Klimaschutz mit Gottes Segen

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Während die Jugend zum globalen Klimastreik aufruft, diskutieren in Fulda christliche Vermögensverwalter über nachhaltige Investments. Es zeigt sich: Die Kirchen liegen mit ihren Grundsätzen zur Geldanlage voll im Trend.

Wer die Schöpfung bewahren will, ist
einerseits per Definition Klimaschützer. Anderseits ist es mit der
Willensbekundung allein nicht getan. Und so diskutieren die christlichen
Kirchen beim 19. Kirchlichen Investmenttag heute und morgen (19./20.9.) in
Fulda ganz praktisch über die Anlagechancen und Risiken, die das Klima für sie
als Investoren bietet und bereithält. Bei dem Treffen von rund 50 Vertretern
diverser Diözesen, Landeskirchen, christlicher Versorgungswerke, kirchlicher
Banken und Ordensgemeinschaften solle es um dreierlei gehen: Man will sich auf
den neuesten Stand der wissenschaftlichen Debatte bringen, die geplanten
EU-Regulierungsschritte diskutieren und sich ganz praktisch über neue
Anlagechancen fürs Kirchenvermögen informieren.

Mitveranstalterin des Kongresses ist
bereits im dritten Jahr die Schweizer Fondsgesellschaft Vontobel Asset
Management – und auch das ist ein Fingerzeig dafür, dass das Thema inzwischen
in der vollen Breite der Investmentindustrie angekommen ist. „Die Kirchen
bewegen sich in einem Spannungsfeld von ethischen Anforderungen, einem
schwierigen Kapitalmarktumfeld und Renditeerwartungen“, sagt Andreas Knörzer,
Leiter Nachhaltige Anlagen bei Vontobel: „Wir wollen aufzeigen, wie sich
nachhaltige und gesellschaftlich verantwortliche Anlagestrategien konkret
umsetzen lassen.“

Protest und Politik zwingen zum Umdenken

Mit dieser frohen Botschaft dürfen
sich die Kirchen durchaus als Trendsetter fühlen, wie der Bad Homburger
Vermögensverwalter Feri bestätigt. „Für Pensionskassen, Stiftungen und andere institutionelle
Anleger wird eine Ausrichtung an Nachhaltigkeitskriterien unverzichtbar“, sagt
Antje Biber, die bei Feri den Bereich Nachhaltigkeit verantwortet. Das hat
nicht nur mit dem deutlich erkennbaren gesellschaftlichem Wandel zu tun, wie
der Aufruf zum inzwischen dritten globalen Klimastreik für diesen Freitag
(20.9.) bestens illustriert. Die Sache hat in der Tat auch eine handfeste
politische Dimension: Die EU-Kommission hat mit ihrem aktuellen Aktionsplan zur
Finanzierung nachhaltigen Wachstums ein klares Signal an die Finanzwirtschaft
gesendet.

Beobachter erwarten schon bald neue
regulatorische Vorgaben, die unter anderem auch neuen Beratungsbedarf bei
Investoren erzeugen werden. Gesetzgeber und Anleger fordern also gleichermaßen
zu mehr Nachhaltigkeit in der Geldanlage auf. „Vor allem die jüngere
Erbengeneration fordert häufig klare Prinzipien für nachhaltige Geldanlage“, berichtet
Feri-Expertin Biber. Es gehe nicht mehr nur darum, welche Rendite ein Vermögen
erwirtschafte, sondern auch, welchen gesamtwirtschaftlichen „Impact“ man damit
erziele, was man also möglicherweise mit seinem Geld als Anleger bewirken
könne.

Kirchen kümmert der Klimawandel schon lang

Bei dieser Sinnsuche befinden sich
die Kirchen in einer durchaus guten Ausgangsposition. Immerhin fordern sie
schon lange Kreditinstitute und Vermögensverwalter dazu auf, sich auf ethisch-nachhaltige
Geschäftsprinzipien zu verpflichten. Als aktive Investoren fordern sie
Unternehmen regelmäßig auf, Menschenrechts- und Umweltstandards einzuhalten,
beispielsweise in der Autoindustrie. Und als Mitunterzeichner des „Global
Investor Statement to Governments on Climate Change“ haben sie zuletzt
gemeinsam andere institutionellen Investoren einen deutlichen Appell an die
G20-Staaten gerichtet, sie mögen alles dafür tun, die Erderwärmung mittelfristig
auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Anleger aufgepasst – Risiken nehmen zu

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Bislang zeigen sich die Aktien- und Rentenmärkte vergleichsweise unbeeindruckt von Warnsignalen wie beispielsweise der Eintrübung der Konjunktur und hohen Bewertungen. Das könnte manchen Anleger auf dem falschen Fuß erwischen.

Nachlassende
Wirkung

Frank Häusler, Chief Strategist bei Vontobel Asset Management, sieht in
Europa und China eine besonders schleppende konjunkturelle Entwicklung und
verweist darauf, dass sich viele Marktbeobachter fragen, ob den Zentralbanken
zunehmend die Kontrolle entgleitet. „Einerseits sind stützende geldpolitische
Maßnahmen willkommen, da eine ansprechende Wirtschaftsentwicklung niedrige
Zinsen und ausreichend Liquidität voraussetzt. Andererseits verlieren die
erneuten Liquiditätsspritzen zusehends ihre Wirkung, denn auch beim Geld gilt
das ökonomische Prinzip des abnehmenden Grenznutzens“, so der Experte. Vor
diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht Häuslers die Frage, ob nicht die Regierungen
gefragt sind, über steuerliche Anreize oder Investitionsprogramme die
Konjunktur zu stützen. So könnte beispielsweise Deutschland die dringend nötige
Erneuerung der Infrastruktur ohne große Anstrengungen finanzieren. „Doch Berlin
hat solchen Plänen eine klare Absage erteilt und will vorerst an einer
schwarzen Null, sprich einem zumindest ausgeglichenen Haushaltsbudget,
festhalten. Auch Italien denkt über Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft nach,
kann sich diese jedoch wegen der hohen Verschuldung nicht leisten“, so der
Vontobel-Stratege.

Hohe Bewertungen

Aus Sicht von Olivier Marciot, Senior-Portfoliomanager bei Unigestion,
haben sich die Risiken eines Korrelations-Schocks nach zehn Jahren expansiver
Geldpolitik erhöht. Der Experte verweist darauf, dass die starke und
langanhaltende Rallye in allen Anlageklassen zu extrem hohen Bewertungen
geführt hat. Im defensiven Spektrum seien sie besonders ausgeprägt. „In der
Regel braucht es jedoch einen Katalysator damit große Sektor-/Anlage-Rotationen
ausgelöst werden. Eine negative Überraschung der Zentralbanken könnte ein
Auslöser für einen solchen Ausverkauf in äußerst konzentrierten Positionen sein“,
so Marciot. Unigestion verweist darauf, dass die Handlungsmöglichkeiten der
Notenbanken immer eingeschränkter werden: „Investoren sollten verstärkt auf die
Asymmetrie (Risiko/Ertrag) in den Anlageklassen achten. Zurzeit ist die
geldpolitische Unterstützung in vollem Gange und dementsprechend werden die
Bewertungen sehr wahrscheinlich auch hoch bleiben.“ In der Asset Allocation hat
Unigestion das Engagement in Aktien und Unternehmensanleihen erhöht. Allerdings
haben die Experten die Reaktionen der Anleger auf die Zinsentscheidungen der
G10-Zentralbanken im Blick. Aus Sicht Marciots könnten diese erste Indizien dafür
liefern, dass die Zentralbankmaßnahmen nicht mehr ausreichen, um den Optimismus
der Investoren aufrechtzuerhalten.

Zuspitzung an den Kapitalmärkten

Die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments kommt zur
Erkenntnis, dass sich die Lage an den Kapitalmärkten zuletzt zugespitzt hat. „Unter
dem Strich ist die Gratwanderung für die Wertpapiermärkte im August noch
heikler geworden“ so Maya Bhandari, Portfoliomanagerin des Threadneedle (Lux) Global Multi Asset Income Fund. Das aktuelle Konjunkturumfeld bietet aus Sicht
von Columbia Threadneedle keinen Rückenwind für die Aktienmärkte. „Die
produktions- und exportlastige deutsche Wirtschaft ist wahrscheinlich gerade in
eine Rezession eingetreten, und die meisten großen Volkswirtschaften melden
einen massiven Lagerabbau. Folglich müssten ceteris paribus die Aktienkurse
sinken“, so Bhandari. Auf kurze Sicht hält Columbia Threadneedle dennoch höhere
Kurse bei Aktien für möglich. Dies wäre in einem Szenario denkbar, wenn
Fed-Chef Powell die geldpolitischen Erwartungen erfüllt und Trump seine
Drohungen im Handelsstreit mit China nicht vollständig wahrmacht. „Wir stehen
einem solchen Boom skeptisch gegenüber, der längerfristig sowohl gefährlich als
auch folgenschwer erscheint“, so die Expertin.

Anleihe- und Aktienprämien

Anleihe- und Aktienprämien
Anleihe- und Aktienprämien
Anleihe- und Aktienprämien

WisdomTree: Prognose bei Nickel – Aufwärtstrend hält an

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Eine Analyse von Nitesh Shah, Director Research beim ETP-Anbieter WisdomTree.

Der Preis für Nickel legte in den vergangenen drei Monaten um 54 Prozent zu. Auch langfristig wird Nickel aufgrund der Nachfrage aus dem Batteriemarkt teurer.

Nickel hat in den letzten drei Monaten um 54
Prozent auf 18.175 US-Dollar pro Tonne zugelegt, der  Subindex Bloomberg Industrial Metals dagegen
nur um 1,4 Prozent (bis 12. September 2019), was zum Teil auf das ab Januar
2020 in Kraft tretende Verbot von Nickelerz-Exporten aus Indonesien
zurückzuführen ist. Nickel ist ein silberweißes Metall, das Stahl und andere
Legierungen besser gegen extreme Temperaturen und korrosive Umgebungen zu
schützen vermag. Nach dieser starken Rally steht es nun im Ruf, die
Anlageportfolios zu stärken. Wir glauben nicht, dass der Aufwärtstrend bei Nickel
vorbei ist, aber der nächste Eintritt in die Gewinnzone könnte mehr Zeit
brauchen.

Nickel befindet sich bereits in einem der
größten Angebotsdefizite aller Industriemetalle. Das nun schon auf 2020 vorgezogene
Verbot indonesischer Erzausfuhren war erst im Jahr 2022 erwartet worden. Es
könnte dazu führen, dass es zu einer Unterversorgung bei Nickel kommt. Obwohl
es genügend Lagerbestände gibt, um den kurzfristigen Bedarf zu decken, besteht
die Gefahr, dass sich das Defizit ausweitet.

Industriemetalle
Industriemetalle
Industriemetalle

Prognosen sind
kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen sind mit
Risiken und Unsicherheiten behaftet.

Warum verbietet die indonesische Regierung den
Erz-Export?

Die Regierung will mehr Kontrolle über die
Nickel-Lieferkette ausüben. Mit Elektrofahrzeugen und den Batterien, die die
Nickelnachfrage positiv antreiben, will die indonesische Regierung das Land für
den bevorstehenden Anstieg der Nachfrage nach dem gefertigten Metall
strategisch positionieren. Mit dem Exportverbot will sie mehr Verarbeiter und
Schmelzer ermutigen, ihre Betriebe in Indonesien zu gründen, bevor sie das
fertige Nickelprodukt exportieren. Es ist eine riskante Politik, welche die
indonesische Regierung bereits zwischen 2014 und 2017 mit mangelndem Erfolg
ausprobiert hat. Im Jahr 2017 wurde das Verbot bis 2022 verschoben, mit der Entscheidung
vom August 2019 jedoch nun auf Januar 2020 vorgezogen.

Minen Produktion von Nickel
Minen Produktion von Nickel
Minen Produktion von Nickel

Die historische
Performance ist kein Indikator für die zukünftige Performance und alle
Investitionen können an Wert verlieren.

Langfristige Perspektiven für Nickel

Angesichts der Nachfrage aus dem
Batteriemarkt (Einführung von Elektrofahrzeugen zur Steigerung der Rohstoffnachfrage) bleiben wir bei einer
optimistischen Einschätzung für das Metall. Obwohl dies im langfristigen
Kontext zu sehen ist, deuten Prognosen von Wood Mackenzie darauf hin, dass der
Nickelmarkt von 2,3 Mio. Tonnen bis 2040 auf nahezu 4 Mio. Tonnen anwachsen
könnte. In diesem Zeitraum würde das in Batterieanwendungen verwendete Nickel
von weniger als 5 Prozent des Nickelbedarfs auf über 30 Prozent steigen.

Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf
Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf
Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf

Prognosen sind
kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen
unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Die Preise, die sich – wie im Juni 2019 – bei
schwachen 12.000 US Dollar pro Tonne befanden, hätten jedoch nicht für den
dringend notwendigen Start der Nickelförderung ausgereicht, denn die Nachfrage wird
in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen. Mit Preisen von jetzt über
18.000 US Dollar pro Tonne hat sich die Wahrscheinlichkeit hierfür verbessert.
Dieser Preisgewinn reicht wahrscheinlich immer noch nicht aus, um den Bergbau in
dem Umfang zu fördern, der notwendig ist, um genügend Metall aus dem Boden zu
holen, damit der zukünftige Batteriebedarf gedeckt werden kann. Aber es ist ein
Anfang in die richtige Richtung.

Neue Mining-Projekte – mit bekanntermaßen
langen Vorlaufzeiten – dürften die kurzfristige Knappheit nicht mildern, aber
die Bestände können kurzfristig genutzt werden.

Der Nickelbestand ist nicht grenzenlos. Gemessen an der Form der
Nickel-Futures-Kurve – die sich bis 2022 in einer Rückwärtsbewegung befindet –
sind die Lagerbestände knapp. Wir gehen daher davon aus, dass die Preise weiter
steigen müssen, möglicherweise langfristig über 24.000 US Dollar pro Tonne, um die vom Markt in den nächsten
Jahrzehnten benötigte Menge an Nickel freisetzen zu können. Aber das Plus von
6.000 US Dollar auf den heutigen Preis könnte viel länger dauern als die 3
Monate, die benötigt wurden, um die letzten 6.000 US Dollar zu kumulieren. Es
ist also eine langfristige Angelegenheit, auf nahe Sicht ist das indonesische
Erzverbot inzwischen weitgehend eingepreist.

Hüfner: Leistungsbilanz – Von China lernen?

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Im Augenblick reden nicht viele von den hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüssen. Das wird sich aber ändern.

  • Die deutsche Wirtschaft hat lange von
    der Globalisierung profitiert. Jetzt muss sie sich ein neues „Geschäftsmodell“
    suchen.
  • Notwendig ist eine Stärkung von Konsum,
    Bau und Investitionen zu Lasten des   Exports. Das ist keine Rückkehr zur
    „Old Economy“.
  • Eine Stärkung
    der Binnenwirtschaft hilft auch den aktuellen Konjunkturproblemen.

Über 70 Jahre haben wir alles richtig gemacht. Der Welthandel
ist überdurchschnittlich gewachsen. Deutsch­land hat sich vor allem auf den
Export fokussiert. Es war also genau da, wo die Musik spielte. So kam es zuerst
zu dem legendären Wirtschaftswunder. Später konnten wir uns immer auf den
Export verlassen, wenn es irgendwo Proble­me gab. Er schuf Einkommen und
Beschäftigung, die dann Konsum und Investitionen anschoben.

Mit einem Mal ist diese Bonanza vorbei. Der Welthandel
wächst nicht mehr überdurchschnittlich. Er expandiert bes­tenfalls so schnell
wie die Weltproduktion. Viele führen das auf die protektionistische Politik des
amerikanischen Präsi­denten zurück, die vielleicht einmal wieder vorbeigeht.
Das ist aber nicht richtig. Die Zunahme des Welthandels hat sich schon zu Beginn dieses Jahrzehnts nach der großen Fi­nanzkrise verlangsamt.
Die Trump’schen Zölle haben die-se Tendenzen nur verstärkt.

China Leistungsbilanzsaldo
China Leistungsbilanzsaldo
China Leistungsbilanzsaldo

Wenn der Welthandel stockt, befindet sich Deutschland auf
der falschen Seite der Straße. Es ist wie ein Unternehmen, dem der Markt
wegbricht. Es muss sich eine neue Fokus­sierung suchen.

Symptomatisch ist die Entwicklung der
Leistungsbilanz. Ihr Überschuss ist plötzlich nicht mehr Ausweis
wirtschaftlichen Erfolges. Er zeigt im Gegenteil, dass Deutschland nicht mehr die richtige Wachstumsstrategie hat. Es steht damit
nicht allein. Auch andere Länder wurden auf dem falschen Fuß erwischt, nicht
zuletzt China. Einige Länder reagierten relativ schnell auf die veränderte
Situation. China beispiels­weise begann schon in der großen Finanzkrise 2008,
sei­nen Überschuss zu verringern. In der Spitze hatte dieser fast 10 % des
BIPs betragen (2007). Heute liegt er kaum über null (siehe Grafik). Das
Wirtschaftswachstum wird dort jetzt zu großen Teilen vom Konsum und von den Investitionen getragen.

»Deutschland befindet sich auf der falschen Seite der
Straße.«

Deutschland tut sich mit der Anpassung an die neuen Rea­litäten
immer noch schwer. Der Leistungsbilanzüberschuss steigt zwar nicht mehr an. Er
bleibt aber hoch. Im vergange­nen Jahr betrug er noch EUR 245 Milliarden. In
diesem Um­fang lieferte die Bundesrepublik mehr Waren und Dienste ins Ausland,
als es von diesem erhielt. Das sind 7,5 % des BIPs. In diesem Umfang
hätten die Deutschen im Inland mehr investieren und konsumieren können.

Manche sagen: Dafür haben wir aber Forderungen an das
Ausland erworben, die sich verzinsen und damit die Alters­vorsorge absichern.
Das ist aber nur bedingt richtig. Fran­ziska Hünnekes, Moritz Schularick und
Christoph Trebesch haben vor zwei Wochen in der FAZ in einem bemerkens­werten
Aufsatz nachgewiesen, dass sich die deutschen Auslandsforderungen außerordentlich
schlecht verzinsen. „Als Investor spielen die Deutschen international nur
in der Kreisklasse“.

Deutschland ist durch die Exportorientierung auch beson­ders
verletzlich gegenüber Protektionismus. Man stelle sich nur vor, was hier in den
letzten zwei Jahren passiert wäre, wenn Trump seine Zölle nicht gegen China,
sondern gegen Deutschland erhoben hätte. China war schon stark betrof­fen.
Deutschland wäre es um ein Vielfaches mehr.

Es ist daher höchste Zeit,
die Wachstumskräfte vom Export auf die Binnenwirtschaft zu verlagern. Es ist
heute nicht po­pulär, den Chinesen nachzueifern. Das Reich der Mitte ist kein
Vorbild für die entwickelten Marktwirtschaften der west­lichen Industriestaaten. Aber in Sachen Umschichtung der
Wachstumskräfte vom Export auf die zukunftsträchtigeren Bereiche Konsum und
Investitionen können wir uns an den Chinesen ein Beispiel nehmen.

Was ist zu tun? Die Vorschläge zur Stärkung der Binnen­wirtschaft
sind nicht revolutionär. Sie werden in Deutschland schon lange diskutiert, nur
leider nicht umgesetzt. Dazu ge­hören:

  • Eine ins Gewicht fallende Einkommen- und Körperschaftsteuersenkung,
    die die Einkommen der Verbraucher und die Erträge der Unternehmen stärkt. Die
    Amerikaner haben damit vor zwei Jahren außerordentlich guten Erfolg gehabt.
  • Besonders hilfreich ist eine Reduzierung der
    Mehrwert-steuer. Sie begünstigt vor allem den Export, weil er an der Grenze von
    der Mehrwertsteuer entlastet wird.
  • Eine stärkere Erhöhung der Löhne. Das treibt zwar die Kosten
    der Unternehmen in die Höhe und schwächt ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.
    Aber wer die Binnenwirtschaft fördern will, darf nicht immer nur auf die
    internationalen Relationen schauen. Mehr Kaufkraft im Inland hilft den
    Unternehmen.
  • Natürlich auch eine Ausweitung der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen,
    um die Arbeitsbedingungen der Unternehmen im Inland zu verbessern. Das
    erfordert, wie wir wissen, nicht nur Geld, sondern in erster Linie eine
    Verbesserung der Regulatorik, damit das vorhandene Geld auch ausgegeben werden
    kann.

Das alles sind Maßnahmen, die auch der Konjunktur helfen und
die schon hundertmal praktiziert wurden. Das macht die Sache einfacher. Anders als bei der Stabilisierung der Nachfrage geht es
hier aber nicht um einen einmaligen Schub, sondern um dauerhaft neue Impulse,
um die Struk­turen neu zu justieren. Das ist keine Rückkehr zur „Old Economy“,
sondern die Chance, zukunftsträchtige Bereiche aufzubauen.

Für den Anleger

Eine wirtschaftspolitische Neuorientierung vom Export zum
Binnenmarkt bringt zunächst Unsicherheit. Das ist nicht gut für die
Kapitalmärkte. Auf Dauer aber wird es sich positiv auswirken, weil die Wirtschaft
auf neue Wachstumsfelder setzt und weil sie in einer Welt mit weniger
Globalisierung weniger störanfällig ist.

M&G Investments: Die Jahrhundert-Trends entdecken

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Es gibt vier Themenbereiche, die jeden Menschen in seinem Alltag direkt betreffen.

Thematische Investmentstrategien sind beliebt, und viele Anleger fragen sich, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends in den nächsten Jahren auch an der Börse punkten werden.

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund, setzt auf vier strukturelle Themen:

„Die
Welt verändert sich mit großer Geschwindigkeit. Bei genauerem Hinsehen
sind es hauptsächlich vier Themenbereiche, die den stärksten Einfluss
auf diesen Wandel haben und die jeden Menschen in seinem Alltag direkt
betreffen: Der Ausbau der Infrastruktur, der demografische Wandel, das
zunehmende Umweltbewusstsein und technische Innovationen.

Weltweit
gibt es eine riesige Investitionslücke beim Ausbau von Straßen,
Flughäfen oder dem Netzwerk des öffentlichen Personennahverkehrs. Das
gefährdet langfristig auch die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern
einer stark wachsenden Bevölkerung, die dazu immer älter wird. Um den
demografischen Herausforderungen zu begegnen, sind neue Formen des
Zusammenlebens notwendig und auch verbesserte medizinische
Unterstützung. Dazu kommt die immer größer werdende Sorge um unsere
Umwelt. Schädliche Emissionen sollen in Zukunft deutlich reduziert, Müll
vermieden und Rohstoffe wiederverwendet werden. Neuerungen in der
Technik, die etwa die digitale Kommunikation oder Cybersicherheit
voranbringen, stehen für ein weiteres großes Thema.

Langfristiges Unternehmenspotential nutzen

Es
gibt Unternehmen, die mit besonderem Nachdruck an Produkten und
Dienstleistungen arbeiten, mit denen sie Lösungen für diese
Herausforderungen bieten können: Für das Thema Infrastruktur lässt sich
als Beispiel Edison International nennen, einer der größten
Elektroversorger Amerikas, der aktiv im Wandel der Energiewirtschaft
ist. Vom wachsenden Bedarf bei einer immer älter und wohlhabender
werdenden Bevölkerung Chinas nach Altersvorsorgeprodukten profitiert
etwa der große Versicherer AIA. Das Thema Umweltschutz nutzt z.B. der
dänische Betreiber von Off-Shore-Windparks Orsted und der Autobauer
Toyota entwickelt nicht nur Hybridfahrzeuge, sondern investiert auch
stark in weitere Innovationen wie den Wasserstoffantrieb.

Anleger
haben durch Fokussierung speziell auf solche Unternehmen die Chance, an
den langfristigen Trends unseres Jahrhunderts teilzuhaben. Allerdings
sind Ungeduld und schnelle Veränderungen des Portfolios hier nicht
zielführend: Weil man Namen finden will, die einerseits Services und
Produkte für die Märkte der Zukunft anbieten und entwickeln, die aber
andererseits (noch) nicht allzu stark nachgefragt werden und somit zu
einem attraktiven Preis zu haben sind. Denn eines ist besonders wichtig:
Überhitzte Börsenlieblinge sollten Anleger ebenso wie unprofitable
Geschäftsmodelle vermeiden – zwischen guten Ideen und guten Unternehmen
liegt ein großer Unterschied.“

Der M&G (Lux) Global Themes Fund
investiert zu mindestens 80 Prozent in Aktien solcher Unternehmen, von
denen der Fondsmanager glaubt, dass sie von „Themen“ profitieren, die
durch Veränderungen in Volkswirtschaften, Branchen und Gesellschaften
entstehen. Über einen beliebigen Zeitraum von fünf Jahren soll er mit
einer Kombination aus Kapitalzuwachs und Erträgen eine Rendite
erwirtschaften, die höher ist, als die des weltweiten Aktienmarkts –
gemessen am MSCI ACWI Net Return Index. Per Ende August 2019 hatte der Fonds ein Volumen von 259 Millionen Euro und war in 60 Unternehmen investiert.

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund
Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund
Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund

Kein Zweifel an sinkenden Zinsen

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Beobachter gehen fest davon aus, dass die US-Notenbank in ihrer heute beginnenden Sitzung den Leitzins erneut senken wird. Ob es danach weitere Zinssenkungen geben wird, ist aber angesichts robuster US-Wirtschaftskennzahlen fraglich.

Heute und morgen sind
die Blicke der Finanzwelt einmal mehr nach Washington D.C. gerichtet, wo die
Chefs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zu einem zweitägigen Treffen
zusammenkommen. Die wichtigste Neuigkeit scheint dabei schon vor Beginn der
Sitzung festzustehen: Niemand bezweifelt, dass die Fed den Leitzins senken wird.
„Ich wette, dass die Märkte Recht haben“, sagt Alan Murray, Chef des
US-Wirtschaftsmagazins Fortune. „Es wäre viel zu teuer, sie zu enttäuschen.“ Hinzu
kommt die schwache Stimmungslage im verarbeitenden US-Gewerbe, Anfang des Monats
in Kraft getretene Strafzölle sowie die Sorge vor einer weiteren Eskalation des
Handelskriegs und in der Folge auch vor einer Rezession. „Wir erwarten daher,
dass die Fed bei ihrem kommenden Treffen den Leitzins nochmals um 25
Basispunkte auf eine Bandbreite von 1,75 Prozent bis zwei Prozent senken wird“,
sagt Volker
Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea. Zudem hat die Europäische
Zentralbank vergangene Woche vorgelegt und damit den Druck auf die Fed erhöht.

Fraglich ist
allerdings, ob es danach zu weiteren Zinssenkungen kommt. Präsident Trump
fordert zwar immer wieder massive Zinssenkungen, am besten bis auf null Prozent,
um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Kritiker bezweifeln allerdings, ob er
Fed-Chef Powell mit seinen Twitter-Forderungen dabei hilft – schließlich soll
die Notenbank eigentlich unabhängig von der Politik agieren. Auf Dauer könnten
sich die obersten Währungshüter genötigt sehen, Trump eben demonstrativ nicht
nachzugeben und zumindest vorerst keine weiteren Zinsschritte in Aussicht zu stellen. „Der anhaltende Druck von Präsident
Trump ist nicht hilfreich“, sagt Esty Dwek,
Anlagestrategin bei der Dynamic Solutions Gruppe von Natixis Investment Managers.

Zinssenkung fundamental nicht gerechtfertigt

Zumal Experten bezweifeln, ob die
jetzt erwartete Zinssenkung nach der letzten Herabstufung im Juli überhaupt
gerechtfertigt ist. „Tatsächlich sehen wir ein Risiko darin, dass die Fed zu
sehr markt- statt datengetrieben wird, den Markterwartungen folgend, anstatt
die Märkte zu führen“, sagt Dwek weiter. Andere Beobachter teilen diese
Einschätzung: „Unter Berücksichtigung fundamentaler Aspekte besteht keine
Veranlassung, die US-Leitzinsen erneut zu senken“, sagt
Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Dafür laufe die US-Wirtschaft derzeit
schlicht zu gut, allen Sorgen vor Handelskrieg und Rezession zum Trotz: Der
Arbeitsmarkt ist nahezu voll ausgelastet und der für die US-Volkswirtschaft
besonders wichtige Konsum brummt nach wie vor – trotz Rückgang einiger
Stimmungsindikatoren im Unternehmenssektor. Zuletzt sprang sogar die Kernrate
der Inflation in den USA auf 2,4 Prozent an. Eine Steigerung der
Verbraucherpreise nahe zwei Prozent und ein dynamisches Wirtschaftswachstum
sind die Zielvorgaben der Fed. „Diese Kriterien sind beide schon heute erfüllt“,
sagt Mumm. So gesehen könnte die Fed schon jetzt auf Zinssenkungen verzichten –
zumindest aber auf weitere Schritte in den kommenden Monaten.