Marktbericht: Thyssenkrupp im Fokus, Brexit sörgt für Vola, Alibaba sahnt beim Singles Day ab

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Thyssen im Fokus

Nachdem die Aktie von Thyssenkrupp nach einer Gewinnwarnung am Freitag mehr als 12 % abgeben musste, fragen sich Investoren, wie es in dieser Woche weitergeht mit dem Mischkonzern. Das Geschäft mit Anlagen, Autoteilen und Aufzügen verläuft schleppend, noch dazu droht eine Kartellstrafe in der Stahlsparte.
Die Marktkapitalisierung der Aktie liegt nur noch knapp über 10 Milliarden Euro – und macht Thyssenkrupp damit zum potenziellen Übernahmekandidaten.
Interessenten haben es vor allem auf das lukrative Aufzugsgeschäft abgesehen.

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Der DAX eröffnet mit 11.466 Punkten fast unverändert. Volkswagen, HeidelbergerCement und Thyssenkrupp können leichte Gewinne verbuchen, während Lufthansa, Infineon und SAP teils kräftig abgeben.

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Aktienhändler not amused

Großbritannien ist nach wie vor noch Meilen entfernt von einer Brexit-Lösung. Es geht um die grüne Grenze auf der irischen Insel: Mit dem Austritt aus der Union wäre Nordirland plötzlich genauso EU-Ausland wie Weißrussland oder Moldawien, was die entsprechenden Kontrollen erforderlich macht. Auch die Menschenrechtssituation in Nordirland muss dann neu verhandelt werden – London ist nach dem Brexit nicht mehr an die europäischen Konventionen gebunden.

Die Aktienhändler sind über die knapp fünf Monate vor dem Brexit-Termin noch immer ungelösten Fragen “not amused” und preisen die Unsicherheit in die Aktien ein. Der Volatilitätsindex auf den FTSE 100 hat das höchste Niveau seit Juli erreicht.

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Alibaba bricht alle Rekorde

Am 11. November war der der höchste Feiertag im Kalender des chinesischen Einzelhandels. Am sogenannten “Singles Day” wurde geshoppt, was das Konto hergibt – und das war nicht wenig: Rund 30 Milliarden US$ hat der chinesische Internet-Retailer Alibaba gestern an einem einzigen Tag umgesetzt. Das entspricht einem Sechstel des Jahresumsatzes von Amazon. Oder dem 14fachen des Umsatzes von Karstadt im Jahr 2017.
Analysten monieren jedoch, dass das Umsatzwachstum von Alibaba am Singels Day langsam zurückgeht: Heuer wuchs der Absatz nur um 27 % gegenüber 2017.
Im Vorjahr lag das Plus noch bei 39 %.

Alibaba-Aktie
Alibaba-Aktie

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Shootout zwischen Rom und Brüssel

Am Dienstag entscheidet sich, wer die Macht hat über den italienischen Staatshaushalt: Innenminister und Frontmann Salvini mit seinem Finanzminister Giovanni Tria – oder die EU-Granden Draghi und Junckers. Es geht um einen neuen Haushaltsplan, den die Italiener bis dahin vorlegen sollen. Rom will die Ausgaben erhöhen, die Steuern senken und das Rentenalter verringern. Gleichzeitig verringert sich die Wachstumsprognose für 2019 auf ein Prozent. Dafür müssen Schulden in Höhe von 2,4 % des BIP aufgenommen werden – inakzeptabel für Brüssel. Die EU könnte Rom mit einer Strafe von 0,2 % des BIP bzw. 34 Milliarden Euro für die Überschreitung des Budgets belegen. Diese Strafe kann später sogar auf 0,7 % des BIP steigen. Am Kapitalmarkt muss Italien aktuell 3,4 % Rendite auf die 10jährige Staatsanleihe zahlen.

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Saudis wollen Ölproduktion zurückfahren

Der saudische Ölminister Khalid al-Falih ist der Meinung, die Menge des weltweit produzierten Öls ist derzeit zu hoch und sollte deshalb um rund eine Million Barrel pro Tag zurückgefahren werden. Im vergangenen Jahr lag die Produktion bei 92,6 Millionen Barrel pro Tag. Al-Falih glaubt, die globale Nachfrage werde im Dezember um eine halbe Millionen Barrel sinken.

Es ist absehbar, dass Saudi Arabien mit dieser Politik mit den USA in Konflikt geraten wird; Präsident Trump ist an einem nachhaltig niedrigen Ölpreis interessiert, um die Boomphase der US-Wirtschaft möglichst lange am Leben zu halten.

Am Montag steigt der Preis für das Barrel WTI leicht auf 61 US$, hat aber gegenüber seinem diesjährigen Höchststand vom 3. Oktober trotzdem mehr als zwanzig Prozent abgegeben.

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Flugzeugfonds stürzen ab

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Flugzeug-Leasing galt noch vor kurzem als ein sicheres Geschäft. Darauf konnten sich Käufer von Flugzeugfonds verlassen. Das Prinzip klingt überzeugend: Anders als bei allen anderen Sachwerten wie Immobilien oder Schiffen, die als geschlossene Fonds angeboten werden, basieren Flugzeug-Fonds auf langfristigen Leasing-Modellen. Die Anleger investieren gemeinsam in ein Flugzeug. Alle laufenden Kosten und Risiken wie beispielsweise Wartung, regelmäßiger Austausch von Teilen und ungeplante Reparaturen liegen jedoch nicht bei den Investoren, sondern beim jeweiligen Leasingnehmer, also der Fluggesellschaft, die das Flugzeug least. Selbst Triebwerkschäden schlagen sich nicht auf die Bilanz des betreffenden Fonds durch. Die Reparaturkosten tragen nicht die Investoren, sondern normalerweise die Fluggesellschaften oder der Hersteller des zu reparierenden Teils. Geschlossene Flugzeug-Fonds schütten je nach Flugzeug und Initiator sieben bis neun Prozent des Kapitaleinsatzes jährlich an ihre Anteilseigner aus. Ist der Finanzierungsanteil im Fonds getilgt, steigen die Ausschüttungen sogar noch.

Besonderer Renditekick: Der Erlös aus dem Verkauf der Maschine am Laufzeitende ist steuerfrei. Deshalb überrascht es auch nicht, dass geschlossene Flugzeugfonds in den vergangenen Jahren sowohl bei Anbietern als auch bei Anlegern sehr gefragt waren. Seit 2008 haben deutsche Anleger mehr als 1,6 Milliarden Euro in geschlossene A380-Fonds investiert.

Die Rechnung geht vermutlich nicht mehr auf

Leider entpuppen sich derzeit die langfristig angelegten Renditerechnungen, mit denen Flugzeugfonds in den vergangenen Jahren angepriesen wurden, als zu optimistisch. Insbesondere der A380, der mit einem ersten Fonds im November 2017 an den Start gegangen ist, macht Sorgen: Die ersten Leasingverträge mit den Airlines sind ausgelaufen, der nächste Schwung steht an. Und es sieht nicht gut aus. An der Fondsbörse werden Anteile mit horrenden Abschlägen gehandelt.

Der Gund: Normalerweise erhalten Leasingflugzeuge nach Ablauf des Leasingvertrags eine Grundüberholung und werden entweder verkauft oder neu verleast. Das Problem: Der Markt hat sich ungesund zugespitzt. In den zurückliegenden zehn Jahren ist mehr als die Hälfte des gesamten Eigenkapitals, das deutsche Anleger in geschlossene Flugzeugfonds investierten, in den A380 geflossen. Im Vergleich zu der Rolle, die der A380 im globalen Fluggeschäft spielt, sind deutsche Anleger in diesen Flugzeugtyp überallokiert, stellte die Ratingagentur Scope schon im Herbst vergangenen Jahres in einer Studie fest.

Diese Fokussierung der Anleger rächt sich nun. Zwar haben Anleger der A380-Fonds über zehn Jahre hinweg vergleichsweise hohe Ausschüttungen zwischen 7 und 8,5 Prozent per annum erhalten. Damit ist bereits ein Großteil des investierten Kapitals wieder an die Anleger zurück. Damit die Rechnung erwartungsgemäß positiv aufgeht, muss ein Flugzeug nach Ablauf eines Leasingvertrags jedoch auch gut verkauft werden. Das ist die entscheidende Performance-Komponente. Und hier gibt es Probleme: Die Veräußerung eines gebrauchten A380 ist nicht so einfach. Denn als Käufer dieses Riesenflugzeugs kommen nur wenige Airlines in Frage. Bislang nutzen überhaupt nur 13 Fluggesellschaften den A380 und verfügen über Personal zum Betrieb dieses Flugzeugtyps. Ob künftig weitere Airlines den Betrieb aufnehmen, steht in den Sternen. Denn viele Airlines setzen auf ihren wichtigsten Routen eher wieder auf mehrere Flüge pro Tag mit mittelgroßen Zweistrahlern, um lukrative Geschäftsreisende genau zu deren Nachfragespitzen optimal zu erreichen.

Aber auch andere Flugzeugfonds machen Sorgen. So beurteilt der Insolvenzrechtler Tobias Hartwig der Kanzlei Schultze & Braun nach Auswertung öffentlich zur Verfügung stehender Informationen zu aktuell 73 laufenden Fonds deutscher Anbieter rund 60 Prozent der Gesellschaften kritisch. Ein Grund für die Probleme der Fonds sei der sich verschärfende Wettbewerb der Fluggesellschaften, dem in Europa etwa unter anderem schon Air Berlin und Monarch zum Opfer fielen, so Hartwig. So wiesen zum Beispiel Bilanzen Fehlbeträge aus, die nicht durch Eigenkapital gedeckt seien. Dies sei ein Alarmzeichen dafür, dass sich eine Überschuldung des Fonds abzeichnet und ein Grund, eine mögliche Insolvenz zumindest zu prüfen, erklärte der Insolvenzrechtsexperte in einem Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv.

Hohe Kursabschläge an der Fondsbörse Deutschland

Was diese Konstellation für die zu erwartenden Verkaufspreise und die Entwicklung der betreffenden Flugzeugfonds bedeutet, lässt sich bereits an den Kursen ablesen, die an der Fondsbörse Deutschland für Anteile von A380-Fonds aufgerufen werden. Der Trend jedenfalls ist unverkennbar: Der durchschnittliche Vermittlungskurs tatsächlich abgewickelter Transaktionen lag in den Jahren 2009 bis 2012 noch bei rund 80 Prozent des Nominalwertes. 2017 sank er auf nur noch knapp über 50 Prozent. Derzeit sind Fondsanteile für deutlich weniger zu haben.

So wird beispielsweise der DS Rendite-Fonds Nr. 135 Flugzeugfonds X, mit dem Anleger in ein 2010 erbautes Passagierflugzeug vom Typ Airbus A 380-800 investiert haben, an der Zweitmarktbörse für nur noch ein Drittel seines Nominalwertes angeboten. Im Klartext bedeuten diese Zahlen, dass für zahlreiche Investoren des A380 die Rechnung nicht mehr aufgehen wird. Verluste bei den einstmals als sicher geltenden Fonds sind nun nicht mehr ausgeschlossen.

FinVermV: Die Regelung zu Interessenkonflikten wird verschärft

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Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) verfolgen gespannt die Entwicklung der Beratungen zur neuen Verordnung über Finanzanlagenvermittlung, kurz FinVermV genannt. Durch die Verordnung sollen die Pflichten aus MiFID II für die Finanzanlagenvermittler umgesetzt werden. Für die 34f-ler ist nicht das gesamte Programm aus MiFID II umzusetzen, sondern lediglich die Vorgaben, die Art. 3 Abs. 2 der MiFID II vorsieht. Seit Monaten ist das Papier in der Diskussion. Am Mittwoch nun hat das Bundeswirtschaftsministerium den Verbänden ihren Entwurf vorgestellt. FundResearch sprach darüber mit Dr. Christian Waigel. Der Rechtsanwalt bezieht Stellung zu einzelnen Punkten des Entwurfs.

Interessenkonflikte / Vergütungen

„Die Regelung zu Interessenkonflikten wird deutlich verschärft“, sagt Christian Waigel. Vermittler werden nun verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, müssen die Interessenkonflikte offengelegt werden. „Die Conflict of Interest Policies der Finanzanlagenvermittler werden sich demnach stark denen von lizenzierten Instituten angleichen.

Kundeninformationen

Die statusbezogenen Informationspflichten gemäß § 12 FinVermV bleiben unverändert. Sie werden allerdings erweitert. Hinzu kommen zum Beispiel Informationen zur Sprache mit dem Kunden, zu den verwendeten Kommunikationsmitteln, zur Häufigkeit der Berichterstattung sowie eine Beschreibung der Grundsätze über den Umgang mit Interessenkonflikten. Auch hinsichtlich der Informationen der Anleger über Risiken und Kosten findet eine Angleichung an lizenzierte Institute statt. Strenger wird die Regelung zur Information über die Kosten. Auch Finanzanlagenvermittler müssen nun Kosteninformationen versenden und sind an die Delegierten Rechtsakte aus MiFID II gebunden.

„Für Finanzanlagenvermittler bedeutet das mehr Pflichten: Sie müssen Anlegern vor Abschluss sowie mindestens jährlich während der Laufzeit einer Anlage alle Informationen in Bezug auf die Kosten und Nebenkosten der Anlagevermittlung oder der Anlageberatung sowie in Bezug auf die Kosten der Finanzanlagen sowie der Zahlungsmöglichkeiten des Anlegers erteilen“, erklärt Christian Waigel.

Darüber hinaus muss Anlegern mitgeteilt werden, ob eine abhängige oder eine unabhängige Beratung erbracht wird und warum die Beratung als unabhängig oder nicht unabhängig einzustufen ist.

Die Vorgaben für Werbemitteilungen werden an MiFID II angeglichen. Wichtigster Punkt: Kundeninformationen dürfen nicht irreführend und Marketingmitteilungen müssen als solche gekennzeichnet sein.

Product Governance

Die Vorgaben für Product Governance sind streng und gleichzeitig für alle Neuland. Auch die Finanzanlagenvermittler sollen sich die Zielmärkte für Finanzinstrumente besorgen und dann nur innerhalb des Zielmarktes vertreiben. „Das ist sogar etwas strenger als MiFID II, weil dort ein Verkauf außerhalb der Zielmärkte eigentlich gestattet ist, dann aber dem Kunden gegenüber, zumindest in der Anlageberatung, begründet werden muss“, so Waigel. „Wahrscheinlich wird man im Verfahren aber noch eine Angleichung an die großzügigere Regelung für lizenzierte Institute vornehmen“, fügt Christian Waigel hinzu. Immerhin in einem Punkt hat sich die Lage entspannt: Finanzanlagenvermittler müssen keinen eigenen Zielmarkt für die Finanzanlagen entwickeln.

Provisionen

Hinsichtlich Provisionen ist der Entwurf großzügig. Hier werden nicht die Vorgaben aus MiFID II übernommen. Es ist keine Rede von einer Qualitätsverbesserung und dem damit im Zusammenhang stehenden Dokumentationsaufwand, der den lizenzierten Instituten im Moment in der Praxis Schwierigkeiten bereitet. „Konkret bedeutet das, das Finanzanlagenvermittler weiterhin nicht gezwungen sind, von ihren Kunden eine Vergütung zu verlangen, nur um an ihren Dienstleistungen etwas zu verdienen“, erklärt Christian Waigel. Sie dürfen auch in Zukunft Provisionen von Dritten, etwa von den Produktgebern, beziehen. Sie müssen diese Provisionen nicht zur Qualitätsverbesserung ihrer Dienstleistungen einsetzen. Allerdings müssen die Zuwendungen offengelegt werden.

Weiterhin – und das ist neu hinzugekommen – dürfen sich die Zuwendungen nicht nachteilig auf die Qualität der Vermittlung und Beratung auswirken, und die Zuwendungen dürfen nicht die Verpflichtung des Finanzanlagevermittlers beeinträchtigen, im bestmöglichen Interesse des Anlegers zu handeln. „Damit kehrt das Wirtschaftsministerium das Prinzip aus der MiFID II praktisch um. Zuwendungen müssen zwar nicht zur Qualitätsverbesserung verwendet werden, aber sie dürfen andererseits auch nicht die Qualität der Dienstleistungen beeinträchtigen“, so Waigel.

Beratungsprotokoll und Geeignetheitserklärung

„Der Wechsel vom Beratungsprotokoll zur Geeignetheitserklärung, wie sie MiFID II vorsieht, ist keine Überraschung. Der Wortlaut des § 18 FinVermV-E ist nahezu identisch mit § 64 Abs. 4 WpHG“, so Waigel. Die Geeignetheitserklärung muss die erbrachte Anlageberatung nennen und erläutern, wie sie auf Präferenzen, Anlageziele und die sonstigen Merkmale des Anlegers abgestimmt wurde.

Geeignetheitsprüfung

„Für Finanzanlagenvermittler gelten nun dieselben hohen Sorgfaltsmaßstäbe bei der Geeignetheitsprüfung wie bei den lizensierten Instituten. Beispielsweise wird auch der neue Äquivalenztest aus der MiFID II Anwendung finden“, so Waigel. Danach ist bei gleicher Eignung von zwei oder mehreren zur Auswahl stehenden Finanzanlagen, diejenige Finanzanlage dem Anleger zu empfehlen, welche die geringsten Kosten und Komplexität aufweist. Außerdem ist bei Umschichtungen in den Kundendepots zu prüfen, ob die Vorteile einer Umschichtung deren Kosten überwiegen.

Telefonaufzeichnung

„Leider ist in dem Entwurf die Telefonaufzeichnung für Beratungsgespräche enthalten, genauso wie für lizenzierte Institute. Es sind alle Telefongespräche und die elektronische Kommunikation aufzuzeichnen, sobald sie die Vermittlung oder Beratung zu Finanzanlagen betreffen. Die Aufzeichnung soll vor allem die Teile der Gespräche enthalten, in denen Anlageberatung oder Anlagevermittlung erbracht werden“, erklärt Christian Waigel. Finanzanlagenvermittler müssen die Gesprächsaufzeichnungen gegen nachträgliche Verfälschung und unbefugte Verwendung sichern und  die Kunden über die Aufzeichnung informieren. Anleger dürfen während der Aufbewahrungsfrist eine Kopie der Aufzeichnungen verlangen.

„Wir gehen davon aus, dass im Laufe der Anhörungen noch die ein oder andere Anpassung vorgenommen wird“, so Waigel.

Die komplette Stellungnahme von Dr. Christian Waigel im Wortlaut als PDF-Dokument.

Rentenfonds feierten ein Comeback

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Wie das Research-Unternehmen EPFR Global mitteilt, haben Rentenfonds in den sieben Tagen bis Mittwoch rund 5,5 Milliarden US$ vereinnahmt, was der höchste Zufluss seit Mitte Juli ist. Dabei haben vor allem Anleihen-ETFs vom Marktumschwung profitiert: Sie nahmen netto rund 6,6 Milliarden US$ ein.

Der Umschwung wurde von einem wiedererwachten Interesse an US-Schuldverschreibungen ausgelöst. Denn während Rentenfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets und Europa mit Netto-Abflüssen zu kämpfen hatten, zogen US-zentrierte Vehikel mehr als sechs Milliarden US$ an Land, was in diesem Jahr bislang den Rekord darstellt. Laut EPFR Global gibt es Anzeichen einer zarten Stabilität, die die Investoren zurück in die Märkte lockt. Der Bloomberg Barclays Aggregate, der bedeutendste Index für US-Renten, verzeichnet allerdings auf Jahressicht immer noch ein Minus von 2,5 Prozent.

Bloomberg Barclays Aggregate Index
Bloomberg Barclays Aggregate Index

Quelle: Bloomberg

Und wenn sich daran nichts ändert, erwächst daraus der größte Jahresverlust seit 1994. Seit Anfang November ist
allerdings wieder ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Die Zinspolitik
der US-Notenbank Fed und die Sorge darüber, dass die EZB ihre Politik
des Quantitative Easing einstellen könnte, haben die Renditen weltweit
anziehen lassen. Und wenn die Renditen steigen, fallen die
Anleihen-Kurse.

„Wenn die Fed die Zinsen weiter anhebt
und die US-Regierung weiterhin mehr Geld braucht, wird der Druck auf die
Renditen der US-Schatzanweisungen auf absehbare Zeit zunehmen“,

schreibt die Großbank Wells Fargo in einer Analyse.

Im
Oktober mussten die Rentenfonds massiv Federn lassen, als Anleger mehr
als 36 Milliarden US$ abzogen. Die Renditen der US-Staatsanleihen
notieren aktuell nahe ihren Höchstständen, die 10jährige Schatzanweisung wirft derzeit 3,23 Prozent ab. Das ist der höchste Wert seit 2011. Nun hat
wohl das Ergebnis der Midterm-Elections erst einmal wieder etwas Ruhe in
den Markt gebracht, denn erneute Steuersenkungen durch die
Republikaner, die das Staatsdefizit weiter aufblähen würden, scheinen
dadurch in weitere Ferne gerückt.

Trotzdem bleiben
Anleger auf der Hut vor dem anstehenden Kurswechsel in der globalen
Geldpolitik: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Fed im Dezember noch
einmal die Zinsen erhöhen während die EZB zum Ende des Jahres aus dem
Anleihenkaufprogramm aussteigen wird.Damit werden auch die Bond-Renditen weiter anziehen.

Fünf Fonds mit UN-Nachhaltigkeitszielen

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Die Fondsfamilie an Nachhaltigkeitsfonds der DWS hat Nachwuchs bekommen: den DWS Invest SDG Global Equities. Der am 2. November 2018 aufgelegte und von Paul Buchwitz gemanagte Fonds investiert seine Mittel entsprechend den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nation – Sustainable Development Goals, kurz SDG. Die DWS hat damit dieses Jahr ihre Palette an Nachhaltigkeitsfonds stark ausgeweitet. Kürzlich wurde der DWS Invest Green Bonds aufgelegt. Bei der Gelegenheit wurden auch gleich einige weitere Investmentfonds in Nachhaltigkeitsfonds umgewandelt: DWS ESG Euro Bonds (Long), der DWS ESG Euro Bonds (Medium), der DWS ESG Euro Bonds (Short) sowie der DWS ESG Multi Asset Dynamic. Darüber hinaus wurden noch vier ESG Xtrackers ETFs aufgelegt: Xtrackers ESG MSCI World, Xtrackers ESG MSCI Japan, Xtrackers ESG MSCI USA, Xtrackers ESG MSCI Europe.

So viel Nachhaltigkeit ist kein Zufall

Die DWS springt damit auf einen aktuellen Trend auf: Die Anzahl an Nachhaltigkeitsfonds hat in den vergangenen Jahren stetig zugelegt. Das ist kein Zufall. Schließlich will die EU-Kommission demnächst die Berücksichtigung von SDG-Kriterien bei Investitionen vorschreiben. Mit ihrer Initiative wollen die EU-Länder die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele vorantreiben.

Die von der UN beschlossenen Sustainable Development Goals umfassen 17 Ziele mit insgesamt 169 Unterzielen. Dazu zählt beispielsweise die Beseitigung von Hunger und extremer Armut, aber auch eine besser Bildung für Alle und das Erreichen von Klimazielen. Im Rahmen der SDGs haben alle sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Ziele den gleichen Stellenwert. Ganz entscheidend dabei ist der Aspekt der Nachhaltigkeit, der den nachfolgenden Generationen weltweit gute Lebensverhältnisse in einem gesunden Ökosystem ermöglichen soll. So sind die SDGs ein System sich gegenseitig beeinflussender Ziele, die grundsätzlich zeitgleich verfolgt werden sollen.

Zielgerichtet investieren

Zwar gibt es bereits eine ganze Reihe an Nachhaltigkeits-Fonds. Das Problem war bisher jedoch eine Art roter Faden für die Nachhaltigkeitskriterien, denen sie gemeinsam folgen könnten. Einen Lichtblick schaffen hier die UN SDGs, die sich zuletzt als Leitfaden für nachhaltige Investitionen entwickelt haben. Sowohl private Investoren als auch Regierungen nutzen die universellen Nachhaltigkeitsziele zunehmend als Orientierungsrahmen, um ihre Investitionen auf globale Entwicklungsprioritäten auszurichten.

Was ihnen dabei hilft: Am Markt für SDG-Anlagen ist eine größere Standardisierung zu beobachten. So entwickelt etwa eine Arbeitsgruppe „UN Principles for Responsible Investment“ eine sogenannte „Impact Market Map“. Dieses Tool soll Investoren helfen, Unternehmen zu identifizieren, die einen nachhaltigen Beitrag zur Realisierung der SDGs leisten.

Das heißt jedoch nicht, dass künftig jeder SDG-Fonds nach einem einheitlichen Muster investieren wird. Vor allem einen wichtigen Unterschied gibt es zwischen der Zielrichtung der einzelnen SDG-Fonds und den Global Goals der UN: Während die UN ihre 19 Ziele gleich gewichtet, setzt jedes Fondsmanagement für seinen Fonds individuell eigene Schwerpunkte. So können Fonds bei der Auswahl der Unternehmen für ihr Portfolio beispielsweise nur drei oder vier UN-Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen, sind damit aber dennoch UN-konform.

Eine kleine Auswahl an Aktienfonds, die die UN-Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen

EB-Öko-Aktienfonds – R für private Investoren

ISIN LU0037079380

Die beiden Fondsmanager Helmut Kotschwar und Philipp Hohmann suchen für ihr Portfolio Unternehmen, die bestimmte ökologische und ökonomische Voraussetzungen erfüllen. Dabei beziehen sie Aspekte wie ökologische Sustainable Development-Kriterien ein, die unter Zuhilfenahme mathematischer Verfahren zu einem aussagekräftigen Punktwert zusammengeführt werden. Mit Hilfe dieses Instruments wird unter Berücksichtigung fest definierter Risikogrenzen ein Portfolio mit möglichst hohem Punktwert konstruiert, fortlaufend überwacht und weiterentwickelt. Die Allokation verteilt sich hauptsächlich auf Nordamerika und Europa: 44,64 Prozent des Kapitals ist derzeit in US-Unternehmen investiert, 5,44 Prozent in kanadische und 7,37 Prozent in japanische Aktien. Der Rest verteilt sich auf europäische Unternehmen. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds eine durchschnittliche Rendite von 6,29 Prozent per annum erzielt.

GLS Bank Aktienfonds

ISIN DE000A1W2CK8

Der GLS Bank Aktienfonds verfolgt eine konservative Anlagephilosophie mit einem Buy-and-Hold-Ansatz. Das Fondsmanagement investiert gezielt und langfristig in Unternehmen mit nachhaltigem Kerngeschäft. Dazu zählen unter anderem Unternehmen aus den Branchen erneuerbare Energien, Ernährung, Infrastruktur, Mobilität, Transport, Wohnen und Bauen sowie Information und Technik. Aktuell ist rund zwei Drittel des Fondsvermögens in europäische Unternehmen investiert, nur etwas mehr als 13 Prozent in US-Unternehmen. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds eine durchschnittliche Rendite von 1,22 Prozent per annum erzielt.

UniInstitutional SDG Equities

ISIN LU1726237438

Der erst Ende vergangenen Jahres aufgelegte UniInstitutional SDG Equities wendet sich explizit an institutionelle Investoren. Der Fonds investiert weltweit in Aktien von Unternehmen mit SDG-relevanten Geschäftsfeldern. Aus einem Anlageuniversum von rund 1.200 Unternehmen stellt das Fondsmanagement um Portfoliomanager Jörg Schneider ein konzentriertes Portfolio von rund 60 Werten zusammen. Dazu können etwa Aktien von Firmen zählen, die im Wassermanagement, im Gesundheitswesen, im Bereich erneuerbare Energien oder nachhaltige Mobilität tätig sind. Ein dreistufiger Researchprozess aus Nachhaltigkeitsanalyse, Fundamentalanalyse und Risikoadjustierung bestimmt die Zusammensetzung des Portfolios. Im Anlageuniversum werden nur Unternehmen berücksichtigt, bei denen der SDG-relevante Umsatz mehr als 20 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. Die durchschnittliche SDG-Quote der Unternehmen im Fonds muss dabei mehr als 50 Prozent betragen.

FOS Rendite und Nachhaltigkeit A

ISIN DE000DWS0XF8

Die Deutsche Oppenheim Family Office hat für ihren nachhaltigen Investmentfonds FOS Rendite und Nachhaltigkeit von der Ratingagentur ISS-Oekom ein ESG Impact Reporting erstellen lassen, das quartalsweise aktualisiert wird. Gemäß den ESG-Kriterien erfasst der Report Faktoren aus den Bereichen Umwelteinfluss (E), Sozialverhalten (S) und Unternehmensführung (G). Das Reporting umfasst unter anderem, welche Rolle fossile Brennstoffe spielen, wieviel Trinkwasser verbraucht wird, die Gendergleichheit oder ein Kontroversen-Score. Damit lässt sich der Beitrag des Fonds zu den UN-Nachhaltigkeitszielen quantifizieren und mit einer nicht-nachhaltigen Benchmark vergleichen. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds eine durchschnittliche Rendite von 0,94 Prozent per annum erzielt.

DWS Invest SDG Global Equities

ISIN LU1891311430

Der DWS Invest SDG Global Equities investiert weltweit in 40 bis 60 Aktien von Unternehmen, die mit ihren Umsätzen zu den SDG-Zielen beitragen. Gut fünfzig Prozent der im DWS Invest SDG Global Equities angelegten Mittel werden einen Bezug zu den SDG haben, gegenüber von rund sechs Prozent beim Aktienindex MSCI Welt. Der Fokus des Fonds liegt auf Aktien von Unternehmen, die ihre Umsätze maßgeblich aus Bereichen machen, die den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen entsprechen. Alle Unternehmen müssen den DWS-Nachhaltigkeitskriterien genügen, eine Kombination von Ausschlüssen und Best-in-Class Ansatz. Der Fonds wurde erst vor wenigen Tagen am Markt platziert.

Die 17 UN-Nachhaltigkeits-Ziele im Überblick

Ziel 1       Keine Armut
Ziel 2       Kein Hunger
Ziel 3       Gesundheit und Wohlergehen
Ziel 4       Hochwertige Bildung
Ziel 5       Geschlechtergleichstellung
Ziel 6       Sauberes Wasser und Sanitärversorgung
Ziel 7       Bezahlbare und saubere Energie
Ziel 8       Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
Ziel 9       Industrie, Innovationen und Infrastruktur
Ziel 10     Weniger Ungleichheiten
Ziel 11     Nachhaltige Städte und Gemeinden
Ziel 12     Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster
Ziel 13     Maßnahmen zum Klimaschutz
Ziel 14     Leben unter Wasser
Ziel 15     Leben an Land
Ziel 16     Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
Ziel 17     Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Neue ePrivacy-Verordnung birgt Umsatzrisiko

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Regulierung im Akkord: Im Januar beschäftige die Finanzbranche noch die Umsetzung von MiFID II, im Mai folgte die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die so ziemlich jedem, der im Internet eine Website betreibt, Schweißperlen auf die Stirn trieb. Der Schutz der Daten, die Nutzer einer Website dem Betreiber zur Verfügung stellen, hat laut dieser Verordnung höchste Priorität. Das wird gemeinhin zwar positiv bewertet. Allerdings laden die strengen Vorschriften Abmahnanwälte geradezu ein, Websites auf DSGVO-Schwächen zu untersuchen – für Unternehmen mit Internet-Auftritt bedeutet das höchsten Stress. Und die Unsicherheit ist groß. Laut einer aktuellen Umfrage von Bitkom, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, hat nur knapp ein Viertel der Unternehmen (24%) in Deutschland die DSGVO vollständig umgesetzt.

Die große Mehrheit (rund 80 Prozent) der Unternehmen beklagt höhere Aufwände durch die Datenschutz-Grundverordnung im laufenden Betrieb. Vor allem die erweiterten Dokumentations- und Informationsplichten machen den Unternehmen zu schaffen.

„Die Bilanz ist ernüchternd. Bei der Umsetzung der DS-GVO haben sich viele Unternehmen klar verschätzt. Für andere ist die komplette Umsetzung wohl kein zeitliches Problem, sondern ein Ideal, das gar nicht zu erreichen ist“, sagt Susanne Dehmel, Bitkom-Geschäftsleiterin Recht und Sicherheit. „Vielen ist offenbar auch erst im Laufe der Prüfung und Anpassung ihrer Prozesse bewusst geworden, was für einen Nachholbedarf sie beim Datenschutz haben.“

ePrivacy: Nach der Regulierung ist vor der Regulierung

Während viele Finanzvertriebe, Berater und Vermögensverwalter immer noch mit der Anpassung ihrer Websites an die Vorgaben der DSGVO beschäftigt sind, ist am Horizont bereits das nächste Thema in Sicht: die sogenannte ePrivacy-Verordnung. Diese Verordnung soll die DSGVO im Bereich der elektronischen Kommunikation ergänzen und wird derzeit auf EU-Ebene verhandelt. Die ePrivacy-Verordnung (Verordnung über die Achtung des Privatlebens und den Schutz personenbezogener Daten in der elektronischen Kommunikation und zur Aufhebung der Richtlinie 2002/58/EG [Verordnung über Privatsphäre und elektronische Kommunikation]) wird nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und Inkrafttreten die ePrivacy-Richtlinie ersetzen, die in Deutschland größtenteils in dem Telekommunikationsgesetz (TKG) und Telemediengesetz (TMG) umgesetzt wurde.

Die Herausforderung für die Unternehmen: Laut mehrerer Branchenverbände stellt der bisherige Entwurf der ePrivacy-Verordnung mit ihren zahlreichen Sonderregelungen eine Reihe von Geschäftsmodellen infrage. Sogar Softwareupdates und werbebasierte Webseiten können eingeschränkt werden.

Die Kritik aus der Wirtschaft ist entsprechend heftig. So hat der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft die möglichen Folgen des diskutierten Entwurfs der ePrivacy-Verordnung untersucht. Die Mehrheit der befragten Manager der OVK-Mitgliedshäuser rechnet im digitalen Werbegeschäft mit einem Umsatzrisiko von mehr als 30 Prozent. Zahlreiche weitere Verbände haben sich mittlerweile mehrfach gemeinsam an den Bundeswirtschaftsminister gewandt, um auf das von ihnen wahrgenommene wirtschaftliche Risiko und auf ihren Diskussionsbedarf hinsichtlich des Verordnungsentwurfs hinzuweisen.

So weist etwa der Digitalverband Bitkom darauf hin, dass die Internetnutzer schon jetzt die Informationen und Abfragen zu Cookies als störend empfinden. Die Mehrheit der Internetnutzer (55 Prozent) ist einer Umfrage zufolge von den Cookie-Bannern genervt. Rund die Hälfte (44 Prozent) kann nicht nachvollziehen, weswegen auf Cookies überhaupt hingewiesen werden muss. Laut geplanter ePrivacy-Verordnung werden solche Einwilligungsabfragen demnächst sogar noch deutlich häufiger erfolgen müssen.

Noch werden Details der ePrivacy-Verordnung diskutiert. Klar ist aber jetzt schon: Wer eine Website betreibt – und das ist mittlerweile fast Jeder – wird sich mit der Verordnung bald intensiver auseinandersetzen müssen.

DAX startet richtungslos in die Woche

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Ölpreis auf dem Rückzug

Trotz der anstehenden Sanktionen gegen den Iran befindet sich der Ölpreis seit Anfang Oktober im Sinkflug: Nach dem bisherigen Jahreshöchstkurs bei 80 US$ notiert das Fass der Sorte Brent aktuell nur mit rund 72 US$. Welche Wirkung die heute beginnenden Sanktionen haben, bleibt abzuwarten: “Wir werden unser Öl weiter verkaufen […] und die Sanktionen brechen“, sagte Präsident Hassan Ruhani am Montag im iranischen Staatsfernsehen.

Von den niedrigeren Ölpreisen können die Verbraucher hierzulande aktuell noch nicht profitieren: Durch das Niedrigwasser auf dem Rhein verringert sich die Menge der ladbaren Fracht für die Kähne, was die Transportkosten erhöht; am teuersten ist der Sprit gerade am Bodensee, dort kostet der Liter Diesel 1,78 €, während es in Hamburg nur 1,35 € sind.

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Asien schließt im Minus

An den Börsen in Asien halten die Bären das Steuer: Die Leitindizes in Japan, Asien und Hongkong beginnen die Börsenwoche im Minus. Der Nikkei verliert 1,5 Prozent, der Shenzhen knapp ein Prozent und der Hang Seng sogar über zwei Prozent. Die Hoffnung auf eine baldige Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China haben sich offenbar zerschlagen.

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DAX startet richtungslos in die Woche

Der DAX startet ohne klare Tendenz in die neue Woche. Am Morgen stehen E.On, Linde und Fresenius Medical mit jeweils einem halben Prozent auf der Gewinnerseite. Lufthansa, Infineon und COVESTRO geben jeweils mehr als 1,5 Prozent ab.

Unterdessen berichtet das ifo-Institut, dass die Wirtschaftsstimmung im Euroraum auf 6,6 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2016 gefallen ist. Sowohl Lageeinschätzung als auch Erwartungen wurden kräftig nach unten korrigiert, insbesondere die Exporterwartungen für den Euroraum. Die befragten Wirtschaftsexperten erwarten, dass sich die globalen Handelsschranken erhöhen, die kurz- und langfristigen Zinsen in den nächsten sechs Monaten steigen und der US-Dollar weiter an Wert zulegen wird.

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Anleihen-Renditen steigen weiter

An den Bondmärkten steigen die Renditen weiter. Die 10-jährige US-Staatsanleihe wirft aktuell 3,20 Prozent ab, Anleihen der Republik Italien rentieren mit 3,35 Prozent. Im Euroraum zahlt nur Griechenland mit 4,25 Prozent noch mehr. Deutsche 10-jährige Bundesanleihen notieren aktuell mit 0,43 Prozent.

Rendite US-Staatsanleihen
Rendite US-Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg

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Warren Buffet kauft eigene Aktien zurück

Der
Asset Manager Berkshire Hathaway hat im dritten Quartal eigene Aktien im Wert
von fast einer Milliarde US$ zurückgekauft – ein seltenes Ereignis und
Anzeichen dafür, das der Aufsichtsrat derzeit einen Mangel an lohnenden
Investments am Markt sieht. Der Rückkauf, der am Samstag in einem
Quartals-Filing angekündigt wurde, ist der erste seit 2012. Aktuell wird
der Cash-Bestand von Berkshire Hathaway auf etwas über 100 Milliarden
US$ taxiert. Die B-Aktien von Berkshire Hathaway notieren bei 206 US$.

Die EU-Finanztransaktionssteuer liegt in den letzten Zügen

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Die EU-Finanztransaktionssteuer liegt in den letzten Zügen. Ursprünglich war geplant, jede Wertpapiertransaktion zu besteuern – ganz gleich, um welche Art von Wertpapier es sich handelt und egal, in welchem EU-Land die Transaktion stattfindet.

Davon ist nicht viel übrig geblieben. Im Laufe der Jahre sprang die Mehrzahl der EU-Länder ab. Und in den Beratungen zwischen den zehn letzten beteiligten Staaten fielen immer mehr Finanzprodukte aus der Steuer heraus: So sollten nach aktuellem Stand der Diskussion die Transaktionen von Derivaten, Staatsanleihen und die Kapitalanlagen von Pensionskassen nicht mehr besteuert werden. Allein schon der Wegfall der Besteuerung von Derivaten kommt einer Kapitulation gleich: Warum Aktientransaktionen besteuert werden sollen, Transaktionen von Indexzertifikaten oder ETFs jedoch nicht, konnten auch verkniffene Befürworter der Finanztransaktionssteuer zuletzt nicht mehr schlüssig erklären.

Das Ende des unseligen Projekts ist nun absehbar: Die Gruppe der zehn Länder wird im Dezember zusammenkommen, um über ein mögliches Ende ihrer Arbeit zu entscheiden. Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Spanien, Griechenland, Italien, Portugal, die Slowakei und Slowenien werden die Akte vermutlich schließen – allerdings nur, um gleich im Anschluss eine neue Steuer zu diskutieren. Der Arbeitstitel: EU-Aktiensteuer.

Aktiensteuer nach französischem Vorbild

Die Finanztransaktionssteuer ist so vermutlich vom Tisch, doch der Gelddurst der EU-Mitgliedskasse bleibt – insbesondere vor dem Hintergrund des Brexit. Mit den Einnahmen aus einer EU-Aktiensteuer könnten die Beiträge aller Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt gesenkt werden, so die Hoffnung. Vorgeschlagen hat die neue Steuer der österreichische Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP). „Wir denken darüber nach, das französische Modell – also eine reine Aktiensteuer – mit dem nächsten EU-Finanzrahmen zu verknüpfen“, erklärte Löger in einem Interview mit dem Handelsblatt. Konkrete Zahlen und Fakten nannte er leider nicht. Seitdem rätseln Experten, was genau Löger wohl gemeint hat. Hilfreich ist jedenfalls ein Blick auf die Details des französischen Vorbilds:

Die französische Finanztransaktionssteuer wird auf drei Arten von Transaktionen erhoben: Käufe französischer Aktien oder vergleichbarer Wertpapiere, Transaktionen im Hochfrequenzhandel mit Aktien und Käufe ungedeckter Credit Default Swaps (CDS) auf EU-Staatsschulden.

So teuer ist die Steuer

Beim französischen Modell beträgt der Steuersatz je nach Transaktionsart zwischen 0,01% und 0,3%. Der Kauf von Aktien französischer Unternehmen wird mit 0,3% des Gegenwerts der gehandelten Aktien besteuert. Betroffen sind die Aktien französischer börsennotierter Unternehmen, die vom Wirtschafts- und Finanzministerium entsprechend benannt werden. Transaktionen im Hochfrequenzhandel werden ab einem per Verfügung noch festzulegenden Schwellenwert mit einem Steuersatz von 0,01% des Werts einer stornierten oder geänderten Order besteuert.  Der Handel mit ungedeckten Credit Default Swaps (CDS) auf ein EU-Land wird mit 0,01 % des Kontraktwerts besteuert.

Einschränkungen

Transaktionen unterliegen nur dann der Steuer, wenn die in Frankreich ansässige Aktiengesellschaft im vorangegangenen Jahr über eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro verfügte. Nur börsennotierte Aktiengesellschaften werden der Steuer unterworfen, ausschließlich die Netto-Tagesend-Salden werden besteuert, und die Steuer wird ausschließlich auf Käuferseite erhoben.

Die Steuerpflichtigen

Steuerpflichtig ist die verantwortliche, kontoführende Einheit. Dies sind Investmentdienstleister oder Broker, die die Transaktion im Namen von Kunden ausführen, auf eigene Rechnung handeln oder der Depotinhaber des Investors, wenn die Transaktion nicht von einem Broker ausgeführt wird. Die „verantwortliche kontoführende Einheit“ ist gesetzlich dazu verpflichtet, die entsprechenden Meldungen vorzunehmen und die Finanztransaktionssteuer an das Finanzamt zu zahlen.
Übrigens: Das französische Vorbild kennt keine Besteuerung der sogenannten „ transaction chain“, sodass ausschließlich der erste Investmentdienstleister, der die Kauforder vom Käufer erhält, steuerpflichtig ist. Ausgenommen von der Besteuerung sind zudem sogenannte Market-Making-Aktivitäten.

Der Pferdefuß

Wollen die EU-Staaten das französische Modell auf europäischer Ebene umsetzen, müssen sie noch einige Fragen klären. Zum Beispiel: Wie werden Index-Zertifikate und ETFs besteuert? Und vor allem: Was passiert mit den Einnahmen, die der französische Staat derzeit mit seiner rein nationalen Transaktionssteuer erzielt, wenn es eine vergleichbare EU-Steuer gibt? Muss Frankreich dann seine Aktiensteuereinnahmen an die EU abführen? Die Beratungen darüber werden auf jeden Fall spannend.

Immobilienmarkt – vier Megatrends

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Es sind vier Trends, die nach Ansicht von Klaus Speitmann den Immobilienmarkt der Zukunft bestimmen. Der Executive Director des Schweizer Vermögensverwalters Swiss Life Asset Managers hat den demografischen Wandel, die Digitalisierung des Handels, die digitale Vernetzung und die Urbanisierung als treibende Kräfte identifiziert, die in den kommenden Jahren über Wert und Entwicklung von Immobilienportfolios mit entscheiden.

Auf der Investment-Konferenz von FondsConsult am Fuschlsee erläuterte der Fonds-Profi, wie sich Städte und Regionen in Deutschland zukünftig immer weiter differenzieren. So werden sich an manchen Orten Wachstums-  und an anderen Schrumpfungsregionen entwickeln. Städte werden sich in das Umland ausdehnen, da die innerstädtischen Bereiche teils an ihre Wachstumsgrenzen stoßen; es kommt zur sogenannten „Re-Suburbanisierung“. Einige Metropolen wie Hamburg, Berlin oder München verzeichnen schon heute sinkende Zuzugszahlen, da die Mieten und Preise für viele Menschen nicht mehr erschwinglich sind – die Städte werden zu Opfern ihres eigenen Erfolgs. Als Zuzugsregionen sieht man bei Swiss Life hingegen Städte wie Karlsruhe, Heidelberg Heilbronn oder Freiburg, wohingegen Regionen wie Hagen, Gera oder Solingen den Prognosen zufolge mit geringem Bevölkerungs-Plus rechnen können.

Als Beispiel für den Megatrend “Digitale Vernetzung” nennt Speitmann die Tendenz zum flexiblen Büro: “Das ist ein dynamisch wachsender Markt”.  Weltweit, so der Immobilienexperte, entfällt in den verschiedenen Märkten mittlerweile ein Anteil von ein bis zwei Prozent des gesamten Büroflächenbestandes auf flexible Büroflächen. In Büromärkten wie London, Amsterdam, Singapur, Manchester und San Francisco liege der Anteil sogar zwischen zwei und vier Prozent. Dabei wächst der Anteil dieser Nutzungsform mit 25 Prozent pro Jahr – ein Beleg für die wachsende Bedeutung von flexible Lösungen.

Die Veränderungen beim Handel lassen sich laut Speitmann recht deutlich bei Unternehmen wie mymuesli beobachten: „Mymuesli hat im Online-Bereich angefangen und über die Zeit Erfahrungen gesammelt, welche Mischungen erfolgreich laufen. Diese Erfahrungen haben sie dann in Shops konsequent umgesetzt.” Handel, so Speitmann, bewegt sich und verändert sich. Er ist jedoch davon überzeugt, dass auch der Offline-Handel immer seine Berechtigung haben wird – auch wenn es immer schwieriger wird, eine Nische zu besetzen. Vor allem Dinge des täglichen Bedarfs werden jedoch auch in Zukunft noch im stationären Einzelhandel verkauft: „Der Handel wird nicht sterben, er wird sich nur verändern.”

Demografie wird durch Digitalisierung beeinflusst

Auch die das Trendthema “Demografie” wird von der Digitalisierung massiv beeinflusst, glaubt Speitmann. Das beginne bei der elektronischen Pflegedokumentation, gehe über technische Assistenzsysteme und Telecare bis hin zum Einsatz von Robotik in der Pflege. Parallel dazu hat sich das Spektrum von Wohnformen für die alternde Bevölkerung immer weiter differenziert: Die Angebote reichen vom Wohnen daheim über das residenzielle Wohnen bis hin zum Pflegeheim, wobei die Überlappungen zunehmen und die Grenzen fließender werden. Speitmann rechnet in den kommenden Jahren mit einer deutlich wachsenden Nachfrage bei ambulanter und stationärer Pflege.

Betrachtet man Gesundheitsimmobilien als Investment, so Speitmann, so überzeugt dieser Sektor durch ein steigendes Transaktionsvolumen und attraktive Ankaufsrenditen: Während Büros in den wichtigsten EU-Ländern mit 3,5 bis maximal 4,5 Prozent rentieren, konnte mit Pflegeheimen im Jahr 2016 mindestens vier, meist jedoch fünf bis mehr als sechs Prozent Rendite erwirtschaftet werden.

Transaktionsvolumen im Healthcare-Sektor
Transaktionsvolumen im Healthcare-Sektor

Auf diesen Erkenntnissen basierend hat die Swiss Life das Portfolio des “Living + Working”-Immobilienfonds ausgerichtet. Bei einem Verkehrswert von mehr als 241 Millionen Euro stammen knapp 19 Prozent der Fondsimmobilien aus dem Bereich Gesundheit, ein Fünftel bilden Wohnimmobilien; Einzelhandelsflächen machen 24 Prozent des Fondsvermögens aus und Büros etwa 37 Prozent. Ziel, so Speitmann ist die paritätische Verteilung des Fondsvermögens über diese vier Assetklassen hinweg.

Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre Altersvorsorge

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Das Thema finanzielles Auskommen im Alter beschäftigt viele Menschen in Europa. Je nach Nationalität und Alter denken die Europäer erfahrungsgemäß zum Teil sehr unterschiedlich darüber nach. Swiss Life wollte es genauer wissen und beauftragte das LINK Institut, eine Studie zum Thema „Finanzielle Zuversicht“ durchzuführen. Insgesamt wurden 4.157 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Österreich und Großbritannien befragt. Die Studie gilt als repräsentativ.

Jeder Zweite ist skeptisch

Angesichts zunehmender Verunsicherung in Punkto Finanzmärkte und Demografischer Wandel ist es nicht überraschend, dass insgesamt nur 46 Prozent der Befragten mit Blick auf ihre aktuelle finanzielle Situation zuversichtlich sind.

Allerdings sind die Menschen in den verschiedenen Staaten sehr
unterschiedlich emotional bei diesem Thema: Während 65 Prozent der
befragten Schweizer angeben, sich mit ihren Finanzen wohlzufühlen und 73
Prozent der Schweizer ihrem Ruhestand im Alter gelassen entgegensehen,
empfinden 53 Prozent der Franzosen Stress bei dem Gedanken. In England
sind 42 Prozent sehr skeptisch ihrem Alterseinkommen gegenüber und in
Deutschland 40 Prozent. Die größten Sorgen machen sich die Menschen
darüber, dass sie im Alter nicht genügend Geld haben (42%). Knapp ein
Drittel der Befragten in den fünf Ländern hat nur begrenztes Vertrauen
in die staatlichen Vorsorgesysteme – die Schweiz hebt hier den
Durchschnitt.

Bedenklich sind die Aussagen der Millennials: Knapp
drei Viertel der jüngeren Generation haben überhaupt keine Vorstellung
der eigenen Finanzen im Alter. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Drittel
nicht weiß, an wen sie sich beim Thema Finanzen wenden können.

Berater dringend gesucht

Die
Verunsicherung in der Bevölkerung ist greifbar. Damit verbunden ist
aber auch der Wunsch, etwas gegen die drohende Altersarmut zu tun: Drei
von vier Befragten sehen sich selbst in der Pflicht, für das Alter
vorzusorgen. Besonders hoch gewichtet wird die Eigenverantwortung in der
Schweiz (86%), etwas weniger in Großbritannien (78%), Frankreich (71%),
Deutschland (70%) und Österreich (69%).

Kurios: Immerhin 44
Prozent machen den Staat für die Altersvorsorge verantwortlich. Auf die
eigene Vorsorgeplanung angesprochen, sind jedoch nur 48 Prozent der
Meinung, dass sie dank der bisher getätigten Vorsorge im Alter genügend
finanzielle Ressourcen haben werden. Für die Sicherung des gewünschten
Lebensstandards im Alter sind über alle Generationen hinweg 80 Prozent
der Befragten bereit, den gegenwärtigen Lebensstil anzupassen und mehr
vorzusorgen. Die populärsten Maßnahmen sind: mehr sparen (52%), später
in Rente gehen (40%) und Ersparnisse anlegen (36%).

Drei Viertel
der Befragten sehen sich selbst verantwortlich für die Altersvorsorge,
wobei der Anteil in der Schweiz mit 86% am höchsten ist (Großbritannien:
78%; Frankreich: 71%; Deutschland: 70%; Österreich: 69%).