Geopolitischen Risiken sind den Märkten egal

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Marktrückblick In einer ereignisreichen Woche, geprägt von einer neuen Regierungskoalition in Italien, dem Besuch von Angela Merkel bei Wladimir Putin und der Einigung zwischen den USA und China in Bezug auf den Handelskonflikt, standen auch einige ökonomische Daten zur Veröffentlichung an. Diese entwickelten sich weitestgehend positiv und damit auch die globalen Aktienmärkte. Für Europa wurden die Zahlen für das BIP-Wachstum des 1. Quartals veröffentlicht. Diese entwickelten sich wie erwartet stabil. Für Deutschland waren die ZEW-Daten relevant. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist um 0,5 Punkte geringfügig auf einen neuen Indexwert von 87,4 Punkten zurückgegangen. Dennoch fiel das Ergebnis besser aus, als von Analysten erwartet worden war. Die ZEW-Konjunkturerwartungen blieben auf demselben Niveau wie im Vormonat. Der Indikator beträgt nach wie vor minus 8,2 Punkte. Dies liegt Experten zufolge an neuen, politisch getriebenen Unsicherheiten. Die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA, die Befürchtung einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts zwischen Europa und den USA sowie weiter steigende Rohölpreise belasteten die Erwartungen für Deutschland. In den USA wurden derweil Daten zu den Einzelhandelsumsätzen veröffentlicht. Die US-Industrieproduktion verzeichnete wie erwartet einen Anstieg um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zum Wochenausklang wurden noch Daten aus Philadelphia zum dort ansässigen Fed-Index veröffentlicht. Diese zeigten sich mit einem Wert von 34,4 Punkten deutlich besser als die Konsensschätzung. Das lag nach Expertenmeinungen an der durchweg positiven Stimmung aller relevanten Sektoren. Mit dem Blick nach China wurden ebenfalls Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion veröffentlicht. Die Einzelhandelsumsätze für den Monat April lagen mit einem Zuwachs von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr unter den Erwartungen der Märkte, wobei die Daten zur Industrieproduktion mit 7,0 Prozent die Konsensschätzung übertrafen.

Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent stieg um etwas mehr als 1 US-Dollar und schloss auf einem Niveau von 78,51 US-Dollar je Barrel. Der US-Dollar legte gegenüber dem Euro um 1,5 Prozent weiter zu und steht nun bei unter 1,18 EUR/USD. Gegenüber dem japanischen Yen gab der Euro 0,3 Prozent nach.

In diesem Umfeld schnitt aus Sicht des Euro-Anlegers der US-amerikanische Aktienmarkt, gefolgt vom japanischen und europäischen, am besten ab. Ebenfalls positiv entwickelte sich der MSCI World. Innerhalb Europas entwickelte sich die Eurozone leicht positiv, während Titel aus den Emerging Markets ein knappes Prozent nachgaben und somit schlechter abschnitten als Werte aus den Industrienationen. Auf Sektorebene ergab sich folgendes Bild: In Europa entwickelten sich die Sektoren Energie, Öl/Gas und Gesundheit am besten. Eine Underperformance zeigten hingegen die Bereiche Finanzen, Telekom und Konsum. In den USA gehörten Titel aus den Sektoren Energie, Rohstoffe und Industrie zu den größten Gewinnern, während Aktien aus den Bereichen Versorger, IT und Telekom eine Underperformance gegenüber dem breiten Markt aufwiesen. Small Caps schnitten gegenüber Large Caps in den USA besser ab, wobei in Europa Large Caps etwas besser abschnitten. Hinsichtlich „Value“ und „Growth“ entwickelten sich in Europa Growth-Titel besser, während es in den USA kaum Unterschiede in der Wertentwicklung dieser beiden Investmentstile gab.

Investoren sollten sich auf eine vorsichtige Gangart einstellen

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„Sollte der US-Forderung nach einer weiteren deutlichen Absenkung des chinesischen Außenhandelsüberschusses erneut Nachdruck verliehen werden, würde im Umkehrschluss die schwächelnde Konjunktur weiter belastet. Investoren sind also gut beraten, sich auf eine höhere Volatilität einzustellen“, erklärt Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers.

Verantwortlich dafür seien steigende (US-)Zinsen und hohe Aktienmarktbewertungen, so Wenzel weiter. Der Dollar habe dabei einmal mehr seinen Charakter als „Fluchtwährung“ unter Beweis gestellt: Trotz oder vielmehr gerade wegen der politischen Unwägbarkeiten hat der Dollar in den vergangenen Wochen deutlich an Wert gewonnen. Über die künftige Geldpolitik gibt es keine Zweifel: Weitere Zinserhöhungen seien laut dem neuen Fed-Chairman Jerome Powell vorprogrammiert.

Für Europa sind Experten zuversichtlich, trotz des politischen Stillstands und möglicher Neuwahlen in Italien: „Trotz der mageren Wertentwicklung seit Jahresbeginn bleiben wir davon überzeugt, dass die europäischen Börsen das Jahr 2018 positiv beschließen werden“, so Wenzel. „Die zurückliegende Berichtssaison hat gezeigt, dass sich die Unternehmensgewinne vielversprechend darstellen.“ Die Konjunktur sei nicht notwendigerweise auf eine stabile Regierung angewiesen, das hätten die vergangenen Jahre schon vielerorts gezeigt.

Virulente Fragen für Europa mit bedeutender Dimension

Mit Blick auf die Entwicklungen auf globalem politischen Parkett stellen sich laut Franz Wenzel gleich zwei virulente Fragen für die Finanzmärkte. Kann die europäische Bankenreform weiter vorangetrieben werden, um die Konjunktur zu fördern? Und: Inwieweit strahlt eine instabile italienische politische Lage möglicherweise auch in Richtung Europa aus? Die europäische Reformfähigkeit und Glaubwürdigkeit seien hier aus seiner Sicht einmal mehr gefragt.

Unterdessen sind die Ölpreise so hoch wie seit über dreieinhalb Jahren nicht mehr.[1] Die Diskussion um das Iranatomabkommen und die Krise im Nahen Osten haben den Ölpreis in den vergangenen zwölf Monaten von zunächst 50 US-Dollar auf heute etwa 75 US-Dollar ansteigen lassen. „Wir unterstellen, dass ein dauerhafter Anstieg von etwa 10 US-Dollar etwa 0,1 Prozent Wachstum kostet“, sagt Wenzel. Sollte der Ölpreis auf heutigem Niveau bleiben, könne das nach dieser Faustregel etwa 0,2 Prozent Wachstum kosten und die Inflation um etwa 0,3 bis 0,4 Prozent anheben.

Renditen-Flirt mit 3-Prozent-Marke: Versuchung für Investoren

Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen nähern sich derweil der 3-Prozent-Marke. Sollten Investoren dieses Niveau nutzen und investieren wollen, ist laut der Experten angesichts der guten Konjunktur und weiter zu erwartender Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank dennoch Vorsicht vor langlaufenden US-Anleihen das erste Gebot der Stunde. Allein für 2018 werden noch drei Zinserhöhungen unterstellt, gefolgt von drei weiteren Zinsschritten für 2019. Die Erhöhungen werden auch am langen Ende der Zinskurve nicht spurlos vorübergehen, sagt Wenzel. „Wir wären nicht überrascht, wenn sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf Sicht von zwei Jahren in Richtung der 4-Prozent-Marke bewegen würden“, erläutert der Experte. Unabhängig von diesen möglichen Entwicklungen bliebe laut seiner Aussage für alle ausländischen Investoren weiterhin die Währungssicherung ein zentrales Thema.

[1] Sorte Brent

Technologie ist nicht gleich Technologie

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Der technologische Fortschritt und die demografische Entwicklung nehmen nicht nur Einfluss auf unser Leben – sondern auch auf Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle entsprechend neu ausrichten. Die Herausforderung für Asset Manager besteht darin, auf das veränderte Unternehmensumfeld reagieren zu können: „Vor allem bei der Aktienauswahl ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, um langfristig positive Erträge erzielen“, sagt Stéphane Lago, Produktspezialist bei AXA Investment Managers (AXA IM).

Über den kurzfristigen Hype hinausdenken

Gerade wenn es um die Bewertung des kommerziellen Potenzials neuer oder sich entwickelnder Technologien wie Augmented Reality oder Blockchain geht, können Investoren Lago zufolge einige Grundsätze beachten: „Die Krux ist es, über den kurzfristigen Hype hinauszublicken. In erster Linie lässt sich davon ausgehen, dass es für neue Technologien im Schnitt länger dauert, Gewinne zu erzielen, als es generell erwartet wird“, sagt Lago. Der Gartner Hype-Zyklus1 zeige beispielsweise auf, wie Technologien oder Innovationen einen Zyklus beginnend bei der Entwicklung, über Erwartungen und Desillusionierung bis hin zur Produktivität innerhalb des Unternehmens durchlaufen. Dieser Zyklus benötige unterschiedliche zeitliche Rahmen, die meist länger ausfallen als erwartet.

„Dementsprechend benötigen Unternehmen auch mehr Zeit, bis sie ihr Geschäftsmodell monetarisieren“, erläutert Lago. So meldete Twitter im Februar 2018 seinen ersten Quartalsgewinn seit der Gründung vor zwölf Jahren, da die Werbetreibenden die Plattform erst allmählich neben etablierten Playern wie Facebook und Google wahrnähmen.

Entfaltung des kommerziellen Potenzials 

Ein weiteres Kriterium, um die vielversprechendsten Unternehmen ausfindig zu machen, sei das Potenzial von Innovationen und Technologien, sobald sie kommerziell nutzbar würden. „Ein gutes Beispiel dafür sind Collaborative Robots, die in Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden. Sie haben ihren Ursprung in der Automobilindustrie, werden aber mittlerweile in verschiedenen Branchen herangezogen, wie im Onlinehandel oder der Logistik“, so Lago weiter.
Ähnlich verhielt es sich mit dem 3D-Druck – auch hier sei das kommerzielle Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft. „Er wird die Rationalisierung der Fertigungs-, Logistik- und Vertriebsindustrie in den nächsten Jahrzehnten erheblich verändern. Denn er bietet Unternehmen einzigartige Möglichkeiten, maßgeschneiderte und hochwertige Produkte wie Prototypen oder Triebwerkskomponenten herzustellen“, erklärt Lago.

Global Player bieten enormes Innovationspotenzial

Entgegen der allgemeinen Annahme werden Lago zufolge neue Technologien nicht notwendig von Small Caps, Hochschulforschungen oder Entwicklungslaboren erfunden. Eine gute Ausgangslage für neue Innovationen böten vor allem die weltweit größten Unternehmen – gerade im Bereich Robotics und Automatisierung. „Die selbstfahrenden Autos von Waymo, einer Tochtergesellschaft von Alphabet (Google), legten in den USA wöchentlich mehr als 25.000 autonome Meilen auf komplexen Straßen zurück. Die Flotte ist bisher mehr als vier Millionen Meilen gefahren und mit jeder Meile mehr gewinnt die Firma an Daten und dementsprechend an Erfahrung, um den Fahrprozess zunehmend zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Alphabet zu einem Haupttreiber für autonomes Fahren wird, der die traditionelle Automobilindustrie aufmischen wird“, so Lago. 

Aber auch im Bereich Small und Mid Caps gebe es vor allem in Japan eine Vielzahl interessanter Unternehmen, die als Zulieferer für die Robotik-Bestandteile agieren – und entsprechend für Investoren attraktiv sind. „Beispiele dafür sind Nabtesco und Renesas, die Teil der Wertschöpfungskette der industriellen Automatisierung sind“, so Lago.
Für die Aktienauswahl des AXA WF Framlington Robotech Fonds verfolgt das Management einen Multi-Cap-Ansatz. Der Fonds investiert über alle Unternehmensgrößen hinweg in globale Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, die in verschiedenen Sektoren wie Industrie, Technologie, Fertigung, Gesundheit und Transport an Robotik- und Automatisierungslösungen arbeiten. „Wir glauben, dass dies der beste Weg ist, um die verschiedenen Trends langfristig zu erfassen“, erläutert Lago. 

Erfahren Sie mehr zum AXA WF Framlington Robotech Fonds auf unserer deutschen und unserer österreichischen Webseite. 

Deutschland verbessert Top-Positionierung im OECD- Nachhaltigkeits-Ranking

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Top 5 im Visier

Deutschland macht Fortschritte bei seinen Anstrengungen, nachhaltiger zu werden. Dies geht aus einer Analyse hervor, deren Ergebnisse in das aktuelle Länder-Nachhaltigkeits-Ranking von Degroof Petercam AM eingeflossen sind. Bereits seit 2007 untersucht der belgische Vermögensverwalter halbjährlich neben Schwellenländern auch OECD-Staaten auf insgesamt 60 Einzelkriterien in den Bereichen ‚Transparenz und demokratische Werte‘, ‚Umwelt‘, ‚Bildung und Innovation‘, ‚Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung‘ sowie ‚Wirtschaft‘.

Im aktuellen Länder-Vergleich wird Deutschland auf Platz 6 von insgesamt 35 OECD-Staaten, und damit einen Rang höher als im 2. Halbjahr 2017, geführt. „In der Summe zählt Deutschland zu den nachhaltigsten Staaten weltweit. In den vergangenen 5 Jahren hat es sich in dieser Hinsicht sukzessive verbessert – ein Trend, der sich auf globaler Ebene, also sowohl bei Schwellenländern als auch entwickelten Staaten, beobachten lässt. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung. Allerdings bleibt viel Potenzial, noch nachhaltiger zu werden – auch für Deutschland“, sagt Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei Degroof Petercam AM. 

Deutschland mit Licht und Schatten

Seit dem Start des Nachhaltigkeits-Rankings im Jahr 2007 bewegt sich Deutschland stets im oberen Drittel. Eine Ausnahme bildet lediglich das Kriterium ‚Bildung‘. Dennoch hat sich Deutschland in diesem Bereich vom 17. Platz in 2013 auf den aktuell 14. Rang verbessert. Deutlich positiver schneidet Deutschland bei ‚Innovationen‘ ab mit einem 8. Rang in Bezug auf Investments in innovative Technologien. Gut steht Deutschland auch in puncto ‚Transparenz’ da – gegenüber 2013 ist es 3 Plätze nach oben geklettert auf aktuell Platz 7. Trotz der hohen Gesamtwertung in diesem Bereich ist Deutschland nicht führend bei den Subkriterien ‚Korruption’ (11. Platz), ‚Pressefreiheit’ (15. Platz) und ‚Stärke der Institutionen’ (13. Platz). Auf 5-Jahres-Sicht leicht verschlechtert von Rang 9 auf 10 hat sich die Einstufung im Bereich ‚Bevölkerung’. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Kriterien ‚Armut‘ und ‚Vermögensverteilung‘.

Deutschland ist bei Umwelt und ökologischer Vielfalt im Ranking traditionell in den Top-Rängen zu finden, hat jedoch über die vergangenen 5 Jahre einen Rang abgeben müssen auf aktuell Platz 8. Die gute Positionierung resultiert in erster Linie aus dem relativ hohen Anteil an Erneuerbaren Energien bei der Elektrizitätserzeugung. Bei den Treibhausemissionen muss sich Deutschland dennoch verbessern und den Anteil der Kohle im Energiemix weiter reduzieren.

Nachhaltigkeit von Staaten auf den Prüfstand stellen

Für Nachhaltigkeitsexpertin Ophélie Mortier ist es essentiell, dass Investoren und Vermögensverwalter nicht nur Schwellenländer, sondern gerade auch die hoch entwickelten OECD-Länder regelmäßig auf ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen hin untersuchen und dies in Anlagestrategien berücksichtigen. Dies zeige das Beispiel Staatsverschuldung: Vor kurzem habe der Internationale Währungsfonds IWF gewarnt, dass der globale Schuldenberg aktuell 12 Prozent höher ist als 2009. Insgesamt mache die weltweite Verschuldung mit 164 Billionen Dollar das 2,25-Fache des kumulierten Sozialproduktes aus.

„Beim Thema Staatsverschuldung tragen die Regierungen der Industrieländer eine besondere Verantwortung. Nicht nur die große Finanzkrise von 2008 hat gelehrt, dass diesbezüglich zwischen gesunden und ungesunden Ländern unterschieden werden muss. Wichtig bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit erachten wir darüber hinaus, wie transparent und demokratisch ein Land ist, wie es um die Gesundheit, Bildung und Vermögensverteilung seiner Bevölkerung bestellt ist, wie wirtschaftlich stark und innovativ ein Land ist und wie es letztendlich mit der Umwelt umgeht“, sagt Ophélie Mortier.

Die aktuellen Ergebnisse dieser Analyse sind in nachfolgender Grafik ersichtlich. Zu je 19 Prozent fließen die Kriterien ‚Umwelt‘, ‚Bildung und Innovation‘, ‚Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung‘ sowie ‚Wirtschaft‘ ein, während ‚Transparenz und demokratische Werte‘ mit 26 Prozent gewichtet werden.

Aktuelles OECD-Nachhaltigkeits-Ranking von Degroof Petercam AM

Zuordnung der 17 Sustainable Development Goals (SDG’s)der Vereinten Nationen im DPAM-ModellÜber

Plastik-Ausstieg: Welche Unternehmen werden am meisten betroffen sein?

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In der jüngsten Vergangenheit ist der Einsatz von Plastik Gegenstand intensiver öffentlicher Diskussionen geworden. Aufgrund von Schlagzeilen wie „Mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren bis 20501“ und „UN verpflichtet sich auf Verbot von Plastikmüll im Meer2“ wurden die Verbraucher und Aufsichtsbehörden auf ein Problem aufmerksam, das bis vor Kurzem der allgemeinen Öffentlichkeit nicht bewusst war. Die Sorgen wegen des Plastikmülls regen mittlerweile die Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden dazu an, Maßnahmen zu ergreifen.

Öffentlichkeit und Politik sagen dem Plastikmüll den Kampf an


Quelle: EUR-Lex Datenbank, Google.

* 2018 ist ein annualisierter Wert basierend auf Werten des ersten Quartals.
** Zahlen stehen für Sucheingaben bei Google für „Plastikmüll“.

Die am meisten betroffenen Hersteller von PlastikproduktenBis dato waren die Auswirkungen relativ gering und konzentrierten sich auf Nischenbereiche. Während einzelne Plastikprodukte besonders ins Rampenlicht geraten sind, geht das Problem jedoch weit über Plastiktüten, Mikroperlen und Strohhalme hinaus.

Wir richten einen umfassenderen Blick auf den allgemeinen Kunststoffsektor, bewerten die Bereiche der Verbraucherverpackungen, die am meisten unter Druck geraten dürften, und widmen uns den Unternehmen, welche diese Produkte zur Verfügung stellen, sowie den Rohstoffen, die in diesen Produkten enthalten sind.

Während auf Konsumgüter fokussierte Unternehmen von der erhöhten Aufmerksamkeit am meisten betroffen sind, dürften die Auswirkungen andernorts in den Wertschöpfungsketten der Kunststoffindustrie – etwa bei Verpackungsunternehmen und Rohstofflieferanten – intensiver und disruptiver ausfallen. Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette analysiert, um potenzielle Risiken zu bewerten, die ihnen ausgesetzten Unternehmen zu identifizieren und Maßnahmen auszumachen, die einige Branchenführer ergreifen. Unseres Erachtens werden die Hersteller von Kunststoffverpackungen am stärksten betroffen sein.

Abbildung 2: Konsumkunststoffe betreffen verschiedene Branchen


Quelle: Schroders

  • Konsumunternehmen werden gezwungen sein, ihren Einsatz von Plastik einzuschränken und Wegwerfplastik gegen alternative Materialien auszutauschen bzw. ihre Verpackungen neu zu konzipieren oder zu reduzieren. Eine lange Liste von Unternehmen hat bereits Vorhaben angekündigt, um ihre Herangehensweise beim Einsatz von Verpackungen zu ändern. So hat Whitbread, der Eigentümer von Costa Coffee, ein landesweites Recycling-Programm angekündigt, während Coca-Cola sich dazu verpflichtet, sämtliche Verpackungen bis 2030 zurückzunehmen und zu recyceln, und McDonald’s vorhat, die Verpackungen bis 2025 gegen erneuerbare oder recyclebare Materialien auszutauschen. Dies wird Kosten für neue Ausrüstungen, die Neuausrichtung von Lieferketten und in einigen Fällen einen höheren Materialaufwand mit sich bringen. Allerdings zeigt unsere Analyse, dass Unternehmen, die sich auf diese Trends einstellen, profitieren könnten. Kosteneinsparungen durch einen reduzierten Einsatz von Verpackungen, ein verbessertes Image bei den Verbrauchern und geringere regulatorische Risiken könnten zu höheren Margen für Lebensmittelhersteller und auf Haushaltswaren & Körperpflegeprodukte spezialisierte Unternehmen führen. Unseres Erachtens sind auf nicht alkoholische Getränke fokussierte Unternehmen, die so weitermachen wie bisher, den größten negativen Risiken ausgesetzt.

  • Verpackungsunternehmen stehen vor größeren Herausforderungen. Derzeit bestehen 37 % von Verbraucherverpackungen aus Plastik3, was sich künftig eindeutig ändern wird. Andererseits werden Marktführer, die dazu in der Lage sind, nachhaltige Alternativen wie Biokunststoffe oder Kunststoffe mit erhöhter Recyclebarkeit zu entwickeln, aus diesen Herausforderungen gestärkt hervorgehen. Sie sollten dazu in der Lage sein, unverwechselbare Produkte zu etablieren, bei denen sie über Preismacht verfügen und mit denen sie ihre derzeitige Abhängigkeit von herkömmlichen Standardkunststoffen überwinden können. Während einige wesentliche Mitspieler bereits ihre Innovationsbemühungen auf die Entwicklung nachhaltigerer Verpackungsmaterialien lenken, gehen die Innovationen unseres Erachtens zu langsam voran, um es der gesamten Branche zu ermöglichen, herkömmlichem Plastik ungeschoren den Rücken zu kehren. Unsere Analyse des gefährdeten operativen Gewinns einzelner Verpackungsunternehmen unterstreicht den Wert von guter Führung, da gut aufgestellte Unternehmen kaum Auswirkungen verspüren werden, während bei Nachzüglern bis zu ein Drittel des Gewinns in Gefahr ist.

  • Chemieunternehmen entwickeln allmählich kompostierbare Biokunststoffe und verschiedene Arten von Polymeren, die zu einem verringerten Materialaufwand führen können. Biokunststoffe und kompostierbare Materialien werden immer beliebter. Der Markt für Biokunststoffe dürfte bis 2030 jährlich um insgesamt 30 % (gerechnet ab 2013) wachsen, verglichen mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3 % für Kunststoffe, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden4. Biokunststoffe haben allerdings ihre Schwachstellen: Unter Umständen ist es schwer sie zu recyceln, sie sind teurer in der Herstellung und sie sind noch nicht in großen Mengen verfügbar. Verbesserungen in der Zelluloseaufarbeitung dürften die Qualität und Quantität allerdings steigern und die Kosten senken. Da die Hersteller von ihren am Endverbrauchermarkt tätigen Kunden zunehmend unter Druck gesetzt werden, dürften die innovativeren Unternehmen Marktanteile erobern. Die meisten dieser Nutznießer werden sich wohl aus den gegenwärtigen Branchenführern hervorgehen.

  • Abfall- und Recyclingunternehmen dürften von einer zunehmenden Nachfrage nach Recycling am Ende der Lebensdauer und nach Wiederverwertung profitieren. Die jüngsten Beschränkungen für Müllimporte nach China und ein erhöhter politischer und regulatorischer Druck in Bezug auf Plastikmüll schaffen für die Recyclingbranche ein potenzielles Sprungbrett. Neue regionale Gegebenheiten, neue Anwendungen und neue Produkte könnten zu einem Marktwachstum von 7–9 % führen. In einer fragmentierten und stark umkämpften Branche die potenziellen Nutznießer zu identifizieren ist eine große Herausforderung. Unseres Erachtens werden lokalisierte Lösungen den Ausschlag geben.

  • Wesentliches Rohmaterial zur Herstellung von Kunststoffen ist Öl. Rund 4–8 % der globalen Ölproduktion fließt in die Herstellung von Plastik5, wovon schätzungsweise die Hälfte wiederum für Verpackungen eingesetzt wird. Infolgedessen dürften die Auswirkungen auf diesen Markt moderat sein. Allerdings ist dieser Aspekt auch nicht gerade hilfreich, da sich die Thematik zu den allgemeineren Herausforderungen, vor denen der Energiesektor steht, noch hinzugesellt.

Wegwerfplastik ist heutzutage in der Branche der Verbraucherprodukte und deren Wertschöpfungsketten allgegenwärtig. Wir gehen davon aus, dass sich der Druck von den spezifischen Nischen, die aktuell im Rampenlicht stehen, auf eine breitere Palette von Produkten ausweiten wird. Dies alles trägt zu einer globalen ökologischen Herausforderung bei, welche im Begriff ist, sich vom ökologischen Sorgenkind zu einem Wirtschaftsfaktor zu mausern.

 

 

1 G. Wearden, „Laut Ellen MacArthur bis 2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren“, The Guardian, Januar 2016.
2 R. Harrabin, „UN verpflichtet sich zu einem Ende des Plastikmülls in den Meeren“, BBC News, Dezember 2017.
3 Unwrapping the Packaging Industry, EY, 2013.
4 „Global Bioplastics Market Predicted To Grow 350%“, Energy and Gold, März 2016.
5 New Plastics Economy: Rethinking the Future, Ellen MacArthur Foundation, Dezember 2017.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

 

Der Beitrag wurde am 02.01.18 auch auf schroders.com veröffentlicht.

 

 


Rentenfonds: Priced to fail

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Das Analysehaus Morningstar hat die Performance von Rentenfonds in einer lang angelegten Studie untersucht. In vielen Fällen seien die Fonds aufgrund der Gebührenstruktur kaum in der Lage Outperformance zu generieren. Ihre Kosten seien höher, als die mittlere Ertragsleistung der Fonds-Kategorie, so die Studie. Auf diese Weise würde die Performance der Fondsmanager in den meisten Fällen reduziert oder komplett abgebaut. Abhängig von der Kategorie des Fonds sowie der angelegten Untersuchungsperiode schnitten neun bis 45% der EAA-Rentenprodukte (Europe, Africa, Asia) gleich gut oder besser ab als der Benchmark-Index. Die Zahl der Fonds, die nach Abzug der Kosten mehr als ein Prozent über dem Index-Ertrag rangierten, war signifikant geringer, eine Handvoll der Fondsmanager schlugen den Index um mehr als zwei Prozent.

Als Maßstab zur Erfolgsbewertung diente der Studie die “mittlere Performance” gemessen über rollierende drei-Jahres-Zeiträume. Die Kosten wurden bei der Ertragsberechnung berücksichtigt. Nachteil der Studie: Das Heranziehen eines einzigen Benchmark-Index’ für ganze Gruppen von Rentenfonds ist geeignet, die singulär wirksamen Mechanismen einzelner Fonds zu nivellieren.

Als empfehlenswert fiel im Schnitt die Ertragsleistung von Fonds der Peergroup „Unternehmensanleihen Emerging Markets“ aus. Die Fonds weisen eine mittlere Erfolgsquote von 45% auf. Das bedeutet 45% der Fonds überdauerten diese Periode und übertrafen oder performten gleich gut wie die Benchmark. Einen Mehrertrag von über einem Prozent gegenüber dem Index schafften allerdings weit weniger Fonds. Hier lag die Quote im Mittel bei 14%. Mehr als zwei Prozent erzielten knappe zwei Prozent der Fondsmanager.

Etwas mehr als ein Drittel der „globalen Bondfonds“ performten auf dem Niveau des Index, knapp 17% lagen ein Prozent darüber. Immerhin neun Prozent der Fondsmanager erzielten eine Outperformance von zwei Prozent.

Auch Fonds der Kategorie „Britische Unternehmensanleihen“ schnitten vergleichsweise gut ab: 32% lagen mit der Benchmark gleichauf, rund 11% der Fonds schlugen den Index um ein Prozent, gut 4% performten nach Abzug der Kosten zwei Prozent darüber.

Outperformance: Wie Fondsmanager in Bond-Assetklassen abschneiden

 

Quelle: Morningstar

Der typische Fonds von Benchmark-getriebenen Kategorien (EAA Anleihen Aggregate, Europäische Staatsanleihen, Britische Staatsanleihen, Europäische Unternehmensanleihen) performe aufgrund der Gebühren im Schnitt fast dauerhaft schlechter als ein vergleichbarer Indexfonds. Selbst die besten Fondsmanager dieser Kategorie erzielten Erträge, die nur knapp über dem Index lägen.

 

Die vollständige Studie zu Rentenfonds können Sie hier downloaden.

 

(DW)

Volatilität trifft ETF-Absatz in den USA

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Die Geopolitik bestimmt derzeit das Geschehen an den Kapitalmärkten mit. Die schwelenden Spannungen zwischen den USA und China, die schlimmstenfalls in einem Handelskrieg münden könnten, sowie der aufkeimende Konflikt in Syrien führten in der jüngsten Vergangenheit zu einem Anstieg der Volatilität in den Aktienmärkten, allen voran in den USA.

Das schlägt sich auch in der Volatilität des ETF-Marktes nieder. Viele Marktteilnehmer schauen argwöhnisch auf diese Entwicklung, weil Marktvolatilität allgemein als Angstbarometer wahrgenommen wird. 

Entsprechend stark schwankte der Markt mit Indexfonds im ersten Quartal. Während die Fondsgesellschaften im Januar noch Nettomittelzuflüsse in Höhe von 77,8 Mrd. US-Dollar verzeichnen konnten, brach der Umsatz in den kommenden beiden Monaten ein. Investoren entzogen den Fonds fast 14 Mrd. US-Dollar. Allerdings stabilisierten sich die Umsatzzahlen im April wieder und bescherten den Index-Anbietern Nettomittelzuflüsse in Höhe von rund 28 Mrd. US-Dollar. Das gab das unabhängige Londoner Research-Institut ETFGI bekannt.

Ende April wurden 1.879 ETFs von 121 verschiedenen Anbietern an den US-Börsen gehandelt. Zusammen verwalten die Fondsgesellschaften in den Fonds ein Volumen von 3.4 Bio. US-Dollar. 

Den Großteil der Zuflüsse teilen die Branchenriesen unter sich auf. Unter den Top-Ten Fonds landen sieben BlackRock-Fonds und drei Vanguard-ETFs. Der größte Fonds ist mit AuM von 140.415 Mrd. US-Dollar der ishares Core S&P 500 ETF. Auf Rang zwei bis vier folgen ebenfalls Indexfonds der BlackRock-Gruppe. Mit einem Volumen von 92.303 Mrd. folgt der Vanguard Total Stock Market ETF auf Rang zwei.

Top-20 ETFs geordnet nach Nettomittelzuflüssen

 

Quelle: ETFGI

 

(DW)

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