Anleger flüchten aus britischen Fonds

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In den vergangenen acht Wochen sind mehr als zwei Milliarden US$ aus Investmentfonds abgezogen worden, die in britische Unternehmen investieren. In Summe mussten Aktienfonds mit Schwerpunkt UK seit dem Brexit-Votum 23 Milliarden US$ zurückzahlen.

Auch im Königreich selbst ist der Absatz von Anteilen an Investmentfonds erheblich zurückgegangen: So wurden im vergangenen Jahr mit 7,2 Milliarden GBP sage und schreibe rund 85 % weniger Fonds verkauft als noch 2017, berichtet die britische Investment Association.  

Mittlerweile bleiben weniger als 50 Tage bis zum Austritt Großbritanniens aus der EU und die Chancen für einen ungeregelten Brexit steigen immer höher, während Premierministerin Theresa May fast wöchentlich in Brüssel über Nachbesserungen an den Austrittsbedingungen verhandelt. Wie Saker Nusseibeh, Chef von Hermes Investment Management gegenüber den Financial News äußerte, werden Investoren auch weiterhin aus UK-Fonds flüchten, “solange der Brexit auf eine Klippe zusteuert”. Für nicht-Britische Anleger sei es vernünftig, kein Risiko einzugehen: “Ein harter Brexit wird der Wirtschaft einen schweren Schlag verpassen”. Die UBS hat bereits ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Großbritannien nach unten korrigiert: 1,5 % sollen es dieses Jahr werden, 2020 dann nur noch 1,2 %.

Doch selbst wenn Großbritannien wider Erwarten doch in der EU bliebe – der Schaden ist bereits angerichtet. Allein die Deutsche Bank verschiebt dem Vernehmen nach Assets im Wert von 400 Milliarden Euro von London nach Frankfurt, bei JPMorgan sind es 200 Milliarden. Auch die Bank of America Merrill Lynch, Citigroup und Goldman Sachs wollen aus London abwandern, um sich den Zugang zum europäischen Markt zu erhalten.

Mittlerweile sieht es so aus, als spielten die Briten auf Verlängerung nach Artikel 50 des EU-Vertrags. Diesem Szenario rechnen die Prüfer von Ernst & Young eine Chance von circa 60 Prozent zu, auch wenn ein neues Referendum mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 15 Prozent mehr oder weniger vom Tisch ist.

Nach einer Untersuchung von Ernst & Young könnten mehr als 900 Milliarden Euro an Vermögenswerten auf das Festland abwandern – zusammen mit rund 7.000 Jobs. Das wäre ein schwerer Schlag für die britische Finanzindustrie, die 2017 rund 1,1 Millionen Leute beschäftigte und etwa sechs Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Und die Banken werden die Arbeitsplätze auch nicht wieder zurückbringen, selbst wenn der Brexit aufgehoben würde.

Warum Helene Fischer keinen Fonds managt

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Spätestens, seit Manfred Krug für die „Volksaktie“ Deutsche Telekom und Johannes B. Kerner für die Aktien von Air Berlin geworben haben, weiß man: Promis haben keine Ahnung von der Börse. Trotzdem trauen sich manche Prominente sogar zu, Fonds zu managen. Mit mäßigem Erfolg.

Helene Fischer ist eine erfolgreiche deutsche Künstlerin. Sie singt, sie tanzt, sie tritt im Fernsehen und zuweilen auch schon mal als Show-Act in einem DFB-Pokalendspiel auf. Sie verkauft millionenfach CDs – selbst in Zeiten von Downlodas und Streams. Sie produziert Shows, in denen sie ihre Fans mit perfekt inszenierten Performances in einen Rausch versetzt. Sie bespielt zudem alle Facetten des  Merchandisings. Kurzum: Helene Fischer ist ein Voll-Profi in ihrem Business, eine taffe Geschäftsfrau. Hut ab – auch vor der Konsequenz ihrer Strategie: Es gibt Helene Fischer-T-Shirts, Kugelschreiber, Kissenbezüge, Bommelmützen, Babystrampler sowie Handytaschen. Und für nur 24,90 Euro pro Stück kann man seine Lippen sogar mit einem heiß aufgebrühten Kaffee aus einer Helene Fischer-Tasse mit der Aufschrift „Spürst Du Das?“ verbrennen.

Zu dieser Strategie gehört allerdings auch eine bewundernswerte Selbstbeschränkung: Die Künstlerin vermeidet Selbstvermarktung dort, wo es nicht zum Markenkern passt. So gibt es etwa keine Helene Fischer-Büromöbel-Edition „Atemlos“ oder etwa ein HF-Spezial Handwerkerset „Mut zum Gefühl“. Und es gibt auch keinen Helene Fischer Aktienfonds „Zaubermond“. Die Frau weiß offensichtlich, was sie tut – und sie hat auch den Mut zum Gefühl dafür, was sie besser sein lassen sollte.

Das ist klug. Für Prominente, die darauf bedacht sind, dass ihr Stern möglichst hell leuchtet, birgt das Management eines Investmentfonds durchaus Gefahren. Wenn ein Promi-Fonds an Wert verliert, ist es mit dem Glamour des Namens schnell dahin. Und diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Denn das Management eines Fonds ist ein Fulltime-Job und für eine erfolgreiche Medienpersönlichkeit kaum nebenbei zu leisten. Das mussten einige Prominente, die sich schon daran versucht haben oder noch versuchen, bereits leidvoll erfahren.

Überforderter Börsenprofi

Selbst börsenerfahrene und zumindest theoretisch mit der Materie Vertraute wie Stefan Riße mussten vor der harten Fondsmanager-Realität schon kapitulieren. Drei Jahre lang mühte sich der Fernsehmoderator mit seinem Multi-Asset-Fonds ab, positive Ergebnisse zu erwirtschaften, um schließlich innerhalb nur eines Jahres das Fondsvermögen zu halbieren. Schließlich wurde der Fonds abgewickelt. Riße räumte in einem Interview mit Fonds Professionell freimütig ein, den Aufwand falsch eingeschätzt zu haben.

Fehlzündung zum Start des „Zukunftsfonds“

Ein weiteres Beispiel dafür, dass mehr Medienpräsenz nicht mehr Kompetenz bedeutet, liefern derzeit der ehemalige Chefredakteur der BILD, Kai Diekmann und sein Kompagnon Leonhard „Lenny“ Fischer mit ihrem „Zukunftsfonds“ (ISIN: DE000A2DTM69). Anfang Mai 2018 gestartet, trudelt der Fonds seitdem seicht abwärts. Zugegeben: Der globale Mischfonds, der weltweit in verschiedene Anlageklassen investieren darf, ist zu einem schlechten Zeitpunkt gestartet. Die zweite Jahreshälfte 2018 war aus Sicht von Anlegern durchweg enttäuschend, auch mit anderen Fonds. Doch auch in der Januar-Hausse 2019 konnte das Fondsmanagement, das mit dem Slogan „Einfach clever sparen“ wirbt, nicht mit herausragender Expertise überzeugen: Ein Plus von 1,5 Prozent in einem Zeitraum, in dem der MSCI World 8,2 Prozent an Wert zugelegt hat, ist keine positiv erwähnenswerte Leistung.

Besserwisser wissen es leider auch nicht besser

Zwei, die immerhin wissen, dass sie es nur in der Theorie besser wissen, sind die beiden Honorarberater Marc Friedrich und Matthias Weik. Die beiden Talkshow-erfahrenen Buchautoren haben mit „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ und „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ zwei Bestseller veröffentlicht. Als Ideengeber des Friedrich & Weik Wertefonds (ISIN: DE000A2AQ952) überlassen sie jedoch das Fondsmanagement den Profis von der Plutos Vermögensverwaltung und der Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung.

„Deutschlands erster offener Sachwertfonds“ lockt Anleger mit dem Versprechen, „nachhaltig und langfristig in Sachwerte“ zu investieren. Der Fonds führt in seinem Portfolio tatsächlich physisches Silber, Immobilien, Wald, Ackerland sowie Anlagediamanten auf. Allerdings nur mit einem Anteil von etwa zehn Prozent des Fondsvermögens. Der Rest steckt zur Hälfte in Aktien, davon wiederum rund 40 Prozent in Minenaktien, zu 20 Prozent in Gold und der Rest in Cash. Die Zweijahresperformance des Fonds, der „nicht gezwungen ist, risikoreiche Investments zu tätigen, um kurzfristige Gewinne zu erzielen“, sieht eher mau aus. Während etwa der MSCI World Index in dieser Zeit mehr als elf Prozent zugelegt hat, liegt der Sachwertefonds fünf Prozent im Minus. Zwar hinkt der Vergleich eines Sachwertefonds mit dem MSCI World Aktienindex, doch angesichts der tatsächlichen Verteilung im Fondsvermögen sei zumindest ein Vergleich mit Mischfonds erlaubt: Und hier liegt die durchschnittliche Sektorperformance auch deutlich im positiven Bereich bei etwa fünf Prozent, also auch deutlich besser als der Promi-Fonds.

Abgesehen davon sollten sich Anleger die Frage stellen, warum es ihnen einen Mehrwert bringen sollte, in einen Fonds zu investieren, der die Namen zweier prominenter Initiatoren trägt, wenn diese sich gar nicht um den Fonds kümmern.

Nullsummenspiel mit Dirk Müller

Anleger, die zum Start des Dirk Müller Premium Aktienfonds (ISIN: DE000A111ZF1) Ende April 2015 in den Fonds des bekannten Börsenbuchautors investiert haben, konnten damit ihr Kapital bewahren, wenn sie ihre Anteile bis heute gehalten haben. Zwischenzeitlich war der Fonds zwar abgerutscht, doch Kaufen und Halten hätte Anleger immerhin vor Verlusten bewahrt. Bedenklich ist allerdings, dass fast alle Aktienindizes in den entwickelten Industrienationen seit Anfang Januar gut performt haben, während der Fonds von Dirk Müller ins Straucheln geraten ist und seit dem Jahreswechsel zwei Prozent an Wert verloren hat. Wer vom Promi-Faktor des auch ansonsten im Vergleich zum MSCI World Index schwachen Fonds die Nase voll hat, könnte den Zeitpunkt jetzt gut nutzen, um gerade noch ohne Verluste in irgendeinen einen anderen Aktienfonds zu wechseln, der wenigstens dem allgemeinen Trend folgt.

Vermögensbildung mit Max Otte

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch einen Fonds mit einem prominenten Namensgeber gibt, der es fertigbringt, seinen Anlegern Freude zu bereiten. Der Max Otte Vermögensbildungsfonds  (ISIN: DE000A1J3AM3), aufgelegt von Ampega und beraten von der Kölner PI Kapitalanlage GmbH, setzt die Strategie von Professor Max Otte um und ist seit dem Fonds-Start im Sommer 2013 mindestens mit dem Markt geschwommen. Eine 3-Jahres-Performance von 40 Prozent ist absolut in Ordnung. Und die 2019er Hausse hat der Fonds ebenfalls mit einem Plus von 6,8 Prozent mitgemacht.

Fazit: Fondsmanagement ist ein harter Job, den es nicht zu unterschätzen gilt. Und der ausschließlich von Menschen gemacht werden sollte, die das hauptberuflich tun. Der Werbefaktor eines Prominenten kann in der Praxis zudem nach hinten losgehen, gerade auch dann, wenn es sich dabei um Menschen aus dem Umfeld der Finanzwelt handelt. Es ist eben leichter, Börse zu erklären als an der Börse langfristig Erfolge zu erzielen. Namensgeber setzen ihren guten Namen als Erklärer damit aufs Spiel. „Ein Fonds, der Deinen Namen trägt“ – frei nach DJ Ötzi – ist deshalb auch für die Namensgeber nicht frei von Risiken. Wer will seinen Namen schon in Verbindung mit einem sinkenden Preis-Chart sehen. Deshalb ist Helene Fischer klug beraten, weiterhin nur zu tanzen, zu singen und teure Tassen zu verkaufen.

ESG – Die EU will regulatorische Instrumente für die Finanzindustrie schaffen

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Nachhaltige Investments sollen an den Kapitalmärkten eine größere Bedeutung bekommen – so will es die EU. Doch die Vorschläge der Europäischen Union stoßen nicht nur auf Gegenliebe.

Geht es um das Thema Nachhaltigkeit und Finanzen, kochen die Gemüter derzeit leicht hoch. Den Einen geht es nicht schnell genug: Zu lange habe die Finanzindustrie das Thema vernachlässigt, jetzt sei der Gesetzgeber gefragt, mit Schärfe nachzuregulieren und grüne Anlagen zu fördern. Den Anderen geht der ganze ESG- und SRI-Aktionismus  zu weit und zu schnell. Am Ende soll doch bitte der Anleger selbst entscheiden, ob er mehr auf ein grünes Gewissen oder auf schwarze Zahlen Wert legt. Und so treffen in der aktuellen Diskussion über die Förderung nachhaltigen Investierens derzeit zwei Positionen aufeinander, die – jede für sich – durchaus nachvollziehbare Argumente haben.

Die EU will regulatorisch eingreifen

Auf der einen Seite steht die Europäische Union, die die Finanzindustrie grüner machen will. Sie will regulatorische Instrumente für die Finanzindustrie schaffen. EU-Kommission und Europäisches Parlament arbeiten deshalb an verschiedenen Gesetzgebungsinitiativen. Einer davon ist der „Action Plan: Financing Sustainable Growth“. Der Aktionsplan beinhaltet konkrete und weitreichende Vorschläge, wie die Finanzwirtschaft ihren Beitrag zu mehr nachhaltigem Wirtschaften leisten kann. Ziel des Aktionsplans ist es, mit zehn Maßnahmen Kapital in „nachhaltige und integrative“ Investitionen zu lenken, ökologische und soziale Risiken besser in das Risikomanagement der Finanzmarktteilnehmer einzubetten sowie die Finanz- und Wirtschaftstätigkeit „transparenter und langfristiger“ auszurichten.

Institutionelle Anleger wie Vermögensverwalter, Versicherungsunternehmen oder Pensionsfonds sollen verpflichtet werden, vorvertraglich und im Internet konkret anzugeben, wie bei Investitionsentscheidungen Nachhaltigkeitsrisiken Rechnung getragen wird,  ob sich diese Risiken auf die Rendite auswirken können und ob die Vergütungspolitik des Finanzmarktteilnehmers Nachhaltigkeitsrisiken und  entsprechende Investitionsziele berücksichtigt. In diesem Zusammenhang wird auch eine Ausweitung bestehender Berichtspflichten vorgesehen. Außerdem sollen Vorschriften zur Kundenberatung durch Wertpapier- und Versicherungsvermittler um Komponenten zur Erfassung der Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden ergänzt werden.

Damit klar ist, was die EU unter Nachhaltigkeit versteht, hat die Kommission ein einheitliches Klassifikationssystem (EU-Taxonomie) im Bereich nachhaltiger Finanzierung erarbeitet, die die sogenannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) für verschiedene Assetklassen genau definiert. Damit geht eine ganze Reihe von geplanten Maßnahmen einher, die letztlich der Finanzindustrie in Teilen vorschreiben, in welchem Rahmen sie ESG-Kriterien bei ihren Investmententscheidungen zu berücksichtigen hat.

Die Bundesregierung hat bereits grundsätzliche Unterstützung für
das Vorhaben signalisiert, Nachhaltigkeitskriterien im Finanzsystem zu integrieren. „Der Aktionsplan der EU ist weitgehend zu
unterstützen“, teilte sie kurz nach Bekanntwerden der Brüsseler
Absichten mit.

Die Finanzindustrie wehrt sich

Die Opposition sieht das naturgemäß anders. Die FDP hat einen kritischen Antrag formuliert. In einer Stellungnahme der F.A.Z.
gegenüber sagt der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler: „Welches Investment nachhaltig ist, weiß der Staat nicht. Ist
Siemens nachhaltig oder VW?. Der Aktionsplan der EU ist ein totaler Irrweg“. Im besten Fall schaffe er nur mehr Bürokratie, im schlimmsten Fall
neue Blasen an den Finanzmärkten.

Die Finanzindustrie begrüßt zwar die EU-Taxomonie weitgehend. Denn sie schaffe EU-weit einheitliche Kriterien zur Ermittlung der Nachhaltigkeit eines Finanzprodukts, so der allgemeine Tenor. Doch der Aktionsplan der EU stößt zunehmend auf Kritik. Verschiedene Verbände und Lobbygruppen haben sich bereits kritisch zu Wort gemeldet und – sinngemäß lautet die Kritik ähnlich – vor einer unnötigen und unangemessenen Bevormundung durch die EU gewarnt.

In dieses Horn bläst nun auch der Verband der Bayerischen Wirtschaft VBW. In einer schriftlichen Stellungnahme begrüßt auch der VBW eine Taxonomie für nachhaltige  Investitionen. Ziel des neuen Standards müsse es jedoch sein, die Informationen für den Kapitalmarkt transparent nutzbar zu machen, nicht aber Berichtspflichten auszuweiten. „Die neue Taxonomie muss zudem mit bestehenden gesetzlichen Vorgaben und technischen Standards kompatibel sein und in den Mitgliedstaaten der EU, besser noch auf OECD-Ebene, einheitlich interpretiert werden“, so Benedikt Rüchardt, wirtschaftspolitischer Experte des Verbandes und Autor der Stellungnahme. Ein wesentliches Ziel müsse es zudem sein, den Bürokratieaufwand für Unternehmen jeder Größe beherrschbar zu halten. „Nicht angebracht sind in diesem Zusammenhang im Europäischen Parlament angedachte hochgradig detaillierte Vorgaben zur Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken. Diese Bewertung einschließlich der damit verbundenen Methoden muss dem jeweiligen Finanzmarktteilnehmer überlassen bleiben“, so Rüchardt.

Sein Argument: Verlässliche Parameter zur Auswirkung von Nachhaltigkeitsaspekten auf die Rendite stünden nicht zur Verfügung, insofern sei eine Informationspflicht dazu verfehlt. „Eine Bewertung nichtfinanzieller Auswirkungen auf die Gesellschaft kann nicht Aufgabe des Finanzmarktteilnehmers sein“, sagt Rüchardt.

Worauf es dem Verband vor allem ankommt: Der Gesetzgeber solle nicht diktieren, sondern nur Leitlinien vorgeben, deren Anwendung freiwillig sei. „Die Anwendung der Taxonomie und die Berücksichtigung ihrer Aussagen bei Finanzierungsentscheidungen [soll] den Marktteilnehmern überlassen bleiben“, so der VBW.

Es wird mit Sicherheit nicht die letzte Stellungnahme eines Verbandes zu den Green-Finance-Ideen der EU bleiben. Die Diskussion geht gerade in die heiße Phase.

Die Stellungnahme des VBW als PDF-Dokument.

Kursgewinne bei deutschen Aktien, China handelt wieder, den USA droht ein neuer Shutdown

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Der DAX startet im Plus, das Wirtschaftsklima sackt ab und der Schweizer Franken vollzieht einen unerwarteten Kurssprung. Die News von den Kapitälmärkten zum Wochenstart von DerAssetmanage.de.

DAX startet im Plus

Der DAX begann die Woche mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 10.954 Punkten und konnte am Morgen die wichtige Marke von 11.000 Punkten zurückerobern. In der vergangenen Woche hatte der Leitindex 2,4 Prozent eingebüßt.

Die Gewinner-Liste wird einmal mehr angeführt von Wirecard, die 5,5 % zulegen und damit den in den vergangenen Wochen verlorenen Boden wiedergutmachen.

Zulegen konnte auch die Deutsche Post, deren Aktien 2,4 % höher notieren. Wie die FAZ berichtet, soll ab dem Sommer ein höheres Porto auf Briefe für zusätzliche Einnahmen sorgen.

Die wenigen Kursverlierer werden angeführt von BMW (-0,8%), Merck (-0,3%) und Daimler (-0,3%).

Im SDAX gewinnt Medigene rund 4,5 %, nachdem verlautbart wurde, dass ab April ein neuer Finanzvorstand seine Arbeit aufnimmt.

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Wirtschaftsklima sackt ab

Das Weltwirtschaftsklima ist so schlecht wie seit über sieben Jahren nicht mehr, meldet das Münchner Ifo-Institut: “Die Weltkonjunktur schwächt sich zunehmend ab”, erklärt Ifo-Chef Clemens Fuest; es ist der vierte Rückgang in Folge.

Vor allem in den Industriestaaten hat sich die Einschätzung der Lage deutlich eingetrübt. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt wird laut dem “World Economic Outlook”  des IWF vom Januar in diesem Jahr wohl um 3,5 % und 2020 um 3,6 % wachsen, das sind zehn Basispunkte weniger als in der Prognose vom Oktober (3,7 %).

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Flash Crash beim Franken

Der Schweizer Franken hat am Montag einen unerwarteten Kurssprung vollzogen: In Tokio rutschte der Preis um 7:00 Ortszeit gegenüber dem US-Dollar um fast ein Prozent ab, um sich kurz darauf ebenso schnell wieder zu erholen. Devisenhändler sprechen von einem “Flash Crash”, der auf einen Fehler bei der Dateneingabe zurückzuführen sei – der seinerseits eine kaskadierende Reaktion von Handelscomputern ausgelöst habe. Bereits Anfang Januar hatte der Yen unter ähnlichen Bedingungen einen unerwarteten Sprung von acht Prozent gegenüber dem australischen Dollar vollzogen.

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China handelt wieder

Nach der einwöchigen Pause haben die Börsen auf dem chinesischen Festland am Montag den Handel wieder aufgenommen. Der Shenzhen-Index legt um 1,82% zu, in Hongkong stiegen die Kurse um immerhin fast 0,7%. In Japan hingegen sank der Nikkei um zwei Prozent und der Topix um 1,9%.

Unterdessen sind die Sorgen um eine Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China noch lange nicht vom Tisch. Im Verlauf der Woche will der chinesische Vize Liu He US-Finanzminister Steven Mnuchin und den Handelsgesandten Robert Lighthizer zu weiteren Gesprächen treffen; bis zum 1. März sollte eine Lösung auf dem Tisch sein, denn dann endet die Frist, die Donald Trump und Xi Jinping in Buenos Aires vereinbart haben, um die Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren aufzuschieben.

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Noch ein Shutdown

US-Präsident Trump will seine Mauer – so oder so: Nachdem am Wochenende die Gespräche über die Finanzierung von Grenzschutzmaßnahmen zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress nicht so recht voran kommen wollten, droht Trump nun einmal mehr mit einem Shutdown: “The Wall will get built one way or the other!”. Die möglichen Folgen sind bislang noch nicht absehbar, der letzte Shutdown hat die US-Wirtschaft nach Zahlen der New York Times rund 11 Milliarden US$ gekostet.  

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Briten droht Rezession

Die Chancen, dass Großbritanniens Wirtschaft nach dem Brexit in eine Wirtschaftskrise schliddert, wird von Wirtschaftsexperten vor Ort mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent dotiert. Gleichzeitig geht die Bank von England davon aus, dass 2019 das geringste Wirtschaftswachstum der Dekade zu verzeichnen sein wird.

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Ölpreis tendiert seitwärts

Die Preise für die beiden wichtigsten Ölsorten WTI und Brent bewegen sich nach der Erholung Anfang Januar in engen Bändern: Die US-Sorte WTI vermag die 55-US$-Marke nicht zu durchbrechen und die europäische Sorte Brent oszilliert seit Januar zwischen 60 und 65 US$ pro Barrel. Indessen rechnet die Bank of America Merrill Lynch mit einer Stagnation der weltweiten Nachfrage nach Öl ab 2030. Der aktuelle Bedarf von ca. 100 Millionen Barrel pro Tag (Mbd) wird wohl um 1,2 Mbd über dem von 2018 liegen. Bis 2024 werde sich dieser Wert halbieren und in elf Jahren soll die Nachfrage dann auf einem Maximum stagnieren. Das ist übrigens auch der Zeitpunkt, ab dem der globale Verbrauch an fossilen Brennstoffen eigentlich, wie von Wissenschaftlern gefordert, bei Null liegen müsste, um die globale Erwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad zu begrenzen.

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Europäische Fondslandschaft wächst weiter

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Auch wenn 2018 für die Märkte in einem miesen 4. Quartal endete, konnten die Fondspromoter ihr Wachstum weiter fortsetzen. Vor allem etablierte Anbieter bauten ihren Marktanteil weiter aus.

Das vergangene Jahr hat der europäischen Fondsbranche zu Teil herbe Verluste beschert und die Fonds-Promoter lecken noch immer ihre Wunden. Rund 129 Mrd. € flossen aus Investmentfonds ab, der erste Rückgang seit der Finanzkrise 2008.

Zwar haben die Kapitalmärkte ihre Verluste aus dem vierten Quartal zum Teil wieder aufgeholt, doch die grundlegenden Parameter, die für die heftigen Kursrückgänge sorgten, sind nach wie vor nicht vom Tisch. Die Volatilität hat in den letzten drei Monaten mal kurz die 50 Punkte touchiert. Zwar liegt der Wert mittlerweile wieder unter 20, doch die Verunsicherung bleibt. Auch die Handels-Auseinandersetzungen der USA mit China und Europa sorgen nicht unbedingt für ein entspanntes Klima an den Börsen. Hinzu kommt die ausufernde Verschuldung in den USA sowohl auf Staatsebene (21 Billionen US$ bzw. 120 % des BIP) als auch auf Unternehmensseite (neun Billionen US$), die vor dem Hintergrund möglicherweise weiter steigender Zinsen durchaus zur Sorge Anlass bieten mag.

In diesem Umfeld hatten es Fondsgesellschaften 2018 alles andere als leicht, ihre Produkte an den Anleger zu bringen und, glaubt man der Statistik, es scheint sich ein Markt zu etablieren, in dem die großen Anbieter ihren Teil vom Kuchen vergrößern konnten, während die kleineren zusehends zu kämpfen haben.

So hat laut der monatlichen Übersicht von Lipper Alpha der Fondsriese BlackRock, der auch international mit weitem Abstand den Markt dominiert, im vergangenen Jahr unterm Strich Mittelzuflüsse in seine Produkte generiert und sammelte 25,4 Mrd. € ein, während die Branche in Europa netto (also um Kursverluste bereinigt) 129,2 Mrd. € verlor. In BlackRocks Zahlen sind rund 10 Mrd. € aus dem ETF-Geschäft von iShares enthalten, der Rest entfällt auf die traditionellen Investmentfonds. BlackRock bringt in Europa nun Vermögen im Wert von 735 Mrd. € auf die Waage.

Zweitgrößter Fondspromoter in Europa ist mit einem Vermögen von 331 Mrd. € Amundi, gefolgt von JP Morgan (295 Mrd. €), der UBS (275 Mrd. €) und der Deutschen Bank (265 Mrd. €).

Bei den Verkäufen konnte sich Aviva auf Platz zwei schieben; die Briten nahmen 18,4 Mrd. € ein, während der drittplatzierten UBS knapp 12 Mrd. € zuflossen. Bei den Schweizern konzentrierte sich das Neugeschäft übrigens fast ausschließlich auf Rentenfonds – eine Assetklasse, die ansonsten im vergangenen Jahr auf wenig Interesse stieß, denn aus Fonds mit Schwerpunkt Corporate Europe wurden beispielsweise mehr als 20 Mrd. € entnommen.

Das Neugeschäft mit Aktienfonds dominierte hingegen BlackRock, deren Equity-Produkte 8,2 Mrd. € einsammelten, während Baillie Gifford es auf 5,7 Mrd. € brachte und Morgan Stanley 5,2 Mrtd. € verbuchen konnte.

Fondsindustrie in Europa jedoch weiter im Wachstumsmodus

Trotz des Kapitalabflusses im vergangenen Jahr befindet sich die Fondsindustrie in Europa jedoch weiter im Wachstumsmodus. So hat die Zahl der neu auf den Markt gekommenen Produkte seit fünf Jahren wieder ein neues Hoch erklommen: 2.367 Fonds wurden 2018 emittiert.

Die MiFID-Regularien haben den Aufwand für das Management von Fonds unterm Strich erhöht, so dass vor allem für kleinere Anbieter der Druck wächst, ihre Produktpalette zu bereinigen, um Kosten zu sparen. 2018 haben die Fondsgesellschaften in Europa 1.190 Fonds liquidiert und weitere 994 mit bestehenden Fonds zusammengelegt.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Trend bei den Aktienfonds: Hier wurden 351 Fonds geschlossen, 347 gemergt und 786 neue Fonds aufgelegt.

Die Mischfonds, die 2018 eine hohe Nachfrage verzeichnen konnten und bis dahin in großem Maß von den Entwicklungen am Rentenmarkt abhängig waren, etablieren sich nun als Multi-Asset-Fonds: 270 “alte” Fonds wurden in dieser Klasse liquidiert, 214 auf bestehende verschmolzen und 774 neue Fonds aufgelegt.

Unterm Strich wuchs die Zahl der Investmentfonds in Europa über alle Asset-Klassen hinweg im vergangenen Jahr also um 183.

BaFin sucht Sonderbeauftragte

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Wenn eine Verischerung, eine Bank oder eine KVG in Schwierigkeiten gerät, darf die BaFin das Management vor die Tür setzen und einen Sonderbeauftragten dafür einsetzen. Die BaFin sucht derzeit nach geeigneten Kandidaten für diese Aufgabe.

In ihrem aktuellen BaFin-Journal hat die BaFin nicht nur auf eine der schärfsten Klingen in ihrem Instrumentenkasten hingewiesen, sondern erstaunlicherweise im gleichen Atemzug auch gleich ein Anforderungsprofil für Bewerber hinterlegt. Offensichtlich ist die BaFin dringend auf der Suche nach geeigneten Kandidaten.

Es geht um den Job als Sonderbeauftragter. Und dessen Aufgabe hat es in sich.

Hintergrund: Wenn die BaFin einem Unternehmen einen Sonderbeauftragten ins Haus schickt, muss dort in der Regel ein Vorstand oder ein Aufsichtsrat gehen. Denn die BaFin kann, wenn sie es für angebracht hält, Firmen-Organe teilweise oder komplett entmachten und deren Befugnisse auf Sonderbeauftragte übertragen. Geht es dabei um eine Versicherung, wendet die Aufsichtsbehörde § 307 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) an, für Kreditinstitute  kommt § 45 c KWG zur Anwendung, und laut § 40 KAGB kann die BaFin bei Kapitalverwaltungsgesellschaften die Abberufung der verantwortlichen Geschäftsleiter verlangen. Die Organbefugnisse überträgt die BaFin dann so lange auf einen geeigneten Sonderbeauftragten, bis das betreffende Unternehmen über geeignete neue Geschäftsleiter verfügt. Dort, wo er bestellt ist, hat dieser Sonderbeauftragte volle Entscheidungsgewalt.

Hohe Hürden für die Anwendung

Welche Wirkkraft das Gesetz hat, war dessen Autoren durchaus klar. Deshalb muss die BaFin die Verhältnismäßigkeit solch einer drastischen Maßnahme berücksichtigen. Die Aufsichtsbehörde weist in ihrem Report darauf hin, dass Sonderbeauftragte nur in solchen Unternehmen eingesetzt werden sollen, die eine bestehende Organ-Krise nicht aus eigener Kraft beheben können. Außerdem muss die Aufsicht die Interessen und Rechtsgüter des Unternehmens sorgfältig gegen den Nutzen des Einsatzes eines Sonderbeauftragten abwägen. Zudem dürfen nur Befugnisse und keine Schlüsselfunktionen eines Organs übertragen werden. So hat etwa die Compliance-Funktion keine Organqualität und kann deshalb nicht auf einen Sonderbeauftragten übertragen werden.

Der Sonderbeauftragte ist nicht der verlängerte Arm der BaFin

Die BaFin darf zwar Geschäftsführer oder Vorstände abberufen und einen Sonderbeauftragten an ihre Stelle platzieren. Doch die Aufsicht hat nicht das Recht, über diese Rochade in die Unternehmen hineinzuregieren. Denn das Gesetz verpflichtet den Sonderbeauftragen der Aufsichtsbehörde gegenüber zwar „zur Auskunft über alle Erkenntnisse im Rahmen seiner Tätigkeit“, doch der Beauftragte handelt – das stellt die BaFin klar – nicht im öffentlichen Interesse, sondern im Interesse des Unternehmens.

Offene Türen für Sonderbeauftragte

Wichtig: Dem eingesetzten Sonderbeauftragten müssen alle Türen offen stehen und alle Dokumente zugänglich sein. Hintergrund: Wer als Interimskrisenmanager in ein Unternehmen kommt, dessen Situation und Geschäftslage er zunächst nicht kennt, ist darauf angewiesen, in vollem Umfang über die Geschäftslage und das Handeln aller verantwortlichen Personen informiert zu werden.

Was müssen Interessenten mitbringen

Wenn die BaFin Sonderbeauftragten Vorstandsaufgaben überträgt, müssen die beauftragen Personen die Anforderungen des § 24 VAG erfüllen: Sie müssen berufliche Qualifikationen, Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen, „die eine solide und umsichtige Leitung des Unternehmens gewährleisten. Aufgrund der großen Bandbreite an möglichen Situationen, die einen Sonderbeauftragten-Einsatz erforderlich machen können, sind daher grundsätzlich alle Fachrichtungen als Berufshintergrund denkbar, die nach der aufsichtsrechtlichen Praxis für ein Vorstandsamt qualifizieren. Mitnichten sind also nur Juristen angesprochen“, schreibt die BaFin. Besonders wichtig seien Erfahrungshorizont und Persönlichkeit der Kandidaten.

Mehr zu der ungewöhnlichen Stellenausschreibung sowie die Kontaktadresse für Bewerber im aktuellen BaFin-Journal.

Mit langem Atem investieren lohnt sich

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Der Zeitpunkt einer Investition spielt kaum ein Rolle. Es ist viel wichtiger, regelmäßig und mit langem Atem dabei zu bleiben. Dann stimmt auch die Rendite. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

Natürlich wäre es wünschenswert, kurz vor den besten Börsentagen investiert zu sein, auf dem Höchststand der Kurse zu verkaufen und in schwachen Börsenzeiten mit vollem Portemonnaie am Parkettrand zu stehen. Solch ein perfektes Market-Timing ist jedoch leider nicht machbar. Deshalb ist die Frage nach dem Timing eher eine Frage zu dessen Bedeutungslosigkeit. Das bestätigt erneut eine von zahlreichen Studien zu diesem Thema, diesmal erstellt von DWS Global Research Institute. „Unsere Untersuchung mit dem Titel ‚Multi-Asset Long View‘ kommt zu dem Ergebnis, dass der Einstiegszeitpunkt bei langfristigen Kapitalanlagen nahezu irrelevant ist“, sagt Christian Hille, Global Head of Multi-Asset bei der DWS.

Je länger der Anlagehorizont, desto irrelevanter der Einstiegszeitpunkt

Zum Beweis haben die DWS-Experten in ihrer Studie zwei theoretische Anlagen am US-Aktienmarkt untersucht, der durch die Total-Return-Variante des S&P-500-Index repräsentiert werden soll. Der erste Kauf findet Ende April 2000 herum statt, einem Zeitpunkt, zu dem US-Aktien so teuer waren, wie sie es bis gegen Ende 2007 nicht mehr sein sollten. Auf solch hohem Bewertungsniveau einzusteigen, hätte den Autoren zufolge eigentlich eine schlechte Anlageentscheidung gewesen sein müssen. Und tatsächlich zeigt sich: Auf Sicht von fünf Jahren ist ein Minus von vier Prozent per annum die Folge, binnen zehn Jahren liegt der Verlust immerhin noch bei durchschnittlich knapp einem Prozent (siehe Abbildung).

Zum Vergleich untersuchten die Autoren ein Investment, das zwölf Monate später zu deutlich niedrigeren Kursen getätigt wurde. Mit einem Zuwachs von gut zwei Prozent per annum erweist sich der spätere Einstiegszeitpunkt auf Sicht von fünf und zehn Jahren tatsächlich als die weitaus bessere Wahl. Bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren ist der Einstiegszeitpunkt hingegen weitgehend irrelevant für die Wertentwicklung. Selbst ein Anleger, der auf dem Hoch gekauft hat, kann sich über einen jährlichen Zuwachs von 3,7 Prozent freuen.

„Über einen langen Investmenthorizont hinweg spiegelt die Wertentwicklung die fundamentalen Rahmenbedingungen wider“, erklärt Hille. Für den Anleger bedeute das, dass er weitgehend unabhängig vom Einstiegszeitpunkt die Risikoprämie einer Anlageklasse erhält. „Das sehen wir am Beispiel der US-Börsen, das gilt aber auch für alle anderen Aktienmärkte und Anlageklassen“, so Hille.

Die vollständige Studie als PDF-Dokument.

Geschlossene Flugzeug-Fonds: A380 unter Druck

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Zu breit, zu schwer, zu teuer: Die Fluggesellschaft Qantas hat ihre Order für acht Airbus A380 storniert. Singapore Airlines und Air France wollen ihre geleasten A380 nach Ablauf der Vertragsdauer zurückzugeben. Asset Manager von geschlossenen A380-Fonds geraten unter Druck.

Der Airbus A380, das darf man so sagen, ist keine Erfolgsgeschichte. Der Chef der Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al Baker, hat jetzt in einem Spiegel-Interview gesagt, er wäre nicht traurig über eine Einstellung des A380. Er finde das Flugzeug zu schwer. Hätte man die Flügel angepasst und das Flugzeug deutlich leichter gebaut, wäre der A380 seiner Meinug nach das perfekte Flugzeug gewesen. So aber verbrauche der Riesenvogel zu viel Treibstoff.

Das
Interview mit Al Baker ist nur ein weiterer Tropfen auf das längst
übergelaufene Fass: Singapore Airlines und Air France sind ebenfalls
unzufrieden und wollen ihre geleasten A380 nach Ablauf der Vertragsdauer
zurückzugeben. Qantas hat, wie gestern bekannt wurde, die Order für acht Airbus
A380, die die australische Fluggesellschaft bereits 2006 bestellt hatte,
zurückgezogen. Auch die Fluggesellschaft Emirates, der größte Abnehmer des
Flugzeugs, will – so heißt es – ebenfalls seine restlichen Bestellungen
stornieren und auf ein anderes Flugzeug umsteigen. Besonders ein Rückzug von
Emirates würde das A380-Abenteuer wohl schnell beenden. Das Unternehmen hat 162
Flugzeuge bestellt, erst 109 wurden ausgeliefert. Allein Emirates ist damit für
die Hälfte des Auftragsvolumens verantwortlich.

Geschlossenen Fonds drohen Verluste

Die einstmals als Meilenstein der Luftfahrttechnik gefeierte doppelstöckige A380 ist zum Ladenhüter mutiert. Das ist nicht nur für Airbus ein Riesenproblem, sondern auch für Anleger und Asset Manager geschlossener Fonds, die rund 1,6 Milliarden Euro in insgesamt 21 Flugzeuge des Typs A380 investiert haben. Die Leasingnehmer der Flugzeuge sind Singapore Airlines, Air France und Emirates.

Für Anleger steht und fällt der Erfolg ihres Investments mit der Frage, ob die drei Airlines an der Weiterbeschäftigung der Großraumflugzeuge nach Ablauf der ursprünglichen Leasingdauer interessiert sind und von ihren vertraglichen Verlängerungsoptionen Gebrauch machen. „Doch der A380 hat sich bei Fluggesellschaften als weitaus weniger beliebt erwiesen als bei Passagieren. Dies spiegelt sich unter anderem auch an deutlich gesunkenen Zweitmarktkursen für geschlossene A380-Fondsanteile wider“, sagt Frank Netscher, Analyst bei Scope Analysis.

Was Anlegern
bereits vor zwei Jahren Sorge bereitet haben dürfte: Der erste Leasingvertrag
eines A380, der damals auslief, wurde von Singapore Airlines nicht verlängert.
Das Flugzeug endete als Ersatzteillager zum Ausschlachten, ebenso wie zwei von
vier ebenfalls von Singapore Airlines geleasten und im Eigentum deutscher
geschlossener Fonds befindlichen A380. Die Asset Manager versuchen derweil
verzweifelt, für die verblieben zwei am Boden befindlichen Flugzeuge neue
Leasingnehmer zu finden.

Verschärfend
für die ohnehin nicht komfortable Lage für Manager und Anleger kommt hinzu: In
den kommenden sechs Jahren laufen die Leasingverträge für weitere 16 Airbus
A380 aus, die sich im Eigentum deutscher geschlossener Fonds befinden. Sollte
für diese Modelle keine Anschlussvermietung möglich sein, müssten auch sie
zerlegt und als Ersatzteile verkauft werden. In einem solchen Fall würde das
massive Zusatzangebot auch die Preise für Ersatzteile nicht unberührt lassen.
„Dies könnte weiteren negativen Einfluss auf die Performance der Fonds haben“,
so Scope-Analyst Netscher.

Bei Passagieren beliebt, von
Fluggesellschaften gehasst

Der
Riesenvogel A380 ist in einer Hinsicht ein Paradoxon: Die Passagiere des A380
zeigen sich in Umfragen immer wieder begeistert von dem Komfort und dem
Platzangebot. Doch Fluggesellschaften bewerten das Flugzeug anders. Ihr größtes
Problem: Der Betrieb eines A380 rechnet sich nur bei sehr hoher Auslastung.
Allerdings existieren nicht allzu viele Routen, auf denen regelmäßig mehr als
500 Sitze gefüllt werden können. Rechenbeispiele von Fluggesellschaften haben
zudem gezeigt, dass eine Boeing 777-300ER auf einem 14-Stunden-Langstreckenflug
bis zu 20 Prozent weniger Kosten verursacht als der A380. Das Boeing-Modell
verfügt über rund 360 Sitze – eine Größenordnung, die von den meisten Airlines
als ausreichend erachtet wird.

In der
aktuellen Studie der Ratingagentur Scope erklären die Autoren: Durch den Airbus
A350 (Kapazität: 330 bis 370 Sitze) und die kurz vor der Einführung stehende
Boeing 777X (360 bis 410 Sitze) komme auch moderne Konkurrenz auf den Markt.
Beide Modelle seien sparsamer und effizienter und verursachen so geringere
Betriebskosten. Die Kombination aus den Schwierigkeiten, einen A380
auszulasten, der Konkurrenz durch effizientere Modelle mit niedrigeren
Betriebskosten sowie Restriktionen hinsichtlich der Flugzeuggröße auf einigen
Flughäfen mache den A380 für viele Airlines unattraktiv.

Eine
Einschätzung, die aus Sicht zahlreicher Passagiere zwar schade, aber ökonomisch
nachvollziehbar ist.

Die Scope-Studie als PDF-Dokument.

Asset Manager sind vorsichtig optimistisch

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Die verwalteten Vermögen sollen bis 2015 um rund 21 Prozent steigen. Globale Asset Manager erwarten ein starkes, aber nicht “astronomisches” Wachstum.

In der Befragung Asset Manager Outlook to 2025 haben Bloomberg Intelligence und die Kanzlei Simmons & Simmons knapp 2.000 Vermögensverwalter nach ihren Erwartungen für den Anlagesektor in den nächsten sieben Jahren befragt. Daraus geht hervor, dass die Branche vergleichsweise konservativ in ihrem Ausblick ist: Die weltweit verwalteten Vermögen sollen demnach um rund 21 Prozent zunehmen – eine Zunahme von rund drei Prozent p.a. über die nächsten sieben Jahre. Damit geben sich die Umfrageteilnehmer vorsichtiger als andere Marktprognosen, die von einem deutlich höheren Wachstum ausgehen.

Ein wichtiges Ergebnis der Befragung: Die Einnahmen der Asset Manager aus den Gebühren werden nach deren eigenen Erwartungen im selben Zeitraum nur um acht Prozent wachsen – unter dem Strich bzw. in Relation zum Wachstum der AuM verringert sich ihre Marge also weiter und der Druck auf die Profitabilität nimmt zu.

Das wird laut der Studie auch zu einer Veränderung im Anlageverhalten führen: Mehr als ein Viertel der Befragten wollen ihr Angebot im Bereich der Alternativen Investments ausdehnen, wo bislang noch höhere Gebühren und Erlöse möglich sind. Immerhin ein Fünftel (19 %) der befragten Fondsgesellschaften will sein Geschäft mit aktiv gemanagten Produkten ausweiten. Simmons & Simmons sehen hier vor allem ein Erstarken der “aktiv gemanagten ETFs”, bei denen niedrigere Kosten mit höheren Margen vereint werden können.

Wandel bei der Allokation

Ein Wandel soll sich auch bei der Auswahl der Asset-Klassen vollziehen. Dieser wird unter anderem ausgelöst durch sich das makroökonomische Umfeld und die sich verändernde Demographie: So wollen viele der befragten Fondsmanager von Staats- und Unternehmensanleihen in Infrastruktur, ESG und Impact Investing umschichten.

In einer Studie von 2017 hatte die Unternehmensberatung PriceWaterhouse Cooper prognostiziert, dass sich die verwalteten Vermögen von 85 Billionen US$ im Jahr 2016 bis 2025 auf dann 145 Billionen US$ fast verdoppeln werden.

Die Berater der Boston Consulting Group schätzen übrigens die Summe der globalen Vermögen aktuell auf rund 209 Billionen [sic] US$; davon sind 122 Billionen US$ in Aktien, Anleihen, Fonds, Devisen und Bareinlagen investiert und weitere 80 Billionen in nicht-liquiden Anlagen (Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Firmenbeteiligungen) gebunden.

Christian Machts geht zu Fidelity

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Der Head of Retail bei BlackRock wechselt im April 2019 zu Fidelity und wird dort das Wholesale-Geschäft in Deutschland leiten.

Bevor Christian Machts 2013 als Vertriebsleiter des Privatkundengeschäfts zu BlackRock kam, war er 13 Jahre bei der Commerzbank tätig. Machts tritt bei Fidelity in die Fußstapfen von Claude Hellers, der das Unternehmen im vergangenen Sommer verließ.

Nun soll Machts für Fidelity den Großhandel mit den Fondsprodukten leiten und dabei mit Christophe Gloser, dem Chef des Wholesale
Continental Europe, zusammenarbeiten.

Machts Nachfolger bei BlackRock wird Peter
Scharl, der bislang das Geschäft mit ETF und Indexfonds in Deutschland, Österreich und Osteuropa verantwortet.