Finanzplaner kritisieren Ex-post-Kostentransparenz

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Seit Jahresanfang muss Kunden nachträglich offengelegt werden, was ihr Finanzprodukt tatsächlich gekostet hat. Der Verband der Finanzplaner warnt, dass die Regelung zu Fehlallokationen führen kann.

Die neuen Regeln unter MiFID II bestimmen mittlerweile den Alltag der Finanzindustrie. Die Branche stöhnt unter den zahlreichen Auflagen. Kein Wunder: Das alles kostet Geld und Zeit. Am Ende steht auch die Frage: Wer bezahlt den Mehraufwand, der durch die Umsetzung von MiFID II entstanden ist? Vermutlich der Kunde. Doch wo bringt man als Finanzdienstleister den Posten „Mehrkosten durch Regulierung und Verbraucherschutz“ sinnvoll unter? Seit Januar ist das jedenfalls nicht mehr ohne weiteres möglich, ohne Kunden massiv zu verschrecken. Denn seit Jahresanfang müssen Finanzdienstleister ihren Kunden Ex-post-, also nachträgliche Kosteninformationen zur Verfügung stellen.

Die Idee dahinter: Während der Kunde Ex-ante-Kosteninformationen, die seit Anfang 2018 Pflicht sind, entnehmen kann, mit welchen Kosten beim Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstruments zu rechnen ist, sollen die Ex-post-Kosteninformationen offenlegen, welche Kosten durch eine Finanzanlage tatsächlich entstanden sind. Laut BaFin gibt die Ex-post-Kosteninformation Kunden damit die Möglichkeit, die Aufstellung ihrer Kapitalanlagen zu überprüfen und daraus Handlungsoptionen abzuleiten.

Ob diese Idee in der Praxis funktioniert, sei jedoch fraglich, moniert etwa das Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB Deutschland). Das FPSB warnt in einer offiziellen Stellungnahme sogar: „Der Kostenausweis nach MiFID II begünstigt Anlage-Fehlentscheidung“. Das FPSB Deutschland leitet seine Meinung aus einer Befragung der an das FPSB angeschlossenen Finanzplaner ab, die ihre Erfahrungen mit MiFID II schildern sollten. „Soweit es die eingeführte Darstellung von Kosten beim Wertpapierkauf betrifft, ist ein Ergebnis der Umfrage unter unseren Zertifikatsträgern, dass diese bezweifeln, dass MiFID II tatsächlich zu mehr Transparenz führt“, resümiert der FPSB-Vorstandsvorsitzende Prof. Rolf Tilmes.

Finanzplaner warnen: „Vorgaben zur Kostendarstellung begünstigen Fehlentscheidungen der Anleger“

Dass die Kostentransparenz sogar zu Fehlentscheidungen der Anleger führen könne, begründen die CFP-Professionals mit einer Reihe von Argumenten. Ein erster Kritikpunkt betrifft die vorgeschriebene Ex-Ante-Kostendarstellung, bei der die Kosten einer Geldanlage über mehrere Jahre kumuliert als Gesamtsumme sowie als Prozentzahl ausgewiesen werden müssen. Das ist nach Erfahrung der befragten Finanzplaner für die meisten Kunden kaum verständlich. „Vielen ist nicht klar, was zum Beispiel 15 Prozent Gesamtkosten in fünf Jahren bedeutet“, sagt Tilmes. Zudem falle es den Kunden schwer, eine solche Zahl zu interpretieren und sie mit anderen Anlagemöglichkeiten zu vergleichen.

Produkte, die keine Kosten ausweisen – und trotzdem nicht umsonst sind

Besonders schwierig sei dadurch der Vergleich mit Produkten, die keine Gebühren ausweisen, sondern wie Sparbriefe und Tagesgeld die Kosten über den gebotenen Zins implizit berücksichtigen oder mit Anlagen wie Indexpolicen, die die Einnahmen des Anbieters in einem Algorithmus zur Renditeberechnung berücksichtigen. „Die Erfahrung ist, dass dies bei den Kunden zu Fehlentscheidungen führen kann“, warnt Tilmes. „Hier geht MiFID II am Ziel, den Anlegern auf Basis einer fairen Entscheidungsgrundlage zu der für sie passenden Anlageentscheidung zu verhelfen, vorbei.“

Unterschiedliche Kostenannahmen sorgen nicht für Klarheit

Zudem ergebe sich eine Divergenz zwischen den in den „Wesentlichen Anlegerinformationen“ ausgewiesenen laufenden Kosten und den Kosteninformationen im Kaufauftrag. Der Grund: Die Annahmen bezüglich der durchschnittlichen Transaktionskosten oder beispielsweise der erfolgsabhängigen Gebühren ist unterschiedlich. „Statt für Klarheit zu sorgen, verwirrt dies die Kunden“, so Tilmes.

Irreführende Performance Fee

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Aufnahme der Performance Fee mit dem Wert des jeweils letzten Jahres. Ein erfolgreicher Fonds werde dadurch im Folgejahr als teuer dargestellt, wohingegen ein Produkt mit schlechter Leistung kostengünstig erscheint. „Bei der Kostenkumulation über mehrere Jahre wird damit unterstellt, dass der Fonds einerseits eine sehr hohe Wertentwicklung hat, da die Performance Fee eingerechnet wird, andererseits die Anlagesumme als Basis der unveränderten Kostenquote gleichbleibt“, so der FPSB-Vorstand. „Im Ergebnis ergibt das eine überhöhte und unrealistische Kostenquote, die ebenfalls Fehlentscheidungen begünstigt.“

Zunehmende Papierflut

Ein weiteres Problem ist, dass die fix vorgegebene recht kurze Haltedauer von Wertpapieren zu höheren ausgewiesenen Gesamtkosten pro Jahr führt. „Hier wünschen sich die Kunden ausdrücklich, dass auch die Annahme einer längeren Haltedauer möglich sein müsste“, informiert Tilmes. Ferner erweist sich die Zustellung der Kosteninformation bei telefonischen Orders in der Praxis als sehr aufwändig. Das gelte insbesondere für ältere Kunden, die keinen Mailzugang und kein elektronisches Postfach haben. Zu Lasten der Kunden geht schließlich auch die Bedingung, dass dem Kunden vor Ordererteilung diese Kosteninformationen zugehen müssen, was die Auftragserteilung verzögert. Insgesamt bringe die sehr umfangreiche Kosteninformation eine enorme Papierflut mit sich, die manche Kunden nicht bewältigen können, so eine weitere Erfahrung der Finanzberater.

Lösungsvorschlag: Regelmäßige Informationen über Kosten mit Beispielrechnung

Als Alternative zu der derzeitigen Praxis schlägt Tilmes vor, Kunden einmal jährlich oder bei Anpassung der Gebühren eine generelle Information über die Höhe der anfallenden Kosten mit einem konkreten Beispiel zukommen zu lassen. Zudem sei es besser, die Performance Fee in ihrer Höhe – ähnlich wie die Wertentwicklung – als Wert der vergangenen Kalenderjahre in den „Wesentlichen Anlegerinformationen“ auszuweisen. „Insgesamt“, so das Fazit des FPSB-Vorstands, „wäre es wünschenswert, die ganzheitliche Finanzberatung, die auf eine gut durchdachte und auf die lange Frist angelegte Geldanlage ausgerichtet ist, regulatorisch zu fördern und zu unterstützen. Leider aber wird dies bis heute zugunsten der Vermittlung von Finanzprodukten ignoriert.“

Fazit: Das FPSB spricht zu Recht problematische Punkte der Gesetzgebung an. So kann insbesondere die Versicherungsbranche mit Hinweis auf interne Berechnungsformeln eine Reihe von Kosten in ihren Produkten verstecken. Hier sollte der Gesetzgeber tatsächlich nachbessern. Denn diese immer noch erlaubte Kosten-Verschleierungstaktik ist ein massiver Wettbewerbsvorteil der Versicherungsbranche gegenüber der Fondsindustrie. Eine jährliche „generelle Information mit einem konkreten Beispiel“ ist jedoch ein zumindest fragwürdiger Vorschlag, der den Eindruck erweckt, dass die Branche Angst vor mehr Transparenz hat.

Das erwarten Anleger von Asset Managern

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Die Mehrheit institutioneller Investoren glaubt zwar, dass aktive Manager am besten in der Lage sind, Anlagechancen zu nutzen. Doch nur wenige sind davon überzeugt, dass die Manager die Kosten wert sind.

Aktive Investmentmanager müssen sich mehr anstrengen, um Anleger zu überzeugen. Das zeigt eine neue Untersuchung von Allianz Global Investors. Der gestern veröffentlichte Report „Staying Active: Regaining trust in active management“ (“Aktiv bleiben: Wie Aktives Management Vertrauen zurückgewinnen kann”) zeigt, auf welche Bereiche sich die Branche konzentrieren muss, um den Mehrwert aktiven Managements deutlich zu machen.

Der Report beruht auf einer weltweiten Umfrage unter 500 institutionellen Investoren, die ein verwaltetes Vermögen von über 15 Billionen US-Dollar repräsentieren. Die Autoren kommen in diesem Report zu einem erstaunlichen Schluss: Die Befragten sagten zwar aus, aktive Manager seien am besten in der Lage, Anlegern bei der Bewältigung ihrer jeweiligen Herausforderungen zu unterstützen, das allgemeine Vertrauen in aktive Manager ist jedoch eher gering.

Weniger als ein Viertel (23%) der Befragten gab an, dass aktiv gemanagte Portfolios die Kosten wert seien. Im Gegensatz dazu sagten aber 61%, dass sie aktives Management für die beste Option bei gering korrelierten Märkten halten, und sogar 71%, dass aktive Manager am besten in der Lage sind, die Anlagechancen zu nutzen, die sich mit der digitalen Transformation bieten.

Performance ist der wichtigste Faktor bei der Auswahl der Anlagemanager, aber beileibe nicht der einzige. 48% der Befragten gaben an, dass Performance eine ihrer Top-3-Prioritäten bei der Auswahl sei. Die befragten Investoren haben aber auch eine klare Präferenz für weitreichende, langfristige Geschäftsbeziehung mit ihrem Investment Manager, der in der Lage ist, ihre Geschäftsziele und Herausforderungen verstehen (41%). Sie suchen auch nach Managern, die sich mit ihren sich verändernden Bedürfnissen weiterentwickeln (40%), was für beide Seiten vorteilhaft ist.

Fünf Wege, um Anleger zu überzeugen

Der Bericht nennt fünf
Schlüsselbereiche, denen sich Vermögensverwalter verstärkt widmen
sollten, um neues Vertrauen und langfristiges Engagement von Kunden zu
gewinnen:

  1. Innovative Risikoansätze: Weniger als die
    Hälfte der befragten Investoren ist der Meinung, dass sie über ein
    geeignetes Instrumentarium zur Bewältigung von Extremrisiken (“tail
    risks”) verfügt.
  2. ESG: 61% der Befragten sagen, dass
    aktive Manager besser als passive den Wert ihrer Anlagen im
    langfristigen Kundeninteresse begleiten, aber 60% sind verwirrt durch
    die unterschiedlichen ESG-Ansätze. Dennoch planen 72% der
    Institutionellen, ihr gesamtes Vermögen bis 2030 unter Berücksichtigung
    von ESG-Faktoren zu verwalten; 38% wollen dies schon 2025 erreichen. In
    Deutschland liegen die Zahlen noch höher: Über die Hälfte will bis 2025
    umstellen, bis 2030 sogar 83%.
  3. Alternative Anlagen: 45%
    werden durch ein Überangebot an neuen Produkten abgeschreckt, 61% würden
    mehr in alternative Anlagen investieren, wenn die Strategien
    transparenter und klarer wären.
  4. Einsatz neuer Technologien:
    61% der institutionellen Investoren glauben, dass aktive Manager besser
    Marktchancen nutzen, die durch den Einsatz von KI und Big Data
    entstehen.
  5. Innovative Gebührenmodelle: 68% sprechen sich für leistungsorientierte Gebührenstrukturen aus, in Deutschland liegt diese Zahl sogar bei 83%.

„Dieser Report ist ein Weckruf für die aktiven Vermögensverwalter, die noch nicht sehen, wie grundlegend sich unsere Branche verändert. In dem herausfordernden Marktumfeld von heute ist aktives Management wichtiger denn je“, sagt Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors. Tatsächlich könne nur aktives Management die Art von maßgeschneiderten Lösungen liefern, um vielen der genannten Herausforderungen in Bezug auf disruptive Technologien, innovative Gebührenmodelle und ESG adäquat zu begegnen, so Utermann.

Der Bericht befragte die Anleger auch nach ihren wichtigsten Sorgen für 2019, wobei 80% die Marktvolatilität nannten, 79% die Geldpolitik und 75% die Inflation. Fast 9 von 10 (87%) der Befragten sind der Ansicht, dass Anleger in dem Jahrzehnt seit der Finanzkrise in Bezug auf Risikomanagement „nachlässig“ geworden seien. Hier heben sich die Aussagen von deutschen Institutionellen zum Teil deutlich ab: Nur 65% sorgen sich wegen Inflation, und nur 75% monieren Nachlässigkeit seit der Finanzkrise.

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Bitte beachten: Diese Information richtet sich ausschließlich an Unternehmen, Berater und professionelle Anleger.


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Tim Marahrens ist Vice President im Transaktionsteam von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners AG und war unter anderem im vergangenen Jahr federführend für die Akquisition eines Anteils am c. 500 MW Onshore Windpark Projekt Nysäter gemeinsam mit E.ON in Schweden.

Kreditfonds boomen

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Private Kreditfonds gewinnen immer mehr an Bedeutung. Besonders bei der Finanzierung von Übernahmen mittelständischer Firmen steigt die Nachfrage. Wie stark der Markt sich entwickelt, zeigt eine aktuelle Studie.

Kreditfonds sind kein Geheimtipp mehr. Zum einen boomen direkte Kreditvergaben für Investitionen und Betriebsmittel. Vor allem aber bei der Finanzierung von Übernahmen mittelständischer Unternehmen sind Kreditfonds kaum noch wegzudenken. Die Kanzlei Ashurst schätzt, dass im vergangenen Jahr in Deutschland etwa die Hälfte der Akquisitionen im MidCap-Bereich mit privaten Kreditfonds gestemmt wurde. Daten des Analysehauses Preqin zufolge hat die Branche ihr Volumen in der vergangenen Dekade verdreifacht.

Vor allem sogenannte First-Out-/Last-Out-Finanzierungen, kurz Folo genannt, sind hier gefragt. Bei Folo-Finanzierungen werden vorrangige Bankdarlehen und die nachrangigen Finanzierungen der Kreditfonds kombiniert. Für Kreditnehmer ist das vorteilhaft, weil sie die Finanzierung nur mit zwei Häusern verhandeln müssen und die Kapitalkosten durch den Mix sinken.

Neue Studie untersucht Unternehmen, Kreditfonds und institutionelle Investoren

Die aktuelle Studie „Unternehmenskreditfinanzierungen durch Nicht-Banken in Deutschland“ der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI) hat die Entwicklung nun näher beleuchtet. Die Markt-Analyse der zentralen Interessenvertretung der Alternative-Investments-Branche ist die erste Studie zum Kreditfondsmarkt in Deutschland, die die Sichtweisen der drei relevanten Marktakteure Unternehmen, Kreditfonds und institutionelle Investoren gesamtheitlich darstellt. Neben den definitorischen und rechtlichen Grundlagen enthält die Studie einen aktuellen Marktüberblick und dezidierte Informationen zu den drei Marktakteuren, die insbesondere auf BAI-Umfragen und Interviews im Zeitraum Sommer/Herbst 2018 basieren.

Weiteres Wachstum für Kreditfonds in Sicht

„Der deutsche Mittelstand bietet viel Potential für das weitere Wachstum der Kreditfonds in Deutschland“, sagt Matthias Erb, BAI-Vorstandsmitglied. Es gebe tausende Unternehmen, die für eine Finanzierung durch Kreditfonds in Frage kommen und für die Kreditfonds ideale Begleiter für Wachstum und Übernahmefinanzierungen seien. Besonders bei längeren Laufzeiten, herausfordernden Geschäftsentwicklungen und im Sub-Investment-Grade-Bereich des deutschen Mittelstandes könnten Kreditfonds ihre Vorteile ausspielen.

Mittelständler haben in Deutschland derzeit die Auswahl unter rund 35 reinen Unternehmenskreditfonds, die laut Preqin-Daten im Jahr 2017 über ein Gesamtvolumen von ca. 17,5 Milliarden US-Dollar verfügten und im deutschen Mittelstand vor allem Wachstums- und Übernahmefinanzierungen bereitstellen. Diese Unternehmen liegen überwiegend im oberen Sub-Investment-Grade-Bereich und erzielen einen Umsatz zwischen fünf und 25 und 75 Millionen Euro. Die von den Kreditfonds bereitgestellten Kredite weisen mit fünf bis 100 Millionen Euro eine große Spreizung auf.

Große Nachfrage von institutionellen Investoren

Treiber des Wachstums bei Kreditfonds sind in erster Linie institutionelle Investoren. Dazu zählen nicht nur große, globale Versicherungskonzerne, sondern auch Pensionskassen, Versorgungswerke und viele weitere, eher kleinere Investoren. Der Hauptgrund für ein Engagement in Kreditfonds ist laut Studie die gute Rendite-Risiko-Relation, gefolgt von Diversifikation und die Verwendung als Anleihen-/Rentenersatz aufgrund stabiler regelmäßiger Erträge.

„Alle Investoren in Deutschland haben längst den Kreditfondsmarkt für Unternehmenskredite als festen Bestandteil ihrer Portfolioentscheidung einbezogen und sehen diesen als Alternative zu herkömmlichen Fixed-Income-Anlagen an. Da Corporate Private Debt in Deutschland auch auskömmliche Renditen und Besicherungen für Investoren bietet, wird sich dieser Markt auch von der Nachfrageseite her weiter positiv entwickeln“, sagt BAI-Vorstandsmitglied Andreas Kalusche.

Luxemburg als bevorzugte Fonds-Heimat

Domiziliert sind die in Deutschland tätigen Fonds vorwiegend in Luxemburg. Bislang haben nur kleinere Kreditfonds, die in den Bereichen Restrukturierung und Sondersituationen aktiv sind, ihren Sitz in Deutschland. „Aufgrund der europäischen Ausrichtung der meisten Kreditfonds ist die Wahl des Standortes Luxemburg nicht verwunderlich. Zwar wird in der Umfrage die deutsche Regulierung nicht grundsätzlich moniert. Gut abgestimmte und pragmatische Regulierung, aber auch bestehende Strukturen geben dann häufig eben doch Anlass für die Standortwahl Luxemburg“, sagt Frank Dornseifer, Geschäftsführer des BAI.

Positiver Ausblick

Insgesamt sieht der BAI das Thema Corporate Private Debt in Deutschland auf dem Vormarsch. Dieser Markt werde zukünftig an Breite und Tiefe gewinnen, so der BAI. Aufgrund der deutschen Wirtschaftsstruktur und der noch hohen Bankendichte werde sich diese Entwicklung beispielsweise von der in den USA unterscheiden. Das Wachstum in Deutschland werde nicht kontinuierlich, sondern wie bisher mit Schwankungen erfolgen und sich über die bisherigen Schwerpunktbereiche Übernahme- und Wachstumsfinanzierungen hinaus erstrecken.

Prospektfreie Anleihe-Emissionen: Wie Anbieter die Obergrenze austricksen könnten

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Die EU-Prospektverordnung erlaubt die prospektfreie Emission von Anleihen bis zu einer Obergrenze von unter acht Millionen Euro. Mit einem simplen Kniff können Anbieter jedoch deutlich höhere Beträge prospektfrei einsammeln.

Finanzmarkt-Regulierung ist eine ständige Gratwanderung. Einerseits sollen die Gesetze für mehr Transparenz und gleiche Chancen für alle Marktteilnehmer sorgen. Andererseits soll der Markt auch nicht abgewürgt werden. Das größte Problem dieser Gratwanderung: Die Kosten für die Erfüllung gesetzlicher Normen sind oft fix, unabhängig von den Finanzvolumina, um die es geht. Insbesondere kleinere Unternehmen haben damit zu kämpfen.

Um das Prinzip der Chancengleichheit einigermaßen zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber im Fall der EU-Prospektverordnung, die derzeit auf die nationale Zielgerade gebracht wird, in die Trickkiste gegriffen und Freigrenzen geschaffen, unterhalb derer kleinere Marktteilnehmer von allzu strengen Auflagen befreit werden. Die Verordnung ist seit 20. Juli 2017 in Kraft und soll ab dem 21. Juli 2019 in deutsches Recht umgesetzt und angewendet werden. Die Idee der Verordnung ist, dass Wertpapierprospekte einfacher und nutzerfreundlicher gestaltet werden.

Für die Anleger bedeutet das zwar weniger Komplexität, für die Emittenten von Finanzprodukten jedoch nicht weniger Aufwand. Um kleineren Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern, wurden deshalb großzügige Handlungs-Freiräume geschaffen: Für öffentliche Angebote von Wertpapieren mit einem Gesamtgegenwert in der EU von weniger als einer Million wird kein Prospekt verlangt. Zudem hat die Bundesregierung den Rahmen ihres nationalen Handlungsspielraums ausgeschöpft und die Schwellenwerte für die Prospektpflicht auf bis zu acht Millionen Euro heraufgesetzt. Ab Ende Juli ist für Anleihe-Emissionen von unter acht Millionen Euro demnach nur noch ein dreiseitiges Informationsblatt nötig. Die Idee: Kleine und mittlere Unternehmen werden so von Bürokratie und Kosten entlastet.

Ausweitung der Schutzzone

Wie das so ist mit Regeln: Wer sie anwendet, testet auch die Grenzen aus. Das zeigt ein aktueller Präzedenzfall, den die BaFin genehmigt hat. Demnach konnte ein Unternehmen für bis zu fast 32 Millionen Euro Anleihen ohne Prospektpflicht emittieren. Der Trick: Da die Prospektausnahme sich nicht auf die Emittenten, sondern auf die einzelnen Anleihen bezieht, können Unternehmen mehrere einzelne öffentliche Angebote mit einem Gegenwert von unter acht Millionen Euro auf den Markt bringen. Die einzelnen Angebote sind dann jeweils von der Prospektpflicht befreit.

Voraussetzung: Die angebotenen Anleihen müssen unterschiedliche Laufzeiten und Zinskupons aufweisen. Dann könnte der Emittent in dem konkreten Fall Privatanlegern bis zu drei unterschiedliche Angebote gleichzeitig prospektfrei anbieten. Statt des mehrere hundert Seiten dicken Wertpapierprospekts muss das Unternehmen hier jeweils nur ein drei DIN-A4-seitiges Wertpapier-Informationsblatt veröffentlichen. Als Joker könnte das Unternehmen parallel auch noch eine prospektfreie Bezugsrechtsemission von weniger als acht Millionen Euro als öffentliches Angebot emittieren. In diesem Fall wäre sogar ein gesamtes prospektfreies Volumen in Höhe von 31.999.996 Euro möglich.

Fazit: Die BaFin hat damit einen Präzedenzfall geschaffen, zugleich aber auch darauf hingewiesen, dass sie einen Missbrauch nicht dulden will. Sie will in jedem Fall prüfen und sicherstellen, dass es sich beim Angebot mehrerer Anleihen eines einzigen Emittenten um deutlich unterscheidbare Wertpapiere handelt. Sobald die Konstruktion mehrerer ähnlicher Anleihen zu erkennen ist, wäre dies ein Umgehungstatbestand und könnte von der BaFin als solcher geahndet werden.

Weekly update: Die Märkte am Montag

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Der deutsche Aktienindex kann die Gewinne der Vorwoche nicht verteidigen, China kauft weiter Gold, Renditen von Staatsanleihen steigen wieder. Die wichtigsten Nachrichten für die Börsenwoche.

DAX kann Gewinne nicht halten

Der Leitindex DAX kann zum Wochenauftakt die 12.000-Punkte-Marke nicht verteidigen und liegt mit 0,4 % im Minus bei 11.962 Punkten. Mit einem Plus von fast 500 Punkten bzw. gut vier Prozent hatte er am Freitag die Woche beendet. Der MDAX fiel im frühen Handel um 0,30 Prozent auf 25 468,40 Punkte.

Die Gewinner im DAX sind Henkel Vorzüge (+0,7%), EON (+0,5%) und Volkswagen (+0,8%). Bei den Verlierern steht SAP mit -1,8 % an der Spitze, Conti geben 1,5 % ab und Wirecard verlieren 1,4 %.

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Deutsche Exporte stark gefallen

Die Ausfuhren sind im Februar um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen, teilt das Statistische Bundesamt am Montag mit. Expertenkonsens war ein Rückgang um 0,5 Prozent. Die Auftragseingänge aus dem Ausland waren im Februar um sechs Prozent
eingebrochen.

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Börsen in Asien schließen nahe  Jahreshoch

Der Nikkei gab zum Wochenstart leicht nach, kann sich aber doch nahe seinem Jahreshöchststand halten: Aktuell steht der japanische Leitindex bei 21.761Punkten.

In Hongkong gewann der Hang Seng Index fast ein halbes Prozent und hat damit die 30.000 Punkte geknackt. Damit liegt er nur noch zehn Prozent unter dem All-Time-High vom Januar vergangenen Jahres.

Auf dem chinesischen Festland schloss der Shenzhen CSI 300 nahezu unverändert bei 4.057 Zählern nahe dem Jahreshoch. Seit Jahresbeginn haben die 300 größten Aktienwerte Chinas mehr als 30 Prozent zugelegt.

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Renditen steigen wieder

Nachdem die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe
Ende März – in Erwartung einer Abkühlung der Konjunktur – auf ein
12-Monatstief von 2,37 % gefallen war, steigt sie seit April wieder:
Aktuell rentiert die 10-Year-Treasury bei 2,50 %. Deutsche Bundesanleihen
mit zehn jahren Laufzeit haben die negativen Gefilde verlassen, die
positiven aber noch nicht betreten, will heißen: 0,0 Prozent Rendite für
die „Bunds“.

In Großbritannien zahlt die UK Gilt 1,11 %, Frankreichs Obligationen rentieren bei 0,37 % und in Italien werden 2,48 % ausgereicht.

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China im Goldrausch

Im vierten Monat in Folge hat China seine Goldbestände erhöht: 60,62 Millionen Unzen lagern nun in den Hallen der Zentralbank in Peking, umgerechnet 1.718 Tonnen im Gegenwert von knapp 79 Milliarden US$. Mehr als 23 Tonnen hat die PBoC seit Dezember dazugekauft. Die Nachricht half mit, den Goldpreis bei über 1.300 US$ zu stabilisieren.

China ist aktuell der größte Gold-Produzent und -Konsument. Insgesamt haben Regierungen im vergangenen Jahr 651 Tonnen Gold vom Markt gekauft. Die Investmentbank Goldman Sachs geht von anhaltender Nachfrage und einem Preis von 1.450 US$ pro Unze auf Sicht von zwölf Monaten aus.

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Norwegen kehrt Öl den Rücken

Die Arbeiterpartei Norwegens hat sich am Wochenende dafür entschieden, die Ölförderung bei den Lofoten in der Arktis nicht weiter zu verfolgen. Dort lagern geschätzte 16 Milliarden Barrel Öl und Gas im Meeresboden. Die norwegische Ölindustrie und die Gewerkschaften sind nicht begeistert, aber nun gibt es im Parlament eine solide Mehrheit, bei den Lofoten nicht bohren. Das trägt zu den weiter steigenden Preisen bei.

Der Preis für ein Fass der Sorte Brent hat am Freitag die 70-Dollar-Marke geknackt, aktuell steht er bei 70,63 US$ – ein neues Fünf-Monats-Hoch. Die US-Sorte WTI kostet 63,39 US$. Unterdessen droht Saudi Arabien den USA, Ölpreise nicht mehr in Dollar abzurechnen, falls der Kongress beschließt, das NOPEC-Gesetz zu verabschieden. Das soll Preisabsprachen zur Manipulation der Öl- und Gas-Märkte unter Strafe stellen. Sollte das Gesetz umgesetzt werden, will Saudi Arabien nicht mehr in Dollar abrechnen; die Scheichs produzieren täglich rund 10 Millionen Barrel, das gesamte Kartell etwas mehr als 35 Millionen Fass am Tag.

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Weitere Höhepunkte der Woche:

Am Mittwoch kommt die EZB zur Ratssitzung im April zusammen. Konkrete Entscheidungen werden wohl nicht getroffen, wohl aber Stellung bezogen zu wichtigen geldpolitischen Fragestellungen.

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Der 12. April ist das neue Datum für den Brexit – eigentlich. Was bis dahin passiert? Vielleicht gibt es mehr Klarheit nach dem EU-Sondergipfel am Mittwoch.

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Am Donnerstag gibt es das Update zu den Erzeugerpreisen in den USA für den März. Die Steigerungsrate war im Februar auf 1,9 % gesunken.

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Am Freitag legt China die Zahlen zu Ausfuhren und Einfuhren im März vor. Im Februar waren die Exporte um 20 % gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Importe gingen um 5,2 % zurück. Das schickte damals die Börsen in Asien kräftig auf Talfahrt.

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Alternative Investmentfonds sind auf dem Vormarsch

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Alternative Investments haben im vergangenen Jahr ein Volumen von 9,44 Billionen US$ erreicht. Viele Anleger wollen ihre Engagements in alternativen Investments sogar noch ausdehnen.

Das Research-Unternehmen Preqin hat eine Umfrage unter 400 Investoren durchgeführt und sie nach ihrer Meinung zu verschiedenen Asset-Klassen, die damit verbundenen Herausforderungen und ihre Planung für die nächsten zwölf Monate gefragt.

Das Ergebnis: Fondsmanager und Investoren stimmen weitgehend darin überein, dass wir uns auf dem Höhepunkt des Aktienmarktzyklus befinden und eine Korrektur bevorsteht. Die Asset-Bewertungen stehen allesamt auf Rekordniveau. Deshalb richtet sich der Blick nun auf Alternative Vermögenswerte, die allem Anschein nach die letzte Rezession recht gut überstanden haben.

Die Motivation für Investments in Alternative Assets ist dabei laut Preqin höchst unterschiedlich. Bei Private Equity suchen Investoren nach hohen absoluten und risikobereinigten Renditen, während sie bei Infrastruktur- und Immobilienfonds eher Inflationsabsicherung und stabile Einkünfte anstreben. Anleger auf dem Markt für Privatanleihen priorisieren hohe risikobereinigte Renditen. Bei Hedgefonds und Rohstoff-Fonds liegt die Motivation in der Diversifizierung und einer geringen Korrelation mit anderen Anlageklassen, berichtet Preqin.

Alternative Assets
Alternative Assets

Alternative Investments dienen in den Portfolios institutioneller
Investoren jeweils unterschiedlichen Zwecken und so überrascht es nicht,
dass die Anleger im Laufe der Zeit recht komplexere Portfolios
aufgebaut haben. Dabei wollen die Investoren laut Preqin sowohl in den
Assetklassen ausbauen, die überdurchschnittlich performt haben als auch
in solchen, die eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung aufweisen,
wie Rohstoffe und Hedgefonds.

Am höchsten sind die Erwartungen
der Anleger an Private Equity: Hier gehen 40 Prozent der
Umfrageteilnehmer von Renditen zwischen 14 und 19 Prozent pro Jahr aus.
Und zehn Prozent erwarten sogar Wertsteigerungen von über 20 Prozent.

Bei
Hedgefonds und Immobilienfonds hingegen erwartet die Hälfte der
Befragten Investoren lediglich Gewinne in Höhe von zwei bis sieben
Prozent pro Jahr.

Etwas positiver werden die Aussichten für
Rohstoffe, Infrastrukturfonds und Private Debt eingeschätzt. Jeweils
rund zwei Drittel der Anleger glaubt, dass hier Renditen von acht bis 13
Prozent zu machen sind.

Vergleichsweise düster werden die
Aussichten für die Entwicklung des Aktienmarktes eingeschätzt: 61
Prozent der Befragten glauben, dass der Peak des Aktienzyklus aktuell
erreicht ist, nur ein Fünftel ist der Meinung, wir befänden uns noch auf
dem Pfad der Erholung. Allerdings, so Preqin, führt das nicht dazu,
dass die Investoren ihr Anlageverhalten ändern wollen: 64 Prozent
glauben nicht, dass ihre Kapitalanlagen von den Bewegungen an den
Aktienmärkten betroffen sind, 26 Prozent wollen ihre Investments sogar
noch ausdehnen. Und  39 Prozent der Institutionellen Investoren glauben,
eine Korrektur an den Aktienmärkten sei in den nächsten zwölf Monaten
zu erwarten.

Britische Börsen von Brüssel betraft

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Die ESMA will die London Stcok Exchange als nicht mehr gleichwertig zu EU-Börsen einzustufen, sollte der harte Brexit kommen. Dann müssten Fonds britische Aktien auf illiquiden Festlandsbörsen kaufen.

Britische Blue Chips wie Vodafone, Rio Tinto, BP oder Royal Dutch Shell werden zu 90 Prozent in London gehandelt. Das könnte sich im Falle eines No-Deal-Brexit – auf den momentan einiges hindeutet – zu einem Problem für Asset Manager entwickeln: Die britischen Finanzplätze werden von der europäischen Marktaufsicht ESMA nach einem ungeregelten Brexit nicht als mehr als mit Börsen nach EU-Standard betrachtet. Die ESMA hat im März eine Liste mit 6.200 Aktien veröffentlicht, die bislang überwiegend in London gehandelt werden. Vermögensverwalter, die nach MiFID reguliert sind und dementsprechend unter die „best execution“-Regel fallen, müssten diese Aktien zukünftig auf kontinentaleuropäischen Börsen kaufen – wo jedoch nur wenig Liquidität in den Titeln ist. Das würde die Handelskosten für die Fonds in die Höhe treiben. Außerdem müssten Regeln erstellt werden, wie Hunderttausende Transaktionen mit britischen Aktien täglich an die ESMA berichtet werden – was die Komplexität zusätzlich erhöht.

Im Falle eines No-Deal-Brexit würde die London Stock Exchange aus Sicht der EU quasi ebenso behandelt wie die Börse von Kalkutta oder Bogota. Mit dieser harten Linie will Brüssel verhindern, dass sich Großbritannien bei einem No-Deal-Brexit über die Hintertür wieder Zugang zum europäischen Binnenmarkt verschafft. Der früheste Zeitpunkt, zu dem die Entscheidund der ESMA überprüft wird, ist in zwölf Monaten. Sollte der harte Brexit eintreten, müssten im übrigen auch die britischen Broker Aktien der Deutschen Bank, von Danone oder Philips zukünftig in London kaufen – zum Nachteil ihrer Kunden.

Allein die Aktien des britischen Leitindex FTSE 100 haben eine Marktkapitalisierung von zusammen über 2,1 Billionen Pfund (2,5 Billionen Euro). Zwar sind sie nicht im Euro Stoxx 50 gelistet, weil dieser nur auf Euro lautende Aktien einhält; aber Titel wie BP, HSBC, Unilever oder Diageo gehören zu den größten Aktiengesellschaften der Welt und sind fester Bestandteil in allen Aktienfonds und ETFs mit Schwerpunkt Europa.

Diese Argumente für die Altersvorsorge sollten Berater kennen

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Fünfzig Prozent der Deutschen sorgen fürs Alter vor. Das sind eschreckend wenige. Das heißt auch: Jeder zweite Deutsche hat sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Mit welchen Argeumenten Berater den Rest überzeugen können.

Finanzielle Altersvorsorge ist in aller Munde, sollte man meinen. Doch eine aktuelle Studie des Zinsportals WeltSparen zeigt: Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen sorgt finanziell nicht fürs Alter vor. Auffallend ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Nur 37 Prozent der Studienteilnehmerinnen und 43 Prozent der Studienteilnehmer kümmern sich um eine zusätzliche Altersvorsorge. Angesichts einer drohenden Rentenlücke im Alter ist diese Entwicklung besorgniserregend.

Nachvollziehbare Gründe fürs Nichtsparen

Doch warum sparen Menschen nicht fürs Alter? Diese Frage werden sich Finanzberater vermutlich häufiger stellen. Die WeltSparen-Studie bringt ein wenig Licht ins Dunkel. Demnach führen die Befragten zum Teil sehr gut nachvollziehbare Gründe an. Frauen zum Beispiel haben oft geringere Einkommen und Fehlzeiten durch Kindererziehung. So gab die Hälfte der weiblichen Befragten an, dass ihnen schlichtweg die finanziellen Mittel fehlen, um in zusätzliche Altersvorsorge zu investieren.

Tipp für Berater: Mit Hilfe eines Sparplanrechners, etwa auf der Website des BVI, lässt sich sehr einfach zeigen, wie sich auch mit kleinem Geld über die Jahre sehr leicht Vermögen aufbauen lässt. Beispiel: Eine Sparrate von monatlich 100 Euro – ein Summe, die weit unterhalb dessen liegt, was ein durchschnittlicher Raucher pro Monat für Zigaretten ausgibt – führt innerhalb von fünfzehn Jahren bei einem konservativ gerechneten durchschnittlichen Wertzuwachs von fünf Prozent per annum zu einem kleinen Vermögen von 26.596 Euro. Voraussetzung dafür ist die regelmäßige Investition in Fonds ohne Ausgabeaufschlag.

Emotionale Gründe fürs Nichtsparen, der Tod als Option

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung beim Thema Altersvorsorge ist laut Studie fehlendes Vertrauen. Dabei sind Männer viel kritischer als Frauen: 13 Prozent der befragten Männer trauen Angeboten zur privaten Altersvorsorge nicht, dagegen sind es nur zehn Prozent bei den Frauen. Die Studie des CFA Institute zum Thema Vertrauen „Why Trust Matters“ zeigt zudem: Jüngere Investoren vertrauen ihren Beratern mehr als ältere. Das wirft die Frage auf, ob Vertrauen mit der Zeit generell abnimmt. Die CFA-Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass der Schlüssel für mehr Vertrauen darin liegt, dass jüngere Menschen heute besser über Finanzprodukte und Finanzthemen informiert sind als ältere. Es geht also um gleiche Augenhöhe im Gespräch. Das belegt auch ein weiteres Ergebnis der CFA-Studie: Das Misstrauen bei Privatanlegern ist deutlich höher als bei institutionellen Investoren.

Tipp für Berater: Transparenz schafft Vertrauen. Wer in einer Pizzeria einem Pizzabäcker, der seine Pizza belegt und in den Ofen schiebt, schon einmal bei der Arbeit zugesehen hat, weiß, was damit gemeint ist. Anlegerberater können ebenfalls ihre Zutaten offenlegen: Kosten, Gebühren, die Offenlegung von Interessenkonflikten ist Anlegern wichtig. Zwar sind Berater schon per Gesetz dazu angehalten, doch wer hier ohne Aufforderung durch die Kunden oder den Hinweis auf die Gesetze offen eine transparente Atmosphäre aufbaut, schafft Vertrauen für die Beratung.

Es gibt einen weiteren skurrilen Grund fürs Nichtvorsorgen: Sieben Prozent der Teilnehmer der WeltSparen-Studie geben als Beweggrund für fehlende private Altersvorsorge an, dass sie nicht daran glauben, das Rentenalter zu erreichen. In der Altersgruppe der Menschen zwischen 18 und 44 Jahren gehen erstaunlicherweise 12 bis 13 Prozent der Befragten davon aus, dass der eigene natürliche Tod die Rentenlücke schließt. Und damit eine zusätzliche Altersvorsorge obsolet ist.

Tipp für Berater: Wie unrealistisch diese Erwartung ist, zeigt ein kurzer Blick in die Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO vom November 2018: Deutsche Frauen erreichen demnach im Durchschnitt ein Alter von 83,1 Jahren. Männer werden im Durchschnitt 78,2 Jahre alt.

Die Top 5-Produkte für die Altersvorsorge

Doch wie sieht die zusätzliche Altersvorsorge in Deutschland derzeit aus? Männer und Frauen setzen bei der Altersvorsorge erstaunlicherweise unterschiedliche Schwerpunkte, wenn es um die Wahl der passenden Finanzprodukte geht.

Laut Studie zählen zu den Top 5 bei den Frauen vor allem die Riester-Rente (40 Prozent), gefolgt von der betrieblichen Altersvorsorge (35 Prozent) sowie dem Investment in eine Immobilie, die selbst bewohnt wird (21 Prozent). Ergänzend dazu investieren 20 Prozent der befragten Frauen in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Fonds und 16 Prozent in Tagesgeld und Festgeld. Somit belegen bei den befragten Frauen die subventionierten Altersvorsorgearten Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge die ersten beiden Plätze.

Männer, die privat vorsorgen, bevorzugen laut Studie dagegen vor allem die betriebliche Altersvorsorge (38 Prozent). Wertpapiere wie beispielsweise ETF stehen bei 36 Prozent der befragten Männer als Instrument zur Altersvorsorge hoch im Kurs und somit an zweiter Stelle. Die subventionierte Riester-Rente (34 Prozent) belegt nur den dritten Platz. Die eigene Immobilie sehen 25 Prozent der Männer als passendes Instrument an, um finanziell fürs Alter vorzusorgen. Mit Tagesgeld und Festgeld sparen 23 Prozent der Männer für die Zeit im Ruhestand – ein geradezu erschreckend hoher Wert, der auf viel Unwissenheit rund um die Geldanlage schließen lässt.

Tipp für Berater: Ein Blick in die Statistiken zeigt, wie unterschiedlich sich verschiedene Anlageformen entwickeln – auch im Hinblick auf das Thema Risiko. Wobei es wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass Risiko oft mit Volatilität gleichgesetzt wird. Das ist ein weit verbreiteter Fehler. Zahlreiche Studien zeigen: Langfristig rentieren sich Aktien nicht nur besser als verzinsliche Anlagen, sondern bieten auch die größere Sicherheit. Deshalb sind Aktien-, Fonds- oder ETF-Sparpläne nicht nur unter Renditegesichtspunkten für langfristig orientierte Anleger am sinnvollsten.

Core Equity ETFs – ein innovatives Indexkonzept

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Die zunehmende Popularität von ETFs bringt neue Risiken mit sich. ETFs auf bekannte Indizes handeln fast alle am gleichen Tag, mit der Folge, dass Kursereignisse sich negativ im Markt durchschlagen können. Core Equity ETFs sollen solche Risiken reduzieren.

Was passiert, wenn die Mehrzahl der Aktien nicht mehr von aktiven Investoren nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage gehandelt, sondern von ETFs und Indexfonds gehalten werden, die nur passiv auf Marktbewegungen reagieren? Dies dürfte bald keine rein theoretische Frage mehr sein. Denn schon heute ist weltweit mehr als ein Drittel der Aktienanlagen in passiven Instrumenten investiert.

Der Trend hin zu passiven Fonds hat sich zuletzt noch beschleunigt. Bank of America Merrill Lynch und Moody’s haben in Studien festgestellt, dass in den USA etwa 38 Prozent aller Aktienanlagen in indexnachbildenden Fonds stecken und gehen davon aus, dass der Anteil schon ab 2020 auf 50 Prozent ansteigen wird. Was an sich erfreulich für die Branche ist, hat einen unangenehmen Nebeneffekt, der umso stärker hervortritt, je größer der Anteil der ETFs am verwalteten Wertpapiervermögen wird: Mit zunehmendem Marktanteil werden die entsprechenden ETFs volatiler, da immer mehr passives Vermögen auf immer weniger aktive Handelsaktivitäten reagiert.

Ein Beispiel dafür sind die mit den Aktienkursen verbundenen Risiken rund um Neugewichtungsereignisse. Solche Ineffizienzen werden einer Studie von Legal & General Investment Management (LGIM) zufolge vermutlich noch weiter zunehmen. Denn beliebte, auf Kernaktien fokussierte Indizes würden höchstwahrscheinlich zukünftig noch volatiler werden, so die Autoren.

Mit gleich einer ganzen Palette an neuen kostengünstigen ETFs reagiert LGIM auf diese Entwicklung. Anders als die Mehrzahl der Produkte in diesem Markt beschränken sich die von LGIM entwickelten Core Equity ETFs nicht darauf, die Wertentwicklung eines Standardindex abzubilden. Durch verschiedene Stellschrauben, an denen die Entwickler gedreht haben, sollen sich die Produkte besser entwickeln als der breite Marktdurchschnitt. Dafür hat LGIM bei der Konstruktion darauf geachtet, die Risiken, die mit extremen Handelsereignissen einhergehen, proaktiv anzugehen.

Vorteile bei der Indexumgewichtung

„Die überwiegende Mehrheit der Anbieter schlägt die Portfolios ihrer ETFs gleichzeitig mit den Anpassungen der zugrunde liegenden Indizes um“, erklärt Howie Li, Head of ETFs, der die Entwicklung sowie das Wachstum von ETFs bei LGIM leitet. „Das verursacht steigende Handelsvolumina und Kursvolatilitäten, die wiederum zu Handelsverlusten führen können. Durch den Siegeszug der passiven Investments werden diese Risiken immer weiter verstärkt. Mit unseren Core Equity ETFs vermeiden wir es daher bewusst, rund um die Index-Anpassungstage zu handeln“, so Li weiter.
Die Nachbildung von Indizes, deren Neugewichtungen nicht an Tagen mit hohem Tradingvolumen erfolgen oder die weniger Neugewichtungen vornehmen als andere Benchmarks, könne ebenfalls helfen, das mit unvorhersehbaren Kursschwankungen einhergehende Risiko zu vermeiden. So könne etwa ein Index, der zu einem anderen Zeitpunkt als dem Quartalsende neu gewichtet werde, die Massen meiden, die durch maßgebliche andere Indexanbieter mobilisiert werden.

Beim MSCI World machte der richtige Tradingzeitpunkt beispielsweise im Zeitraum von 2015 bis 2018 einen Unterschied zugunsten des Investors: Wurde bereits beim Ankündigungstermin einer Indexänderung gehandelt und nicht erst zum Umsetzungstermin dieser Änderung, bedeutete dies eine zusätzliche Performance von 6,5 Basispunkten pro Jahr. Und LGIM handle in der Regel noch vor der Ankündigung, sagt Li. Mit seinem neuartigen Indexierungsmodell definiert LGIM nach eigener Aussage das Segment der nach Marktkapitalisierung gewichteten Core Equity ETFs damit neu. Das Modell soll generell dazu beitragen, Investoren von durch Herdentendenzen ausgelösten unvorhersehbaren Handelsmustern zu schützen.

Performance-Faktor Nachhaltigkeit

Um Risiken zu minimieren, die sich auf die langfristige Anlageperformance auswirken können, stellen die neuen LGIM-ETFs zudem sicher, dass die Unternehmen im Portfolio Mindeststandards im Bereich Best Business Practices erfüllen. Ein Alleinstellungsmerkmal liegt darüber hinaus in der Integration der sogenannten Future-World-Protection-Liste von LGIM im Indexmodell.
Dieses Feature sorgt dafür, dass bestimmte Unternehmen vom Anlageuniversum ausgenommen werden. Gemeint sind Firmen, deren Geschäftspraktiken den globalen Mindeststandards nicht gerecht werden und die damit für Indexanleger zum Anlagerisiko werden können.

Konkret sind folgende Unternehmen derzeit vom Anlageuniversum der Core ETFs ausgeschlossen: Hersteller umstrittener Waffen, die willkürliche und unverhältnismäßige humanitäre Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben; Konzerne, die drei Jahre in Folge gegen den UN Global Compact (UNGC) verstoßen, wie beispielsweise VW sowie Betreiber von Kohlebergwerken, die ein signifikant hohes Niveau an Treibhausgasemissionen erzeugen und so zur beschleunigten globalen Erderwärmung beitragen.

„Es gibt klare Vorteile, die dafür sprechen, nicht in diese Aktien zu investieren. Dabei geht es um die Vermeidung von Risiken durch Unternehmen, die unserer Welt schaden. Außerdem besteht so die Möglichkeit höherer Erträge“, erklärt Li. Deshalb sind die betreffenden Unternehmen in der Future-World-Protection-Liste von LGIM erfasst, die alle sechs Monate aktualisiert wird.

Li betont, dass gegenüber klassischen Indizes, in denen die betreffenden Unternehmen enthalten sind, kein Performance-Nachteil bestehe: „Wir haben herausgefunden, dass beide Indizes fast genau die gleiche Volatilität und Performance aufweisen“, sagt Li.
Entwicklungspartner für die L & G Core Equity ETFs ist der Indexanbieter Solactive, der die speziell entworfenen Indizes verwaltet und berechnet. Diese sind so konzipiert, dass sie neu gewichtet werden, bevor viele der maßgeblichen Indexanbieter Änderungen an ihren Indizes ankündigen. Trotzdem korrelieren sie zu 99,9 Prozent mit den vergleichbaren Benchmarks. Die Core-Equity-ETF-Reihe wird durch die Portfoliomanager des LGIM-Index-Fund-Managementteams verwaltet.

Legal & General Core Equity ETFs: Innovativ & nutzwertig

Legal & General IM hat im Januar fünf börsengehandelte Aktienfonds auf den Markt gebracht. Die zugrunde liegenden Indizes der ETFs sind so konzipiert, dass Risiken minimiert werden, die sich aus den Massentrades von ETFs auf Standardindizes ergeben.

Immer mehr Aktien werden von ETFs und Indexfonds gehalten, die nur passiv auf Marktbewegungen reagieren. Mit zunehmendem Marktanteil passiver Indexinstrumente ergeben sich für Anleger neue Risiken: Durch Massenbewegungen passiver Instrumente, die einem singulären Kursereignis folgen, können Kettenreaktionen ausgelöst werden.
Ein Beispiel dafür sind Neugewichtungen von Indizes, die bei den betreffenden ETFs zu schwer kalkulierbaren Effekten führen können. Legal & General IM hat als Antwort auf dieses Problem eine Reihe von neuen ETFs auf den Markt gebracht, die durch ihre Konstruktion und ihr Handels-Timing solche Massenphänomen-Risiken reduzieren können.

Basis der neuen Strategien sind drei Säulen:

  • Konstruktion neuer Indizes, die nahezu identisch mit bekannten Standardindizes korrelieren. Neugewichtungen erfolgen hier jedoch nicht an Tagen mit hohem Tradingvolumen.
  • Anwendung der Future-World-Protection-Liste von LGIM. Hersteller umstrittener Waffen, Unternehmen, die laufend gegen den UN Global Compact verstoßen sowie Kohlebergwerke werden konsequent aus dem Anlageuniversum der LGIM Core ETFs ausgeschlossen.
  • Niedrige Gebühren. Durch eine pragmatische Methode der Indexreplikation zur Minderung von Indexineffizienzen werden die Kosten für Anleger gesenkt. Dabei sind die ETFs physisch repliziert und es wird keine Aktienleihe betrieben.
Produkt ISIN TER
L & G Europe ex UK Equity UCITS ETF DE 000 SLA 5XK 3 0,10 %
L & G US Equity UCITS ETF DE 000 SLA 5W7 7 0,05 %
L & G Japan Equity UCITS ETF DE 000 SLA 5XG 1 0,10 %
L & G Asia Pacific ex Japan Equity UCITS ETF DE 000 SLA 5XN 7 0,10 %
L & G Global Equity UCITS ETF DE 000 SLA 5XD 8 0,10 %

Dieser Beitrag erschien zuerst im Magazin TIAM – Trends im Asset Management 01/2019. Das Magazin können Sie hier abonnieren: http://www.tiam-magazin.de/bestellung