das nächste Alibaba, Baidu oder Tencent.“

Wem die Diamantensuche im Aktienmarkt zu umständlich ist, der kann möglicherweise auch bei Schwellenländer-Anleihen einen guten Fang machen. An der positiven Entwicklung der Schwellenländeranleihen hat zuletzt zu großen Teilen der US-Dollar mitgewirkt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte jüngst angedeutet, den Leitzins wohl wieder zu senken. Das hat einige Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. „Wer höhere laufende Erträge wünscht, sollte Emerging-Market-Anleihen nicht übergehen“, sagt Peter Becker, Investment Director bei der Capital Group. Ohnehin profitierten Schwellenländer mit Auslandsschulden von den niedrigen Zinsen der Industrieländer. Das gilt auch für China.