Eu will gläserne Bankkunden

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Die EU-Parlamentarier und Regierungsvertreter der Euro-Mitgliedsstaaten haben sich auf die Verabschiedung einer neuen Richtlinie gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung geeinigt. Sie sieht vor, alle Zahlungsströme künftig zentral zu erfassen und abrufbar zu speichern. Das neue Gesetz soll der Kriminalitäts- und Terrorbekämpfung dienen und zielt auf Banken, Steuerberater, Notare sowie Handelsplätze von Krypto-Währungen, betrifft nach Expertenaussagen aber jeden, der über ein Bankkonto seine Zahlungen abwickelt. Formal bestätigt werden muss der Beschluss noch vom EU-Parlament. Im Anschluß bleibt den Mitgliedsstaaten 18 Monate Zeit zur Umsetzung in nationales Recht.

Transaktionsdaten jahrelang vorhalten
Wesentlicher Baustein der Richtlinie: alle an einer Transaktion beteiligten Institute bspw. Banken und Wechselbörsen von Krypto-Währungen sollen angehalten werden, einerseits die Identität ihrer Nutzer fest zu stellen, sowie andererseits die Transaktionsbelege ihrer Kunden fünf bis zehn Jahre lang vorrätig aufzubewahren und auf Anfrage an die jeweils zuständige nationale Financial Intelligence Unit (FIU) heraus zu geben. Die FIU ist eine Untereinheit des Zolls und nach eigenen Angaben eine „ Zentralstelle für die Entgegennahme, Sammlung und Auswertung von Meldungen über verdächtige Finanztransaktionen, die im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung stehen könnten“. Nach bisherigem Entwurf wäre die Behörde berechtigt, die Herausgabe von privaten Zahlungsdaten jederzeit ohne richterlichen Beschluss einzufordern.

Bankkunden wehrlos
„Durch die Maßnahmen der Geldwäscherichtlinie fällt die Privatsphäre praktisch weg, wenn es um Dienstleistungen von Verpflichteten geht“, resümiert Rechtswissensachaftlerin Carolin Kaiser gegenüber heise-online. Sie spricht von einer kommenden „Massenüberwachung“ der Bankkunden, da die Richtlinie keine Ausnahmen vorsehe, sondern sich auf alle Transaktionsteilnehmer richte.

Bankkunden könnten dagegen kaum Rechtsmittel einlegen: Aufsichtsmaßnahmen und andere verfahrensrechtliche Sicherungen fehlten fast komplett, so die Rechtsexpertin. Sie würden von dem Zugriff ohnehin nichts erfahren, denn eine Benachrichtigungspflicht der Behörde sehe der Entwurf ebenfalls nicht vor.

Identifizierung von Anlegern ausweiten
Ein weiterer Eckpunkt des Papiers ist die künftige stärkere Regulierung von Wechselbörsen, an denen digitale Finanzinstrumente wie Bitcoin, Iota oder Ripple gehandelt werden. Der Betrieb soll künftig ebenfalls unter die Geldwäscherichtlinie fallen. Die „Umtausch-Plattformen für virtuelle Währungen und Anbieter elektronischer Geldbörsen müssen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und Kundenkontrollen durchführen, um die Anonymität solcher Umtauschgeschäfte aufzuheben“, hieß es in der Pressemitteilung des Europäischen Rates dazu. 

(DW)

Ripple im Aufwärtsstrudel

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Ende des Jahres drängte die Krypto-Währung Bitcoin mit aller Macht in den Blick der Öffentlichkeit. Von der Zulassung zum Future-Handel an drei renommierten US-Handelsplätzen durch die Securities and Exchange Commission (SEC) bekam die hochspekulative Digital-Währung einen weiteren Boost. Vor dem gewaltigen Kurs-Einbruch von knapp 30 % zum Jahresende stand eine Jahresrendite von mehr als 2000 %. Das klingt im Vergleich zur Performance von Akiten oder Aktienfonds phänomenal – wird vom Kurssprung einer anderen Krypto-Währung aber locker und leicht in den Schatten gestellt.

Rendite im fünfstelligen Bereich
Alt-Coin Ripple hat im Jahr 2017 seinen Wert um 36.000 Prozent gesteigert. Allein im Dezember stieg der Wert der Krypto-Währung von 0,25 US-Dollar auf 2,50 US-Dollar. Gestartet war die Coin 2017 mit 0,0063 US-Dollar. Der bisherige Höchststand von Ripple dotierte am  07. Januar 2018 bei 3,40 US-Dollar.

Ripple im Drei-Monats-Chart: Sprung im Dezember


Quelle: Coingecko

Zwischenzeitlich erreichte der Ripple mit einer Marktkapitalisierung von rund 95 Mrd. US-Dollar Rang zwei der nachgefragtesten Krypto-Währungen. Neuen Auftrieb bekam die Währung zuletzt durch die Bekanntgabe eines japanisch-koreanischen Bankenkonsortiums, sich am Ripple-Projekt zu beteiligen. Unter den Finanzinstituten waren mit der Woori Bank und der Shinhan Bank zwei der größten Banken Südkoreas mit einem Kapitalisierungsgewicht von zusammen mehr als 30 Mrd. US-Dollar.

Die Asiaten gesellen sich in eine illustre Runde von renommierten Banken, die das Zahlungssystem Ripple bereits nutzen und unterstützen. Zu den ersten Nutzern der ebenfalls auf dem Blockchain-Prinzip fussenden Technologie gehörte die Fidor Bank, die das System 2015 einführte. Kurz darauf startete die Western Union in das Ripple-Projekt. 2016 folgten die Bank of America Merril Lynch, die Santander Bank und UniCredit; im letzten Jahr implementierte u.a. die UBS, die deutsche Reisebank und die schwedische SEB Ripple als Zahlungssystem.

Vorteile gegenüber Bitcoin
Die Banken argumentieren mit Kostenersparnissen. Die Ripple-Technologie ermöglicht es Zahlungsströme in Sekundenbruchteilen abzuwickeln. Bis zu 1.500 Transaktionen pro Sekunde sind möglich. Zum Vergleich: Bitcoin bietet nur einen Bruchteil davon. Hier können pro Sekunde etwa sieben Transaktionen durchgeführt werden. Besonders deutlich trat diese Schwäche der aktuellen Nummer eins unter den Krypto-Währungen während der Hochhandelsphase im Dezember zu Tage. Order stapelten sich stunden- wenn nicht tagelang oder konnten gar nicht ausgeführt werden.

Zudem ergeben sich für die Finanzinstitute keine Produktionskosten bei der Nutzung von Ripple. Während die Bitcoin Menge limitiert ist und dezentral unter großem Energieaufwand täglich in Computerfarmen gemined werden muss, ist die Menge an Ripple bereits zentral festgesetzt worden: 100 Milliarden Ripple wurden vom Hersteller der Krypto-Währung Ripple Labs erschaffen.

Technologie ist wertvoll – die Währung wertlos
Auf dem Markt sind davon allerdings bislang nur gut 40 Milliarden. Ripple Labs behält sich vor, bis zu eine Milliarde Ripple monatlich auf den Markt bringen zu können. Verteilt werden sollen nach Angaben des Unternehmens nur gut 55 Milliarden. Eine Wertsteigerung der Währung durch Verknappung der vorhandenen Menge wäre auf langes Sicht damit ausgeschlossen.

Ähnlich wie beim Bitcoin steht hinter der Krypto-Währung kein echter Wert. Die Banken, die am Ripple-Projekt teilnehmen, setzen nach Einschätzung von Branchenkennern auf die Technologie, weniger auf die Währung. Denn Transaktionen sind zwischen Nutzern der Ripple-Blockchain auch ohne Umrechnung in die Alt-Coin möglich, ohne dass dadurch dessen Funktion beeinträchtigt würde.

Die Wertsteigerungen der jüngsten Vergangenheit basieren beim Ripple demnach nicht auf einem intrinsischen Wert der Währung, sondern bestenfalls auf dem Markteintritt langfristig denkender Investoren, die die Technologie schätzen.

(DW)

Sicherheitslücke bei Banking-Apps

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Vincent Haupert arbeitet als IT-Sicherheitsexperte an der Universität Erlangen. Zusammen mit seinem Kollegen Nicolas Schneider ist es ihm gelungen, mit einem einfachen Algorithmus, die Kontrolle über 31 Smartphone-Banking-Apps zu erlangen und diese so zu manipulieren, dass Überweisungen unbemerkt auf ein von ihnen ausgewähltes Konto gelenkt wurden, ohne dass die App-Anwender davon Notiz nehmen konnten. Kunden sei nach Angaben der betroffenen Banken bisher kein Schaden entstanden.

Betroffen sind alle Banking-Apps, die das Software-Sicherheitskonzeptes „Shield“ der norwegischen Firma Promo nutzen. „Shield“ erlaubt Überweisungen ohne ein zusätzliches Gerät auszuführen, indem die TAN – der zur Verifikation nötige Sicherheitscode – auf dem Handy generiert wird. Genau damit werde das Smartphone den beiden IT-Experten zufolge anfällig für Angriffe.

Anwender bekommen vom externen Zugriff nichts mit

Die beiden Informatiker waren in der Lage, mit dem Werkzeug „Nomorp“, die auf dem Smartphone ausgeführte App komplett zu übernehmen. Die Anwender selbst merkten nichts von der Manipulation. „Nomorp“ gaukelte der App vor, eine Überweisung auf das vom Anwender eingegebene Konto auszuführen, während es im Hintergrund die Überweisung auf das Konto des Angreifers durchführte. Die Steuerung lag dabei ganz in den Händen der beiden Informatiker. Manipuliert werden konnten u.a. die Apps der Commerzbank, Stadtsparkassen, Volksbanken und der Comdirekt. Alle Banken haben mittlerweile via Update auf die Sicherheitslücke reagiert. Ein Angriff sei derzeit nicht mehr ohne weiteres mit „Nomorp“ möglich.

Bequemlichkeit und blindes Vertrauen kosten Sicherheit

Von einer Schuld der Verbraucher möchte Haupert nicht sprechen. Zwar sei klar, dass die Verbraucher es möglichst bequem haben wollten und sich in Sicherheitsaspekten auf den Rat ihrer Bank verließen. Aber vielfach bliebe ihnen auch nichts anderes übrig als blind zu vertrauen. Gleichermaßen beruhten die Einschätzungen der Banken bezüglich des Sicherheitsrisikos der von ihnen angebotenen Software auf Versicherungen der Softwarehersteller. Aus der Verantwortung nehmen will Haupert die Institute aber nicht. Sie verfügten über hohe Expertise, die Angreifbarkeit sei ihnen durchaus bewusst gewesen. Die IT-Sicherheit sei der einfachen Anwendung der Apps nachgeordnet worden, vermutet Haupert.

Ein weiteres gravierendes Problem sieht er in den Betriebssystemen der Smartphones. Selbst wenn die Verbraucher alle Sicherheitsupdates regelmäßig einspielten, wäre die Halbwertzeit besonders von Android-Systemen stark eingeschränkt „und bereits nach kürzester Zeit“, bemängelt Haupert, „werden keine Sicherheitsupdates mehr angeboten“.

Nach Angaben des Informationsdienstes Statista nutzen derzeit gut 47 % der Deutschen Mobile-Banking-Angebote ihrer Finanzinstitute. Weitere 17 % planen, in diesem Jahr via App ihre Bankgeschäfte zu verfolgen.

Blau: ja – Dunkelblau: nein, aber voraussichtlich in den nächsten 12 Monaten – Grau: Nein, auch nicht beabsichtigt
(Quelle: Statista 2018)

Risiko war lange bekannt

Die Bafin hat im Zuge des Aufkommens der neuen Technologie bereits vor gut zwei Jahren auf die potenziellen Sicherheitslücken im TAN-Banking-Verfahren hingewiesen. „Die TAN sollte auf keinen Fall auf demselben Smartphone generiert werden, auf dem das Online-Banking stattfindet“, so Dr. Josef Kokert von der Bundesanstalt. Er rät dazu, unbedingt eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu verwenden. Im Interview mit Netzpolitik sprach sich auch Haupert für diese Lösung aus: „Wer auf Nummer Sicher gehen will, verlässt sich auch unterwegs bei Bankgeschäften auf den TAN-Generator“, so der IT-Experte.

(DW)

Bullen regieren weiter im DAX

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Vierhundertachtzig Punkte hat der DAX in der vergangenen Woche zugelegt. Ob dieser rasante Aufstieg nachhaltiger ist als die ähnlich steil verlaufende Kursentwicklung Ende Oktober wird sich zeigen. Experten zeigen sich angesichts der positiven Konjunkturlage weiterhin überwiegend zuversichtlich.

Wie gut die deutsche Wirtschaft brummt, kann daran abgelesen werden, dass alltägliche industrielle Transportgüter knapp werden. So berichtet die Welt am Sonntag gestern in ihrer Printausgabe, Paletten würden so knapp, dass Unternehmen mittlerweile bereit seien, Mondpreise dafür zu bezahlen. Es sei Wahnsinn, zitiert das Blatt den Einkaufsmanager eines Chemieherstellers, der Markt spiele derzeit völlig verrückt. Binnen Jahresfrist sind die Paletten-Preise um gut 60 Prozent geklettert.

Quantitative Easing und Weltkonjunktur nähren die Börsen

Die Stärke des Deutschen Aktienindex  in den ersten Handelstagen des neuen Jahres spiegelt die ökonomische Weltlage deutlich wieder. „Ein neuer Rekordstand des Marktes dürfte für Anleger mit etwas Geduld in Reichweite liegen“, so Andreas Büchler von der Qarat AG. Auf kurze Frist sei dennoch Vorsicht angebracht: „Das letzte Mal trat dieses Überhitzungssignal Anfang November 2017 auf, anschließend ging der DAX in eine scharfe Korrektur über“.

Auch Christian Schmidt, Kapitalmarktexperte der Helaba, zeigt sich kritisch. Es bleibe abzuwarten, ob der  Index  über  ausreichend  Kraft  verfüge, um alle  Widerstände nachhaltig  hinter  sich zu lassen, so Schmidt. 

Christoph Müller von der DZ BANK geht davon aus, dass nach dem lauen Dezember der Januar und Februar 2018 Besserung im DAX versprechen. Begründung: Die Weltkonjunktur ziehe weiter die Zügel an und die EZB pumpe nach wie vor viel Geld in die Märkte. Nach dem positiven Jahr 2017 würden viele Anleger daher zu Jahresbeginn ihre Positionen aufstocken, so Müller. Auch für die US-Leitindizes bleibe noch viel Luft nach oben.

2017 Rekordjahr für Anleihen

„Zehn Jahre quantitative Lockerung haben an den Aktienmärkten die Bullen genährt und gemästet“, so Dirk Friczewsky, Finanzanalyst für LYNX Broker. Die Niedrig-, Null- und Negativzinspolitik müsse nun schrittweise wieder abgebaut werden, fordert Friczewsky.

Mit diesem Schritt rechnet CFA Ulrich Kirschner erst im späteren Jahresverlauf. Das günstige Marktumfeld habe Unternehmensanleihen ein Rekordjahr beschert. Insbesondere die Industrie- und Automobilbranche steuerten zusammen fast ein Sechstel des gesamten Anleihen-Emissionen-Volumens von rund 360Mrd. Euro bei. Für dieses Jahr erwartet er wegen der Drosselung des QE einen Rückgang. „Infolgedessen werden die Risikoprämien für Unternehmensanleihen im Verlauf des Jahres 2018 wieder ansteigen“, so Kirschner.

Nach Meinung von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, spricht nicht viel für Anleihen. „Die Gesamtkonstellation spricht in den kommenden Monaten für leicht steigende, im historischen Kontext aber weiterhin niedrige Zinsen. Verzinsliche Anlagen werden somit auch in 2018 nicht zu einer attraktiven Alternative im Vergleich zu Aktien“, so Mumm.

„Alle mögen derzeit den Euro, niemand mag den US-Dollar“

Für den US-Dollar erwartet Mumm keine weitere Abwertung. Das hohe US-Zinsniveau spräche dagegen. Ökonomische Aspekte begrenzten aber noch immer eine Dollar-Aufwertung. 2018 sei daher mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen.

Indes bereitet die Euro-Stärke am Aktienmarkt niemandem ernsthafte Kopfzerbrechen. „Alle mögen derzeit den Euro, niemand mag den US-Dollar. Fundamental betrachtet wirkt der Anstieg jedoch überzogen. Eine Korrektur des Euro-Dollar-Kurses sollte nicht überraschen“, meint Christian Apelt von der Hessischen Landesbank.

Banking-Apps: Safety last

Wie vor Kurzem bekannt geworden ist, lassen sich Banking-Apps kinderleicht hacken. Sicherheitsexperten des Chaos-Computer-Club gelang es, die Schutzmechanismen komplett auszuhebeln. Betroffen sind Online-Apps von 31 deutschen Banken.

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(DW)

Asset Allocation: The Game is on

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Ticket-Preise von 100 US-Dollar für Vorlauf-Spiele und bis zu 200 US-Dollar für die Finalrunde, eine mit mehreren zehntausend Zuschauern gefüllte Arena, Preispool von mehr als 24 Mio. US-Dollar, davon knapp 10 Mio. US-Dollar für den Sieger, internationale Live-Übertragung in zehn Länder mit insgesamt mehr als 40 Mio. Zuschauern – die Rede ist nicht von einem der großen Tennis- oder Fußball-Turniere, sondern von einem Computerspiel-Event: Dota 2 – The International 2017. 

Dota 2 ist ein Spiel des US-amerikanischen Software-Herstellers Valve. Es gehört zur Kategorie Multiplayer Online Battle Arena, bei dem zwei Mannschaften in einem virtuellen, räumlich begrenzten Spielfeld gegeneinander antreten. Ziel des Spiels ist es, die eigene Festung oder Home-Base zu erhalten und die des Gegners zu zerstören. Das PC-Spiel wurde 2012 gratis zum Download herausgegeben. Auf der Spiele-Plattform Steam – die Valve gehört und betreibt – listet es seitdem ganz oben. Pro Stcken im Schnitt 650.000 Spieler Dota 2  – eine solide Fan- und Konsumentenbasis. 

eSports zieht: Ausverkaufte Arenen

Bild: Patrick Strack/ESL

Dota 2 ist ein Beispiel, um das aufstrebende E-Sport-Business vorzustellen. Einen anderen Weg geht Softwareproduzent Riot Games mit League of Legends. Das Spiel zählt mit einer Nutzerzahl von mehr als 70 Millionen Spielern zu den weltweit erfolgreichsten PC-Spielen. Erlös generiert Riot Games bereits durch In-Game-Verkäufe – Spieler können virtuelle Spielgegenstände mit realem Geld einkaufen – und den Verkauf von Lizenzschlüsseln. Parallel wird League of Legends als Event vermarktet. Jährliches findet ein Turnier unter gleichem Namen statt. Es wird u.a. auf youtube sowie der von Amazon 2014 für knapp 1 Mrd. US-Dollar akquirierten Streaming-Plattform Twitch ausgestrahlt. Mit einem Zuschaueraufkommen von mehr als 15 Mio. stellte die League of Legends Weltmeisterschaft 2017 das Dota2-Turnier locker in den Schatten. 

Daneben haben sich in den USA, Europa und Asien die League of Legends Championship Series, eSports-Profiligen, etabliert. Auch diese werden regelmäßig live ins Web übertragen. Die Zuschauerzahlen rangieren um die 500.000er Marke, tendieren für Top-Events aber immer stärker in den zweistelligen Millionen-Bereich.

 
Die größten Kanäle des Game-Streaming-Portals Twitch  2017

Quelle: socialblade

Ein Vergleich mit den etablierten Sportarten zeigt Potential und Status Quo der Branche: die heimische Basketball-Bundesliga kommt auf gut 70.000 Zuschauer pro Spiel, Profi-Eishockey auf etwas mehr als das Doppelte, Handballspiele der höchsten Klasse schauen sich gut 250.000 Menschen an. 

Space Invaders machen den Anfang 

Die großen Events um Dota2 und League of Legends bilden nur einen kleinen Teil des sich rasant ausbreitenden E-Sports Universums ab. Als Anfangspunkt der Bewegung wird oft die Nintendo  World Championsship genannt. Ein Turnier, bei dem sich knapp 10.000 Teilnehmer auf dem Atari 2600 im Spiel Space Invaders maßen. 

In der Folge wuchsen Preisgelder, Wettbewerber und Organisationsgrad. Im Mai 1997 rief Microsoft einen Ferrari für den Gewinner des Red Annihilation Turniers aus, kurze Zeit später gründete sich die erste professionelle Gaming-Liga in den USA, die Cyberathlete Professionals League. Fünf Jahre darauf trat einer der auch heute noch größten eSport-Organisationen in den Ring, die Major League Gaming. 2005 veranstalteten sie das erste Turnier mit einem Preisgeld von 1. Mio. US-Dollar. Ein weiterer Meilenstein für die eSports-Gemeinde war 2013 die Anerkennung durch die US-Behörden: Gaming wurde als professionelle Sportart offiziell anerkannt.  

Zu Beginn Pixel groß wie Legosteine: Space Invaders

Bild: fotolia

Besonders stark entwickelte sich eSport in Südkorea. Bereits im Jahr 2000 wurde dort mit der Korean eSports Association ein nationaler Dachverband gegründet, der seine Spiele im nationalen Kabelfernsehen unterbringen konnte. 

Bei den Asiatischen Spielen 2022 wird eSports erstmals als olympische Disziplin vertreten sein. Medaillen sollen voraussichtlich für Fussball, Strategiespiele sowie die Multi Player Online Battle Spiele (wie Dota2) vergeben werden.

Ganz gleich ob Spiel oder Sport: Am eSport geht kein Weg vorbei

Eine andere Haltung zum eSport vertritt bislang der Deutsche Olympische Sportbund. Seiner Auffassung nach trägt eSport den Sportbegriff zu unrecht: „Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Das sei für E-Sports ebensowenig gegeben wie für Denkspiele wie Schach. Die Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen reiche nicht aus. Zudem verletzten E-Spiele ethische Kodizes, die Sport zugrunde lägen, weil sie auf „tatsächliche oder simulierte Körperverletzung bei Einhaltung der gesetzten Regeln beinhalten“. Battle Games wie Dota2 wären damit ausgeschlossen. Die Aufnahme von eFussball als olympische Disziplin kann sich der Präsident des deutschen olympischen Komitees, Jörg Bach, nach eigener Aussage dagegen gut vorstellen

Befürworter wie der Kulturwissenschaftler Dr. Jörg Müller-Litzkow von der Universität Paderborn argumentieren ohnehin, „eSport versteht sich entsprechend des klassischen Spielbegriffs und erfordert sowohl Spielkönnen (Hand-Augen-Koordination, Reaktionsschnelligkeit), als auch strategisches und taktisches Verständnis (Spielübersicht, Spielverständnis)“. Es sei daher ein Sport. Ein Standpunkt, der in der deutschen Politik durchaus Anerkennung findet. Die Staatssekretärin im Verkehrsministerium und Netzpolitikerin Dorothee Bär (CSU) positionierte sich in der Rheinischen Post eindeutig pro eSport: sie mache sich stark für die Einordnung als Olympiadisziplin, so Bär.

Auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft

Ob Olympia stärker vom eSport profitiert oder eSport von Olympia, bleibt abzuwarten. Für Lars Klingbeil (SPD), Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda, steht fest, „dass Olympia E-Sport in Zukunft stärker braucht als umgekehrt“. Wer junge Menschen erreichen und die soziale und gesellschaftliche Funktion des Sports verbreitern wolle, komme am eSport nicht vorbei, schrieb er in einem Gastbeitrag der ZEIT. „Dass es sich bei der aktuellen Entwicklung des eSports um keinen Hype handelt, zeigt die sehr aktive Community an Hobby-Spielern: In vielen Städten und an Universitäten bilden sich derzeit lokale Vereine, um gemeinsam eSports-Titel zu spielen“, erläutert Gregory Wintgens, eSports-Experte beim Verband der deutschen Games-Branche auf Anfrage der Beratungsagentur Deloitte.

ESports sind auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. Eine Bitcom Umfrage zufolge wissen mehr als die Hälfte der Deutschen mit dem Begriff etwas anzufangen. Besonders populär ist eSports bei den heute 14- bis 19-jährigen. In den USA bieten mittlerweile viele Universitäten Stipendien für die begabtesten Spieler an. Und die großen Fernsehsender wie ESPN bereichern ihr Programm mit eSports Angeboten, um nicht noch mehr Marktanteile abzugeben.

Kein Weg führt an eSports vorbei – das sehen auch immer mehr CEOs in Deutschland so. Im August vergangenen Jahres ging die ProSiebenSat.1 Gruppe eine Kooperation mit der ESL, der Electronic Sports League, ein. Heraus kam eine eigene eSportsendung auf ProSieben MAXX. Zeljko Karajica, CEO von 7Sports, der Sportbusiness-Unit der ProSiebenSat.1 Group, sieht darin großes Potential. „Wir glauben an eSport als eines der großen Wachstumsfelder im Sport. Bis 2020 schätzen wir das Fan-Potential hierzulande auf vier bis fünf Millionen“, sagte der CEO im Interview mit Quotenmeter. 

 Das Sportfachmagazin Kicker hat bereits seit geraumer Zeit ein eigenes Webportal für eSports eingerichtet und berichtet auch auf der eigenen Homepage in einer eigenen Sektion. Hintergrund ist auch, dass mittlerweile einige etablierte Unternehmen der Fussballbundesliga mit eigenen Teams in den e-Ligen an den Start gehen. In Deutschland verfügen der FC Bayern München, Schalke 04, der VFB Stuttgart und der FC Wolfsburg bereits über Teams.

Wachstum im zweistelligen Bereich

Sie alle folgen einem eindeutigen Trend. Die Unternehmensberatung Deloitte prognostiziert in ihrer Studie zum deutschen eSport-Markt, bis 2020 ein Marktvolumen von 130 Mio. Euro – das entspricht einem Wachstum von 25 % pro Jahr. 

Kein Wunder, dass immer mehr etablierte Unternehmen eSport als Werbeplattform nutzen. Die Informationsplattform Newzoo erwartet, dass das Sponsorship von Global Playern wie Audi, Budweiser, Intel, Gilette, Samsung, Coca Cola etc. bis 2020 auf 655 Mio. US-Dollar ansteigen wird. Der globale eSports-Umsatz – Verkauf von Medienrechten, Werbung, Sponsoring, Merchandising und Ticketverkauf inklusive – ist laut Newzoo 2017 um 41% auf 696 Millionen US-Dollar gewachsen. Bis 2020 soll er auf 1,49 Milliarden US-Dollar ansteigen. Die weltweite eSports-Zielgruppe schätzen sie auf 385 Millionen Menschen. 

Wachstumsprognose: 19 bis 53 %

Quelle: Newzoo

Diese Entwicklung zieht auch globale Big Player an. So lässt Medienkonzern Disney in Florida ein eigens für eSport-Events ausgelegtes Stadion entstehen.

Die milliardenschweren Wettanbieter reagieren ebenfalls auf die Entwicklung, denn wo ein Spiel ist, kann auf einen Sieger gewettet werden. Seit 2016 bieten bspw. der Online- Buchmacher betway auf einem eigenen Portal Wetten auf eGames der ESL an. Auch bei Wettbewerber bet365 können Risikofreudige auf verschiedene eSport-Spiele setzen. Branchenkenner sind sich einig: es ist noch viel Luft nach oben.

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(DW)

Quandt Gruppe gründet HQ Asset Management

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Die Harald Quandt Gruppe erweitert ihre Finanzdienstleistungssparte um die HQ Asset Management. Die Gesellschaft soll Anleger aus dem institutionellen Bereich bedienen. Zum Geschäftsführer berief die HQ Gruppe Dr. Wolfgang Leoni. Das Angebot soll zunächst die globale taktische Asset Allokation und die Selektion von Einzeltiteln umfassen.

Leoni  war von 2007 bis 2013 Chief Investment Officer bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Nach der Übernahme durch die Deutsche Bank wurde er zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Im April vergangenen Jahres schied Leoni auf eigenen Wunsch bei den Kölnern aus. Beim neuen Asset Manager bildet er eine Doppelspitze zusammen mit HQ Trust Geschäftsführer Adalbert von Uckermann. Von Uckermann zeigte sich mit der Verpflichtung zufrieden. Leoni sei wegen seiner langjährigen Erfahrung genau der Richtige; um die Gesellschaft am Markt zu etablieren. 

Zur HQ Gruppe zählen die HQ Trust mit einem geschätzten AUM von gut 4,5 Mrd. Euro, sowie der Alternatives-Spezialist HQ Capital und die HQ Asset Servicing. Ebenfalls mit an Bord ist der Cyborg-Advisor Liquid. 

(DW)

Fondsgesellschaften klagen gegen Deutsche Bank

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Die juristischen Baustellen für Konzernchef John Cryan werden auch im laufenden Jahr nicht weniger. Dem Bankhaus droht weiterhin Ungemach im Zuge der Postbank-Übernahme im Jahr 2010. Zum Jahresende wurden einige Hundert Sammelklagen mit Forderungen im Umfang von weiteren 800 Mio. Euro beim zuständigen Landgericht in Köln eingereicht. Nach Angaben des Handelsblatt strengen neben Privatanlegern auch zahlreiche institutionelle Investoren Klage gegen den Konzern an. Zu ihnen gehören Branchengrößen wie Allianz Global Investors, Union Investment sowie Deka Investments. Insgesamt könnten dem Konzern Nachzahlungen von bis zu 5 Mrd. Euro drohen.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der Vorwurf, die Deutsche Bank sei im Zuge der Postbank-Übernahme unrechtmäßig vorgegangen. Die Frankfurter hatten 2008 zunächst 29,75 % der Postbank-Aktien zu einem Preis von 57,25 Euro erworben und waren so knapp unterhalb der 30 % Marke geblieben, ab der ein Pflichtangebot an die Anteilseigner fällig geworden wäre. 2010 steigerten sie ihren Anteil auf 48 % zu einem Preis von nur 25 Euro pro Aktie. 

Gegen diesen Preis hatten zahlreiche Aktieninhaber geklagt. Sie bemängelten, dass die Deutsche Bank bereits vor Unterbreitung des Übernahmeangebots 2010 die Kontrolle bei der Postbank innehatte. Das Oberlandgericht Köln sah diesen Vorwurf als gerechtfertigt an und verurteilte die Deutsche Bank daraufhin im Oktober letzten Jahres zur Nachzahlung des Differenzbetrages von 32,25 Euro je Postbank-Aktie. Die Deutsche Bank hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Würde das Urteil von einer höheren Instanz bekräftigt wären die großen Fondsgesellschaften, deren Fonds zum fraglichen Zeitpunkt Aktien der Postbank im Portfolio hielten, gegenüber ihren Anlegern Schadensersatzpflichtig. Von einer Klage abgesehen hat die Tochter der Deutsche Bank, DWS.

Der Verfahrensausgang scheint aber weiterhin offen zu sein, denn in einem parallelen Verfahren kam das Oberlandesgericht Köln im November 2017 zur vorläufigen Einschätzung, dass bei der Übernahme alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Rechtsanwältin Antje Radtke-Rieger, die eine der größten Sammelklagen gegen den Konzern eingereicht hat, kritisierte die Besetzung der OLG Richter. Es gebe auffällige Verbindung der Richter zur Deutschen Bank, die den Verdacht der Befangenheit aufkommen ließen, so Radtke-Rieger. Die Urteilsverkündung ist für den Februar 2018 vorgesehen.

 

(DW)

Fidelity ernennt neuen Head of Global Asset Management

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Bart Grenier wird neuer Global Head of Asset Management bei Fidelity International. Der rund 260 Mrd. Euro schwere Vermögensverwalter schafft die Position neu. Grenier kommt aus den eigenen Reihen und blickt auf eine lange Vergangenheit bei Fidelity zurück. Bereits im August 2017 war Grenier zu Fidelity zurückgekehrt, zunächst als Head of Investment Solutions and Innovation bei der Schwesterfirma Fidelity Investments. Die vakant werdende Position Greniers übernimmt Brian Hogan, aktuell noch President of Equity and Income bei Fidelity Investments.

Grenier war bereits von 1991 bis 2005 als Vize Präsident für den Aktienhandel bei Fidelity beschäftigt. 2005 verließ er die US-Amerikaner Richtung Deutsche Asset Management (DAM), wo er für sechs Jahre die Position des Chief Investement Officer und Managing Director ausfüllte. 

Während dieser Zeit wurde er von der Securities and Exchange Commission (SEC) wegen der unrechtmäßigen Annahme von Vergütungen externer Makler angeklagt. Es kam zu einer außergerichtlichen Beilegung.Von der DAM wechselte Grenier 2011 als CEO zur Boston Company Asset Management. Im August letzten Jahres kehrte er zu Fidelity zurück. 

Gegenüber Investment Week sagte ein Sprecher von Fidelity, in der neuen Rolle werde Grenier das gesamte AUM über alle Asset Klassen hinweg verantworten. Unterstellt ist er in seiner neuen Position nur Fidelity Präsident Brian Conroy.  

(DW)

Mangelhafte Beratung der großen Filialbanken

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Bei der Anlageberatung ihrer Kunden leisten die großen bundesweit aktiven Filialbanken meist überzeugende Dienste. Sowohl bei der Bedarfsanalyse ihrer Kunden als auch im Bereich der Lösungskompetenz schnitten die Finanzhäuser laut einer Studie des S.W.I. Instituts im Durchschnitt mit einer guten Bewertung ab. Am besten aufgestellt präsentiert sich die Commerzbank. Die Deutsche Bank belegt Rang zwei, gefolgt von der HypoVereinsbank. Abgeschlagen auf den letzten Rang steht die Santander Bank. 
Trotz der guten Noten fällt es den Finanzhäuser immer noch schwer, die nötige Kostentransparenz in der Beratung umzusetzen. Zudem bleibt der Umgang mit Beratungsprotokollen ebenso fraglich wie der mit Diskretion. 

Das S.W.I. FINANCE Institut hat im Auftrag des Handelsblatt von Februar 2015 bis Oktober 2017 die Beratungsqualität der großen deutschen Filialbanken analysiert. Untersucht wurden jeweils die Produktbereiche Altersvorsorge, Baufinanzierung, Geldanlage und Ratenkredit. 

Entscheidend für die Bewertung der Beratungsqualität war zu einem Drittel, wie gründlich die Berater auf die persönliche und finanzielle Situation der Kunden eingingen, und ob das Kundenanliegen genau evaluiert werden konnte. Auf dieser Bedarfsanalyse sollte anschließend eine individualisierte Beratung stattfinden, an deren Ende die Bank auf das Anliegen zugeschnittene Produkte präsentieren sollte. Zu zwei Dritteln floss die Kompetenz der Berater in die Bewertung ein. Die Tester betrachteten einerseits die Richtigkeit und Vollständigkeit der Aussagen, sowie anderseits, ob und wie angemessen die Lösungsvorschläge ausfielen. Zur Ermittlung des Gesamturteils berücksichtigte das S.W.I. zudem das digitale Angebot der Banken.

Commerzbank überzeugt die Tester 

Quelle: S.W.I. FINANCE /Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 (100 Punkte sind maximal erreichbar). 100,0-80,0 Punkte = sehr gut; 79,9-70,0 Punkte = gut; 69,9-60,0 Punkte = befriedigend; 59,9-50,0 Punkte = ausreichend; < 50,0 Punkte = mangelhaft

Mit einer vom S.W.I. Institut sowohl im Bereich Bedarfsanalyse als auch bei der Lösungskompetenz als „sehr gut“ ausgezeichneten Qualität landete die Commerzbank auf Platz eins der getesteten Finanzhäuser. Sie punktete vor allem mit ihrer detaillierten Analyse der Lebenssituation sowie des finanziellen Spielraums der Kunden. Die Deutsche Bank erbrachte zwar ebenfalls durchweg gute Leistungen, wies aber produktspezifisch große Schwankungen auf und fiel insbesondere in der Kategorie „Ratenkredit“ ab. Gleiches gilt für die Hypovereinsbank, die hier nur ein „befriedigend“ erzielen konnte.

Jeweils unter dem Durchschnitt der Beratungsqualität rangierten die Targobank, Postbank und Santander Bank.

Die Leistungskategorien im Überblick

Quelle: S.W.I. FINANCE /Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 (100 Punkte sind maximal erreichbar). 100,0-80,0 Punkte = sehr gut; 79,9-70,0 Punkte = gut; 69,9-60,0 Punkte = befriedigend; 59,9-50,0 Punkte = ausreichend; < 50,0 Punkte = mangelhaft

Nicht alles Gold, was glänzt

Insgesamt zeigten sich die Tester mit der Leistung der Bankhäuser zufrieden. Im Vergleich zur vorangegangenen Studie sei die Qualität insgesamt gestiegen, so das S.W.I. Dennoch moniert das Institut, dass in vielen Fällen Bankmitarbeiter nicht gründlich genug vorgingen. So sei nicht immer die finanzielle Situation der Kunden ausreichend ausführlich besprochen worden. In anderen Fällen seien die Bankmitarbeiter nicht hinreichend auf die Kundenwünsche eingegangen.

Auch wenn in fast neun von zehn Gesprächen fachlichen gut beraten wurde, konstatierte das S.W.I.  bei gut 20% der Gespräche eine Unzufriedenheit mit dem Beratungsverlauf. In 25 % der Beratungen hätten die Mitarbeiter darüber hinaus den Produktnutzen nicht ausführlich genug erläutert. 

Bemängelt wurde in vier von zehn Fällen zudem, dass die Darstellung der Kostenstruktur nicht transparent genug erfolgt sei. Auch der korrekte Umgang mit Beratungsprotokollen sei weiterhin eine „Achillesverse“ der Banken. Kaum ein Finanzhaus zeigte einen verständlichen und überzeugenden Umgang mit den Protokollen. 

Problem: Diskretion

Weiterer Minuspunkt: Bereits in der ersten Studie 2014 hatte das S.W.I. mangelhafte Diskretion in Beratungsgesprächen moniert. Anscheinend haben die Banken hier geschlafen. Es sei erneut keinem Institut gelungen, bei den Beratungsgesprächen die nötige Diskretion zu gewährleisten, so die Tester.  In mehr als einem Drittel aller Beratungsgespräche sei es Unbeteiligten möglich gewesen, sensible Daten mitzuhören.

An diesen Punkten müsse die Branche nachbessern, wolle sie ihre Vormachtstellung am Markt langfristig behaupten, so das S.W.I.

(DW)

Mit Multi-Strategien gegen das Risiko

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Die Renditeverlegenheit im Tiefzinsumfeld bereitete jedoch auch im institutionellen Lager Produkten den Weg, in denen ein Asset Manager über die Allokation von Aktien, Anleihen, Reits, Rohstoffen, Infrastruktur oder Geldmarkt und auch die einzelnen Assets entscheidet. Auf der Referenzkundenliste eines Multi-Asset-Spezialisten finden sich zwei große Sparkassen und je ein ­großer Corporate und ein großes Stadtwerk. Jürgen Huth, Consultant bei Faros Consulting: „Multi Asset, insbesondere mit Wertsicherung, hat an Bedeutung in Mandatsausschreibungen gewonnen.“ Gemäß einer Ted-Umfrage auf dem Faros Institutional Investors Forum ­Mitte November in Frankfurt plant etwas mehr als die Hälfte in Multi Asset zu investieren oder ist bereits investiert. Ein Fünftel ist „in Über­legung“. Knapp die Hälfte sieht in Multi-Asset-Mandaten mit Wert­untergrenze gar eine Alternative zu einem Masterfonds mit Overlay. 

„Diese Antworten passen in etwa zu dem, was wir machen“, sagte Manfred Bubenheim vom Group Pension & Asset Management der Deutschen Post und Teilnehmer an einer Multi-Asset-Diskussionsrunde. Die Deutsche Post hat bereits seit längerem eine Master-KVG mit Overlay, die allerdings nicht zur gänzlichen Zufriedenheit Bubenheims arbeitet: „Das Overlay ist sehr prozyklisch und von der Performance der in der Master-KVG aufgehängten Asset Manager hatte man sich mehr versprochen. Als im Jahr 2015 der Konzern für die Dotierung der Pensionsgelder Cash nachschoss, wurde dieses auch in Multi-Asset-Strategien allokiert. „Von den Multi-Asset-Managern erwarten wir, dass die Wertuntergrenzen eingehalten werden“, so Bubenheim. Auf Grund der Erfahrungen mit der Finanzkrise arbeitet die Deutsche Post seit 2010 mit Wertuntergrenzen und Risikobudgets.

Multi-Asset streut das Risiko und verhindert personale Abhängigkeit

Von vergleichbar großer Bedeutung ist die Einhaltung der an den ­Asset Manager kommunizierten Wertuntergrenze für Thomas Vaitl, Leiter Treasury, Finanz- und Investitionsmanagement beim ADAC: Die Bilanzierung erfolgt nach HGB unter Anwendung des gemilderten Niederstwertprinzips. Erst wenn der Anteilscheinpreis nachhaltig und deutlich unter die bei Auflage fixierte Wertuntergrenze fällt, bestünde Abschreibungsbedarf, den es absolut zu vermeiden gilt.“

Vaitl kam vor knapp fünf Jahren von Siemens Financial Services zum ADAC. Damals bestand das Portfolio im Wesentlichen aus kern­europäischen Staatsanleihen, Pfandbriefen sowie deutschen Schuldscheindarlehen. Im Zuge der anhaltenden „Niedrigzins-Phase“ wurde bis heute das Portfolio deutlich breiter über mehrere Asset-Klassen aufgestellt und granularer diversifiziert. Teil dieser Diversifikationsstrategie war auch die Auflage von zwei global und breit über ­mehrere Asset-Klassen investierten Multi-Asset-Fonds. Gegen ein Master-Fonds-Konstrukt – direkt abgeleitet aus der SAA und gesichert durch ein Risiko-Overlay – habe im Entscheidungsprozess seinerzeit unter anderem die starke Abhängigkeit von einem einzigen Overlay Manager im Hinblick auf die effiziente Sicherung der Wertuntergrenze und die generell etwas höhere Komplexität in der Umsetzung gesprochen, so Thomas Vaitl. 

Multi-Asset-Anbieter profitieren zwar im Vertrieb von der erfreu­lichen Nachfrage, das Portfoliomanagement hat sich jedoch deutlich erschwert. Vor allem fehlen auch Multi-Asset-Managern Zinserträge, die das Risikobudget erhöhen. Dies erschwert auch die Steuerung der Aktienquote, die für die Rendite den wesentlichen Faktor darstellt. Die mit Aktien verbundene Renditeerwartung sollte auch eher nach unten angepasst werden. Zumindest teilte Björn G. From, vom norwegischen Ölfonds auf der Faros-Veranstaltung mit, dass man zwar die Aktienquote von 60 auf 70 Prozent anhebe, gleichzeitig aber das reale Renditeziel von vier auf drei Prozent senke.

Zur wichtigen Steuerungsgröße für die Freigabe von Risikobudgets in Zeiten des zinslosen Risikos ist die Volatilität mutiert, was Multi-Asset-Management verkompliziert und zu steigenden Wertsicherungskosten führt. Letzeres führt wiederum dazu, dass die Manager vorsichtiger mit ­ihrem ­Risikobudget umgehen und somit Renditepotenziale sinken. Kurz: Über die Ausrichtung von Multi Asset besteht Gesprächsbedarf zwischen Anbieter und Kunde. Auch weil letztere mit Multi Asset ein Marktrisiko zugunsten eines Managerrisikos tauschen. 

Abstimmungsbedarf mit Kunden sehen auch die an der Diskussionsrunde teilnehmenden „Multis“ Robert Koch, Portfolio Manager bei Fisch Asset Management, und Stefan Löwenthal, Chief Investment Officer bei Macquarie Investment Management Austria. „Der Kunde hat Anforderungen und Erwartungen von Multi Asset, die realistisch oder weniger realistisch sein können. Wir als Asset ­Manager müssen dann aufzeigen, was möglich ist“, erläuterte Koch. Löwenthal erklärte, dass langjährige Investoren dazu neigen würden, die Renditen von vor 2008 fortzuschreiben. Bei Investoren, die erst in der jüngeren Vergangenheit aus dem Fixed-­Income-Lager kommend, sich Multi Asset nähern, seien die ­Erwartungen realistischer. Prinzipiell ist bei Multi Asset wichtig zu verstehen, dass sich Renditen und Risiken ­voneinander ableiten. „Gleiche Ertragserwartung mit gleichem ­Risiko: Das geht nicht mehr. Leider laufen in der Branche schwarze Schafe rum, die eben dies versprechen. In unseren Dialogen stellen wir fest, dass die Renditeziele eher nicht fallen. Damit stellt sich die Frage, wie und wo man Risiken erhöhen kann“, so Löwenthal.

Streuung des Risikos bedeutet nicht, dass es kein Risiko gibt

In den Dialog kommen sollten die beiden Parteien aber auch in ­Sachen Wertuntergrenze. Nicht nur zu deren Höhe, sondern auch für den Was-nun-Fall. Robert Koch: „Eine breite, durchdachte Strategische Asset-Allokation ist die wichtigste Wertsicherung. Alles Weitere muss im direkten Dialog mit dem Kunden geklärt werden. In der Wertsicherung zu sein, darf nur die Ultima Ratio sein.“ Bei Fisch kommt die Multi-Asset-Allokation übrigens ohne Aktien aus. Aber auch die Ultima Ratio hat für Robert Koch eine positive Seite. ­Schließlich geschehe dies dann, wenn die Märkte irrational sind. „Aber vorher muss man sich darüber austauschen, wie man reagiert, wenn man in der Wertsicherung steckt.“

Von der Zinsseite ist kein neues ­Risikobudget für den Neustart zu erwarten – auch nicht kurzfristig vom Investor. „Wir vergeben grundsätzlich das Risikobudget einmalig und nicht jährlich“, erklärte Thomas Vaitl. Bei der Vergabe des Risiko­budgets – gemessen an der erwarteten Zielrendite – sei der ADAC tendenziell dafür etwas großzügiger, um dem Asset Manager entsprechenden Handlungsspielraum gewähren zu können, so Vaitl weiter. Im Gegenzug setzt der Asset Manager aber Teile des gewährten Risiko­budgets erst in absoluten Stressphasen ein, um im Hinblick auf die Wertuntergrenze kurzfristige, prozyklische Eingriffe weit­gehend vermeiden zu können. Nach Phasen nachhaltig positiver Renditeentwicklung konnte die Wertuntergrenze durch den Investor bereits mehrfach angehoben werden. Dies dient neben der dargestellten konservativen Einteilung des Risikobudgets durch den Asset ­Manager als weitere antizyklische Steuerungskomponente. In guten, sprich Risikobudget-aufbauenden Zeiten sollten Investoren darüber nachdenken, das Risikobudget per order mufti zu reduzieren. ­

Manfred Bubenheim warnt davor, dass in steigenden Märkten die risky Assets immer mehr zunehmen. „Es ist schlecht, wenn Freiheitsgrade dazu führen, dass die strategische Asset Allocation sehr prozyklisch wird“, so Bubenheim. Statisch oder hyperaktiv darf die Strategische Asset ­Allocation aber auch nicht sein. Wer ersteres wünscht, ist mit ETFs besser bedient. Alle drei Wochen die Asset Allocation zu ändern macht aber auch keinen Sinn, selbst wenn die taktische Komponente Rendite­treiber für einen aktiven „Multi“ ist. Koch prägte den Begriff der „intelligenten Asset Allocation“. Diese brauche es, um effizient Risiko­prämien abzuschöpfen und Ausschüttungen zu generieren. 

Die verschiedenen Werttreiber bei Multi Asset bringen es mit sich, dass nicht nur eine Performance-Attribution, sondern auch eine Leistungsbeurteilung zwar nicht unmöglich aber doch deutlich anspruchsvoller ist bei einem globalen Aktienmanager, der gegen den MSCI World Index läuft. Ein Peergroup-Vergleich bietet sich auch deshalb an, weil Investoren meist mehrere Multi-Asset-Manager-Mandate ­vergeben. Ein solcher Split macht Sinn. Bubenheim: „Wir haben einen weiteren Multi Asset Manager gesucht und uns in einer Ausschreibung 21 weitere Asset Manager angeschaut. Zwei Gleiche haben wir aber nicht gefunden.“ Für einen fairen Vergleich muss aber jedem Manager das gleiche Risikobudget anvertraut werden. Eine statische Benchmark eignet sich ebenfalls für den Leistungstest, wobei diese gerade in Bullenmärkten für aktive Manager schwer zu schlagen ist. 

Die Performance muss nachvollziehbar sein

Beim ADAC erfolgt die Messung der Asset-Manager-Leistung primär gegen ein absolutes Renditeziel. „Als weiterer ‚Leistungstest‘ wird die Performance aber auch gegen eine vergleichbare symmetrische ‚Benchmark‘ gemessen. Zur Leistungsmessung zwischen den beiden Multi-Asset-Segmenten – die auf Basis identischer Anlagerichtlinien gemanagt werden – dienen neben der erreichten absoluten Performance auch risikoadjustierte Renditekennzahlen“, erklärte Treasurer Thomas Vaitl. Aber auch bei diesem Thema tendieren die Teilnehmer zum vertraulichen Austausch. Manfred Bubenheim: „Unser Maßstab ist das Renditeziel. Der Manager muss aber auch erklären, warum er in guten Zeiten nicht über dem Renditeziel gelandet ist. Er muss mir seine Performance erklären können.“ Intern hat die Deutsche Post noch eine weitere Benchmark: Multi Asset sollte langfristig mehr als drei Prozent oberhalb der Geldmarktrendite erzielen. 

Das Komplettangebot aus Allokation, Zielfonds(manager)-Selektion und Wertsicherung bietet sich nicht nur aber insbesondere für kleinere Investoren aus Sicht von Apo Asset Management in Form von institutionellen Dachfonds an. „Für kleinere Versorgungswerke managen wir einige Multi-Asset-Mandate im Dachfondsmantel. Das ist deren Alternative zu einer Master-KVG“, erklärt Claus Sendelbach, Geschäftsführer von Apo Asset. 

Bei diesem Vergleich stellt sich natürlich auch die Frage nach den Kosten. Master-KVGen bleiben unter anderem wegen der Losgröße, auch mitsamt Overlay und Sub-­Advisor-Gebühren, unter den Aufwendungen für einen solchen Multi-Asset-Fonds von grob einem halben Prozent. „Auch wenn bei Multi-Asset-Dachfonds keine Aufwendungen für Anlageausschuss­sitzungen und Kosten für externe Sub-Advisor anfallen: Multi Asset durch Dachfonds für kleinere Summen ist teurer als eine große ­Master-KVG“, so Sendelbach. Alles lässt sich aber auch nicht mit Geld bemessen, und institutionelle Kapitalanlage ist vielschichtig. Uwe Rieken von Faros Consulting: „Multi Asset bei kleineren Versorgungswerken ist ökonomisch nicht zwingend plausibel. Aus meiner Sicht gibt es keinen Zusammenhang zur Asset-Größe – aber sicher zur Verantwortlichkeit und Organisationsstruktur.“

Von Multi Asset zu Multi-Manager 

Eine breitere Diversifikation bieten Multi Manager – insbesondere, wenn diese auch Short-Positionen eingehen. Ein Mehr an Diversifikation ist praktisch nicht mehr möglich. Dies wirkt sich positiv auf die Volatilität aus, darf Renditepotenziale aber nicht zu stark eingrenzen. Diese Alleskönner stammen aus dem Hedgefonds-Lager. Mehr und mehr sind die Alpha-Künstler aber auch bereit, ihre Strategien in einer liquiden und transparenten Ucits-Variante anzubieten. Ein Markt für solche Produkte ist gegeben, auch wenn manche Alpha-Hoffnung von Hedgefonds trotz hoher Gebühren bitter enttäuscht wurde. Für alle die glauben, dass mit Betas die Renditeerzielung immer schwieriger wird, macht ein Blick auf Multi-Hedgefondsmanager Sinn. Denn: Solange das Alpha positiv ist, muss definitorisch das Verhältnis von Alpha pro Kosten bei Hedgefonds günstiger als bei ETFs sein!

Einer der Multi-Hedgefondsmanager-Vertreter ist Brooks Ritchey, Head of Portfolio Construction bei K2 Advisors, einer Tochter von Franklin Templeton. Er schürt die Hoffnung auf künftig größere Alphas und nennt zwei Gründe, warum sich das Alpha-Potenzial verbessern wird: „Ich erwarte, dass die Zinsen steigen, und historisch betrachtet folgte auf höhere nominale Renditen eine überdurchschnittliche Performance. Je höher die Zinsen, desto höher das potenzielle Alpha. Dies gilt für Hedgefonds-Strategien und auch – bis zu einem gewissen Maß – für Aktien.“ Zur Begründung nennt Ritchey als Beispiel, dass der bei Short- oder Convertible-Arbitrage-Strategien dem Fonds zufließende Cash besser verzinst wird. Allerdings verteuert sich bei steigenden Zinsen der Leverage – zumindest auf den Long-Positionen. Wer netto short positioniert ist, profitiert dagegen laut Ritchey von höheren Zinsen.

Die meisten Hedgefonds sind ­jedoch in der Regel netto long. Einen weiteren Grund für das sich ­verbessernde Alpha-Potenzial sieht Ritchey in der wachsenden ­Dispersion auf dem Aktienmarkt. Niedrigere Korrelationen der Aktien zueinander bieten Hedgefonds – aber auch aktiven Aktienmanagern – erfolgversprechende Rahmenbedingungen. Seit Mitte 2015 tendieren die Aktienkorrelationen im S&P 500 von 0,5 in Richtung 0,1. „Die Rendite kommt künftig aus dem Alpha und nicht aus dem Beta“, erwartet Brooks Ritchey. Seit Auflage im September 2014 rentierte der Franklin K2 Alternative Strategies Fund, ein Multi-­Hedgefondsmanager, mit jährlich 4,04 Prozent. „In der zurückliegenden Jahresperiode lag die Performance dank der verbesserten Alpha-Rahmenbedingungen bei 5,32 Prozent“, so Branchenveteran Ritchey, der in dem als ­Managed Account aufgesetzten Alternative Strategies Fund aus ­Investorensicht ein Volatilitäts-Proxy für Bonds und einen komplementären Rendite-Diversifikator sieht.

Geringe Kosten – mehr Rendite

Möglichkeiten, mehr Alpha zu schaffen, könnten für Investoren darin liegen, mehr Illiquidität in Kauf zu nehmen, die Zahl der Subadvisor zu reduzieren oder Co-Investments zu machen. „Mit der Rendite­erwartung würde dann aber auch die Volatilität über die bisherigen Werte von knapp fünf Prozent steigen“, wendet Ritchey ein. Der sicherste Weg – und ohne ein Plus an Vola – zu höheren Renditen würde über geringere Gebühren führen. Diese belaufen sich auf ein Prozent Management Fee für die Sub-Advisor plus 0,75 Prozent für die Franklin-Templeton-Tochter K2. Die Total Expense Ratio liegt bei 1,9 Prozent. Zwar beträgt das Renditeziel vier bis fünf Prozent nach Kosten und es wird tägliche Liquidität bei überschaubarer Volatilität auf einer breiten Basis an Renditequellen offeriert. Zudem existiert keine Performance Fee. Andererseits betragen die FX-Hedgekosten des Anlegers etwa ein Prozent, und man kann hinterfragen, ob für die Sub-Advisors wirklich eine Management Fee von einem Prozent dafür angemessen ist, dass sie bereits bestehende Strategien nur mit einem höheren Liquiditätsanspruch umsetzen müssen. Überlebensnotwendig dürfte die Ein-Prozent-Gebühr nicht sein: Die Assets under Management der den Segmenten Relative Value, Long-Short-Equity, Event Driven und Global Macro zuordenbaren 13 Sub-Advisors liegen ­zwischen einer knappen Milliarde und einer Billion Dollar.

Einen ebenfalls täglich liquiden Multi-Hedgefondsmanager beziehungsweise Multi-Strategy-Ucits-Fonds mit Sub-Advisors offeriert die Legg-Mason-Tochter Entrust Permal – allerdings konzentriert auf Unternehmenskredite. „Gegenwärtig wird das Risiko, das Credit-Investoren eingehen, nicht ausreichend entschädigt. Credit-Long-Short-Strategien stellen gerade in diesem Umfeld eine Alternative zu klassischen Fixed-Income-Investments dar“, so Fadi Fattouh, der einen weiteren Zinsanstieg erwartet. Entrust Permal fährt ein mit nur sechs Asset Managern und nur mit Long-Short-Credits ­konzentrierteres Portfolio. Das Netto-Renditeziel ist mit vier bis sechs Prozent per ­annum etwas höher. Die Volatilität liegt bei nur vier bis sechs Prozent. Letzteres sollte allerdings nicht allzu sehr überraschen, da es sich ausschließlich um alternatives Fixed Income handelt. Dies dürfte aber die Herausforderung, tägliche Liquidität zu bieten, nicht einfacher machen. Fattouh: „Um tägliche Liquidität zu gewährleisten, müssen wir bei der Auswahl der Strategien und der Manager sehr selektiv sein.“ Short-Positionen werden über Credit Default Swaps umgesetzt.

Die Sub-Advisor-Management-Fee beträgt wie bei K2 ebenfalls „hart verhandelte ein Prozent“, so Fadi Fattouh. Für den Multi Manager, Multi-Strategy Ucits insgesamt beträgt die Management Fee jährliche 1,65 Prozent, zuzüglich 20 Basispunkte für Administration und ­Custody. Hinzu kommt noch eine bereits bei einer Rendite von vier Prozent beginnende Hurdle Rate. Die kontinuierlichen Erträge der sechs Manager sind aber gesichert: Die Assets under Management der sechs Anlagespezialisten liegen zwischen einer halben Milliarde und sechs Milliarden Dollar. 

 

 

 

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