Investieren am Rohstoffmarkt: Das sollten Berater wissen

Schlagworte: , , , , , , , , ,
Wie der Rohstoffmarkt grundsätzlich funktioniert, erklärt Wolfgang Schrage von LBBW Asset Management anhand des vielleicht wichtigsten Rohstoffes unserer Zeit: Öl.

Wer am Rohstoffmarkt investiert, sollte dessen Gesetze kennen. Zum Beispiel: Wie reagieren welche Rohstoff-Preise bei welchen Entwicklungen? Ein Fonds von LBBW geht jedoch ganz anders vor.

Der Rohstoffmarkt hat seine ganz eigenen Gesetze. Die drei wichtigsten davon lassen sich vielleicht so zusammenfassen: Erstens: Rohstoffbörsen sind Terminbörsen. Gehandelt werden hier keine Rohstoffe, sondern Optionen und Futures, also die Rechte, zu einem bestimmten Termin einen bestimmten Rohstoff zu einem festgelegten Preis verkaufen oder kaufen zu dürfen. Zweitens: Auf den Preis eines Rohstoffs haben sehr viele Faktoren Einfluss, zum Beispiel Lagerbestände, konjunkturelle Entwicklungen und der Devisenmarkt, insbesondere der Wert des US-Dollar. Die Preisentwicklung der entsprechenden Futures und Optionen hängt zudem unter anderem von den Laufzeiten der Papiere und weiteren komplexen Faktoren des Terminmarktes ab. Drittens: Man sollte alle diese Faktoren im Blick behalten und bewerten, um im Handel mit Rohstoffkontrakten langfristig Erfolg haben zu können.
Als Wolfgang Schrage von LBBW Asset Management Mitte Juli am Tegernsee auf der Investment-Konferenz von FondsConsult auf die Bühne tritt, um über „Trends und Perspektiven am Rohstoffmarkt“ zu referieren, ahnen die geladenen Vermögensverwaltern und Berater im Auditorium noch nicht, dass er am Ende des Vortrages noch eine wichtige vierte Regel nennen wird, die alles vorher Gehörte zum Teil komplett in Frage stellt.

Der Reihe nach: Wie der Rohstoffmarkt grundsätzlich funktioniert, erklärt Wolfgang Schrage anhand des vielleicht wichtigsten Rohstoffes unserer Zeit: Öl. Er führt für die Zuhörer leicht vollziehbar vor, welche Bedeutung der Ölpreis für die Rohstoffmärkte hat, wann man in welche Öl-Futures investieren sollte und wann man besser die Finger davon lässt. Wichtigster Faktor seien die Förderkosten in den USA, so Schrage. Die Produktionskosten seien in den vergangenen Jahren von einstmals 80 auf 50 Dollar pro Barrel gesunken. Nähere sich der Preis diesem Wert, sei es ein guter Zeitpunkt für den Kauf, sagt Schrage. Denn bei 50 US-Dollar pro Barrel Förderkosten sei jeder Preis darüber für die US-Öl-Förderer ein Gewinn. „Immer wenn der Preis über 50 US-Dollar geht, wird die Fördermenge erhöht – und umgekehrt“, so Schrage. Die Fördermenge wiederum habe in der Folge einen Einfluss auf den Preis, allerdings gebe es auch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Automobilnachfrage in China.

Spannende Entwicklung bei Industriemetallen

Als weiteres Beispiel für Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt nennt Wolfgang Schrage Industriemetalle: Hier spielten der Markt für Elektro-Automobile und insbesondere die für die Batterieproduktion notwendigen Rohstoffe eine wichtige Rolle. Das Auditorium erfährt, dass insbesondere Nickel in Zukunft eine entscheidende Rolle zukommt. Der Grund: Der Akku ist das teuerste Bauteil dieser Fahrzeuge und zugleich der Wachstumstreiber dieser Technologie. Für die Akkus gibt es mehrere Metalle, die eingesetzt werden können, um die geladenen Teilchen, also die Ionen, zu speichern. Chinas Autobauer haben lange Zeit auf Eisenphosphat gesetzt, erklärt Schrage. Vorteil: Eisenphosphat ist sehr preiswert. Nachteil: Es ist leistungsschwach, die Selbstentladung ist hoch, es bietet keine hohe Energiedichte.

Anders sei die Lage in Europa: Hier werden Mangan, Nickel, Kobalt und Lithium verwendet – das Beste vom Besten. Nachteil: Mangan und Kobalt sind sehr teuer. Das führe zu Ausweicheffekten, so Schrage: Tesla verwende 70 Prozent Nickel. Das mache nun auch China. Eisenphosphat werde immer seltener verwendet. Der Effekt: Der Nickel-Markt hänge nun sehr eng mit dem chinesischen Pkw-Markt zusammen.

Die vierte Regel: Der Markt hat immer Recht

Als Wolfgang Schrage den Fonds LBBW Rohstoffe 1 vorstellt, überrascht er das Auditorium mit einer erstaunlichen Aussage: „Uns interessiert die fundamentale Analyse des Rohstoffmarktes überhaupt nicht“, sagt Schrage. Der Fonds investiert regelbasiert nach einem ausgeklügelten System rolloptimiert in Futures auf zehn verschiedene Rohstoffe und profitiert von Marktineffizienzen. „Wir investieren in Rohstoffe mit Verkaufsrabatten. Wir kaufen in Aufwärtstrends und verabschieden uns in einem Abwärtstrend“, erklärt Schrage.

Seit dem 14. Januar 2018 wird auch keine Absicherung mit Shorts mehr vorgenommen, stattdessen werden Positionen verkauft, um das Risiko zu reduzieren. Warum die Erkenntnisse aus der fundmentalen Analyse, die er zuvor so eloquent erklärt hatte, für diesen Fonds keine Rolle spielen, erklärt Wolfgang Schrage so: „In den Terminkurven ist alles Wissen des Marktes eingepreist. Eigene Analyse ist für dieses System überflüssig“. Das, so wird den Zuhörern klar, ist die vierte Rohstoff-Regel, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Der Markt hat immer Recht.

Japan-Aktien sind für investoren interessant

Schlagworte:
Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten und einem stotternden Wachstum in China.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag den sechsten Wahlsieg in Folge eingefahren. Für Anleger ist das eine gute Nachricht. Mit Abe an der Spitze dürfte das Land seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs fortsetzen.

Die Japaner haben sich für die
Fortsetzung des Status Quo entschieden: Die Liberaldemokratische Partei LDP von
Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag die Oberhauswahl gewonnen – zum
sechsten Mal in Folge. Zusammen mit ihrem aktuellen Koalitionspartner, der
buddhistischen Neuen Gerechtigkeitspartei, kommt die LDP laut offiziellem Wahlergebnis
vom Montag auf 71 Sitze, die Opposition erhält 53 Sitze. Damit kann das
Regierungslager jetzt in der zweiten Kammer des Parlaments 141 von 245 Mandaten
für sich verbuchen. Im Vergleich zu 2013 haben die Regierungsparteien zwar einige
Sitze verloren. Abe präsentierte sich dennoch zufrieden: „Die Japaner haben
gezeigt, dass sie Stabilität wollen. Nicht Chaos. Die Oppositionsparteien haben
keine Vision für Japan“, sagte der Ministerpräsident dem TV-Sender NHK.

An Abes Vision, der sogenannten
Abenomics, arbeitet die Regierung seit dem Jahr 2012. Abe war und ist der
Überzeugung, dass alle profitieren, wenn es der Wirtschaft gut geht. Deshalb war
Abe einst mit dem Versprechen angetreten, Japan aus der Jahrzehntelang
andauernden wirtschaftlichen Stagnation zu befreien. Um den stotternden Motor
wieder zum Laufen zu bringen, hatte der frisch ernannte Premierminister Ende
2012 eine neue Wachstumsstrategie erdacht, die seither seinen Namen trägt. Die
Kernelemente: Höhere Staatsausgaben, eine ultralockere Geldpolitik selbst um
den Preis negativer Zinsen und wachstumsorientierte Strukturreformen.

Die Früchte der Abenomics sind
langsam zu sehen: Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um
rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten
Staaten und einem stotternden Wachstum in China. „Zweifellos hat die
Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung rund um Shinzo Abe zum positiven
Wachstum und der rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenquote beigetragen“,
sagt Christophe Braun, Investmentstratege beim US-amerikanischen Fondsanbieter
Capital Group. Für Anleger ist der Erfolg Abes daher eine gute Nachricht.
Denn unter seiner Führung dürfte die Regierung an der wirtschaftsfreundlichen
Politik festhalten: Alle Japaner sollen weiterhin „den warmen Wind“ der
Abenomics spüren, versprach Abe bereits kurz nach der Wahl.

Steigende Konsumlust

Für Investoren sieht Anlagestratege
Braun in Japan aktuell viele Chancen: So hätten japanische Unternehmen im Jahr
2018 die höchsten operativen Margen seit Jahrzehnten verzeichnet, die
Break-Even-Ratios seien deutlich zurückgegangen. „Insgesamt sind die
Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich zu früher und auch zu anderen
Ländern günstig“, sagt Braun.

Karsten Marzinzik, Investmentstratege
bei Swisscanto Asset Management, sieht das ähnlich. „Das Segment der
japanischen Small und Mid Caps halten wir prinzipiell nicht nur kurzfristig für
eine interessante Beimischung im Aktien-Portfolio, sondern auch auf lange Sicht
für eine sinnvolle Diversifikationsoption“, sagt er. Potential sieht Marzinzik
unter anderem in Unternehmen, die im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. Auch
Wachstumsunternehmen könnten dank neuer Technologien ihr Geschäft in den
kommenden Jahren deutlich ausweiten, prognostiziert der Anlagestratege. Nicht
zuletzt dürften Unternehmen profitieren, deren Geschäftserfolg stark von der Binnennachfrage
abhängt. Denn sollte sich die japanische Wirtschaft in Abes sechster Amtszeit
weiter erholen, dürfte das die Konsumlust der Japaner fördern – und die Kurse inlandsorientierter
Unternehmen beflügeln.

Die G7 haben in Chantilly die Facebook-Währung Libra aufs Korn genommen

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , ,
Kein Wunder: Libra birgt Gefahren für das klassische Währungssystem

Rückblick auf die vergangene Woche

Spätestens seit vergangener Woche ist klar: Facebook ist nicht irgendein US-Tech-Unternehmen. Facebook wird von der Staatengemeinschaft als Gegner auf Augenhöhe wahrgenommen. Und da kennen die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten, die sich in Chantilly bei Paris getroffen haben, keine Gnade mehr.

Facebook soll gleich an zwei Fronten attackiert werden. Zum einen an der Steuerfront: Im Abschlussdokument des G7-Treffens wurde das Ziel einer Mindestbesteuerung von Internet-Unternehmen genannt. Firmen wie Facebook sollen dazu verpflichtet werden, eine Mindeststeuer in den Ländern abzuführen, in denen sie Geschäfte tätigen. Vorbild ist die US-Praxis, wonach eine Steuer von 10,5 Prozent anfällt. Dieser Wert liegt deutlich unter der normalen Besteuerung von Konzernen im Inland. Dadurch sollen Gewinnverlagerungen  ins Ausland verhindert werden. Es wäre ein Fortschritt, wenn diese Regeln international angewendet würden. Gleichzeitig zeigt es, wie schwierig es ist, den sogenannten Plattform-Unternehmen steuerlich beizukommen.

Die zweite Front machten die G7 auf ihrem Treffen bei der geplanten Facebook-Währung Libra auf. Kein Wunder: Libra birgt Gefahren für das klassische Währungssystem. Auf den ersten Blick scheint es sich bei Libra nur um einen praktischen Geldverschiebe-Bahnhof zu handeln, mit dem Geld weltweit schnell von A nach B transferiert werden kann. Doch Libra ist mehr. Es ist das Tor zu einer parallelen Finanzwelt, die nicht mehr der Kontrolle der Notenbanken und der klassischen Bankaufsichten unterliegt. Und anstatt für die Bevölkerung kleinerer Staaten mit schwachen Bankensystemen eine praktische Lösung darzustellen, wie Facebook suggeriert, bedroht Libra sogar deren Währungen: Denn Libra wird mit Staatsanleihen unterlegt. Es geht hier angesichts der weltweiten Verbreitung von Facebook und der potenziellen Libra-Nutzer um Billionenbeträge. Würde sich Libra tatsächlich durchsetzen, würde Zuckerbergs Social-Media-Konzern plötzlich deutlich spürbaren Einfluss auf den Anleihen- und Devisenmarkt ausüben. Das können weder die Industriestaaten noch die betroffenen Länder gutheißen, in denen sich Libra quasi als Zweitwährung etablieren würde.

Und für die Notenbanken ist Libra ohnehin ein rotes Tuch. Deshalb kommen nicht nur aus Europa, sondern auch aus den USA kritische Töne: US-Präsident Donald Trump hält bekanntermaßen wenig von der Facebook-Idee. Hier weiß er sich ausnahmsweise einig mit dem Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell. Der hatte bei einer Anhörung im Kongress massive Bedenken gegenüber Libra vorgetragen. Geldwäsche, Finanzierung von Terrorismus, die Stabilität der Währung und Privatsphäre nannte er als wichtige Themen. Und er deutete schon mal an, dass Facebook es nicht leicht haben werde, Libra genehmigt zu bekommen. So viel steht fest: Eine Konkurrenz zur Weltleitwährung US-Dollar ist jedenfalls mit Sicherheit weder im Interesse der USA noch der Fed.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag wird in Großbritannien Boris Johnson aller Voraussicht nach zum neuen Parteivorsitzenden der Tories gewählt. Was gleichbedeutend damit ist, dass er zum neuen Premierminister ernannt wird. Johnson hat sich zuletzt keine Mühe gegeben, diplomatischer oder verhandlungsbereiter gegenüber der EU aufzutreten als seine Vorgängerin Teresa May. Johnson strebt einen kompromisslosen, harten Brexit an. Immerhin weiß man in Brüssel dann, woran man ist. Nur wissen die Briten dann auch tatsächlich, was sie wollen? Die letztmögliche Ausfahrt vor der Brexit-Autobahn ist ein erfolgreiches Misstrauensvotum mit anschließenden Neuwahlen. Denn die Labour-Partei hat mittlerweile ihr Herz für Europa wiederentdeckt.

Der Industriesektor in Deutschland befindet sich in der Rezession. Die Frage ist, ob nun auch der  Dienstleistungssektor folgt. Antworten können am Mittwoch der Einkaufsmanagerindizes und am Donnerstag der ifo-Index  liefern.

Am Donnerstag tagt die EZB. Die Europäische Zentralbank ist derzeit in der Zwickmühle. Anfang Juni hat Präsident Draghi in Portugal weitere geldpolitische Maßnahmen angekündigt. Bis jetzt ist es bei der Ankündigung geblieben, obwohl die Konjunktur in der EU derzeit auf wackeligen Füßen steht und die Inflationserwartungen eher sinken. Vermutlich wird die EZB auch am Donnerstag noch keine konkreten Maßnahmen vorstellen. Aber sie wird vielleicht einen Ausblick darauf geben, vielleicht sogar mit Zeitplan.

Am Freitag veröffentlicht das US Bureau of Economic Analysis das annualisierte Bruttoinlandsprodukt der USA. In der Zahl spiegelt sich der Geldwert aller Waren und Dienstleistungen wider, die in diesem Jahr innerhalb der USA hergestellt werden. Anhand des annualisierten BIPs lässt sich das Tempo ablesen, in dem die US-Wirtschaft wächst. Experten rechnen mit einer deutlichen Abschwächung des Tempos.

Türkei vor Leitzinssenkung?

Schlagworte:
Ende des Monats steht in der Türkei die nächste Zinsentscheidung an. Dann wird sich auch zeigen, wie es mit der Wirtschaft des Landes weitergeht.

Seit langem drängt Präsident Recep Tayyip Erdogan die türkische Zentralbank dazu, die Leitzinsen zu senken, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Bald könnte sein Wunsch Wirklichkeit werden. Finanzexperten sind entsetzt. Sie warnen trotz attraktiver Renditen vor Investitionen in der Türkei.

In der Türkei bestimmt ab sofort der
Staatschef über die Geldpolitik: Bis Ende des Jahres solle die Inflation des
Landes von über 15 Prozent auf einen einstelligen Wert sinken, sagte Präsident
Recep Tay­yip Erdogan dem türkischen Sender Habertürk. Er weiß auch schon, wie
er sein Ziel erreicht: Die Zentralbank soll an der Zinsschraube drehen. Sobald
der Leitzins in der Türkei niedriger liege, werde auch die Preisbeschleunigung
deutlich zurückgehen, sagte Erdogan dem Sender.

Es ist nicht das erste Mal, dass der
Präsident von der türkischen Zentralbank niedrigere Zinsen fordert. Erdogan
liegt seit langem im Clinch mit Notenbankchef Murat Cetinkaya, weil dieser sich
bis zuletzt weigerte, die Leitzinsen zu senken. Nun aber könnte die Zentralbank
dem Druck des Präsidenten nachgeben. Denn in der Nacht zum Samstag feuerte
Erdogan den 43-jährigen Währungshüter Cetinkaya. Jetzt steht sein Vize Murat
Uyasal an der Spitze. Von ihm erwartet Erdogan mehr Gehorsam.

Ende des Monats steht in der Türkei
die nächste Zinsentscheidung an. Dann wird sich auch zeigen, wie es mit der
Wirtschaft des Landes weitergeht. Erdogan ist der Ansicht, dass Zinssenkungen
die galoppierende Inflation wirksam bekämpfen können. Die volkswirtschaftliche
Theorie sagt allerdings genau das Gegenteil: Niedrigere Zinsen wirken normalerweise
wie Brandbeschleuniger auf die Inflation, denn mit ihnen steigt die Geldmenge
im Wirtschaftskreislauf noch weiter an.

Marktbeobachter sehen die Entlassung
Cetinkayas und den gewachsenen Einfluss Erdogans auf die Geldpolitik des Landes
äußerst kritisch. Sébastian Galy, Anlagestratege bei Nordea Asset Management,
geht davon aus, dass die türkische Regierung nach dem Rausschmiss einen
aggressiveren Lockerungszyklus einleiten will, als der Markt derzeit einpreist:
„Die Zentralbank wird vermutlich ein stetiges Tempo der Lockerung verfol­gen,
was zu einer weiteren Schwächung der Lira und damit zu einer importierten
Inflation führen wird“, sagt der Anlageprofi. Als Reaktion auf die Nachricht
ist die Landeswährung bereits um 2,8 Prozent gefallen. 

Vorsicht vor türkischen Staatspapieren

Investoren rät Galy zu äußerster Vorsicht:
Eine schwache türkische Lira in Kombination mit nur geringem Wirtschaftswachstum
berge vor allem auf der Kreditseite Gefahren. Türkische Unternehmen haben
beachtliche Schulden in Euro und US-Dollar angesammelt, in der Hoffnung, dass
die Lira an Wert gewinnen wird – sie zahlen nun umgerechnet in die
Heimatwährung immer höhere Zinsen. Auch die Devisenreserven der Zentralbank
seien gering, würden gerade einmal 20 Prozent der privaten Einlagen bei
Geschäftsbanken umfassen. „Die Notenbank kann sich somit keine großen
Interventionen am Devisenmarkt leisten“, sagt Galy. Das verunsichert Haushalte
und Unternehmen. Und das wiederum belastet die Wirtschaft des Landes. Kurzum: Von
einem Investment in die Türkei rät Galy derzeit entschieden ab.

Yasemin Ravai, Anlagestrategin beim
luxemburgischen Fondsanbieter Eurizon Capital, ist ähnlich besorgt. Zwar seien
die Renditen türkischer Anleihen nach wie vor attraktiv, für zehnjährige
Staatspapiere mit einer Laufzeit von einem Jahr erhalten Investoren derzeit beispielsweise
rund 18 Prozent Rendite. Sich darauf einzulassen, das sei aber nur vertretbar, solange
sich die türkische Währung nicht bewege. Weil der Markt zuletzt fast völlig
zusammengebrochen sei, sollten Anleger von den Papieren jetzt die Finger
lassen. „Auch wir haben uns dort lediglich am kurzen Ende positioniert“, sagt
Ravai.

Die Qualität der Berater wird immer besser

Schlagworte: , , , , , , , , , , ,
Vermittler sind nach der neuen IDD-Richtlinie gezwungen, sich mindestens 15 Stunden pro Jahr weiterzubilden.

Die IDD-Richtlinie wurde von vielen Maklern kritisch gesehen. Nun zeigt sich: Die Anzahl der Vermittler nimmt tatsächlich ab. Doch durch die Weiterbildungspflicht steigt die Qualität.

Wie beurteilen Vermittler und Vermittlerinnen die Umsetzung der IDD-Richtlinie? Anfang dieses Jahres veröffentlichte der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW dazu eine Umfrage, die das Stimmungsbild unter Makler auf den Punkt brachte und eine deutliche Skepsis in der Branche erkennen ließ. Das Ergebnis der Befragung: Nicht ganz die Hälfte der Makler überzeugte der Regulierungsgedanken der IDD. Der Regulierung der Finanzanlagenvermittlung gemäß § 34f GewO standen ebenfalls nur 42 Prozent der Befragten positiv oder sehr positiv gegenüber. 63 Prozent der rund 1.300 befragten Vermittler gab an, keine positiven Auswirkungen der IDD-Umsetzung erkennen zu können. Kein Wunder: In der Praxis hapert es oft an der Umsetzung. Nur die Hälfte der Vermittler sah sich laut Umfrage genötigt, ihre Abläufe an die IDD-Vorgaben anzupassen. Dafür gaben 90 Prozent an, dass der gestiegene Administrationsaufwand lästig sei.

Die Branche schrumpft

Schon Anfang des Jahres zeigte sich: Die IDD-Richtlinie wird die Branche verändern. 34 Prozent der Makler wollten sich laut Umfrage aufgrund des gestiegenen Verwaltungsaufwands auf bestimmte Produkte konzentrieren. Und neun Prozent wollten ihr § 34d Geschäft sogar ganz aufgeben. Ein halbes Jahr später lässt sich feststellen: Tatsächlich schrumpft die Branche. Das zeigt die Statistik des Versicherungsvermittlerregisters. Im zweiten Quartal 2019 haben sich mehr als 500 Vermittler ausgetragen. Damit ist ein neuer Tiefststand von 199.421 Vertretern, Maklern und Beratern erreicht.

Allein bei den erlaubnisfreien Vertretern, die von Versicherern ein- oder auch wieder ausgetragen werden, sind in den vergangenen drei Monaten fast 600 Vertreter verschwunden, seit Jahresbeginn sind es rund zweitausend. Ein Grund für den Schwund ist die Einführung einer allgemeinen Weiterbildungspflicht. Insbesondere viele nebenberufliche Vertreter wollen sich den Aufwand ersparen. Schließlich  sind Vermittler nach der neuen IDD-Richtlinie gezwungen, sich mindestens 15 Stunden pro Jahr weiterzubilden. Das bedeutet nicht nur Zeit- sondern auch erheblichen Kostenaufwand.

Rechnet man die Entwicklung des ersten Halbjahres auf das ganze Jahr 2019 und für die kommenden Jahre im gleitenden Durchschnitt die Veränderungsraten der Jahre seit 2011 hoch, könnte bis Anfang 2024 die Zahl der eingetragenen Vermittler auf knapp 170.000 fallen. Das wären 36 Prozent weniger als noch Anfang 2011 oder beinahe 100.000 Vermittler. Bei den erlaubnisfreien Vertretern werden in fünf Jahren nach dieser Hochrechnung sogar fast die Hälfte aus dem Markt ausgeschieden, bei den Vertretern mit Gewerbeerlaubnis rund 13 Prozent.

Die Qualität steigt

Diejenigen, die dabei bleiben, kommen ihrer Weiterbildungspflicht fleißig nach. Das zeigen aktuelle Zahlen der Weiterbildungs-Interessengemeinschaft „gut beraten“. Einer aktuellen Erhebung zufolge haben bereits 32.816 Teilnehmer die Zielvorgabe für das laufende Jahr erreicht. Mehr als 8.000 Vermittler haben sich sogar 30 Stunden weitergebildet. Der Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) konstatiert in seiner aktuellen Strukturanalyse: „Knapp 65 Prozent der Vermittler favorisieren nach dieser Analyse das 30-stündige gut beraten-Weiterbildungsziel, das über den 15-stündigen gesetzlichen Standard hinausgeht.“, so BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli. Von den bundesweit 199.421 Versicherungsvermittlern im Register des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurden 147.805 Weiterbildungskonten für den Weiterbildungsnachweis nach IDD genutzt. Das sind immerhin 85 Prozent aller registrierten 173.660 Konten.

Derzeit beteiligen sich an der Weiterbildungs-Gemeinschaft 61.878 Ausschließlichkeitsvermittler (36 Prozent) und weitere 39.987 Vermittler im angestellten Außendienst (23 Prozent). Makler (28.881) und Mehrfachagenten (8.727) haben einen Anteil von 22 Prozent. 22.416 Personen mit einem Weiterbildungskonto sind Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmen (13 Prozent).

Für China-Investoren steigen die Chancen

Schlagworte: , ,
Die chinesische Politik hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt

China vermeldet weiterhin sinkende Wachstumszahlen. Für Investoren ist das allerdings kein Grund, sich aus dem Markt zurückzuziehen, sagen Experten bei Jupiter Asset Management und der Capital Group. Im Gegenteil.

Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist erneut zurückgegangen. Mit nur noch 6,2 Prozent lag das Plus im zweiten Quartal zwar noch innerhalb der Zielvorgabe der chinesischen Regierung, war aber zugleich so schwach wie seit dem Jahr 1990 nicht mehr. Für Charles Sunnucks, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management, ist das aber kein Grund zur Sorge. Er behält die chinesische Politik genau im Auge. Die Partei hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt. „Wie immer bleibt es aber ein schwieriger Balanceakt, dringend notwendige Reformen umzusetzen und gleichzeitig die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren“, kommentiert Sunnucks die Lage in China.

Die größte Unbekannte bleibt der Handel. Neben dem BIP-Wachstum schrumpfte zuletzt auch das Exportwachstum. Das verunsichert Unternehmer und Investoren. Jupiter-AM-Fondsmanager Sunnucks unterscheidet bei Investments nun nach zwei Arten von Unternehmen: „Diejenigen, die in einer wachsenden Wirtschaft lediglich zyklische Gewinne erwirtschaften, und solche, die eine solide Performance auf Grundlage echter, struktureller Faktoren erzielen.“ Letztere gewinnen seiner Meinung nach in Zeiten nachlassenden Wachstums für Investoren an Bedeutung. Dabei spielt auch die Entwicklung der Gesellschaft in Asien eine große Rolle. Die Mittelschicht in asiatischen Ländern wächst rasant. So entsteht eine immer breitere Mittelschicht mit steigendem Einkommen.

Chancen für Stock Picker

Das wirkt sich besonders auf den Binnenmarkt in China aus. Dort sieht Richard Carlyle, Investment Director bei der Capital Group, auch die größten Chancen. Denn China öffnet seinen Markt zunehmend für ausländische Investoren: „Mehr als 800 Unternehmen, in die Ausländer bislang nicht investieren konnten, dürften ihnen in den nächsten Jahren für Anlagen zur Verfügung stehen.“ Besonders interessant sei dieser Markt für Stock Picker. Denn eine Investition in chinesische Unternehmen will gut geprüft sein. So haben Analysten chinesischen Ratingagenturen zuletzt mehrfach vorgeworfen, gegen Bezahlung zu gute Bewertungen zu vergeben. Eine eigenständige Prüfung kann sich also auszahlen. Capital-Group-Investmentstratege Carlyle träumt bereits von der großen Entdeckung: „Stellen Sie sich vor, Sie entdecken das nächste Alibaba, Baidu oder Tencent.“

Wem die Diamantensuche im Aktienmarkt zu umständlich ist, der kann möglicherweise auch bei Schwellenländer-Anleihen einen guten Fang machen. An der positiven Entwicklung der Schwellenländeranleihen hat zuletzt zu großen Teilen der US-Dollar mitgewirkt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte jüngst angedeutet, den Leitzins wohl wieder zu senken. Das hat einige Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. „Wer höhere laufende Erträge wünscht, sollte Emerging-Market-Anleihen nicht übergehen“, sagt Peter Becker, Investment Director bei der Capital Group. Ohnehin profitierten Schwellenländer mit Auslandsschulden von den niedrigen Zinsen der Industrieländer. Das gilt auch für China.

Neues EU-Ehegüterrecht: Was jetzt für Berater wichtig ist

Schlagworte: , , , ,
Die neue Verordnung gilt ausschließlich für Fragen des ehelichen Güterrechts. Die Regelungen beziehen sich also nur auf das Vermögen von Ehegatten.

Wenn Ehen geschieden werden, geht es nicht nur um Emotionen, sondern auch um Geld. Bei der Trennung internationaler Ehen kommt dabei das neue EU-Ehegüterrecht zur Anwendung.

Wenn Zwei sich trennen, gibt es Tränen. Und nicht selten auch Streit ums Vermögen. Geht es um die Scheidung internationaler Ehen, kommt eine juristische Hürde hinzu, die in der Vergangenheit für viel Unsicherheit gesorgt hat: Welches Recht gilt überhaupt? Nach welchen Regeln wird das Vermögen aufgeteilt? Vermögensverwalter und Finanzberater stoßen bei solchen Fragen schnell an ihre Grenzen. Und auch für Steuerberater und Juristen, die zur Unterstützung herangezogen werden, sind solche Fälle keine Lappalien. Je nach Nationalität und bestehenden oder nicht bestehenden Eheverträgen sind Güterstandsbestimmungen eine Herausforderung. Ganz abgesehen von den Folgen einer Aufteilung: Oft wollen oder müssen Geschiedene ihren Teil an gemeinsamen Immobilien verkaufen. Krediten müssen finanziert und/oder Geld gegebenenfalls neu angelegt werden. Das alles auf Grundlage geltenden Rechts – doch welchen Staates?

Hier hat die Europäische Union nun für Klarheit gesorgt. Seit dem 29. Januar 2019 gilt die neue EU-Güterrechtsverordnung. Es ist ein Regelwerk, das es in sich hat. Die Verordnung schreibt vor, wie grenzüberschreitende Ehen und eingetragene Partnerschaften in der Europäischen Union rechtlich zu behandeln sind, welches Gericht für eine vermögensrechtliche Auseinandersetzung zuständig ist und wie die Vollstreckung von Entscheidungen erfolgt. „Das neue Recht soll binationalen Paaren oder solchen, die dauerhaft im Ausland leben, Anlass dazu geben, über eine Rechtswahl nachzudenken oder bereits bestehende Regelungen zu überprüfen“, erklärt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland). „Besonders im Fokus stehen dabei Themen wie Ehe und Ehevertrag, Güteraufteilung bei Trennung und ähnliche strittige Punkte“.

Konkret geht es darum, für verschiedene Szenarien die passende Umsetzung europäischen Rechts zu finden. Und da haben sich die Regulierer in Brüssel viel Gedanken gemacht:

Rechtssicherheit mit Ausnahmen

Bislang musste in Fällen mit deutscher Beteiligung immer geklärt werden, ob deutsches oder anderes nationales Recht anzuwenden ist. Das ändert sich nun. Die europäischen Güterrechtsverordnungen (altes und neues Recht, gültig für Ehen ab 29. Januar 2019) regeln Fragen des ehelichen Güterstands. Wermutstropfen: An den europäischen Güterrechtsverordnungen nehmen leider nicht alle EU-Staaten teil. Ausnahmen sind das Vereinigte Königreich, Irland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei und Ungarn. In diesen Ländern gilt das nationale Recht.

Wichtig nur fürs Vermögen

Die neue Verordnung gilt ausschließlich für Fragen des ehelichen Güterrechts. Die Regelungen beziehen sich also nur auf das Vermögen von Ehegatten. Fragen zu Trennung, Unterhalt, Versorgungsausgleich, Ehegattenerbrecht oder das Sorgerecht für die Kinder sind nicht Gegenstand der EU-Vorgabe. Die Verordnung klärt, welche Rechtsordnung für das sogenannte eheliche Güterrecht greift und welches Gericht zuständig ist. Diese Klärung, nach welcher nationalen Rechtsordnung sich das Ehegüterrecht richtet, ist deshalb von erheblicher Bedeutung.

Die Verordnung ersetzt nationale Bestimmungen und führt in Teilen zu einer Vereinheitlichung der gerichtlichen Zuständigkeit, dem anwendbaren Recht und der Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen im internationalen Kontext.

Neue Verordnung gilt automatisch für neu geschlossene Partnerschaften und Ehen

Die neue EU-Güterrechtsverordnung gilt nur für Ehen und eingetragene Partnerschaften, die nach dem 29. Januar 2019 geschlossen wurden oder werden. Je nach Nationalität kommen verschiedene Modelle zur Anwendung:

Gilt beispielsweise deutsches Recht für die Ehe, dann lebt ein Ehepaar im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, falls in einem Ehevertrag nichts anderes geregelt wurde. Bei einer grenzüberschreitenden Ehe oder bei einer Eheschließung im Ausland muss jedoch festgestellt werden, ob überhaupt deutsches Recht oder das eines anderen Staates anzuwenden ist und ob ein deutsches oder ausländisches Gericht zuständig ist.

Dazu ein Fallbeispiel: Ein französischer Staatsangehöriger ist mit einer Belgierin verheiratet. Sie haben in Belgien geheiratet und leben dort dauerhaft. Da sie keine Gerichtsstandsvereinbarung getroffen haben, wird ihr Güterstand durch belgisches Recht geregelt. Nach einigen Jahren erwerben sie zusätzlich zu ihrer Immobilie in Belgien ein Ferienhaus in Frankreich. Im Falle einer Ehescheidung würde das zuständige Scheidungsgericht in Belgien auch über die Aufteilung ihres Vermögens einschließlich der beiden Immobilien in Frankreich und Belgien entscheiden.

Ein weiteres Beispiel: „Haben zwei Deutsche vor dem 29. Januar 2019 geheiratet und zum Zeitpunkt der Eheschließung und danach gemeinsam in Madrid gelebt, so gilt aus deutscher Sicht für ihre Ehe aufgrund der gleichen Staatsangehörigkeit grundsätzlich deutsches Güterrecht“, erklärt Rolf Tilmes. „Haben die beiden stattdessen am 29. Januar 2019 oder später geheiratet und ihren ersten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt nach der Eheschließung in Spanien begründet, gilt für die Ehe spanisches Güterrecht“, führt der Vorstandsvorsitzende des FPSB Deutschland aus.

Doch Lebenspartner könnten sich auch anders entscheiden: Als Ehegatten oder eingetragene Partner können sie eine schriftliche, von beiden Parteien datierte und unterzeichnete förmliche Rechtswahlvereinbarung treffen, um das für Ihren Güterstand geltende Recht festzulegen. Eine Rechtswahlvereinbarung kann vor, bei der Schließung oder während der Ehe oder eingetragenen Partnerschaft getroffen werden. Die Partner haben dabei die Wahl zwischen dem Recht des Wohnsitzlandes beider Ehegatten/Partner oder des Landes, dessen Staatsangehörigkeit der eine oder andere Ehegatte oder Partner besitzt, oder des Landes, in dem die Partnerschaft eingetragen ist.

Der Effekt: Die EU-Güterrechtsverordnung gibt Ehegatten eine weitgehende Rechtswahlmöglichkeit für das Güterrecht vor. Die Rechtswahl kann vor, aber auch noch nach der Eheschließung erfolgen und geändert werden. Die Mindestanforderung ist grundsätzlich die Schriftform, orientiert an den jeweiligen rechtlichen Begebenheiten eines jeden Landes.

Wichtig zu wissen: Nach dem EU-Recht erfasst das Recht des EU-Landes oder Drittstaats, das für den Güterstand des Pares gilt, dessen gesamtes Vermögen – und zwar unabhängig davon, wo dieses sich befindet.

Auch länger verheiratete Ehepaare können wählen

Länger verheiratete Paare sind, wie oben beschrieben, von der Rechtsänderung im Hinblick auf die Bestimmungen zum anwendbaren Recht erst einmal nicht betroffen. Allerdings konnten und können sie nach dem 29. Januar 2019 eine neue Rechtswahl treffen. Wurde somit früher für das anwendbare Güterrecht primär auf die gemeinsame Staatsangehörigkeit bei Eheschließung abgestellt, so knüpfen die Verordnungen nun vorrangig an den ersten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt der Ehegatten nach Eheschließung an. „Internationale Paare in allen Eheformen werden von mehr Rechtssicherheit profitieren“, resümiert Professor Tilmes.

Fazit: Nach Schätzungen der EU-Kommission leben in der EU rund 16 Millionen Paare mit untgerschiedlichen Nationalitäten. Für sie ist die EU-Güterrechtsverordnung wichtig. Bislang gab es häufig Streitigkeiten, wenn je nach Staatszugehörigkeit und Lebensmittelpunkt unterschiedliches Recht angewandt werden konnte.

Nun werden Streitfälle beim Ehegüterrecht und beim Güterrecht eingetragener Partnerschaften zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern besser geregelt. Finanzberatern und Vermögensverwaltern kommen als Schnittstelle zwischen den Betroffenen, Rechtsanwälten und Steuerberatern hier spezielle Beratungsaufgaben und eine besondere Verantwortung zu. Auch für sie bedeutet die neue Verordnung mehr Übersichtlichkeit.

Offenen Immobilienfonds boomen

Schlagworte: ,
Berater können Fondsanleger, die über Fonds in den Immobiliensektor investieren wollen, aber höhere Renditen erwarten, auf Immobilienaktien-Fonds verweisen.

Die Krise der offenen Immobilienfonds gehört endgültig der Vergangenheit an. Nach der Neuregulierung vor sechs Jahren ist das Vertrauender Anleger zurückgekehrt. Was Berater über die Immobilieninvestments in Publikums-Fonds wissen sollten.

Betongold
glänzt wieder

Nicht zuletzt das andauernde Niedrigzins-Umfeld dürfte eine entscheidende Rolle
spielen. Laut BVI lag das Netto-Fondsvermögen der offenen Immobilienfonds zum
Ende des ersten Quartals 2019 bei 101,1 Milliarden Euro. Damit wurde erstmals
die 100 Milliarden Euro-Grenze überschritten. Gegenüber dem Ende des ersten
Quartals 2018 bedeutete das einen Anstieg des Volumens um 8,4 Prozent.

„Das
Überschreiten der 100-Milliarden-Euro-Marke ist ein historischer Schritt für
die offenen Immobilien-Publikumsfonds. Das Wachstum und die anhaltend hohen
Mittelzuflüsse zeigen, dass die Nachfrage vonseiten privater Investoren
ungebrochen hoch ist und aktuell sogar weiter zunimmt “,
erläutert Michael Schneider, Geschäftsführer von IntReal, einer Service-KVG für Offene Immobilienfonds. „Offene Immobilienfonds,
die nach den Erfahrungen der Vergangenheit verbessert und rechtlich sicherer
ausgestaltet wurden, sind vielfach die einzige Möglichkeit für
Privatinvestoren, auch mit kleinen Beträgen ab 50 Euro in Immobilien zu investieren.“

Besonnen investieren

Der offene Immobilienfonds Leading Cities Invest von KanAm Grund zählt zu den
nach den gesetzlichen Regulierungen, die u.a. eine mindestens zweijährige
Haltedauer und eine einjährige Kündigungsfrist vorsehen, aufgelegten Produkten.
Der Fonds investiert gezielt in den Megatrend Wachstumsperspektiven der
Metropolen. Das Fondsmanagement nutzt zur Auswahl der Städte und der
Geschäftsimmobilien ein hauseigenes Scoring-Modell auf Basis ökonomischer Daten
und Sozialdaten. Der Boom im Sektor mit stark steigenden Preisen erfordert von
den Fondsanbietern in besonderer Weise Sorgfalt beim Aufbau des Portfolios.

Über
die Cash-Call-Strategie wird dafür gesorgt, dass bei Erwerb einer neuen
Immobilie ausreichend Geld zur Verfügung steht. Zudem werden bereits investierte
Anleger davor geschützt, dass zu viel Liquidität die Rendite verwässert.
Anleger können sich in Cash-Stop-Phasen allerdings bereits Anteile reservieren
lassen. Mit Stand vom 30.06.19 sind 33 Prozent bzw. neun Objekte des
Fondsvermögens in Deutschland investiert. Dazu zählt beispielsweise das
Dresdner Kugelhaus, eine der attraktivsten Einkaufslagen der Stadt. Mit 64,7
Prozent dominieren Büro-Immobilien, mit deutlichem Abstand gefolgt von
Industrie/Logistik-Nutzung (11,1 Prozent).

Immobilienaktien als Alternative

Berater können Fondsanleger, die über Fonds in den Immobiliensektor investieren wollen, aber
höhere Renditen erwarten, auf Immobilienaktien-Fonds verweisen.
Diese weisen allerdings ein anderes Rendite-/Risiko-Profil als
offene Immobilienfonds auf. Investoren müssen hier mit Chancen und Risiken des
Aktienmarktes rechnen. Zudem wird im Unterschied zu breit gestreuten Aktienfonds
nur in eine Branche investiert, was das Risiko zwischenzeitlicher Schwankungen
erhöht. Allerdings punkten Immobilienaktien beim Thema Liquidität.

Der DPAM Invest Real Estate Europe investiert beispielsweise in europäische
Immobilienaktien. Auf Sicht von fünf Jahren konnten Anleger 51,7 Prozent Ertrag
erzielen. Unter den Nutzungsarten dominieren aktuell Wohnimmobilien (29
Prozent) und Büroimmobilien (23 Prozent). 27,5 Prozent des Fondsvermögens sind
in Deutschland investiert, zu den Top-Holdings zählen Vonovia und Deutsche
Wohnen. DPAM-Fondsmanager Vincent Bruyère sieht europäische Immobilienaktien aktuell
mit einem zehnprozentigen Abschlag zum Net Asset Value gepreist. Zudem winken
stabile und tendenziell steigende Dividendenrenditen in Höhe von 4,2 Prozent.

Asset Manager: Das sind die Besten ihrer Zunft

Schlagworte: , , , , , ,
Bei den großen Gesellschaften hat im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres MFS Investment Management den ersten Platz mit einer Top-Rating-Quote von 62% verteidigt.

Vierteljährlich untersucht Scope mehr als 6.000 Fonds. Etwa ein Drittel der bewerteten Fonds erhalten derzeit ein Top-Rating. Allerdings verteilen sich diese nicht gleichmäßig über alle Fondsgesellschaften. Deshalb ist das Asset Manager Ranking so bedeutend für die Branche: Es weist jene Fondsanbieter mit der höchsten Top-Ratingquote aus. Das Rating wird dabei unterteilt in die Kategorie „Große Asset Manager“ mit mehr als 25 bewerteten Fonds und „Kleine Asset Manager“ mit weniger als 25 aber mehr als acht bewerteten Fonds.

Große Asset Manager: Der Titelverteidiger bleibt an der Spitze

Bei den großen Gesellschaften hat im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres MFS Investment Management den ersten Platz mit einer Top-Rating-Quote von 62% verteidigt. Fidelity folgt mit 58% auf dem zweiten Platz. Bemerkenswert dabei ist, dass Fidelity im ersten Quartal mit 53% Top-Ratings noch auf Rang sieben lag. Die Fondsgesellschaft macht innerhalb der Top Ten damit den größten Sprung. Legg Mason vervollständigt das Führungs-Trio mit einer Top-Ratingquote von 58%. Im ersten Quartal reichte es für Legg Mason noch zu Rang zwei.

Überhaupt: Im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 gab es deutliche Verschiebungen. Für den aktuellen Spitzenreiter MFS reichte es vor einem Jahr mit einer Top-Ratingquote von 47% nur zu Rang zehn. Dem amerikanischen Asset Manager ist es also innerhalb eines Jahres gelungen, seine Top-Ratingquote sowohl bei Aktien- als auch bei Rentenfonds signifikant zu verbessern.

Zurück in den Top Ten ist die Union Investment: 52% der 115 bewerteten Fonds halten aktuell ein Top-Rating Scope. Das reicht für Rang acht. Vor einem Jahr lag die Union Investment noch auf dem 13. Rang. Neu in den Top Ten sind First State und Investec. Beide Gesellschaften wurden vor einem Jahr noch in der Kategorie der kleinen Asset Manager geführt, da sie weniger als 25 Fonds in der Bewertung hatten.

Für die drei Aufsteiger in die Top Ten der großen Gesellschaften mussten drei andere Fondsanbieter das Feld räumen: Kepler, Vontobel und Allianz Global Investors besetzten vor einem Jahr noch die Plätze eins, zwei und sieben.

Kleine Asset Manager: Lupus Alpha weiter in Führung

Auch bei den kleinen Gesellschaften hat der Spitzenreiter aus dem ersten Quartal dieses Jahres seine Führung verteidigt. Lupus Alpha steht mit 88% Top-Ratingquote vor den beiden Zweit-platzierten Degroof Petercam und Wellington Management (beide mit 80%).

Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigen sich auch bei den kleinen Gesellschaften einige Verschiebungen. Aus den Top Ten verabschiedet haben sich Sparinvest und Dimensional. Zwei weitere Gesellschaften sind zu den großen Asset Managern aufgestiegen: First State und Investec, siehe oben.

An ihre Stelle sind vier neue Akteure getreten: Wells Fargo AM, Polar Capital Partners, Hermes Invest Management und SKAG. Die deutlichste Verbesserung ist bei Wells Fargo AM zu beobachten, deren Top-Ratingquote sich von 44% auf 78% verbesserte. Dies ist gleichbedeutend mit einem Sprung von Rang 18 auf vier.

Neben dem Spitzen-Trio – Lupus Alpha, Degroof Petercam und Wellington Management – konnten auch Comgest, Flossbach von Storch und T. Rowe Price ihren Platz in den Top Ten behaupten.

Sämtliche Ergebnisse der Top Ten der großen und kleinen Gesellschaften als Download im vollständigen Report.

Goldpreis erreicht neue Höhen

Schlagworte:
Das Edelmetall erreicht Sechsjahres-Hoch. Dafür gibt es einen guten Grund, sagen Finanzexperten

Der Goldpreis ist aus seiner
Lethargie erwacht: Seit Ende Mai kletterte der Preis je Feinunze um mehr als
zehn Prozent, von 1280 US-Dollar auf 1415 US-Dollar. Damit notiert das Edelmetall
so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr: Zuletzt hatte der Goldpreis die Marke
von 1400 US-Dollar im Mai 2013 überschritten. Seit Sommer 2018 hat das Edelmetall
seinen Wert damit um ein Viertel gesteigert. Die jüngste Rally ist
bemerkenswert: Obwohl der Handels­­­­krieg der USA mit China und der Brexit
seit über einem Jahr die Schlagzeilen beherrschen und die Zinsen seit
Ewigkeiten niedrig sind, hatte der Goldpreis sich lange Zeit kaum bewegt. Erst
in der letzten Mai-Woche war der Preis dann nach oben ausgebrochen.

Finanzexperten sehen vor allem einen
Grund für den Preisanstieg: Das jüngste Signal der Notenbanken, bis auf weiteres
billiges Geld in das System zu pumpen. „Richtig an Fahrt nahm der Preisanstieg
auf, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi und der Fed-Vorsitzende Jerome Powell
Mitte Juni die Tür für Zinssenkungen weit aufstießen“, sagt Carsten Fritsch,
Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank. Der Markt rechnet inzwischen mit drei
Fed-Zinssenkungen bis zum Jahresende. Die EZB könnte den ohnehin schon
negativen Einlagenzins im Juli noch einmal senken. Als Konsequenz dürften die
Anleiherenditen in den USA und Europa weiter fallen. Der daraus resultierende
Anlagenotstand lasse Investoren in andere Assetklassen ausweichen, erklärt
Fritsch. Und das bedeutet auch glänzende Zeiten für Gold-Investoren: „Als
zinslose Anlage gewinnt Gold durch die Negativzinsen an Attraktivität“, sagt
der Anlageprofi.

Auch der jüngste Konflikt zwischen
den USA und dem Iran hat den Goldpreis beflügelt. Die Lage am Persischen Golf
droht zu eskalieren: Im Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden eigenen
Angaben zufolge eine US-Drohne ab. Die USA verurteilten den Abschuss als „nicht
provozierten Angriff“ im internationalen Luftraum. US-Präsident Donald Trump
kommentierte auf Twitter, der Iran habe „einen sehr großen Fehler“ gemacht. Ein
weiterer Krisenherd ist der nach wie vor ungelöste Handelsstreit zwischen den
USA und China. Zwar haben sich die Fronten nach dem G20-Gipfel beruhigt, dafür
droht nun von anderer Seite Ärger. Im Herbst könnte nämlich Europa stärker in
den Konflikt hineingezogen werden, sollte US-Präsident Trump seine Drohung wahr
machen und neue Importzölle auf Autos erheben.

Starkes Plädoyer für Gold

Investoren, die eine geopolitische
Eskalation fürchten, wollen ihr Vermögen vor dem Worst Case – einem
dramatischen Kursverfall – schützen. Die Lösung dafür heißt für viele Anleger ebenfalls
Gold. Commerzbank-Analyst Fritsch hat seine Prognose für den Goldpreis daher
jüngst nach oben korrigiert. Statt bisher 1400 US-Dollar erwartet er nun bis
Jahresende einen Preis von 1500 US-Dollar je Feinunze.

Auch Michael Blümke, Portfoliomanager
beim Fondsanbieter Ethenea, rechnet mit einem steigenden Goldpreis. „Das
aktuell vorherrschende Makrobild, insbesondere die Erwartungshaltung bezüglich
mittelfristig weiter fallender Realzinsen, ist nach wie vor ein starkes Plädoyer
für Gold“, sagt der Experte. Blümke hält sogar eine Rückkehr zu alten
Höchstständen für möglich. Sein historisches Allzeithoch markierte Gold bisher während
der Euro-Krise im Jahr 2011 mit mehr als 1900 US-Dollar.

Zu sicher sollten sich
Gold-Investoren allerdings nicht sein: Kurzfristig könnte es durchaus noch zu
Rücksetzern kommen, sagt Blümke. Der Grund: Nach dem jüngsten Höhenflug könnten
viele Gold-Investoren über einen Verkauf nachdenken, um Gewinne mitzunehmen – allen
Risiken zum Trotz.