Die besten europäischen Aktienfonds im Check

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Auf den ersten Blick steht Europa momentan nicht gut da. Doch das kann täuschen. Die erfolgreichsten europäischen Aktienfonds finden jedenfalls weiterhin attraktive Aktien.

Wer über Europa sinniert, denkt derzeit fast zwangsläufig an die
nächste Krise. Wie schlimm wird der EU-Austritt der Briten? Wie können
Frankreich und Italien ihre Staatshaushalte wieder in Ordnung bringen?
Wie lange hält der Euro noch? Sollte man um
europäische Aktien also lieber einen Bogen machen? Fondsmanager denken
naturgemäß anders und möchten in die erfolgreichsten Unternehmen des
Kontinents investieren. Makroökonomische Themen wie der Brexit oder die
Eurokrise spielen da vielfach nur eine untergeordnete Rolle.

Das gilt zum Beispiel für Franz Weis, Eva Fornadi und Rebecca Kaddoum,
die den im August 2009 aufgelegten Comgest Growth Europe Opportunities
leiten. Die Manager der französischen Fondsboutique setzen seit über 30
Jahren auf Unternehmen, die viele Jahre lang überdurchschnittlich stark
wachsen. „Quality Growth“ haben die Franzosen diesen Anlagestil getauft,
mit dem sie sehr erfolgreich sind und Jahr für Jahr etliche FundAwards
gewinnen. Beim Comgest Growth Europe Opportunities zählen zu ihren
favorisierten Einzelwerten etwa die Gesundheitskonzerne Fresenius und Lonza sowie die Technologiewerte ASML und Wirecard.

Bankaktien meiden sie dagegen, weil sie ihren Ansprüchen nicht
genügen. Insgesamt halten Weis, Fornadi und Kaddoum im Comgest Growth
Europe Opportunities lediglich 39 Titel, zu denen auch viele Nebenwerte
zählen. Grund: Während die Manager beim Comgest Growth Europe nur in
erprobte Titel investieren, kaufen sie beim Opportunities auch Titel,
die ihr Wachstum noch nicht so lang unter Beweis gestellt haben. Das
Kalkül hinter diesem Ansatz ist einfach: Unternehmen, die lange Zeit
stark wachsen, bringen Anlegern auf lange Sicht überdurchschnittlich
hohe Renditen, ohne dass die Kurse dafür besonders stark schwanken
müssen. Tatsächlich schwanken die Comgest­Fonds meist nicht sehr stark
und hielten sich in schwierigen Börsenjahren wie 2008, 2011 oder 2018
sehr gut.

Growth & Value

Auch Fondsmanager Alexander Darwall weist eine hervorragende Bilanz auf. Seit April 2007 managt der Brite den Jupiter
European Growth Fund und investiert dort in europäische Unternehmen,
die langfristig stark wachsen können und überdurchschnittlich
profitabel sind.

„Wir möchten das Innenleben von starken
Unternehmen verstehen und nicht über Marktzyklen spekulieren“, sagt er.
In den vergangenen zehn Jahren wurde der Jupiter European Growth Fund
mit diesem Ansatz zum besten europäischen Aktienfonds, vor allem auf
fünf und zehn Jahre ist er spitze und erhält dafür zwei FundAwards. Auch
Darwall mischt immer wieder Nebenwerte bei und hält nur knapp 35
Einzelwerte in seinem Portfolio, in die er oft sehr lange investiert
bleibt. Zu seinen größten Titeln gehören etwa die Gesundheitswerte Grifols und Novo Nordisk
sowie die Technologiewerte Amadeus IT und Wirecard. Telekomwerte meidet
er dagegen, weil sie für ihren Geschäftsbetrieb und die Investitionen
zu viel Kapital benötigen. „Alles in allem ist Europa die Heimat vieler
Unternehmen, die weltweit führende Produkte und Dienstleistungen
anbieten und die 2019 weiterhin kontinuierlich erfolgreich gegen die
besten Unternehmen auf der globalen Bühne konkurrieren können“, erklärt
Fondsmanager Darwall.

Sehr erfolgreich waren zuletzt auch zwei Indexfonds von Deka
Investments: der Deka Europe Strong Growth 20 ETF sowie der Deka Europe
Strong Value 20 ETF. Mit dem Growth­ETF investieren Anleger in 20
europäische Aktien, die mit ihrem historischen und erwarteten
Gewinnwachstum überzeugen. Zu den größten Einzelwerten gehören hier etwa
die Gesundheitswerte Evotec und Genmab
sowie die Luxusmarke Hermès International. Mit dem Value­ETF halten
Anleger dagegen 20 europäische Aktien, die mit einem günstigen
Kurs­Gewinn­ oder Kurs­Buchwert­Verhältnis überzeugen. Hier zählen die
Versicherer Hannover Rück oder Swiss Re beispielsweise zu den größten Einzelwerten.

Klein & fein

Bei den reinen Nebenwertefonds überzeugt vor allem der Comgest Growth
Europe Smaller Companies. Dort investieren Eva Fornadi und Rebecca
Kaddoum sowie zwei weitere Kollegen in lediglich 29 Einzelwerte, die
ebenfalls ihren hohen Quality­Growth­Ansprüchen genügen. Einen sehr
guten Lauf hatte zuletzt auch der DJE Mittelstand & Innovation. Bei
diesem DJE-Fonds investiert René Kerkhof in Nebenwerte aus Deutschland,
der Schweiz und Österreich, die stark wachsen und nationale oder
internationale Marktführer sind – was vor allem auf Gesundheits­,
Industrie­ und Technologiewerte zutrifft.

Fünf kreative Ideen, um eine Million Dollar zu investieren

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Wo würden Sie jetzt eine Million Dollar investieren, wenn Sie sie hätten? Diese Frage hat Bloomberg fünf Experten gestellt. Die Antworten reichen von US-Bürgerkriegsanleihen bis zu handgefertigten Schaukelstühlen.

Wo würden Sie jetzt eine Million Dollar investieren, wenn Sie sie hätten? Diese Frage hat Bloomberg fünf Experten gestellt. Die Antworten reichen von US-Bürgerkriegsanleihen bis zu  handgefertigten Schaukelstühlen.

Mark Mobius, Gründer von Mobius Capital Partners ist Fan von alten Anleihen, für die es eine kleine, aber leidenschaftliche Anhängerschaft gibt. „Ich mag Anleihen, die einen Moment in der Geschichte festhalten„, erklärt Mobius und nennt ein konkretes Beispiel: Die Nordstaaten emittierten während des US-Bürgerkriegs 1861 zweijährige verzinsliche Schuldverschreibungen mit einem Kupon von sechs Prozent und einem Nominalwert von 50 US-Dollar. Eine dieser Anleihen wurde im August vergangenen Jahres bei einer Auktion eines Teils der Joel R. Anderson Collection of U.S. Paper Money für 1,02 Millionen Dollar versteigert. Durch diesen Verkauf hatte die Anleihe ihren Wert glatt verdoppelt.

Sarah Heller, Wein-Expertin und Getränkeberaterin, liebt Vintage-Mode, vor allem zeitlose Kreationen von Emilio Pucci aus den 1970er Jahren, die auch heute noch zeitgemäß aussehen. „Während Sie vielleicht eines seiner Kleider für ein paar tausend Dollar online finden, ist Kleidung, die Prominente einmal getragen haben, deutlich mehr wert“ erklärt Heller. Als Beispiel nennt sie das schwarze Satin-Abendkleid von Hubert de Givenchy, das Audrey Hepburn in dem Film „Breakfast at Tiffany’s“ trug. Das Kleid wurde 2006 bei Christie’s für 467.200 Pfund ($609.000) verkauft.

Anthony Roth, Chief Investment Officer des Wilmington Trust, sammelt Möbel von Sam Maloof, einem der wichtigsten Vertreter der amerikanischen modernen Möbel der Mitte des Jahrhunderts. „Dessen handgefertigten Stücke bestehen aus wunderschönem Holz, das ohne Nägel und Metall verbunden ist. Er ist vor allem für seine Schaukelstühle bekannt“, so Roth. Die Kunsthandwerksammlung des Weißen Hauses habe einen solchen Schaukelstuhl, ebenso wie das Metropolitan Museum of Art. „Ich denke, dass seine Schaukelstühle mit niedrigem Rücken eigentlich schöner und unglaublich elegant sind“, sagt Anthony Roth. Die Stühle werden zu Preisen zwischen 15.000 bis 20.000 Dollar gehandelt.

JD Montgomery, Manager bei Canterbury Consulting, empfiehlt Investments im E-Sport-Bereich. „Ich würde die Million aufteilen und 40 Prozent davon in  eine spielunabhängige Infrastruktur investieren, die Spiele unterstützt“, so Montgomery. Als Beispiel nennt er eine Firma namens Discord, einer Chat-Plattform für Spiele mit über 200 Millionen Nutzern. „Die anderen 60 Prozent verteile ich auf drei Teams. Interessante Namen sind Cloud9, 100 Diebe und die Seoul-Dynastie“, so Montgomery. Das wertvollste Team, Cloud9, sei 310 Millionen Dollar wert, man könne aber auch auf kleinere Teams zu wesentlich niedrigeren Kosten zugreifen. Zudem gebe es Fonds, mit denen man in Teams investieren kann. Die Größe der Branche bezeichnet JD Montgomery bereits als unglaublich, und sie stünde erst am Anfang.

Norman Villamin, Chief Investment Officer bei Union Bancaire Privee, findet Musiklizenzen spannend. Sie seien ein wirklich netter Weg, um hohe Renditen in einer Welt niedriger Zinsen zu erzielen. Und das Beste daran sei, dass sich diese Investition nicht im Gleichschritt mit dem Rest der Welt des festen Einkommens bewege. „Die Lizenzgebühren für Musik bewegen sich in den Takt ihres eigenen Schlagzeugers“, orakelt Villamin. „Bereits in den späten 90er Jahren begab David Bowie Anleihen, die durch Einnahmen aus seiner Musik gestützt wurden. Seit langem kaufen Investoren Verlagsrechte für Hit-Song-Kataloge. Der Unterschied besteht darin, dass Investoren keine Lennon & McCartney-Tunes mehr kaufen müssen“, so Villamin. Musiklizenzen seien deshalb zwar keine neue Anlageklasse. Doch mit dem Aufkommen des Streamings und der Explosion von Shows auf Netflix und Amazon, die Soundtracks benötigen, könnten selbst obskure Songs Gewinne bringen. Laut Villamin gibt es Investmentgesellschaften, die die Songs von platinverkaufenden Künstlern kaufen und ihnen in Anzeigen, TV und Film neues Leben einhauchen. „Man kann auch Songrechte von den Komponisten kaufen, anstatt von der aufgenommenen Musik. Wenn man es lieber allein machen möchte, kann man für Musikrechte bieten, die von ihren Eigentümern an Online-Musikbörsen zum Verkauf angeboten werden, die in den letzten Jahren entstanden sind“, erklärt Villamin.

Auf die Größe kommt es an: Die besten Small-Cap-Fonds

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Größe ist ein bedeutender Parameter beim Faktor-basierten Investment. Nebenwerte-Fonds konnten in den vergangenen fünf Jahren bis zu 100 Prozent Performance erzielen.

Rund 14.500 Aktiengesellschaften gibt es weltweit, deren Aktien an Börsen gehandelt werden. Rund ein Drittel davon, nämlich 5.929, fallen in die Größenordnung der Small Caps, hierzulande auch Nebenwerte genannt. Für Investoren sind sie deshalb interessant, weil sie die größeren Aktien regelmäßig outperformen. David schlägt Goliath. Size ist denn auch eine der interessantesten Optionen beim Faktor-Investing.

Eine Auswertung über verschiedene Märkte hinweg zeigt, dass Small-Cap-Fonds relativ ähnliche Renditen aufweisen. Mit der Fondssoftware FVBS Professional lassen sich die besten Fonds mit Schwerpunkt Nebenwerte aus den Regionen International, Europa, USA und Deutschland einander gegenüberstellen. Für die Auswertung wurden die jeweils besten vier Fonds über fünf Jahre ausgesucht. In diesem Ranking konnte der beste Fonds 101 % Rendite erwirtschaften, der schlechteste kam immer noch auch über sechzig Prozent. Dabei verteilen sich die Ergebnisse über die Märkte hinweg, allerdings stellen Fonds mit Anlageschwerpunkt USA die Hälfte der Top-Acht, während Fonds, die in deutsche Nebenwerte investieren, eher in der unteren Hälfte des Feldes angesiedelt sind.

# NAME MARKT VOL (Mio €) YTD 5 YRS ISIN
1 WB US Small Mid Cap Growth I $ US 617 17,1 % 101,9 % LU0181864389
2 iShares TecDAX® (DE) DE 808 6,1 % 96,9 % DE0005933972
3 TRP US Smaller Companies Equity Q US 1300 19,3 % 91,8 % LU0929966207
4 Lupus alpha Micro Champions EU 41 14,1 % 90,0 % LU0218245263
5 Siemens Global Growth INT 110 14,7 % 89,5 % DE0009772657
6 UBS (L) EF Mid Caps USA $ Q-acc US 126 22,4 % 88,7 % LU0358044807
7 Threadneedle (L) Pan Europ SC Opp ASH EU 821 14,4 % 87,5 % LU0640478920
8 TRP US Smaller Companies Equity A (EUR) US 1300 19,3 % 87,2 % LU0918140210
9 Threadneedle (L) Global SC AE € acc INT 366 15,1 % 84,1 % LU0570870567
10 BSF European Opp. Ext. Strategies A2 € EU 801 11,8 % 81,3 % LU0313923228
11 Comgest Growth Europe Small Co’s € Acc EU 316 18,8 % 80,9 % IE0004766014
12 MainFirst Germany Fund A DE 532 12,0 % 76,5 % LU0390221256
13 Postbank MegaTrend INT 28 10,8 % 72,7 % DE0005317374
14 AXA WF Fram. Global Small Cap F € acc INT 121 12,1 % 68,5 % LU0868490979
15 DWS German Small/Mid Cap DE 241 14,9 % 63,5 % DE0005152409
16 Lupus alpha Sm. German Champions A DE 1210 10,6 % 62,6 % LU0129233093

Auf Platz eins der Nebenwerte-Fonds steht der William Blair US Small-Mid Cap Growth Fund, der den Russell 2500 Growth als Benchmark hat. Mit 3% Agio und einem Total Expense Ratio von 1,69 % liegen die Kosten im mittleren Bereich. Seit Jahresbeginn konnte der Fonds bereits 17 % zulegen – das viertbeste Ergebnis im Feld.

Den zweiten Platz nimmt ein ETF ein: Der iShares TecDAX UCITS ETF gewann mit deutschen Technologiewerten seit 2014 rund 97 % hinzu. Ohne Agio und mit TER von 0,51% ist der Fonds natürlich erheblich günstiger als die aktiv gemanagte Konkurrenz.

Der dritte Platz geht wieder an ein aktiv gemanagtes Produkt: Der T. Rowe Price US Smaller Companies Equity Fund legte über fünf Jahre fast 92 % zu; auch bei diesem Fonds fällt kein Agio an, die TER liegen bei 2,35 %.

Was Berater bei Pflegeheimen beachten müssen

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Das Geschäft mit Pflegeheimen boomt. Anleger aus dem In- und Ausland reissen sich um diese Immobilien. Die Fonds, Anlagegesellschaften, Versicherungen und Versorgungswerke erhoffen sich bessere Erträge als bei Bürohäusern, Wohnungen und Supermärkten.

2018
wechselten Pflegeheime für insgesamt gut 2,1 Milliarden Euro den
Besitzer, hat CBRE gezählt. Das war der zweithöchste Jahreswert, den der
internationale Maklerkonzern je ermittelt hat.
Es kommen noch viele
Millionen Euro dazu, denn CBRE erfasst nicht das, wofür sich immer mehr
Privatanleger interessieren: den direkten Kauf einzelner
Pflegeapartments. „Ich gehe davon aus, dass Privatanleger
im vergangenen Jahr mehr als 500 Millionen Euro in Pflegeapartments
investiert haben“, sagt Markus Bienentreu. Er ist Geschäftsführer der
Kölner Terranus. Das Unternehmen hat als Berater und Vermittler fast
ausschließlich mit Großinvestoren zu tun.

Der Kauf einzelner
Apartments in Pflegeheimen ist jedoch nur eine Variante, wie
Privatpersonen in Pflegeimmobilien investieren können. Es gibt noch eine
zweite: Ab 10 000 Euro ist es möglich,
sich an einem Geschlossenen Pflegeheimfonds zu beteiligen.

4,5 Prozent Mietrendite im Jahr

Pflegeapartments gibt es ab etwa 120 000
Euro, sagt Rolf Specht, Gründer und Geschäftsführer der Bremer Specht
Gruppe. Der Geschäftsmann hat seit 1988 etwa 4000 Pflegeapartments
verkauft – im Regelfall an Privatiers. „Verluste
hat damit noch keiner unserer Käufer gemacht“, betont er. Sein
Unternehmen baut selbst Pflegeheime und springt als Betreiber ein, falls
mal ein Pächter ausfällt. „Das war bei uns bislang viermal der Fall.“
Die Sache mit dem Betreiber ist nicht das
einzige, was eine Anlage in Pflegeapartments von der Investition in
Eigentumswohnungen unterscheidet. „Die Mietrenditen bei Wohnungen liegen
in der Regel unter denen von Pflegeapartments“,
sagt Specht. Er nennt als typischen Wert für die von ihm vertriebenen
Objekte Mietrenditen von 4,5 Prozent im Jahr. Bei Wohnungen an
nachgefragten Standorten seien es oftmals nur 3,5 Prozent, wenn
überhaupt. Allerdings gebe es bei Eigentumswohnungen eine Chance
auf Wertsteigerungen. Die habe man bei Pflegeapartments eher nicht.

Bienentreu, der anders als Specht nicht
viel vom Verkauf einzelner Apartments an Anleger hält, rechnet anders.
„Ein Pflegeapartment sollte schon mindestens zwei Prozentpunkte mehr
Rendite abwerfen als eine Eigentumswohnung.“ Aus
seiner Sicht stecken in Pflegeimmobilien deutlich höhere Risiken als in
Wohnungen, allein schon deswegen, weil es für ein Seniorenheim einen
Betreiber braucht. Geht der pleite, haben die Eigentümer der
Pflegeapartments ein Problem.

Doch zurück zum Geschäft von Specht. Der
Bremer verkauft Pflegeapartments, die 20 bis 50 Quadratmeter haben. Als
typischen Preis nennt er das 22-Fache einer Jahresmiete. Damit liegt er
am unteren Ende der üblichen Preisspanne
im Einzelverkauf. Specht kritisiert andere Anbieter, die erstens
deutlich teurer verkaufen und zweitens so tun, als sei der Kauf eines
Pflegeapartments ein vom Staat garantiertes Investment. Das ist es trotz
Pflegeversicherung ganz und gar nicht.

Investitionen in Pflegeheime:  

PRO


Der Bedarf an Pflegeplätzen in Deutschland steigt. Experten halten in
den nächsten 20 Jahren einen Zuwachs an Pflegebetten von jährlich 10 000
bis 20 000 für erforderlich.
Die Nachfrage bleibt also voraussichtlich sehr hoch.
• Käufer werden im Grundbuch eingetragen.
Sie können ihr Pflegeapartment daher grundsätzlich jederzeit beleihen,
vererben, verschenken oder veräußern.
• Käufer müssen sich kaum um ihr Investment kümmern, da das Apartment im Regelfall für mindestens
20 Jahre an einen Pflegeheimbetreiber
vermietet ist. Dieser zahlt Mietnebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung
und diverse Versicherungen. Der Eigentümer muss nur Geld für die
Instandhaltung von Dach und Fach zurücklegen. Das sollte
aber nicht zu knapp bemessen sein. Als empfehlenswert gelten jährlich
mindestens sieben Euro pro Quadratmeter – besser etwas mehr.
• Für die Vermietung an Pflegebedürftige sorgt der Betreiber.
• Eigentümer können die für Immobilien üblichen zwei Prozent Abschreibung im Jahr geltend machen.
• Jährliche Mietrenditen von zumeist etwa
vier bis fünf Prozent; Mieten sind in der Regel indexiert, sie steigen
also im Umfang der Inflationsrate.
• Bevorzugtes Belegungsrecht für Käufer, die selbst Bedarf an einem Pflegeplatz haben. 

CONTRA

• Intransparenter Markt; für Berater und Käufer ist es schwer einzuschätzen, ob der Kaufpreis gerechtfertigt ist.
• Bei Missmanagement des Betreibers und zum Beispiel daraus folgenden Leerständen kann es zu Mietausfällen kommen.
• Geht ein Betreiber pleite, kann sich
die Suche nach einem neuen Betreiber schwierig gestalten. In der
Interimszeit kann es länger dauern, frei gewordene Plätze neu zu
belegen. Weiteres Risiko: Der neue Betreiber zahlt womöglich
weniger Miete.
• Der Gesetzgeber kann die Standards für Pflegeheime verschärfen. Das kann zu geringeren Einnahmen der Eigentümer führen.
• Der Markt für den Kauf von
Pflegeapartments ist nicht reguliert. Käufer tun also gut daran, sich
sehr gründlich zu informieren. Tipp: Vor dem Kauf einen Blick in die
Bilanz des Pflegeheimbetreibers werfen.
• Anders als bei Eigentumswohnungen gibt es in der Regel keine Aussicht auf Wertsteigerungen.
• Bei erforderlichen Arbeiten an Dach und
Fach braucht es einen Konsens mit allen anderen Eigentümern. Wollen
oder können einzelne Eigentümer nicht mitziehen, kann es sein, dass
dringend erforderliche Sanierungs­ oder Modernisierungsarbeiten
nicht ausgeführt werden können.
• Kritiker halten die jährlichen Mietrenditen von meist vier oder fünf Prozent mit Blick auf die Betreiberrisiken für zu gering.

Bankenfusion wir immer wahrscheinlicher, der DAX dümplet vor sich hin und der Euro erholt sich

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Die Fed entscheidet morgen über die Zinsen, der Goldpreis kann die 1.300$ nicht verteidigen und der Öpreisl erholt sich.

Bankenfusion rückt in Reichweite

Die lange herbei geredete Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank rückt in greifbare Nähe: In einer Ad-Hoc-Mitteilung verlautbart Deutschlands größtes privates Bankhaus, man “prüfe strategische Optionen”. Sollte der Deal zustande kommen, würde wohl schnell beim Personal das Skalpell gezückt: Rund 30.000 Arbeitsplätze könnten überflüssig werden, fürchtet Verdi. Die Aktien der Commerzbank gewinnen im frühen Handel rund sechs Prozent, die DeuBa legt fast vier Prozent zu.

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DAX startet lustlos in die Woche

Abgesehn vom Trubel um Deutsche und Commerzbank ist wenig Schwung im DAX. Thyssenkrupp (+ 3,0 %), Wirecard (+ 2,2 %) und Covestro (+0,7 %) führen die Gewinnerliste an, Adidas, Lufthansa und Infineon mit Abschlägen von jeweils knapp einem Prozent halten die rote Laterne im Index.

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Wird sie – oder wird sie nicht?

Am Dienstag setzt sich der Offenmarktausschuss der US-Notenbank zusammen, um über die Zinsen zu beraten. Die Erwartungen der Marktteilnehmer lauten weiterhin: Eine Zinserhöhung, aber erst später im Jahr. Doch ein weiterer Tagungspunkt erregt das Interesse der Märkte: Was macht die Fed mit ihrem Vier-Billionen-Dollar Portfolio an Schuldverschreibungen, die seit der Finanzkrise im Rahmen des Quantitative Easing zusammengekauft wurden? Beziehungsweise: Wie schnell wird die Fed die Papiere wieder auf den Markt bringen? Antworten gibt es am Mittwoch.

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Euro verlässt das Tal

Der Preis der Gemeinschaftswährung ist seit dem Jahrestief von vergangener Woche bei 1,12 US$ wieder gestiegen und kostet am Montagmorgen 1,1335 US$. Der Stoxx Europe 600 hat die Kursverluste aus dem letzten Quartal 2018 fast wieder wettgemacht und die Aussichten auf weiter niedrige Zinsen in der Eurozone sorgen für ein freundliches Aktienklima.

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Ölpreis Brent in US$
Ölpreis Brent in US$

Öl erholt sich langsam

Auch wenn es langsam bergauf geht, von den Niveaus Ende 2018 sind die Ölpreise noch weit entfernt. Von Ende September bis Jahresende hatte WTI mehr als 40 Prozent auf 42 US$ pro Barrel verloren, die europäische Sorte Brent verbilligte sich auf 50 US$ je Fass. Nun haben sich die Preise wieder berappelt, WTI kostet 58 und Brent 67 US$ pro Barrel. Doch das Potenzial nach oben ist beschränkt: Die USA weiten ihre Produktion weiter aus und sind schon jetzt größter Produzent der Welt. Und die Produktionsausfälle in Venezuela bewegen sich auf eben jene Größe zu, die die OPEC sowieso aus dem Markt nehmen wollte (1,3 Mio MBd), um die Preise zu stabilisieren. Praktisch, denn nun muss keiner seine Förderung kürzen. Bis Venezuela wieder liefern kann, werden Monate, wenn nicht Jahre vergehen.

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Goldpreis kann 1.300 $ nicht halten

Der Goldpreis kann die 1.300 US$-Marke nicht verteidigen. Morgen trifft sich die US-Notenbank, um über die Zinsen zu beraten (s.o). Händler erwarten, dass die Fed sich angesichts der trüben Wirtschaftsaussichten vorsichtig verhält und nicht an den Zinsen dreht. Das würde den Dollar stärken und damit auch das Gold verteuern. Diese Marge wird soeben aus dem Preis genommen: Der Spotpreis an der Comex sinkt um 0,2 Prozent auf 1.299 US$ pro Unze.

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US-Fondsmanager hinken hinter der Benchmark her

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Rund 66 Prozent der Manager von Aktienfonds, die sich am S&P500 orientieren, haben im vergangenen Jahr die Benchmark verpasst. Die hohe Volatilität im vierten Quartal hat den Fonds die Bilanz verhagelt.

Der jährliche Bericht des Index-Anbieters SPIVA, einer Tochter von Standard & Poor’s, stellt den Managern von US-Investmentfonds kein gutes Zeugnis aus: Rund 68 Prozent der aktiv gemanagten Fonds, die den S&P 1500 als Benchmark folgen, haben im vergangenen Jahr die Latte gerissen. Beim Large-Cap-Index S&P 500 lagen zum Jahresende 65 Prozent der Fonds unter der Benchmark – zum neunten Mal in Folge.

Was 2018 von anderen Jahren unterschied, sei die Volatilität im vierten Quartal, erklärt SPIVA-Managerin Aye M. Soe: „Aktive Manager behaupten, sie würden während Zeiten erhöhter Volatilität besser performen als die Benchmark. Das war nicht der Fall:”

Das Ergebnis des letzten Jahres ist jedoch kein statistischer Ausreisser: Fondsmanager in den USA konnten demnach nur jeweils zwei Jahre in Folge den S&P 500 schlagen: nach zehn Jahren liegen 85 Prozent der Fonds unter der Benchmark,  nach 15 Jahren sind es 92 Prozent, die hinterherhinken.

Ähnlich schlecht lief es für die aktiven Fondmanager, die den S&P 1500 als Messlatte heranziehen, nur 2015, 2014 und 2011. Im Krisenjahr 2009 erzielten sie interessanterweise das beste Ergebnis der letzten 18 Jahre.

Latte gerissen
Latte gerissen

Auch bei den Nebenwerten und bei den Rentenfonds sei das Ergebnis nicht besser, berichtet der SPIVA-Report. Langfristig lägen mehr als 80 Prozent der aktiven Fondsmanager über alle Klassen hinweg unter ihren Referenz-Indizes. Dabei hat die SPIVA auch den Survivorship-Bias berücksichtigt: Schlecht performende Produkte werden von den Fondsgesellschaften beizeiten liquidiert, so dass die “Überlebenden” den Eindruck erwecken, der Peer-Group ginge es besser, als das tatsächlich der Fall ist. In den vergangenen 15 Jahren wurden in den USA 57 Prozent der Aktienfonds und 52 Prozent der Rentenfonds aufgelöst, erklärt die SPIVA.  

Der langsame Abschied aus den fossilen Kapialanlagen

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Friday for Future: Schüler weltweit gehen für das Klima auf die Straße, die Asset Manager aber stecken noch tief in Öl, Kohle und Gas. Doch der Trend scheint sich zu wenden.

#FridayforFuture ist der Hashtag, unter dem sich Schüler organisieren, um an Freitagen für einen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Auch wenn FDP-Chef Lindner der Meinung ist, die jungen Menschen sollten die Klimapolitik lieber den Profis überlassen – und sich damit reichlich Häme eingehandelt hat – werden auch an diesem Freitag wieder tausende Schüler die Schule ausfallen lassen, um sich dafür einzusetzen, dass ihre Zukunft in einer lebenswerten Welt stattfindet.

Und in diese zukünftige Welt, das fordern Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten, muss auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe verzichten, um den bereits stattfindenden Klimawandel nicht weiter zu beschleunigen. Dass diese Meinung nicht ganz von der Hand zu weisen ist, dem schließen sich mittlerweile auch immer mehr Institutionen an, die durch das ihnen anvertraute Kapital weitreichenden Einfluß auf ganze Branchen nehmen können.

Vor kurzem hat der Billionen schwere norwegische Staatsfonds Oljefondet angekündigt, sich aus Öl- und Gasaktien zurückzuziehen. Immerhin 37 Milliarden US$ hält der Oljefondet an Energie-Aktien, davon sollen vorerst rund acht Milliarden abgestoßen werden. Die Gründe sind profan: Die Norweger rechnen damit, dass die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen in naher Zukunft zurückgehen wird und wollen nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Gleichwohl passt diese Entscheidung in einen Trend, der Asset Manager schon seit geraumer Zeit umtreibt: Soll man nur um des kurzfristigen Profits willen in Branchen investieren, die auf lange Sicht die eigene Geschäftsbasis gefährden – weil die volkswirtschaftlichen Folgeschäden des ungehemmten Wachstums so hoch sind, dass sie zukünftige Erträge aufzehren oder gar verhindern?

Nun hat auch der französische Asset Manager BNP Paribas verkündet, Aktien im Wert von einer Milliarde Euro aus der Kohle-Branche zu verkaufen. Die Maßnahme betrifft allerdings nur ein Viertel Prozent des gesamten Portfolios und tritt erst ab 2020 in Kraft. Und sicherlich weiß man in Paris auch um die Wirkung eines gut getimten PR-Coups.

Das Beratungsunternehmen ArabellaAdvisors hat ausgerechnet, dass institutionelle Investoren mit Assets im Wert von 6,24 Billionen US$ angekündigt haben, sich von Anlagen in fossilen Brennstoffen zu trennen. Führend seien dabei die Versicherungen, schreibt ArabellaAdvisors: Diese wollten sich von rund drei Billionen  US$ an Vermögenswerten verabschieden, die ihr Geschäft mit Öl, Gas und Kohle machen.

Das ergibt durchaus Sinn, denn die Versicherungen haben auch einen Großteil der Schäden abzuwickeln, die aus den Folgen des Klimawandels entstehen. Und die werden nicht gerade gering sein: Auf mehr als 23 Billionen US$ schätzt Andrew Howard, Head of Sustainable Research beim Asset Manager Schroders, die Schadenssumme über die nächsten 80 Jahre, falls die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen nicht eingehalten werden.

Bis sich die Fondsbranche aus den fossilen Aktien verabschiedet hat, wird es wohl noch eine Weile dauern. Im Schnitt halten die ETF-Emittenten der Billionen-Klasse noch über 10 Prozent ihres Portfolios in Aktien aus der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Bei Vanguard sind es laut Fossile Free Funds über 300 Milliarden US$, BlackRock hält knapp 113 Milliarden und Fidelity 94 Milliarden US$ an Carbon-Aktien. Um diese Werte durch klimaneutrale Aktien zu ersetzen, müssten sämtliche Indizes neu berechnet werden.

Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr in Kattowitz übergaben 415 Asset Manager, die zusammen rund 32 Billionen US$ an Vermögen beaufsichtigen, einen Brief an die Delegierten, in dem sie den Ausstieg aus der Kohle forderten. Der wirtschaftliche Schaden aus einer Erwärmung der Welt durch ungebremsten CO2-Ausstoß gefährde schlicht und einfach ihr zukünftiges Geschäft. Vielleicht schließen sich ja nun einige der Fondsmanager den protestierenden Schülern an, um sich für eine zügige Umsetzung der Klimaziele aus dem Pariser Vertrag einzusetzen. Ein Hashtag dafür wäre noch frei: #FundsForFuture: Das wartet bei Twitter noch drauf, mit Content befüllt zu werden.

EU-Regularien sorgen für Unzufriedenheit

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Eigentlich wollten die EU-Behörden für mehr Effizienz, Belastbarkeit und Transparenz an den Finanzmärkten sorgen. Jetzt ist genau das Gegenteil eingetreten: Kunden sind genervt, Berater leiden unter Aufwand und Kosten.

Eigentlich sollen MFID, MiFIR und PRIIPs für mehr Effizient, Belastbarkeit und Transparenz an den Finanzmärkten sorgen – hofft die europäische Marktaufsicht ESMA. Doch scheint nun genau das Gegenteil eingetreten zu sein. Das legt eine Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum RU im Auftrag des Branchenverbands Deutsche Kreditwirtschaft nahe.

“Angesichts des steigenden Zeitaufwands sind Kunden weithin unzufrieden mit den Neuregelungen”,

heißt es darin: Vor allem das Telefongeschäft sei deutlich zurückgegangen. Die Zahl der telefonisch erteilten Orders hat sich demnach gegenüber 2017 halbiert; aktuell wird nur noch jeder zehnte Auftrag am Hörer erteilt. Mehr als die Hälfte der Kunden empfinden die Pflicht zur Aufzeichnung der Gespräche als Angriff auf die Vertraulichkeit. Und drei Viertel der von der RU befragten Kunden wünschen sich, auf eine Aufzeichnung völlig verzichten zu können.

Auch die Pflichtinformationen, die den Kunden erteilt werden müssen, kommen alles andere als gut an: Fast zwei Drittel von ihnen fühlen sich durch die Fülle an Informationen überfordert, der Überblick gehe angesichts der Informationsflut verloren, häufige Rückfragen seien nötig. Das Ergebnis: 71 Prozent der Kundschaft würde gerne auf eine Aufklärung verzichten.

Würde gerne auf Aufklärung verzichten
Würde gerne auf Aufklärung verzichten

Quelle: Deutscher Bankenverband

Die Standardisierung der Informationen, wie von der ESMA verlangt, scheint ebenfalls ein Schuss in den Ofen zu sein. Achtzig Prozent der Kunden geben an, dass sie relevante Informationen seit Einführung der Regularien nicht schneller herausfiltern können.

„Die Nutzen-/Disnutzen-Relation der neuen Informations- und Prozesselemente ist aus Kundensicht teils stark fragwürdig“,

schlussfolgert die Ruhr-Universität. Die Folge: Ein Viertel der Kunden will sich weniger stark am Kapitalmarkt engagieren und stattdessen auf unkomplizierte Anlageformen wie Festgeld ausweichen.

Auch auf Seiten der Finanzinstitute haben die Regularien gravierende Folgen, hat die RU errechnet. Sie beziffert die Kosten für die Implementierung im Schnitt auf 3,7 Millionen Euro pro Institut und die laufenden Kosten auf rund 500.000 Euro pro Jahr. Selbst kleinere Dienstleister müssten bereits rund 200.000 Euro aufwenden, um MiFID und Co. umzusetzen, sie kosten die Maßnahmen weitere 44.000 Euro pro Jahr.

Die Ergebnisse, die sich die europäische Marktaufsicht gewünscht hat, werden jedenfalls nicht erreicht, meinen die Autoren der Untersuchung: „Den hohen Kosten steht bei MiFID II ein bestenfalls zweifelhafter und tendenziell sogar negativer Nutzen gegenüber.“ So begrüßenswert die Ziele seien, so wenig trügen die Novellen dazu bei, sie zu erreichen. MiFID II, MiFIR und PRIIPs überforderten die Kunden und müssten dringend überarbeitet werden.

Die Deutsche Kreditwirtschaft als Auftraggeber der Studie ist nach eigenen Worten durchaus der Meinung, dass gute und verständliche Anlegerinformationen wichtig sind, doch dürften sie die Kunden nicht überfordern. Sie fordert, dass die Regulierung Geschäftsmodelle wie insbesondere das Telefongeschäft nicht benachteiligt. Auch müsse zwischen Kleinanlegern und professionellen Kunden unterschieden werden; letzere seien weniger schutzbedürftig, das müsse sich auch in den Anforderungen der MiFID II widerspiegeln.

Institutionelle Anleger schwören auf ETF

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Institutionelle Investoren haben europaweit den Anteil von ETFs in ihren Portfolios um 50 Prozent erhöht. Seit 2018 machen passive Produktei über 15 Prozent der Assets aus.

„Nicht trotz der turbulenten Marktsituation sondern wegen der unruhigen Märkte setzen institutionelle Anleger vermehrt auf passive Anlageprodukte“, erklärt Andrew McCollum, Managing
Director bei Greenwich Associates, einem Research-Unternehmen, das sich auf Finanzdaten spezialisiert hat. Greenwich Associates hat 127 institutionelle Investoren zum Einsatz passiver Fonds befragt. Das Ergebnis: Der Anteil von ETFs und passiven Produkten in deren Portfolios ist von 7,6 Prozent im Jahr 2017 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

Rund 42 Milliarden Euro flossen 2018 europaweit in ETFs, rund die Hälfte weniger als im Vorjahr (94,7 Mrd. €), dennoch das drittbeste jemals erzielte Ergebnis der Branche. Und dieser Rückgang bei den Zuflüssen muss vor dem Hintergrund eines volatilen Marktumfelds und eines umfangreichen Ausverkaufs an den globalen Aktienmärkten betrachtet werden, so McCollum.

Nettoabsatz ETF in Europa
Nettoabsatz ETF in Europa

Quelle: Refinitif

Das Wachstum sei vor allem auf drei Faktoren zurückzuführen:
Volatilität, eine Revolution in der Index-Landschaft und ESG. Die Studie
von Greenwich Associates zeigt, dass drei Viertel der institutionellen
Investoren befürchten, das Ende des Wirtschaftszyklus sei erreicht und
eine Rezession stünde bevor. Aus Sorge vor geopolitischen Veränderungen
stellten die europäischen Institutionellen ihre Portfolios jetzt neu auf, um
sich gegen eine Verschärfung der Notenbankpolitiken und Handelskriege zu
wappnen. 

Ein passendes Mittel bei der Portfoliokonstruktion sei der Einsatz
von ETFs, da Transaktionen hier schneller ausgeführt werden könnten, die
Diversifikation einfacher und die Liquidität höher sei. Greenwich
Associates zitieren einen niederländischen Portfoliomanager, der behauptett:
„ETFs sind kosteneffizient und leicht einsetzbar, wenn ein Exposure
schnell hoch- oder heruntergefahren werden soll.“

Auch die Entwicklung bei den Indizes ist ein Treiber für den
wachsenden Anteil der ETFs. Bislang werden nur 25 Prozent der Assets bei
den befragten Investoren durch Indexstrategien allokiert – obwohl die Portfoliomanager
selbst angeben, der optimale Anteil läge bei 37 % für Aktien- bzw. 34 %
für Rentenportfolios. Die Differenz erklärt sich aber aus „geerbten“
Wertpapierpositionen und werde von Jahr zu Jahr kleiner.

Mittlerweile haben 40 Prozent der befragten Investoren herkömmliche
Investmentvehikel in ihren Portfolios gegen Index-Produkte ausgetauscht,
heißt es bei Greenwich Associates. ETFs böten mehr Möglichkeiten, in
Nischen zu investieren, während aktiv gemanagte Fonds nur eine
Grundversorgung bei Core-Strategien böten.

Ein interessanter Aspekt ist auch der Einsatz von ETFs zur Umsetzung
von Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Strategien: So haben im vergangenen Jahr
44 Prozent der Befragten aufgrund von ESG-Vorgaben passive Produkte
eingesetzt. Laut den Report werden es in den nächsten fünf Jahren sogar 50 Prozent
sein, die ESG-Kriterien mittels ETFs realisieren. Denn das
Umweltbewusstsein der Institutionellen nehme deutlich zu:

„Investoren müssen heute mehr denn je Themen wie Klimawandel und
Gleichberechtigung in Angriff nehmen, weil die Regierungen nicht genug
unternehmen“,

heißt es in der Studie. Allerdings erfolgten solche Investments nicht
aus reinem Altruismus: 44 Prozent der institutionellen Investoren sind
sich einig, das ESG-Anlagen langfristig höhere Renditen abwerfen werden.

Der
ETF-Promoter der Wahl ist übrigens BlackRock, dem 94 Prozent der Investoren
vertrauen; DB Xtrackers rangieren mit einer Zustimmung von 56 Prozent
auf Platz zwei und Lyxor belegt mit 47 Prozent den dritten Platz.

Die guten alten Zeiten sind endgültig vorbei

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Ein Drittel aller V ermögensverwalter könnte in den nächsten fünf Jahren vom Markt verschwinden, warnt Invesco-Chef Martin Flanagan. Der Druck auf die Gebühren und steigende Kosten werden zu weiterer Konsolidierung führen.

Die Zahl der Mergers und Übernahmen in der Fondsbranche ist im vergangenen Jahr auf 253 gestiegen, berichtet das Finanz-Research-Unternehmen Sandler O’Neill. Das sei jedoch erst der Beginn einer langen und tiefgreifenden Konsolidierung, die die Branche der Asset Manager erfasst hat – warnt Martin Flanagan, Chef von Invesco in einem Interview mit der Financial Times: “Gewinner und Verlierer entstehen heute mit einer Geschwindigkeit, die wir noch nie vorher erlebt haben.” Die Starken würden stärker, die Großen würden größer.

Der Druck kommt laut Flanagan vor allem von der Einnahmenseite, vom Trend hin zu Null-Gebühren-Fonds und aus den steigenden Kosten aus Compliance, Technologie und Sicherheit. Auf der anderen Seite würden viele institutionelle Investoren, Vermögensverwaltungen und Privatbanken die Anzahl der Asset Manager, mit denen sie zusammenarbeiten, radikal zusammenstreichen.

Der Zwang zu Größe und Marktgewicht war  auch der Grund, warum Invesco selbst im vergangenen Jahr den Konkurrenten OppenheimerFunds für 5,7 Milliarden US$ geschluckt hatte. Damit konnte Invesco seine Assets under Management auf über 1,2 Billionen US$ anheben und zu BlackRock, Capital Group, Fidelity und JP Morgan aufschließen.

Der Markt hat die Übernahme jedoch kaum goutiert: Trotz der Erholung der vergangenen Wochen liegt der Aktienkurs von Invesco noch immer 45 % unter dem Stand von vor einem Jahr – weit unter dem Stand des S&P500 (+ 0,3%), aber auch unter dem Branchendurchschnitt der US-Asset-Manager (- 23%). Aber auch die Aktien von Standard Life, die im vergangenen Jahr mit Aberdeen zusammen gingen, und von Janus, die mit Henderson fusionierten, notieren mit einem Abschlag von rund einem Drittel und damit schlechter als der Branchendurchschnitt.

Diese Kursrückgänge seien übertrieben, meint Flanagan: Ein KGV von acht bei der Invesco-Aktie betrage fast die Hälfte des Index-Durchschnitts. Diese negativen Kurseffekte, die bei den fusionierten Asset Managern zu beobachten sind, könnten andere Unternehmen davon abhalten, selbst Akquisitionen durchzuführen, meint der Invesco-Chef. Dabei sei größere Marktmasse von höchster Bedeutung für jeden Player, der in Zukunft im Geschäft bleiben wolle.

“Wir werden nie mehr zu den guten alten Zeiten zurückkehren”,

warnt Flanagan: “Die Investments, die wir jetzt machen müssen, sind mit nichts zu vergleichen, das wir in der Vergangenheit erlebt haben.”