Trumps Maßnahmen gegen Huawe: Spannungen zwischen Europa und USA steigen

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Eine Meinungsverschiedenheit zwischen Washington und Peking betrifft die Technologie. Die Entwicklung von 5G zum Beispiel steht im Mittelpunkt vieler Innovationen, die auch andere Länder nutzen wollen, meint Philippe Waechter, Chefvolkswirt von Ostrum AM.

„Das Verhältnis China/USA funktionierte lange auf Basis
dieser Komplementarität. Doch seit einiger Zeit verschiebt sich dieses
Gleichgewicht, und im März 2019 kam der Anteil Chinas an der gesamten
US-Außenfinanzierung auf niedrige Niveaus wie zuletzt im Juni 2006 zurück.
Ebenso ging zu Beginn des Jahres 2019 das Gewicht der Vereinigten Staaten an
den chinesischen Exporten deutlich zurück (siehe Grafik auf S.2 anbei).

Der andere wichtige Punkt der Meinungsverschiedenheiten
zwischen Washington und Peking betrifft die Technologie. Meiner Meinung nach
ist dies der wichtigste Punkt im Streit zwischen den beiden Ländern. Die
Chinesen haben in den letzten zwanzig Jahren durch Technologietransfers und den
Einsatz erheblicher Ressourcen sehr schnell aufgeholt und sich nun einen
Vorsprung vor den Amerikanern, vor allem in den Bereichen 5G und Künstliche
Intelligenz, verschafft. Und wer die Standards für diese neuen Technologien
setzt, wird einen erheblichen komparativen Vorteil haben.

Diese technologische Schlacht wird sich so schnell nicht
befrieden lassen, keines der beiden Länder wird nachgeben, und deshalb scheint
die Möglichkeit einer Einigung unwahrscheinlich – es sei denn die chinesische
Wirtschaft erlebt einen heftigen Abschwung. Aber das ist nicht unser Szenario.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Die
Entwicklung von 5G zum Beispiel steht im Mittelpunkt vieler Innovationen, die
auch andere Länder als China und die USA nutzen wollen. Dies bedeutet, dass chinesische
Technologie zu einem Streitthema auch der Europäer mit den USA werden wird. Auf
einer Technologiekonferenz in Paris hat Emmanuel Macron dazu bereits deutlich
Stellung bezogen. Die Dynamik der Weltwirtschaft verändert sich, aber eine neue
Ordnung und ein neues Gleichgewicht werden sich nicht sofort einstellen.“

Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag des Chefvolkswirts
der größten Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers: US-Chinese tension makes for a fascinating time in history

Performance-Vergleich: Aktienfonds machen das Rennen

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Über fast alle Betrachtungs-Zeiträume hinweg haben sich Aktienfonds in den vergangenen Jahren besser entwickelt als Renten-, Misch- oder Geldanlagefonds. Mehr Volatilität wird eben mit mehr Rendite belohnt.

Sind Aktienfonds riskanter als Fonds anderer Asset-Klassen? Wahr ist: Aktienfonds haben im Vergleich zu Renten, Geldmarktinstrumenten oder Immobilienanlagen die höchste Volatilität. Keine andere Anlageklasse weist im Laufe eines Jahres so hohe Wertschwankungen auf. Richtig ist aber auch: Fast über alle Betrachtungszeiträume hinweg lassen sich mit Aktien die höchsten Renditen erzielen. Das zeigt die aktuelle Fonds-Statistik des deutschen Fondsverbands BVI.

Beim Blick auf diese Statistiken wird schnell jeder Zweifel ausgeräumt: Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, konnten Anleger mit Aktien in allen betrachteten Zeiträume in den vergangenen 30 Jahren höhere Renditen erzielen als mit anderen Anlageklassen. Insbesondere in Deutschland und global anlegende Aktienfonds tun sich in diesem Zusammenhang besonders positiv hervor.

Wer beispielsweise vor 30 Jahren in deutsche Aktienfonds investiert hat, konnte bis heute mit keiner anderen in der Studie untersuchten Fondskategorie höhere Renditen erzielen.

In der kurzfristigen Betrachtung schneiden Aktienfonds diesmal allerdings nicht ganz so gut ab. Die gruselige zweite Jahreshälfte 2018 hat in der Statistik Spuren hinterlassen.

Der politische Rentenmarkt

Die massiven Eingriffe der Notenbanken in den Kapitalmarkt haben den Rentenmarkt spürbar beeinflusst.  Mit Unternehmensanleihen, Euro-Langläufern und Schwellenländerbonds ließen sich in den zurückliegenden 20 Jahren über verschiedene Zeiträume hinweg fast ähnlich hohe Renditen erzielen wie mit Mischfonds. Ältere Rentenfonds, die noch Langläufer mit attraktiven Nominalzinsen im Portfolio halten konnten von der Kursperformance dieser Papiere profitieren.

Mischfonds: Die Lieblinge der Anleger

Die im Vertrieb erfolgreichste Fondskategorie der vergangenen Jahre waren Mischfonds. Das liegt vielleicht daran, dass sie mit einem angenehm bequemen Service-Versprechen locken: Anleger bekommen ein wenig Aktienperformance und riskieren dafür weniger Volatilität. Dafür sorgt der Rentenanteil im Portfolio. Dieses Versprechen konnten Mischfonds in der Vergangenheit einlösen. Wer etwa vor 25 Jahren in einen ausgewogen gemanagten global anlegenden Mischfonds investiert hat, darf sich heute über eine Rendite von 6,5 Prozent per annum freuen – bei vergleichsweise niedriger Volatilität von 6,2 Prozent.

Je länger die Notenbanken für niedrige Zinsen sorgen, wächst jedoch das Risiko, dass der Anleiheanteil in den Mischportfolios zum Problem wird. Denn auslaufende Anleihen mit ansprechenden Kupons lassen sich immer seltener gleichwertig durch neue Papiere ersetzen. Mischfonds-Manager stehen hier vor einer großen Herausforderung, wenn sie ihre Kundschaft nicht enttäuschen wollen.
Download der Statistik für Fondskategorien.

Fondsmanager wappnen sich gegen Aktien-Crash

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Während die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA die Hausse an den Aktienmärkten auf die Probe stellen, wappnen sich Investoren gegen einen möglichen Crash.

34 Prozent der von der Bank of America Merrill Lynch für ihren monatlichen Survey befragten Fondsmanager gibt an, sich über die nächsten neunzig Tage gegen fallende Kurse abzusichern. Das ist der höchste Wert, der in der Befragung je erzielt wurde und übertrifft auch das Absicherungsniveau während der Finanzkrise 2008 / 2009.

Der Anteil von Fondsmanagern, die  Aktien mit „übergewichten“ allokieren, fiel laut BoAML um sechs auf elf Prozent. Hauptsorge in der Branche ist der Handelskrieg zwischen China und den USA, das Thema nimmt seit März 2018 einen Spitzenplatz ein; lediglich die Zinspolitik der Fed und der EZB und das Wirtschaftswachstum in China konnten sich jeweils dazwischen schieben.

DIE GRÖSSTEN SORGEN DER FONDSMANAGER
DIE GRÖSSTEN SORGEN DER FONDSMANAGER

Quelle: BoAML

Allerdings ist die Besorgnis über den Handelskrieg momentan nicht so hoch wie im Sommer
vergangenen Jahres, als die beiden Nationen noch keine Gespräche
aufgenommen hatten. 

“Die Investoren haben sich gut abgesichert, rechnen aber nicht mit
einem Abbruch der Verhandlungen“, erklärt Michael Hartnett, Chief
Investment Stratege bei der BoAML.
Der S&P500 hat die Woche mit
einem Minus von 2,5 Prozent, dem höchsten Tagesverlust seit Januar,
eröffnet, als Peking am Montag ankündigte, Zölle auf US-Amerikanische
Waren im Wert von 60 Milliarden US$ zu erheben. Die Fondsmanager
glauben, dass der Index schon auf 2.305 Punkte absinken müsse, bevor die
Fed die Zinsen wieder senkt.

Zwar haben viele Fondsmanager ihr Exposure bei Aktien in den
vergangenen Tagen reduziert und teilweise in Bonds umgeschichtet, doch
sei es noch nicht zu ruckartigen Reaktionen gekommen, berichtet Michael
Horan, der bei BNY Mellon für den Handel zuständig ist. Seine Kunden
reagierten momentan noch eher passiv. Die Befragung von BoAML zeigt
jedenfalls, dass der Anteil der Fondsmanager, die Anleihen auf
„untergewichten“ einstufen, unverändert bei 34 Prozent liegt. Dagegen
ist Allokation von Cash mit „übergewichten“ um sieben auf 33 Prozent
gestiegen.

Trotz allem sehen zwei Drittel der Fondsmanager keine Gefahr einer
weltweiten Rezession bis zur zweiten Hälfte 2020 oder später, nur fünf
Prozent glauben, die Wirtschaft werde sich in den nächsten zwölf Monaten
abkühlen. Allerdings sei kurzfristig weiterhin mit einer hohen
Volatilität zu rechnen. Bei der Aktienanlage bleiben
Schwellenländer-Titel mit 34 Prozent Zustimmung weiterhin vorne in der
Gunst der Investoren. Am wenigsten überzeugt waren sie dagegen von
britischen Aktien: Die setzen 28 Prozent auf „untergewichten“. 

Der „most crowded trade“, das Thema, über das am meisten gesprochen
wird, sind im Mai jedenfalls  die Technologie-Aktien, bei denen 35
Prozent der Fondsmanager long gehen; europäische Aktien sind
demgegenüber für 16 Prozent wenig attraktiv und werden gehortet. Für den
Survey hat die BoAML 250 Fondsmanager befragt, die zusammen mehr als
687 Milliarden US$ an Assets verwalten.

Martin Hüfner: Was kommt nach dem Abschwung?

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So richtig weiß niemand, wie es mit der Konjunktur weitergeht. Alle stochern im Nebel. Hier mal ein Blick auf das, was passieren kann.

  • Der konjunkturelle Abschwung hat sich zuletzt verlangsamt. Noch ist er aber nicht vorbei.
  • Warum sowohl eine Rezession als auch ein neuer Aufschwung aus heutiger Sicht unwahrscheinlich sind.
  • Am plausibelsten erscheint derzeit ein konjunkturelles „L“ mit einer längeren Phase niedrigen Wachstums.

Wie geht es mit der Konjunktur weiter? Zuletzt gab es rund um den Globus Anzeichen, dass sich der Abschwung verlangsamen würde. Sowohl in China als auch in den USA und in Europa war das Wachstum im ersten Quartal überraschend hoch. Die Talfahrt der Wirtschaft hat offenbar eine Pause eingelegt. Es wäre jedoch zu früh, dem Abschwung endgültig „goodbye“ zu sagen. Was kann passieren?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten. Erstens kann der Abschwung wieder Fahrt aufnehmen. In dieser Woche hat der Konjunkturindikator des ZEW wieder nach unten gedreht. Es geht dann in Richtung Rezession. Das reale BIP schrumpft (im Jahr 2009 verringerte es sich am Tiefpunkt um fast 8 %). Die Arbeitslosigkeit steigt. An den Finanzmärkten kommt es zu größeren Verwerfungen. Geld- und Finanzpolitik werden alles tun, um das Schlimmste zu verhindern.

SZENARIEN DER KONJUNKTUR

ifo-Index

 Das ist es, was die „ewigen Pessimisten“ im Kopf haben. Sie meinen, der Aufschwung habe schon viel zu lange gedauert. Die Bewertungen an den Finanzmärkten seien überzogen. Überall gebe es Blasen. Die Verschuldung der Staaten und der Unternehmen sei auf Dauer nicht mehr tragfähig. Das fordere eine Korrektur. Es gäbe also noch einmal eine große Finanzkrise wie 2008/2009.

Andererseits gibt es außer dem unguten Bauchgefühl einiger Investoren keine konkreten Hinweise, dass ein solches Szenario zwingend oder auch nur wahrscheinlich ist. Das Finanzsystem ist heute risikobewusster und besser mit Kapital ausgestattet. Viele Unternehmen haben Strukturverbesserungen eingeleitet. Der Arbeitsmarkt ist stabil. In der Geschichte hat es noch nie zwei große Finanzkrisen so kurz hintereinander gegeben.

»Japan […] ist kein sterbendes Land geworden.«

Die zweite Möglichkeit ist, dass der Abschwung im Laufe des Jahres in einen Aufschwung dreht. Die wirtschaftliche Dynamik nimmt wieder zu. Das ist es, was die meisten professionellen Prognostiker derzeit annehmen. Der IWF beispielsweise geht davon aus, dass sich das Wachstum des realen BIPs der Welt 2020 von 3,3 % auf 3,6 % beschleunigt. Ähnlich der deutsche Sachverständigenrat, die Gemeinschaftsprognose der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute, die Bundesregierung, die EZB oder die OECD. Die Sachverständigen rechnen damit, dass sich das Wachstum im Euroraum von 1,2 % auf 1,4 % erhöht, in Deutschland von 0,8 % auf 1,3 %.

Die Gründe, die für eine wieder bessere Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr sprechen, sind allerdings nicht sehr überzeugend. Da wird auf zyklische Gesetzmäßigkeiten verwiesen, nach denen nach einem Abschwung stets ein Aufschwung folgt. Da wird gesagt, dass die Handelsrestriktionen wieder abgebaut werden könnten. Die Situation in Lateinamerika, Russland und im Nahen Osten wird sich verbessern. Andererseits wird sich die Lage in den USA und in Japan eher verschlechtern.

Als kritischer Beobachter hat man den Eindruck, dass bei vielen dieser Vorhersagen der Wunsch der Vater des Gedankens ist, nicht der ökonomische Verstand.

Bleibt die dritte Möglichkeit: Der Abschwung kommt zum Ende. Es gibt aber keine Rezession. Es folgt auch kein wirklicher Aufschwung. Vielmehr folgt eine Seitwärtsbewegung. Das Ergebnis ist nicht das bekannte „U“, sondern ein „L“. Das ist ein Fall, der derzeit, wenn ich es recht sehe, eher weniger diskutiert wird. Er ist aus meiner Sicht aber nicht unplausibel.

Tatsächlich fehlt es an Kräften, die die Wirtschaft wieder nach oben ziehen. Die Finanzpolitik ist zwar expansiv, aber eher nur halbherzig. Größere Konjunktur- oder Investitionsprogramme gibt es nicht. Auch die Geldpolitik ist zögerlich. Die EZB stellt etwas mehr Liquidität zur Verfügung und verschiebt die angekündigten Zinserhöhungen nach hinten. Ein Ruck wird dadurch nicht durch die Wirtschaft und die Finanzmärkte gehen. Andererseits werden die Handelsrestriktionen und die politischen Spannungen in der Welt nicht so „mir nichts dir nichts“ verschwinden und wir kommen wieder in eine heile Welt.

Das konjunkturelle „L“ muss nicht ewig anhalten. Es wird in den einzelnen Ländern auch unterschiedlich ausgeprägt sein. Für Deutschland, Italien und zum Teil Frankreich wird es zu einem Japan-Szenario kommen. Das Wachstum wird niedrig sein, vielleicht um die 1 % p. a. Die Inflation wird sich unterhalb des Stabilitätsziels von 2 % bewegen. In Deutschland wird es wieder öffentliche Defizite geben. In anderen Ländern werden die Fehlbeträge über die Maastricht-Grenze von 3 % des BIPs steigen. Die langfristigen Zinsen bleiben nominal bei Null und real (also abzüglich der Preissteigerung) negativ.

In anderen Ländern der Eurozone wie Österreich, Spanien oder den Niederlanden wird es nicht so schlimm kommen. Vor allem ist das Wachstum dort höher. Im Euroraum gibt es Spannungen, weil diese Länder eigentlich höhere Zinsen vertragen könnten.

Für den Anleger

Ein Japan-Szenario klingt auf den ersten Blick bedrohlich. So etwas will in Europa niemand haben. Andererseits hat das fernöstliche Land seit fast 30 Jahren damit gelebt, und es ist ihm in dieser Zeit nicht schlecht gegangen. Es ist kein sterbendes Land geworden. Bei Bonds kann man unter diesen Verhältnissen mit Trading oder mit Investitionen in schlechter geratete Papiere Geld verdienen. Der japanische Aktienmarkt hat sich lange Zeit mit den neuen Gegebenheiten schwer getan. In den letzten zehn Jahren ist er jedoch stärker gestiegen als etwa der DAX (Kursindex). Anleger brauchen vor einer Japanisierung keine Angst zu haben. 

Defensive Anlagen schütten in schwachen Märkten Dividenden aus

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Joyce Gordon, Investmentanalystin bei der Capital Group, über die US-Wirtschaft, das Ende der Zinserhöhungen, die Folgen der Rezession von 2008 und falsche Anreize für Manager.

Der Kalte Krieg tobte, Jimmy Carter war der erste Kandidat aus dem tiefen Süden der Vereinigten Staaten seit dem Bürgerkrieg, der zum Präsidenten gewählt wurde, und Apple Computer war eine neu gegründete Firma. Das war das Jahr, in dem Joyce Gordon ihre Karriere bei Capital Group begann. Sie begann im Alter von 19 Jahren als Assistentin – zu dieser Zeit die jüngste Mitarbeiterin, die je im Unternehmen angestellt worden war.

Es dauerte nicht lange, bis Gordon erkannte, dass die Position, die sie bei Capital bekleiden wollte, die einer Investmentanalystin war. „In den ersten Jahren war ich eine ganz normale Büroangestellte, aber ich entschied schnell, dass ich als Investmentanalystin arbeiten wollte“, erinnert sie sich. „Portfoliomanager sind darauf angewiesen, dass die Analysten die Informationen bereitstellen, die sie für ihre Anlageentscheidungen benötigen. Und das Gemeinschaftsgefühl und der gegenseitige Respekt unter den Anlageexperten haben mir wirklich sehr gefallen.“ Mit der Unterstützung von Capital machte Gordon ihren Abschluss – und studierte nachts, um einen MBA zu erlangen. 1987 wurde sie Analystin, die sich mit Spareinlagen und Krediten befasste.

„Zwei Jahre später wurde meine Verantwortung auf den Bankensektor ausgeweitet. Das war 1989, kurz vor der Krise auf dem gewerblichen Immobilienmarkt, als die durchschnittliche Bank innerhalb von 12 Monaten 67 % ihres Wertes verlor“, sagt sie. „Das war so ziemlich die einzige Gruppe von Aktien, die an Wert verlor, weil sich die Krise auf den Immobilienbereich beschränkte. Es war ein einsames Dasein. Ich erinnere daran, dass der Leiter unserer Analyseabteilung zu mir sagte: „Joyce, du hast so viel Glück. Du kannst fünf Jahre Erfahrung in einem Jahr sammeln.“

Heute ist Frau Gordon eine Aktienportfoliomanagerin und hier teilt sie ihre Sicht auf das aktuelle Umfeld und die Lehren aus Anlagen in volatilen Märkten.

Die US-Wirtschaft befindet sich deutlich in einer späten Phase ihres Konjunkturzyklus. Wie denken Sie heute über die Portfoliopositionierung? Machen Sie irgendetwas anders?

Nun, da die Federal Reserve ihre Zinserhöhungen gestoppt hat und eine zurückhaltendere Haltung einnimmt, gehe ich davon aus, dass sich die jahrzehntelange Expansion in den USA fortsetzen kann, auch wenn wir uns in einer späten Phase des Zyklus befinden. Ich denke auch, dass die Märkte weiterhin eine Aufwertung bieten können.

Die Aktienmärkte sind jedoch im späten Zyklus tendenziell volatiler. Das liegt zum Teil daran, dass die Ordervolumina zurückgehen – oder zumindest auf einem gleichbleibenden Niveau verharren – was das Potenzial erhöht, dass Unternehmen erhöht, ihre Gewinnprognosen zu verfehlen. Ich erwarte also, dass die Märkte in Zukunft volatiler werden.

In diesem Umfeld werde ich eher defensiv agieren und konzentriere mich auf etablierte Unternehmen, die nachweislich stabile Erträge generieren – unabhängig davon, was in der Wirtschaft geschieht.

Mit welcher Art von Unternehmen befassen Sie sich heute, die diese Qualitäten haben könnten?

Versorger mit langfristigen Verträgen und einer stabilen Zinsbasis halten sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten tendenziell gut. Ich betrachte auch Vertragspartner des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums sowie Unternehmen in der Gesundheits- und Lebensmittelbranche, von denen sich viele bei Marktrückgängen in der Vergangenheit besser als der Markt behauptet haben.

Diese Arten von Unternehmen weisen tendenziell eine niedrige Verschuldung auf. Manchmal verfügen Sie über eine hohe Nettoliquidität. Und viele von ihnen schütten Dividenden aus. Aber ich suche nicht nur nach einer hohen Dividendenrendite – je länger diese Expansion anhält, desto mehr Aufmerksamkeit widme ich der Nachhaltigkeit von Dividenden. Ich möchte sicherstellen, dass ein Unternehmen seine Dividende über den gesamten Zyklus zahlen kann. Sollte ein Unternehmen beschließen, seine Dividende zu kürzen, bricht die Unterstützung für den Aktienkurs zusammen. So war es bei vielen Unternehmen in der großen Rezession von 2008 und 2009.

Welche Lehren haben Sie aus der Rezession von 2008 und anderen schwachen Märkten im Laufe Ihrer Karriere gezogen?

Eine wichtige Lektion, die ich gelernt habe, ist, Unternehmen mit hohen Schulden zu vermeiden. Unternehmen, die in erheblichem Maße Schulden tilgen müssen, stehen vor einer Reihe von Herausforderungen. Zum Beispiel könnten sie von den Ratingagenturen unter Druck gesetzt werden, ihre Dividende zu kürzen, so dass sie für ihre Anleihenemissionen ein Investment-Grade-Rating beibehalten können.

Eine andere Sache, die ich gelernt habe, ist, genau zu beobachten, was Führungskräfte und Vorstände tun. Nehmen wir Washington Mutual als Beispiel – ein Unternehmen, das während der Finanzkrise 2008 zusammenbrach. Als die Krise ihren Lauf nahm, erstellte die Bank eine Beschlussvorlage, die die Prämienstruktur für die Führungsebene ändern und die Auswirkungen von Kreditausfällen beseitigen sollte. Mit anderen Worten, die Führungsebene wurde durch Volumen und nicht durch Qualität motiviert. Rückblickend hätte das ein verräterisches Zeichen sein müssen, dass etwas Schreckliches bevorstand.

Dinge dieser Art sehe ich heute nicht mehr viele. Einige Unternehmen geben jedoch Anleihen aus, um Aktien zurückzukaufen und ihre Dividenden auszuschütten, anstatt den freien Cashflow zu verwenden. Es ist verlockend für Unternehmen, dies zu tun, weil die Zinssätze so niedrig sind, aber es kann ein Warnzeichen sein.

Ich habe auch einige Unternehmen gesehen, die in der Regel jedes Jahr ihre Dividende erhöht haben, dies aber im Verlauf des letzten Jahres noch nicht getan haben. In vielen Fällen waren dies die Unternehmen mit einem hohen Fremdkapitalanteil, die sich Sorgen um die Tilgung von Schulden machen. Wir haben das bei einigen Lebensmittelunternehmen gesehen. Dies lässt darauf schließen, dass Umsatzwachstum in diesem späten Zyklus schwieriger zu erzielen ist.

Verfolgen Sie einen defensiveren Ansatz?

Da die Erhaltung des Kapitalgrundstocks eine so wichtige Komponente dafür ist, langfristige Anlagerenditen zu erzielen, denke ich immer darüber nach, was ich tun kann, um mich vor Verlusten zu schützen. Heute halte ich mehr Bargeld als sonst. Das liegt zum einen daran, dass wir uns so spät im Konjunkturzyklus befinden, und zum anderen, weil mich die Bewertungen etwas nervös machen. Zwar gebe ich etwas vom Marktrenditepotenzial auf, aber das Halten von Bargeld kann dazu beitragen, die Volatilität des Marktes auszugleichen. Und wenn eine Marktkorrektur erfolgt, habe ich die erforderlichen Mittel, um in gute Unternehmen zu relativ attraktiven Bewertungen zu investieren.

Außerdem schaue ich mir an, wie es Unternehmen in früheren Abschwüngen ergangen ist, um eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich immer oder normalerweise gut behaupten, im Vergleich zu denen, die nicht so gut abschneiden, zu analysieren. Es ist in der Regel ein guter Ausgangspunkt, Fragen zu Unternehmen zu stellen, die wir halten oder halten wollen. Wir gehen alle Szenarien durch und versuchen sicherzustellen, dass wir uns vor Abwärtsrisiken schützen, während wir weiterhin am Markt teilnehmen.

Joyce Gordon

Joyce Gordon

Aktien-Portfoliomanager

Joyce verfügt über 38 Jahre Investmenterfahrung und ist seit 43 Jahren bei der Capital Group tätig. Zu Beginn ihrer Karriere berichtete sie als Aktienanalystin über Unternehmen aus den Bereichen Sparsamkeit, Bankwesen sowie Papier- und Forstprodukte. Sie hat einen MBA und einen Bachelor-Abschluss in Business Finance von der University of Southern California.

„Game of Trades“

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Wer Spannung bei der letzten Folge der Erfolgsserie Games of Thrones vermisste, kann sich getrost den geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China zuwenden, schreibt Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei LFDE.

Die letzte Folge der Erfolgsserie Game of Thrones hat die Zuschauer, so scheint es, ein wenig enttäuscht. Doch Fans von geopolitischen Intrigen und Thrillern können sich damit trösten, dass die aufsehenerregendste Geschichte des vergangenen Jahres nun mit großem Getöse fortgesetzt wird: der Handelskrieg!

Während Anleger auf eine Entspannung zwischen den USA und China gesetzt hatten und ein Handelsabkommen zwischen den beiden Supermächten greifbar schien, brachte Donald Trump diese Zuversicht wieder ins Wanken. In einem Tweet vom 5. Mai 2019 drohte der US-Präsident, die Zölle auf chinesische Importprodukte im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen. Zudem verkündete er, dass weitere Produkte im Wert von 325 Milliarden US-Dollar ebenfalls mit 25 Prozent verzollt werden könnten. Grund hierfür war offenbar eine Kehrtwende Chinas in den Handelsgesprächen zwischen beiden Ländern. Denn Peking hatte eine geänderte und abgeschwächte Version des vereinbarten Handelsabkommens nach Washington zurückgeschickt und hierbei insbesondere jede Zusage herausgenommen, Gesetze gegen erzwungenen Technologietransfer, Diebstahl geistigen Eigentums, beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten oder Währungsmanipulation zu erlassen – also alle wichtigen Punkte, die seit mehreren Monaten verhandelt worden waren.

Am Mittwoch bezichtigte Donald Trump auf einer Wahlveranstaltung in Florida China, „das Abkommen gebrochen“ zu haben. Gleichzeitig kündigte das chinesische Handelsministerium für den Fall einer Erhöhung der Zölle seitens der USA Gegenmaßnahmen an. Am Donnerstag folgte dann eine Reihe widersprüchlicher Aussagen: Donald Trump erklärte, dass ihm eine „ausgezeichnete Alternative“ zum Abkommen unterbreitet worden sei und er sich vermutlich bald mit seinem Amtskollegen Xi Jinping treffen werde – später gab er jedoch die Verhängung von Zöllen auf weitere chinesische Importwaren bekannt. Am Freitag setzte die US-Administration die Zollerhöhung offiziell in Kraft.

Das Risiko stellt sich asymmetrisch dar. Aktuell scheint das Szenario einer Einigung zwischen beiden Parteien in den Kursen weitgehend eingepreist zu sein und es ist eine gewisse Selbstgefälligkeit der Märkte gegenüber der Situation zu beobachten. Allerdings ist das Risiko, dass die Gespräche ins Stocken geraten und ein Deal in weite Ferne rückt, durchaus weiter vorhanden. Im Extremfall könnte die Situation sogar die Sorgen um das weltweite Wachstum wiederbeleben, denn die besseren Wachstumsaussichten für das zweite Halbjahr fußen teilweise auf der Hoffnung, dass die geopolitischen Spannungen nachlassen. Obwohl die Märkte sich nach der deutlichen Rally am Jahresanfang auf hohen Niveaus bewegen, erscheinen uns Vorsicht und Misstrauen ratsam. Wir haben unsere Portfolios daher, insbesondere bei den Allokations- und diversifizierten Fonds, in erheblicher Weise abgesichert.

Der Finger Gottes

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Immer wieder schafft es Donald Trump, mit seinem Finger auf der Tastatur von Twitter die Märkte erzittern zu lassen. So sendete auch sein jüngster Tweet über die Unstimmigkeiten mit den Chinesen im Zollstreit anlässlich des am 10. Mai auslaufenden Ultimatums Schockwellen an die Börsen.

Nach den seit Jahresbeginn verzeichneten zweistelligen Kursaufschlägen ist damit eine durchaus willkommene Korrektur erfolgt. Die Anleger verlassen sich demnach auf den „Finger Donalds“, und fast könnte man vom „Finger Gottes“ sprechen, wenn man die quasi himmlische oder göttliche Performance der US-Börsen und Wirtschaft betrachtet, die beide derzeit einen Allzeitgipfel erreichen.

Eine naheliegende Entwicklung, schließlich ist der „Finger Gottes“ auch ein Berg, genauer gesagt ein 3.973 Meter hoher Vorgipfel im französischen Meije-Massiv. Mit seiner Strategie der Rückeroberung des Welthandels und seinem festen Willen, die internationalen Kapitalströme auf sein Land zu lenken, ist es ihm wie keinem Präsidenten zuvor gelungen, die Finanzmärkte in Hochstimmung zu versetzen.

Das Ergebnis ist auch ein erstaunlich starker Dollar (der mit 1,12 gegenüber dem Euro notiert). Beiderseits des Atlantiks weisen die Geschäftsberichte weiterhin einen insgesamt hohen Anteil positiver Überraschungen auf. Da es sich um die Zahlen für das erste Quartal handelt, ist es für eine Anhebung der Gewinnerwartungen für das Jahr 2019 jedoch noch zu früh. Bislang ist es im Übrigen vor allem jener „Finger Gottes“, der die Anleger beschäftigt, und der Ausdruck passt auch deshalb zum amerikanischen Präsidenten, weil mit ihm die Wirbelstürme bezeichnet werden, die regelmäßig durch das Tornado Valley im Zentrum der Vereinigten Staaten fegen. Es ist gut möglich, dass angesichts der niedrigen Handelsvolumen (der Mai ist im Allgemeinen ein Monat niedriger Volumen) und vor der Europawahl kaum ein Anleger das Wagnis eingeht, in risikobehaftete Vermögenswerte zu investieren, sofern es nicht zu einer endgültigen Einigung im Handelskrieg kommt. Die jetzige Korrektur dürfte den letzten Mohikanern unter den Anlegern, die noch immer tapfer an Europa glauben, neue Einstiegschancen liefern. Bei den Bewertungsniveaus ist vor dem Hintergrund der konjunkturellen Aufhellung eine Entspannung absehbar.

Um Europa machen Investoren noch immer einen weiten Bogen, auch wenn sie eigentlich wissen, dass die Union nicht auseinanderbrechen wird. Doch heute möchte eben jeder auf der Seite der „Hand“ oder des „Fingers Gottes“ sein. Wie durch einen seltsamen Zufall war es auch an einem 10. Mai (doch im Jahr 1508), dass der Papst Julius II. Michelangelo mit der Ausschmückung der berühmten Decke der Sixtinischen Kapelle in Rom beauftragte. Dieser malte daraufhin den berühmten „Finger Gottes“, der den Lebensfunken auf Adam als ersten Menschen überträgt (wobei sich die beiden Zeigefinger fast berühren). Ohne allzu tief in diese mystische religiöse Symbolik einzutauchen, lässt sich überspitzt behaupten, dass auch Präsident Trump ein neues (wirtschaftliches) Wesen erschaffen hat – und eine ganz neue Art, sein Land, die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte zu lenken.

Marktkommentar von Igor de Maack, Fondsmanager bei DNCA Investments

Kann sich die Gesundheitsbranche von „Medicare für alle“ erholen?

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Ein Gesetzesvorschlag zur Ausweitung von Medicare und Abschaffung privater Krankenversicherungen in den USA hat US-Gesundheitsaktien zuletzt herbe Kursverluste beschert. Andy Acker, Portfoliomanager, und Rich Carney, Research Analyst im Global Life Sciences Team von Janus Henderson, erläutern, was dies für Anleger bedeutet.

Für Gesundheitsaktien kamen die letzten Woche einer Rosskur gleich. Am 10. April präsentierte Senator Bernie Sanders, einer der Anwärter der Demokraten auf das Rennen um das Weiße Haus im nächsten Jahr, einen Vorschlag für ein „Medicare-for-all“-Krankenversicherungssystem. Sein Plan sieht vor, die private Krankenversicherung zu eliminieren und Medicare, das landesweite Krankenversicherungsprogramm für Menschen ab 65 Jahren, auf alle Amerikaner auszuweiten.

Kaum verwunderlich, dass die Kurse von Managed-Care-Aktien einbrachen: Vom 10. bis 18. April büßten sie nahezu zehn Prozent ein. Auch andere Teilbranchen wurden vom Kurssturz erfasst, darunter Biotechnologie und Pharma, die im selben Zeitraum sieben bzw. vier Prozent verloren. Unter dem Strich tritt der Gesundheitssektor damit seit Jahresbeginn auf der Stelle, während sich das Plus für den S&P 500 Index auf 16 Prozent summiert (Quelle: Bloomberg, Stand: 18. April 2019. Renditen in US-Dollar.)

Bestandsaufnahme nach dem Ausverkauf

Dass Anleger die Sorge umtreibt, wie es in der Gesundheitsbranche in den USA weiter geht, ist nur zu verständlich. Dabei ist der „Medicare für alle“-Vorschlag beileibe nicht der erste Plan für eine Ein-Kostenträger-Krankenversicherung in den Vereinigten Staaten. Sanders aber gehört derzeit zu den aussichtsreichsten Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Zudem wurde sein Gesetzentwurf von anderen prominenten demokratischen Anwärtern unterstützt, darunter die Senatoren Kirsten Gillibrand, Elizabeth Warren und Cory Booker. Daher steht zu vermuten, dass die Gesundheitsreform eines der zentralen Wahlkampfthemen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten sein wird. Darüber hinaus nutzte die UnitedHealth Group, eine der größten Privatversicherungen in den USA, die Präsentation ihres Quartalsergebnisses im April, um sich öffentlich mit dem Vorschlag auseinanderzusetzen, was Anleger noch mehr zu verschrecken schien.

Dass eine Krankenversicherung für alle in Amerika Realität werden könnte, halten wir jedoch für unwahrscheinlich. Und das aus diversen gewichtigen Gründen:

Fehlende Unterstützung über Parteigrenzen hinweg: Auch wenn sich einige Präsidentschaftsbewerber für den Vorschlag mächtig ins Zeug legen, zögern einflussreiche Demokraten im Repräsentantenhaus wie im Senat noch, ihn zu unterstützen. Dazu zählt auch die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, die nach eigenem Bekunden lieber die Gesundheitsreform des früheren Präsidenten Obama verbessern will. Derweil verfügen die Managed-Care-Unternehmen über enorme Lobbymacht und erhebliche finanzielle Mittel, mit denen sie gegen den Gesetzentwurf zu Felde ziehen können.

Erhebliche Kosten: Was es kosten würde, das amerikanische Gesundheitssystem auf eine Einheitskrankenversicherung umzustellen, weiß niemand so genau. Einigen Schätzungen zufolge könnten die Gesundheitsausgaben in den nächsten zehn Jahren um etliche Billionen Dollar steigen, je nachdem, welche Leistungen gewährt und wie hoch die Kostensätze für Krankenhäuser und andere Gesundheitsanbieter ausfallen. Andere Schätzungen gehen von einem Rückgang der Kosten aus.

Die Ausgestaltung der Leistungen und die Höhe der Kostensätze sind die Knackpunkte. Heute tragen die Zahlungen privater Krankenversicherungen an Krankenhäuser und andere Gesundheitsanbieter dazu bei, die von Medicare ausgehandelten niedrigeren Tarife zu subventionieren. Müssten sie die geringeren Medicare-Sätze künftig für alle Leistungen akzeptieren, drohen vielen Ärzten wohl Einkommenseinbußen oder gar der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Etliche Krankenhäuser – von denen die meisten nicht gewinnorientiert betrieben werden – müssten vermutlich von heute auf morgen ihre Pforten schließen.

Aber auch wenn das staatliche Gesundheitsprogramm Medicare auf breite Zustimmung stößt, hat es doch diverse Schwachstellen. Eine der größten ist der Treuhandfonds, der für die stationären Krankenhausleistungen im Rahmen von Medicare aufkommt und dem Prognosen zufolge 2026 wohl das Geld ausgehen wird. Um den Fonds aufzustocken, müsste die Lohnsteuer erheblich angehoben oder aber die Leistungen massiv gekürzt werden.

Unbehagen der Verbraucher: Mit der Verabschiedung von Obamacare wurde deutlich, dass die meisten Amerikaner keine Abstriche bei ihren bestehenden Gesundheitsleistungen machen oder den Arzt ihres Vertrauens wechseln wollen. Mehr als jeder achte Amerikaner ist bereits entweder über seinen Arbeitgeber, über Medicaid oder Medicare versichert, wie die Kaiser Family Foundation ermittelt hat. Dieses System abzuschaffen, hätte wohl gravierende Folgen und würde einen erheblichen Rückschritt bedeuten.

Welche Folgen hat das für Anleger?

Alles in allem halten wir die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorschlag einer Krankenversicherung für alle Gesetzeskraft erlangt, für sehr gering (weniger als fünf Prozent). Gesundheitsaktien reagierten jedoch zunächst so, als läge die Wahrscheinlichkeit bei 20 bis 30 Prozent. In der Zwischenzeit hat der Sektor etwas Boden wieder gutgemacht. Aufgrund dieser Diskrepanz sind viele Aktien aus der Gesundheitsbranche aus unserer Sicht nun attraktiv bewertet. Viele Firmen, die wir zu den Qualitätsaktien zählen und denen wir erhebliches Wachstumspotenzial zutrauen, werden aktuell mit hohen Abschlägen gegenüber dem Markt gehandelt.

Vor allem aber glauben wir, dass die Fundamentaldaten im Managed-Care-Bereich nach wie vor solide sind. In den letzten Jahren ist es den Anbietern von Gesundheitsplänen gelungen, ihren Marktanteil auszubauen, indem sie ihre integrierten Leistungen mithilfe von Technologie verbessert haben. Ihren Patienten konnten sie so einen Mehrwert bieten und zugleich die Kosten senken. Derartige Initiativen haben die Umsatzerlöse vieler Krankenversicherer stetig steigen lassen, die wiederum ihre Dividenden aufgestockt und vermehrt Aktien zurückgekauft haben. Das schlägt sich in steigenden Kursen nieder.

Zugleich erlebt der Gesundheitssektor als Ganzes nach unserer Einschätzung derzeit eine Phase beispielloser Innovationen, beflügelt durch ein besseres Verständnis des menschlichen Genoms und neuer Behandlungsmethoden. Antikörper- und Gentherapien sind nur zwei Beispiele dafür. Durch den Fortschritt in der Medizintechnik ist es inzwischen möglich, defekte Herzklappen ohne Operation am offenen Herzen zu reparieren. Roboter ermöglichen zunehmend minimal-invasive Eingriffe mit noch größerer Präzision als bisher. Im vergangenen Jahr hat die US-Arzneimittelbehörde FDA 59 neue Therapien zugelassen, so viele wie noch nie in einem Jahr. Auch für dieses Jahr rechnen wir mit weiteren spannenden Zulassungen.

Bedauerlicherweise könnte die Unsicherheit rund um die Gesundheitsreform auf kurze Sicht die Kurse in der Branche stärker beeinflussen als die Fundamentaldaten. Anleger sollten sich daher auf vermehrte Schwankungen einstellen. Aus unserer Sicht gibt es jedoch auch Wege, die Ausschläge zu minimieren. Dazu sollten sich Anleger auf Unternehmen konzentrieren, die innovative Medikamente für bislang unbehandelbare Krankheiten entwickeln. Die Kosten für Therapien, mit denen der aktuelle Versorgungsstandard deutlich verbessert wird, dürften unabhängig vom politischen Umfeld rückerstattet werden. Zudem gibt es etliche Unternehmen, die die aktuelle Debatte um das künftige Krankenversicherungssystem nicht betrifft. Darunter all jene, die einen erheblichen Teil ihrer Umsatzerlöse außerhalb der USA genieren oder Produkte wie Kontaktlinsen oder kosmetische Behandlungen anbieten, für die ohnehin keine Krankenversicherung aufkommt. Gleiches gilt für die Tiergesundheitsbranche.

Eine längerfristige Perspektive einnehmen

Wir sind der festen Überzeugung, dass die private Krankenversicherung in den USA kein Auslaufmodell ist. Aber an Reformen geht wohl kein Weg vorbei. So hat die Trump-Regierung bereits eine Änderung für Medicare vorgestellt. Demnach sollen die Hersteller einen Teil der Rabatte, die beim Kauf von Medikamenten nach aktueller Praxis an Arzneimitteleinkaufsorganisationen, Großhändler und andere Glieder der Arzneimittellieferkette fließen, an Senioren weitergeben. Zudem erwägt Washington einen Gesetzesvorschlag, nach dem die zwischen Krankenhäusern und Gesundheitsplananbietern vereinbarten Preise offen gelegt werden müssen. Auf lange Sicht glauben wir, dass solche Initiativen für die dringend benötigte Transparenz in einem hochkomplexen und kostenintensiven System sorgen könnten, das zu Recht den Zorn der Verbraucher auf sich gezogen hat. Unternehmen, denen solche Reformen zugutekämen, sei es durch Innovationen, Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen oder besseren Zugang zur medizinischen Versorgung, könnten sich als gut positioniert und damit interessante Anlagechance erweisen.

Schnäppchenjagd bei Aluminium-ETPs

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Aluminium- ETPs erhielten im vergangenen Monat den Löwenanteil der Zuflüsse. Die Anleger begaben sich auf Schnäppchenjagd, nachdem die Aluminiumpreise in diesem Jahr hinter dem Rest der NE-Metalle zurückgeblieben sind, so die Experten von WisdomTree.

Nachdem
die Aluminiumpreise in diesem Jahr hinter dem Rest der NE-Metalle
zurückgeblieben sind, hoffen Anleger jetzt auf eine Erholung der Preise. Die
Aluminiumaktien an der London Metals Exchange stiegen gegenüber der
Vorwoche deutlich, um 22,5 Prozent. Auf der Nachfrageseite wurden die
Prognosen zuletzt nach unten korrigiert. Russlands größter
Aluminiumproduzent und sein Pendant in Norwegen senkten ihre Schätzungen
für das Nachfragewachstum im Jahr 2019 auf 3 bzw. 1-3 Prozent in
Russland und Norwegen und markierten damit das langsamste Tempo seit
mindestens zehn Jahren. Dies ist im Wesentlichen auf die negativen
Auswirkungen der Handelskriege und die schwächelnde Automobilindustrie
zurückzuführen. Wir gehen davon aus, dass diese Faktoren die
Aluminiumpreise auch in der aktuellen saisonal schwachen Phase weiter
belasten werden.

Nickel-ETPs zogen weiterhin die zweithöchsten Zuflüsse unter den Rohstoffen an,
da die Fundamentaldaten dieses Marktes weiterhin attraktiv sind. Die
International Nickel Study Group (INSG) hat kürzlich ihre aktualisierten
Schätzungen zum Nickelmarkt veröffentlicht. Sie erhöhten die
Nachfrageprognose für 2019 deutlich auf 5,8 Prozent. Gleichzeitig
erwarten sie auch eine starke Angebotsausweitung um 9,2 Prozent und
damit einen Abbau des Defizits auf dem Nickelmarkt. Es ist sehr
wahrscheinlich, dass Angebotsstörungen das Defizit im Laufe des Jahres
in die Höhe treiben könnten, was den Nickelpreisen weiteren Auftrieb
verleihen würde.

Kupfer-ETPs erzielten im vergangenen Monat die dritthöchsten Zuflüsse. Wir
gehen davon aus, dass die Kupferpreise von der Wartung der
Kupferschmelze im zweiten Quartal profitieren werden, da mehrere große
Schmelzwerke eine umfassende Wartung durchführen, die im zweijährigen
Rhythmus stattfindet. Der globale Kupfermarkt hat das Jahr mit einem
moderaten Versorgungsdefizit begonnen. Wir erwarten jedoch, dass das
Versorgungsdefizit von der International Copper Study Group im Mai höher
korrigiert wird, da mehrere Kupferminen mit Problemen kämpfen. Die
Versorgung mit Kupferkonzentrat wird das ganze Jahr über begrenzt sein,
da die zweitgrößte Mine der Welt, Grasberg in Indonesien, vom Tagebau
zum Untertagebau übergeht. Las Bambas in Peru beschäftigt sich auch
kurzfristig mit Problemen und Ausfälle in Chile werden ebenfalls zu
einem weiteren Kupfermangel führen. Während die chinesischen
Kupferimporte im März gegenüber dem Vormonat um 26 Prozent stiegen, aber
um 11 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, lagen die Importe im
ersten Quartal deutlich über dem Vorjahresniveau.