Bären beherrschen den DAX

Schlagworte: ,

Die letzte Woche hat der DAX mit einem Minus von 4,6 % abgeschlossen, allein am Freitag verlor der Deutsche Leitindex gut 2,3 % und dotierte am Freitagabend bei 11.918 Punkten.

Zum Handelsstart am heutigen Montag scheint die Kauflaune bei den Anlegern zurückgekehrt zu sein. Der DAX legt leicht zu und steht am Vormittag bei 12.016 Punkten (11.30 Uhr MEZ).

Die Analysten der Deutschen Bank sehen in der Annäherung an die Marke von 12.000 Punkten eine wichtige psychologische Schwelle. Sollte sie zurück erobert werden können „wäre es der erste Schritt für eine größere Erholung, die den Index im Anschluss bis 12.200, 12.330 oder 12.420 hieven könnte“, hieß es von Seiten der Deutschbanker.

Auch für Andreas Büchler, Gründer des Analysehauses Qarat, steht der Blue-Chips-Index an einem entscheidenden Wegpunkt: „Der Deutsche Aktienindex ist bis an die Obergrenze einer langfristigen Kaufzone zurückgefallen“, konstatiert Büchler, „Damit steigen die Chancen einer Bärenmarktrally, doch der grundlegende Trend zeigt auch weiterhin klar nach unten“.

Diesen Trend sieht auch Claudia Windt, Kapitalmarktexpertin der Hessischen Landesbank: „Wenig deutet aktuell darauf hin, dass die Finanzmärkte in den Risikomodus zurückfinden werden“, so Windt. Sie macht die angespannte politische Nachrichtenlage für den Kurssturz der Börsen verantwortlich: „Groko-Abstimmung der SPD, Wahlen in Italien und nun auch noch ein drohender Handelskrieg mit den USA: Anlegern bieten sich derzeit wahrlich keine erbaulichen Themen“. 

Dabei könnten in dieser Woche durchaus positive Nachrichten die Märkte erneut beflügeln, meint Dr. Stefan Kipar, von der Bayern LB. Von der EZB-Sitzung am Donnerstag erwarte er keine negativen Nachrichten, die EZB werde ihre vorsichtige Kommunikationspolitik beibehalten. Gleiches gelte für die anstehenden Konjunkturdaten, die am Donnerstag und Freitag anstehen. Die industriellen Neuaufträge würden sich auf hohem Niveau stabilisieren, die Produktionsauslastung daher ebenfalls stabil bleiben. Und „Mit Blick auf die gute konjunkturelle Entwicklung sollte die Nachfrage in Deutschland nach ausländischen Gütern auch im Januar weiter zugelegt haben und auch die Warenausfuhr dürfte im Januar ein kleines Plus ausgewiesen haben“, so Kipar.

Porsche plant autonomes Fliegen

Derweil plant der Stuttgarter Automobilhersteller seine Produktpalette um automatisierte Mini-Flugzeuge zu erweitern. Geplant ist ein Lufttaxi. Wie Vertriebschef Detlev von Platen der Zeitschrift „Automobilwoche“ verriet, sind die Arbeiten an dem Fluggerät bereits weit fortgeschritten. In den kommenden Wochen solle eine Designstudie vorgestellt werden. Die Idee ist, ein Flugzeug mit kurzer Reichweite zu bauen, das autonom fliegt. Mit dem Taxi sollen Passagiere schnell und ohne Staus in die Innenstädte gelangen können. 

VW will LKWs an die Börse bringen

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Insider berichtet, hegt der Volkswagen Konzern Pläne, eine Geschäftssparte gesondert an die Börse zu bringen. Betroffen ist die LKW Sparte der Wolfsburger. Noch in diesem Monat soll mit der Umwandlung der VW Truck & Bus in eine Aktiengesellschaft begonnen werden. Allerdings hätten weder Vorstand noch Aufsichtsrat dem Vorhaben endgültig zugestimmt.

AXA unterbreitet XL Group Übernahme-Angebot

Weiter fortgeschritten sind die Zukunftspläne des Versicherers AXA. Die Franzosen haben ein Übernahmeangebot in Höhe von 12,5 Mrd. Euro für den US-amerikanischen Versicherungskonzern XL Group abgegeben. Mit der Übernahme stiege AXA zum weltgrößten Versicherungsunternehmen auf. Die Zustimmung der XL-Aktionäre sowie der Regulierungsbehörden steht noch aus.

(DW)

Zahl der Finanzvermittler steigt

Schlagworte:

Die Zahl der bei der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) registrierten Honorar-Finanzanlagenberater ist im letzten Jahr um  mehr als 16 Prozent gestiegen. Am Jahresanfang 2017 vermeldete die DIHK 139 registrierte Honorarberater. Ein Jahr später zählt die Institution 161.


 
Quelle: DIHK/eigene Darstellung

Nahezu konstant (+0,55%) blieb dagegen die Anzahl der Finanzanlagenvermittler. Zum Stichtag 01. Januar 2018 verzeichnete die DIHK 37.432  Finanzanlagenvermittler, 203 mehr als ein Jahr zuvor. 

Quelle: DIHK/eigene Darstellung

Besonders drastisch fällt der Anstieg registrierter Immobiliendarlehensvermittler aus. Anfang Januar waren 49.714 Darlehensvermittler bei der DIHK eingetragen. Zum Vorjahreszeitpunkt waren nur 22.180 Berater registriert. Damit verzeichnet die Branche binnen einen Jahres einen Anstieg von 125 %.    

Quelle: DIHK/eigene Darstellung

Informationen zur Veränderungen innerhalb der Vermittlergruppen finden Sie in unserer Bildergalerie.

(DW)

Kryptowährung speziell für die Erotikbranche

Schlagworte: ,

Die Firma Eroiy möchte die Erotikbranche aus der Krise heben. Gelingen soll das mit einer eigens für den Erotikhandel entwickelten Kryptowährung, die nach ihrem Urheber „Eroiy“ getauft worden ist. Bis Ende Februar lief ein Pre-ICO (Initial Coin Offering), das öffentliche ICO ist Anfang März gestartet worden und soll Ende des Monats abgeschlossen sein. Die Firma plant zwei Milliarden Eroiy-Einheiten zu produzieren. Davon sollen 60 %, bzw. 1,2 Mrd. Eroiy an den Markt ausgegeben werden. Der Eroiy soll auf dem Blockchain-Protokoll der nach Marktkapitalisierung achtgrößten Digitalwährung NEM (New Economy Movement) aufbauen. Das besondere an Eroiy ist gemäß des Eroiy-Whitepapers die Gewährung anonymer Zahlungen über den Einsatz einer speziell entwickelten Wallet.

Ziel ist es, mit dem Eroiy ein allgemein und weitläufig akzeptiertes Zahlungsmittel für die Erwachsenenunterhaltung und Dating-Industrie bereit zu stellen. 
Bis Ende Februar hat das Unternehmen, das in Panama registriert ist, sein operatives Geschäft aber aus der Schweiz heraus führt, nach eigenen Angaben mit dem Pre-ICO über 13,6 Mio. Euro eingesammelt. Leiten wird die Firma der Jurist und gelernte Bankkaufmann Markus Steffen. Er verfügt über einschlägige Erfahrung in der Finanzbranche. Nach Abschluss seines Studiums war er als Steuerberater tätig, anschließend wechselte er 2007 ins Firmenkundengeschäft verschiedener Finanzdienstleister u.a. der UBS. Seit 2013 berät der Schweizer Finanzinstitute. Seinen Erfahrungsschatz will er nun für den Erfolg der neuen Erotikwährung einsetzen.

Zum Eroiy-Ökosystem zählt neben der Coin das eWallet, sowie eine Währungsbörse, auf der handelsübliche Währungen gegen den Eroiy eingetauscht werden können. Verschiedene Bonussysteme, bspw. Flugmeilen sowie eine eigene Eroiy-Kreditkarte stehen ebenfalls auf der Agenda des Unternehmens. 

Die Anonymität der Transaktionen soll aus der Architektur der digitalen Geldbörse resultieren. Zahlungen werden nur mit der Wallet verknüpft, ohne dass die Nutzerkennung mit übermittelt wird. Nutzer müssten nur ihr Passwort und eine Code Nummer bereithalten, um Transaktionen durch zu führen. Eine innovative neue Lösung stellt diese Form des Wallets allerdings nicht dar. Man nutze die bereits bestehende Geldbörsenlösung von NEM, erklärte Walter Hasenclever, zuständig für das Marketing bei Eroiy, gegenüber dem Informationsdienstleister Golem.de

Das über die Coin Offerings eingeworbene Kapital soll zu einem Großteil in die Entwicklung der technischen Infrastruktur fließen. Beteiligt sind daran neben der US-amerikanischen CPI Technologies, die Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung fertigt, rund 20 Entwickler bei NEM. Bis Ende März sollen die Arbeiten nach Angaben von Hasenclever weitgehend abgeschlossen sein.

Verwendungsplan für den ICO Fonds

 

Quelle: coinschedule

An potentiellen Geschäftspartnern mangelt es dem StartUp nicht. Gut 25 Online-Anbieter hat Eroiy bereits gewonnen. Dazu zählen u.a. Orgazmik, Porno.de, Camasutra VR, NewbieNudes.com oder Nakedsword. Ob Eroiy, wie es im Whitepaper verkündet wird, gelingt „die Erotik-Industrie wach zu küssen“, bleibt dahingestellt.

(DW)

MLP wächst

Schlagworte: ,

Die MLP Gruppe hat das Geschäftsjahr 2017 weit besser abgeschlossen als das Vorjahr. Das gab der Vorstandsvorsitzende Dr. Uwe Schroeder-Wildberg auf der gestern statt findenden Jahrespressekonferenz bekannt. Das operative Ergebnis stieg um 33 % auf 46,7 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn verdoppelte sich nahezu gegenüber 2016.  Er legte 90 % zu und beträgt 27,8 Mio. Euro. Bei den Umsatzerlösen verzeichneten die Baden-Würtemberger ein Plus von gut drei Prozent. Sie stiegen von 590 Mio. Euro in 2016 auf 608 Mio. Euro im vergangenen Jahr.

Gesamterlöse auf höchstem Wert seit der Finanzkrise


Quelle: MLP

Großen Anteil daran hatten die Provisionserlöse. Hier sei es der MLP gelungen Zuwächse in fast allen Beratungsfeldern zu generieren. Sie summieren sich auf 590 Mio. Euro, gut 20 Mio. Euro als im Vorjahr. Das stärkste Wachstum verzeichnete die MLP im Bereich der Immobilienvermittlung. Sie legte um 20 % auf gut 18 Mio. Euro zu. Die Sparte Vermögensmanagement steigerte ihr Ergebnis um 15 % auf 190 Mio. Euro. Das betreute Vermögen stieg um 1,2 Milliarden Euro auf zuletzt 33,9 Mrd. Euro an. 

Zuwachs hatte auch das Versicherungssegment. Bei Sachversicherungen erzielte MLP ein einen Erlös von 110 Mio. Euro, gut vier Millionen Euro mehr als 2016. Krankenversicherungen blieben mit rund 46 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau. Bei Altersvorsorge-Versicherungen verzeichneten die Finanzdienstleister Abflüsse von mehr als 13 Mio. Euro. Verträge im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge wurden dagegen besser nachgefragt (plus zwei Prozent).

Geschmälert wurde die Bilanz dagegen von rückläufigen Zinserlösen. Sie liegen mit gut 19 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahreswert (20,5 Mio. Euro).

Steigern konnte die MLP Gruppe auch ihre Kundenbasis. Netto betreut die MLP 529.100 Familienkunden, gut 2.600 mehr als 2016. Brutto wurden 19.800 neue Kunden gewonnen. Das entspricht genau der Summe an Firmenkunden, die 2017 versorgt wurden. Auch hier steht am Jahresende eine positive Entwicklung gegenüber dem Vorjahr (+200). 

Positive Bilanz


Quelle: MLP

Aufgrund des positiven Ergebnisses soll die Dividende pro Aktien signifikant angehoben werden. Wurden 2016 nur acht Cent pro Anteilsschein ausgeschüttet, sollen es für das abgelaufene Jahr 20 Cent pro Aktie für die Aktionäre geben.

(DW)

Ralph Blöcher wird Marketingleiter bei DJE

Schlagworte:

Ralph Blöcher übernimmt die Leitung des Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit bei DJE Kapital. Künftig wird er an Thorsten Schrieber, Mitglied der Geschäftsleitung der DJE Kapital AG und Leiter der Bereiche Fondsvertrieb, Marketing & Öffentlichkeitsarbeit, berichten. 

Der 47-jährige Blöcher kommt von BNY Mellon, wo er vor fast genau elf Monaten zum Head of Marketing Germany berufen worden war. Blöcher, gebürtiger Frankfurter, verfügt über fast elf Jahre Erfahrung. Vor seinem Engagement bei BNY Mellon verantwortete er für zwei Jahre als Regional Marketing Head Northern Europe die Kundenbetreuung für M&G Investments. Von 2007 bis 2014 stand er bei BlackRock als Leiter Marketing von iShares in Deutschland und Österreich unter Vertrag. Von 2003 bis 2006 war er im Marketing von MasterCard Europe beschäftigt, die vorigen vier Jahre in ähnlicher Funktion bei Eurocard.

(DW)

Welche Zukunft hat Blockchain

Schlagworte: ,

Der Bitcoin selbst mag ein wertleeres Spekulationsobjekt sein – unbestreitbar ist, dass er eine Technologie in die Öffentlichkeit getragen hat, der Branchen übergreifendes, revolutionäres Potential zugeschrieben wird. Unternehmen, die mit der Blockchain in Verbindung gebracht werden, gelten als zukunftssicher. Dabei scheint die Blockchain weder etabliert noch ihr Einsatz technisch ausgereift.

Daher wundert es nicht, dass Profi-Anleger der neuen Technologie skeptisch gegenüber stehen. Nach einer aktuellen TED-Umfrage der Investmentgesellschaft Universal Investments unter institutionellen Investoren aus Versorgungseinrichtungen, Banken, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen meinen zwar 45 %, dass die Blockchain zukünftig wichtig werden wird. Sogar 49 % gehen davon aus, dass die Finanzbranche sich durch die Technologie verändern wird. Dennoch befasst sich aktuell nur gut 13 % mit Anlagemöglichkeiten und knapp vier von zehn Finanzprofis halten ein Engagement in naher Zukunft für unwahrscheinlich. 

Gewaltiges Umwälzungspotential 

Dabei scheint es ebenso Konsens zu sein, dass die Technologie ganze Branchen auf Links krempeln könnte. Im Prinzip gleicht die Blockchain einer dezentralisierten Datenbank. Wie eine herkömmliche Datenbank ermöglicht sie es, Transaktionen zwischen den Teilnehmern durchzuführen und zu speichern. Im Gegensatz zur traditionellen Datenbank, wo die Daten an nur einem Ort abgelegt sind, wird in der Blockchain die Speicherung und Verifikation auf allen teilnehmenden Rechnern durchgeführt. Auf diese Weise ersetzt das Algorithmen-System die bisher benötigte Zentrale. Diese Struktur macht nach Ansicht von Milosz Matuschek, Dozent an der Pariser Sobonne, das Potential der Technologie aus: „Das Revolutionäre der Blockchain-Technologie besteht in der weitgehenden Neutralisierung von Mittelsmännern und Gatekeepern“, erklärt er in einem Beitrag der NZZ

Daraus resultierten viele Vorteile: sie sei eine „fast fälschungssichere, transparente und (im Idealfall) autoritätsfreie virtuelle Infrastruktur mit zahlreichen Anwendungsgebieten, von alternativen Währungs- und Zahlungssystemen über smarte Verträge, Buchführung, Dokumentation und Prognostik bis hin zu E-Voting oder Charity“.

Smart Contracts

Die Blockchain-Technologie hält ein riesiges Anwendungsspektrum bereit und zahlreiche Big Player aus aller Herren Länder und aus ebenso vielen Sektoren testen aktuell Blockchain Anwendungen. Die bekannteste ist die digitale Währung Bitcoin. Weniger bekannt, aber deutlich umfangreicher ist die Ethereum-Blockchain. Sie ermöglicht es nicht nur Transaktionen durch zu führen, sondern darüber hinaus, die Transaktionen mit weiteren Befehlen zu programmieren, etwa, unter welchen Bedingungen eine Transaktion durchgeführt werden soll. 

In Fällen, in denen Folgen von Transaktionen automatisiert ablaufen, sind Smart-Contracts am Werk. Vertragskonstitutive Willenserklärungen werden vorher programmiert und maschinell in Kraft gesetzt. „Das vertragliche Pflichtenprogramm wird von einer Maschine automatisch ausgeführt, wenn die Voraussetzungen vorliegen, ohne dass eine unmittelbare menschliche Handlung erforderlich wäre“, sagt Dr. Matthias Terlau, Autor einer Bitcom Blockchain Studie. „Gleichzeitig führt die Durchsetzung dazu, dass im Fall von Missbrauch oder Verstößen automatisiert Sanktionen ausgeführt werden“. 

Blockchain ist eine nahezu universal einsetzbare Technologie


Quelle: Bitcom

In New York hat ein Energie-Unternehmen diese Form der Blockchain bereits in einem Pilotprojekt umgesetzt. Hier können sich Nachbarn untereinander mit Strom, den sie selbst produzieren, versorgen, indem sie überschüssige Energie an die Umgebung oder den Netzbetreiber verkaufen oder bei Bedarf zukaufen. Die Software-Infrastruktur stellt Siemens bereit. Fast 50 Parteien nehmen an dem Netzwerk teil. Neben Privathaushalten auch Institutionen wie die örtliche Feuerwehr oder der Kindergarten. Die Preise werden über die Programmierung der Transaktionen ermittelt. Wer bereit ist, am meisten für den im Netzwerk vorhandenen, überschüssigen Strom zu zahlen, bekommt den Zuschlag. 

Auch in der Autoindustrie ist die Blockchain längst angekommen. Fahrzeughersteller Toyota arbeitet mit Forschern des MIT und verschiedenen Startups, u.a. dem Berliner BigchainDB an einem Software-System für Car-Sharing. Die Nutzung sowie die Umlage der Versicherungskosten soll auf diese Weise effizienter gestaltet werden. Und der Konzern RWE geht in einem weiteren Pilotprojekt der Frage nach, wie das Tanken von E-Autos mit Hilfe der Blockchain organisiert werden kann.

In China verwendet der Geflügelprodukt-Hersteller ZhongAn die Blockchain zur Dokumentation der artgerechten Geflügelzucht. In Zeiten der Fleischskandale verspricht das Unternehmen mehr Transparenz für die Verbraucher. Mit der Blockchain lässt sich der Lebensweg jedes Huhnes – jedes sogenannten „Gogochickens“ – exakt und fälschungssicher nachzeichnen. „Jedes unserer Hühnchen trägt seit seiner Geburt ein IoT-Gerät, das drahtlos mit unserem Blockchain-Netzwerk verbunden ist. So werden Echtzeitdaten über Aufenthaltsort und tägliche Bewegung des Tieres gesendet, die die Verbraucher über das Internet abrufen können“, erklärt Chen Wei, CEO von ZhongAn. Momentan gibt es knapp 100.000 Gogochicken. In den kommenden Jahren sollen es 23 Mio. werden.

Auch für den menschlichen Lebensweg werden derzeit Anwendungsmöglichkeiten entwickelt, zum Beispiel im Gesundheitswesen. „Den Versorgungsalltag direkt betreffend hat die Blockchain wohl im Kontext Elektronischer Patientenakten das größte Potenzial. Es werden Modelle diskutiert, welche eine sichere und dezentrale Ablage medizinischer Daten erlauben“, erläutert Dr. Johannes Bittner, Project Manager einer Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Titel „Der digitale Patient“. An Einsatzmöglichkeiten mangelt es nicht. Neben der Organisation von Patientenakten könnte die Technologie zur Überwachung – und damit Fälschungssicherheit – von Arzneimitteln eingesetzt werden. Oder zur Transparenz bei klinischen Studien beitragen.

Offene Testphase

Das gilt auch für viele Anwendungen, die aktuell im Finanzmarkt getestet bzw. umgesetzt werden. Krypto-Coins oder Tokens gelten mittlerweile als oft genutzter Aktienersatz, über deren Emission sich viele Unternehmen mit Kapital versorgen. Ein regulierter Handel steht allerdings noch aus.

Auch im Wachstumsmarkt Internet of Things (IoT) sehen Branchengrößen in der Blockchain das derzeit größte Potential. „Die drei grundsätzlichen Eigenschaften einer IoT-tragfähigen dezentralen Architektur, deckt Blockchain als digitales Konto ab: vertrauensfreie Peer-to-Peer-Kommunikation, sicherer verteilter Datenaustausch und eine skalierbare Art der Gerätekoordination“, so Dr. Terlau. Samsung und IBM arbeiteten zusammen an einem Build of Proof-Konzept für das IoT. An einer Umsetzung forscht auch Bosch.

Was sich vielversprechend anhört, ist allerdings mit Vorsicht zu sehen. Denn von der Marktreife ist die Technologie noch weit entfernt: „Ihr Entwicklungsstadium ist vergleichbar mit dem des frühen Internets – die meisten Einsatzszenarien existieren bisher nur auf Papier“, schliesst Bittner für den Gesundheitsbereich. Momentan gilt das für fast alle Projekte – Blockchain befindet sich in einer Bewährungsphase. Das Ende ist offen.

 

(DW)

Teil I der Serie mit dem Thema E-Sports finden Sie hier.

Teil II  der Serie mit dem Thema Robotik finden Sie hier.

Teil III der Serie zum Thema Factor-Investing finden Sie hier.


Catella und Krition starten gemeinsamen Asset-Manager

Schlagworte:

Zwei Marktgrößen kooperieren aufgrund der gesteigerten Nachfrage im deutschen Core-Segment. Der Stockholmer Asset-Manager Catella und die Münchner Kriton gründen die „Catella Asset Management“ (CAM). Die CAM wird Angaben der beiden Unternehmen zufolge den deutschen Markt fokussieren und nach Objekten Ausschau halten, die schnelles Wertsteigerungspotential bieten. Im Auge haben die Immobilienspezialisten den Erwerb von Büro- und Gewerbegebäuden sowie Immobilien, die in Kürze zu Mietwohnungen umgewandelt werden, heißt es in der Catella-Pressemitteilung.

Reaktion auf die gesteigerte Nachfrage

Wegen der aussichtsreichen deutschen Marktlage habe sich Catella nach einem nationalen Experten umgesehen, erläuterte Henrik Fillibeck, Vorstand der Catella Real Estate, den Schritt. Ziel sei es, Objekte zu identifizieren und eher kurz- als mittelfristig in Core-Immobilien umzuwandeln. Dafür sei Marktkenntnis notwendig, über die Kriton verfüge: „Regionale Präsenzen mit lokaler Expertise eröffnen nicht nur die Chance auf höhere Renditen, sondern erhöhen auch die Sicherheit des Investments“, so Fillibeck.
Während die Schweden von der Marktnähe der Deutschen profitieren, freuen sich diese über den vergrößerten Marktzugang, der aus der Kooperation resultiert. „Wir gewinnen einen international agierenden Partner, mit dem sich auch größere Einzelinvestments, sowie umfangreichere Portfoliodeals realisieren lassen“, erörtert Andreas Hauff, geschäftsführender Gesellschafter der Kriton den Schulterschluss.

Hauff wird zusammen mit Nicolas Hartel, bisher Portfoliomanager der Catella Real Estate, die Geschäftsführung des neuen Asset Managers übernehmen. 

Catella ist mit einem Asset under Management von gut 5,6 Mrd. Euro einer der größten europäischen Immobilienverwalter. Die Asset-Manager sind seit mehr als 30 Jahren am Markt tätig. Kriton konzentriert sich vor allem auf institutionelle Investoren und Großanleger. Die Münchner investieren seit gut zehn Jahren in deutsche Gebäude und verwalten Immobilien im Wert von etwa 430 Mio. Euro. 

(DW)

„Der Bitcoin könnte schnell verschwinden“ # 2

Schlagworte: , ,

Fortsetzung des Interviews. Teil I finden Sie hier.

FR: Thema Stockpicking. Was machen Sie anders als ihre Wettbewerber?

E: Ich denke, eine Besonderheit besteht im konstanten Screening des Markts. Sowohl für unsere Global Growth- als auch für unsere Income-Strategie übernehmen die jeweiligen Spezialisten innerhalb von Kames die Evaluierung. Wir sind für die Asset Allokation verantwortlich. Dabei wird die Gewichtung jeder Assetklasse festgelegt. Die spezifische Auswahl der Titel erfolgt anschließend durch die Spezialisten für die jeweilige Assetklasse im Kames Team. Insgesamt greift unser Multi-Asset Team auf die Expertise von 93 Finanzprofis innerhalb von Kames zurück! Sie erhalten von uns klar definierte Parameter, die unsere Vorstellungen reflektieren, und sie entscheiden dann über die Assetauswahl. Das Resultat ist ein konzentriertes Portfolio, das auf den besten Ideen unser Assetklassen-Spezialisten basiert. In der UK Equity Income Sektion haben wir bspw. momentan dreizehn Unternehmen im Fokus, normalerweise sind es jedoch fünfzehn, wir nennen sie die Super-15. In der Global Equity Income Sektion sind es knapp 40 Namen.

FR: Was macht Multi-Asset in der gegenwärtigen Wirtschaftslage zur gefragten Anlagestrategie?

E: Was die Multi-Asset-Strategie auszeichnet, ist ihre Risikostreuung. Multi-Asset eignet sich für risikoaverse Anleger, die sich nicht den Kursschwankungen der jeweiligen Assetklassen aussetzen wollen Wenn Sie unsere Diversified Income-Strategie mit diversen Assetklassen wie Global Equities, Corporate Credit oder US High Yield vergleichen, die alle im Portfolio vertreten sind, fällt der risikobereinigte Return unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos sehr viel besser aus.

FR: Gibt es einen speziellen Anlegertypus, auf den Ihr Fonds zugeschnitten ist?

E: Unser Fonds ist ideal für Investoren, die die Volatilität, die in einzelnen Assetklassen-Lösungen oft vorliegt, reduzieren möchten. Unser Ziel ist es, diese um einen Anteil von der Hälfte bis zu einem Zweidrittel der Volatilität des Aktienmarkts zu reduzieren. Wir haben dies erreicht.

FundResearch: Wie nutzen Sie die globale Aktienhausse in Ihrem Fonds?

E: Unser Fonds hält insgesamt 60 Aktienpositionen. Das entspricht gut 29 % des gesamten Portfolios. Gut 80 % des Aktienanteils zählen zu globalen Aktien, die übrigen 20 % sind in britische Unternehmen angelegt. Die größte Position bildet die Phoenix Group mit 1,6 %, auch Imperial Tobacco liegt mit 1,2 % über der Ein-Prozentgrenze.

FR: Wie setzt sich der globale Aktienanteil zusammen?

E: Unternehmen kommen aus den USA und Europa. Nur einige ausgewählte kommen aus Developing Markets.

FR: Warum?

E: Ich glaube nicht, dass sich das Risiko auszahlen würde. In den Emerging Markets bewegen wir uns mit anderen Finanzinstrumenten, vorwiegend mit Rentenpapieren wie Staatsanleihen. Bis vor kurzem waren wir auf diese Weise in Argentinien, der Türkei, Brasilien, den Philippinen investiert. Mittlerweile haben wir diese Positionen aufgelöst. Investment Grade Bonds sind für uns ein probates Mittel der Risikodiversifikation.

FR: Ihre Prognose für den UK-Aktien-Zweig sieht gut aus. Meinen Sie der Brexit wird keine negative Wirkung zeigen?

E: Nicht auf die Unternehmen, die wir ausgewählt haben. Sie erwirtschaften ihren Umsatz größtenteils global. Wir haben nach dem Brexit-Votum den Anteil an UK-Aktien abgebaut.

FR: Hatten Sie mit dem Brexit gerechnet?

E: Nein, wer hat das schon. Aber so ist Politik. Wer hätte denn nicht erwartet, dass Hillary Clinton jetzt im Weißen Haus residieren würde?

FR: Eine Konstante bleibt die Niedrigzinspolitik von EZB und Fed. Wie gehen Sie damit um?

E: Die bisherigen und auch die in 2018 kommenden Zinsanhebungen der Fed sind größtenteils bereits eingepreist. Powell wird Yellen ablösen, ihren Kurs aber wahrscheinlich beibehalten. Wie wir darauf reagieren, kann ich heute noch nicht sagen, weil Märkte sich entwickeln. Die US-Wirtschaft läuft schon sehr lange auf Hochkurs, das wird irgendwann enden.

FR: Wir danken für das Gespräch.

„Der Bitcoin könnte schnell verschwinden“ #1

Schlagworte: , ,

Nick Edwardson ist Produktspezialist im Multi-Asset-Team von Kames Capital. Bevor er 2016 zu Kames Capital kam, war er Geschäftsführer eines erfolgreichen Kleinunternehmens aerhalb des Finanzdienstleistungssektors. Zuvor verantwortete er bei Matrix Group im Pan-Euro Equity Sales Team den Vertrieb, Marketing und das Account Management für schottische institutionelle Kunden.

FundResearch: Ein deutscher Fondsmanager, Hendrik Leber, hat vor kurzem bekannt gegeben, 20 % Bitcoin im Portfolio seines Fonds zu halten. Wird Kames Capital sich am Bitcoin Run beteiligen?

Edwardson: Ich denke, die kurze Antwort darauf ist: Nein. Und die lange Antwort darauf ist: ebenfalls Nein (lacht). Wir verfolgen bei Kames zwei Strategien. Zuerst die Income Strategie. Nicht jedes Asset darin muss zwingend die Zielvorgabe von mindestens 5 % Rendite erfüllen. Aber wir halten im Portfolio keine Assets, die gar kein Einkommen erwirtschaften. Wir halten daher weder Gold noch Bitcoin. Wir haben für die Multi-Asset eine sehr große Auswahl an Investmentvehikeln.

Auch wenn Bitcoin derzeit ein heißes Thema ist, sind wir nicht darauf angewiesen.

FR: Bitcoin ist seinem Ruf als hoch volatiles Spekulationsobjekt zuletzt gerecht geworden. Der Kurs brach gegen Jahresende um rund 30 % ein. Was meinen Sie, wo wird die Währung Ende 2018 dotieren?

E: Das lässt sich nicht voraussagen. Ich selbst habe nicht in Bitcoin investiert, weil mir die Anlage zu risikoreich ist. Ein Freund von mir ist purer Bitcoin Evangelist, der sagt, Bitcoin gehöre die Zukunft und wäre ein Must-have für das Portfolio. Aber der macht viele Dinge, die ich nicht mache.

FR: Der Theorie des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff zufolge werden die Zentralbanken früher oder später die Blockchain-Technologie adaptieren und alle anderen Krypto-Währungen verdrängen. Was meinen Sie dazu?

E: Wenn sich die Krypto-Währungen weiter durchsetzen, sie der breitere Markt akzeptiert und annimmt, werden sich die Zentralbanken und die Regierungen dem Thema widmen. Das könnte zu einer Form von Krypto-Euro oder Krypto-Dollar führen. Aber wann das passieren könnte und ob es überhaupt jemals passiert, darüber lässt sich nur sehr schwer spekulieren.

Vielleicht wird der Bitcoin auch genauso schnell verschwinden, wie er aufgekommen ist. In der Vergangenheit wurden viele Technologien als zukunftsweisend gepusht – und sind dann blitzschnell wieder in der Versenkung verschwunden, weil eine noch bessere Innovation sie verdrängt hat.

FR: Stichwort neue Technologien. Was halten Sie von Robo-Advising?

E: Wir sind aktive Investoren. In unseren Multi-Assets-Teams in den Niederlanden und in Großbritannien arbeiten 17 Fondsmanager. Zudem können wir auf die Unterstützung eines, was weitere Assetklassen angeht, noch breiteren Teams innerhalb von Kames Capital und Aegon Asset Management NL zählen. Robo-Advising spielt in unserem Auswahlprozess keine Rolle. Wie bei allen Dingen hat es einen Platz für diejenigen, die einen solchen Weg gehen wollen. Allerdings nicht bei uns als aktive Fondsmanager.

FR: Einige Mitbewerber setzen Robo-Advisor ein, um einen Teil der Kundenadministration zu vereinfachen, bspw. die Risikoevaluierung…

E: Risikomanagement ist bei uns stark in den Investmentprozess eingebettet, insbesondere in den Asset-Allokationsprozess, der bei uns der Hauptantreiber der Ertragsgewinnung ist. Wir berücksichtigen es ebenfalls sehr stark bei der Aktien-Selektion. Wir sind uns sehr bewusst, dass ein Multi-Asset-Portfolio ein besonderes Maß an Risikomanagement verlangt. Es ist eine der beiden Zielvorstellungen der Income-Strategie, und eine von zwei Zielvorgaben der Growth-Strategie. Wir fokussieren das sehr stark. Wir verwenden alle Methoden, die uns dabei helfen können, dieses Ziel zu erreichen.

Teil II des Interviews veröffentlichen wir am Nachmittag.

Der Mehrwert von Smart Beta

Schlagworte: ,

Smart Beta gilt aktuell als eine der zukunftsträchtigen Strategien im Anlagemarkt. Dabei verbirgt sich bei genauerem Hinsehen kein echtes Beta hinter der Bezeichnung.

Dennoch steckt in ihr großes Potential.Die populärsten Beta-Produkte hatten in den letzten Jahren regen Zulauf. Europäische ETFs verzeichneten allein im letzten Jahr Nettomittelzuflüsse in Höhe von 94,2 Mrd. Euro – gut 23 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Die Beliebtheit der Index-Fonds ergibt sich aus ihrer Struktur. Sie orientieren sich allein an der Marktkapitalisierung und bilden auf diese Weise das Marktrisiko eins zu eins ab. Mit dem Vorteil, dass sie nicht schlechter als der Markt bzw. ihr zugrunde liegender Index rentieren können. Zugleich entsteht der Nachteil, dass  sie auch nicht besser abschneiden können als der Markt. 

Wegen dieser Abhängigkeit werden die Index-Fonds passiv genannt. „Als passiv kann jeder Ansatz, bezeichnet werden, der sich – wie bei einem klassischen ETF – allein an der Marktkapitalisierung orientiert“, meint Stephan Schrödl, Fondsanalyst bei Research Haus Fondsconsult München. Der Management-Aufwand dieser Strategie ist vergleichsweise gering, daher kosten die Fonds den Anleger weniger Gebühren. 

Konträr verhält es sich mit aktiv gemangten Fonds. Aktives Management geht mit dem Ziel in den Markt, eine Überrendite (positives Alpha) zu generieren. Der Aufwand ist größer und schlägt sich entsprechend in höheren Kosten wieder. 

In diesem strukturellen Unterschied und der daraus resultierenden Risiko-Rendite-Verhältnis hat sich zuletzt eine hitzigen Debatte über die zu präferierende Management-Strategie entsponnen: die Frage, ob aktives oder passives Management erfolgsversprechender ist.

Vermittler zwischen zwei Welten

Factor Investing kann als ein eleganter Mittelweg gesehen werden, denn es vereint beide Ansätze in sich. Was die Marketingabteilungen heute neu anmuten lassen, hat eine lange Geschichte hinter sich. In den sechziger Jahren entwickelten William Sharpe, John Lintner und Jan Mossin das Capital Asset Pricing Model (CAPM), mit dem der Anteil der Marktbewegungen, der passive Anteil, aus der Rendite herausgerechnet werden konnte. Der verbleibende Ertragsanteil wurde als Alpha bezeichnet und dem Fondsmanager gutgeschrieben. In den neunziger Jahren nahm Eugene Fama diesen Ansatz auf. Er begann einen Zusammenhang zwischen einzelnen Aktieneigenschaften wie Momentum, Value, Marktkapitalisierung oder Volatilität herzustellen – das Factor Investing war geboren. 

Da diese Faktoren bzw. Eigenschaften nicht vom Portfoliomanager beeinflusst werden können, spricht man bei Ansätzen, die ein Portfolio anhand bestimmter Eigenschaften der Wertpapiere zusammenstellen, weiterhin von Beta-Strategien. Weil sie versuchen, eine Überrendite zu erzielen, werden sie als Smart Beta bezeichnet.

Über eine exakte Einordnung der Methode ins dualisierte Strategieuniversum streiten sich auch heute noch die Experten. Nach Schrödl kann eine Abgrenzung anhand des Manipulationsumfanges bei der Indexabbildung vollzogen werden: „Es bietet sich an, alles was über eine reine Indexabbildung hinausgeht, als Versuch zu sehen, Alpha zu generieren“, so der Analyst. So gesehen handelt es sich bei Smart Beta Produkten im Kern um Alpha Produkte.

Der Mehrwert von Smart Beta

„Smart Beta Fonds werden aktive Manager zunehmend herausfordern“, ist sich Schrödl sicher. Es habe sich gezeigt, dass sich viel von dem Alpha aktiver Fonds mit Faktor-Prämien erklären lasse. Für Anleger stellt sich damit die Frage, welche Faktoren die Erträge in die Höhe schnellen lassen. Wegen der Vielzahl geht schnell der Überblick verloren. „Bislang wurden über 300 Faktoren ausgemacht, durch die sich angeblich ein Mehrertrag generieren lässt“, erläutert Dr. Bernhard Breloer, Produktspezialist bei Robeco. „Es zeigt sich allerdings, dass nur die wenigsten Faktoren einen signifikant höheren Mehrertrag liefern“, schränkt er ein. Nachgewiesen sei ein positiver Einfluss auf die Rendite lediglich für die Faktoren Value, Momentum, Low-Risk/Volatilität sowie Qualität, mit Einschränkungen auch Size. 

Allerdings funktionieren nicht alle Faktoren zu jeder Zeit, Faktorprämien sind nicht konstant im Markt vorhanden. Investoren müssen daher nicht allein einen Faktor auswählen, sondern den zur Marktsituation passenden Faktor. 

Timing sei entscheidend, meint Breloer. In der Praxis erweist sich das als große Schwierigkeit: „Ich will nicht sagen, dass es grundsätzlich unmöglich ist, eine Prämie zu timen“, gibt Anlage-Experte Schrödl zu bedenken, „aber es ist sehr, sehr herausfordernd“. Dem pflichtet Breloer bei:  „Ein Timing der unterschiedlichen Faktoren ist kaum möglich. Es gibt kaum ein Jahr, in dem alle Faktor-Strategien gleich gut funktioniert hätten“.  

Doch selbst wenn die richtige Strategie erwischt wird, ist das nicht gleichbedeutend mit einer sicheren Rendite. Wenn viele Investoren zur gleichen Zeit dasselbe Faktor-Exposure aufbauen, können Klumpenrisiken entstehen und die Investoren laufen in eine Faktor-Blase. 

Die Lösung für dieses Dilemma besteht nach Schrödl in einem angemessen ausdauerndem Anlagehorizont: „Um eine Prämie zu kassieren, muss das Exposure über einen kompletten Zyklus aufrechterhalten werden. Nur wer das durchhält, kann eine Prämie am Ende voll ausschöpfen“. Zudem müssten sich die Investoren darüber im Klaren sein, dass ein hohes Exposure unumgänglich sei, um die Faktorprämie zu verdienen. Breloer teilt diese Einschätzung, und setzt beim Faktor Investing aus diesem Grund auf eine Multi-Faktor-Strategie: „Wenn verschiedene Prämien  miteinander kombiniert werden und auf eine klare Faktorausprägung gegenüber der Benchmark geachtet wird, dann zeigt sich über einen längeren Zeitraum, dass ein Mehrwert im Vergleich zum Marktindex erzielt werden kann“.

 

(DW)