Bitcoin-Skandal: 95 Prozent der Umsätze sind vorgetäuscht

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Ein Gutachten, das der Asset Manager Bitwise vorlegte, um den ersten Bitcoin-ETF für Privatanleger zu lancieren, zeigt, dass 95 Prozent der Umsätze im Bitcoin-Handel frei erfunden sind.

Unter den Fans von Kryptowährungen
gibt es einen langgehegten Traum: einen ersten Bitcoin-ETF (Exchange Traded
Fund) für Privatanleger. Doch bisher hat die US-amerikanische Börsenaufsicht
SEC alle Anträge auf ein solches Produkt abgelehnt. Der Grund:
Krypto-Handelsplätze seien im Gegensatz zu traditionellen Börsen keine
geregelten Märkte – und zu anfällig für Manipulationen. Ein Gutachten, mit dem
der US-amerikanische Asset Manager Bitwise den Bitcoin-Markt analysiert hat, behauptet
nun: 95 Prozent der Umsätze an Bitcoin-Börsen sind vorgetäuscht. Darüber
berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ).

Das bedeutet: Ein Großteil der
Bitcoins, die angeblich täglich gehandelt werden, haben den Besitzer gar nicht
wirklich gewechselt. Statt des Handelsvolumens von täglich elf Milliarden
US-Dollar, das Bitcoin-Broker im April errechnet hatten, wurden demnach nur
Bitcoin-Geschäfte in Höhe von 554 Millionen US-Dollar pro Tag abgewickelt.

Kurioserweise wollten die Initiatoren
der Bitwise-Studie aber nicht beweisen, wie unzuverlässig Kryptowährungen
funktionieren – sondern das genaue Gegenteil. Das Gutachten führten sie nämlich
ins Feld, um sich den ersten Bitcoin-ETF für Privatanleger genehmigen zu lassen.
Wie das? In der Analyse haben sie zehn Börsen identifiziert, die nicht
manipuliert würden, den Bitcoin-Handel also nicht vortäuschen. Verdächtige
Manipulationsmuster, die sie bei anderen Börsen beobachtet hatten, konnten die
Autoren hier jedenfalls nicht erkennen. Zudem hätte angesichts des
tatsächlichen Transaktionsvolumens der Handel an Future-Märkten einen viel
größeren Einfluss als angenommen. Das wiederum sollte helfen, den Markt zu
überwachen und zu kontrollieren.

Die SEC konnte Bitwise mit dieser
Um-die-Ecke-Argumentation nicht überzeugen. Die Börsenaufsicht wies den Antrag
auf Zulassung des Bitcoin-ETFs Anfang Oktober ab. Unter anderem glaubt man bei
der Börsenaufsicht nicht daran, dass derart viele Umsätze erfunden sind, wie
die Gutachter behaupten.

Bitcoin-ETF könnte dennoch bald kommen

Bitwise zeigt sich auch nach der
Niederlage zuversichtlich. „Obwohl der Ablehnungsbescheid nicht positiv
erscheint, ist dies ein produktiver Schritt auf dem Weg zu einem regulierten
Krypto-Produkt“, schreibt der Vermögensverwalter auf Twitter. In einem
weitergehenden Statement kündigte Bitwise inzwischen an, weiterhin an der
Auflage eines Bitcoin-ETF zu arbeiten – und schon bald einen neuen Antrag
einzureichen. Es ist durchaus möglich, dass der Asset Manager damit irgendwann Erfolg
hat. Schließlich haben Kryptowährungen – wie hoch die Umsätze auch sein mögen –
sich einen Platz in der Finanzwelt erobert. Auch renommierte
Finanzdienstleister haben das Potenzial von Bitcoin und Co. längst erkannt. So
bringt die US-Bank JP Morgan gerade eine eigene Kryptowährung auf den Markt, die
Regionalbörse Stuttgart hat Anfang des Jahres eine Smartphone-App für den
Kryptohandel herausgebracht. Bis zu einem Bitcoin-ETF ist es womöglich kein
weiter Weg mehr.