DSGVO: Vier von fünf Unternehmen sind nicht ausreichend vorbereitet

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Regulierung ist für die Finanzbranche ein großes Thema. Auf der einen Seite sind viele Finanzdienstleister immer noch damit beschäftigt, sich an die MiFID II-Regeln zu gewöhnen, die seit Januar verbindlich gelten. Nun kommt auch noch der Datenschutz dazu. Die Zeit drängt. Denn ab 25. Mai 2018 gilt die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO). Dieses Thema ist offensichtlich lange Zeit nicht ernst genug genommen worden – nicht nur in der Finanzbranche. Das zeigt ein aktueller Report von Capgemini, für den 1.000 Führungskräfte und 6.000 Verbraucher in acht Ländern und acht Branchen zu Fortschritten, Haltung und Möglichkeiten im Zusammenhang mit der DSGVO befragt wurden.

Der Umfrage zufolge sieht sich die große Mehrheit der Unternehmen noch nicht bereit für die Anwendung der Regulierung. Obwohl die EU-DSGVO am 25. Mai 2018 rechtsbindend wird, verfehlen durchschnittlich 85 Prozent der Firmen in den USA und Europa die Vorgaben der EU; in Deutschland sind es 81 Prozent. Eines von vier Unternehmen wird es sogar bis Jahresende nicht schaffen, regelkonform zu werden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Wenn die Zeit zur Umsetzung der DSGVO am 25. Mai 2018 abläuft, sind Unternehmen in Europa und den USA in ihren Fortschritten unterschiedlich weit. US-amerikanische und britische Unternehmen sehen sich der Zielgeraden im Schnitt am nächsten, obwohl auch hier nur 63 bzw. 55 Prozent berichten, größtenteils oder komplett konform zu sein. Spanien (54 Prozent), Deutschland (51 Prozent) und Niederlande (51 Prozent) folgen auf dem Fuß. Schweden hat nach eigenen Angaben noch den weitesten Weg: Hier glauben nur 33 Prozent der Befragten, fristgerecht konform zu sein.

(MvA)

Der überraschende Erfolg der Renten-ETFs

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Auch eine Erfolgsbranche muss manchmal Rückschläge hinnehmen: Die Mittelzuflüsse für börsengehandelte Fonds sanken in Europa von 1,3 Milliarden Euro im März auf nur 660 Millionen Euro im April. Zum ersten Mal seit zwei Jahren sanken dabei die Mittelzuflüsse aus Aktien-ETFs (-1,5 Mrd. Euro). Grund zur Panik besteht aber nicht. Denn ETFs sind immer noch gefragt. Allein im institutionellen Bereich dürfte der europäische ETF-Markt bis 2020 jährlich um 300 Milliarden Euro ansteigen, schätzen Experten. Dazu trägt insbesondere der Anleihebereich bei. So übrigens auch im April: Der Anleihesektor sammelte im vergangenen Monat 1,4 Milliarden Euro an frischem Geld ein, also fast so viel, wie Aktien-ETFs einbüßten.

Quelle: Lyxor

Der Rückgang der Nachfrage nach einfachen Aktien-ETFs und der Zuwachs bei Renten-ETFs im April ist vielleicht kein Zufall, sondern könnte der Beginn einer Trendwende sein. Das ergibt sich aus einer Umfrage des Analyse- und Beratungsunternehmen Greenwich Associates im Auftrag von BlackRock. Dem Report zufolge sind auch nachhaltige Investments, Smart Beta sowie Multi-Asset-Strategien auf dem Vormarsch.

Quelle: Lyxor

Der Grund für die Verschiebungen: Institutionelle Investoren in Europa seien mit einer Vielzahl globaler Marktbedingungen konfrontiert, die sich schnell ändern. Dazu gehörten die Rückkehr der Volatilität an die globalen Kapitalmärkte, der bevorstehende Trendwechsel hin zu einem Umfeld steigender Zinsen, das anstehende Ende der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank sowie die anhaltende Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II und andere regulatorische Initiativen, so die Verfasser der Studie. Als Antwort auf die neuen Herausforderungen nutzen institutionelle Investoren zunehmend die Vielseitigkeit börsengehandelter Indexfonds (ETFs), um ihre Portfolios anzupassen. Sie integrieren diese umfassender in taktische und strategische Anlageprozesse und -strategien.

Der ETF-Portfolioanteil institutioneller Investoren im europäischen Markt steigt an

Im Durchschnitt ist der ETF-Anteil in den Portfolios der institutionellen Investoren, die an der Blackrock-Studie teilgenommen haben, von 7,7 Prozent im Vorjahr auf aktuell 10,3 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Ein Großteil des Wachstums lässt sich darauf zurückführen, dass speziell im Anleihebereich neue institutionelle Nutzer auf den Markt gekommen. Der Anteil der Investoren, die Anleihen-ETFs nutzen, ist im vergangenen Jahr demnach auf 45 Prozent gestiegen. 2016 waren es nur 38 Prozent gewesen.

Auch in anderen Anlageklassen setzen institutionelle Investoren zunehmend ETFs ein. Etwa ein Viertel der institutionellen Investoren in Europa nutzt ETFs 2017 im REITs-Segment, 2016 war es nur etwa einer von fünfen gewesen. Der Anstieg im Bereich Rohstoffe war im gleichen Zeitraum noch wesentlich ausgeprägter: In diesem Segment ist der Anteil der Nutzer unter den institutionellen Investoren in Europa auf ein Drittel gestiegen, von zuvor nur 20 Prozent.

„Nach mehrjährigem regulären Einsatz von ETFs haben institutionelle Investoren in Europa erkannt, dass ETFs einfache, vielfältig einsetzbare und kosteneffiziente Instrumente sind. Daher bauen sie ihre entsprechenden Investitionen zügig aus“, sagt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates. 

Quelle: Greenwich Associates

„ETFs sind das natürliche Ergebnis der Evolution am europäischen Finanzmarkt, wo Investoren zunehmend auf Transparenz, Auswahlmöglichkeiten und Werthaltigkeit bedacht sind. Speziell die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die Handels-Reportings zur Pflicht macht, trägt dazu bei, die Liquidität von ETFs in Europa umfassend zu zeigen. Damit hilft sie, Investoren neue, kreative Wege aufzuzeigen, um intelligentere Portfolios aufzubauen“, sagt Hamed Mustafa, Leiter des Geschäfts mit institutionellen Kunden im Bereich ETF & Index Investments bei BlackRock in Deutschland.

(MvA)

Carmignac besetzt den Wholesale-Vertrieb neu

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Carmignacs langjähriger Vertriebschef Italien, Giorgio Ventura, wird neuer Global Head of Sales beim französischen Asset-Manager Carmignac. Seine alte Position wird der 45-jährige dennoch weiter ausfüllen. Zudem bekommt der gebürtige Italiener einen Sitz im Ausschuss für strategische Entwicklung. 

Ventura kam 2012 zu den Franzosen, nachdem er zuvor drei Jahre als Co-Head of Sales beim Mailänder Asset Manager Eurizon Capital fungierte. Vor seinem Engeagement bei den Italienern arbeitete er acht Jahre als Executive Director bei Lehmann Brothers. Für Carmignac soll Ventura nach Aussage von Eric Henderlé, General Manager der internationalen Fondsgesellschaft, die globale Geschäftsentwicklung voran treiben.

Es ist nicht der erste große Personalwechsel im Vertrieb von Carmignac in diesem Jahr. In der vergangenen Woche gaben die Franzosen bekannt, dass der bisherige Wholesales-Chef Deutschland und Österreich, Roland Schmidt, das Unternehmen im April verlassen hat. Zum Nachfolger wurde Nils Hemmer berufen

Schmidt wechselt zur Asset-Management Sparte der kanadischen Royal Bank of Canada (RBC), der RBC Global Asset Management. Dort soll er als Direktor EMEA Business Development den Ausbau des deutschen institutionellen Marktes betreiben. Den Vertrieb für Institutionals und Wholesale leitete Schmidt bei Carmignac für vier Jahre. Zuvor war er knapp zwei Jahre Head of Sales Germany bei M&G Investments. Von 2007 bis 2011 arbeitete Schmidt im Vertrieb von Barings Asset Management. 

(DW)

PRIIPs: Fondsverband kritisiert Berechnungsmethode

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Die Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIPs) sollen Finanzprodukte vergleichbar machen. Außerdem soll der Verbraucherschutz auf eine neue Stufe steigen. Das jedenfalls ist der Anspruch. Doch davon sei die PRIIPs-Verordnung weit entfernt, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Investmentfondsverbandes BVI. Eher sei PRIIPs geeignet, „die Verbraucher falsch zu informieren und der Fondsbranche einen Reputationsschaden zu bescheren“, schimpft Richter in einer offiziellen Stellungnahme.

Vor allem zwei Punkte stören den BVI: Erstens die Wertentwicklungs-Szenarien auf Basis von Vergangenheitsdaten. „Die Regulierer glauben, dass man aus der vergangenen Wertentwicklung Prognosen für die zukünftige ableiten kann. Weil die Börsen in den vergangenen Jahren aber so gut gelaufen sind, sind die Prognosen viel zu optimistisch“, erklärt Richter. Zweitens der Ausweis der Transaktionskosten nach der sogenannten Arrival-Price-Methode. „In weniger liquiden Märkten führt diese Methode häufig zu falschen, ja sogar negativen Transaktionskosten. Letzteres wäre nach unserer Schätzung unter PRIIPs bei rund 10 Prozent der Publikumsfonds in Europa der Fall“, so Richter.

Die europäische Regulierungsbehörde ESMA sagt dazu, es handele sich nur um Einzelfälle, die Methode sei grundsätzlich in Ordnung. Es sei nun an der Fondsbranche, darzulegen, dass bei der Arrival-Price-Methode Fehler systemimmanent und häufig sind. Dann könnte sich die ESMA auch bereit erklären, an einer Verbesserung von PRIIPs mitzuarbeiten.

„Wir kennen die ESMA als eine Behörde, der der Verbraucherschutz ein echtes Anliegen ist“, sagt Thomas Richter, der aber im gleichen Atemzug fordert, dass die Ausnahme für die OGAW-KIDs um zwei Jahre verlängert werden müsse, bis Klarheit herrscht. „Andernfalls müssten wir ab Anfang 2020 fehlerhafte Transaktionskosten ausweisen. Eine Irreführung des Verbrauchers wollen weder die ESMA noch wir. Unser Ziel ist dasselbe. Da muss es doch möglich sein, sich über den Weg zu einigen“, so Richter.

(MvA)

Wettbewerb „Finanzberater des Jahres“ geht in die 15. Runde

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Ab Freitag den 1. Juni können sich freie Finanzberater sowie Berater aus Banken und Sparkassen zum Wettbewerb „Finanzberater des Jahres“ anmelden, um herausfinden, wer die besten Berater Deutschlands sind. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom Wirtschaftsmagazin €uro gemeinsam mit der GOING PUBLIC! Akademie für Finanzberatung AG, der €uro Advisor Services GmbH (fundresearch.de erscheint hier), Mountain-View Data GmbH sowie der Fonds Finanz Maklerservice GmbH und Invesco Asset Management Deutschland. Wie in jedem Jahr wird von den Teilnehmern ein echter Qualitätsnachweis gefordert.

Der Weg ist das Ziel

Beweisen können sich die Kontrahenten in zwei Disziplinen: Einem Wissenstest und einem Depotest. Im qualitativen Teil ist Fachwissen gefragt. Sechs Fragebögen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten ermöglichen den Teilnehmern ihr Wissen darzulegen. Im quantitativen Teil des Wettbewerbs sind dagegen die praktischen Qualitäten als Portfoliomanager gefordert. Aus einem Universum von über 5.000 Publikumsfonds können die Berater mit einem fiktiven Startkapital von 100.000 Euro ein optimales Portfolio zusammenstellen. Wer in beiden Teilen des Wettbewerbs gute Ergebnisse erzielt, hat am Ende die Nase vorn. Der Wettbewerb endet am 1. Dezember 2018. Anmelden können sich Interessierte bis zum 1. September diesen Jahres.   

Bei Interesse: Eine Testversion des FINANZEN FundAnalyzer (FVBS) gibt es für Interessenten 30 Tage lang kostenlos obendrauf. Bitte eine E-Mail senden an: info@advisor-services.de, Kennwort: Finanzberater des Jahres. 

So oft die Steine umdrehen, bis es passt

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AssetManager: Herr Wannow, für welche Anleger wurde der Fonds aufgelegt?

Tilo Wannow: Der Fonds (ISIN: LU0319574272) richtet sich an ein breites Publikum. Er eignet sich insbesondere für Kunden, denen die aktuellen Renditen von Anleihen zu niedrig sind, die aber zugleich die Volatilität der Aktienmärkte scheuen. Die Grundstruktur des Fonds ist relativ ausgewogen, die Hälfte liegt in Aktien, die andere Hälfte in Anleihen oder in kurzfristiger Liquidität. In der Umsetzung beschränken wir uns auf klassische Anlageinstrumente, hauptsächlich Einzeltitel, von komplexen Strukturen halten wir uns fern.

AssetManager: Investieren Sie nicht in Fonds?

Tilo Wannow: Fonds setzen wir nur dann ein, wenn es der einzige Weg ist, um Marktzugang zu erhalten. Oder wenn wir großen Wert auf Diversifikation legen, zum Beispiel in den Emerging Markets, diese anders aber nicht erreichen können.

AssetManager: Welchen Anlagestil verfolgen Sie?

Tilo Wannow: Wir sind akribische Stockpicker: Für uns stehen Bewertung und Qualität im Zentrum. Auf der einen Seite orientieren wir uns daher sehr stark an der Bewertung der Anlagen, auf der anderen Seite achten wir aber auch darauf, dass die Unternehmen eine nachvollziehbare Strategie verfolgen und langfristige Wachstumsperspektiven haben. 

AssetManager: Wie sieht der Investmentprozess bei Ihnen aus?

Tilo Wannow:  Wir kombinieren quantitative und qualitative Kriterien, um die passenden Aktien und Anleihen für unser Portfolio auszuwählen. Anhand von monetären, fundamentalen und marktpsychologischen Inputfaktoren steuern wir in einem gewissen Rahmen auch noch die Aktienquote, um das Portfolio an das Marktumfeld anzupassen.

AssetManager: Wie groß ist ihr Team?

Tilo Wannow: Wir haben zehn Portfolio-Manager, die bestimmte Themen bearbeiten. Außerdem werden wir von einer Analyse-Abteilung unterstützt. Neben hausinternem Research nutzen wir aber auch viel externe Informationsquellen, um Zugang zu den Unternehmen zu bekommen. 

AssetManager: Ändert sich viel durch die neue Finanzmarktrichtlinie MiFID II?

Tilo Wannow: Im Großen und Ganzen nicht. Die Informationen, die für die Qualität unserer Entscheidungen wichtig sind, erhalten wir nach wie vor.

AssetManager: Welchen Investmentansatz verfolgen Sie, um Ihr Portfolio optimal zusammen zu stellen?

Tilo Wannow: Wir verfolgen einen qualitätsorientierten Value-Ansatz. Wir schauen genau auf die Unternehmenszahlen und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Grunde setzen wir ein Mosaik zusammen. Am Anfang steht eine quantitative Vorauswahl aller Titel unseres Anlageuniversums. Wir decken über 1.000 Titel aus S&P 500, HDAX sowie Stoxx 600 ab. Diese Titel scannen wir auf Basis eines selbst entworfenen Sets an Faktorkennzahlen. Danach machen wir einen fundamentalen Check des Geschäftsmodells. Am Ende bleiben etwa 40 bis 50 Titel übrig. 

AssetManager: Titelauswahl betreiben alle Anbieter. Was machen Sie anders?

Tilo Wannow: Um den Markt zu schlagen, müssen Sie etwas tun, was die anderen nicht machen. Um es mit einem Sprichwort zu verdeutlichen: Wir drehen die Steine etwas öfter um oder schauen unter andere Steine, als die anderen. Nach dem KGV oder der Dividendenrendite fragt jeder. Wir wissen dank empirischer Auswertungen, dass andere Faktoren besser geeignet sind, bspw. die freie Cashflow-Rendite oder der Unternehmenswert in Relation zum EBIT. 

AssetManager: Welche Unternehmen sind nach Ihren Kriterien Qualitätsunternehmen? 

Tilo Wannow: Unternehmen, die profitabel sind und relativ wenig Kapitaleinsatz brauchen, um profitabel zu sein. Außerdem legen wir Wert auf einen geringen Verschuldungsgrad. Zudem sollten die Geschäftsmodelle unabhängig von konjunkturellen Zyklen funktionieren. Wir suchen nach Titeln, die in guten wie in schlechten Zeiten ihre Gewinne steigern.

AssetManager: Schauen Sie sich die Unternehmen vor Ort an, sprechen Sie direkt mit dem Management?

Tilo Wannow: Wir sprechen so oft es geht mit dem Management und passen sehr genau auf. Viele versuchen, das Unternehmen besser darzustellen, als es ist. Aber mit einer professionellen Skepsis lässt sich das gut einschätzen. Wenn es Schwachstellen gibt, finden wir sie heraus. 

AssetManager: Wie oft justieren Sie ihr Portfolio neu?

Tilo Wannow: Wir beobachten den Markt natürlich jeden Tag. Die Überprüfung unserer Faktorenmodelle geschieht ungefähr im Monatsrhythmus. Der Turnover in unserem Fonds ist relativ gering, weil wir unsere Qualitätstitel sehr genau ausgewählt haben. Diesen Titeln bleiben wir eine gewisse Zeit treu. Wir tauschen nicht jedes Quartal die Hälfte des Portfolios aus.

AssetManager: Wie bewerten Sie das Aufkommen der Blockchain-Technologie? Wird es auf dem Markt zu nachhaltigen Veränderungen kommen? Werden Alphabet, Amazon und Facebook ihre dominante Stellung behaupten können?

Tilo Wannow: Diese Unternehmen haben den Vorteil des sogenannten Netzwerkeffektes. Wenn ein Netzwerkanbieter erst mal eine Milliardenzahl an Nutzern hat, wird der Markteintritt für andere Unternehmen sehr schwer. Diese Firmen werden auch in Zukunft wahrscheinlich erhalten bleiben. Wahrscheinlich ist, dass solche Marktführer auch neue Technologien wie Blockchain adaptieren können.

AssetManager: Thema Zinsen: Wie erwarten Sie, dass sich die Bond-Renditen in diesem Jahr entwickeln?

Tilo Wannow: Grundsätzlich ist das Niedrigzinsumfeld für Anleger kein Grund zur Freude. Dennoch hilft das Quantitative Easing der EZB auch Anleihen. Insgesamt sieht es gut aus für Bonds, insbesondere Unternehmensanleihen. Das konjunkturelle Umfeld ist sehr gut, die Ausfallraten sind sehr niedrig, die Gewinne sprudeln. Die Nachfrage nach Anleihen ist aber eher global ausgerichtet. Selbst wenn die EZB ihre Ankäufe komplett einstellen würde, beträfe das unsere Ertragslage nicht wesentlich. 

AssetManager: Wie geht es mit der Konjunktur weiter?

Tilo Wannow: Viele Frühindikatoren haben Höchststände erreicht, das mahnt erfahrungsgemäß zur Vorsicht. Auf der anderen Seite stimmen die Unternehmenszahlen nach wie vor zuversichtlich. Das volkswirtschaftliche Umfeld ist einfach sehr gut, da sind wenige Wolken zu sehen. Aber das ist eine Momentaufnahme, darauf kann man sich nicht ausruhen, man muss wachsam bleiben.

 

(DW)

Product Governance: Das ändert sich unter MiFID II

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Am 19. April 2018 hat die BaFin die Neufassung der „Mindestanforderungen an die Compliance-Funktion und die weiteren Verhaltens-, Organisations- und Transparenzpflichten nach §§ 63 ff. WpHG für Wertpapierdienstleistungsunternehmen (MaComp)“ veröffentlicht (Rundschreiben 05/2018 (WA)). Die MaComp wurden in vielerlei Hinsicht überarbeitet und ergänzt, um den neuen Anforderungen gemäß MiFID2 und den ebenso zahl- wie umfangreichen Umsetzungsrechtsakten (insbesondere Delegierte Verordnung (EU) 2017/565, WpHG n.F. und WpDVerOV n.F., Leitlinien der ESMA) Rechnung zu tragen. Nicht nur für unmittelbar mit Compliance-Tätigkeiten betraute Mitarbeiter von Wertpapierdienstleistungsunternehmen spielten die MaComp auch bisher schon eine wichtige Rolle bei der Anwendung und Umsetzung der einschlägigen Regeln im Einklang mit den Vorstellungen der Aufsicht.

Die jetzt vorliegende überarbeitete Fassung der MaComp bringt eine Reihe von Neuerungen mit sich. Diese waren zum Teil auch Gegenstand einer vorangegangenen Konsultation der BaFin (siehe Konsultation 15/2017 (WA) vom 2. November 2017). Bei einigen Modulen steht die Aktualisierung allerdings noch aus. Dies betrifft diejenigen Themen, bei denen noch keine endgültigen neuen Leitlinien der ESMA vorliegen (siehe BT 7: Prüfung der Geeignetheit und BT 8: Anforderungen an Vergütungssysteme). Einige der neu gefassten Module dürften von besonderer praktischer Bedeutung sein. Dies gilt etwa für die neuen Product Governance-Anforderungen (siehe BT 5), die Aufzeichnungspflichten in Bezug auf Zuwendungen und insbesondere die erforderliche Qualitätsverbesserung (siehe BT 10), sowie die weiteren Konkretisierungen hinsichtlich der Qualifikation der Mitarbeiter (siehe BT 11). Auf diese Themenbereiche soll in den nächsten Artikeln dieser Reihe näher eingegangen werden, beginnend mit den Product Governance-Anforderungen gemäß BT 5 MaComp n.F. (dazu nachstehend).

In eher sinngemäßer als wortwörtlicher Umsetzung der ESMA-Leitlinien zu den Produktüberwachungsanforderungen der MiFID2 (deutsche Übersetzung vom 5. Februar 2018, englisches Original vom 2. Juni 2017) hat die BaFin im neuen Modul BT 5 ausführliche und weit reichende Umsetzungshinweise formuliert. Im Einklang mit den ESMA-Leitlinien betreffen die neuen Anforderungen sowohl die Produktersteller („Konzepteure“ in der Terminologie der MaComp) als auch den Produktvertrieb („Vertriebsunternehmen“ in der Terminologie der MaComp). Im Mittelpunkt steht dabei jeweils – wie nicht anders zu erwarten war – die Bestimmung des Zielmarktes. Behandelt werden auch damit zusammenhängende Aspekte, wie die Festlegung der Vertriebsstrategie, die Bestimmung negativer Zielmärkte oder der Zielmarktabgleich am Point-of-Sale. Auch Besonderheiten im Hinblick auf den Umgang mit professionellen Kunden oder geeigneten Gegenparteien werden erörtert.

Die BaFin unterscheidet bei der Zielmarktbestimmung die Bestimmung des „abstrakten Zielmarktes“ durch den Konzepteur von der Bestimmung des „konkreten Zielmarktes“ durch das Vertriebsunternehmen. Grundlage der Festlegung des abstrakten Zielmarktes dürfen nicht ausschließlich quantitative Kriterien sein. Es müssen in ausreichender Weise auch qualitative Erwägungen angestellt werden. Dies gelte „insbesondere auch im Massengeschäft mit weitgehender Prozessautomatisierung“. Die Zielmarktbestimmung hat in jedem Fall anhand der fünf bereits aus den ESMA-Leitlinien bekannten Kategorien zu erfolgen: Kundenkategorie, Kenntnisse und Erfahrungen der Zielkunden, finanzielle Situation mit Fokus auf Verlusttragungsfähigkeit der Zielkunden, Risikotoleranz bzw. Vereinbarkeit des Risiko-Rendite-Profils des Produktes mit den Zielkunden, Ziele und Bedürfnisse der Zielkunden. Die BaFin stellt dabei auch einen Zusammenhang mit „möglichen Auswirkungen auf eine offene Produktarchitektur der betroffenen Vertriebsunternehmen“ her (siehe BT 5.2.1, Tz. 4 a.E.). Weiter wird darauf hingewiesen, dass der abstrakte Zielmarkt für komplexere Produkte in größerer Detailtiefe zu bestimmen sei als für einfache, weit verbreitete Produkte. Sieht man sich aktuell beispielhaft Zielmärkte für verschiedene angebotene Produkte an, fällt es nicht immer leicht zu erkennen, dass die Praxis bereits entsprechend unterschiedlich verfahren würde.

Welche Aufgaben haben angesichts dessen noch die Vertriebsunternehmen? Einerseits sind sie verpflichtet, selbst einen „konkreten Zielmarkt“ zu bestimmen, und zwar für jedes von ihnen angebotene Produkt. Dabei sollen nicht nur die vom Konzepteur übermittelten oder anderweitig verfügbaren Produktinformationen berücksichtigt werden, sondern auch Informationen über die eigenen Kunden. Diese sollen auf einer „sorgfältigen Analyse des Kundenstammes“ beruhen, was bestehende und potenzielle Kunden umfasst. Andererseits dürfe dabei derart verfahren werden, dass ein vorhandener abstrakter Zielmarkt des Konzepteurs herangezogen, überprüft und ggf. konkretisiert wird. Für jedes Produkt sei „im Rahmen eines speziell hierzu vorgesehenen Prozesses“ zu prüfen, ob und ggf. wie der abstrakte Zielmarkt zu den eigenen Kunden passt. Auch bei einfachen, weit verbreiteten Produkten sei eine solche Prüfung durchzuführen, der abstrakte Zielmarkt des Konzepteurs dürfe insoweit jedoch regelmäßig übernommen werden. Zudem sei es zulässig, dass Konzepteur und Vertriebsunternehmen den abstrakten und konkreten Zielmarkt gemeinsam bestimmen, etwa wenn sie einen „Zielmarktstandard für die Produkte, die ihrer Geschäftsbeziehung zu Grunde liegen“, entwickeln (siehe zu alledem BT 5.3.3). Hieraus scheint zu folgen, dass vertriebsseitig im Ergebnis weitgehend mit dem vom Produktlieferanten herrührenden abstrakten Zielmarkt gearbeitet werden kann.

Führt man sich jedoch einen wesentlichen Zweck der neuen Product Governance-Anforderungen vor Augen, noch besser zu gewährleisten, dass die passenden (in der rechtlichen Begrifflichkeit „geeigneten“ bzw. „angemessenen“) Produkte bei den Endkunden des Vertriebs landen, dann muss man sich fragen, ob es damit sein Bewenden haben kann. Vieles spricht dafür, dass der Vertrieb eine wichtige Rolle dabei hat und behalten muss, die notwendigerweise abstrakten und theoretischen Überlegungen des Erstellers beim Design und Inverkehrbringen neuer Produkte mit Blick auf die jeweiligen eigenen Kunden (bzw. zumindest Kundentypen oder -gruppen) weiter zu konkretisieren und „zu Ende zu denken“. Die durchgängige Verwendung rein abstrakter Zielmarktbetrachtungen kann dies nicht leisten und dürfte dem gegenüber tendenziell eher zu einer geringeren Relevanz tatsächlicher subjektiver Kundeninteressen und -bedürfnisse führen.

Dass auch die BaFin (wie bereits die ESMA in ihren Leitlinien und der deutsche Regelgeber in § 12 WpDVerOV) zugleich erkennt, welch wichtige Rolle der Vertrieb in diesem Zusammenhang spielt, wird an anderen Stellen des Moduls BT 5 deutlich. Die BaFin betont die Bedeutung des Produktauswahlprozesses, der „zum frühestmöglichen Zeitpunkt in der Geschäftsorganisation“ zu durchlaufen sei. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot sowie die Bestimmung von Zielmärkten und Vertriebsstrategien seien geschäftspolitische Entscheidungen, verantwortet von der Geschäftsführung des Vertriebsunternehmens. Diesen Entscheidungen komme „eine zentrale Rolle bei der Planung des Tagesgeschäfts“ zu und sie seien „bei allen anderen relevanten Prozessen im Zusammenhang mit dem Produkt- und Dienstleistungsangebot (wie etwa der Budgetplanung oder der Vergütung der Mitarbeiter) zu berücksichtigen“ (siehe dazu BT 5.3.1 Tz. 1 und 2). Angesichts dessen bleibt abzuwarten, ob die Wahrnehmung derart zentraler Aufgaben im Kundeninteresse (vgl. § 63 Abs. 1 und Abs. 5 WpHG) durch formale Prüfungsakte, deren regelmäßiges Resultat die unveränderte Übernahme abstrakter Hersteller-Zielmärkte ist, letztlich auch aus Sicht der BaFin dem Sinn und Zweck der neuen Regeln hinreichend gerecht wird.

Aus Sicht eines Vertriebsunternehmens dürfte einiges dafür sprechen, eine stärker kundenorientierte Vorgehensweise zu praktizieren. Dies ermöglicht es, nicht nur den neuen regulatorischen Anforderungen vollumfänglich gerecht zu werden, sondern zugleich Kundenbedürfnisse noch besser zu verstehen, Produkt- und Dienstleistungsangebote noch passender auf die Kunden auszurichten und entsprechende Vertriebspotenziale zu realisieren. Dass ein derartiger Ansatz ohne weiteres auch ein differenziertes Vorgehen erlaubt, zeigen die entsprechenden Hinweise der BaFin, die (wie die ESMA) danach unterscheidet, welche Dienstleistungen im Vertrieb konkret erbracht werden sollen: Anlageberatung, beratungsfreies Geschäft, reines Ausführungsgeschäft oder Finanzportfolioverwaltung. Je nachdem sind unterschiedliche Kundenbedürfnisse zu befriedigen bzw. zu antizipieren, und je nachdem können sinnvolle Abstufungen zum Tragen kommen (siehe dazu BT 5.3.4). 

Könnte die Inflation steigen?

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  • Es sieht nicht so aus, als ob sich die Inflation bald erhöhen könnte. Aber man soll sich nie zu sicher sein. In den USA gibt es zunehmend warnende Stimmen.
  • Eine höhere Preissteigerung würde einen Anstieg der Bondrenditen mit ent¬sprechenden Kursverlusten der Anleger nach sich ziehen.
  • Trotzdem kann man in Bonds investieren. Man muss nur stärker auf Emittenten- und Wechselkursrisiken achten.

Vor Kurzem hat der Chefstratege der Deutschen Bank, Dr. Ulrich Stephan, eine interessante Begebenheit aus der jün­geren amerikanischen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, so sagte er, blieb die Inflation trotz hohen Wachstums und niedriger Ar­beitslosigkeit lange Zeit sehr niedrig (unter 2 %). Keiner hatte dafür eine so richtige Erklärung. 1965 wurden dann die Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid eingeführt. Dadurch stiegen die Gesundheitskosten stark an. Die Inflation bekam Beine. Sie erhöhte sich von 1,9 % im Januar 1966 auf 6,1 % (!) Anfang 1970. Die Anleiherenditen sprangen von 4,7 % auf 7,7 %. Anleger in festverzinslichen Bonds machten Verluste.

Geschichte wiederholt sich nicht. Man kann aus ihr jedoch Lehren ziehen. Eine ist, dass die Inflation sich nicht immer langsam und stetig entwickelt. Sie macht vielmehr – wie andere ökonomische Variablen auch – oft unerwartete Sprünge. Das haben wir schon häufiger und nicht nur in den USA erlebt. Ein besonders krasses Beispiel waren die Inflationsschübe nach den großen Ölpreissteigerungen in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass die EZB bei stärkerer Preissteigerung ihren Kurs nennenswert verändern würde. Dazu hat sie sich zu sehr festgelegt.«

Eine andere Lehre ist, dass die Inflation, wenn sie denn ein­mal in Bewegung geraten ist, sich selbst beschleunigt. Ver­braucher, die in den Geschäften mehr zahlen müssen, ver­langen dann auch höhere Löhne. Unternehmer heben ihre Preise stärker an, wenn sie sehen, dass das auch andere tun. So ein sich selbst beschleunigender Prozess ist schwer einzufangen. Für Notenbanken ist er ein Albtraum. Daher das Bestreben, inflationäre Prozesse genau zu analysieren und sie schon in der Anfangsphase zu bekämpfen. Das hat nichts mit übertriebener Sensibilität zu tun, wie das der Bun­desbank häufig vorgeworfen wurde. 

Nun hat Dr. Ulrich Stephan die Geschichte natürlich nicht zufäl­lig erzählt. Er vermutet vielmehr Ähnlichkeiten der damali­gen mit der heutigen Situation. Auch jetzt fährt die Konjunk­tur auf hohen Touren. Den Unternehmen fehlt es vorne und hinten an Facharbeitern. Bei der Inflation tut sich aber nichts. In Europa liegen die Preise zur Zeit gerade mal um 1,2 % über dem Vorjahr. 

Wiederholt sich die Geschichte?
Inflation, Monate seit Anfang 2003 und 2013

Quelle: EZB

Könnte es sein, dass wir wie damals auch jetzt wieder von einer steigenden Inflation überrascht werden? Viele Indizien dafür gibt es nicht. Ganz abwegig ist es aber auch nicht. In der Grafik habe ich die Jahre nach 2003 mit der Zeit nach 2013 verglichen. Die Kurven weisen einige Ähnlichkeiten auf. Über vier Jahre blieb die Inflation konstant beziehungs­weise ging sogar zurück. Dann plötzlich veränderte sich im Zyklus 2003 alles. Die Ölpreise schossen nach oben. In der Folge erhöhten sich die Lohnsteigerungen. Die Inflation zog kräftig an, von 1,8 % auf 4,1 % Mitte 2008. Das alles vollzog sich in einem Umfeld, in dem schon die ersten Symptome der Fi­nanzkrise erkennbar wurden.

Wenn es heute so liefe wie damals, müsste die Geldentwer­tung jetzt auch nach oben gehen. Wahrscheinlich ist das nicht, wohl aber vorstellbar. Immerhin steigen die Kranken­hauskosten in den USA nach den Angriffen von Trump auf Obamacare. In den USA mehren sich prominente Stimmen, die vor einer höheren Inflation warnen. Die Federal Reserve hat ihren Kurs leicht verschärft.

In Europa spüren wir vor allem, dass der Ölpreis in Bewe­gung gekommen ist. Seit Jahresanfang ist er von USD 66 auf USD 80 pro Barrel (Brent) gestiegen. Das sind mehr als 20 %. Superbenzin ist kräftig teurer geworden. Die Preise für Energie, die immerhin einen Anteil von 11 % am Waren­korb des Verbraucherpreisindex haben, haben sich spürbar erhöht.

Manche sagen, dass die Ölpreise ein Sonderfaktor sind, der mit Inflation nichts zu tun hat. Sie schauen nur auf die „Kerninflation“ (ohne Preise für Energie, saisonabhängige Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak). Ich halte das für eine Milchmädchenrechnung. Zum einen muss der Verbrau­cher auch ölinduzierte Preissteigerungen bezahlen. Seine Kaufkraft (und die Fähigkeit zu sparen und zu konsumieren) verringert sich. Zum anderen beeinflussen Ölpreise auch das inflationäre Klima. Arbeitnehmer fordern höhere Löhne. Die ölverarbeitende Industrie hat größere Kosten.

Was heißt es für die Finanzmärkte, wenn die Geldentwer­tung wie im letzten Zyklus steigen würde? Damals erhöhte die EZB die Leitzinsen von 2,5 % auf 3 %. Die Anleiheren­diten gingen um gut einen halben Prozentpunkt nach oben. Beides war verglichen mit dem Inflationsanstieg von über 2 Prozentpunkten relativ wenig. Das hing aber damit zusam­men, dass die Welt damals schon unter dem Eindruck der beginnenden großen Finanzkrise stand und die Märkte sehr risikoavers waren.

Heute sähe das wohl anders aus. Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass die EZB bei stärkerer Preissteigerung ihren Kurs nennenswert verändern würde. Dazu hat sie sich zu sehr festgelegt. Die 10-jährigen Bundrenditen würden je­doch deutlich anziehen. Sie gingen schnell über 1 %, im weiteren Verlauf aber vermutlich auch auf 1,5 %. Das wäre immer noch niedrig, aber deutlich höher als heute.

Für den Anleger

Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse der Anleihen und der Investor macht Verluste. Schon seit einiger Zeit rate ich, beim Kauf von Bonds vorsichtig zu sein. Andererseits: Je hö­her die Zinsen, umso interessanter werden die Kupons, wenn man die Papiere über die ganze Laufzeit hält. Vor al­lem bei Anleihen von Unternehmen und Emerging Markets kann man inzwischen ordentliche Renditen erzielen. Aller­dings sind solche Papiere mit Emittenten- und eventuell auch mit Währungsrisiken verbunden. 

Schwellenländer-Kontraste

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Vietnams Erfolgsgeschichte basiert auf Privatisierungen, einem besseren Schutz geistigen Eigentums und klaren politischen Entscheidungen in Bezug auf eine schnelle Entwicklung des Exportsektors. In Indonesien geschieht fast das Gegenteil: Die Regierung wird zunehmend populistisch und unterstützt die heimischen Verbraucher auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die großen Exportunternehmen bleiben fern oder verlassen das Land, um sich in anderen asiatischen Staaten niederzulassen, vorzugsweise in Vietnam.

Derzeit gibt es in den Schwellenländern fast keinen größeren Kontrast als den zwischen Vietnam und Indonesien. Das betrifft hauptsächlich klare, strategische politische Entscheidungen und ihre effektive Umsetzung. Vietnam weist hier beeindruckende Ergebnisse vor. Natürlich spielt das politische System eine große Rolle: Entscheidungen können leichter getroffen und Reformen einfacher umgesetzt werden, wenn die Politiker keine Rücksicht auf Wiederwahlen oder unwillige Lokalregierungen nehmen müssen. Trotz allem ist Vietnams Exporterfolg in den vergangenen Jahrzehnten außergewöhnlich. In den zurückliegenden 20 Jahren sind die vietnamesischen Exporte fünf Mal schneller gewachsen als das Durchschnittswachstum in den Schwellenländern und doppelt so schnell wie das Exportwachstum in China – dem Land also, das als Exportweltmeister bekannt ist. Insbesondere in letzter Zeit lässt Vietnam den Wettbewerb hinter sich.

Die starken ausländischen Kapitalzuflüsse – alleine die Direktinvestitionen betragen rund 20 Milliarden US-Dollar jährlich – halten die Währung stabil und machen es den Währungshütern relativ leicht, die Inflation und die Zinsen niedrig zu halten. Der daraus resultierende Konsumboom ist derzeit einer der stärksten im gesamten Schwellenländeruniversum.

Und Indonesien? Die Inflation war hier in den vergangenen Jahren ebenfalls niedrig, und auch hier spielen ausländische Kapitalzuflüsse eine entscheidende Rolle. Der große Unterschied zu Vietnam ist jedoch, dass Direktinvestitionen fast nie in den Industriesektor fließen und der Zinsunterschied zwischen Indonesien und den USA viele spekulative Gelder angezogen hat. Jetzt, wo die Regierung in Jakarta einen deutlich populistischeren Kurs eingeschlagen hat, sind diese spekulativen Investitionen unter Druck geraten und es wird zunehmend schwierig, die Rupiah stabil zu halten. Dies wird voraussichtlich zu einer höheren Inflation führen, was die Regierung wiederum dazu veranlassen könnte, den heimischen Konsumenten mit noch umfangreicheren Preisinterventionen unter die Arme zu greifen. Insgesamt wird sich das Investitionsklima vermutlich nicht verbessern. Aber genau das ist der Schlüssel zu ertragreichen ausländischen Direktinvestitionen, erfolgreichen Exporten und stabilem Wirtschaftswachstum. In den 1990er Jahren lag der Tiger Indonesien meilenweit vor dem verarmten Vietnam. Heute hat sich Vietnam zum Vorbild für das stagnierende und zunehmend abgeschlagene Indonesien entwickelt.

„Ein nachhaltiger Finanzsektor ist die beste Möglichkeit, für Wohlstand zu sorgen“

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Die Klimakonferenz des Jahres 2015 in Paris war ein Meilenstein für nachhaltiges Investieren: Erstmals wurde im auf der Konferenz entstandenen Abkommen festgehalten, dass der Finanzsektor bei der Lösung von Umweltproblemen eine wesentliche Rolle spielt. Im Interview erklärt Christian Thimann, Senior Advisor des Chairman von AXA und Vorsitzender der High-Level Group on Sustainable Finance der Europäischen Union (HLEG), was das COP-21-Abkommen bedeutet – und wie der Finanzsektor zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen kann.

Welche Rolle spielt der Finanzsektor, um die Ziele des Pariser Abkommens und der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung zu erreichen?

 Der Finanzsektor spielt eine sehr wichtige Rolle. Wenn alle Länder die Klima- und Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen, wird man in den nächsten zwanzig Jahren völlig anders investieren müssen. Man wird sich von der Kohle weitgehend verabschieden und weniger auf Öl und Gas setzen. Stattdessen wird viel mehr in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und damit verbundene Technologien investiert. Aufgrund der Herausforderungen der internationalen Finanzkrise und der anschließenden Staatsschuldenkrise ist ein nachhaltiger Finanzsektor vielleicht die beste Möglichkeit, für Wohlstand zu sorgen – und für ein Wirtschaftswachstum,  das der Umwelt möglichst wenig schadet.

Der Finanzsektor ist in fast allen Lebensbereichen präsent – von Produktionsprozessen und Dienstleistungen über Verpackung und Transport bis zum Konsum. In allen Phasen eines Konjunkturzyklus sind Kapital und Investitionen nötig. Zudem müssen Kapitalströme gesteuert werden. Deshalb wurden Finanzdienstleistungen in das Abkommen aufgenommen. Kapitalströme müssen umgeleitet werden. Banken, die noch keinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Projekt- und Spezialfinanzierung geleistet haben, sollten das nachholen. Das gilt auch für Versicherer und Pensionskassen: Auch sie könnten mehr langfristige Eigenkapitalanlagen und Infrastrukturinvestments tätigen, wenn die Regulierungen dies zulassen würden.

Asset Manager können dafür sorgen, dass mehr Kapital in nachhaltige Investments fließt. Beispielsweise kann man Nachhaltigkeit in Stewardship Codes und Assetmanagement-Vereinbarungen aufnehmen. Außerdem kann man Fondsmanager zu mehr Transparenz anhalten. Man kann sie auffordern, zu berichten, wie sie ökologische, soziale und governancebezogene Faktoren, die sogenannten ESG-Faktoren, in ihre Strategien integrieren und wie sie zu ESG-Themen abstimmen. AXA IM ist hier bereits sehr weit. 

Welche Änderungen des Finanzsystems werden nötig sein, um diese Ziele zu erreichen?

 Zweifellos sind große Veränderungen und hohe Investitionen nötig. Nach EU-Schätzungen könnte ihre Umsetzung bis zu 170 Milliarden Euro jährlich kosten, beispielsweise für die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien, die Investition in lokale Produktion von Gütern statt weltweiter Transport von Zwischenprodukten und Fertiggütern oder die Energieeffizienz und grüner Gebäude. Das ist viel Geld. Der hohe finanzielle Einsatz wird Finanzunternehmen für Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen sensibilisieren. Dieses Thema wurde von der Branche insgesamt bislang recht wenig beachtet. Mittlerweile ist aber ein Gesinnungswandel zu beobachten.

Um eine grundsätzliche Veränderung zu bewirken, müssen ESG-Faktoren bei der Corporate Governance sowie in wichtigen Indizes, Rechnungslegungsstandards und Bonitätsratings berücksichtigt werden. Ihre Relevanz muss sich auch in der Rolle der europäischen Aufsichtsbehörden zeigen, etwa durch gemeinsame Richtlinien und einheitliche aufsichtsrechtliche Ansätze zu mehr ESG-Transparenz.

Viele Teile des Finanzsystems sind heute sehr kurzfristig orientiert, und kurzfristige Wertschöpfung wird zu stark betont. Das gilt für Eigenkapitalinstrumente, die prinzipiell auf eine längere Haltedauer ausgelegt sind. Vor zwei Jahrzehnten wurden Aktien durchschnittlich acht Jahre gehalten, heute nur noch acht Monate; da es aber weiterhin langfristige Investoren gibt, zeigt dies, dass der Sektor, der Aktien extrem kurzfristig hält, also etwa der Hochfrequenzhandel oder der Hedgefonds-Sektor stark angestiegen ist. Bei einem so kurzen Anlagehorizont kann man keine langfristigen Aspekte berücksichtigen. Langfristinvestoren interessieren sich zunehmend für nachhaltige Anlagemöglichkeiten, da es teuer werden könnte, sie zu meiden. Für langfristige Anlageentscheidungen sind die Kosten von Stranded Assets und Hochrisikosektoren wie Kohle sehr wichtig. Die AXA Group ist ein Vorreiter beim Ausstieg aus solchen Stranded Assets, die dem Klima sehr schaden. Wir sind davon überzeugt, dass bestimmte Anlagen veräußert werden müssen, wenn wir die Weltwirtschaft dekarbonisieren und die Erderwärmung auf 2 Grad beschränken wollen.

Der Zwischenbericht der HLEG gab Empfehlungen zu einer schnelleren Dekarbonisierung. Wie können Investoren davon profitieren?

 Die HLEG ist sehr aktiv. Beispielsweise entwickelt sie ein System, um zu definieren, welche Anlagen als grün gelten und welche nicht. Daraus können ein europäischer Standard und ein Gütesiegel für grüne Fonds und andere nachhaltige Assets werden. Außerdem wollen wir erreichen, dass die Treuhandpflicht des Investors auch Nachhaltigkeitsthemen einschließt. Wir wollen ein Klassifikationssystem für nachhaltige Assets anstoßen und Finanzinstitute und -unternehmen anhalten, transparenter über Nachhaltigkeitsentscheidungen zu informieren. Auch einen „Nachhaltigkeitstest“ für die EU-Finanzregulierung und eine Initiative für „nachhaltige Infrastruktur in Europa“ wollen wir anregen, um die Finanzierung nachhaltiger Projekte zu fördern. Außerdem möchten wir die Rolle europäischer Aufsichtsbehörden bei der Beurteilung von ESG-Risiken stärken und durch geeignete Rechnungslegungsvorschriften Energieeffizienzinvestitionen fördern.

Im Idealfall sollten diese Entwicklungen dazu führen, dass sich Finanzdienstleister verpflichten, ESG- und Klimafragen bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Langfristig wird sich das sehr positiv auf das Finanzsystem auswirken. Asset-Manager werden ihre Kompetenzen in diesen Bereichen ausbauen müssen, um für ihre Kunden besser informierte Entscheidungen treffen zu können. Sie müssen sich beispielsweise fragen, welche Folgen Investitionen in Kohle und eine besonders umweltschädliche Ölförderung haben.

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