Investment-Konferenz: Wohin steuert die Konjunktur

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Auf der Investment-Konferenz von FondsConsult in Berchtesgaden trafen sich Asset Manager und Vermögensberater zum Austausch und um sich über die neuesten Trends bei Anlageprodukten zu informieren.

Alljährlich treffen sich Vertreter der Fondsbranche und führende Vermögensverwalter auf der Investment-Konferenz von FondsConsult, um sich auf hochkarätigen Podien über Konjuktur und Wirtschaft auszutauschen und sich über neue Trends und Produkte zu informieren.

Zum Auftakt der diesjährigen Konferenz gab Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von FondsConsult
einen Überblick auf das vergangene Jahr der Fondsbranche – und das
hatte es in sich: Der Nettoabsatz bei den Investmentfonds in Deutschland
hat sich zwar mit 141 Milliarden Euro im Jahresverlauf gegenüber dem Vorjahr (120 Mrd. €) etwas verbessert  – ist jedoch um Längen entfernt vom Wert von 2017, als 683 Milliarden Euro von der Fondsbranche eingesammelt wurden. Während Aktienfonds und Alternatives heuer Mittelabflüsse verzeichnen mussten, gehörten diesmal die Rentenfonds mit einem Plus von 233 Milliarden Euro zu den Gewinnern.  Kein Interesse hatten Anleger hingegen an Mischfonds, die praktisch keinen Cent vereinahmen konnten, während die Immobilienfonds sich mit plus 10 Milliarden Euro stabil hielten.

Über das Anlegen in unsicheren Zeiten und wie man den Sturm übersteht, referiert Karen Watkin, Portfoliomanagerin bei AllianceBernstein. Ihr Ansatz: Ein Einkommensportfolio so zu konzipieren, dass es über alle Märkte hinweg robust ist. Dabei strebt sie nach Maximierung eines hohen, stabilen Einkommens sowie Kapitalwachstum bei gleichzeitiger Fokussierung auf Abwärtsschutz.

Die Erfolgsfaktoren für aktives Stockpicking europäischer Wachstumswerte zeigt Matthias Born, CIO Equities und Head of Investmentsbei Berenberg, auf. Fallende Anleiherenditen und schwächere Aktienmärkte haben seiner Meinung nach die relative Attraktivität von Aktien deutlich erhöht. Deshalb rät er zu vorsichtiger Positionierung, wobei sich antizyklische Opportunitäten für mittel- bis langfristig orientierte Investoren ergeben können.

Auf die Folgen eines langsameren Bevölkerungswachstums in Kombination mit einer zunehmenden Überalterung weist Graham McDevitt, Global Strategist beim Asset Manager Macquarie, hin. Er warnt vor langfristig niedrigerem Wirtschaftswachstum und sinkenden Investmenterträgen.

Franz Schardax, Asset Manager bei Spängler IQAM Invest, hebt in seinem Vortrag  die Vorteile von Staatsanleihen aus Schwellenländern in Lokalwährung hervor. Seiner Ansicht nach zeichnen sich Emerging Markets  durch deutlich niedrigere Staatsverschuldung aus und und weisen darüber hinaus noch attraktive Zinsen auf.

Der Volkswirt Prof. Dr. Kai Carstensen sieht die Wirtschaftsstimmung im Sinkflug und versucht eine Antwort zu geben auf die Frage: Wohin
steuert die Konjunktur? Unsicherheit, so Carstensen, erwachsen vor allem aus dem Handelskonflikt der USA mit China, dem Ringen um eine Lösung beim Brexit und dem Iran-Konflikt. 

Mehr Licht oder mehr Schatten? – Warum Investoren Europa nicht vernachlässigen sollten

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Der ungelöste Brexit und der Handelskonflikt zwischen den USA und China lasten auf der konjunkturellen Entwicklung Europas. Der IWF hat die Wachstumsprognose 2019 für die Eurozone leicht von 1,3 auf 1,2 Prozent gesenkt. Vorausschauende Anleger können frühzeitig auf positive Signale setzen.

Deal
in letzter Minute?

Während die Fronten zwischen Großbritannien und der EU verhärtet schienen,
mehren sich in den letzten Tagen die Signale, dass ein Deal wieder
wahrscheinlicher werden könnte. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in
Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock verweist auf
das steigende britische Pfund, mit dem optimistische Marktteilnehmer bereits
eine Einigung feiern. „Sollte es tatsächlich gelingen, im Austrittsabkommen
eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Land Republik Irland zu
vermeiden, könnte der in Großbritannien so verhasste „Backstop“ aus dem
Vertragswerk entfernt und das Abkommen somit doch noch unterzeichnet werden, so
der BlackRock-Stratege.

Rückenwind für Euro-Aktien

„Alles, was einem geordneten Brexit nahekommt, würde ein wichtiges Argument
nehmen, warum ausländische Investoren die europäische Region für nicht
investierbar halten“, erläutert Koen Bosquet, Fondsmanager des DPAM Invest B Equities Euroland. Ein weiterer Faktor, der aus Sicht des Fondsmanagers
Euro-Aktien Rückenwind geben würde, wäre ein Handelsabkommen zwischen China und
den USA. Auch wenn es nur eine partielle Einigung gäbe, würde es aus Bosquets
Sicht wahrscheinlich den verarbeitenden Teil der Weltwirtschaft wiederbeleben,
der derzeit jede Erholung behindert. Der Degroof Petercam-Experte erwartet in
diesem Positiv-Szenario eine globale Rally von unterbewerteten Titeln. So
könnte der europäische Bankensektor, der an starkem Gegenwind durch niedrige
Zinsen, einer starker Regulierung und den Herausforderungen durch digitale
Wettbewerber leidet, profitieren: „Angesichts der Bewertung und des Potenzials,
hohe Dividenden zu zahlen, werden einige von ihnen (wie KBC oder ING)
kurzfristig eine relativ bessere Performance erzielen“, so der Fondsmanager.
Längerfristig sieht er die Gefahr, dass Geschäftsmodelle europäischer
Unternehmen besonders stark von Disruption betroffen sein könnten. Allerdings würden
europäische Konzerne, da sie sich bereits früh mit grüner Technologie
beschäftigt haben, vom Kampf gegen den Klimawandel profitieren. „Einige der
traditionellen Versorger oder sonstigen Energieunternehmen könnten
überraschende Gewinner sein“, so Bosquet.

Schwächstes Glied

Aus Sicht der Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Unigestion machte der
Mangel einer klaren Regierungsführung Europa zum schwächsten Glied in der
Investment-Welt. Allerdings nehmen die Experten auch positive Signale wahr: „Wir
sehen (sehr) frühe Anzeichen einer Makrostabilisierung und das Konsumwachstum
sieht solide aus. Zudem gibt es zu viel Pessimismus an den Märkten, während die
ersten Anzeichen einer Verbesserung sichtbar werden.“ Die Kapitalmarkt-Strategen
benötigen aus ihrer Perspektive noch mehr Signale, um ihren Glauben an einen Aufschwung
in Europa zu stärken. Allerdings haben sie bereits begonnen, ihre defensive
Positionierung in der Region zu reduzieren: „Ein vollendeter Makro-Tiefpunkt in
Europa könnte eine „Value“-Rallye auslösen und zu einer
Outperformance der europäischen Aktien führen.“

Blick aufs Wachstum

Der Asset-Manager Bantleon sieht Licht am Ende des konjunkturellen Tunnels in
der Eurozone. Die Experten gehen im dritten Quartal von einem Wachstum des
Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone von 0,1 bis 0,2 Prozent. Für das laufende
Quartal rechnen sie mit Wachstum in ähnlicher Höhe: „Blickt man auf das 1.
Halbjahr 2020, hellen sich die Perspektiven aber auf. Mit der erwarteten
Trendwende wichtiger Frühindikatoren im laufenden Quartal sowie einem vor allem
für Deutschland wichtigen Anziehen der Auslandsnachfrage wäre der Boden für
Quartalswachstumsraten in Höhe des Potenzialwachstums (0,3 bis 0,4 Prozent) im
nächsten Jahr bereitet.“

Die 10 besten Europa-Aktienfonds der letzten 5 Jahre
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Quelle: BÖRSE ONLINE