Institutionelle Anleger schwören auf ETF

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Institutionelle Investoren haben europaweit den Anteil von ETFs in ihren Portfolios um 50 Prozent erhöht. Seit 2018 machen passive Produktei über 15 Prozent der Assets aus.

„Nicht trotz der turbulenten Marktsituation sondern wegen der unruhigen Märkte setzen institutionelle Anleger vermehrt auf passive Anlageprodukte“, erklärt Andrew McCollum, Managing
Director bei Greenwich Associates, einem Research-Unternehmen, das sich auf Finanzdaten spezialisiert hat. Greenwich Associates hat 127 institutionelle Investoren zum Einsatz passiver Fonds befragt. Das Ergebnis: Der Anteil von ETFs und passiven Produkten in deren Portfolios ist von 7,6 Prozent im Jahr 2017 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

Rund 42 Milliarden Euro flossen 2018 europaweit in ETFs, rund die Hälfte weniger als im Vorjahr (94,7 Mrd. €), dennoch das drittbeste jemals erzielte Ergebnis der Branche. Und dieser Rückgang bei den Zuflüssen muss vor dem Hintergrund eines volatilen Marktumfelds und eines umfangreichen Ausverkaufs an den globalen Aktienmärkten betrachtet werden, so McCollum.

Nettoabsatz ETF in Europa
Nettoabsatz ETF in Europa

Quelle: Refinitif

Das Wachstum sei vor allem auf drei Faktoren zurückzuführen:
Volatilität, eine Revolution in der Index-Landschaft und ESG. Die Studie
von Greenwich Associates zeigt, dass drei Viertel der institutionellen
Investoren befürchten, das Ende des Wirtschaftszyklus sei erreicht und
eine Rezession stünde bevor. Aus Sorge vor geopolitischen Veränderungen
stellten die europäischen Institutionellen ihre Portfolios jetzt neu auf, um
sich gegen eine Verschärfung der Notenbankpolitiken und Handelskriege zu
wappnen. 

Ein passendes Mittel bei der Portfoliokonstruktion sei der Einsatz
von ETFs, da Transaktionen hier schneller ausgeführt werden könnten, die
Diversifikation einfacher und die Liquidität höher sei. Greenwich
Associates zitieren einen niederländischen Portfoliomanager, der behauptett:
„ETFs sind kosteneffizient und leicht einsetzbar, wenn ein Exposure
schnell hoch- oder heruntergefahren werden soll.“

Auch die Entwicklung bei den Indizes ist ein Treiber für den
wachsenden Anteil der ETFs. Bislang werden nur 25 Prozent der Assets bei
den befragten Investoren durch Indexstrategien allokiert – obwohl die Portfoliomanager
selbst angeben, der optimale Anteil läge bei 37 % für Aktien- bzw. 34 %
für Rentenportfolios. Die Differenz erklärt sich aber aus „geerbten“
Wertpapierpositionen und werde von Jahr zu Jahr kleiner.

Mittlerweile haben 40 Prozent der befragten Investoren herkömmliche
Investmentvehikel in ihren Portfolios gegen Index-Produkte ausgetauscht,
heißt es bei Greenwich Associates. ETFs böten mehr Möglichkeiten, in
Nischen zu investieren, während aktiv gemanagte Fonds nur eine
Grundversorgung bei Core-Strategien böten.

Ein interessanter Aspekt ist auch der Einsatz von ETFs zur Umsetzung
von Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Strategien: So haben im vergangenen Jahr
44 Prozent der Befragten aufgrund von ESG-Vorgaben passive Produkte
eingesetzt. Laut den Report werden es in den nächsten fünf Jahren sogar 50 Prozent
sein, die ESG-Kriterien mittels ETFs realisieren. Denn das
Umweltbewusstsein der Institutionellen nehme deutlich zu:

„Investoren müssen heute mehr denn je Themen wie Klimawandel und
Gleichberechtigung in Angriff nehmen, weil die Regierungen nicht genug
unternehmen“,

heißt es in der Studie. Allerdings erfolgten solche Investments nicht
aus reinem Altruismus: 44 Prozent der institutionellen Investoren sind
sich einig, das ESG-Anlagen langfristig höhere Renditen abwerfen werden.

Der
ETF-Promoter der Wahl ist übrigens BlackRock, dem 94 Prozent der Investoren
vertrauen; DB Xtrackers rangieren mit einer Zustimmung von 56 Prozent
auf Platz zwei und Lyxor belegt mit 47 Prozent den dritten Platz.

Theresa May hat die Kontrolle über den Brexit verloren

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Premierministerin May hat die Kontrolle über den Brexit-Prozess verloren. Damit steigt das Risiko eines No-Deal-Brexit, obwohl das britische Parlament eigentlich dagegen gestimmt hat.

Following yesterday’s second heavy defeat for her European Union (EU)
withdrawal agreement, Prime Minister May has lost control of the Brexit
process. This has increased the risk of a no-deal Brexit, despite
parliamentary opposition to such an outcome.

There are three
ways to avoid a no-deal Brexit. The first is for the hardliners of the
Conservative European Research Group (ERG) and Northern Irish Democratic
Unionist Party (DUP) to abandon their opposition to May’s deal. They
won’t. The ERG hardliners desire no deal. The core members have fought
for a complete break from the EU for 30 years and have never compromised
with the party leadership. They would prefer Brexit to go down and to
cry betrayal rather than accept what they view as a watered-down
outcome.

The second possibility is that a House of Commons
majority coalesces around a new agreement involving a softer form of
Brexit, in which the UK stays in the customs union and single market.
Such an initiative, however, requires a government to push it forward. A
Conservative-led administration attempting to do so would split the
party irretrievably and lose its majority. It is not even clear that a
majority exists across the Commons for a soft Brexit – MPs representing
leave constituencies could find it impossible to support an agreement
allowing unlimited EU immigration, which was a key issue in the
referendum campaign.

The third possibility is a long extension to
Article 50 to allow time for a new consensus to form, possibly
involving another referendum with several options for voters to rank.
Again, many MPs would regard this as failing to respect the original
referendum result and would oppose it. More importantly, the EU might
not accede. A long extension would require the UK to participate in
European Parliament (EP) elections in May, possibly resulting in an
influx of troublesome UK MEPs from a new Brexit party. It would also
allow the UK more time to prepare for a no-deal exit, thereby reducing
the EU’s leverage in future trade talks. Many EU businesses, moreover,
have already implemented contingency plans for no deal and might prefer
this to go ahead this year rather than suffer a further long period of
debilitating uncertainty.

A reasonable central scenario is that
the UK requests and is granted an extension of Article 50 to June,
avoiding a need for UK participation in the EP elections. May uses this
extra time to heap pressure on the ERG / DUP to accede to her deal but
with no success. Parliamentary attempts to forge an alternative deal,
meanwhile, run aground. Preparations continue for a no-deal Brexit on
both sides of the channel, with growing political and public awareness
that such an outcome is likely.

Nachfrage der Anleger nach ökologischen Staatsanleihen ist hoch

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Grüne Anleihen sind nicht auf den Unternehmenssektor beschränkt. In den letzten Jahren haben mehrere europäische Länder nennenswerte Volumina an Green Bonds emittiert.

Der
Wirtschaftsaufschwung in Europa ist ins Stocken geraten. Angesichts
schwächerer Konjunkturdaten und trüber Aussichten fürchten sich viele
Beobachter wieder vor der „Japanisierung“ der Eurozone, in der Wachstum
und Zinsen auf Dauer niedrig bleiben würden. Ein beliebter
Lösungsvorschlag: Die Regierungen sollen ihre Haushaltsdisziplin
aufgeben und die Konjunktur aktiv ankurbeln – allen voran Deutschland
als Europas größte Volkswirtschaft und langjähriger Wachstumsmotor. Bei
den aktuell unschlagbar günstigen Finanzierungskosten müsse daher der
deutsche Staat, dessen Gläubiger sogar negative Zinsen in Kauf nehmen,
möglichst viele Bundesanleihen emittieren. Dr. Wolfgang Bauer, Fondsmanager des M&G (Lux) Absolute Return Bond Fund bei M&G Investments, hat jedoch eine bessere Idee:

„Einen
schuldengetriebenen Ausgabenrausch zur Ankurbelung der Wirtschaft in
Europa würden wohl viele Deutsche vehement ablehnen. Dafür gibt es
natürlich sachliche Gründe: Denn wenn Deutschland das Sparsamkeitscredo
und die sprichwörtliche „schwarze Null“ aufgibt, fehlen auch die
Argumente, um von den anderen Ländern des Euroraums Disziplin zu
verlangen. Und damit würde das Risiko steigen, in eine neuerliche
Euro-Schuldenkrise zu geraten, gefolgt von teuren Rettungsaktionen und
letztlich einer Schuldenunion.

Die
in Deutschland weitverbreitete Schuldenaversion hat aber auch eine
emotionale Ebene – vielleicht sogar verstärkt durch die sprachliche Nähe
der Begriffe „Schulden“ und „Schuld“. Viele Menschen sind zutiefst
davon überzeugt, dass eine verantwortungsbewusste Regierung im Rahmen
ihrer finanziellen Möglichkeiten agieren sollte. Die Aufnahme von
Fremdkapital geht ihrer Meinung nach auf Kosten zukünftiger
Generationen, unabhängig von der Attraktivität der Finanzierungskosten
oder der Verwendung von Erträgen.

Genau
diese Haltung eröffnet aber auch neue Chancen, und zwar sowohl für
Emittenten als auch für Investoren. Denn zur „typisch deutschen“ Sorge
um Ethik und Nachhaltigkeit würden Green Bonds – oder vielmehr „Green
Bunds“ – perfekt passen. Grüne Anleihen werden ausgegeben, um Mittel für
bestimmte umweltfreundliche Projekte bereitzustellen. Zuletzt hat etwa
Telefónica Ende Januar einen Green Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro
begeben. Damit soll die Energieeffizienz des Unternehmens durch die
Umstellung von Kupfer- auf Glasfasernetze in Spanien verbessert werden.

Grüne
Anleihen sind natürlich nicht auf den Unternehmenssektor beschränkt. In
den letzten Jahren haben mehrere europäische Länder nennenswerte
Volumina an Green Bonds emittiert. Frankreich ist bislang als größter
Emittent dieses Segments in Erscheinung getreten, mit einem ausstehenden
Volumen von 16,5 Mrd. Euro. Belgien hat erst kürzlich 4,5 Mrd. Euro
über eine grüne Anleihe aufgenommen, und auch Polen zählt nach zwei
Emissionen im Februar zu den größten europäischen Green-Bond-Adressen.

Die
Nachfrage der Investoren nach grünen Staatsanleihen ist hoch und der
Markt groß genug, um neue Milliardenemissionen aufzunehmen. Und da Green
Bonds speziell im Sinne einer ethischen Finanzierung und langfristiger
Nachhaltigkeit konstruiert sind, könnten sie das passende Instrument
sein, um die Schuldenbereitschaft in Deutschland zu erhöhen und mit
Investitionen in umweltfreundliche Projekte das Wirtschaftswachstum
anzukurbeln. Einige deutsche Emittenten, wie die KfW, haben bereits
Green Bonds eingesetzt. Der nächste logische Schritt wäre die Ausgabe
grüner deutscher Staatsanleihen: Green Bunds.“

Aufschwung an den Aktienmärkten hat sich verfestigt

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Wie zu Jahresanfang prognostiziert, hat sich der Aufschwung der Aktienmärkte als Gegenpol zur Panik Ende 2018 tatsächlich eingestellt. Dies wurde durch die Kehrtwende der Fed angetrieben.

Die
Konjunkturabschwächung hält an und an Schwachstellen mangelt es nach
wie vor nicht. In der Litanei der politischen Ungewissheiten von Europa
bis in die USA und angesichts der Überschuldung in einem neuen Umfeld
der Wachstumsschwäche, dürften die Märkte Gründe genug finden, um in
diesem Jahr wieder vorsichtiger zu agieren. Diese wenig verlockende
Aussicht wird durch ein zentrales Szenario ergänzt und insofern
abgeschwächt, als dass es sich objektiv betrachtet gegenüber dem
vergangenen Jahr verändert hat: Die Märkte haben die derzeitige
Konjunkturverlangsamung anerkannt, ebenso wie die Zentralbanken, die
sich mittlerweile von einer Normalisierung der Geldpolitik auf Biegen und Brechen gelöst haben. Der Zusammenstoß von Konjunkturzyklus und Geldpolitik bildete die Kulisse der Märkte im Jahr 2018. Das ist in diesem Jahr nicht mehr der Fall.

Wir nähern uns einer
zähen Zeit, ein Nährboden für zauderhafte Märkte, eine Art langsame und
schwierige Befreiung nach der Kollision von 2018. Das erfordert weniger
direktionale Anlagestrategien, die sich nur auf die Generierung von Alpha konzentrieren, sondern die auch das Beta managen.

Es
gibt viele politischen Parameter, die die Märkte in diesem Jahr
beeinträchtigen könnten: abschließende Verhandlungen zwischen der
Europäischen Kommission und dem Vereinigten Königreich über den Brexit,
die Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China, neue
Androhungen von Importzöllen auf deutsche Autos aus Amerika und die
Europawahlen. Diese für das Vertrauen und damit für das Wachstum
bedeutenden Entwicklungen treten in den nächsten Monaten oder gar Wochen
in ihre entscheidende Phase. Sie sorgen daher kurzfristig für
Ungewissheit. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es zu
Worst-Case-Szenarien, die niemandem etwas nützen, letztlich nicht kommen
wird. Auch wenn es unvernünftig ist auf die Vernunft der Politiker zu
setzen, könnte eine, wenngleich wackelige Fortsetzung des Modus Vivendi
den Märkten ermöglichen, nach Monaten der Angst, gelassen zu bleiben.

Blickt
man über die unmittelbare Zukunft hinaus, dürfte die Richtung der
Märkte im Jahr 2019 hauptsächlich vom wirtschaftlichen Umfeld abhängen.
Ein Umfeld, das mittlerweile ziemlich trübe geworden ist. Die weltweite
Konjunkturverlangsamung hält zurzeit wie erwartet an.

In den USA bleibt die Bautätigkeit schwach und
die Indikatoren für den Fertigungssektor wie der Markit
Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der mit 53,7 im
Februar auf dem niedrigsten Niveau seit 2017 lag, zeigen weiter in die
falsche Richtung. Doch solange die Nachfrage nach Dienstleistungen
anhält, was durch einen nach wie vor robusten Arbeitsmarkt unterstützt
wird, dürfte sich die Wirtschaft insgesamt nur leicht abschwächen. Diese
Aussicht wird von einer Zentralbank bestärkt, die vom Dogma der
Normalisierung abrückt. Sie gesteht sich die Furcht vor dem Druck der
Märkte ein und begegnet den kurzfristigen Inflationsindikatoren mit
zunehmendem Desinteresse.

Zudem könnte der Ausgang der
Handelsverhandlungen mit China konkrete Unterstützung für das Vertrauen
und für Anlagen leisten. Dies hängt ohne Zweifel davon ab, ob ein
Gleichgewicht zwischen langfristiger, ideologischer Konfrontation und
dem beiderseitigen Interesse an einer Einigung gefunden werden kann. Es
braucht eine Einigung, die es beiden Seiten ermöglicht das Gesichts zu
wahren. Doch die Konjunkturverlangsamung in den USA, die nahenden
Präsidentschaftswahlen und die instabilen Märkte, die im vergangenen
Dezember zu beobachten waren, erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines
„Deals“, der zumindest äußerlich für die beiden Hauptakteure
zufriedenstellend ist.

In
Europa bestätigen die im Februar veröffentlichten Wirtschaftsdaten,
dass die Konjunkturschwäche gegen Ende des vergangenen Jahres nicht
allein Sache der deutschen Automobilproduktion ist. Diese wurde
vorübergehend von der Einführung der neuen WLTP-Norm für die CO2-Emissionen
belastet. Eine weitere Verschlechterung dürfte zwar durch mehr
Kaufkraft der Verbraucher dank einer gewissen Verbesserung bei Löhnen
und Beschäftigung verhindert werden, aber für eine echte Stabilisierung
muss die chinesische Nachfrage anziehen. Und die dürfte eher moderat
ausfallen. Der EZB bleibt keine andere Wahl, als bei ihrer extrem
akkommodierenden Haltung zu bleiben.

China sieht sich weiterhin einem schwierigen
Kurs gegenüber: Einerseits die erforderliche Entschuldung, andererseits
Druck an der Handelsfront und Konjunkturabschwächung(siehe Carmignac’s
Note vom Januar „50 shades of black„).
Die zur Stützung des Konsums ergriffenen Maßnahmen dürften im Laufe des
Jahres eine Stabilisierung des chinesischen Wachstums ermöglichen,
insbesondere wenn es zu einer Einigung im Handel mit den USA kommt. Doch
sie werden sicher keine Triebkraft für europäische Exporte sein, die
mit der Triebkraft vergleichbar wäre, welche ihnen im Jahr 2016
zugutekam.

Zu Beginn des Jahres 2019 zeichnet sich also
insgesamt eine mehr oder weniger sanfte Landung der weltweiten
Volkswirtschaften ab. Sie wird durch Geldpolitiken abgefedert, deren
Ehrgeiz zu einer Straffung sich gelegt hat.

In dieser Phase der Konjunkturverlangsamung können sich die
Performanceunterschiede zwischen einzelnen Werten als ein bedeutender
Performancefaktor erweisen – ganz im Gegensatz zu 2018

In diesem Umfeld könnten sich die Aussichten für die Aktienindizes von
den derzeitigen Niveaus aus durch ihre Mittelmäßigkeit auszeichnen, da
sich die durchschnittlichen Bewertungen seit Jahresbeginn bereits wieder
erholt haben und die Aussichten für das Wachstum der
Unternehmensgewinne äußerst dürftig sind. In dieser Phase der
Konjunkturverlangsamung könnten sich jedoch die Performanceunterschiede
zwischen einzelnen Werten als ein bedeutender Performancefaktor erweisen
– ganz im Gegensatz zu 2018, als die Einschätzung der Richtung der
Indizes für die Performance viel entscheidender war. Insbesondere Aktien
von Unternehmen, die noch angemessen bewertet und in der Lage sind,
ihre Margen zu verteidigen und ihr Wachstum zu halten, dürften in dem
von uns für dieses Jahr erwarteten schwachen wirtschaftlichen Umfeld
einen erheblichen Qualitätsaufschlag für sich in Anspruch nehmen können.
Eine ähnliche Einschätzung, dass nämlich in diesem Jahr das Generieren
von Alpha
bevorzugt werden sollte, statt auf die großen Trends zu setzen, gilt
auch für die Anleihemärkte, insbesondere für Unternehmensanleihen.

Aktien:

Ein ungewöhnliches
Umfeld für die Aktienmärkte: Während der Dezember der schlechteste Monat
seit 1931 war, begann das Jahr im Januar äußerst positiv und erwies
sich als der bisher fünftbeste Monat. In diesem Umfeld, in dem sich die
Wachstumsaussichten verschlechtert haben und sich das Potenzial für
Überraschungen – sowohl an geldpolitischer wie auch an politischer Front
– verringert hat, bevorzugen wir Strategien der Alpha-Generierung, indem wir ein moderates Aktienexposure haben und einzelne Sektoren nicht deutlich übergewichten.

Seit Jahresbeginn haben wir unser Exposure
Schritt für Schritt ausgebaut, indem wir Chancen bei Unternehmen
nutzten, die sowohl solide Fundamentaldaten als auch attraktive
Bewertungen aufweisen, insbesondere in China (Midea, Zhifei). Wir haben
mit Käufen von EssilorLuxottica und Merck auch weiter im
Gesundheitssektor investiert. Themenorientierte Anlagen stehen weiterhin
im Zentrum unserer Strategie der Generierung von Alpha. So halten wir Billigfluggesellschaften für ein attraktives Segment, in dem wir unser Exposure
in jüngster Zeit verstärkt haben, beispielsweise mit Spirit Airlines.
Die Größe des potenziellen Marktes und die flexible Preisstrategie, die
für Verbraucher attraktiv ist, die sich zunehmend Preisangebote „à la
Carte“ wünschen, bieten Chancen für Expansion in diesem Sektor.
Allerdings legen wir in einem nach wie vor instabilen Umfeld ein
besonderes Augenmerk auf die Bewertungen und haben daher Gewinne bei den
Unternehmen mitgenommen, die die besten Performancebeiträge geleistet
haben, insbesondere bei Mercadolibre und ServiceNow.

Zinsen:

Während die weltweite
Konjunkturabschwächung anhält, zeigen sich die Zentralbanken
zurückhaltender. Die US-Notenbank hat mittlerweile die Risiken erkannt,
die die Wirtschaft beeinträchtigen könnten, und hat daher eine Pause bei
der Normalisierung ihrer Geldpolitik
eingelegt. Die EZB schlägt ebenfalls einen akkommodierenden Ton an und
reagiert damit auf die anhaltende Abschwächung der
Wirtschaftsindikatoren und die zurückgehenden Inflationserwartungen in
der Region. Dieses Umfeld hat eine Entspannung bei Staatsanleihen
ausgelöst, mit Ausnahme von Italien, das weiterhin unter seiner
Konjunkturschwäche und den Fragen zur Tragbarkeit seiner Schuldenlast
leidet. Die Kreditspreads sind ebenfalls wieder auf ein Niveau
zurückgekehrt, das dichter an dem liegt, was die meiste Zeit im Jahr
2018 vorherrschte.

Wir bleiben bei einer leicht positiven modifizierten Duration,
die von einer vorsichtigen Positionierung durch begrenzte Exposures in
Staatsanleihen aus Peripherie- und Schwellenländern und in
Unternehmensanleihen geprägt ist. In jüngster Zeit haben wir unser Exposure
in den Schwellenländern geringfügig erhöht, insbesondere über Papiere
sogenannter „quasi-staatlicher“ Emittenten wie Pemex. Zudem haben wir
eine Position in belgischen Staatsanleihen eröffnet, die eine
interessante Carry-Quelle unter den europäischen Ländern bieten. Zudem
halten wir derzeit an unserer Strategie auf die Versteilerung der
amerikanischen Renditekurve fest.

Währungen:

Auf dem Devisenmarkt
haben der Kurswechsel, der sich in der US-Notenbank vollzieht, sowie die
ersten Anzeichen einer Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft zu
Jahresbeginn eine Erholung des Euros ermöglicht. Doch es sind viele
Faktoren im Spiel (Brexit, Europawahlen, amerikanisches
Leistungsbilanzdefizit), die einer entschieden direktionalen
Positionierung im Währungsbereich Grenzen setzen.

Daher begrenzen wir in unserem Portfolio
weiterhin das Währungsrisiko. Schwellenländerwährungen bieten nach ihrer
Erholung zu Jahresbeginn aus unserer Sicht immer noch einige sehr
selektive Gelegenheiten, insbesondere in Asien und im Nahen Osten.

ESG: Transparenz wird verpflichtend

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Der europäische Legislatur sieht zukünftig mehr Transparenz bei nachhaltigen Anlagen vor. Dafür müssen ESG-Risiken berechnet werden. Eine Anlagestrategie nur anhand des CO2-Fußabdrucks aufzubauen, ist aber gefährlich.

ESG: Transparenz wird verpflichtend

Langsam wird es ernst: Die Europäische Union hat eine Pflicht zur Offenlegung berücksichtigter Nachhaltigkeitskriterien in Anlageprozessen auf den Weg gebracht. Demnach soll Investoren vorgeschrieben werden, Informationen über ihre aktuellen Prozesse zur Berücksichtigung von Umweltrisiken und sozialen Risiken zu veröffentlichen. Sie müssen zukünftig auch transparent machen, inwiefern sich diese Risiken auf die Rentabilität der jeweiligen Investition auswirken könnten. Die Verordnung, die voraussichtlich Ende 2019 bindend wird, sagt schon heute ‚grünen Mogelpackungen‘ den Kampf an.

Das bedeutet auch, dass Anbieter von „grünen“ Anlagestrategien Informationen zu den Auswirkungen ihrer Produkte und Portfolios auf Nachhaltigkeit oder Klimaschutz darzulegen haben. „Die Ereignisse der letzten Jahre haben in aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Klimawandel kurz- und mittelfristig finanzielle und wirtschaftliche Risiken birgt. Die Berücksichtigung von Klimarisiken in der Verwaltung von Anlageportfolios ist daher zu einem Muss geworden“, sagt Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei Degroof Petercam AM.

Auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft und Gesellschaft steht die Absenkung von Kohlendioxid-Emissionen im Mittelpunkt. Angesichts der hohen Sensibilität, mit der CO2-Diskussionen derzeit geführt werden, ist die ‚Dekarbonisierung‘ von Anlageportfolios in aller Munde.

Verschiedene Ansätze zur Dekarbonisierung

Ausgangspunkt zur Senkung der CO2-Risiken in Anlegerportfolios ist die Kohlendioxidmessung, die nach wie vor auf unzulänglichen Methoden basiert. Nicht jede Fabrik oder jedes Unternehmen ist mit entsprechenden Mess-Sensoren ausgestattet. Daher werden die Emissionen meistens geschätzt. Zudem ist es schwierig, zwischen direkten Emissionen, die bei der Produktherstellung anfallen, und durch die Nutzung von Produkten entstehenden indirekten Emissionen zu trennen.

Eine mögliche Methode der Dekarbonisierung ist die gezielte Fokussierung auf Sektoren mit geringen Emissionen. Hierzu würde beispielsweise ein Portfolio zählen, das auf ein Engagement in Energiewerten, Versorgern sowie im Industriesektor ganz oder teilweise verzichtet. „Dies ist ein relativ restriktiver Ansatz. Die Hexenjagd auf fossile Energien hat mitunter eine radikale Abwendung vom Öl- und Gassektor zur Folge. Wenn die Bemühungen dieser Branchen als unzulänglich eingestuft werden, werden sie vielfach endgültig ausgeschlossen. Der Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft sollte jedoch von einem Dialog mit allen Akteuren und Stakeholdern begleitet werden, um eine ambitionierte, aber dennoch erreichbare Wende zu bewerkstelligen“, betont Ophélie Mortier.

CO2-Fußabdruck am weitesten verbreitet

Die derzeit populärste Methode zur Einschätzung des Klimarisikos ist die Berechnung des CO2-Fußabdrucks eines Portfolios. Zielsetzung dabei ist, diesen im Laufe der Zeit oder im Vergleich zu einem anderen Portfolio oder einer Benchmark zu verringern. Dazu wird der Kohlendioxidausstoß einzelner Emittenten im Verhältnis zu ihrem Umsatz berechnet. Diese Methode der Kohlendioxidintensität basiert auf einem vom ‚Global Greenhouse Protocol‘ anerkannten Ansatz und beinhaltet sowohl Direktemissionen aus Quellen, die sich im Eigentum oder unter der Kontrolle des Emittenten befinden, als auch Direktemissionen aus dem erforderlichen Energieverbrauch für die Herstellung des Produkts selbst.

„Obwohl auch diese Methode nicht perfekt ist, gestattet die Messung des CO2-Fußabdrucks eine umfassende Risikobewertung und einen Vergleich mit verschiedenen Indikatoren. Die Bemühung um eine Verringerung des Fußabdrucks belegt darüber hinaus das starke Streben nach Fortschritten und echtem Umweltbewusstsein“, sagt die Nachhaltigkeitsexpertin und weist dennoch auf Schwachpunkte hin: „Die Methode des CO2-Fußabdrucks unterscheidet nicht zwischen direkten und indirekten Emissionen, berücksichtigt keinen latenten Kohlendioxidausstoß und beruht vielfach auf Schätzwerten.“

Der Ansatz des CO2-Fußabdrucks zielt auf eine langfristige Reduzierung der Gesamtemissionen eines Portfolios ab. Dies kann einerseits gelingen, indem einzelne Portfoliowerte über- oder untergewichtet werden. Andererseits kann der CO2-Fußabdruck bei einem unveränderten Portfolio auch durch den technologischen Fortschritt schrittweise geringer werden. Zudem erhöhen oder verringern sich Kohlendioxid-Messwerte zwangsläufig durch Verbesserungen der Berechnungsmethode.

„Anlageprodukte durchlaufen einen strukturellen Prozess in Richtung Nachhaltigkeit. Treiber ist nicht nur der Druck der Zivilgesellschaft, sondern auch der europäische Gesetzgeber, durch den die Berücksichtigung von ESG-Kriterien zukünftig verpflichtend wird. Zur Einschätzung des Klimarisikos von Portfolios ist der CO2- Fußabdruck ein erster wichtiger Indikator. Angesichts der hohen Brisanz des klimatischen Wandels sind Analysten und Portfolioverwalter gefordert, das Thema sehr ernst zu nehmen. Basierend auf tiefgreifenden fundamentalen Analysen sollten jedoch alle Themen beachtet werden, die in den jeweiligen Wirtschaftszweigen nicht nur unter klimatischen, sondern auch sozialen Aspekten auf dem Spiel stehen“, fasst Ophélie Mortier zusammen.

Die aktuelle Aktienmarkthausse spricht für wirtschaftliche Erholung

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Oftmals ist der Aktienmarkt selbst der beste Indikator für die kon- junkturelle Entwicklung, so Schlumberger. Leider sagen schwere Aktienmarkteinbrüche unge- fähr doppelt so viele Rezessionen vorher wie dann tatsächlich kommen.

Diese Erkenntnis hatte bereits der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson vor vielen Jahrzehnten festgehalten. Es würde auch aktuell viel dafürsprechen, so Schlumberger, „dass sich der Aktienmarkteinbruch 2018 in seiner Vorhersage für eine Rezession in diesem Jahr irrt. Im Gegenteil, spricht nicht die aktuelle Aktienmarkthausse für eine wirtschaftliche Erholung im Jahresverlauf?“, fragt der In- vestmentprofi.

Auf eine wirtschaftliche Erholung deutet die steigende Kupfernachfrage hin. Empirische Studien haben diesen Zusammenhang bereits belegt. „Die weltweite Nachfrage nach Kupfer fällt rund zur Hälfte in China an. Die steigende Kupfernotiz erlaubt also eine Aussage über die Erwartun- gen an die chinesische Wirtschaft. Und dass das Wachstum der Volksrepublik ganz entschei- dend das Wachstum der Weltwirtschaft determiniert, ist völlig unbestritten“, so Schlumberger. Verstärkt würde der Effekt durch die Bemühungen der chinesischen Führung, eine wirtschaftli- che Abschwächung zu verhindern durch bereits angelaufene Maßnahmen, wie die Senkung der Steuerbelastung für Unternehmen und Privathaushalte, Infrastrukturprojekte oder die Verpflich- tung von Staatsbanken zur Vergabe günstiger Kredite an kleine und mittlere Unternehmen.

Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Wende und die Erwartung einer Einigung im Handelsstreit haben den chinesischen Binnenmarkt auf über 20 % seit Jahresbeginn steigen lassen. Dass der Indexanbieter MSCI die Gewichtung chinesischer Festlandaktien im Schwellenländerindex von aktuell 0,7 % auf 3,3 % heben wird, hat diese Entwicklung befeuert. „Dies sollte auf Basis von MSCI-Schätzungen zu Mittelzuflüssen von 80 Milliarden USD in chinesische Aktien führen. Der Kursanstieg der letzten Wochen schlug sich im Chart in Form einer „Fahnenstange“ nieder, die den Markt extrem anfällig für technische Korrekturen macht. Angesichts eines KGVs von 11 und eines erwarteten Gewinnwachstums von 10 % in 2019 sollten solche Korrekturen jedoch keine Trendwende einleiten“, so Schlumberger. Auf ein Ende des konjunkturellen Abschwungs in China warte insbesondere die deutsche Exportwirtschaft begierig. Hiervon würde insbeson- dere der deutsche Aktienmarkt stark profitieren.

Was Anleger für die Umwelt tun können

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Anleger können etwas bewirken, weil sie die Macht haben, Kapital aus Unternehmen, die ihrer Umweltverantwortung nicht gerecht werden, abzuziehen oder erst gar nicht in solche zu investieren.

Das Jahr 2018 war für die Anleger turbulent, aber der Oktober dürfte sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.

Nicht, weil ein erneuter Abschwung drohte, was schlimm genug gewesen wäre, sondern weil uns schonungslos vor Augen geführt wurde, dass der Kapitalismus von einem viel grösseren Problem bedroht ist – der Umweltzerstörung.

Auch wenn es sicherlich reiner Zufall war, dass das Nobelpreiskomitee die Gewinner ihres Wirtschaftspreises nur wenige Stunde nach Veröffentlichung des erschreckenden Berichts der Vereinten Nationen über die globale Erwärmung am 8. Oktober bekanntgab, hätte der Zeitpunkt nicht passender sein können.

Die Preisträger Paul Romer und William Nordhaus beschäftigen sich jeweils mit der Frage, warum die Weltwirtschaft wächst und ob dieses Wachstum weitergehen kann, ohne dass unser Planet irreparabel geschädigt wird – zentrale Fragestellungen für die Nachhaltigkeit.

Die Botschaft sowohl der Nobelpreisjury als auch des Weltklimarats an die Anleger war unmissverständlich: Ohne das Engagement der Investment-Community für die Sache ist der Kampf zum Schutz der natürlichen Ressourcen unseres Planeten verloren.

Anleger können etwas bewirken, weil sie die Macht haben, Kapital aus Unternehmen, die ihrer Umweltverantwortung nicht gerecht werden, abzuziehen oder erst gar nicht in solche zu investieren.

Eine Möglichkeit, diese Macht zu nutzen, bestünde darin, von jedem börsennotierten Unternehmen zu verlangen, dass es seinen ökologischen Fussabdruck genauso verbucht wie beispielsweise die Abschreibung von Anlagen und Maschinen.

Es kann jedoch noch sehr viel mehr getan werden. Das Modell von Nordhaus, das einen Zusammenhang zwischen Wachstum, Treibhausgas-Emissionen und Klimawandel herstellt, ist deshalb so bahnbrechend, weil es die Umweltkosten von wirtschaftlicher Aktivität quantifiziert. 

Dieses Konzept hat lange Zeit die Denkweisen von Regierungen und Aufsichtsbehörden in aller Welt geprägt und lag der Entwicklung innovativer Instrumente – wie zum Beispiel der Kohlenstoffgutschriften – zur Abschwächung der Folgen des Klimawandels zugrunde.

Es ist an der Zeit, dass die Anleger dem Beispiel der Politiker folgen.  Zumindest sollten sie sich bewusst werden, dass jede Aktie, jede Anleihe und jeder Vermögensgegenstand mit einer Umweltrisikoprämie behaftet ist, die sich im Preis widerspiegeln muss. Würde diese Prämie berücksichtigt werden, kämen die tatsächlichen Kapitalkosten ans Licht und man würde nicht in Unternehmen investieren, die ihren ökologischen Fussabdruck ignorieren.

Es geht nicht nur um die ethische Dimension. In Fachkreisen rücken zunehmend auch finanzielle Aspekte in den Vordergrund. Unternehmen, die aktiv Nachhaltigkeitsgrundsätze anwenden, haben in der Regel höhere Ratings, niedrigere Kapitalkosten, gesündere Finanzen und langfristig eine bessere Aktienkursentwicklung.

Für verantwortungsvollen Kapitalismus ist es jedoch nicht damit getan, dass Unternehmen mit umweltgerechten Geschäftsmodellen belohnt werden.

So sprach US-Präsident Lyndon Johnson in einer Rede vor dem Kongress im Jahr 1965 davon, dass für den Schutz der Ressourcen des Planeten „nicht nur der klassische Ansatz für Schutz und Entwicklung, sondern ein kreativer Ansatz für Wiederherstellung und Innovation“ erforderlich ist.

Der Mensch ist unendlich kreativ und hat es in der Hand, dem Klimawandel entgegen zu wirken und andere Umweltprobleme, die die Erde belasten, zu lösen. Er braucht lediglich die Mittel dazu.

Einige Forschungsvorhaben, die mit angemessenen Geldmitteln unterstützt wurden, tragen bereits Früchte.  In der Branche für saubere Energie, wo Innovation floriert, haben technologische Fortschritte dazu geführt, dass die Kosten für Solarenergie, Windenergie und Batteriespeicher drastisch gesunken sind. Einer Studie zufolge sind für jeden US-Dollar, der seit den 1970ern in Luftreinhaltungstechnologie investiert wurde, geschätzte 30 US-$ in die Wirtschaft zurückgeflossen.

Selbstgefälligkeit ist hier aber fehl am Platz.  Romer hat bei seiner Erforschung der wirtschaftlichen Effekte von technologischem Wandel herausgefunden, dass Anleger innovative Unternehmen oftmals nicht angemessen belohnen und ihnen das Kapital versagen, das für umfassende Forschung und Entwicklung erforderlich ist. Das wiederum bedeutet, dass die Gesellschaft nur von einem Bruchteil des kollektiven Erfindungsgeistes und Einfallsreichtums der Menschheit profitiert.

Das liegt teilweise auch an Kurzsichtigkeit. Allzu oft wird vielversprechenden Technologien keine Aufmerksamkeit zuteil, weil die Anleger nicht die Geduld haben zu warten, bis Renditen abfallen.

Quelle: World Intellectual Property Organization; Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1999–31.12.2015

Romer hat mit seiner Forschungsarbeit deutlich gemacht, dass Anleger in längeren Anlagezeiträumen denken müssen, wenn zielgerichtete Innovationen wie Umwelttechnologie Wurzeln schlagen und weltweit Verbreitung finden sollen. Nur dann kann Kapital dort hinfliessen, wo es am dringendsten benötigt wird. Einer Schätzung zufolge müssen in den kommenden zwanzig Jahren private Investitionen von rund 2,5 Bio. US-$ pro Jahr in grüne Technologie umgeleitet werden.

Erfreulicherweise ist der Markt für Umweltprodukte und -dienste ordentlich am Wachsen. Die Branche hat mittlerweile einen Wert von etwa 2 Bio. US-$ und wächst mit einer annualisierten Rate von 6–7% – und damit doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft. Der World Intellectual Property Organisation zufolge hat sich Anzahl der Patente, die für Umwelttechnologien eingereicht wurden, in den vergangenen zehn Jahren auf rund 20.000 pro Jahr verdreifacht.

Was könnten Unternehmen, die solche Technologien entwickeln, nicht alles erreichen, stünde ihnen mehr Gelder zur Verfügung. Hier kommen die Anleger ins Spiel: Ihnen fällt eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Wirtschaft in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu. Sie können nicht nur den ökologischen Fussabdruck von Unternehmen verkleinern, sondern auch einen Beitrag zur Finanzierung von Technologien leisten, mit denen sich die Ressourcen der Erde für künftige Generationen bewahren lassen.

Wie das Nobelpreiskomitee bereits festgestellt hat, diktiert die Natur die Bedingungen, unter denen wir leben, während Wissen unsere Fähigkeit definiert, diese zu steuern.

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Die nicht-koordinierte Fiskalpolitik verhindert das Wachstum in Europa

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Die Möglichkeiten blieben in den meisten Mitgliedstaaten ungenutzt, so Axel Botte, Head of Equity and Fixed Income Strategy bei Ostrum AM.

Botte: „Es stimmt, dass die öffentlichen Ausgaben die
technische Rezession in Deutschland vermieden haben, aber es ist keineswegs
eine koordinierte Politik, die darauf abzielt, das Produktionswachstum
langfristig zu steigern. Der Schuldenabbau bleibt das Hauptziel Deutschlands.
Stattdessen sind die Länder des Euroraums, in denen die öffentlichen Finanzen
in schlechterer Verfassung sind, darunter Frankreich und Italien, diejenigen,
die mit fiskalischer Expansion, die auf Steigerung der Nachfrage setzt, ihre
Probleme auf der Angebotsseite lösen wollen.“

Dennoch setze sich der Rückgang der Anleiherenditen im Zuge
der weiteren geldpolitischen Lockerung durch die EZB in allen größeren Märkten
fort. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen würden bei 0,10% handeln und dazu bei
tragen, die Spreads für Staatsanleihen sowohl in den Kern- als auch in den
Nicht-Kernmärkten auf breiter Front zu senken. Der Spread für französische OATs
sei tatsächlich auf unter 40bp zurückgekommen. Botte: „ Die jüngsten Erfolge
bei der Syndizierung spanischer Anleihen sind ein Zeichen für ein großes
Investoreninteresse an lang laufenden Staatsanleihen. Die spanischen Bonos
handeln tatsächlich in einem Rahmen von 110bp gegenüber der Bundesanleihe.“

Botte: „An den italienischen Rentenmärkten haben neben der
Wende Mario Draghis die Möglichkeit vorgezogener Wahlen und etwas beruhigendere
Daten Optimismus ausgelöst. Wir sind jedoch bei italienischen Staatsanleihen
nach wie vor vorsichtig und halten lieber andere periphere Anleihen. In den USA
hält der Sinneswandel der Fed die 10-Jahres-Renditen derzeit weit unter ihrem
fairen Wert von 3,10%.“

Den
kompletten Wochenbericht und die dazugehörigen Daten finden Sie hier.

Fondsbranche kehrt London den Rücken

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Die Finanzbranche mag nicht warten, ob sich das Parlament in London nun für oder gegen einen geregelten oder ungeregelten Austritt aus der EU entscheidet. Die Entscheidung, Großbritannien zu verlassen und sich auf dem Kontinent eine neue Basis für das Geschäft mit den restlichen Staaten der europäischen Gemeinschaft einzurichten, ist längst gefallen.

Der Londoner Think Tank New Financial hat einen Bericht veröffentlicht, in dem untersucht wird, wie weit die Umzugspläne der Geldmanager schon gediehen sind. Das Ergebnis: 269 Finanzunternehmen haben tatsächlich schon neue Zentralen eingerichtet, Personal umgezogen und Vermögenswerte verschoben. Hunderte weitere sitzen schon auf gepackten Koffern. 

“Die Zeit der Notfallpläne ist schon lange vorbei”,

erklärt New Financial.

Am weitesten fortgeschritten ist der Umzug der Fondsbranche: 69 Unternehmen haben ihre Zelte in Großbritannien abgebrochen. 62 Banken, 60 Finanzdienstleister und 46 Versicherungen haben den Umzugswagen bestellt, während man sich bei den Anbietern von alternativen Produkten noch etwas Zeit lässt.

Umzug eingeleitet
Umzug eingeleitet

Und die Wahl der besten Standorte ist ebenfalls entschieden: Asset Manager bevorzugen Dublin. Dorthin zieht es 30 Fondsgesellschaften. Auf Platz zwei rangiert Luxemburg, während Amsterdam, Paris und Frankfurt kaum auf Interesse stoßen. Ganz anders die Banken: Die haben sich bereits mehrheitlich für Frankfurt als neue Adresse entschieden.

Neue Domizile der Finanzbranche
Neue Domizile der Finanzbranche

Der Schaden für London und für die europäischen Finanzbranche ist bereits geschehen, berichtet New Financial: Großbritannien gehen die Steuereinnahmen verloren und die Unternehmen werden „multipolar“: Statt einem europäischen Finanzzentrum gibt es bald fünf.

Die Investmentbanken haben schon Vermögen in Höhe von 800 Milliarden Pfund auf den Kontinent verschoben, Asset Manager haben Fonds mit einem Volumen von über 65 Milliarden Pfund bewegt und Versicherungen weitere 35 Milliarden.

Dabei ist der Exodus bei weitem noch nicht abgeschlossen, erwartet New Financial: Die Regulierungsbehörden in den Zufluchtsländern werden wohl bald verlangen, dass die Finanzunternehmen das Volumen ihrer Operationen vor Ort signifikant erhöhen.

Die europäische Wertpapier- und Marktaufsicht ESMA hat schon Anfang Februar vorgesorgt: Im Falle eines No-Deal-Brexits werden die in Großbritannien ansässigen
Zentralverwahrer, die in der EU ihre Dienste anbieten dürfen, als Dienstleister eines Drittlandes anerkannt. Bei diesen Zentralverwahrern
handelt es sich um Euroclear UK und Ireland Ltd, wie die Esma mitteilte.

Rätseln um die Details der FinVermV

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Die Verabschiedung der Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung, kurz FinVermV, sorgt weiterhin für ungute Stimmung in der Finanzbranche. Zwei Gründe sind dafür vor allem verantwortlich: der Zeitplan und die Ausgestaltung.

Das Problem beim Zeitplan ist, dass es keinen gibt. Es ist derzeit nicht absehbar, wann die Verordnung kommt. Der Bundesrat muss der Neufassung der Richtlinie zustimmen. Ursprünglich vorgesehen war, dass der Bundesrat die Novelle am Freitag, den 15. März 2019, beschließen sollte. Doch der Tagespunkt fehlte. Einen Ersatztermin gibt es noch nicht.

Das Problem bei der Ausgestaltung ist, dass Finanzanlagenvermittler immer noch nicht wissen, wie die neue FinVermV konkret aussieht. 34f-Vermittler rätseln weiterhin über die Details der künftigen Gesetzeslage. Die Kernpunkte der Verordnung sind zwar bekannt. Daran wird sich vermutlich auch nichts mehr ändern. Doch es gibt immer noch offene Fragen. So bleibt etwa die Unsicherheit bestehen, ob es zu Übergangsfristen kommen wird und wann die Umsetzung für den Vertrieb konkret in Kraft tritt.

Der Streit ums Taping

Der wohl strittigste Punkt ist die geforderte Aufzeichnung telefonischer Beratungsgespräche (Taping). Hier sei eine großzügige Übergangsfrist zu schaffen, fordern Lobbyverbände. Denn Vermittler bräuchten eine gewisse Zeit, das Taping organisatorisch und technisch umzusetzen. Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Finanzdienstleistung (AfW), stellt den Sinn der vorgesehenen Pflicht zum Taping sogar komplett infrage. „Wir sehen darin weder einen verbraucherschützenden Mehrwert noch einen sonstigen Vorteil“, so Wirth.

Technische Lösungen für FinVermV-konforme Mitschnitte

Immerhin: Technische Lösungen werden bereits angeboten, zum Beispiel von einem neuen Fördermitglied des AfW, der MiFID-Recorder GmbH, die sich auf die Entwicklung und den Betrieb einer virtuellen und unabhängigen Taping-Lösung spezialisiert hat. Das System ist nach Aussage des Unternehmens im Hinblick auf MiFID-II- und FinVermV-Konformität geprüft. Es soll technische, operative, administrative und rechtliche Anforderungen erfüllen.

Auch die Speech Enterprise GmbH bietet Vermittlern eine Cloud-basierte Lösung für die die beweissichere Aufzeichnung von Telefonaten zur Umsetzung der FinVermV an.

Einen für Makler unkomplizierten Weg hat die Netfonds AG im Angebot. Das Unternehmen, das Vermittlern ein Haftungsdach bietet, löst das Problem der Aufzeichnungspflicht im Rahmen einer einfachen Konferenzschaltung. Der Vorteil: Vermittler müssen keine zusätzliche Hardware anschaffen.