Weniger Research bedeutet nicht geringere Performance

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Die Vereinigung der Asset Manager International Capital Market Association ICMA hat soeben eine neue Untersuchung veröffentlicht. Darin setzt sich die ICMA unter anderem mit den Auswirkungen der seit Januar geltenden Mifid II Verordnung auf das Research auseinander. Seit dem 3. Januar 2018 müssen Vermögensverwalter Research-Dienstleistungen entweder aus eigenen Mitteln oder aus einem sog. Analysekonto (Research Payment Account) bezahlen. Fondsgesellschaften fallen ebenfalls unter die Regelung, wenn sie z.B. für einen Kunden Vermögen ohne Fondskonstruktion verwalten. Durch die Verpflichtung zur separaten Abrechnung des Research sind sie jedoch indirekt auch betroffen.

Wie die ICMA in ihrer Befragung herausgefunden hat, benutzen Asset Manager offensichtlich weniger Research vor allem in den Bereichen Anleihen, Währungen und Rohstoffe (FICC). Das habe jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Renditen ihrer Produkte –was laut ICMA auf mögliche Überkapazitäten hindeutet.

So haben 82 % der Befragten angegeben, dass sie seit dem 3. Januar auf eine geringere Anzahl von Research-Anbietern zurückgreifen. Der Rest arbeitet so weiter wie bisher. Die ICMA hat festgestellt: “Die Mehrzahl der Asset Manager ist zuversichtlich, dass eine Verringerung des Research sich nicht negativ auf die Performance auswirkt.”

Unsicherheit herrscht noch darüber, was überhaupt unter die Rubrik “Research” fällt: So geben 75 % der Befragten an, was genau als (zu bezahlendes) Research eingestuft werden muss –und was unter die Kategorie “Minor non-monetary Benefit” (MNMB) fällt. Die MNMBs müssen die Vermögensverwalter sich nämlich nicht bezahlen lassen.

Fast die Hälfte (43%) der Studienteilnehmer fühlt sich von ihrer nationalen Regulierungsbehörde oder der ESMA allein gelassen und würde sich mehr Informationen wünschen. Allerdings ist dieser Wert gegenüber dem vergangenen Jahr schon zurückgegangen, denn im November  2017 waren es noch 52 % der Befragten.

Trotzdem hat die Branche recht schnell auf die neue Verordnung reagiert: Fast drei Viertel der Vermögensverwalter haben bereits schriftliche Vereinbarungen mit allen ihren Research-Providern, 18 % immerhin mit der Mehrzahl ihrer Dienstleister, der Rest nur mit einer Minderheit.

Wenn es darum geht, nicht angefordertes Research-Material von den Mitarbeitern fernzuhalten, verlassen sich 86 % der Firmen darauf, dass diese sich selbständig bei der Unternehmensleitung melden, wenn Material bei ihnen eintrifft. Zusätzlich blockieren 32 % der Asset Manager nicht angefordertes Research auf den Handelsterminals, 14 % setzen eigene IT-Lösungen ein.

Bei der Frage, wie für Research am Ende gezahlt werden soll, regeln das 80 % der Vermögensverwalter aus eigener Tasche, sieben Prozent nutzen ein Analyse-Konto und 14 % eine Mischung aus beidem.

Die überwiegende Mehrheit (68%) greift dabei auf All-Inklusive-Angebote der Research-Provider zurück; 43% haben ein festgelegtes Paket abonniert, in dem zusätzliche Dienste gesondert abgerechnet werden, und nur sieben Prozent der Firmen wollen jeden Dienst einzeln abrechnen.

Das frappierendste Ergebnis des ICMA-Reports ist jedoch sicherlich, dass vier Fünftel der Asset Manager die Zahl ihrer Research-Provider verringert haben – und dass 86 % keine Verschlechterung bei der Performance ihrer Fonds befürchten.

Aktienresearch leidet am meisten

Der Rückgang bei der Nachfrage nach Research zeigt sich vor allem in Aktienbereich: Das Marktforschungsunternehmen Greenwich Associates hat herausgefunden, dass die Ausgaben der Asset Manager in Europa bis Ende 2019 dort um 20 % bzw. 300 Millionen US$ fallen werden. Die großen Institutionellen Investoren haben ihre Researchkosten demnach bereits weitestgehend reduziert. “Das schlimmste scheint bereits vorüber zu sein”, beruhigt William Llamas, Institutional Relationship Manager bei Greenwich Associates. Angesichts des kleiner gewordenen Pools müssen Investmentbanken und andere Dienstleister jedoch um jeden Dollar kämpfen: “Erfolg ist für die, wenn sie annähernd dieselben Einnahmen erzielen wie vor MiFID II.”

Die Aussichten für den Welthandel sind trübe

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Im Jahr 2017 war das Weltwirtschaftswachstum durch einen synchronen Aufschwung in den größten Volkswirtschaften der Welt gekennzeichnet. Das lag in erster Linie am kräftigen Wachstum des Welthandels, das allen Volkswirtschaften Auftrieb gab.

Seitdem der Welthandel 2018 nachgelassen hat, verläuft das Wirtschaftswachstum weniger synchron. In China, Europa und Japan hat sich das Wachstum verlangsamt, die US-Wirtschaft boomt dagegen weiter.

Wird das Wachstum wieder synchron?

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den USA und den anderen erwähnten Volkswirtschaften ist die Fähigkeit der USA, bei nachlassender Auslandsnachfrage das Binnenwachstum auf hohem Niveau zu halten. China, Europa und Japan profitierten von der Erholung des Welthandels im Jahr 2017. Mit der Umkehrung dieses Trends haben sie jedoch einen wichtigen Wachstumsmotor verloren und waren bislang nicht in der Lage, dies durch Binnenwachstum auszugleichen.

In den USA hat die expansive Steuer- und Ausgabenpolitik der Regierung zu einer starken Binnennachfrage beigetragen, indem sie den Konsum und die Staatsausgaben in die Höhe trieb. Insofern könnte man meinen, dass die fiskalpolitische Freigebigkeit von Präsident Trump genau zum richtigen Zeitpunkt kam: Gerade als die Wirtschaft zu schwächeln begann, wurden die Nachbrenner gezündet.

Die Aussichten für den Welthandel sind trübe: Frühindikatoren wie der globale Einkaufsmanagerindex (PMI) der Exportaufträge deuten auf eine weitere Abschwächung in den kommenden Monaten hin. Neue Exportaufträge sind ein Indikator für die zukünftige Handelstätigkeit. Daher ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass eine Erholung des Welthandels zu neuem synchronen Weltwirtschaftswachstum führen wird.

Der Welthandel im Sog rückläufiger Exportaufträge
Der Welthandel im Sog rückläufiger Exportaufträge

In den Fußstapfen von Donald Trump

Derzeit könnte es sich als effektiver erweisen, wenn die Regierungen auf den fiskalpolitischen (steuer- und ausgabenpolitischen) Kurs von Trump einschwenken würden – wie bereits zu beobachten.

China hat vor Kurzem Steuersenkungen angekündigt, und es ist von weiteren Impulsen die Rede. Somit sollen die Autoverkäufe angekurbelt sowie die Mehrwert- und die Körperschaftssteuer gesenkt werden. In Europa dürfte Deutschland nächstes Jahr zu einer expansiveren Fiskalpolitik übergehen, Italien hat eine wachstumsorientierte Fiskalpolitik vorgestellt und auch Großbritannien lockert die fiskalpolitischen Zügel. Unterdessen hat Japan einen Nachtragshaushalt angekündigt, und es wird diskutiert, wie man die Auswirkungen der höheren Verbrauchssteuer im Jahr 2019 kompensieren könnte, etwa durch höhere Ausgaben für Vorschulbildung und andere Maßnahmen.

Unseres Erachtens werden in Zukunft mehr Regierungen das Wachstum mit steuer- und ausgabenpolitischen Maßnahmen unterstützen, zumal sich die Zentralbanken jetzt auf die Normalisierung der Geldpolitik konzentrieren. Für die Anleger würde das einen tief greifenden Umschwung von der gewohnten Unterstützung durch die Zentralbanken zu weniger Flexibilität und höherer Abhängigkeit von politischen Faktoren bedeuten.

Kompletten Artikel lesen
Economic and Strategy Viewpoint – November 2018

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Der Beitrag wurde am 26.11.18 auch auf schroders.com veröffentlicht.

Banken lagern immer mehr Dienstleistungen an FinTechs aus

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Neue Technologien wie Robotics oder Artificial Intelligence (AI) sind keine Begriffe aus der Science Fiction mehr, sondern bieten neue Möglichkeiten und finden mittlerweile auch praktische Anwendung. Es geht dabei nicht nur um Innovationen rund um Kundendienstleistungen, sondern auch um die Erfüllung von regulatorischen Pflichten. Durch verschärfte Regularien wie die MaRisk und eine EU-weite Zersplitterung der regulatorischen Anforderungen ist der Steuerungsaufwand für Auslagerungen bei vielen Banken drastisch gestiegen. Zudem stellen Anforderungen an  IT-Sicherheit, Datenschutz und Datenverarbeitung Finanzinstitute vor neue Herausforderungen. Das Problem: Nicht jedes Finanzinstitut ist in der Lage, die nötigen neuen Technologien erfolgreich zu implementieren und zu nutzen.

Zum Teil mangelt es an Geld, zum Teil an Personal, vor allem aber fehlen oft das Knowhow, die Zeit und die nötigen Strukturen, um zu experimentieren und Wissen aufzubauen. Die Folge: Um nicht abgehängt zu werden, lagern Banken immer mehr Dienstleistungen an FinTechs aus, die bereits einen technologischen Vorsprung in ihrer Nische besitzen und als Experten die technologische Weiterentwicklung des Bankgeschäfts vorantreiben.

Leicht skalierbare und standardisierte Prozesse werden bei den meisten Banken bereits zu großen Teilen ausgelagert, wie eine aktuelle Untersuchung des Consultingunternehmens PwC ergab. Bei komplexeren Funktionen ist der Auslagerungsanteil noch deutlich geringer. Einigkeit besteht aber unter allen Unternehmen, die im Rahmen der PwC-Studie befragt wurden, darüber, dass IT-Dienstleistungen derzeit das größte Auslagerungspotenzial bieten. Das liegt auch daran, dass IT-Dienstleister zwar ihre Kompetenzen ausbauen, um modulare Dienstleistungen anbieten zu können. 78% der Banken wollen zukünftig solche Angebote in Anspruch nehmen. Doch nur knapp die Hälfte der Banken geben an, überhaupt über das Knowhow und die Fähigkeiten zu verfügen, um solche Angeboten umsetzen zu können.

Zusammenarbeit zwischen Banken und Dienstleistern wird enger

Es ist wohl gerade die fehlende technische Kompetenz auf Bankenseite, die dazu führt, dass Auslagerungsunternehmen nicht nur zuliefern, sondern immer wichtigere Aufgaben übernehmen. Laut PwC-Umfrage sehen heute knapp 96 Prozent der befragten Banken ihre Dienstleister als langfristige strategische Partner. Beide Seiten gehen davon aus, dass sich diese Partnerschaft in den kommenden Jahren weiter vertiefen wird. Die wichtigsten strategischen Ziele, die Banken mit der Zusammenarbeit verfolgen, sind höhere Kosteneffizienz und der Zugriff auf spezialisierte Ressourcen sowie die Fokussierung auf die eigene Kernkompetenz.

Die FinTechs ihrerseits nennen als wichtigsten Grund für die Kooperationen mit Banken die Chance, Finanz- und Kreditinstitute als Multiplikatoren für den Produktvertrieb nutzen zu können. Die befragten Finanzinstitute sehen dies ähnlich. 72 Prozent sehen die Startups nicht nur als Dienstleister, sondern auch als Wettbewerber.

Mehr Auslagerung nach Osteuropa

Präferierter Standort für Auslagerungen sind der deutschsprachige Raum sowie – noch – Westeuropa. Der Fokus verschiebt sich jedoch zunehmend in Richtung Osteuropa. Erstaunlicherweise schätzt keine der teilnehmenden Banken Asien als attraktiven Standort für zukünftige Auslagerungsaktivitäten ein. Besonders entscheidend bei der Auswahl des Auslagerungsstandortes sind den befragten Banken die politische und ökonomische Stabilität sowie die Verfügbarkeit von Branchenexperten vor Ort.

Die PWC-Studie „Outsourcing in der Finanzindustrie“ als PDF-Dokument.

Unternehmensanleihen im Ausverkauf

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Vor allem Unternehmensanleihen, die seit über einem Jahrzehnt von der lockeren Geldpolitik gestützt wurden, bekamen die Kälte zu spüren: Spreads von US-Investment-Grade-Anleihen (IG) verzeichneten letzte Woche ihren größten wöchentlichen Anstieg (11%) seit 2011, als die Welt eine Auflösung der Europäischen Union befürchtete. Die IG-Spreads stiegen in dieser Woche weiter auf 132 Basispunkte (bps) über Treasuries, den höchsten Stand seit dem US-Wahlsieg Trumps im Jahr 2016 (mehr dazu weiter unten).

Die starken Verluste bei Unternehmensanleihen und Aktien erhöhten die Erwartungen der Märkte, dass die Fed ihren Zinserhöhungskurs reduzieren oder sogar stoppen könnte. Die Inflationserwartungen sanken und unterstützten US-Staatspapiere sowie deutsche Bundesanleihen, deren Renditen aufgrund der Nachfrage nach als sicher geltenden Vermögenswerten ebenfalls fielen. Einige Schwellenländer (Emerging Markets – EMs) zeigten sich widerstandsfähig, vor allem in Asien, da billigeres Öl für die energieimportierenden Volkswirtschaften der Region positiv ist. Dennoch führte unter anderem der in den letzten zwei Monaten insgesamt stärkere US-Dollar zu defensiven Zinserhöhungen in Indonesien, den Philippinen und Mexiko. Die Erdölexportländer, darunter Nigeria, Angola und Ghana, litten unter dem Einbruch der Rohstoffpreise, nachdem die erwartete Nachfrage nachließ. Einige Value-Investoren kehrten nach dem Ausverkauf auf der Suche nach Schnäppchen an den Markt zurück.

Gewinner:

Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer – Bisher im November die globalen Gewinner:In Lokalwährungen denominierte Staatsanleihen der Schwellenländer erzielten bisher in diesem Monat eine Rendite von 1% und in US-Dollar umgerechnet von 2,2%, da einige Währungen starke Kursgewinne gegenüber dem Dollar erzielt haben. Asien entwickelt sich in schwierigen Phasen aufgrund der relativ starken Auslandskonten üblicherweise gut, und war auch jetzt Spitzenreiter bei den Zuwächsen, da die ölimportierenden Länder der Region auch von günstigeren Energiepreisen profitieren dürften. Asiatische Länder werden außerdem von China unterstützt, da sich das Land zu fiskalischen Anreizmaßnahmen verpflichtet hat, um mögliche Schäden auszugleichen, die durch den anhaltenden Handelskrieg mit den USA verursacht werden. Diese Unterstützung hat die Renditen chinesischer Staatsanleihen sowohl in diesem Jahr als auch in den letzten 12 Monaten (3,1%) bisher in den schwarzen Zahlen gehalten. Auf Länderebene waren es russische Staatsanleihen, die unter den 100 Anleihenklassen die beste 5-Tage-Rendite (4,5%) erzielten, da die Sorgen mit Blick auf die US-Sanktionen nachlassen. Die Ängste haben den Rubel in diesem Jahr bisher um 12% gegenüber dem Dollar nach unten gedrückt, was dem Land laut einiger Analysten helfen könnte, seinen Rekordüberschuss von 2008 in der Leistungsbilanz im Jahr 2018 zu übertreffen. Chilenische Lokalanleihen waren die zweitbeste festverzinsliche Anlageklasse im gleichen Zeitraum, was auf steigende Kupferpreise und eine unter den Zielvorgaben liegende jährliche Inflation zurückzuführen ist.

EM-Lokalwährungsanleihen - Gewinner in einem schwierigen Monat
EM-Lokalwährungsanleihen – Gewinner in einem schwierigen Monat

Britische Staatsanleihen – Que sera, sera? Fremdkapitalkosten in Großbritannien sanken in den letzten fünf Handelstagen. Die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen erreichte 1,39%, gegenüber 1,72% knapp einen Monat zuvor. Die Woche war turbulent, da ein mit der EU erzielter Abkommensentwurf über den Austritt Großbritanniens durch den Rücktritt zweier Kabinettsminister schnell in Frage gestellt wurde. Die Rally bei als sicher geltenden Vermögenswerten setzte sich nach einer Aussage der konservativen Abgeordneten fort, nach der sie sich verstärkt darum bemühen, Premierministerin Theresa May zu stürzen, was zu einem ungeordneten Ausstieg oder einer Neuwahl führen könnte. Für weitere Informationen zu den britischen Brexit-Szenarien und deren potenziellen Marktresultaten schauen Sie sich das Video von M&G-Fondsmanager Ben Lord an.

Verlierer:

Der Thanksgiving-Tisch bei Unternehmensanleihen – Cold Turkey: Nachdem sich das Volumen von amerikanischen IG-Anleihen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat (auf 5 Billionen Dollar), erinnert sich die Anlageklasse plötzlich daran, was höhere Zinsen, eine weniger unterstützende Zentralbank und eine nicht so expansive Wirtschaft bedeuten. Wie M&G-Fondsmanagerin Lu Yu vor einigen Wochen in “Vorsicht vor der ausufernden Schuldenlast” warnte, sind Unternehmen, die Fremdkapital (missbräuchlich) dafür verwendet haben, um Dividenden zu erhöhen oder Aktien zurückzukaufen, anstatt ihre Bilanzen zu stützen, nun gezwungen, diese Politik umzukehren, was die Aktionäre verärgert und Fragen über ihre Schuldendienstfähigkeiten in einem Umfeld höherer Zinsen aufwirft. Innerhalb des US IG-Universums sind Finanzunternehmen am stärksten betroffen, da die Konjunkturerholung keine Anhebung der langfristigen Zinsen nach sich zog, was zu einer seit Jahresbeginn flacheren Zinskurve führte und die Gewinnmargen der Unternehmen drückt. Auch Öl, das bei den Investment-Grade- und Hochzinsindizes einen hohen Anteil von ca. 15% ausmacht, ist negativ betroffen. Europäische Hochzinsanleihen haben sich im November noch schlechter entwickelt, was vor allem auf die Schwierigkeiten der italienischen Infrastrukturunternehmen und die nachlassende Wachstumsdynamik zurückzuführen ist: Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal geschrumpft. Die Befürchtungen über die Auswirkungen einer Herabstufung des US-Industrieriesen General Electric auf Hochzinsniveau geben ebenfalls Anlass zur Sorge über einen starken Anstieg des Angebots für hochverzinsliche US-Anleihen, was sich für die Preise in der Regel negativ auswirkt. Des Weiteren stehen US-Emittenten, wie auf der Grafik zu sehen ist, auch im Wettbewerb mit dem Libor, dem Zinssatz, zu dem die Banken einander Geld leihen. Der Libor wird oft als Proxy für risikofreie Zinssätze angesehen und ist heute höher als die Bloomberg Barclays Global Aggregate Rendite, was Anleger davon abhalten könnte, Unternehmens- oder Staatsanleihen zu kaufen, da sie an anderer Stelle eine bessere Kompensation erhalten, mit grundsätzlich weniger Risiko. Einige Investoren argumentieren jedoch, dass der Ausverkauf in dieser Woche übertrieben ist, da die US-Wirtschaft immer noch schnell wächst. Unternehmen neigen außerdem dazu, feste Kupons an Investoren zu zahlen, so dass der Effekt höherer Zinsen möglicherweise nicht so verheerend ist, wie von den Märkten eingepreist.

Achtung - Libor kommt
Achtung – Libor kommt

Argentinien – Neue Zinsuntergrenze? Der Versuch, die belastete Wirtschaft wieder auf ein normales Niveau zu bringen und gleichzeitig die Anleger glücklich zu machen, mag schwieriger sein als es scheint: Mit 62,5% hat der Leitzins renditehungrige internationale Investoren angelockt und einem Land, das auf ein IWF-Rettungspaket angewiesen ist, eine gewisse Stabilität gebracht. Investoren spekulieren jedoch, dass die 60%ige Zinsuntergrenze der Zentralbank bald aufgehoben werden könnte, wenn die Inflationserwartungen, die durch die Rezession nach unten gedrückt werden, weiter sinken. Niedrigere Zinsen könnten der Wirtschaft und Premierminister Macri, der sich im Oktober nächsten Jahres zur Wiederwahl stellen wird, eine Erleichterung bringen – für Anleger auf der Suche nach Carry sind sie jedoch vielleicht nicht so willkommen: Argentinische Anleihen fielen in den letzten fünf Handelstagen um 2,7% und waren damit die zweitschlechteste Anlageklasse im festverzinslichen Segment.

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AXA IM verstärkt Buy-and-Maintain-Team

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AXA Investment Managers
(AXA IM) hat Robert Price mit sofortiger Wirkung zum Portfoliomanager im Buy
and Maintain Fixed Income Team ernannt. Er berichtet an Lionel Pernias, Head of Buy and
Maintain in London.
In seiner neuen Rolle
übernimmt Price die Verwaltung von Credit-Portfolios im Buy-and-Maintain-Team
von AXA IM. Sein Fokus wird dabei auf Cashflow Delivery Investing
(CDI)-Strategien liegen. Robert Price leitete zuvor das Solutions Management
Team von AXA IM in Großbritannien, wo er für das Third-Party-Hedging sowie für
Derivate- und Cashflow-Strategien verantwortlich war. Er wird auch weiterhin
für seine bestehenden Kunden in diesem Bereich arbeiten.

AXA IM hat mit seinen wichtigsten CDI-Strategien durch hohe Zuflüsse seit
Jahresbeginn die 3-Milliarden-Pfund-Marke an Assets under Management geknackt
(Stand: 31. Oktober 2018) und verwaltet insgesamt 311 Milliarden Pfund an
Vermögenswerten in Buy-and-Maintain-Strategien (Stand: 30. September 2018). Da
sich Pensionseinrichtungen zunehmend auf die Generierung von Cashflow
konzentrieren, sieht der Asset Manager eine weiterhin steigende Nachfrage in
diesem Bereich.

„Robert bringt umfassendes Wissen und Verständnis über Pensionsfonds und deren
Anlagestrategien mit. Denn bei der Cashflow-Generierung geht es nicht nur um
Buy-and-Maintain, sondern auch um andere, umfassendere Lösungen. Wir arbeiten
eng mit unseren Kunden zusammen, um für sie passende CDI-Lösungen zu
entwickeln, sei es im Rahmen von Credit-Anleihen aus dem Kernbereich oder
anderen öffentlich handelbaren und ungelisteten Instrumenten “, sagt Lionel
Pernias.

Bis April 2014 war Price als Investmentberater für Treuhänder und Sponsoren von
britischen Pensionsplänen mit Schwerpunkt auf Asset-Liability-Modellierung und
Liability Driven Investments bei KPMG Investment Advisory tätig. Robert Price
ist ein qualifizierter Aktuar mit einem MA der Cambrige University.

Schwellenländer 2019 wieder im Auftrieb

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Wir glauben, dass die negative Stimmung
aufgrund des starken US-Dollars, der anhaltenden Handelskriege und des
Zusammenbruchs der türkischen Lira ein wesentlicher Grund für die starken
Abflüsse aus Anlagen in Schwellenländern im Jahr 2018 waren. Die
Rahmenbedingungen für die meisten Schwellenländer bleiben weiterhin unverändert
aktuell. Noch wichtiger ist, dass die besonderen Risiken einiger weniger
Emerging Markets wie Venezuela, Argentinien, Südafrika und der Türkei keine
zuverlässigen Repräsentanten der Märkte darstellen. Wir haben auch gesehen,
dass jedes dieser Länder seither erhebliche wirtschaftliche Fortschritte
gemacht hat.

Die Wachstumsmärkte verfügen über die
niedrigsten Bewertungen unter allen großen Anlageklassen weltweit, mit fast 30%
Rabatt auf die entwickelten Märkte und bieten eine Free Cash Flow Rendite von
schätzungsweise 5-7% im nächsten Jahr.

Wir gehen
davon aus, dass Sektoren wie Gesundheitswesen, Immobilien, Konsumgüter und
Versorgungsunternehmen am meisten von einem höheren Gewinnwachstum profitieren
werden. In Brasilien, Mexiko, der Türkei und Russland erwarten wir eine
Trendwende beim Ergebniswachstum. Wir sehen weitere Anzeichen für eine leichte
Verlangsamung des globalen Wachstums, die sich auf den Zinspfad der Federal
Reserve für 2019 und die niedrigeren Ölpreise auswirken. Beide dürften den
Vermögenswerten der Schwellenländer Auftrieb verleihen.

Schwarzer Oktober für die Fondsbranche

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Wer redet noch vom Black Monday? Die Fondsbranche blickt eher auf einen schwarzen Oktober zurück: Laut der Statistik von Reuters Lipper Alpha war es der sechste Monat in Folge, in dem Investoren Mittel aus Investmentfonds abzogen – nachdem in den 16 Monaten zuvor ausschließlich Mittelzuflüsse verzeichnet worden sind. 

Einzig die offenen Immobilienfonds (+300 Mio. €) und die Rohstoff-Fonds (+200 Mio. €) konnten sich dem Trend entziehen, während alle anderen Assetklassen zum Teil heftige Abflüsse hinnehmen mussten: Aus Rentenfonds wurden mehr als 40 Milliarden Euro abgezogen, aus Aktienfonds waren es 31 Milliarden und aus Mischfonds mehr als neun Milliarden Euro. In Summe musste die Branche im Oktober Mittelabflüsse von 92,8 Milliarden Euro hinnehmen.

Als sicherer Hafen werden in unsicheren Börsen-Zeiten wieder die Geldmarktfonds genutzt: Hierhin flossen 44,2 Milliarden Euro, also rund die Hälfte der Mittel, die aus den anderen Produkten abgezogen wurden. Dabei waren vor allem auf Euro lautende Produkte gefragt; diese konnten im Oktober fast 24 Milliarden Euro einsammeln. Geldmarktfonds auf Dollar-Papiere nahmen 11 Milliarden Euro ein und in Pfund investierende Fonds verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 6,4 Milliarden Euro.

Aktienfonds waren die Verlierer

Am schlechtesten erging es im Oktober den US-Aktienfonds, berichtet Reuters Lipper Alpha: Investoren zogen 7,9 Milliarden Euro aus Fonds auf amerikanische Aktien ab. Auch den Dollar-Rentenfonds ging es mit Abflüssen in Höhe von 6,1 Milliarden Euro nicht besser.  Aktienfonds mit Schwerpunkt globale Aktien mussten Anteile im Wert von 5,4 Milliarden Euro zurücknehmen, global investierende Rentenfonds 4,7 Milliarden Euro.

Unter den Fondsanbietern in Europa konnte JP Morgan im Oktober noch am besten performen. Der Asset Manager setzte Fondsanteile im Wert von 7,8 Milliarden Euro ab. Auf den Plätzen folgen Legal & General  (+6,6 Mrd. €) und die Deutsche Bank (+2,7 Mrd. €). Bei allen dreien waren es vornehmlich Geldmarktfonds, die für Umsatz sorgten.

Im Oktober konnten die zehn meistverkauften Fonds zusammen rund 8,7 Milliarden Euro einnehmen. Obwohl die Assetklasse der Anleihen unterm Strich den Monat mit Mittelabflüssen beendete, sind gleich sechs Rentenfonds unter den Bestsellern des Monats.

Mittelzuflüsse in europäische Investmentfonds
Mittelzuflüsse in europäische Investmentfonds

Quelle: Reuters Lipper Alpha

US-Aktien – Weiter auf langfristiges Wachstum fokussieren

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Welche zentralen Themen werden nach Ihrer Einschätzung die Märkte 2019 vermutlich maßgeblich beeinflussen?

Zu den Schlüsselthemen wird meines Erachtens der weltweit um sich greifende Populismus gehören und die damit verbundenen Fragen wie offene Grenzen und freier Handel. Darüber hinaus nimmt die Inflation in vielen Teilen der Welt wieder zu und insbesondere in den USA, wo sich das Lohnwachstum infolge der Vollbeschäftigung beschleunigt. Einige Unternehmen müssen wegen der Handelszölle nun auch mit höheren Inputkosten zurechtkommen. Unterdessen verabschieden sich die USA von der jahrelangen quantitativen Lockerung, was die zinsempfindlichen Bereiche der amerikanischen Volkswirtschaft ausbremst. Da die Inflation ein bestimmender Faktor der Zentralbankpolitik ist und der risikolose Zinssatz die Bewertungen aller Unternehmen beeinflusst, ist bei weiterem Anstieg von Inflation und Zinsen mit stärkeren Auswirkungen auf den Markt zu rechnen.

Wo sehen Sie die größten Anlagechancen und -risiken in Ihrer Anlageklasse?

Wir konzentrieren uns weiter auf das, was wir immer tun: Wir suchen nach Unternehmen, die unserer Meinung nach Marktführer sind und über Wettbewerbsvorteile wie Preissetzungsmacht, geringe Risiken bei den Inputkosten und die Fähigkeit verfügen, ihren Marktanteil auszubauen. So ist beispielsweise ein Zahlungsdienstleister nicht auf Fremdkapital oder die globale Lieferkette angewiesen, um sein Wachstum anzutreiben. Nur geringe oder gar keine zusätzlichen Kosten fallen für jeden weiteren Dollar Umsatz an, den das Unternehmen generiert.

Gleichzeitig könnte aber auch eine Phase vor uns liegen, in der die Main Street besser abschneidet als die Wall Street. Die Verbraucher können sich endlich über höhere Löhne freuen, und die Wirtschaft ist nach wie vor in relativ guter Verfassung. Viele Unternehmen könnten dagegen mit einem ganz anderen Umfeld konfrontiert sein als in den letzten zehn Jahren, in denen sie ihr Ertragswachstum oft durch Finanzjonglage erzielt und die Produktivität durch globales Outsourcing gesteigert hatten. Steigende Zinsen sowie höhere Handelsbarrieren und Verschuldungsquoten in den Bilanzen könnten es künftig bestimmten Unternehmen erschweren zu wachsen.

Wie haben die Erfahrungen in diesem Jahr Ihre Herangehensweise oder Ihren Ausblick für 2019 verändert?

Wir sind nach wie vor zufrieden mit unseren Positionen bei Unternehmen, die nach unserer Einschätzung Marktanteile hinzugewinnen können und von langfristigem Rückenwind profitieren. Darüber hinaus glauben wir, dass diese Unternehmen auch für unterschiedliche makroökonomische Rahmenbedingungen gut aufgestellt sind. Kurzfristig ist jedoch oft unklar, wie ihre Aktien auf Volatilität am Markt reagieren. Auf lange Sicht halten wir ihre Wachstumsgrundlagen aber nach wie vor für sehr solide. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die sich Netzwerkeffekte aufgebaut haben. Damit ist gemeint, dass die verstärkte Nutzung eines Produkts oder einer Dienstleistung eines Unternehmens den Wert seiner Waren für die Verbraucher erhöht.

Glossar

Inflation: Rate, mit der sich Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft verteuern.

Zinssensitiv: Wirtschaftsbereiche, die empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren.

Quantitative Lockerung:  eine unkonventionelle Geldpolitik, mit der Zentralbanken die Wirtschaft stimulieren, indem sie die Liquidität im Bankensystem erhöhen.

Risikoloser Zinssatz:  die Verzinsung einer Investition mit theoretisch null Risiko. Typischerweise definiert als dieRenditeeiner dreimonatigen Schatzanweisung (ein kurzfristiges Geldmarktinstrument).

Main Street: ein Begriff, der oft verwendet wird, wenn einzelne Investoren, Beschäftigte und die Gesamtwirtschaft in den USA gemeint sind (im Gegensatz zur Wall Street – siehe unten).

Wall Street: ein Begriff, der oft verwendet wird, wenn die Finanzmärkte, große Finanzinstitute und Unternehmen sowie führende Mitarbeiter in den USA gemeint sind.

Preissetzungsmacht: Bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, die Preise zu erhöhen, ohne dass dadurch die Nachfrage nach seinen Produkten sinkt.

Säkular:langfristiger Trend oder Anlagethema

Hüfner: Konjunktur – Mittelmaß

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Die Konjunktur ist einer der wichtigsten Faktoren, die die Aktienmärkte beeinflussen. Ist sie gut, dann verdienen die Unternehmen ordentlich und die Aktienkurse gehen nach oben. Ist sie schlecht oder droht gar eine Rezession, dann gehen die Gewinne zurück und die Aktionäre müssen sich auf Rückschläge gefasst machen.

Bei einer Reihe von Kundengesprächen in der letzten Woche zeigten sich die Meinungen zu den konjunkturellen Aussichten sehr gespalten. Es gab viele, die nach wie vor auf eine stabile Entwicklung im Jahr 2019 setzen. Die Abschwächung, die wir im Sommer in Europa beobachteten, sei nur vorübergehend. Spätestens im nächsten Jahr werde es wieder nach oben gehen. Es gab aber auch andere, die skeptischer waren. Der Zyklus dauere jetzt schon so lange, dass ein Ende fällig sei (siehe Grafik). Es könnte daher im kommenden Jahr zu einer deutlichen Abschwächung, vielleicht sogar einer Rezession in Europa und Japan kommen.

ENDE DES ZYKLUSES
Reales BIP in % yoy, Deutschland

ENDE DES ZYKLUSES
ENDE DES ZYKLUSES

Quelle: Bundesbank

Wer hat recht? Das Vertrackte ist, dass beide Meinungen gleich gute Gründe anführen können. Die Optimisten verweisen darauf, dass es bisher keine größeren Ungleichgewichte im Aufschwung gebe. Die Nachfrage sei trotz aller Risiken stabil. Das gilt selbstverständlich für die USA, wo die Steuersenkung die Wirtschaft stark gestützt hat. In Europa ist es schwieriger. Aber auch hier wird die Finanzpolitik nach den Jahren der Austerität expansiver. Die Italiener wollen das Staatsdefizit nicht reduzieren, sondern eher ausweiten. In Frankreich gibt es – wenn auch nicht so krass – ähnliche Tendenzen. In Deutschland treten im nächsten Jahr Ausgabensteigerungen und Abgabensenkungen in Höhe von etwa EUR 19 Mrd. in Kraft.

Die Nachfrage in der Autoindustrie wird sich nach dem Einbruch im Herbst wieder erholen.

»Es ist Mittelmaß, in dem wir uns bei der Konjunktur bewegen.«

Hinzu kommt, dass die Zinsen niedrig und die Liquidität reichlich bleiben wird, selbst wenn die EZB wie angekündigt die Wertpapierkäufe zum Jahresende auslaufen lässt. Auch in den USA wird die Fed bei ihren Zinserhöhungen nicht riskieren, dass die Konjunktur darunter leidet.

Die Pessimisten verweisen dagegen auf die vielfachen politischen Risiken, die die wirtschaftliche Aktivität beeinträchtigen. Der Brexit lässt die Nachfrage aus Großbritannien weiter einbrechen. Die neuen Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen den Iran treffen einen Markt, der nicht nur für die Deutschen immer wichtig war. Die bisherigen Handelsrestriktionen der Amerikaner haben Europa und Japan bisher zwar noch nicht stärker belastet. Wenn Trump aber Zölle auf deutsche Autos erheben sollte, wird es schwierig. In China hat sich das Wachstum bereits abgeschwächt.

Es gibt daneben auch interne Risiken. Die lange Phase einer stabilen Aufwärtsentwicklung mit Nullzinsen hat dazu geführt, dass die Risikoneigung größer geworden ist. Unternehmen und private Haushalte tätigen Investitionen oder Ausgaben, die sie früher für zu riskant gehalten hatten. Immer mehr Leute denken: In der Vergangenheit ist alles gut gegangen, warum soll es nicht auch in Zukunft so weiter gehen? In den Handelsräumen der Banken sitzen zunehmend Trader, die die große Finanzkrise nicht mehr erlebt haben. Das ist gefährlich.

Das Handelsblatt hat letzte Woche berichtet, dass in den Bilanzen deutscher DAX-Unternehmen fast EUR 300 Mrd. Goodwill enthalten sind, die durch verteuerte Unternehmensübernahmen entstanden sind. Daraus können schnell Abschreibungen und Verluste werden. Wie viele Immobilien sind in den letzten Jahren zu überhöhten Preisen erworben worden? Wie viele Investitionen sind nur wegen der niedrigen Zinsen rentabel? Banken haben in den letzten Jahren ihre Kreditstandards vielfach reduziert. Wenn sich die Konjunktur nur leicht verschlechtert oder die Zinsen nur wenig steigen, können in ihren Bilanzen erhebliche Non-Performing Loans entstehen.

Gleichzeitig sind in der Phase stabilen Wachstums notwendige Anpassungen in der Produkt- und Produktionsstruktur unterlassen worden. Siehe die deutsche Autoindustrie, die bei der Elektromobilität und der Batterietechnik zurückgefallen ist. Ähnlich die deutschen Banken. All das kann sich bei schwächerer gesamtwirtschaftlicher Entwicklung rächen.

Wer hat nun mit seiner Konjunktureinschätzung recht, die Optimisten oder die Pessimisten? Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Beides kann eintreten, beides ist gleich wahrscheinlich. Risiko-Manager entscheiden sich in solchen Fällen für die Mitte. Das ist zwar langweilig, gibt am Ende aber die vernünftigsten Ergebnisse. Es wird im nächsten Jahr also schlechter gehen als in diesem Jahr, aber keinen Absturz mit einer möglichen Rezession geben. Es ist Mittelmaß, in dem wir uns bei der Konjunktur bewegen. Die guten Fundamentalfaktoren sprechen dagegen, dass die Risiken 
schlagend werden. Umgekehrt sorgen die Risiken dafür, dass die wirtschaftliche Aktivität nicht zu gut wird.

Ich rechne für Deutschland mit einem realen BIP-Wachstum von 1,5 % für 2019, für den Euroraum mit etwas mehr, für Japan mit weniger (1 %). In den USA wird es wegen der Nachwirkungen der Steuersenkung besser gehen (2,5 %). China wird voraussichtlich mit 6,5 % expandieren. Solche Raten hauen niemand vom Hocker, sind aber auch kein Grund zur Panik.

Für den Anleger

Unter diesen Umständen bleiben Aktien für den Langfrist-Investor die bevorzugte Anlageform. Sie werden keine großen Kursgewinne bringen, haben aber eine nach wie vor attraktive Dividendenrendite. Ziehen Sie sich wegen der Risiken aber wärmer an. Reduzieren Sie vor allem die Aktienquote (wenn Sie das noch nicht getan haben). Bleiben Sie in jedem Fall wachsam, wenn sich die Bedingungen verschlechtern. Ein Absturz kündigt sich nicht langsam an, sondern kommt – wenn er denn kommt – eher plötzlich wie aus dem Nichts.

Neue DIN Norm für Finanzanalyse verabschiedet

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Es ist vollbracht, und war offensichtlich ein hartes Stück Arbeit. Nach vier Jahren und drei Tagen, nach 55 Sitzungstagen, nach der Erstellung von 363 Dokumenten und nach 203 Beschlüssen haben nun alle 28 stimmberechtigten Mitglieder des zuständigen DIN-Arbeitsausschusses  im Rahmen einer elektronischen Abstimmung ihr Votum über die DIN-Norm 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“  abgegeben. Die Ausschussmitglieder verabschiedeten die Norm im Konsens, wie es das Regelwerk des Deutschen Instituts für Normung fordert. Das Institut wird die Norm im Januar veröffentlichen. Anfang Februar folgt die offizielle Vorstellung für die Fachöffentlichkeit auf einer Veranstaltung in Berlin.

„Ich bin davon überzeugt, dass mit Unterstützung von DIN in den vergangenen vier Jahren etwas geschaffen wurde, das mittelfristig eine große und nachhaltige Wirkung in unsere Branche hinein entfalten wird“, sagt Defino-Vorstand Klaus Möller, Initiator des Projektes und Obmann des DIN-Ausschusses. Ganz viele Marktteilnehmer hätten das Projekt aufmerksam verfolgt und die meisten stünden dem Ergebnis sehr positiv gegenüber, so Möller.

Auch Matthias Kritzler-Picht, Projektleiter bei DIN, ist zufrieden: „Die durch den Facettenreichtum der Finanzbranche bedingte Inhomogenität des Gremiums und die Komplexität des Themas waren echte Herausforderungen“. Immerhin hätten an der Entwicklung Banken, Versicherer, Vertriebe, Verbände, Initiativen, Verbraucherschützer und Wissenschaftler mitgewirkt. „Dass wir die Norm jetzt ohne Gegenstimme verabschiedet haben, war zu Beginn der Arbeit nicht abzusehen“, so Kritzler-Picht. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten hätten sich jedoch alle Ausschuss-Mitglieder auf die Beantwortung der fachlichen Fragestellungen konzentriert und sich „wirklich zusammengerauft“.

Wie schwierig sich die Arbeit tatsächlich gestaltet hat, wird auch an einer weiteren Stellungnahme Möllers deutlich, für den die Arbeit in dem Ausschuss „ein schwieriges, aber vorbildliches Ringen, nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern um einen substanziellen Konsens“ war. Es wäre gut, wenn jetzt das Modell DIN – wie in den meisten anderen Branchen schon geschehen – auch in der Finanzdienstleistung Schule machen würde, so Möller.

Weitere DIN Normen in Planung

Sollte sich die DIN 77230 tatsächlich am Markt durchsetzen, könnte die neue Finanzberatungs-Norm der Impuls sein für weitere Normungsvorhaben des Gremiums rund um das federführende DEFINO-Institut, hofft DEFINO-Chef Möller. Erste Schritte in diese Richtung hat er bereits eingeleitet. Am 6. Dezember wird sich ein Arbeitsausschuss konstituieren, der eine DIN-Norm für die „Basis-Finanzanalyse für Selbstständige, Freiberufler, Gewerbetreibende und KMUs“ entwickeln will. Und ab der zweiten Januar-Hälfte 2019 soll sich, so eine weitere Initiative des DEFINO-Instituts, der Arbeitsausschuss, welcher die DIN 77230 erarbeitet hat, wieder zusammenfinden, um die DIN SPEC 77223 „Vermögens- und Risikoanalyse für Privatanleger“ zu einer Norm weiterzuentwickeln und sie dabei auf MiFID- und FinVermV-Konformität zu trimmen.

Für die neue Finanzanalyse-Norm geht es allerdings jetzt erst einmal darum, dass sie „in Banken, Versicherungen und Vertrieben sowie bei Maklern und Vermittlern zügige Verbreitung findet und dass sie überall vollständig und redlich umgesetzt wird“, so Möller. Sein Ziel: Versicherungs-, Bank- oder Finanzberater, die nach der Norm arbeiten, sollen verlässlich die gleiche ganzheitliche Analyse der finanziellen Situation ihrer Kunden durchführen  – „nach einem festen, standardisierten Verfahren, wie es sie auch in zahllosen anderen verbraucherrelevanten Wirtschaftsbereichen längst gibt“, so Möller. Alle Beteiligten versprechen sich davon eine Verbesserung der Vertrauenswürdigkeit und der Reputation der Finanzbranche in Deutschland.

Dazu kommt: Wer sich als Berater ans Revers heften kann, genormte DIN-Regeln zu befolgen, hat nicht nur Reputaions-Vorteile, sondern zudem auch einen praktischen Nutzen: Durch die Standardisierung und die Protokollierung des Vorgehens nach zertifizierten Standards können Berater im Streitfall vor Gericht anhand eines einheitlichen Regelkatalogs nachweisen, ob und wie sie den Bedarf des jeweiligen Kunden ermittelt haben. Wer sich für die DIN Norm 77230 zertifizieren lässt und sie bei der Beratung anwendet, verringert so Haftungsrisiken. Denn im Gegensatz zu einer SPEC gilt eine DIN vor Gericht als vorweggenommenes Gutachten. Es ist ein dokumentierter Qualitätsnachweis.

Zertifizierung und Umsetzung

Wer die DIN Norm anwendet und damit werben möchte, muss sich zertifizieren lassen. Derzeit gibt es einen Zertifizierer, der hier in vorderster Reihe zu nennen ist: die Defino GmbH. Sobald die Norm öffentlich und zur Anwendung freigegeben ist, werden mit großer Wahrscheinlichkeit andere Zertifizierer folgen. Wer sich bei Defino zertifizieren lässt, muss nachweisen, dass er eine normkonforme Software einsetzt. Software, die sich bisher an der DIN SPEC 77222 orientiert, wird derzeit unter anderem von Unternehmen wie Finoso, Insinno und FinanzPortal24 angeboten. Die Software-Angebote werden der Norm entsprechend in den kommenden Wochen überarbeitet. Das Regelwerk zur DIN 77222 kostet derzeit 200 Euro, für die dazu passende Zertifizierung bei Defino fallen 400 Euro an. Die Zertifizierung zur DIN Norm 77230 dürfte sich vermutlich auch irgendwo in diesem Rahmen bewegen.