Im Fokus: Die besten Rentenfonds Emerging Markets

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Das Analysehaus Morningstar veröffentlichte jüngst eine
Studie, die kein gutes Haar an Rentenfonds lassen wollte. Viele der Fonds seien
schon von vornherein zum Scheitern verurteilt, lautete das einhellige Ergebnis
ihrer Untersuchung. €uro Advisor Services sieht dagegen wenig Gründe für einen
Abgesang, bricht eine Lanze für die Assetklasse und präsentiert die besten
Rentenfonds Emerging Markets der vergangenen zehn Jahre. Indexfonds werden in
der Analyse nicht berücksichtigt, die Ertragsverwendung wird als thesaurierend
angenommen. Zur Peergroup zählen nur Fonds, mit der Fondswährung Euro. Unser
Untersuchungsszenario geht von einer Einmalanlage über 100.000 Euro aus. Das
mag in der Berater-Praxis ein nachgelagerter Fall sein. Der Vorteil gegenüber
einer Sparplananalyse liegt darin, dass auf diese Weise die Fondsperformance
der letzten zehn Jahre am deutlichsten extrapoliert wird, weil Kurswert und
Anteilserwerb nicht parallel fortlaufen und den Blick auf die reine
Ertragsleistung der Fonds verwässern.

Ganz
vorne eine Kuriosität: ZZ1

Ganz vorne eine Kuriosität: ZZ1
Ganz vorne eine Kuriosität: ZZ1

Quelle: Finanzen
FundAnalyzer

Ganz oben steht ein Fonds mit dem futuristisch anmutendem
Namen ZZ1 (ISIN: AT0000989090). Aufgelegt hat ihn das österreichische Fondshaus
Semper Constantia Invest, eine Fondstochter der Liechtenstein-Bank. Der ZZ1
bringt es auf eine Rendite von 9,44% p.a. Kumuliert beläuft sich sein
Wertzuwachs über den Betrachtungszeitraum auf 146,6%. Wie stark die Performance
ausfällt, zeigt ein Vergleich mit einer Auswertung des Deutschen
Fondsverbandes, BVI. Deren beste Fondsklasse, Aktienfonds Deutschland, brachte
im Schnitt nur 76% kumuliert über zehn Jahre Laufzeit ein (5,8% p.a.). Besonders
schwer tat sich der ZZ1 mit den volatilen Märkten in 2018. YTD steht ein Minus
von 13,85% für den Fonds. Über den Fondsmanager macht die KVG keine Angaben.
Der ZZ1 investiert vorwiegend in High Yield Anleihen der Emerging Markets. Die
größte Anleihe-Position kommen aus dem Finanzsektor, mit knapp 4,1 % Corsair
Finance, ein irischer Finanzdienstleister, sowie Swedish Export Credit mit 2,6%
und die NIBC Bank mit 2,3%. Anlegern gegenüber zeigt sich der Fonds allerdings
eher verschlossen. Ein Ausgabeaufschlag in Höhe von 10% macht ihn rein
rechnerisch zu einem geschlossenen Fonds.

Der Fidelity Funds Emerging Market Debt Fund (ISIN: LU0238203821)
bringt es auf einen Gesamtertrag von 139,97%, bei einer Vola von knapp 11% –
ein Mittelfeldwert. Die besten Fonds der Peergroup liegen bei gut 5%. Über zehn
Jahre rentiert der Fonds mit etwa 9,15% p.a. Verantwortlich für den 1,8 Mrd.
US-Dollar schweren Fonds zeichnet seit sechs Jahren Fondsmanager Steve Ellis.
Mindestens 70% des Vermögens müssen in Schwellenlandanleihen allokiert sein.
Der Anlagefokus liegt bei Staats- und Unternehmensanleihen. Ellis kann aber
auch auf Lokalwährungsanleihen zurückgreifen. Besonders starkes Exposure hat
der Fonds aktuelle auf den amerikanischen Kontinenten. In den USA sind 13% des
Volumens angelegt, in Mexiko weitere sieben Prozent. Ebenfalls stark vertreten:
Ecuador (4,3%), Sri Lanka (3,7%) und Brasilien (3,0). Die größte Position auf
dem alten Kontinent bilden türkische Anleihen mit 6,6%. Besonders stark
vertreten sind High Yield Anleihen. Sie machen etwas mehr als 60% des
Portfolios aus. Der größte Einzeltitel im Portfolio wird aktuell von einem
Geldmarktfonds aus eigenem Haus ausgefüllt. Die Cash-Position ist mit über 10% ordentlich
ausgebaut. Wichtig für Investoren: Der in Luxemburg aufgelegte Fonds erfordert
eine Mindestanlage von 2.500 Euro.

Härtetest 2018: Alle
Rentenfonds im Minus

Härtetest 2018: Alle Rentenfonds im Minus
Härtetest 2018: Alle Rentenfonds im Minus

Quelle: Finanzen
FundAnalyzer

Drittbester Fonds im Feld ist der Alliance Bernstein FCP I EmergingMarkets Debt Portfolio (ISIN: LU0246603467). Über zehn Jahre erzielt er eine
Wertsteigerung von 134,5%. Das Management-Quintett Paul DeNoon, Douglas Peebles,
Michael Mon, Matt Sheridan und Fe Grisales investiert mindestens zwei Drittel
in Staatsanleihen und Renten von nicht-US-Unternehmen. Auch der AB Fonds ist
ein echtes Schwergewicht. Er kommt auf ein Volumen von über 1,1 Mrd. US-Dollar.
Im Gegensatz zur Konkurrenz hält der Fonds keine nennenswerten Cash-Rücklagen.
Angelegt wird vorwiegend im High-Yield-Bereich. Staatsanleihen machen gut 69%
aus, Industrieanleihen stellen weitere 15%. Die Top-5-Positionen sind
gabunische und argentinische Staatsanleihen mit je 1,8%, auch omanische
(1,73%), sowie uruguayische und ukrainische Anleihen (je 1,7%). Wie der ZZ1 hat
der Fonds ein schweres Halbjahr hinter sich. YTD beläuft sich der Ertrag auf minus
5,1%.

Plus und Plus ergibt
Minus

Von der Luxemburger Fondsadresse MFS Meridian stammt der
Emerging Markets Debt Fund (ISIN: LU0219422606). In Sachen Wertsteigerung ist
er der Viertbeste Fonds im Feld. Er bringt 133,6% Wertentwicklung ins Depot,
das entspricht über zehn Jahre einem jährlichen Zuwachs von 8,85%. Die Vola
beträgt ungefähr 9,8% – ein guter Mittelfeldwert. Herausragendes Jahr war für
den Fonds das Jahr 2009. Hier rentierte er mit 27%. Das klingt viel, liegt aber
nur 1,3% über dem Kategorie-Durchschnitt dieses Zeitraums. Im letzten Jahr lag
sein Minus dafür 13 Mal höher als die seiner Rentenfonds-Peergroup. Er ist mit
2,7 Mrd. US-Dollar der zweitgrößte Fonds im Vergleichsfeld. Gemanagt wird das
Dickschiff von Ward Brown und Matthew Ryan. Sie setzen vorwiegend auf
Hochrisiko-Anleihen. Argentinische Staatsanleihen bilden rund 3,8% des
Portfolios, in russische Staatsanleihen sind knapp 1,45% allokiert. Ebenfalls
stark vertreten sind US-Staatsanleihen mit 1,1%. In Cash liegen nur rund 5%. Für
einen Emerging Markets Rentenfonds liegt der Ausgabeaufschlag in Höhe von 6% fast
doppelt so hoch wie üblich.

Ein Fonds des US-Amerikanischen Fondsanbieters Goldman Sachs
komplettiert das Feld. Wie für den MFS-Fonds war 2009 auch für den GS EmergingMarkets Debt Portfolio E Acc (ISIN: LU0133266147) das beste Jahr der
vergangenen Dekade. Hier erzielte das Fondsmanagement ein Plus von 33,6%.
Deutlich mehr, als sein besser platzierter Mitbewerber. 2005 rentierte der
Fonds sogar noch höher über dem Durchschnitt und erzielte knapp 11% Überrendite
gegenüber der Peergroup. Weil sich der Fonds in den Jahren dazwischen
allerdings einige Auszeiten gönnte, steht am Ende der 10 Jahresperiode
kumuliert „nur“ ein Mehrwert von 128%. Die stark schwankende Leistung spiegelt
sich ebenfalls in der Vola wieder, die mit 11,5% den zweithöchsten Wert des
Spitzenfeldes bildet. Mit 8,8 Mrd. US-Dollar Volumen ist der GS-Fonds nicht nur
in der Peergroup ganz oben, sondern gehört weltweit zu den größten Fonds. Auch
der Goldman Sachs allokiert sehr stark in Amerika. Lateinamerikanische Länder
beanspruchen 38,3% des Fondsvolumens, Asien gut 20%, im Nahen Osten sind
weitere 16% allokiert. Die Präferenz liegt auf High Yield Anleihen. Trotz
seines Geo-Exposures von nur 0,8% in Nordamerikanische Titel, bilden drei
US-Staatsanleihen die größten Positionen. Zusammen machen sie gut 12,4% des
Fondsvolumens aus.


M&G-Chefin Anne Richards wechselt zu Fidelity

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In der Asset Management-Branche ist es die Nachricht der Woche: M&G-Chefin Anne Richards verlässt ihren bisherigen britischen Arbeitgeber und wechselt zum US-amerikanischen Konkurrenten Fidelity International. Die M&G-Vorstandschefin wird ihren neuen Job bei Fidelity im Dezember antreten. Das bestätigten beide Unternehmen.

Überraschend kommt die Nachricht vor allem deshalb, weil Richards erst vor zwei Jahren ihren damaligen Arbeitgeber Aberdeen Asset Management verlassen hatte und bei der M&G-Mutter Prudential als Investmentchefin angetreten war, um das etwas verschlafene britische Traditionshaus wieder auf Spur zu bringen. Michael McLintocks, ihr Vorgänger bei M&G, verabschiedete sich in den Ruhestand.

Abschied ohne Tränen

Über die Gründe für den nun angekündigten Wechsel Richards´ zu Fidelity gibt es nur Mutmaßungen. Ein Grund könnte die Neuausrichtung von Prudential sein, die im vergangenen Jahr eingeleitet wurde: Der Konzern, der verschiedene Finanzsparten unter seinem Dach vereint, hat den Bereich Asset-Management abgespalten und will ihn unter dem Namen M&G Prudential als eigenständiges Unternehmen an die Londoner Börse bringen. Der Versicherungskonzern Prudential will sich dafür auf die stärker wachsenden Märkte in Amerika und Asien konzentrieren. Für Richards bedeutete die Entscheidung zur Neuausrichtung de facto eine Zurücksetzung. Denn M&G Prudential wird von John Foley gesteuert. Anne Richards bekam nur die Rolle als Stellvertreterin im neuen Unternehmen zugewiesen, auch wenn sie weiterhin M&G-Chefin geblieben ist. Die ehrgeizige Managerin und studierte Elektroingenieurin, die vor ihrer Karriere in der Finanzbranche unter anderem für das europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf arbeitete, sah das wohl zum Anlass, sich nach neuen Herausforderungen umzusehen.

Fündig wurde sie bei Fidelity. Das US-Unternehmen lockte Richards mit mehr Verantwortung: In ihrer neuen Rolle bei Fidelity berichtet Anne Richards  direkt an Abigail Johnson, einem Spross der Fidelity-Gründerdynastie. „Anne übernimmt die Verantwortung für Fidelity International in einer wichtigen Zeit der 50-jährigen Geschichte“, sagt Abigail Johnson. „Ich bin absolut überzeugt von ihren Fähigkeiten, das Unternehmen in dieser spannenden Phase der Entwicklung und des Wachstums zu führen“, so Johnson. Für Richards wird Brian Conroy sein Büro räumen und in die Staaten als US-Chef zurückkehren.

Bond Vigilantes: Rally bei risikobehafteten Vermögenswerten trotz Handelskriegen

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Traditionelle risikobehaftete Rentenanlagen wie Schwellenländer- und Hochzinswerte legten in den vergangenen fünf Handelstagen zu und nahmen eine Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China gelassen hin. Die größte Volkswirtschaft der Welt kündigte Pläne an, zusätzlich zu den am Freitag in Kraft getretenen Zöllen auf chinesische Güter im Wert von 34 Mrd. USD weitere Güter in Höhe von 200 Mrd. USD mit Zöllen zu belegen. Die fast 200 Seiten umfassende Liste, die lebenden Fisch, Antiquitäten und Holztüren umfasst, schürte neue Sorgen über die chinesischen Exporte und schwächte den Renminbi auf 6,67 gegenüber dem US-Dollar ab, was das schwächste Niveau seit beinahe einem Jahr ist. Die Renten- und Aktienmärkte in China gerieten unter Druck, insbesondere das Hochzinssegment (siehe nähere Informationen unten).

Allerdings hielten die neuerlichen Handelsspannungen Schwellenländerwerte nicht von einer starken Erholung ab, die vor allem von einem schwächeren US-Dollar getrieben wurde. Der Greenback sackte infolge des US-Beschäftigungsberichts am Freitag ab, der ein gemischtes Bild der Wirtschaft abgab: Die Einstellungszahlen waren zwar positiv, die Lohnzuwächse gingen jedoch zurück, was die Breakeven-Inflationsrate sowie die vom Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Zinserhöhungen nach unten drückte. Währungen der Schwellenländer legten zu. Angeführt wurden sie vom mexikanischen Peso, der gegenüber dem US-Dollar um 2,7% nach oben schnellte, nachdem Präsident López Obrador Treffen mit US-Behörden für Gespräche über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) ankündigte. Darüber hinaus ging López Obrador auf Wirtschaftsakteure zu und sprach sich dafür aus, die Defizite des Landes unter Kontrolle zu behalten.

Die Rohstoffmärkte gerieten durch die erneuten Handelskriege allerdings unter Druck. Kupfer verlor in den letzten fünf Handelstagen 2,45% (mehr dazu unten). Auch die türkische Lira schaffte keinen positiven Abschluss in dieser Woche: Sie verlor 2% gegenüber dem US-Dollar, nachdem sich das Leistungsbilanzdefizit des Landes ausweitete und Präsident Erdogan neue Befugnisse für die Ernennung des Zentralbankchefs übernahm und seinen Schwiegersohn zum Finanzminister erklärte. Das britische Pfund legte, unbehelligt von den jüngsten politischen Turbulenzen (mehr dazu unten), in den letzten fünf Handelstagen um 0,5% gegenüber dem US-Dollar zu. Die Bank of Canada hob die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf 1,5% an, die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr.

Nach oben:

Risikoaufschläge chinesischer Unternehmen – hoch genug? Die Kluft zwischen den Risikoaufschlägen bei chinesischen Unternehmen im Hochzinssegment und US-amerikanischen Staatsanleihen weitete sich im Juli weiter aus und erreichte die Marke von 367 Basispunkten – der größte Abstand seit April 2015, als die Zentralbank die Zinsen senkte, um das rückläufige Wachstumstempo abzufangen. Die jüngste Entwicklung reflektiert die zunehmenden Sorgen der Anleger über die Abwertung des Renminbis von 5,3% gegenüber dem US-Dollar innerhalb der letzten drei Monate sowie die wachsenden Ängste über die Auswirkungen der neuen US-Handelsbarrieren für chinesische Exportunternehmen. Darüber hinaus sorgten auch der permanente Kampf zur Reduzierung der Verschuldung, ein steigender Greenback und höhere US-Zinsen dafür, dass Anleger eine höhere Kompensation für das Risiko verlangten. Die Spreads sind mittlerweile auf ein Niveau angestiegen, das für den ein oder anderen hoch genug sein könnte, um in der aktuellen Situation zu kaufen. Die chinesische Wirtschaft befindet sich auf einem guten Weg, ihr Wachstumsziel von etwa 6,5% dieses Jahr zu erreichen, was vor allem auf den internationalen Konsum zurückzuführen ist – China verkauft beispielsweise mehr Autos im eigenen Land als die USA. Auch könnten Handelskriege für das Wachstum weniger ein Problem sein als häufig geglaubt: 2007 machte der Leistungsbilanzüberschuss noch 10% des BIP aus, heute ist es nicht einmal mehr 1%. Ein stärker am Binnenmarkt orientiertes Wirtschaftswachstum könnte darüber hinaus führende Wirtschaftssektoren wie den Immobilienmarkt unterstützen. Allerdings durchläuft die Wohnimmobilienbranche nach Sorgen über unhaltbar hohe Preise und eine steigende Ausfallrate gegenwärtig eine Erholungsphase. Manchmal werden mehr Ausfälle jedoch als ein positiver Faktor betrachtet, da sie die Glaubwürdigkeit des Landes zu einer Zeit verbessern, in der China eine Öffnung der Kreditmärkte für internationale Investoren plant.

Spreads im chinesischen Hochzinssegment: Es geht nach oben
Spreads im chinesischen Hochzinssegment: Es geht nach oben

Fußball-Weltmeisterschaft, Wetter und die royale Hochzeit überwiegen die politischen Turbulenzen: Wachstum „is coming home“: Das britische Pfund legte in den letzten fünf Handelstagen um 0,6% gegenüber dem US-Dollar zu und blieb von dem Rücktritt des wichtigsten Brexit-Politikers und Außenministers des Landes unversehrt. Stattdessen reagierte die Währung stärker auf das Wirtschaftswachstum, das in den drei Monaten bis Mai um 0,2% zulegte, sowie auf bessere Daten zu den Konsumausgaben: Eine Kombination aus gutem Wetter, der kürzlichen royalen Hochzeit und die erfolgreiche Fußball-Weltmeisterschaft trugen dazu bei, die Konsumausgaben im Juni um 5,1% gegenüber dem Vorjahreszeitraum anzuheben. Der Optimismus hob die vom Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung im August auf 82% an, der höchste Wert seit April.

Nach unten:

US-Hochzinsanleihen und Investment Grade: Entkopplung: Nach monatelangem Gleichlauf begannen sich im zweiten Quartal des Jahres festverzinsliche Werte der Segmente US-Investment-Grade (IG) und Hochzins voneinander zu lösen. In diesem Fall waren es jedoch nicht so sehr die Spreads bei Hochzinsanlagen, die davongeflogen sind, sondern die traditionell beständigeren und leiseren Spreads im Investment-Grade-Segment. Die Entwicklung folgt auf das sehr starke IG-Angebot in diesem Jahr, das die von den Anlegern geforderte Prämie ansteigen ließ, und einem Mangel an höher verzinslichen Emissionen, da Anleger beim Kauf von Emissionen mit niedrigem Renditeniveau eher zögerlich sind. Darüber hinaus leidet das US-IG-Segment unter einer Qualitätsverschlechterung: Unternehmen mit einem BBB-Rating (der niedrigste IG-Rang) machen mittlerweile die Hälfte der Anlageklasse aus, 2006 waren es noch 34%. Das US-Hochzinssegment ist zusammen mit US-Loans, inflationsgebundenen Anleihen aus Großbritannien und Schwellenländeranleihen eine der Anlageklassen mit den besten Wertentwicklungen. Die Sparte legte in den vergangenen 12 Monaten um 3,2% zu und widersetzte sich Handelskriegen, politischen Turbulenzen in Italien sowie einem Umfeld von allgemein steigenden Zinsen. Manche Marktbeobachter schätzen das US-Hochzinssegment jedoch derzeit und möglicherweise auch zukünftig als potenziell teuer ein: Das Angebot wird den Erwartungen nach, aufgrund eines eher ereignislosen Kalenders im Bereich der Fusionen und Übernahmen und bereits vollzogener großer Refinanzierungsgeschäfte sowie der starken Konkurrenz durch den Loan-Markt, auch weiterhin knapp bleiben. Floating Rate Notes werden aufgrund der Überzeugung immer beliebter, dass sie Anleger möglicherweise vor steigenden Zinsen absichern. Die anhaltenden Handelskriege trugen darüber hinaus zu einer breiter werdenden Kluft zwischen IG und HY bei, da Emittenten im Hochzinssegment tendenziell eher auf den Binnenmarkt konzentriert und weniger international aktiv sind. Wie lange noch?

US High Yield -Investment Grade: Spread-trennung
US High Yield -Investment Grade: Spread-trennung

Rohstoffe – „trumped“: Kupfer, Silber und Palladium sind einige der Rohstoffe, die in den letzten fünf Handelstagen Verluste verbuchen mussten, da sie von der Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China getroffen wurden. Metalle erlitten gleich einen doppelten Schlag, da sie Teil der neusten Liste an Produkten sind, die mit neuen US-Zöllen belegt werden, und gleichzeitig unter einer potenziell niedrigeren Nachfrage aus China leiden. Das Land war in den letzten zehn Jahren der weltweit größte Verbraucher von Rohstoffen. Die Währungen von rohstoffexportierenden Ländern gaben nach: Aufgrund von Sorgen über Schwierigkeiten beim Kupfer-Export verlor der chilenische Peso in den letzten fünf Handelstagen 0,3% gegenüber dem fallenden Dollar.

EU-Kommission irritiert mit neuen Zeitplänen zur PRIIPs-Überprüfung

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Die Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIPs) sollen Finanzprodukte vergleichbarer machen. Eigentlich. Doch Verbände wie der deutsche Fondsverband BVI und der Deutsche Derivate Verband (DDV) wettern seit Monaten, die PRIIPs-Verordnung sei nicht ausgerift. Schlimmer noch: PRIIPs sei geeignet, „die Verbraucher falsch zu informieren und der Fondsbranche einen Reputationsschaden zu bescheren“,  sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Investmentfondsverbandes BVI.

Vor allem zwei Punkte stehen im Zentrum der Kritik: Zum einen die Wertentwicklungs-Szenarien auf Basis von Vergangenheitsdaten. Das Problem aus Sicht der Finanz-Verbände: Die Börsen sind in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Die Prognosen, die in PRIIPs-Blättern angegeben werden müssen, seien daher viel zu optimistisch. Zum anderen müssen die Transaktionskosten nach der sogenannten Arrival-Price-Methode angegeben werden. Diese Methode, so sagen auch unabhängige Experten, führe in weniger liquiden Märkten zu falschen Transaktionskosten.

Verbände drängen auf schnelle PRIIPs-Überprüfung

Die Mängel sind also lange bekannt. Der Streit um die PRIIPs-Verordnung schwelt schon seit Monaten. Und nicht nur die Finanzverbände fordern schnelle Nachbesserungen: Erst Mitte der Woche hat auch das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg anhand von Praxisbeispielen bei Zertifikaten aufgezeigt, dass etliche Inhalte der neuen Informationsblätter aus Verbrauchersicht höchst problematisch seien und den europäischen Gesetzgeber aufgefordert, die Mängel abzustellen. In diese Richtung hatte sich zuvor auch schon die Bundesregierung bei der Beantwortung einer Parlamentarischen Anfrage geäußert und ebenfalls Korrekturen durch die EU-Kommission angemahnt. Diese sorgt jetzt jedoch mit ihren Zeitplänen für neue Aufregung: Gemäß EU-Verordnung sollte die Überprüfung des PRIIPs-Pakets eigentlich bis Ende 2018 durchgeführt werden. Aus Kreisen der EU-Kommission ist nun jedoch zu hören, dass die für Ende 2018 geplante PRIIPs-Überprüfung um ein Jahr verschoben werden soll. Dies bedeutet, dass die gravierenden Mängel der PRIIPs-Informationsblätter nicht kurzfristig behoben werden können.

Die Verbände der Finanzbranche haben darauf jetzt in einer konzertierten Aktion reagiert. Sie wollen sicherstellen, dass Nachbesserungen an den Produktinformationsblättern für verpackte Retail- und Investmentprodukte noch vor den Wahlen auf europäischer Ebene in Angriff genommen werden und vor 2020 in Kraft treten können. Deshalb hat der BVI zusammen mit den Banken- und Zertifikateverbänden ein gemeinsames Schreiben an die EU-Kommission geschickt und noch einmal eine schnelle Korrektur der bekannten Mängel angemahnt.

Dass der BVI hier besonders engagiert ist, hat einen tiefen Grund. Denn gerade für die Fondsbranche steckt in der Verordnung Zündstoff: Ende 2019 läuft eine Übergangsfrist für Fonds aus. Für Fonds müssten dann zwei verschiedene Produktinformationsblätter mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen erstellt werden. „Ohne Maßnahmen des Gesetzgebers müssten Publikumsfonds ab 1. Januar 2020 die mangelhaften PRIIPs-KIDs zusätzlich zu den wesentlichen Anlegerinformationen anbieten. Es wäre unverantwortlich gegenüber den Verbrauchern und Anlageberatern, zwei Dokumente mit inkonsistenten Angaben zu einem Fonds vorzuschreiben“, erklärt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI, zur geplanten Verschiebung der PRIIPs-Überprüfung. „Die EU-Kommission darf die für Ende 2018 vorgesehene Überprüfung der PRIIPs-Vorschriften deshalb nicht weiter verschieben. Angesichts der gravierenden Mängel, insbesondere bei den Angaben zu Kosten und Wertentwicklung, sowie der EU-Wahlen im Mai 2019 muss der Überarbeitungsprozess so früh wie möglich beginnen“, so Richter.

„Aktiv nachhaltig zu investieren bedeutet, sich mit einem Asset in mehreren Dimensionen zu beschäftigen“

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Frau Mortier, nachhaltiges Investieren ist in aller
Munde, kaum eine Fondsgesellschaft ist nicht dabei. Degroof Petercam bezeichnet
sich als Pioneer auf diesem Feld. Warum?
Ophélie Mortier: Weil wir als eine der ersten
Gesellschaften, bereits lange bevor die Vereinten Nationen 2012 die Deklaration
über nachhaltige Entwicklungsziele verabschiedet haben,
Nachhaltigkeitsprinzipien in unseren Investmentprozess aufgenommen und diese
Anlagestrategie ernsthaft verfolgt haben. Wir arbeiten mit diesen Modellen seit
2007. 

Was war der Hintergrund? Haben sie die Entwicklung antizipiert?
Mittlerweile
gibt es eine Vielzahl an ökologischen oder sozialen Richtlinien, wie zum Beispiel
die UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN PRI). Wenn sie aber vor
zehn Jahren in ein Entwicklungsland investieren wollten, war es kaum möglich,
valide Daten oder Informationen über das Land oder die Unternehmen zu bekommen.
Irgendwann konnten unsere Fragen nicht mehr beantwortet werden: Warum zählte
ein Unternehmen zur Gruppe nachhaltiger Investments, das andere aber nicht? Wir
wollten Antworten. Also haben wir ein Modell entwickelt, das die Informationen
liefert, die wir für unsere Entscheidungen brauchen. Es war eine logische
Konsequenz.

Was beobachten Sie, wenn Sie sich die Märkte anschauen?
In den
letzten Jahrzehnten haben sich die Unternehmen und mit ihnen die Finanzmärkte
stark verändert. Zudem hat sich die Gesellschaft verändert. Viele traditionelle
Regeln gelten heute nicht mehr. Nehmen Sie zum Beispiel das IPO von Snapchat.
Hier wurden erstmals ganz bewusst nur Aktionäre zugelassen, die auf ihr
Stimmrecht verzichten. Wir halten das für falsch. Uns sind solche Entwicklungen
nicht gleichgültig.

Wollen Sie mit Ihrem Ansatz die Welt verbessern?
Die Idee
hinter der Strategie ist, bessere Entscheidungen treffen zu können. Wir
investieren nicht blind in irgendetwas, nur weil die Risikoprämie verführerisch
hoch ist. Auch Anleger erwarten heute etwas anderes. Viele wollen Einfluss
nehmen mit ihrer Anlageentscheidung. Unser Modell kreiert Wert, daher glauben
wir daran. 

Greifen wir den Begriff ‚Wert‘ auf: Was machen Sie, wenn die
Unternehmen, die ihren Kriterien entsprechen, nicht hinreichend performen?
Überdenken Sie dann Ihre Strategie?
Das
Risiko der Unterperformance besteht immer. Unser ESG-Screening limitiert das
Anlageuniversum aber nicht in der Weise, wie es die Frage andeutet. Jedes
Modell, mit dem Sie den Markt screenen, prüft die Titel darauf, ob und wie sie
das Portfolio voranbringen können. Wenn es den einen richtigen Ansatz geben
würde, wären wir alle längst steinreich. Den gibt es aber nicht. Es gibt
verschiedene Wege. Unser Nachhaltigkeitsansatz deckt das ganze Universum
einzelner Anlageklassen ab und schließt im Prinzip nicht mehr oder weniger
Titel aus, als andere Ansätze es tun.

Dennoch unterscheidet sich ihr Modell gerade dadurch, dass es nicht
allein auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen schaut, sondern zusätzliche
Hürden beinhaltet…
Das
stimmt. Der große Unterschied zwischen einem einfachen quantitativen Ansatz und
unserem ist, dass wir uns nicht einseitig auf Zahlen verlassen. Aktiv
nachhaltig zu investieren bedeutet, sich mit einem Asset in mehreren
Dimensionen zu beschäftigen. 2013 zum Beispiel – lange vor allen anderen –
haben wir beschlossen, unser Exposure in Russland auf null zu fahren, weil sich
Russland zu einem totalitär geführten Staat entwickelt hatte. Das wollten wir
nicht unterstützen. 

Entgehen Ihnen auf diese Weise nicht Marktchancen?
Für
Portfolio-Manager stehen ausreichend Alternativen zur Verfügung. Sicherlich
gibt es bestimmte Titel, die wir nicht ins Portfolio aufnehmen würden, zum
Beispiel Waffenproduzenten auf Unternehmensseite oder Staatsanleihen von
Autokraten. Das Anlageuniversum ist aber so riesig, dass wir darauf gar nicht
angewiesen sind. Wir sind erfahrene Stockpicker. Auf dem Markt finden Sie immer
Unternehmen, die Ihren Ansprüchen gerecht werden und die andere
übersehen. 

Welche Ansprüche haben Sie?
Den
Anspruch, Anlegern fundiert nachhaltige Investments zu bieten. Bei Degroof
Petercam AM ist Nachhaltigkeit im gesamten Investmentprozess verankert. Wir
sind ein familiengeführtes Unternehmen, das sich schon vor Langem bewusst zu
diesem Schritt entschieden hat, verfolgen diese Strategie diszipliniert und
setzen sie transparent um. 

Wie sieht das in Ihren Investmentprozessen aus?
Unser
Nachhaltigkeits-Screening steht auf drei Pfeilern. Zunächst evaluieren wir, ob
ein Unternehmen oder ein Asset gegen unseren ESG-Katalog verstößt. Es muss im
Einklang mit den Grundsätzen für Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Governance
stehen. Die Umsetzung der Prinzipien beurteilen wir anhand einer Notenskala von
1 bis 5. Eine 5 führt zum direkten Ausschluss. Dort, wo ein Unternehmen mit der
Note 4 abschneidet, diskutiert ein Komitee die ESG-Scorecard und entscheidet im
Einzelfall, ob wir investieren oder nicht. Zusätzlich greift bei der
Titelauswahl ein weiteres ESG-Screening. Für jedes Investment-Thema haben wir
ESG-spezifische Schlüsselindikatoren definiert. Zum Beispiel achten wir beim
Zukunftsthema Nahrungsmitteltechnik besonders darauf, dass die Umwelt
berücksichtigt wird oder dass Gesundheitsstandards eingehalten werden. 

Sie bieten nachhaltige Investmentfonds an. Schlägt sich der
Research-Mehraufwand in den Kosten nieder?
Nein. Die
Tranchen unserer Sustainable-Fonds-Palette bewegen sich auf Kostenseite sogar
leicht unter dem Durchschnitt.


Der Handelskonflikt lässt die Volatilität steigen

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Seit seinem Einzug ins Weiße Haus verspricht US-Präsident
Trump gemäß seinen Wahlkampfversprechen, amerikanische Unternehmen zu
unterstützen und für mehr Fairness im Handel zu sorgen. Seiner Meinung nach
sind die Vereinigten Staaten in Handelsfragen in mehrfacher Hinsicht
benachteiligt, unter anderem durch Diebstahl geistigen Eigentums der USA durch
chinesische Unternehmen oder durch multilaterale Handelsabkommen wie das
Freihandelsabkommen NAFTA. Nun macht sich die Trump-Administration langsam
daran, ihre Wahlkampfversprechen umzusetzen. Bislang sind die wirtschaftlichen
Auswirkungen noch begrenzt, die jüngsten Entwicklungen verschärfen jedoch die
Gefahr einer Eskalation.

Was ist geschehen?

In den vergangenen Monaten wurden von der US-Regierung
verschiedene protektionistische Maßnahmen bekanntgegeben bzw. umgesetzt. Im
März verkündete Trump, er werde die nationale Sicherheit der USA durch die
Verhängung von Einfuhrzöllen auf Stahl und Aluminium schützen. Die USA, Kanada
und Mexiko liegen auch nach mehreren NAFTA-Verhandlungsrunden bei einigen
Themen noch weit auseinander, sodass ein neues Freihandelsabkommen noch nicht
in greifbarer Nähe liegt. Letzten Freitag griff die US-Regierung als Reaktion
auf die Verletzung von Urheberrechten durch China zu Maßnahmen auf der Basis
des US-Handelsgesetzes (Section 301). Dabei wurden Warenimporte im Wert von 34
Milliarden USD, unter anderem Flugzeugteile und medizinische Geräte, mit einem
Strafzoll von 25 % belegt. Außerdem richtet das US-Handelsministerium ihr
Augenmerk auf den Automobilsektor und prüft die Einführung von Zöllen auf
Autoimporte. China reagierte prompt und konterte mit der Erhebung von Zöllen
gleichen Umfangs und gleicher Höhe auf US-Importe. Sie treffen ein breites
Warenspektrum, angefangen von Sojabohnen bis hin zu Autos.

Bislang sind die wirtschaftlichen Folgen überschaubar

Wie bereits erwähnt, sind die Konsequenzen für die
Wirtschaft bislang begrenzt. Die angekündigten Maßnahmen betreffen nur einen
Bruchteil des Welthandels. Deutlich wird das am Beispiel des globalen
Stahlhandels, gegen den sich die ersten Warnschüsse des US-Präsidenten in dem
Konflikt richteten. Dessen Anteil am gesamten Welthandel liegt bei ca.
2 %. Ferner macht der gesamte bilaterale Handel zwischen den USA und China
weniger als 3,5 % des Welthandelsvolumens aus. Dementsprechend sind die
Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Inflation nur marginal. Bestimmte
Sektoren und Unternehmen bekommen die jüngsten Maßnahmen jedoch direkt zu
spüren. Ob Unternehmen in der Lage sind, von den Abschottungsmaßnahmen zu
profitieren oder sich zu behaupten und welche Umsatzauswirkungen zu befürchten
sind, hängt von zahlreichen unternehmensspezifischen Faktoren wie
Fertigungsstandort und Preismacht ab.

Angesichts der Gegenmaßnahmen Chinas, der Europäischen
Union, Mexikos und Kanadas sowie der Erwägung von Maßnahmen im Automobilsektor
droht mit Blick auf die Zukunft eine Ausweitung des Konflikts, die den globalen
Handel doch gefährden könnte.

Voraussichtlicher Anstieg der Volatilität

Wir halten eine Korrektur unseres allgemeinen
gesamtwirtschaftlichen Ausblicks zum jetzigen Zeitpunkt nicht für erforderlich.
Die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und seinen Handelspartnern
verstärken jedoch die Abwärtsrisiken. Bei der Analyse einzelner von den
jüngsten Maßnahmen betroffenen Unternehmen und Branchen berücksichtigen wir
ferner trotz des unveränderten gesamtwirtschaftlichen Ausblicks die aktuellsten
Entwicklungen. Diese passen unseres Erachtens zum Gesamtbild und deuten auf
einen weiteren Anstieg der Volatilität an den Märkten hin.

Unter dem Strich bleiben wir bei unserem Basisszenario und
rechnen damit, dass die Weltwirtschaft 2018 weiter wachsen wird und die
Kursschwankungen an den Finanzmärkten angesichts politischer Ereignisse und
Kurswechseln in Sachen Geldpolitik etwas zunehmen werden.

Jordy Hermanns
Jordy Hermanns

Jordy
Hermanns, Kames Capital


Blockchain: Es wird viel diskutiert und wenig getan

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Inzwischen gibt fast jeder zweite Top-Manager in der Finanzindustrie an, er sei zumindest „moderat“ mit dem Thema Blockchain vertraut. Doch in zwei Dritteln der Unternehmen ist sie „noch nicht Teil der strategischen Planung“. Und gerade einmal drei Prozent der deutschen Finanzdienstleister setzen die neue Technologie bereits ein oder wollen dies zeitnah tun. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter den Führungskräften von 300 Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern hierzulande. „Bei der Blockchain klafft eine merkliche Lücke zwischen dem öffentlichen Hype und der Frage, wie weit die Finanzindustrie tatsächlich schon mit den Plänen für eine reale Anwendung ist“, sagt Thomas Schönfeld, Blockchain Leader Financial Services bei PwC in Deutschland.

Die abwartende Haltung zeige sich unter anderem daran, dass bloß zwei Prozent der befragten Unternehmen das Ziel verfolgen, „die ersten im Markt zu sein, die die Blockchain-Technologie produktiv einsetzen“. Immerhin 14 Prozent sagten, sie wollten zumindest „unter den ersten sein“. Dagegen verspürt die große Mehrheit der Banken, Versicherer und Asset Manager offenbar keine Eile. 47 Prozent gaben an, es reiche ihnen, wenn sie die Blockchain ungefähr zur gleichen Zeit wie die wichtigsten Wettbewerber einführten. Und 27 Prozent erklärten sogar, bei ihnen werde die neue Technologie erst dann zum Einsatz kommen, wenn sie bereits eine Zeitlang im Markt erprobt sei.

Das Thema Blockchain gewinnt nur langsam an Bedeutung
Das Thema Blockchain gewinnt nur langsam an Bedeutung

Dass sich Banken, Versicherer und Vermögensverwalter erst einmal mit der Beobachterrolle begnügen, hält Schönfeld für durchaus nachvollziehbar. Schließlich könne niemand exakt vorhersagen, in welche Richtung die Entwicklung geht wird. Zugleich warnt Schönfeld allerdings davor, dass Thema auf die lange Bank zu schieben: „Die Blockchain wird die Finanzindustrie verändern – daran kann es wenig Zweifel geben. Insofern sind die Unternehmen gefordert, allmählich die strategischen Weichen für das Blockchain-Zeitalter zu stellen.“ Erst wenn die Ziele für das Unternehmen definiert seien, könne über die Umsetzung entschieden werden, die dann ihrerseits entsprechenden Vorlauf benötige. „Wer in fünf Jahren mit dabei sein möchte, muss folglich jetzt beginnen, seine Ziele zu bestimmen“, so Schönfeld.

Soweit sei die Branche allerdings noch lange nicht. Bei jedem zweiten Finanzdienstleister zeichne bislang noch überhaupt kein Mitarbeiter konkret für das Thema verantwortlich. Glaubt man der Umfrage, haben nur 23 Prozent mehr als zwei Mitarbeiter auf die neue Technologie angesetzt. Dazu passt, dass interne Blockchain-Initiativen – wenn es denn welche gibt – nur in acht Prozent aller Fälle auf Ebene des Topmanagements angesiedelt sind. Gängiger ist es, zum Beispiel die IT-Abteilung (24 Prozent) zu beauftragen oder einzelne Mitarbeiter, die ein besonderes Know-how für das Thema mitbringen (12 Prozent).

Blockchain: Kurzfristig noch wenig Einfluss auf Geschäftsmodell

Tatsächlich sehen die meisten Banken, Versicherer und Asset Manager in der Blockchain kein Thema für die nähere, sondern eher für die mittlere Zukunft. So antworteten nur fünf Prozent auf die Frage, inwieweit die Technologie das Geschäftsmodell in den kommenden zwei Jahren verändern werde, mit „sehr stark“ oder „extrem stark“. Bei einem Zeithorizont von fünf Jahren waren es aber immerhin schon 19 Prozent – und auf Sicht von zehn Jahren sogar 34 Prozent. Zudem liegt die Zahl derer, die glauben, die Blockchain habe „wenig“ oder „gar keinen“ Einfluss auf ihr Geschäftsmodell, auf lange Sicht nur noch bei 24 Prozent. Anders als noch vor einem Jahr scheinen sich jedoch mittlerweile die größeren Unternehmen vergleichsweise deutlich stärker mit dem Thema zu beschäftigen und auch entsprechend Mitarbeiter und Budget bereitzustellen als die kleineren.

Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass einige Finanzdienstleister auch auf alternative Konzepte setzen – sprich: „auf Techniken, die auch ohne Blockchain eine dezentrale und zumindest teilautonome Lagerung von Daten versprechen“, so Schönfeld. Auf Sicht von zwei Jahren trauen elf Prozent der befragten Unternehmen diesen Technologien einen markanten Einfluss auf ihre Geschäftsmodelle zu. Bei einem Fünf-Jahres-Horizont sind es 17 Prozent und bis 2028 sogar 24 Prozent.

„Man darf gespannt sein zu sehen, inwieweit sich solche Modelle – die den Anspruch haben, Vorteile der Blockchain mit besserer Effizienz zu vereinen – tatsächlich am Markt durchsetzen können“, so Schönfeld.

Die Studie „Blockchain in Financial Services – Mehr als nur ein Hype?“ als PDF-Dokument.

Falschgeldmenge sinkt europaweit

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Die Zahl der in Umlauf befindlichen gefälschten Banknoten
ist im ersten Halbjahr 2018 deutlich zurückgegangen. Sowohl im Euroraum als
auch in Deutschland meldeten die zuständigen Zentralbanken weniger registrierte
Euro-Banknoten als im Vorjahr.

Deutschland:
Falschgeld in Höhe von 1,8 Millionen Euro

Nach Angaben der Deutsche Bundesbank wurden in den ersten
sechs Monaten hierzulande 31.117 falsche Euro-Scheine einen Nennwert von
insgesamt 1,8 Mio. Euro aus dem Verkehr gezogen. Besonders häufig gefälscht
werden 20-Euro- und 50-Euro-Scheine. Sie stellen zusammen gut 86% des
Falschgeldaufkommens. Besonders der 50-Euro-Schein hat es den Fälschern
angetan. 22.504 falsche Scheine ermittelte die Bundesbank. Das entspricht einem
Anteil von 72% am Gesamtaufkommen. Fünf- und Zehn-Euro-Noten werden dagegen
ebenso wenig kopiert wie 200-Euro und 500-Euro-Scheine. Die Zahl der
Fälschungen bewegt sich in Deutschland im Stückbereich von 250-700.  Angesichts der im Umlauf befindlichen 21
Milliarden Banknoten scheinen die Zahlen gering.

50-Euro-Banknoten: Am
meisten genutzt, am meisten gefälscht

Bargeld im Umlauf
Bargeld im Umlauf

Quelle: Statista,
Stand 31.12.2017, Angaben in Mio.

Europa: Die kleinen
Unterschiede

Auch im Euroraum sind die Zahlen erfasster
Falschgeldbestände stark zurückgegangen. Wie die Europäische Zentralbank
mitteilt, sank die Zahl der registrierten gefälschten Banknoten gegenüber dem Jahresdurchschnitt
2017 um 14%. Knapp 301.000 Fälschungen stellte die Zentralbank sicher. Ihr
Gesamtwert beträgt rund 17,4 Millionen Euro. Wie in Deutschland machen auch im
Euroraum 20-Euro- und 50-Euro-Scheine den Großteil der Fälschungen aus. Sie
kommen zusammen auf 84%. Gut 60% der Fälschungen sind 50-Euro-Noten,
20-Euro-Scheine haben einen Anteil von rund 24%. Mit 11% ist der Anteil an
100-Euro-Blüten nahezu doppelt so hoch wie in Deutschland (6%).

Den Verdacht, dass die Anzahl des registrierten Falschgeldbestandes
zurückgegangen ist, weil die Fälscher schwerer zu identifizierende Scheine
herstellen, weist Horst Werner Hofmann, stellvertretender Leiter des nationalen
Analysezentrums der Deutschen Bundesbank in Mainz, als unbegründet zurück. „Die
Umlaufgeschwindigkeit des Bargeld-Bestandes ist so hoch, dass wir die Banknoten
mehrfach pro Jahr bei der Bundesbank überprüfen können“, so Hofmann gegenüber
€uro FundResearch, Falschgeld würde daher recht sicher entdeckt.

Auf und Ab:
Fälschungen im Halbjahresüberblick

Überblick der Fälschungen pro Halbjahr
Überblick der Fälschungen pro Halbjahr

Quelle: Europäische
Zentralbank, Deutsche Bundesbank, eigene Darstellung

Dass die positive Entwicklung anhält, ist kein Selbstläufer:
„In der Regel brauchen die Fälscherbanden ein paar Jahre, um sich auf die neuen
Standards einzustellen“, erläutert Hofmann. Darauf lässt auch die Statistik der
erfassten Falschgeldmenge schließen. So stieg nach einem drastischen Rückgang
der Geldfälschungen von 899.000 Scheinen im Jahr 2015 auf 684.000 Scheine im
Jahr 2016, die Anzahl der Fälschungen 2017 wieder leicht an (siehe Abbildung). Im
April letzten Jahres brachte die Notenbank die neuen 50-Euro-Geldscheine der
Europa-Serie in Umlauf. Für Hofmann der richtige Schritt: „Angesichts der
niedrigen Fälschungszahlen im ersten Halbjahr kann von einem Erfolg der
Neuauflage gesprochen werden“, konstatiert der Geldexperte.

Während sich bei Geldscheinen ein positiver Trend
abzuzeichnen scheint, zog die Fälschung von Hartgeld um 23% an. So fanden die
Währungshüter der Deutschen Bundesbank im ersten Halbjahr mit 17.100
gefälschten Münzen gut 3.100 Falschmünzen mehr als im Jahr davor. Die
Fälschungen konzentrierten sich dabei nur auf die 50 Cent-, die Ein-Euro-  sowie die Zwei-Euro-Münzen. Letztere war bei
den Fälschern besonders beliebt. Gut 83% der gefälschten Münzen gehörten dieser
Münzsorte an.

Hofmann rät dazu, sowohl Münzen als auch Banknoten regelmäßig
zu prüfen. „Es gibt eine Reihe von ganz einfachen Methoden, die jeder ohne
Hilfsmittel durchführen kann, um Falschgeld zu identifizieren“, so Hofmann. 

Diewichtigsten Prüf-Schritte finden Sie hier als PDF zum Download.

Zentralbanken sorgen für Aufregung

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Auf ihrer Sitzung im Juni hob die US-Notenbank den Leitzins auf ein Niveau zwischen 1,75 % und 2,00 % an. In der Folge verflachte die Renditestrukturkurve in den USA und die Sorgen stiegen, dass die US-Notenbank die Zinsschraube überdreht haben könnte. Zumal die Daten vom frühzyklischen Wohnimmobilienmarkt zuletzt enttäuschten und eine Wachstumsabschwächung ab dem zweiten Halbjahr signalisieren. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die US-Notenbank die Frage, wo der Gleichgewichtszins liegt, der die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst. 

Der Gleichgewichtszins ist ein theoretisches Konstrukt, das sich in der Realität nicht beobachten lässt, sondern mit Hilfe von Modellen geschätzt werden muss. US-Notenbankpräsident Powell stellte nun die Ergebnisse mehrerer Modelle und deren Schätzbandbreite vor. Der Median über alle Modelle für den realen Gleichgewichtszins liegt bei etwa 0,75 %. 

USA: wo liegt der reale Gleichgewichtszins? 

Schätzungen des Gleichgewichtszinses 

Gleichgewichtszins
Gleichgewichtszins

Quellen: Federal Reserve Board, Metzler 

Bei einer unterstellten mittelfristigen Inflationsrate von 2,0 % liegt der Gleichgewichtszins somit bei etwa 2,75 %. Der aktuelle US-Notenbankzins ist somit schon recht nah am geschätzten Gleichgewichtszins und stimuliert die US-Wirtschaft somit kaum noch. Die US-Notenbank (Mittwoch) dürfte somit vorsichtiger werden und das Tempo weiterer Leitzinserhöhungen merklich reduzieren. Derzeit erwarten wir 2018 nur noch einen Zinsschritt und zwei Zinsschritte im Jahr 2019; dabei ist es deutlich wahrscheinlicher, dass die Fed weniger Zinsschritte vornimmt als dass sie ein höheres Tempo einschlägt. 

Während die US-Notenbank schon bald das Ende des Leitzinserhöhungszyklus erreicht haben könnte, beginnen die anderen Zentralbanken nunmehr den Normalisierungsprozess. So könnte die Bank von England (Donnerstag) den Leitzins auf 0,75 % anheben und die Spekulationen überschlagen sich derzeit, dass die Bank von Japan (Dienstag) das Renditeziel 10-jähriger Staatsanleihen von 0,1 % auf 0,3 % erhöhen könnte. Ein Renditeanstieg in Japan hätte Auswirkungen auf die globalen Rentenmärkte, da japanische Investoren international sehr aktiv sind und voraussichtlich wieder Kapital zurück in den heimischen Rentenmarkt bringen würden. 

USA: erste Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung 

Die ISM-Indizes der Industrie (Mittwoch) und des Dienstleistungssektors (Freitag) dürften im Juli gefallen sein und damit eine anstehende Wachstumsverlangsamung signalisieren. Auch wird die Wachstumsrate der realen Konsumausgaben im Juni (Dienstag) voraussichtlich an Dynamik verloren haben. Der traditionell spätzyklische Arbeitsmarkt (Freitag) dürfte dagegen noch keine Schwäche zeigen und mit einem robusten Beschäftigungswachstum glänzen. Dennoch scheint es nach wie vor kaum Lohn- und Inflationsdruck geben. Erste Frühindikatoren signalisieren, dass die Inflation auch im Juli im Rahmen oder sogar unterhalb der allgemeinen Markterwartungen geblieben sein könnte. Insgesamt lässt sich die Lage so beschreiben: Wachstum schwächer, aber keine Rezession – fallende Inflationsrate wegen sinkender Ölpreise, aber stabile Kerninflation. 

Eurozone: nachlassende Wachstumsdynamik 

Die Wachstumsabschwächung begann in der Eurozone schon im ersten Quartal, wie auch ein Rückgang des Geschäftsklimaindex der EU-Kommission (Montag) sowie der Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch und Freitag) bestätigen dürften. Immerhin sieht EZB-Präsident Draghi schon erste Anzeichen für eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums auf einem niedrigeren Niveau. So habe das Lohnwachstum wieder an Dynamik gewonnen mit positiven Effekten auf die Einkommen und den Konsum. Auswirkungen höherer Löhne auf die Inflation dürften jedoch auf sich warten lassen, da die Einzelhändler nur begrenzten Spielraum für höhere Preise sehen. 

Eurozone: Einzelhandel erwartet nur moderate Preissteigerungen 

HVPI ohne Energie und Lebensmittel in % ggü. Vj. und Umfrage (Saldo der Befragten)

Einzelhandel Eurozone
Einzelhandel Eurozone

Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: 29. Juni 2018 

Laut der Umfrage der Europäischen Kommission bei den Einzelhändlern in der Eurozone könnte die Kerninflation in den kommenden Monaten allenfalls auf 1,2 % bis 1,3 % steigen.   

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht 

Edgar Walk 

Chefvolkswirt Metzler Asset Management 

Deutschland im Aufschwung – wie lange noch?

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AssetManager: Die Konjunkturdaten sind ja nicht wirklich schlecht. Deutschland
scheint sich noch immer im Aufschwung zu befinden. Wie lange wird das gute
Wirtschaftsklima anhalten?

Carstensen:
Das ist eine Frage, die sich alle Konjunkturforscher
momentan stellen. So richtig sicher sind wir uns nicht. Alle statistisch-ökonomischen
Modelle sind im Moment auf der Kippe. Wir hatten ein sehr schwaches erstes
Quartal, aber es gibt auch einen Stimmungsumschwung, der mit den Unsicherheiten
in der Weltwirtschaft – und auch der Weltpolitik – korreliert. Das größte Problem
ist sicher mit dem Namen Trump verbunden. Wobei Trump selbst auch nur ein
Symptom ist. Viele Menschen weltweit sind offenbar unzufrieden mit der Art, wie
Demokratie funktioniert, nämlich mühsam, kompromissorientiert und in kleinen
Schritten.

AssetManager: Fürchten Sie denn eine Zeit der Handelskriege?

Carstensen:
Die Gefahr hat auf jeden Fall massiv zugenommen.
Langfristig viel gravierender als Handelskonflikte zwischen einzelnen Ländern ist
die von den USA derzeit offen propagierten Abkehr von einem regelbasierten
System hin zu bilateralen „deals“, die – so ist zu befürchten – bei jedem
Anlass neu verhandelt werden. Es ist immer mühsam, sich multilateral zu
einigen, aber wenn wir alle Regeln über Bord werfen, nimmt die
Planungssicherheit für Firmen und Haushalte ab und Investitionen oder große
Anschaffungen werden seltener getätigt. Letztlich verlieren wir dadurch alle.

AssetManager: Wo liegen die Gründe für diese Entwicklung?

Carstensen:
Die tieferen Gründe liegen offenbar darin, wie
Globalisierung wahrgenommen wird. Die Globalisierung ist momentan der
Sündenbock für alles, was schiefläuft. Die Arbeitsmarktperspektiven für wenig
qualifizierte Arbeitnehmergruppen haben sich in den fortgeschrittenen
Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich verschlechtert.  Dies führt zu Verunsicherung. Zum Teil dürfte
die Globalisierung hierfür tatsächlich verantwortlich sein, denn die
Integration von aufholenden Volkswirtschaften wie China oder Indien führt auch
zu Lohnkonkurrenz: Leicht zu verlagernde Tätigkeiten werden jetzt eher dort
ausgeführt und haben diesen Ländern ungeheure Wohlstandszuwächse beschert – und
damit die globale Ungleichheit reduziert. Der technologische Wandel scheint mir
aber viel wichtiger zu sein für die beschriebenen Probleme der weniger
Qualifizierten. Aber gegen den technologischen Wandel kann man politisch nicht
vorgehen. Computer, Smartphones und 3D-Drucker wieder abzuschaffen ist ja keine
relevante Option. Gegen den bösen Freihandel kann man jedoch Zölle erheben.

AssetManager: Ist also die Irrationalität in die Wirtschaftspolitik zurückgekehrt?

Carstensen:
Zumindest scheint es mir so, als würden die Lehren der
Vergangenheit nicht mehr ernst genommen – Handelskonflikte gab es ja in Fülle
und die Welt hat nicht ohne Grund versucht, mit der WTO ein globales System von
Governance aufzubauen. Zudem beobachten wir, dass eine “Selbstverständlichkeit
des Erreichten” ins Denken eingezogen hat: Wir realisieren nicht mehr, wo wir
eigentlich herkommen, sondern verklären die Vergangenheit. Kapital von A nach B
zu bewegen, ist für uns heute ja selbstverständlich, gerade innerhalb der EU.
Dabei war das bis vor gar nicht allzu langer Zeit ziemlich aufwändig. Viele
Leute reden ja gerne von der “guten alten Zeit” und behaupten, dass der Lebensstandard
heute nicht mehr steigt. Solche Menschen frage ich gerne: Wie haben Sie denn im
Jahre 1985 telefoniert, wie sind Sie gereist, mit welchem Auto sind Sie
gefahren? Welche medizinische Versorgung gab es damals? Dann stellt sich
schnell heraus, dass kaum jemand zurück möchte, ohne die Errungenschaften der
Technik mitzunehmen. Das ist die Gedankenwelt, mit der die Politik heute umgehen
und in der sie sich bewegen muss. Keine kleine Herausforderung.

AssetManager: Wie ist denn die Stimmungslage für den wirtschaftlichen Ausblick?

Carstensen: Wir haben in der Weltwirtschaft und speziell in
Europa eine Zeit der relativen Ruhe und des Aufholens erlebt, die noch nicht
vorbei ist. Nach der Eurokrise und der Krise in Griechenland rappeln sich die
Staaten wieder auf. Wenn wir uns das Wirtschaftsklima in den verschiedenen
Regionen anschauen, sehen wir vielerorts ein ähnliches Bild: Die Lage ist auf
ein recht hohes Niveau gestiegen und von dort bewegt sie sich momentan
seitwärts. Und die Erwartungen beginnen bereits zu bröckeln.

ifo-Wirtschaftsklima für den Euroraum

ifo-Wirtschaftsklima für den Euroraum
ifo-Wirtschaftsklima für den Euroraum

Quelle: ifo
Institut, eigene Berechnungen

AssetManager:
Wäre eine erneute Krise derzeit überhaupt zu überstehen?

Carstensen:
Die meisten Staaten der Eurozone sind tatsächlich vorangekommen.
Die Leistungsbilanzen sind weitgehend im Lot, die staatliche Neuverschuldung
ist deutlich zurückgegangen und liegt fast überall wieder im Bereich des
Erlaubten. Auch die Arbeitslosigkeit bewegt sich nach unten, selbst in den
ehemaligen Krisenländern. Die Richtung stimmt also, die sogenannten Flussgrößen
haben sich angepasst.

Problematisch bleiben die Bestandsgrößen.
Jeder, der einmal ein Haus finanziert hat, weiß, dass es viele Jahre der
privaten „Überschüsse“ bedarf um einen Immobilienkredit abzubezahlen. Bei der
Staatsverschuldung ist das nicht anders. Die Schuldenstände haben in den
vergangenen Krisen dramatisch zugenommen. Eine erneute Rezession können Länder
wie Italien wohl kaum ohne massive Erschütterungen überstehen. Auch in vielen
anderen Eurostaaten dürfte die hohe Verschuldung den Handlungsspielraum bei
einer künftigen Krise stark einengen.

Hinzu kommt, dass die Arbeitslosigkeit in
mehreren Ländern trotz zum Teil deutlicher Rückgänge noch hoch ist. In Italien
liegt sie aktuell bei 12 Prozent, in Spanien und Griechenland ist die Situation
mit 15 respektive 20 Prozent wesentlich schlimmer. Zunehmend dürfte sich dort
das Problem stellen, dass die gut Vermittelbaren wieder einen Job haben und Langzeitarbeitslose
übrigbleiben, die besonders schwer wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren
sind. All dies stellt nach wie vor eine immense Belastung für die Sozialsysteme
dar.

Wir hatten jetzt ein paar gute Jahre. Die Erholung
ist vorangekommen, die Krisen-Resilienz ist aber noch gering: Es darf jetzt nichts
passieren. Das ist möglicherweise einer der Gründe, warum die EZB immer noch
Geld in die Märkte pumpt, obwohl es geldpolitisch nicht mehr geboten erscheint
– falls es das je war.

AssetManager:
Wie präsentiert sich das Bild für Deutschland?

Carstensen:
Wenn wir die Indikatoren für Deutschland betrachten,
so bietet sich ein in der Grundtendenz positives Bild: Das BIP ist in den
vergangenen fünf Jahren mit Jahresraten von durchschnittlich zwei Prozent
gestiegen, die Ausrüstungsinvestitionen haben um rund 20 Prozent zugenommen und
die Zahl der Erwerbstätigen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Vom Aufschwung
hat auch der private Konsum erheblich profitiert. Und der Wohnungsbau ist
bereits im Boom, auch wenn er zuletzt nicht mehr so stark gestiegen ist – da dürften
Kapazitätsengpässe eine Rolle spielen. Trotz der noch guten Konjunktur dürfte
die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt wohl nur um die zwei Prozent liegen.

Am aktuellen Rand mehren sich aber die
Signale, die ein Abflauen der Konjunktur nahelegen, nicht zuletzt der für Deutschland
besonders aussagekräftige ifo Index. Die Verunsicherung über die Zukunft des
Welthandels ist für eine Exportnation wie Deutschland zweifellos problematisch.
Zwar nehmen die Kapazitätsengpässe zu und die Investitionen ziehen folgerichtig
wieder an, viele Firmen fragen sich derzeit angesichts der ungeklärten
Handelsfragen aber offenbar, ob sie bei Erweiterungsinvestitionen nicht doch
etwas vorsichtiger vorgehen sollen. Das dämpft die Entwicklung, ohne bisher
aber die Konjunktur gänzlich abzuwürgen.

Eine Achillesferse für
Ökonomien können zudem die Vermögenswerte darstellen: Wenn wir die
Preisentwicklung von Wohnimmobilien in den USA zwischen 1991 und 2009 mit den
Immobilienpreisen in Deutschland ab 2005 vergleichen, sehen wir eine
erstaunliche Kongruenz. So gesehen, müsste in Deutschland im Jahr 2021 eine
Immobilienkrise stattfinden. Der Vergleich hinkt natürlich, schon allein weil
die Finanzierungskonditionen weniger problematisch sind als damals in den USA,
aber auch weil die Bundesbank die Entwicklung sehr genau verfolgt und
Eingriffsmöglichkeiten besitzt. Aber er ist ein Indiz dafür, dass wir uns auf
einem Weg befinden wie zuvor die USA, aber auch Spanien und Irland. Das kann zu
einer Blase führen, die platzt. Irgendwann wird die Luft einfach extrem dünn.


Preisindizes für Wohnimmobilien in Deutschland und USA

Preisindizes für Wohnimmobilien in Deutschland und USA
Preisindizes für Wohnimmobilien in Deutschland und USA

Quelle:
Bundesbank, US National Home Price Index, eigene Berechnungen

AssetManager:
Ist also der Aufschwung jetzt bald vorbei?

Carstensen:
Der Boom in Deutschland scheint jedenfalls verschoben
zu sein, er ist aber noch nicht vom Tisch. Wir verzeichnen aktuell eine
rückläufige Industrieproduktion. Aber es ist noch nicht sicher, ob der
Rückgang sich verstärkt oder nicht. Die Berechnungen einiger Volkswirte zeigen
eine rote Ampel, andere sind schon wieder auf Gelb. Unser eigenes Modell weist
für den Juni eine Rezessions-Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent auf – das heißt
aber nur, dass wir in zwei von drei Fällen eine Rezession sehen würden. Wir
wissen aber nicht, in welchem der drei Fälle wir uns gerade befinden.



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