LFDE will die die Rolle eines verantwortungsvollen Investors erfüllen

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Der Finanzsektor hat sich des ESG-Themas angenommen und möchte diesen vollumfänglich einbinden, wie sich aus diversen Verlautbarungen in jüngster Zeit unschwer schließen lässt. ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Angesichts der Flut von Bekanntgaben kann es jedoch nicht selten vorkommen, dass nur von ESG-
Initiativen gesprochen, aber nicht entsprechend gehandelt wird.

Vermögensverwalter engagieren sich

Ein aktuell sehr häufig genanntes Leitmotiv ist „Engagement“. Dabei wird das Ziel verfolgt, durch einen Dialog
zwischen Investoren und Unternehmen die ESG-Praktiken des jeweiligen Unternehmens zu verbessern. Auch
wenn ein solches Engagement mitunter als Rechtfertigung für Anlagen in Unternehmen mit vergleichsweise
schwächeren ESG-Standards dient, sollte man sich dennoch über den Umstand freuen, dass Investoren ihre
Verantwortung wahrnehmen, wenn die Interessen ihrer Anteilseigner in Gefahr sind.

In der diesjährigen Hauptversammlungssaison, die derzeit in vollem Gange ist, zeigt sich, dass wir uns auf dem
richtigen Weg befinden. Tatsächlich verschaffen sich Minderheitsaktionäre nun mehr denn je Gehör. Die
bislang ereignisreich verlaufende Saison liefert dafür einige Beispiele: Rund 90 % der Minderheitsaktionäre
des Luxusgüteranbieters Kering mit Marken wie Gucci, Brioni und Balenciaga stimmten gegen die
vorgeschlagene Vergütung von CEO François-Henri Pinault.

Die 13-stündige Hauptversammlung des
Chemiekonzerns Bayer endete wiederum mit der Weigerung der Aktionäre, den Vorstand zu entlasten. Auch
beim Brillenhersteller EssilorLuxottica erhoben die Minderheitsaktionäre ihre Stimme. Vor der
Zusammenlegung der beiden Unternehmen war eine Fusion unter Gleichen versprochen worden, doch ist
dies bisher nicht gelungen – beide Seiten hatten sich vorgeworfen, die Macht für sich beanspruchen zu
wollen.

Die fehlende Entscheidungsfähigkeit in diesem Führungsstreit sorgte für Unmut, und so schlug eine
Gruppe besorgter Minderheitsaktionäre die Ernennung zweier unabhängiger Geschäftsführer vor, um endlich
einen Ausweg aus dieser Krise zu finden. Leider wurde jedoch kein solcher Beschluss gefasst.

Der Beginn einer neuen Ära

Diese „Revolte von Minderheitsaktionären“ ist möglicherweise der Beginn einer neuen Ära: Investoren setzen
sich immer stärker mit Fragen der Unternehmensführung, auch Governance genannt, auseinander – und das
ist eine positive Entwicklung. Sie macht auch deutlich, wie wichtig es ist, sich von Unternehmen mit einer
schwachen Unternehmensführung fernzuhalten.

LFDE – La Financière de l’Echiquier engagiert sich bereits seit mehr als zehn Jahren im Bereich des sozial-
verantwortlichen Investierens (SRI), wobei der Führung von Unternehmen eine besondere Bedeutung
beigemessen wird. Wir nehmen unsere Verantwortung als Investor sehr ernst, insbesondere unsere Verantwortung als Aktionär. Deshalb ist „Engagement“ für uns kein leeres Modewort, sondern fester
Bestandteil unserer täglichen Anlageprozesse.

Der ESG-Ansatz von LFDE

Unser ESG-Ansatz umfasst beispielsweise regelmäßige Treffen mit der jeweiligen Unternehmensführung
sowie die Entwicklung und Umsetzung von Verbesserungsansätzen, die mit den Unternehmen besprochen
und auch später regelmäßig überprüft werden. Darüber hinaus üben wir systematisch 100 % unserer
Stimmrechte bei den von unseren aktiv verwalteten Fonds gehaltenen Titeln aus.

All dies erfordert eine enge
Zusammenarbeit des gesamten Fondsmanagementteams. Auch sind wir stets um eine freundliche
Zusammenarbeit mit den Unternehmen bemüht – doch wir zögern nicht, der Geschäftsführung gegenüber

unser Missfallen zum Ausdruck zu bringen, sollten die Umstände dies erfordern. 2018 stimmten wir
beispielsweise bei 21 % der Beschlüsse, an denen wir beteiligt waren, gegen die Geschäftsführung. Es kann
jedoch auch vorkommen, dass wir einen etwas aktiveren Weg einschlagen. So legten wir 2018 gemeinsam mit
einem anderen Investor auf der Hauptversammlung des Luftfahrtunternehmens Latécoère einen eigenen
Beschlussantrag vor.

Unsere Vorstellung von Engagement zeigt sich auch an der großen Aufmerksamkeit, die wir auf bestehende
Kontroversen in den Fonds richten. So wurde etwa ein Ethikausschuss gebildet, der sich mit besonders
kritischen Fällen befasst und schließlich eine Entscheidung trifft. Wir lassen unseren Worten Taten folgen,
denn wir wollen mehr denn je die Rolle eines verantwortungsvollen und engagierten Investors erfüllen!

Wahlen in Indien – positive Wirtschaftsentwicklung erwartet

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Laut des WisdomTreeExperten Gaurav Sinha steht nach der Wahl in Indien die Digitalisierung der Wirtschaft ganz oben auf der To-Do-Liste der Regierung.

Die
Wahl signalisiert auch eine starke positive Wirtschaftsentwicklung und
würde Modi ermutigen, auf strengere Reformen hinzuarbeiten. Die
Entmonetisierung und Einführung der Goods and Service Tax (GST)
verursachte massive Unruhen unter den Durchschnittsbürgern, aber
angesichts der derzeit sehr guten Ergebnisse erwarten wir eine Zunahme
an harten Reformen.

Wir gehen davon aus, dass der Schwerpunkt in den
nächsten fünf Jahren auf dem Grunderwerb, der Arbeitsreform, der
Monetarisierung von Staatsunternehmen und Digitalisierung der Wirtschaft
liegen wird.

Der
indische Sensex- und der Nifty-Index reagierten darauf mit einem
Eröffnungsrekord von 40.000 bzw. 12.000 Punkten, während der Rupie
gegenüber dem USD anstieg.

Nachhaltigkeitsansatz umgesetzt

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Im Rahmen seiner Klimastrategie wird ODDO BHF Asset Management künftig auf Kohle-Investments in allen Portfolios verzichten, die Nachhaltigkeitskriterien einbeziehen.

Dies betrifft insgesamt ein Volumen von 6,6 Mrd. EUR, das
entspricht rund 12% des verwalteten Vermögens. Konkretes Ziel der
Kohleausschlussstrategie ist es, auf Anlagen in Bergbauunternehmen zu
verzichten, die mehr als 5% ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Im Falle von
Stromerzeugern liegt die Grenze bei 30%.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten 2017 rund
30% der weltweiten CO2- Emissionen aus der Kohleverbrennung. Neben hohen
CO2-Emissionen haben der Abbau und die Nutzung von Kohle noch weitere negative
ökologische und soziale Folgen wie Wasser- und Bodenverschmutzungen oder
gesundheitliche Beeinträchtigungen. ODDO BHF AM ist davon überzeugt, dass eine
kohärente Strategie zur Bekämpfung der globalen Erwärmung bei der Kohle
ansetzen muss. „Es wird immer klarer, dass Kohle wirtschaftlich eine Sackgasse
darstellt”, erläutert Nicolas Jacob, Leiter ESG Research bei ODDO BHF AM.

„Sollten sich die regulatorischen Vorgaben zu CO2-Emissionen weiter verschärfen,
dürften die meisten der nachgewiesenen Kohlevorkommen am Ende ungenutzt
bleiben, was beträchtliche Finanzverluste von mehreren Milliarden Dollar nach
sich ziehen wird. Aus Sicht eines Asset Managers ist es mit Blick auf dessen
treuhänderische Pflichten gegenüber langfristig orientierten Investoren daher
sinnvoll, Kohle-Investments aus seinem Anlageuniversum auszuschließen.”

Nicolas Chaput, CEO und Co-CIO bei ODDO BHF AM, erklärt: „Neben
unserer Energy-Transition- Analyse auf Emittentenebene und dem Dialog mit
Unternehmen im Rahmen der Initiative Climate Action 100+ stellt damit der
Ausschluss von Anlagen in Kohle den dritten Baustein unseres Umweltkonzeptes
dar.”

Schwellenländer und Industrieländer: Die richtige Kombi ist entscheidend

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„Emerging-Markets-Lokalwährungsanleihen bieten im derzeitigen Marktumfeld attraktive Anlagechancen. Nach mehrjähriger Dollar-Rallye und einem Verfall der Rohstoffpreise ist dieses Segment gerade besonders unterbewertet.“ Das meint Jeremy Cunningham, Fixed Income Investment Director bei Capital Group.

„Lokalwährungsanleihen bieten daher aktuell hohe Realrenditen, niedrige
Kassa-Wechselkurse, relativ niedrige Schuldenstandsquoten und
möglicherweise eine geringere Anfälligkeit für die spätzyklische
Entwicklung in den Industrieländern.“

Schwellenländer seien gegenwärtig
durch ein dynamisches Wachstum, bessere Fundamentaldaten und
ausreichende Risikoprämien an vielen Lokalwährungsanleihenmärkten
charakterisiert. Das mache sie für Anleger, die Wachstum, laufende
Erträge und Diversifikation anstreben, besonders attraktiv. 
 

EM-Anleihen mit High-Yield-Anleihen aus Industrieländern kombinieren

Für eine erfolgsversprechende, langfristige Strategie mit hohen
Gesamterträgen empfiehlt Cunningham, das eigene Anlageuniversum zu
internationalisieren – sprich: High-Yield-Unternehmensanleihen aus
Industrieländern mit Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern zu
kombinieren. Diese Diversifikation böte auf Grund der geringen
Korrelation besondere Vorteile. Früher seien beispielsweise Bank Loans
zur Verlustabsicherung beigemischt worden.

Heute korrelierten diese
jedoch stärker mit riskanten Industrieländeranlagen. Sie seien
prozyklisch geworden. Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern hätten
sich dahingegen gegensätzlich entwickelt. Sie seien mit internationalen
Risikoanlagen wie beispielsweise Aktien deutlich schwächer korreliert.
 

Emerging Markets werden unabhängiger

Diese fundamentalen Veränderungen liegen zu großen Teilen an einer
größeren Unabhängigkeit der entsprechenden Länder und haben sich
insbesondere nach der globalen Finanzkrise beschleunigt. „Das Wachstum
von Emerging Markets hängt heute nicht mehr so stark von
Industrieländern ab. Grund dafür ist beispielsweise die Entwicklung in
China. Zudem haben sich die Lokalwährungsanleihenmärkte
weiterentwickelt, und es wurden flexible Wechselkurse eingeführt. Das
macht sie von Fremdwährungsanleihen unabhängiger. Schwellenländer sind
als Anlageklasse weitergewachsen und gereift“, sagt Cunningham.

Die
niedrigere Korrelation der Emerging Markets böte heute eine bessere
Möglichkeit der Diversifikation ertragsorientierter Portfolios – und das
sei insbesondere aktuell von Bedeutung. „Verlustabsicherung wird in der
Spätphase des gegenwärtigen und auch in denen zukünftiger
Konjunkturzyklen besonders wichtig“, analysiert Cunningham.
 

Konsistente Erträge seit zwei Dekaden

Mit der Global High Income Opportunities-Strategie (GHIO) kombiniert die
Capital Group bereits seit zwei Dekaden High-Yield-Unternehmensanleihen
aus Industrieländern mit Hart- und Lokalwährungsanleihen aus
Schwellenländern. Der Fonds hat einen nachgewiesenen Track Record über
einen Zeitraum von 20 Jahren. Über mehrere Kreditzyklen hinweg hat er
attraktive Gesamtrenditen mit hohen Erträgen erbracht. Der Fonds weist
im 10-Jahres-Durchschnitt eine ausgeschüttete Rendite von 7,7 Prozent
aus.

Neue Analyse zum Einfluss von Investments auf die Biodiversität

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In dieser Analyse setzt Pictet AM weltweit anerkannte Instrumente zur Messung der Umweltauswirkungen ein. Das Konzept der Planetaren Belastungsgrenzen und die Lebenszyklusanalyse, um den Beitrag der Unternehmenswelt zum Artenverlust zu bestimmen.

Damit
die Veränderungen der Biodiversität auf natürlichem Niveau bleiben,
muss die jährliche Aussterberate weniger als 0,13 pro Million Arten für
jede 1 Billion US-Dollar Umsatz betragen.

Wenn wir diesen Rahmen auf die
Bestandteile des MSCI All-Country World Index anwenden, der im
vergangenen Jahr zusammen mehr als 30 Billionen US-Dollar an Einnahmen
erwirtschaftet hat, stellen wir fest, dass die weltweit größten
Unternehmen Tier- und Pflanzenarten mit einer Rate vernichten, die
22-mal höher ist als die Schwellenwerte.

 Weitere Details entnehmen Sie bitte diesem dem beigefügten PDF

Trump setzt Huawei auf schwarze Liste

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Die USA gehen drastisch gegen den chinesischen Technologieführer Huawei vor, der in Zukunft für alle Käufe von amerikanischen Produkten die Zustimmung der US-Regierung benötigt. Laut Moventum sorgen auch die zurückbleibenden Zahlen zur Industrieproduktion in China für Enttäuschung.

Die vergangene Woche war vor allem vom
drastischen Vorgehen der USA gegen den chinesischen Technologieführer
Huawei auf der einen und einer Mäßigung der amerikanischen Zollwut auf
der anderen Seite geprägt. So wird Huawei in Zukunft für alle Käufe von
amerikanischen Produkten die Zustimmung der US-Regierung benötigen. Die
Nachbarn Kanada und Mexiko erhielten im Gegensatz dazu eine versöhnliche
Behandlung, ausgedrückt durch eine Abschaffung der Sonderzölle auf
Stahl- und Aluminiumimporte.

Passend dazu ließ sich dann auch der
Beschluss der amerikanischen Regierung sehen, die Entscheidung über eine
Einführung von Zöllen auf Kraftfahrzeuge aus der EU um ein halbes Jahr
aufzuschieben. Neben der schlechten Behandlung ihres Kronjuwels Huawei
verursachte die Bekanntgabe von weit hinter den Erwartungen
zurückbleibenden Zahlen zur Industrieproduktion (5,4 Prozent Erhöhung im
April gegenüber dem Vorjahr) in China Enttäuschung.

Auch für die USA
gab es keine erfreulichen Statistiken, da sowohl die
Einzelhandelsumsätze mit -0,2 Prozent als auch die Industrieproduktion
mit -0,5 Prozent im April gegenüber dem Vormonat zurückgegangen waren.
In Deutschland hingegen gab es erfreuliche Neuigkeiten bezüglich des
BIP, welches mit 0,4 Prozent im ersten Quartal 2019 nach einer
Stagnation im vorangehenden Quartal wieder wachsen konnte.

Der Preis für Öl der Sorte Brent
verteuerte sich gegenüber der Vorwoche stark um 3,03 Prozent auf 72,21
US-Dollar je Barrel. Der US-Dollar wertete gegenüber dem Euro auf und
verteuerte sich um 0,76 Prozent, während der Yen um 0,42 Prozent
gegenüber dem Euro aufwertete.

Die globalen Aktienmärkte entwickelten
sich leicht positiv. Japanische Titel gewannen dabei im Durchschnitt
mehr als amerikanische und wurden in ihrer Performance lediglich noch
durch Unternehmen aus Europa überboten. In den USA verloren kleine
Unternehmen stärker an Wert und Growth-Titel erwiesen sich als robuster
als Value-Werte. Bei europäischen Titeln war die Entwicklung identisch,
allerdings zeigten alle Bereiche positive Wertentwicklungen.

Auf
Sektorebene entwickelten sich in den USA Unternehmen aus den Bereichen
Versorgung, Verbrauchsgüter und IT am besten, während Unternehmen aus
den Bereichen Finanzen, Industrie und Konsumgüter Verluste hinnehmen
mussten. Ähnlich wie in den USA konnten in Europa Titel aus den
Bereichen Energie, IT und Medizin am meisten zulegen, während
Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Finanzen und Rohstoffe
schwächere Wertentwicklungen zeigten.

Auf dem europäischen Rentenmarkt
entwickelten sich Staatsanleihen positiv und auch Unternehmensanleihen
mit Investment-Grade-Rating konnten sich leicht positiv entwickeln.
Papiere aus dem Hochzinssegment mussten Kursverluste in Kauf nehmen.
Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern litten ebenfalls.

Mögliche Fusionen: UniCommerz oder CommerzING?

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Für Alex Pelteshki, CoManager des Kames Strategic Global Bond Fonds, ist klar, dass es nach den gescheiterten Fusionsbestrebungen zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank für die Commerzbank eine radikale Lösung braucht.

Interessen
der UniCredit

Aus
Sicht von UniCredit könnten die Anreize für eine Fusion diese sein:

1. Erhöhung der Präsenz in Deutschland und Zusammenlegung der
lokalen Einheit HVB mit der Commerzbank, um Kostensynergien zu schaffen.

2. Langfristige Senkung der Finanzierungskosten, wenn es
gelingt, die Zentrale nach Frankfurt zu verlegen.

3. Zugang zu den überschüssigen Einlagen auf Commerzbank-Ebene,
die kalkulatorisch ertragswirksam wären.

Unserer
Meinung nach gibt es jedoch viel mehr Schwierigkeiten als Möglichkeiten. Um nur
einige zu nennen:

1. Das Fehlen eines Einlagensicherungsfonds in der EU (den es
wahrscheinlich auch nicht in nächster Zeit geben wird, wenn überhaupt) wird
Ertragssynergien aus dem hohen Einlagenüberhang bei der Commerzbank aufheben.

2. Es gibt starken politischen Widerstand dagegen, die
Ersparnisse des deutschen Steuerzahlers angeblich minderwertigen
Vermögenswerten in der Peripherie auszusetzen.

3. Es wird sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein,
Kostensynergien zu erzielen („viel Blut wird vergossen werden, bevor wir
mit den Italienern fusionieren“, so ein Gewerkschafter und
Arbeitnehmervertreter im Vorstand der Commerzbank).

Interessen
der ING

Betrachtet
man eine mögliche Konstellation aus der Perspektive von ING – dem anderen
angeblichen „Bewerber“ -, so macht es noch weniger Sinn. Der
offensichtlichste Grund für eine Fusion wäre eine Art regulatorische
„Arbitrage“. Niederländische Banken sind derzeit aufgrund der Größe
von ING im Finanzsektor im Vergleich zur niederländischen Wirtschaft mit 3%
Kernkapitalzuschlag konfrontiert.

Theoretisch würden also eine
Standortverlegung nach Frankfurt und eine Reduzierung des fusionierten
ING/Commerzbank-Unternehmens im Verhältnis zur Größe der deutschen Wirtschaft
diese niederländische Anforderung beseitigen und die perfekte Win-win-Situation
schaffen – wodurch überschüssiges Kapital frei werden würde. Darüber hinaus
gibt es in den Niederlanden nach wie vor eine Bonusobergrenze von 200% für die
Vergütung von Finanzdienstleistungsfachkräften, die wesentlich strenger ist als
die für den Rest von Europa geltende Richtlinie der allgemeinen Europäischen
Bankaufsichtsbehörde (EBA). Man könnte daher argumentieren, dass die Verlegung
der Zentrale nach Frankfurt zumindest in erster Linie den finanziellen Interessen
der Aktionäre und Mitarbeiter zugute käme.

Allerdings wäre dies eine deutliche
Abkehr von der derzeitigen Strategie der ING, ein Digital-/Innovationsführer
mit einem flächendeckenden und filiallosen Netzwerk in vielen Ländern zu
werden. Interessanterweise gehört die ING zu den wenigen Banken, die nahe ihrer
Eigenkapitalkosten tatsächlich einen Return on Equity (RoE) erwirtschaftet –
gerade wegen ihres Cost- Light- und Filialnetz-Light-Ansatzes. Die zweite
Schwierigkeit ist, dass der ROE bei einer Fusion negativ werden würde und das
wäre kaum im langfristigen Interesse von Aktionären und Gläubigern abgesehen
von einem einmaligen theoretischen Gewinn.

Vergessen
wir nicht, dass die Commerzbank ein strukturell herausforderndes Unternehmen
ist und kein wertvoller Vermögenswert, um den sich jeder bemüht. Wenn es also
einen Deal-Impuls gibt, geht er von der Commerzbank selbst aus und nicht von
jemand anderem. Die nicht beneidenswerte Kapital- und Ertragslage ist zum Teil
auf eigene Entscheidungen aus der Vergangenheit und zum Teil auf die
strukturelle Verfassung der deutschen Bankenlandschaft zurückzuführen.

Der
Hauptanreiz einer möglichen Transaktion liegt nach Ansicht von Marktexperten
daher im Preis. Einige meinen, dass der 0,4x Price to Net Asset Value (NAV) der
Commerzbank sehr günstig ist. Die erwarteten Renditen auf das
„materielle“ Eigenkapital von unter 5% – unter Berücksichtigung von
Marktübereinstimmungen – machen die Commerzbank jedoch nicht
„billig“.

Weitere
Tricks der Buchhalter in Bezug auf den Goodwill könnten das Geschäft aus der
Sicht eines potenziellen Bewerbers begünstigen, aber die Europäische
Zentralbank wird solche Schwindeleien eher nicht dulden.

Probleme
des europäischen Bankensektors

Die
Commerzbank hat ein Problem zu lösen, ebenso wie das EU-Bankensystem. Das
Fehlen eines gemeinsamen Einlagensicherungsmechanismus, auch bekannt als
Fungibilität der Einlagen für die gesamte Europäische Union, verhindert die
Schaffung eines einheitlichen Bankenmarktes – und das lähmt den Bankensektor
der EU. Die Unfähigkeit, Überkapazitäten abzubauen und Kosten durch
grenzüberschreitende Fusionen zu senken, versetzt den Sektor in eine dauerhaft
hinter den US- Banken zurückbleibende Position.

Hinzu kommt der unglaublich
zersplitterte Bankensektor in Deutschland. Diese Aufspaltung stellt das
Umsatzwachstum und die Kostensituation von Tausenden von Niederlassungen in
Frage und schafft eine nicht nachhaltige Kostenbasis. Diese Faktoren, zusammen
mit einer Gewerkschaft, die sich vehement gegen jede signifikante
Rationalisierung wendet, erhöhen die Komplexität. Ohne die Lösung mindestens
eines dieser Faktoren wird es für jede deutsche Bank, einschließlich der
Commerzbank, äußerst schwierig sein, auf EU-Ebene wettbewerbsfähig zu sein.
Keine Art von M&A kann diese wesentliche Tatsache ersetzen.

Kann China dem Protektionismus der USA entkommen?

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Axel Botte, Head of of Equity and Fixed Income Strategy beim französischen Investmenthaus „Ostrum Asset Management“, zeigt sich eher skeptisch, was die Möglichkeiten von China betrifft, den Handelsbeschränkungen der USA wirkungsvoll zu begegnen.

Botte: „Während die PBoC behauptet, dass sie die Währung
nicht als Waffe benutzen wird, hat der chinesische Yuan in den letzten Wochen
deutlich an Wert verloren. Der CNY-Kurs verlor gegen­über dem US-Dollar an
Boden und notiert nun über 6,90. Parallel dazu können von den chinesischen Behörden
nichttarifäre Handelshemmnisse eingeführt werden. Wir sind jedoch skeptisch,
dass China – wie in den Medien spekuliert wird – US-Treasuries in signifikanten
Größen verkaufen würde.

Das herausfordernde Umfeld belastet die Stimmung der
Anleger, zumal die Daten aus China und den USA zu Beginn des zweiten Quartals
auf eine Abschwächung des Wachstums hindeuteten. In China stieg die
Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahr im April nur um 5,4%. Mit Ausnahme
der Wohnungsbauinvestitionen, die mit 11,6% ein stetiges Wachstum
verzeichneten, war der berichtete starke Anstieg der neuen Bankkredite bei den
privaten Konsumausgaben (+7,2%) und den Unternehmensinvestitionen nicht
sichtbar. Auch die ausländischen Direktinvestitionen kamen zum Stillstand und
verlangsamten sich von 8% im März auf nur 6% im April. 

In den USA ging die Industrieproduktion im April um 0,5% zurück,
und die Einzelhandelsumsätze (-0,2% Mio.) waren schwach. Mit zunehmender
Aktienvolatilität haben Vermögensverwalter und Hedgefonds ihr Engagement im
S&P-Index in den letzten Wochen reduziert. Die Berichtssaison Ertragssaison
geht zu Ende und zeigt ein EPS-Wachstum von nur 1,42% gegenüber dem Vorquartal.
Am Horizont ziehen sich die Wolken zusammen.“

Den kompletten Wochenbericht und die dazugehörigen Daten
finden Sie im beiliegenden englischen Original des „Strategy Weekly“
aus dem zu Natixis Investment Managers gehörenden Hause Ostrum.

Wie Investoren Rezessionen rechtzeitig erkennen können

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Schreitet der Konjunkturzyklus voran, mehren sich bei Investoren die Sorgen vor einer Rezession. Den genauen Zeitpunkt eines Abschwungs zu erkennen, ist jedoch schwer. Grund genug für Darrel Spence und Jared Franz, beides Volkswirte bei Capital Group, sich genau mit dieser Frage zu beschäftigen.

„Rezessionen sind ein natürlicher und unvermeidlicher Teil jedes Konjunkturzyklus. Sie dauern aber zumeist nicht sonderlich lange“ so Spence. Durchschnittlich seien es elf Monate – im Vergleich zu 67 Monaten Expansion. In den letzten 65 Jahren waren dadurch insgesamt nur 15 Prozent aller Monate durch eine Rezession geprägt. Und während das BIP in einer Expansionsphase um durchschnittlich 24 Prozent steigt, sinkt es in einer Rezession lediglich um zwei Prozent.

Rezessionen senden ihre Vorboten

„Auch wenn der genaue Zeitpunkt einer Rezession schwer zu bestimmen ist, gibt es Signale, die auf ein Ende des Konjunkturzyklus hindeuten“, sagt Franz. Die Rezession sendet sozusagen ihre Vorboten. Viele Faktoren können auf eine Rezession hindeuten und oft spielen von Zyklus zu Zyklus andere die Hauptrolle. Betrachtet man diverse Faktoren zeitgleich, kann dies ein umfassenderes Bild der Konjunktur und damit auch eines möglichen Abschwungs bieten.

Ein Indikator, der auf eine drohende Rezession hindeuten kann, ist laut Spence die Zinsstrukturkurve: „Ist diese invers, also sind die kurzfristigen Renditen höher als die langfristigen, kann dies ein Warnsignal sein.“ Betrachtet werden dabei zumeist die Zweijahresrenditen in Relation zu den Fünf- oder Zehnjahresrenditen. In den vergangenen 50 Jahren ging jeder Rezession in den Vereinigten Staaten eine solche inverse Struktur voraus. „Aktuell ist die Zinsstrukturkurve in Relation zur Zehnjahresrendite allerdings noch nicht invers. Ändert sich dies, dauert es in der Regel noch 18 Monate bis zum Abschwung“, ergänzt Spence.  

Unternehmensgewinne und deren Folgen 

Ein zweiter Indikator sind die Unternehmensgewinne. Im Schnitt beginnt 26 Monate nach deren zyklischem Hoch die Rezession. „Dieses war jedoch vermutlich bereits im Jahr 2012 erreicht, also schon vor deutlich mehr als 26 Monaten – auch wenn die Gewinne nach wie vor hoch sind“, sagt Franz. Bei sinkenden Gewinnen kürzen Unternehmen ihre Investitionen, senken Löhne und bauen Arbeitsplätze ab. Letzteres ist ein dritter Indikator für eine drohende Rezession. Kürzen Unternehmen die Arbeitsplätze, verringern Verbraucher häufig ihre Ausgaben. Das wiederum schadet den Unternehmen, die eventuell mit weiteren Kürzungen reagieren. 

Durchschnittlich sechs Monate nach dem zyklischen Tief der Arbeitslosigkeit, droht die Rezession. „Der amerikanische Arbeitsmarkt hat aktuell das, was Volkswirte ‚Vollbeschäftigung‘ nennen, bereits überschritten. Eine weitere Verringerung der Arbeitslosenzahlen erscheint daher kaum noch möglich. Die Beschäftigung ist für das Wirtschaftswachstum jedoch so wichtig, dass selbst ein leichter Anstieg der Arbeitslosenquote ein starker Hinweis auf eine Konjunkturwende sein könnte“, meint Franz.  

Ein weiteres, viertes Signal für wirtschaftliche Abschwünge ist eine sinkende Anzahl von Baubeginnen. Zum einen mehren Hausbesitzer ihr Vermögen und steigern durch Grundsteuern das Steueraufkommen. Vor allem handelt es sich aber um langfristige Projekte. Potenzielle Bauherren zögern daher mit neuen Projekten, wenn sie einen konjunkturellen Einbruch vermuten.  

„Den meisten Rezessionen ging ein 10-prozentiger Einbruch der Baubeginne voraus. Deren Anzahl war im November 2018 in den Vereinigten Staaten genauso hoch wie ein Jahr zuvor. Zuletzt sanken die neuen Bauvorhaben jedoch, auch wenn der Einfluss der entspannteren amerikanischen Zinspolitik noch abzuwarten bleibt“, bewertet Spence.  

Verlässlich, aber mit kurzer Vorlaufzeit

Ein zuverlässiger Indikator für Rezessionen ist der Leading Economic Index – ein aggregierter Indikator, der zehn Faktoren einbezieht. Verzeichnet der Index einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von einem Prozent, folgt der wirtschaftliche Abschwung in der Regel vier Monate später. Es ist also ein sehr verlässlicher Indikator, der jedoch nur eine kurze Reaktionszeit gewährt. Im Dezember lag der Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt bei 4,3 Prozent, während es im Dezember noch 7 Prozent waren. Der Wert ist also noch positiv, auch wenn das Wachstum bereits abnimmt.

„Sind ein oder zwei Werte negativ, hat dies noch recht wenig Aussagekraft. Zeigen viele jedoch für eine lange Zeit Rot, verdichten sich die Hinweise auf eine Rezession“, sagt Spence. „Aus unserer Sicht ist es aber noch nicht so weit.“ Was im Endeffekt ausschlaggebend für den Abschwung gewesen sein wird, wird man erst im Nachhinein wissen. Entwickelt sich die Wirtschaft weiter wie aktuell, rechnen die Experten aber frühestens im Jahr 2020 mit einer Rezession.

„Wichtig sei vor allem, auch in stürmischeren Zeiten ruhig zu bleiben, langfristig zu denken und auf ein ausgewogenes und diversifiziertes Portfolio zu setzen. Volatilitäten könnten mit Anleihen ausgeglichen werden. Empfehlenswert seien auch Fonds, die bereits in der Vergangenheit erfolgreich wirtschaftliche Rückgänge abgefedert haben“, empfiehlt Spence. 

Spielt China auf Zeit?

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Mit seinem Konfrontationskurs China gegenüber sorgt Donald Trump weiterhin für Ungewissheit an den Finanzmärkten. Auch China zeigt wenig Interesse an Verhandlungen. Diese Entwicklung überraschte viele Anleger, die „zweifellos übertrieben zuversichtlich“ waren, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei LFDE.

Nachdem er in der Vorwoche ins Rampenlicht der Börsen zurückgepoltert war, stand Donald Trump abermals im Mittelpunkt der Schlagzeilen.

Zuerst wiederholte er seine harschen Äußerungen und unverhohlenen Drohungen gegenüber China. Er verwies erneut darauf, dass Peking „das Abkommen gebrochen“ habe, schloss die Verhängung weiterer Zölle nicht aus und warnte, dass ein Abkommen nach seiner möglichen Wiederwahl schwieriger zu erreichen sei. Auch wenn manche Äußerungen etwas positiver waren, so dominierte doch ein rachelüsterner Tonfall seine Aussagen.

Trump unterzeichnete ferner ein Dekret, das den US-Telekommunikationsanbietern verbietet, Ausrüstung von ausländischen Unternehmen zu beziehen, die als Risiko für die nationale Sicherheit der USA eingestuft werden. Dieses unter Verweis auf den „nationalen Notstand“ erlassene Dekret zielt unmittelbar auf China und in erster Linie auf den Branchenriesen Huawei ab. Selbst wenn diese Maßnahme bereits seit einiger Zeit geplant war, erscheint sie bei den aktuell zunehmenden Spannungen in einem anderen Licht. China reagierte unverzüglich und sprach von unangemessenen Maßnahmen, die „den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen weiteren Schaden zufügen“ könnten.

Des Weiteren verschob Trump seine Entscheidung über mögliche Zölle auf Autos und Ersatzteile aus Europa und Japan um sechs Monate. Dies wurde zunächst von der US-Presse berichtet und dann am vergangenen Freitag offiziell bestätigt. Die Märkte werteten dies als Zeichen für eine wieder etwas größere Verhandlungsbereitschaft Trumps.

Es wäre jedoch falsch, die aktuelle Lage ausschließlich anhand der Positionen und Äußerungen Donald Trumps zu analysieren, denn die Reaktion Chinas ist ebenso wichtig. So dämpfte Peking zum Ende der Woche die zweifellos übertriebene Zuversicht der Anleger mit der Aussage, aufgrund der fehlenden Aufrichtigkeit Donald Trumps wenig Interesse an einer Fortsetzung der Verhandlungen zu haben. Bisher wurde noch kein Datum für die Wiederaufnahme der Gespräche genannt. Möglich wäre ein Treffen zwischen Trump und Xi Jinping auf dem G20-Gipfel (am 28. und 29. Juni). All dies belegt, dass China versucht sein könnte, auf Zeit zu spielen.

Selbst wenn für weitere chinesische Produkte im Wert von 325 Milliarden Dollar Zollerhöhungen angedroht sind – der Handlungsspielraum der USA wird mit jeder neuen Erhöhung der Zölle kleiner.

Angesichts der bedeutenden Geschäftsbeziehungen zahlreicher US-Unternehmen mit China ist es kaum vorstellbar, dass Washington die Zölle weiter anhebt oder chinesische Produkte mit einem massiven Boykott belegt. Auch wenn die Folgen der höheren Zölle für die chinesische Wirtschaft spürbar sind, bleiben sie dennoch moderat und können durch Konjunkturmaßnahmen ausgeglichen werden. Überdies muss China kaum Rücksicht auf Wahlergebnisse nehmen, und die Entschlossenheit der chinesischen Führung in dieser Sache wird von der Bevölkerung unterstützt. Anders gestaltet sich die Lage für Donald Trump, denn für dessen angestrebte Wiederwahl wäre eine Einigung mit China eine wichtige Trumpfkarte.

Mehr noch als ein einseitiger Abbruch der Verhandlungen oder eine Eskalation der Vergeltungsmaßnahmen besteht das Hauptrisiko also darin, dass die Handelsgespräche ins Stocken geraten. Obwohl Anleger eine Einigung für sehr wahrscheinlich hielten, kehrt nun die Ungewissheit zurück – keine besonders günstige Situation für die Märkte.