Verbraucherschutz oder Gängelung?

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Anfang 2018 trat in Deutschland die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II in Kraft. Während die betroffene Industrie immer wieder beklagt, das Gesetz würde Kunden entmündigen und sei ein bürokratischer Alptraum, zeichnet eine aktuelle Untersuchung der zuständigen Aufsichtsbehörde Bafin jetzt ein völlig anderes Bild. Kurz gesagt: Die Branche flucht, die Kunden applaudieren.

Seit eineinhalb Jahren gelten in
Deutschland neue Regeln für den Verkauf von Aktien, Fonds und bestimmten
Versicherungen. Die sogenannte Mifid-II-Richtlinie verpflichtet
Finanzdienstleister dazu, alle Telefongespräche aufzuzeichnen, die einen Bezug
zu einem Wertpapierauftrag haben. Zudem müssen Anbieter von Anlageprodukten
deutlich mehr Informationen zur Verfügung stellen als früher. Aus der
Finanzwelt hagelt es seit Einführung der neuen Regeln Kritik: Die EU-Richtlinie
sei „ein Ärgernis für die Kunden, ein Alptraum für Kreditinstitute und Berater
und erweist dem Anlegerschutz und der Wertpapierkultur in Deutschland einen
Bärendienst“, schimpfte beispielsweise Andreas Krautscheid,
Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes (BdB), gleich nach Inkrafttreten des
EU-weiten Regelwerks.

Die Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat nun in einer groß angelegten
Verbraucherumfrage ermittelt, was die Privatanleger von den Regeln halten und
wie diese darauf reagiert haben. Das Ergebnis unterscheidet sich zum Teil
deutlich von den Aussagen der Bankenlobby: So halten zum Beispiel 71 Prozent
der Befragten eine Aufzeichnung von Beratungsgesprächen am Telefon, die seit
Mifid-II gefordert ist, für sinnvoll. Nur 24 Prozent sehen darin keinen Sinn.
Jeder Zweite wünscht sich zwar, der Aufzeichnung bei Bedarf widersprechen zu
dürfen. Derzeit ist das so nicht möglich. Umgekehrt hat aber nur eine
Minderheit der Befragten das Gefühl, Informationen verschweigen zu müssen, weil
die Bank das Gespräch nun aufzeichnet. 83 Prozent gaben an, genauso offen mit
ihrem Berater zu sprechen wie in der Zeit ohne Mitschnitt.

Auch die sogenannte Geeignetheitsprüfung
kommt bei Anlegern mehrheitlich gut an. Sie löst das klassische
Beratungsprotokoll ab und soll sicherstellen, dass ein empfohlenes
Finanzprodukt den Bedürfnissen des Kunden entspricht. Drei Viertel aller
Befragten halten eine solche Prüfung für sinnvoll, zeigt die Umfrage.
Allerdings lesen sich nur 60 Prozent der Umfrageteilnehmer die
Geeignetheitserklärung auch durch. Ähnliches gilt für den sogenannten
Ex-ante-Kostenausweis. Er soll Anleger über alle Kosten und Gebühren einer
Wertpapieranlage informieren. In der Umfrage gaben nur 42 Prozent der Befragten
zu Protokoll, das Dokument gelesen zu haben. Als Grund gaben die Nichtleser an,
die Informationen seien zu umfangreich oder nicht von Interesse.

Banken kritisieren das Ergebnis

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch
eine Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Banken-Dachverbands
Deutsche Kreditwirtschaft (DK). Demnach hat nicht einmal die Hälfte der Kunden,
die seit der Einführung von Mifid-II Wertpapiergeschäfte getätigt haben, die
Kosteninformation durchgelesen.

Das Befragungsergebnis, das die
Aufzeichnung von Telefongesprächen bei den Befragten überwiegend gut ankäme,
teilt die DK hingegen nicht. „Viele Kunden haben sich aus dem Telefongeschäft
bereits zurückgezogen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. „So
ist bei deutschen Banken und Sparkassen die Anzahl telefonisch erteilter Orders
um die Hälfte eingebrochen, und drei Viertel aller Kunden möchte am liebsten
auf die Telefonaufzeichnung verzichten.“ Dass die BaFin-Studie zu anderen
Zahlen kommt, lässt sich aus Sicht der DK damit erklären, dass die
Studienautoren nur Kunden gefragt haben, die auch nach Mifid-II noch
telefonische Kaufaufträge erteilen.

Vermögensverwalter-Zertifikate zum Selberbauen

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Mit der Social-Trading-Plattform Wikifolio können auch Vermögensverwalter eigene Produkte emittieren. Das ist deutlich unkomplizierter, als einen Fonds aufzusetzen. FundResearch zeigt die Vor- und Nachteile.

Die vielleicht trendigste Plattform auf dem Markt der Finanzderivate ist seit einigen Jahren die Social-Trading-Plattform Wikifolio. Die Website macht es möglich, innerhalb einer Stunde ein eigenes Portfolio zu entwickeln und dies nach einem kurzen Testlauf als Zertifikat zu emittieren, falls sich genügend Anleger mit ausreichend Investitionszusagen dafür interessieren. Für Vermögensverwalter kann die Trading-Plattform mehr als nur Spielerei sein, wie einige Anbieter beweisen.

Das Prinzip funktioniert so: Wie bei einem Fonds werden hier Wertpapiere in einem Portfolio gesammelt, allerdings nicht als Sondervermögen wie bei einem Fonds, sondern in Form eines besicherten Zertifikats. In der Umsetzung bedeutet das, dass jedes Wikifolio-Zertifikat, kurz Wikifolio genannt, eine Schuldverschreibung ist. Der Wert dieser Schuldverschreibung entspricht dem Portfolio dieses Wikifolios. Emittiert werden die Zertifikate nicht vom Unternehmen wikifolio Financial Technologies AG, sondern vom Finanzdienstleister Lang & Schwarz Tradecenter AG & Co. KG. Das Unternehmen sorgt mit einer Besicherung und der damit verbundenen Verpfändung von eigenen Wertpapieren und Geldkonten dafür, dass Anleger den Wert ihres jeweiligen Zertifikats ausgezahlt bekommen – selbst dann, wenn wikifolio Financial Technologies oder Lang & Schwarz nicht mehr zahlungsfähig sein sollten. Damit rücken die Zertifikate unter dem Gesichtspunkt der Anlegersicherheit nahe an Fonds heran.

Weniger Aufwand als ein Fonds

Aus Sicht von Vermögensverwaltern haben Wikifolios gegenüber Fonds einige Vorteile: Das Aufsetzen eines Vermögensverwalter-Zertifikats lässt sich in kürzester Zeit erledigen. Ein Vorsprechen bei der BaFin ist nicht nötig, es gibt keine Aufsicht über Käufe und Verkäufe. Nur eine KWG-Lizenz ist gefragt.

Die wikifolio Financial Technologies AG trennt hier scharf zwischen Finanzberatern und Vermögensverwaltern. Wer unter der Rubrik Vermögensverwalter-Wikifolio ein Zertifikat emittiert, muss die Bafin-Lizenz zur Finanzportfolioverwaltung vorlegen und bekommt auch nur dann für seine Wikifolios die speziellen Konditionen für Vermögensverwalter.

Einige Vermögensverwalter nutzen Wikifolios vor allem intern. Die Zertifikate werden gezielt an eigene Kunden verkauft. Zwar können die Zertifikate theoretisch auch extern eine Wirkung entfalten, mit einem Wikifolio können Vermögensverwalter interessierten Anlegern immerhin ihre Strategie vorführen und das Zertifikat direkt über die Börse EUWAX verkaufen. Sie können über Webinare auf der Wikifolio-Website potenzielle Kunden ansprechen und zuweilen auch in Interviews in Börse Stuttgart TV auftauchen. Mit dem hausinternen Sender der Stuttgarter Börse hat die wikifolio Financial Technologies AG eine Marketingkooperation. Zudem sind Vermögensverwalter auch auf Messeauftritten des Unternehmens und seiner Website präsent.

Das klingt zunächst vielversprechend und mag dem einen oder anderen Vermögensverwalter einen neuen Kontakt gebracht haben. Im Gespräch mit einigen Finanzprofis wird allerdings schnell deutlich, dass die Publicity-Wirkung in der Praxis offensichtlich nicht besonders groß ist.

Weniger Gewinn

Wikifolios sind in einer Hinsicht eine revolutionäre Entwicklung: Jeder kann ohne viel Aufwand ein Zertifikat emittieren und gegebenenfalls damit Geld verdienen. Die Gebühren der Papiere lassen sich so steuern, dass der Ertrag, prozentual am Volumen gemessen, vergleichbar mit Fondsgebühren ist. Vermögensverwalter bekommen die Hälfte der jährlichen Gebühren ihres Wikifolios, das sind unterm Strich immerhin 0,475 Prozent per annum. Dazu kommt eine Performancegebühr zwischen 5 und 30 Prozent nach dem High Watermark-Prinzip. Damit auch nach einer starken Kurskorrektur trotzdem noch etwas für die Vermögensverwalter abfällt, wird diese High Watermark zu jedem Jahresbeginn wieder auf null gesetzt.

Der Fluch der großen Zahl

Man kann sagen: einfacher als mit Wikifolio.de ein Zertifikat zu emittieren, geht es kaum. Die Stärke von Wikifolio.de, nämlich ohne viel Aufwand ein Wertpapier zu entwickeln und zu emittieren, ist zugleich ein Problem für professionelle Portfoliomanager. Denn wenn etwas so leicht und dazu noch kostenlos ist, geht man schnell in der Masse derjenigen unter, die einfach nur spielen wollen.

Konkret: Es gibt derzeit rund 7.500 investierbare Wikifolios, darunter befinden sich 86 Zertifikate von Vermögensverwaltern. Die Aufmerksamkeit derjenigen Anleger, die sich dafür interessieren, in Wikifolios zu investieren, ausgerechnet auf diese von Profis gemanagten Papiere zu lenken, ist eine Herausforderung. Das zeigt sich schon daran, dass gerade einmal vier Vermögensverwalter-Wikifolios bisher mehr als eine Million Euro einsammeln konnten.

Zum Vergleich: In das volumenstärkste Zertifikat auf der Wikifolio-Website haben Anleger rund 14 Millionen Euro investiert. Auf den Plätzen folgen Wikifolios mit zehn, acht und sieben Millionen Euro. Aber überhaupt nur etwa 60 Wikifolios verwalten mehr als eine Million Euro. An diesen Zahlen wird deutlich: Vermögensverwalter-Wikifolios generieren in der Regel keine großen Volumina, jedenfalls nicht außerhalb des eigenen Kundenstamms.

Fazit

Mit Wikifolios können Vermögensverwalter zeigen, was sie drauf haben, doch eine komplexe Strategie lässt sich damit nicht umsetzen. Das liegt schon allein daran, dass sich in Wikifolios keine Anleihen oder andere Zinspapiere verwalten lassen. In den Zertifikaten können nur die Kursentwicklungen von Aktien, ETFs, Fonds, Hebelzertifikaten und  Optionsscheinen abgebildet werden.

Ideale Bedingungen für europäische Aktien oder droht der Abschwung?

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Donald Trump und Xi Jinping haben sich noch immer nicht geeinigt. Geht der Streit zu Lasten der europäischen Wirtschaft? Für Nordea-AM-Experte Sébastian Galy könnten die Bedingungen für europäische Aktien derzeit kaum besser sein. Edmond de Rothschild AM-Experte Benjamin Melman dagegen meint: Nach den Chinesen nimmt Trump sich die Europäer vor.

Eine nachgiebige EZB, niedrige Inflation und ein sich erholendes Wachstum in Europa – für Sébastian Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, herrschen gerade ideale Voraussetzungen für Kurssteigerungen bei europäischen Aktien. Auch die im Herbst anstehende Wahl des neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) verunsichert Galy nicht. Einzig der Handelsstreit zwischen China und den USA bereitet ihm Sorgen. „Der US-Präsident scheint aus Überzeugung zu handeln, während China seine Souveränität, seinen Status und seine Dominanz bedroht sieht“, sagt Galy. Keine leicht zu vereinbaren Positionen.

Der Nordea-Stratege geht davon aus, dass der Handelsstreit zum G20-Gipfel Ende Juni seinen Höhepunkt erreicht. Bleiben US-Präsident Donald Trump und der chinesische Parteiführer Xi Jinping weiterhin stur, leidet auch die europäische Wirtschaft. Denn geht das chinesische Wirtschaftswachstum zurück, schrumpft auch die Nachfrage nach europäischen Produkten, sagt Galy. Die Einbußen seien für Deutschland und Europa aber zu verkraften.

Benjamin Melman, CIO Asset Allocation and Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management befürchtet eine Eskalation zwischen den USA und China mit deutlich weitreichenderen Folgen für europäische Anleger: „Kurzfristig droht ein Handelskrieg.“ Donald Trump könnte den Handelsstreit mit China bis ins Jahr 2020 hinein weiter anfachen, warnt der Edmond de Rothschild AM-Experte. Denn dann steht die nächste US-Präsidentenwahl an. Die protektionistische Haltung könnte Trump, der erneut kandidieren will, Stimmen bringen.

„Die Unterstützung der Fed ist nicht grenzenlos“

Noch spiele die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das Spiel mit, sagt Melman. Immerhin lässt die Fed durchblicken, dass der Leitzins bald sinken könnte. Angehoben wurde er schließlich, als die US-Wirtschaft deutlich runder lief. Nun lässt das Wachstum nach. Der Streit mit China drückt bei amerikanischen Anlegern und Unternehmern gleichermaßen auf die Stimmung. Ein niedrigerer Leitzins könnte den aktuellen Aufschwung länger aufrechterhalten.  „Aber die Unterstützung der Fed ist nicht grenzenlos“, sagt Melman.

Sollten Trump und Jinping sich einigen, würde dies zumindest die chinesische und US-amerikanische Wirtschaft entlasten. Aber was wäre mit Europa? „Sobald ein Abkommen mit China unterzeichnet ist, wird die Ruhe Trump die Möglichkeit geben, sich dem Automobilimport und dem Handel mit Europa zuzuwenden“, sagt Melman. Schon vor langer Zeit hatte der US-Präsident gefordert, Autoimporte aus Europa mit höheren Zöllen zu belegen. Macht Trump diese Ankündigung wahr, würde das ohnehin niedrige Wirtschaftswachstum Europas weiter Schaden nehmen.

UCITS knacken zehn Billionen Euro

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Fondsanbieter konnten im ersten Quartal Produkte für netto 50 Milliarden Euro absetzen. Nun hat das Volumen der in UCITS invitierten Vermögen in Europa zum ersten Mal die zehn-Billionen Euro-Grenze überschritten.

Ende März waren genau 10.004 Milliarden Euro in europäische UCITS-Fonds investiert. Das geht aus der Vierteljahresstatistik der European Fund and Asset Management Association EFAMA hervor. Unter dem Strich konnten die Fondsgesellschaften von Januar bis April Investmentfonds im Wert von 69 Milliarden Euro verkaufen. Darüberhinaus wurden ETFs für etwas mehr als 25 Milliarden Euro abgesetzt. Das Marktvolumen der passiv gemanagten UCITS-Fonds liegt nun bei 715 Milliarden, das entspricht etwa sieben Prozent der aktiv gemanagten Fonds. Nach dem schlechten vierten Quartal des Vorjahres bedeuten die Mittelzuflüsse in Höhe von insgesamt fast acht Prozent eine deutliche Erholung des Markets.

Auch die Alternativen Investmentfonds (AIF) konnten im ersten Quartal erhebliche Summen einsammeln. Anleger aus Deutschland und der Schweiz kaufen AIF im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro, während Niederländer und Franzosen sich von Anteilen trennten; der Nettomittelzufluss im ersten Quartal betrug  rund 27 Milliarden Euro bzw. 6,4 Prozent. Ende März lag das Volumen der AIF in Europa bei 6,23 Billionen Euro.

Beliebteste Asset-Klasse bei den UCITS-Investmentfonds sind Aktien; hier sind 3,85 Billionen Euro investiert, während auf Anleihen 2,72 Billionen Euro entfallen. Multi-Asset-Fonds haben ein Volumen von 1,84 Billionen Euro und Geldmarktfonds 1,20 Billionen Euro.

Während bei den UCITS-Fonds die Gesamtzahl der verfügbaren Produkte um 200 auf nun 33.570 gegenüber dem Ende 2018 leicht angestiegen ist, reduzierte sich die Zahl der Alternativen Investmentfonds um fast fünfhundert auf nun 28.106. 

Asset Class
Asset Class

Quelle: EFAMA

Billionenmarkt Nachhaltigkeit

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Auch 2018 investierten Anleger in Deutschland wieder Rekordsummen in den Markt für nachhaltige Geldanlagen, zeigt eine aktuelle Studie. Dabei werben längst nicht mehr nur Unternehmen mit nachhaltigen Strategien um die Gunst der Anleger. Auch für Staaten wird das Thema immer wichtiger.

Egal ob im Supermarkt, im
Modegeschäft oder beim Autokauf: Nachhaltigkeit ist zu einem Schlagwort
geworden, das allgegenwärtig ist – auch in der Finanzwelt. 2018 haben
Investoren in Deutschland erneut Rekordsummen in nachhaltige Geldanlagen
investiert, zeigt der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen
(FNG). Ende vergangenen Jahres lag das nach sozialen, ethischen und
ökologischen Kriterien angelegte Vermögen in Deutschland bei rund 219,1
Milliarden Euro. Das sind 48 Milliarden Euro mehr als noch im Vorjahr. Rechnet
man auch noch nachhaltige Investments im weiteren Sinne dazu, bei denen
Unternehmen immerhin gewisse Nachhaltigkeitskriterien verfolgen, kommt man auf eine
Gesamtsumme von rund 1,53 Billionen Euro.

Es gibt verschiedene Strategien, nach
denen die Finanzindustrie nachhaltige Produkte gestalten kann. Am weitesten
verbreitet unter Fondsmanager sind dem FNG zufolge Ausschlusskriterien. Knapp
128 Milliarden Euro verwalten Asset Manager nach dieser Strategie, bei der
heikle Branchen von vornherein ausgeschlossen werden. Bei Unternehmen achten Investoren
vor allem darauf, dass Arbeitsrechte eingehalten werden, auf die Bekämpfung von
Korruption und Bestechung sowie auf die Achtung der Menschenrechte. Klimaschutz
gewinnt bei der Titelauswahl an Bedeutung. Der Ausschluss von Unternehmen, die
Kohle fördern oder verstromen, ist jüngst neu in die Top Ten der beliebtesten
Ausschlussgründe eingezogen: Er rangiert nun auf Platz fünf.

Bei Staaten achten Investoren laut
FNG-Bericht am meisten darauf, wie Regierungen Korruption verhindern. Dahinter
folgt der Umgang mit Bürgerrechten in Diktaturen und der Klimaschutz. Durchs
Raster fallen zum Beispiel Staaten, die Umweltkonventionen wie den Pariser
Klimavertrag nicht ratifiziert haben. Ophélie Mortier, Leiterin der
Nachhaltigkeitsabteilung der belgischen Fondsboutique Degroof Petercam, sieht
in der Selektion einen Schritt in die richtige Richtung. „Investoren können und
müssen dazu beitragen, weltweit eine nachhaltige Staatsführung in der Breite zu
fördern“, sagt sie. Nur so würden sich globale Probleme wie der Klimawandel
lösen lassen. Wie groß der Effekt einer Intervention von Seiten der
Finanzmärkte sein kann, zeige der Blick in die Portfolios der großen Pensionsfonds
in Europa. „Darin haben Staatsanleihen immerhin ein Gewicht von 30 Prozent“,
sagt Mortier.

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Bonds von Staaten, die die
sogenannten ESG-Kriterien berücksichtigen, können sich für Investoren auch
monetär lohnen, ist die Anlageexpertin überzeugt. Das Akronym steht für Environmental,
Social and Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. „Staatspapiere
nachhaltiger Länder zeigen sich in Krisenzeiten grundsätzlich
widerstandsfähiger“, sagt Mortier. Das wurde unter anderem im Zuge der
Eurokrise im Jahr 2010 deutlich. Damals habe sich das nachhaltig wirtschaftende
Skandinavien deutlich besser geschlagen als beispielsweise Südeuropa, wo die
Regierungen weniger Wert auf die Einhaltung der ESG-Kriterien gelegt haben.

Institutionelle Investoren sind der
wichtigste Treiber des Marktes für nachhaltige Geldanlagen, zeigt der
FNG-Bericht. Rund 93 Prozent des investierten Vermögens befanden sich Ende 2018
in der Hand von Kirchen, Versicherungen, Versorgungseinrichtungen und anderen
institutionellen Anlegern. Die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten
dürfte künftig weiter steigen, prognostiziert FNG-Vorstandsmitglied Helge
Wulsdorf. Der Grund: Die EU hat jüngst ein umfassendes Paket zur Stärkung des
Markts für nachhaltige Anlagen beschlossen. Seit Anfang des Jahres müssen
institutionelle Investoren im Beratungsgespräch zum Beispiel explizit fragen,
ob und wie nachhaltig der Kunde sein Geld anlegen möchte. „Die Nachfrage privater
Anleger nach nachhaltigen Anlageprodukten dürfte dadurch einen deutlichen Schub
erleben“, sagt Wulsdorf.

Welche Branchen 2019 am besten liefen

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Im Mai mussten manche Branchen mussten fast die Hälfte ihrer Kursgewinne seit Januar wieder abgeben. Andere Sektoren wuchsen langsamer, dafür halten sich auch die Verluste in Grenzen. Welche Branchen im Jahresverlauf vorne liegen.

Anleger, die in diesem Jahr noch von einem möglichen Wachstum der Tech-Werte profitieren wollen, müssen sich womöglich auf einige Überraschungen gefasst machen: Die amerikanische Federal Trade Commission FTC und das Department of Justice DoJ haben den Weg frei gemacht für Untersuchungen, ob Google, Amazon, Apple und Facebook gegen das US-Kartellrecht verstossen haben. Facebook soll ein Abkommen mit der FTC verletzt haben und muss nun eine Strafe in Höhe von mehreren Milliarden US$ fürchten. Googles Suchmaschinengeschäft befindet sich im Visier der Kartellwächter. Auch Amazon wird von der FTC beobachtet. Am Montag gaben die Aktien der Tech-Riesen deutlich nach.

Schlechte Zeiten für Tech-Investoren: Der Branchenindex S&P 500 Information Technology Sector hat in den vergangenen vier Wochen 9,25 % verloren – derweil fielen die Aktien aus dem Gesamtindex nur um 5,9 %.

Ganz anders der Sektor Erneuerbare Energien: Der S&P Global Clean Energy konnte seit Jahresbeginn stetig wachsen und liegt aktuell 25,7 % im Plus.

Erneuerbar schlägt Internet
Erneuerbar schlägt Internet

Quelle: justetf.com

Das geringste Wachstum im Branchenvergleich erzielten die Aktien von Versorgern in den USA. Auch der Chemiesektor in Europa konnte lediglichlich um knapp 13 % zulegen.

Zwar haben die meisten Sektoren seit Januar lediglich die Kursverluste vom Ende des vergangenen Jahres wieder aufgeholt. Doch warnen manche Marktteilnehmer, das Ende der Fahnenstange könnte fürs erste bereits erreicht sein. Die Zahlen für das verarbeitende Gewerbe waren weltweit so schlecht wie seit 2012 nicht mehr. Der Handelskrieg mit China lässt die Währungen von Chile, Colombia, Mexiko und China in die Knie gehen, der Dollar befindet sich seit fünf Monaten auf Höhenflug.

„Der Abwärtstrend der Märkte im Mai resultiert aus dem Handelskrieg“,

erklärt John Normand, Chef der Cross-Asset Strategy bei JPMorgan Chase & Co. in London gegenüber Bloomberg. Er glaubt, dass die Risiken aber noch nicht vollständig eingepreist sind. Die Wirtschaftsdaten in den USA hätten sich schon eingetrübt, bevor die Einfuhrzölle angehoben wurden. Die wirtschaftlichen Folgen des Handelskriegs werden sich aber erst noch zeigen.

Die Entwicklung der Sektoren im Überblick

Sektor Index YTD
Erneuerbare Energie S&P Global Clean Energy 25,73 %
Konsumgüter Europa STOXX® Europe 600 Food & Beverage 23,97 %
Infrastruktur global NMX®30 Infrastructure Global 20,80 %
Energie global World Alternative Energy (WAEX) 20,45 %
Technologie USA MSCI USA Information Technology 20,33 %
Energie USA Morningstar MLP Composite 20,22 %
Technologie global MSCI World Information Technology 20,08 %
Digitalisierung global iSTOXX® FactSet Digitalisation 19,96 %
Cyber Security ISE Cyber Security UCITS 19,95 %
IT USA S&P 500 Information Technology Sector 18,83 %
Bau Europa STOXX® Europe 600 Construction & Materials 18,78 %
Grundbedarfsgüter Europa MSCI Europe Consumer Staples 18,59 %
IT Europa MSCI Europe Information Technology 18,56 %
Robotik global Rise of the Robots 18,33 %
Infrastruktur global FTSE Global Core Infrastructure 17,13 %
Finanzsektor Europa STOXX® Europe 600 Financial Services 17,09 %
Infrastruktur global S&P Global Infrastructure 16,57 %
Cloud Technologie Solactive Cloud Technology 16,15 %
Versandhandel Solactive eCommerce Logistics 15,88 %
Industriegüter global MSCI World Industrials 15,74 %
Technologie USA Nasdaq 100® 15,63 %
Europa Industrie STOXX® Europe 600 Industrial Goods & Services 15,37 %
Welt Technologie iSTOXX® FactSet Automation & Robotics 15,24 %
Europa Konsumgüter STOXX® Europe 600 Optimised Personal & Household Goods 15,15 %
Versicherungen Europa STOXX® Europe 600 Insurance 14,87 %
Telekommunikation USA S&P 500 Capped 35/20 Communication Services 14,58 %
Finanzdienstleistungen USA MSCI USA Financials 14,50 %
Konsumgüter global MSCI World Consumer Staples 14,08 %
Technologie Emerging Markets EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce 13,98 %
Chemie Europa STOXX® Europe 600 Chemicals 13,37 %
Versorger USA S&P 500 Utilities Capped 35/20 13,29 %

Quelle: justetf.com

Technologietitel unter Druck – Überwiegen Chancen oder Risiken?

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Die erfolgsverwöhnten Investoren von US-Technologieaktien mussten in den vergangenen Tagen Leidensfähigkeit beweisen. Die Kurse der High Tech-Lieblinge an der Nasdaq gerieten deutlich unter Druck.

Einer der Gründe: Der Vorsitzende des
Unterausschusses für Wettbewerb im Repräsentantenhaus, David Cicilline,
kündigte eine Untersuchung über die beherrschende Marktstellung von Facebook,
Google und Amazon an. Durch den Monopol-Vorwurf erhöht sich der Regulierungsdruck
auf die Unternehmen, dem diese schon zunehmend in Europa ausgesetzt sind, auch
im Heimatland. Grund genug für Anleger, über Bewertungen und das weitere Potential
von Technologieaktien nachzudenken.

Fortdauerndes Momentum

Vom weiteren Potential der High Techs ist Scott Berg, Portfoliomanager bei
T. Rowe Price, der sich kürzlich auf eine Research-Tour ins Silicon Valley begeben
hatte, überzeugt: „Der Technologiesektor hat sich in kurzer Zeit dramatisch
verändert und damit eine enorme Wertschöpfung generiert. Er ist mit
vielfältigeren Märkten, Unternehmen und Geschäftsmodellen diverser als je zuvor
und zeigt ein rasantes Wachstum.“ Aus Bergs Sicht macht sich bei den
Technologie-Unternehmen im Unterschied zur Gesamtwirtschaft noch keine
konjunkturelle Abkühlung bemerkbar. Der Experte verweist auf rege
Investitionstätigkeiten der Unternehmen, die zwar kurzfristig die Margen
belasten, sich aber längerfristig positiv auf die Gewinnsituation auswirken.


ML und KI

Wesentliche Zukunfts-Faktoren bei Technologieunternehmen sieht Berg in den
Bereichen Maschinelles Lernen (ML) und Künstliche Intelligenz (KI). „Wir haben
unser Engagement bei KI-bezogenen Unternehmen im vergangenen Jahr erhöht. Wir
gehen davon aus, dass diese Technologie für viele Branchen wegweisend sein
wird“, so der Experte. Profiteure dieser Entwicklung sind aus seiner Sicht die
großen Technologiekonzerne und Internetplattformen, die über entsprechende
Datenmengen, Rechnerleistungen und qualifiziertes Personal verfügen. Medienplattformen
wie Netflix können ihre Dienste problemlos über Regionen und Branchen ausdehnen.

„Netflix hat sich zum größten Videounternehmen der Geschichte entwickelt – vor
allem, weil die Reichweite nicht durch die Infrastruktur eingeschränkt ist.
Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Unternehmen, die Kabel
verlegen oder Sendemasten aufstellen müssen“, erläutert der Portfoliomanager.
„Die internationale Expansion hat es Netflix ermöglicht, die Kosten für
qualitativ hochwertige Inhalte auf eine globale Kundenbasis zu verteilen.“ Cloud-basierten
Softwaresystemen prophezeit Berg ebenfalls hohes Wachstumspotential.

In der
zweiten Reihe

Der Experte empfiehlt neben den großen Plattform-Unternehmen auch
zukunftsträchtige Unternehmen aus anderen Technologie-Bereichen ins Auge zu
fassen. Dazu zählt er Firmen mit dem Geschäftsfeld IT-Zahlungsverkehr, die von
Änderungen des Bezahlverhaltens der Konsumenten profitieren. „Unternehmen, die
in diesem Bereich neue Software entwickeln, könnten langfristig profitieren –
auch wenn sie heute noch recht unscheinbar daherkommen“, sagt Berg. „Aufgrund
des kontinuierlichen Übergangs zu mehr Computermobilität, der zunehmenden
Nutzung des Internetbankings und des allgemein wachsenden Technologiekonsums
hat dies ein enormes Potenzial.“ Der Portfoliomanager empfiehlt den
Technologiesektor weniger als abgegrenzten eigenen Bereich zu sehen, da der
technologische Wandel Auswirkungen auf Geschäftsmodelle in allen anderen
Sektoren nach sich ziehen würde.


Hohe Bewertungen

Rob Smith, Fondsmanager des Barings German Growth Strategie, hat vor
allem den deutschen Technologiesektor im Blick: „Technologiewerte haben in den
letzten Jahren ein deutliches Wachstum erfahren. Viele Technologieunternehmen
versuchen auch, Branchen durch kontinuierliche Innovationen zu zerstören und
ihre technologischen Vorteile zu nutzen, um dieses strukturelle Wachstum
voranzutreiben.“ Allerdings mahnt der Barings-Experte vor dem Hintergrund, dass
viele Technologieunternehmen sehr teuer geworden sind, zur Vorsicht. „So haben
wir beispielsweise unsere Beteiligung an Wirecard gegen Anfang 2018 verkauft,
da sich die Bewertung auf ein über 40-faches Kurs-Gewinn-Verhältnis erhöhte. 

Während wir weiterhin davon ausgehen, dass Wirecard von der umwälzenden Entwicklung
des Zahlungsverkehrs von Bargeld zu Karte und vom anhaltenden Wachstum im
E-Commerce profitieren wird, waren wir der Ansicht, dass andere attraktive
Investitionsmöglichkeiten zu einem viel günstigeren Preis angeboten werden.“
Fondsmanager Smith setzt beispielsweise auf den Anbieter von IT-Lösungen
S&T: „Wir glauben, dass dieses Unternehmen über ein überzeugendes
Wachstumspotenzial verfügt, da es sich von einem traditionellen
Hardwarehersteller mit niedrigen Margen zu einem Full-Service-Anbieter mit Fokus
auf vernetzte Geräte entwickelt.“

Links zu den Fondsgesellschaften:
T. Rowe Price
Barings

Offene Immobilienfonds – Wo die Profis investieren

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Im vergangenen Jahr haben offene Immobilienfonds 7,8 Milliarden Euro in neue Objekte investiert. Weit vorne in der Beliebtheits-Skala waren bei den Investitionen deutsche Immobilien. Darauf weist eine aktuelle Analyse der Ratingagentur Scope hin, die die Investments von 15 offenen Immobilienpublikumsfonds im vergangenen Jahr genauer unter die Lupe genommen hat.

Auf
Einkaufstour

Im vorletzten Jahr wurden von offenen Immobilienfonds 8,3 Milliarden Euro investiert.
Die Investitionssumme des Vorjahres lag damit nur geringfügig unter dem Volumen
des Jahres 2017. Spitzenreiter unter den Einkäufern war dabei der hausInvest
mit 1,8 Milliarden Euro, gefolgt vom Deka-ImmobilienEuropa mit 1,6 Milliarden
Euro. Unterhalb der Milliarden-Schwelle bewegte sich mit 946 Millionen Euro das
Ankaufsvolumen des WestInvest InterSelect. Als wesentlicher Treiber für die
Käufe werden die weiterhin hohen Mittelzuflüsse angeführt. „Im vergangenen Jahr
flossen den 15 offenen Immobilienfonds mehr als fünf Milliarden Euro netto zu.
Dies ist im Vergleich zu 2017 (6,0 Milliarden Euro) zwar ein leichter Rückgang,
der im Wesentlichen auf die aktive Begrenzung der Zuflüsse zahlreicher Fonds
zurückzuführen ist. Historisch betrachtet sind fünf Milliarden Euro dennoch ein
hoher Wert“, so Scope.

Germany first

Unter den 18 Ländern, in die die Neuinvestitionen flossen, lag Deutschland
in der Beliebtheitsskala weit vorne. Knapp drei Milliarden Euro und damit rund 39
Prozent der gesamten Summe wurden in den deutschen Immobilienmarkt investiert. Die
Käufe in Großbritannien gingen dagegen gegenüber 2017 signifikant zurück. Der
Anteil des Landes am Investitionsvolumen ist von 21 auf zehn Prozent deutlich
geschrumpft. Schuld daran war wesentlich das politische Gezerre rund um den
Brexit. 

Aber auch der Anteil in den USA ist deutlich zurückgegangen. Scope
weist daraufhin, dass noch 2016 mehr als 33 Prozent ins Land der unbegrenzten
Möglichkeiten geflossen sind. 2018 waren es nur noch 13 Prozent. Als Ursache
machten die Experten höhere Kosten für die Währungsabsicherung aus. „Die hohen
Anteile von US- und UK-Immobilien am Investitionsvolumen der Jahre 2016 und
2017 waren eher Ausnahmen, die vor allem durch attraktive Marktopportunitäten
getrieben waren. 2018 stellt in Bezug auf die Länderallokation eine
Normalisierung dar“, so die Ratingagentur. 


Büroimmobilien gefragt

Mit Blick auf die Nutzungsarten der neu erworbenen Immobilien dominieren
klar die Büro-Immobilien. 2017 lag der Anteil bei 67 Prozent. Im vergangenen
Jahr erfolgte ein weiterer Anstieg um zwei Prozentpunkte auf 69 Prozent. Die
Scope-Experten erläutern, dass damit der Anteil der Neukäufe bei den
Büroimmobilien auch deutlich über dem Portfolioanteil liegt, den die
Büroobjekte mit Stand Dezember 2018 ausgemacht haben (63 Prozent). Eine
entgegengesetzte Entwicklung ist bei Einzelhandelsobjekten festzustellen. Der
Portfolio-Anteil beträgt bei dieser Nutzungsart 25 Prozent. 

Der Anteil bei den
Neukäufen liegt dagegen bei nur 18 Prozent. Einen deutlichen Anstieg gab es bei
den Investitionen in Projektentwicklungen. „Hierzu zählen beispielsweise die
beiden Büroentwicklungen OmniTurm und AQUA in Frankfurt am Main.“ Laut den
Experten der Rating-Agentur wurden 2017 nur 480 Millionen Euro in
Projektentwicklungen investiert. 2018 dagegen lag die Investitionssumme bei 1,2
Milliarden Euro auf einem Fünf-Jahres-Hoch.

Blasenbildung durch die EZB

Wasser in den Wein hinsichtlich der Immobilienmärkte in Europa gießt ein
aktueller Research-Bericht der Commerzbank über die Entwicklung der Häuserpreise.
Mit Blick auf Stimmen, die weitere Maßnahmen seitens der EZB zur Stützung der
schwächelnden Konjunktur fordern, hält Chef-Volkswirt der Commerzbank Jörg
Krämer dagegen: „Dabei wird mit Verweis auf die niedrige Kernteuerungsrate
häufig der Eindruck erweckt, dass diese Politik nichts kostet. Ein Blick auf
den Immobilienmarkt belehrt eines Besseren. Denn dort droht nicht nur
Deutschland die nächste Blase.“ Mit einem Preisanstieg von 4,5 Prozent im
Verlauf des Jahres 2018 liegt Deutschland momentan geringfügig über dem
Durchschnitt. 

„Während die Preise nur in Italien gefallen sind, haben sie in
Slowenien und Lettland mit zweistelligen Raten zugelegt, und in drei Ländern (Portugal,
die Niederland und Luxemburg) lag das Plus bei fast zehn Prozent.“ Die steigende
Bewertung von Wohnimmobilien setzt sich vor dem Hintergrund einer weiter
expansiven Geldpolitik aus Sicht der Commerzbank fort: „Voraussichtlich Ende
2020 dürfte sie im Durchschnitt des Euroraums das kurz vor der Finanzkrise
erreichte Niveau übertreffen, und mit jedem weiteren Anstieg wird die Gefahr
einer Blase zunehmen.“    

Hier geht’s zu den Research-Berichten von Scope und der Commerzbank

Innovation und Disruption: Wie Fondsmanager zukunftsträchtige Unternehmen identifizieren

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Oft werden innovative und disruptive Entwicklungen erst nachträglich richtig bewertet. Für Fondsmanager ist das eindeutig zu spät. Es gilt möglichst früh die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Bewertung von Chancen und Risiken neuer Geschäftsmodelle sowie ihre Auswirkungen auf Unternehmen gehören zu den wesentlichen Hausaufgaben von Aktienfonds-Managern.

Gefährliche Disruption?

Der Begriff „Disruption“ wurde vom Harvard-Wirtschaftswissenschaftler
Clayton M. Christensen in den 1990er-Jahren geprägt. Mittlerweile ist er in
aller Munde. Die Auswirkungen disruptiver Entwicklungen werden besonders dann unterschätzt,
wenn sie langsam und nicht schlagartig entstehen: „Diese schleichend wirkende
disruptive Kraft ist gefährlicher, weil sie Führungskräften ein trügerisches
Gefühl der Sicherheit vermittelt und sie glauben lässt, dass sie sich einem
Problem auch morgen noch widmen können. Das Ergebnis ist jedoch immer dasselbe.
Disruptionen verändern die Gesellschaft, Unternehmen, Menschen und die Art und
Weise, in der wir tätig sind und uns verhalten. Es entsteht ein neues „Normal“,
so Quirien Lemey, Fondsmanager und Alexander Roose, Head of International and
Sustainable Equity bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Vielfach würde
das Ausmaß von innovativen und disruptiven Entwicklungen in der Vorausschau
unterschätzt.

Paradigmenwechsel

Als Beispiele für Sektoren, die wesentlichen und grundlegenden Veränderungen
ausgesetzt sind, sehen die DPAM-Experten die Entwicklung des E-Commerce-Segments
im Einzelhandel und die Veränderungen der Medien-Landschaft durch Anbieter wie
Netflix, die die Nutzung des Fernsehens grundlegend verändert haben. Etablierte
Platzhirsche können durch disruptive Entwicklungen rasch vom Thron gestoßen. Eines
der klassischen Beispiele des Scheiterns ist der Handyhersteller Nokia. 

Der
ehemalige Nokia-CEO Stephen Elop fasste das traurige Ergebnis kurz und knapp
zusammen: „Wir haben nichts falsch gemacht, aber irgendwie haben wir verloren.“
Die Schöllerbank-Dachfondsmanager Gertraud Dürnberger und Bernhard Spittaler
verweisen auf die rasante Entwicklung in der Musikindustrie. Die CD ersetzte
als technische Innovation die Langspielplatte. Mittlerweile bestimmen
allerdings Streaming-Dienste wie Spotify und Deezer, die das Musikgeschäft
disruptiv verändert haben, wesentlich die Art und Weise des Musikkonsums.

Billig ist nicht gut

Fondsmanager müssen sich davor hüten, in die Value-Falle zu tappen. Die Jagd
nach Schnäppchen könnte sich bei der Suche nach zukunftsträchtigen Unternehmen
als Fehler erweisen „Wichtig ist auch die Tatsache, dass innovative und
disruptive Unternehmen zu höheren Kursen gehandelt werden, während von
Disruption getroffene Unternehmen in der Regel Bewertungsabschläge zu
verkraften haben“, so die DPAM-Experten Lemey und  Roose. „Einem menschlichen Reflex folgend
würde man sagen: „Die erste Gruppe ist teuer und die zweite Gruppe billig. Also
verkaufen wir die erste und kaufen die zweite.“ Doch es geht auch anders herum.
Wenn Unternehmen von Disruption getroffen werden, neigen Menschen dazu, die
davon ausgehende Wirkung zu unterschätzen – mit der Konsequenz, dass sie diese
Unternehmen dann kaufen. 

Doch gehen solche Ideen meistens nicht auf.“ Dürnberger
und Spittaler von der Schöllerbank stellen fest, dass große Unternehmen oft
Risiken meiden, weil sie Wachstumspotentiale schwer einschätzen können. Denn ob
3-D-Drucker bald in heimische Haushalte einzieht, bleibt aus heutiger Sicht
fraglich. Die Welt der Aktien hat sich durch den Innovationsdruck verändert.
Die Schöllerbank-Fondsmanager verweisen darauf, dass im Jahr 1957 das
durchschnittliche Alter eines Unternehmens, das neu in den S&P 500 Index
aufgenommen wurde, 75 Jahre betragen hat. Im 2013 lag das Durchschnittsalter
bei nur zehn Jahren.


Unter der Lupe

Lemey und Roose von DPAM plädieren bei der Auswahl der Unternehmen für eine
genaue Prüfung, wie stark Unternehmen auf den Faktor Innovation fokussiert sind
und wie die Investitionen in die Zukunft gemanagt werden. Entscheidend für
Fondsmanager ist aus ihrer Sicht darüber hinaus die Beurteilung, wie groß der
Markt für die Disruption ist und wie das Top-Management Innovationen generell
bewertet. Unterschiedliche Haltungen zu Innovationen haben die DPAM-Experten in
der Führungsebene von Microsoft ausgemacht: „Im Fall von Microsoft hielt Steve
Ballmer an der dominierenden Position des Unternehmens fest, während Satya
Nadella lieber in Innovationen investieren wollte. Ballmer versuchte, um jeden
Preis die monopolistische Marktstellung von Microsoft zu verteidigen. Anstatt
bei der neuen Art des Computing mit dabei zu sein, kaufte das Unternehmen das
Smartphone-Geschäft von Nokia – rückblickend ein sehr schlechter Schachzug. Nadella
ist in wesentlich stärkerem Maße ein echter Visionär, und vor allem öffnete er
das Unternehmen für Selbst-Disruption. So sind beispielsweise
Office-Anwendungen wie Word und PowerPoint jetzt für alle Betriebssysteme
verfügbar.“

Links zu den Fondsgesellschaften:

Schöllerbank 

Degroof Petercam

Soros beteiligt sich an GAM – Neue Strategie oder Business as usual?

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Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag. Ein Unternehmen des Hedgefonds-Managers und Star-Investors George Soros hat den Einstieg beim Schweizer Vermögensverwalter und Fondsanbieter GAM bekannt gegeben.

Umstrittener Ungar

Zuletzt machte Georg Soros eher durch seine gesellschaftspolitischen Aktivitäten
Schlagzeilen. Die einen schätzen ihn als philanthropischen Milliardär, der sich
über seine Stiftungen für Humanismus und eine liberale Gesellschaft einsetzt. Andere
sehen in ihm einen undurchsichtigen Strippenzieher, der durch die Finanzierung
von NGOs in großem Stil Politik macht, ohne demokratisch legitimiert zu sein. In
seiner ungarischen Heimat gilt Soros als eine Art Intimfeind von Ministerpräsident
Viktor Orban. In jedem Fall werden seine Transaktionen in der financial
community mit Argusausgen beobachtet.

Günstiger Einstieg

Die dreiprozentige Beteiligung an GAM erfolgte über die SFM UK Management, eine
Tochter der Soros Fund Management. Sowohl die SFM UK Management als auch GAM
hielten sich zu Details über die Beteiligung bedeckt. Klar ist: Soros nützt mit
dem Kauf die Gunst der Stunde, zu niedrigen Kursen einsteigen zu können. In den
vergangenen Monaten musste die GAM-Aktie deutlich Federn lassen. Auf
Jahressicht belief sich der Kursrückgang auf über 70 Prozent.

Nach Bekanntgabe des
Einstiegs der SFM UK Management am Freitag haben die GAM-Aktien mit einem
Kursgewinn von zunächst 20 Prozent einen deutlichen Sprung nach oben vollzogen.
Soros bzw. seine Manager dürften vor dem Hintergrund von Zusammenschlüssen in
der Branche aufgrund zunehmenden Kostendrucks mit weiter steigenden Kursen
seiner neu erworbenen Beteiligung rechnen.

In der Krise

GAM ist seit Monaten krisengebeutelt. Die hohen Kursverluste der Aktie standen
in Zusammenhang mit dem Skandal um deren einstigen Top-Fondsmanager, Tim
Haywood. Ende Juli vergangenen Jahres bekam Haywood von GAM seinen Stuhl vor
die Türe gestellt. Das Unternehmen verwies auf interne Untersuchungsergebnisse.
Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Vernachlässigung von Due
Diligence-Prüfungen sowie die Umgehung des Vier-Augen-Prinzips. Verträge, die
eigentlich zwei Unterschriften erforderten, sollen von ihm alleine
unterschrieben worden sein.

Haywood verwaltete bei GAM Absolute
Return-Bondstrategien mit einem Anlagevolumen von rund elf Milliarden Schweizer
Franken. Aber auch nachdem Haywood das Unternehmen verlassen hatte, kehrte
keine Ruhe ein. Ende vergangenen Jahres ging neben mehreren Mitarbeitern auch
der Vorstandschef Alexander Friedman, David Jacob wurde Nachfolger. Die Folge
von Haywoods Fehlverhalten: Investoren zogen in großem Stil ihre Anlagegelder
aus den GAM-Fonds ab und zwar nicht nur aus denen, die Haywood zu verantworten
hatte. Die gesamte Fonds-Palette des Hauses wurde in Sippenhaft genommen.
Einige Fonds des Hauses mussten daraufhin liquidiert werden.

Aus der Portokasse

Schweizer Medien spekulierten bereits darüber, ob Soros von der Entscheidung
einer seiner Tochterfirmen, bei GAM einzusteigen, überhaupt gewusst hat. Nach
dem Kursverlust der GAM-Aktie mussten nämlich „nur“ 20 Millionen Schweizer
Franken auf den Tisch gelegt werden, um die drei Prozent von GAM zu kaufen. 2017
erfolgte bereits eine Beteiligung des Soros-Unternehmens in ähnlicher Höhe an
dem aktivistischen Investor Sherborne Investors Guernsey. Allerdings ist auch
George Soros kein König Midas, bei dem alles zu Gold wird, was er berührt. Am
Beginn der Finanzkrise hatte der Ungar sich an Lehman Brothers beteiligt. Eine
Spekulation, die bekanntlich nicht aufgegangen ist.