Metzler AM: Japanische Aktien schwächeln im internationalen Vergleich

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Economics – Wochenausblick KW 39

Edgar
Walk
, Chefvolkswirt Metzler Asset Management, sieht einen
Bewertungsrückgang, bedingt durch eine anstehende
Mehrwertsteuererhöhung, entsprechend sinkenden Konsum und eine milde
Rezession. Bereits zum Jahreswechsel sei aber wieder mit einer
Aufhellung zu rechnen.

Der
MSCI Japan erzielte seit Jahresanfang eine Wertsteigerung von „nur“
16,2 % in Euro. Der MSCI Welt entwickelte sich dagegen mit 23,2 %
deutlich besser. Die schlechtere Wertentwicklung ist insofern
überraschend, als sich die japanische Wirtschaft in diesem Jahr überaus
stabil entwickelte. So lag die Konsensus-Prognose für das
Wirtschaftswachstum 2019 laut Bloomberg im September bei 0,9 % und damit
unverändert im Vergleich zu Dezember 2018. Auch die
Einkaufsmanagerindizes (Montag) konnten sich im internationalen
Vergleich in den vergangenen Monaten gut halten.

Darüber
hinaus ist eine strukturelle Verbesserung der Profitabilität
japanischer Aktienunternehmen seit 2011 zu beobachten. Dies beruht vor
allem auf dem wirtschaftspolitischen Programm von Premierminister Shinzo
Abe, das sowohl die Rückkehr zu einer normalen Inflationsentwicklung
zum Ziel hat als auch umfangreiche Corporate-Governance-Reformen
beinhaltet.

So
konnte sich die Inflationsrate im Großraum Tokio (Freitag) immerhin
seit Anfang 2018 auf einem durchschnittlichen Niveau von etwa 0,9 %
etablieren – von 2000 bis 2017 betrug der Durchschnitt dagegen -0,2 %.
Auch scheinen sich japanische Unternehmen seit den Reformen viel stärker
auf ihre Aktionäre auszurichten als in der Vergangenheit. 

Japan 1
Japan 1
Japan 1

Vor
diesem Hintergrund bestehen gute Chancen, dass sich die Profitabilität
(Eigenkapitalrendite) japanischer Unternehmen in den kommenden Jahren
weiter an das globale Niveau annähern kann.

Die
schlechtere Wertentwicklung japanischer Aktien in diesem Jahr ist somit
nicht auf eine enttäuschende Gewinnentwicklung zurückzuführen, sondern
auf einen merklichen Rückgang der Bewertung. So sank nach unseren
Berechnungen das um den Konjunkturzyklus bereinigte
Kurs-Gewinn-Verhältnis seit Jahresanfang um mehr als 9 %. Wäre die
Bewertung stabil geblieben, hätten japanische Aktien geschätzt 25,4 %
erzielt.

Der
Rückgang der Bewertung in Japan ist insofern ungewöhnlich, als in den
USA, Europa und den Schwellenländern die Bewertung stieg. Die niedrigere
Bewertung japanischer Aktien seit Jahresanfang bedeutet automatisch
eine höhere Risikoprämie; die beiden Größen spiegeln die beiden Seiten
einer Medaille wider.

Ein
Grund dafür, dass japanische Aktien im internationalen Vergleich als
riskant eingestuft werden, könnte die für Oktober anstehende
Mehrwertsteuererhöhung von 8 % auf 10 % sein. Die beiden vorangegangenen
Mehrwertsteuererhöhungen 1997 und 2014 verursachten jeweils eine
schwere Rezession, da sie den privaten Haushalten jeweils Einkommen
entzogen und damit deren Konsummöglichkeiten reduzierten.

Japan 2
Japan 2

Die
japanische Regierung hat zwar zahlreich Maßnahmen auf den Weg gebracht,
den Einkommensschock abzumildern; es steht jedoch zu befürchten, dass
wieder eine Rezession in Japan drohen könnte.

Aufgrund
des robusten Arbeitsmarktes sind die Chancen jedoch gut, dass die
Rezession diesmal eher mild ausfällt und dass sich die Anzeichen einer
Konjunkturerholung ab dem Jahreswechsel mehren. Damit könnten sich auch
wieder die Perspektiven für japanische Aktien verbessern.  

USA: Geldpolitik funktioniert

Bei
jeder Leitzinssenkung stellt sich die bange Frage, ob der Effekt
tatsächlich auch in der Realwirtschaft ankommt – also ob der monetäre
Transmissionsmechanismus funktioniert. Zentralbanken können nämlich kein
Geld direkt in die Wirtschaft pumpen (darum ist auch Helikoptergeld
unmöglich), sondern nur hoffen, dass sie mithilfe niedrigerer Zinsen die
Wirtschaftsakteure animieren können, sich bei Banken oder am
Kapitalmarkt zu verschulden.

Gleichzeitig
müssen jedoch auch die Banken und die Kapitalmarktakteure bereit sein,
die gewünschte Schuldenaufnahme zu finanzieren. In den meisten
Wirtschaftsräumen steigt bei Änderungen der Leitzinsen die Nachfrage
nach Wohnimmobilienkrediten am schnellsten; Wohnimmobilienkredite gelten
deshalb oft als Signal für die Wirksamkeit der Geldpolitik. In den USA
war der wöchentlich veröffentlichte Index der Anträge für
Hypothekenkredite im vergangenen Jahr kontinuierlich schwach. Dies
zeigte, dass die US-Geldpolitik die wirtschaftliche Aktivität merklich
bremst.

In
diesem Jahr kam es zu einem signifikanten Umschwung, der zeigt, dass
die Trendwende hin zu einer lockeren US-Geldpolitik tatsächlich die
Nachfrage nach Wohnimmobilienkrediten beleben konnte. Bestätigung dafür
dürfte auch von den Neubauverkäufen (Mittwoch) kommen.

USA
USA
USA

Insgesamt
scheint sich damit zu zeigen, dass die US-Geldpolitik funktioniert und
die Wirtschaft nach einer Phase des Bremsens 2018 aktuell wieder
stimuliert. Mit einer Zeitverzögerung dürfte dies in einem Anstieg der
Einkaufsmanagerindizes (Montag) und einer Verbesserung des
Konsumentenvertrauens (Dienstag) sichtbar werden.

Interessanterweise
dürfte gleichzeitig die Kerninflation (Freitag) von 1,6 % im Juli auf
1,8 % im August gestiegen sein. Vor diesem Hintergrund sollte
keinesfalls das Risikoszenario unterschätzt werden, dass die anhaltende
Überhitzung am Arbeitsmarkt für eine im Trend steigende Kerninflation im
nächsten Jahr sorgen könnte (wie im Wochenausblick der Vorwoche
beschrieben).

Eurozone: Mehr Investitionen im Inland notwendig

Der
Konjunkturabschwung in der Eurozone beruht maßgeblich auf dem
Außenbeitrag. Die Binnennachfrage blieb zwar einigermaßen stabil, konnte
sich jedoch auch nicht beschleunigen und damit einen Ausgleich bieten.
Die Schwäche der Binnennachfrage ist eine Investitionsschwäche.
Einerseits investieren die Staaten zu wenig und andererseits klagen
viele Unternehmen über regulatorische Hürden und Unsicherheiten. Es
steht also viel Geld für Investitionen bereit, das aber aus
bürokratischen Gründen nicht fließt.

Dementsprechend
dürften sich Konjunkturdaten wie die Einkaufsmanagerindizes (Montag),
der ifo-Index (Dienstag) und der Geschäftsklimaindex der EU (Freitag)
ohne größere Dynamik seitwärts bewegen und damit im Einklang mit einem
Wirtschaftswachstum von etwa 1,0 % stehen. Auch dürfte sich ein Blick
auf die Geldmenge M1 (Donnerstag) lohnen, da sie ein solider
Frühindikator für die Konjunktur ist.

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management

Ostrum AM: Frankreich hägt Deutschland ab

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In Frankreich ist die wirtschaftliche Dynamik besser als in Deutschland, das stärker vom internationalen Umfeld abhängt.

Vorschau auf Geschäftsklimaindizes für Deutschland, Frankreich und Italien von Philippe Waechter, Chefvolkswirt Ostrum.

In der kommenden Woche werden neue Zahlen aus den
Umfragen von Forschungsinstituten erwartet, die Rückschlüsse auf den
Konjunkturzyklus erlauben: der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex und der
französische „Climat des Affaires“, beide am 24.9., sowie der
italienische Index für das Vertrauen der Unternehmen am 27. September.

Philippe Waechter, Chefvolkswirt des französischen Investmenthauses „Ostrum Asset Management“, weist
darauf hin, dass die letzten Berichte bereits einen Rückgang der
wirtschaftlichen Aktivität gezeigt hätten. Jedoch sei derzeit in
Frankreich die Dynamik besser als in Deutschland, das stärker vom
internationalen Umfeld abhänge.

Waechter: “Die Hauptursache für die Schwäche ist
das verarbeitende Gewerbe, was mit dem Rückgang des Welthandels
zusammenhängt – um 0,4 Prozent gegenüber nach Daten des „World Trade
Monitors“ des niederländischen „Bureau for Economic Policy Analysis“
(CPB).

Die letzten ifo-Indizes lagen zwar nahe an
ihren historischen Durchschnittswerten, aber die Verschlechterung des
Klimas war trotzdem im Vergleich zu den vorherigen Höchstständen
bemerkens­wert. In der Zwischenzeit hat sich die ZEW-Umfrage im
September wieder stabilisiert; das könnte in Indiz für den ifo-Index
geben.

Beim französischen „Climat des Affaires“
ist der interessante Punkt,  dass seine Werte seit 44 Monaten über
seinem langjährigen Durchschnitt liegen, und das letzte Mal, dass er
darunter lag, war im Dezember 2015. In Frankreich ist die Situation
recht gut, was durch die letzte OECD-Prognose bestätigt wurde. Für 2020
wird mit einem Wachstum von 1,2% gerechnet, gegenüber 1% für den
Euroraum und nur 0,6% für Deutschland.

In Italien wird interessant sein, ob eine neue proeuropäische Regierung das Vertrauen der Unternehmen stärkt.“

WisdomTree: Platin profitiert vom Goldpreis

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Die Gold-Rally hat in den letzten zwei Monaten den größten Teil der „Edelmetallboote“ angehoben, wobei Silber und Platin dem Kielwasser von Gold am dichtesten gefolgt sind.

Die Gold-Rally hat in den vergangenen beiden Monaten den größten Teil der Edelmetalle beeinflusst. Silber und Platin sind dem Goldpreis am dichtesten gefolgt.

Von Nitesh Shah, Director Research beim ETP-Anbieter
WisdomTree.

Ein
Sprichwort besagt, „eine steigende Flut hebt alle Boote“. In Bezug
auf die Edelmetallmärkte sollten die Boote einander ähneln. Die Gold-Rally hat
in den letzten zwei Monaten den größten Teil der „Edelmetallboote“ angehoben,
wobei Silber und Platin dem Kielwasser von Gold am dichtesten gefolgt sind. Der
Grund hierfür liegt weitgehend an geopolitischen Themen, vor allem an den
Handelskriegen (siehe:
Gold könnte auf über 1800 US-Dollar/Unzesteigen, wenn die geopolitischen Risiken weiterhin hoch bleiben).

Die Quelle des Risikos an den
Finanzmärkten, die den Goldpreis (und damit auch Silber wegen der hier
gegebenen Korrelation) unterstützt, dürfte letztendlich die Nachfrage nach
Silber für industrielle Anwendungen beeinträchtigen. Der Katalysator für die Silber-Rally
ist also ein zweischneidiges Schwert. Je stärker die historische Korrelation
zwischen einem Edelmetall und Gold ausfällt, desto besser dürfte es in dieser
Zeit der geopolitischen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Handelskrieg laufen.

Wie
die untenstehende Korrelationsmatrix zeigt, ist die Beziehung zwischen Gold und
Silber die stärkste, während die Korrelation zwischen Gold und Palladium am schwächsten
ausfällt. Die Korrelation zwischen Gold und Platin ist ziemlich stark und
entspricht den jüngsten Preisentwicklungen.

Korrelation zwischen den
Edelmetallpreisen

 

Gold

Silver

Platinum

Palladium

Gold

1.00

 

 

 

Silver

0.72

1.00

 

 

Platinum

0.59

0.60

1.00

 

Palladium

0.27

0.37

0.55

1.00

Quelle: WisdomTree, mit monatlichen Stichtagen von
Bloomberg, monatliche Daten von August 1989 bis August 2019

Die
Rangfolge der Korrelation folgt der gleichen Rangfolge in Bezug auf die
industrielle Nutzung der verschiedenen Edelmetalle. Gold verzeichnet die
geringste Nachfrage aus industriellen Anwendungen, Palladium die höchste.

Einige
Edelmetalle sind stärker industriell geprägt

 

%
der Nachfrage in der industriellen Fertigung
[1]

Gold

10%

Silver

57%

Platinum

62%

Palladium

94%


Quelle: WisdomTree, Refinitiv, Johnson Matthey, Durchschnitt
2009 bis 2018

Betrachtet man die spekulative Positionierung an
den Future-Märkten, so scheint der Anstieg des Optimismus zugunsten dieser
Metalle einer ähnlichen Ordnung gefolgt zu sein wie im vergangenen Jahr die Rangfolge
in bezug auf ihre Relevanz für die industrielle Anwendung.


[1] Die industrielle Fertigung umfasst
Autokatalysatoren, chemische, elektrische, zahnmedizinische, photovoltaische,
Hartlötlegierungen/-verteiler, Fotografie, Ethylenoxid (d.h.
Nachfragekategorien, die Investitionen und Schmuck ausschließen).

Abbildung
1: Spekulative Nettopositionierung2 in Edelmetall-Futures (indexiert
auf 100 am 01.01.2019)

Spekulative Nettopositionierung
Spekulative Nettopositionierung
Spekulative Nettopositionierung

Grundsätzlich
glauben wir nicht, dass sich bei Platin seit unserer letzten Analyse viel geändert
hat. Seine Performance ist in den letzten Jahren aufgrund einer strukturellen
Verschiebung der Nachfrage nach Diesel-PKW hin zu Benzin-PKW hinter Palladium
zurückgeblieben (Platin wird in erster Linie verwendet, Palladium in zweiter
Linie). Platin ist im Vergleich zu Palladium vielleicht ein wenig überverkauft.
Darüber hinaus könnte ein Anstieg der Nachfrage nach Diesel-Autokatalysatoren
aus China und Indien im Zusammenhang mit strengeren Emissionskontrollen bei
schweren Nutzfahrzeugen trotz anhaltender Schwäche bei Diesel-Pkw einen weiteren
Rückgang der Platinnachfrage aufhalten. Eine unvermeidliche Aufwärtskorrektur bei
Platin erhielt durch den Anstieg des Goldpreises Rückenwind.

Ähnlich
wie bei Silber könnte die industrielle Nachfrage nach Palladium nach der
anfänglichen Dynamikerholung zurückgehen. Der globale Automobilabsatz – Treiber
der Platin- und Palladiumnachfrage – verlangsamt sich und dürfte unter der
durch den Handelskrieg ausgelösten globalen Rezession leiden (die der Markt
offenbar zunehmend in Bezug auf Maßnahmen der Zentralbanken einpreist). Wir
sehen hier also auch eine starke taktische Chance für Platin und nicht eine
längerfristige, auf längerfristigen Fundamentaldaten basierende Gelegenheit.
Umgekehrt glauben wir nach wie vor, dass die langfristigen Fundamentaldaten für
Palladium immer noch sehr stark sind, während jedoch kurzfristige Katalysatoren
fehlen.

[2]Spekulative Positionen sind die nichtkommerziellen Futures-Positionen,
die die Shorts aus den von der Commoditiy Futures Trading Commission gemeldeten
Longpositionen der jeweiligen Rohstoffe, aufrechnen. WisdomTree hat die Serie
am 01.01.2019 indiziert, so dass alle Metalle den gleichen Ausgangspunkt am
Anfang der dargestellten Zeitreihe haben.

Moventum: EZB spielt Ball zurück zur Politik

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Mario Draghi hat das Ende der Fahnenstange für die Geldpolitik verkündet.

Im Mittelpunkt des Marktinteresses stand die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), wobei Mario Draghi die Markterwartungen nicht ganz erfüllen konnte.

So wurde die Depositenrate nur um zehn
Basispunkte gesenkt. Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz blieb derweil bei
null Prozent. Zur Entlastung der Banken wurde zudem eine Staffelung des
Strafzinses beschlossen. Zusätzlich wird das QE-Programm ab 1. November
reaktiviert, wodurch monatlich Wertpapiere in Höhe von 20 Mrd. Euro
erworben werden sollen. Das Programm ist vorerst ohne Enddatum.

Marktrückblick

Auch
die Konditionen für die gezielten langfristigen
Refinanzierungsgeschäfte wurden angepasst. Diese haben nun eine Laufzeit
von drei Jahren (zuvor nur zwei Jahre) und der Aufschlag auf die
Leitzinsen (10 Basispunkte) fällt weg. Insgesamt reagierten vor allem
die Anleihemärkte enttäuscht und es kam über die ganze Kurve hinweg zu
deutlichen Zinssteigerungen. Letztlich hat Mario Draghi damit das Ende
der Fahnenstange für die Geldpolitik verkündet und den Ball zurück ins
Spielfeld der Politik geworfen. Deren Aufgabe ist es nun, mittels
fiskalpolitischer Instrumente wie beispielsweise schuldenfinanzierte
Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln und damit auch für eine höhere
Inflation zu sorgen.

Jenseits des EZB-Meetings wurden auch in den USA
wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Konsumentenpreise stiegen
im August um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Kernrate
einen Anstieg um 2,4 Prozent verzeichnete und damit ein 13-Monats-Hoch
markierte. Die Einzelhandelsumsätze in den USA legten zudem gegenüber
dem Vormonat um 0,4 Prozent zu, was über den Markterwartungen lag. Der
US-Konsument zeigt sich damit weiterhin in guter Verfassung.

Der
Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent gab um rund 1,50 US-Dollar nach
und schloss bei 60,22 US-Dollar. Auf der Währungsseite gab der
US-Dollar gegenüber dem Euro 0,33 Prozent nach. Auch der japanische Yen
verlor gegenüber dem Euro und zwar 1,52 Prozent.

Im
insgesamt freundlichen Aktienmarktumfeld konnten insbesondere
japanische Aktien überdurchschnittlich zulegen, gefolgt von europäischen
und US-amerikanischen Titeln. Die Schwellenländer entwickelten sich
besser als die Industriestaaten. Analog zur Vorwoche schnitten sowohl in
den USA als auch in Europa Value-Aktien besser ab als ihre
Growth-Pendants. Nebenwerte erzielten darüber hinaus in beiden Regionen
eine Outperformance.

Auf Sektorebene dominierten in den USA die Segmente
Banken, Energie und Rohstoffe, während nichtzyklische Konsumtitel,
Technologiewerte und Versorger das Schlusslicht bildeten. In Europa sah
das Bild ähnlich aus: Banken, Rohstoffe und Energie waren die besten
Sektoren, Gesundheit, nichtzyklischer Konsum und Versorger die
schwächsten.

Im
Rentenbereich mussten Euro-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit
Investment-Grade-Rating angesichts steigender Zinsen abermals Verluste
in Kauf nehmen. Hochzinsanleihen verzeichneten hingegen einen
Wertzuwachs. Auch Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern
entwickelten sich positiv.

Mehr unter www.moventum-am.lu

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WisdomTree: Prognose bei Nickel – Aufwärtstrend hält an

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Eine Analyse von Nitesh Shah, Director Research beim ETP-Anbieter WisdomTree.

Der Preis für Nickel legte in den vergangenen drei Monaten um 54 Prozent zu. Auch langfristig wird Nickel aufgrund der Nachfrage aus dem Batteriemarkt teurer.

Nickel hat in den letzten drei Monaten um 54
Prozent auf 18.175 US-Dollar pro Tonne zugelegt, der  Subindex Bloomberg Industrial Metals dagegen
nur um 1,4 Prozent (bis 12. September 2019), was zum Teil auf das ab Januar
2020 in Kraft tretende Verbot von Nickelerz-Exporten aus Indonesien
zurückzuführen ist. Nickel ist ein silberweißes Metall, das Stahl und andere
Legierungen besser gegen extreme Temperaturen und korrosive Umgebungen zu
schützen vermag. Nach dieser starken Rally steht es nun im Ruf, die
Anlageportfolios zu stärken. Wir glauben nicht, dass der Aufwärtstrend bei Nickel
vorbei ist, aber der nächste Eintritt in die Gewinnzone könnte mehr Zeit
brauchen.

Nickel befindet sich bereits in einem der
größten Angebotsdefizite aller Industriemetalle. Das nun schon auf 2020 vorgezogene
Verbot indonesischer Erzausfuhren war erst im Jahr 2022 erwartet worden. Es
könnte dazu führen, dass es zu einer Unterversorgung bei Nickel kommt. Obwohl
es genügend Lagerbestände gibt, um den kurzfristigen Bedarf zu decken, besteht
die Gefahr, dass sich das Defizit ausweitet.

Industriemetalle
Industriemetalle
Industriemetalle

Prognosen sind
kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen sind mit
Risiken und Unsicherheiten behaftet.

Warum verbietet die indonesische Regierung den
Erz-Export?

Die Regierung will mehr Kontrolle über die
Nickel-Lieferkette ausüben. Mit Elektrofahrzeugen und den Batterien, die die
Nickelnachfrage positiv antreiben, will die indonesische Regierung das Land für
den bevorstehenden Anstieg der Nachfrage nach dem gefertigten Metall
strategisch positionieren. Mit dem Exportverbot will sie mehr Verarbeiter und
Schmelzer ermutigen, ihre Betriebe in Indonesien zu gründen, bevor sie das
fertige Nickelprodukt exportieren. Es ist eine riskante Politik, welche die
indonesische Regierung bereits zwischen 2014 und 2017 mit mangelndem Erfolg
ausprobiert hat. Im Jahr 2017 wurde das Verbot bis 2022 verschoben, mit der Entscheidung
vom August 2019 jedoch nun auf Januar 2020 vorgezogen.

Minen Produktion von Nickel
Minen Produktion von Nickel
Minen Produktion von Nickel

Die historische
Performance ist kein Indikator für die zukünftige Performance und alle
Investitionen können an Wert verlieren.

Langfristige Perspektiven für Nickel

Angesichts der Nachfrage aus dem
Batteriemarkt (Einführung von Elektrofahrzeugen zur Steigerung der Rohstoffnachfrage) bleiben wir bei einer
optimistischen Einschätzung für das Metall. Obwohl dies im langfristigen
Kontext zu sehen ist, deuten Prognosen von Wood Mackenzie darauf hin, dass der
Nickelmarkt von 2,3 Mio. Tonnen bis 2040 auf nahezu 4 Mio. Tonnen anwachsen
könnte. In diesem Zeitraum würde das in Batterieanwendungen verwendete Nickel
von weniger als 5 Prozent des Nickelbedarfs auf über 30 Prozent steigen.

Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf
Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf
Prognose für den gesamten primären Nickelbedarf

Prognosen sind
kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen
unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Die Preise, die sich – wie im Juni 2019 – bei
schwachen 12.000 US Dollar pro Tonne befanden, hätten jedoch nicht für den
dringend notwendigen Start der Nickelförderung ausgereicht, denn die Nachfrage wird
in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen. Mit Preisen von jetzt über
18.000 US Dollar pro Tonne hat sich die Wahrscheinlichkeit hierfür verbessert.
Dieser Preisgewinn reicht wahrscheinlich immer noch nicht aus, um den Bergbau in
dem Umfang zu fördern, der notwendig ist, um genügend Metall aus dem Boden zu
holen, damit der zukünftige Batteriebedarf gedeckt werden kann. Aber es ist ein
Anfang in die richtige Richtung.

Neue Mining-Projekte – mit bekanntermaßen
langen Vorlaufzeiten – dürften die kurzfristige Knappheit nicht mildern, aber
die Bestände können kurzfristig genutzt werden.

Der Nickelbestand ist nicht grenzenlos. Gemessen an der Form der
Nickel-Futures-Kurve – die sich bis 2022 in einer Rückwärtsbewegung befindet –
sind die Lagerbestände knapp. Wir gehen daher davon aus, dass die Preise weiter
steigen müssen, möglicherweise langfristig über 24.000 US Dollar pro Tonne, um die vom Markt in den nächsten
Jahrzehnten benötigte Menge an Nickel freisetzen zu können. Aber das Plus von
6.000 US Dollar auf den heutigen Preis könnte viel länger dauern als die 3
Monate, die benötigt wurden, um die letzten 6.000 US Dollar zu kumulieren. Es
ist also eine langfristige Angelegenheit, auf nahe Sicht ist das indonesische
Erzverbot inzwischen weitgehend eingepreist.

M&G Investments: Die Jahrhundert-Trends entdecken

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Es gibt vier Themenbereiche, die jeden Menschen in seinem Alltag direkt betreffen.

Thematische Investmentstrategien sind beliebt, und viele Anleger fragen sich, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends in den nächsten Jahren auch an der Börse punkten werden.

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund, setzt auf vier strukturelle Themen:

„Die
Welt verändert sich mit großer Geschwindigkeit. Bei genauerem Hinsehen
sind es hauptsächlich vier Themenbereiche, die den stärksten Einfluss
auf diesen Wandel haben und die jeden Menschen in seinem Alltag direkt
betreffen: Der Ausbau der Infrastruktur, der demografische Wandel, das
zunehmende Umweltbewusstsein und technische Innovationen.

Weltweit
gibt es eine riesige Investitionslücke beim Ausbau von Straßen,
Flughäfen oder dem Netzwerk des öffentlichen Personennahverkehrs. Das
gefährdet langfristig auch die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern
einer stark wachsenden Bevölkerung, die dazu immer älter wird. Um den
demografischen Herausforderungen zu begegnen, sind neue Formen des
Zusammenlebens notwendig und auch verbesserte medizinische
Unterstützung. Dazu kommt die immer größer werdende Sorge um unsere
Umwelt. Schädliche Emissionen sollen in Zukunft deutlich reduziert, Müll
vermieden und Rohstoffe wiederverwendet werden. Neuerungen in der
Technik, die etwa die digitale Kommunikation oder Cybersicherheit
voranbringen, stehen für ein weiteres großes Thema.

Langfristiges Unternehmenspotential nutzen

Es
gibt Unternehmen, die mit besonderem Nachdruck an Produkten und
Dienstleistungen arbeiten, mit denen sie Lösungen für diese
Herausforderungen bieten können: Für das Thema Infrastruktur lässt sich
als Beispiel Edison International nennen, einer der größten
Elektroversorger Amerikas, der aktiv im Wandel der Energiewirtschaft
ist. Vom wachsenden Bedarf bei einer immer älter und wohlhabender
werdenden Bevölkerung Chinas nach Altersvorsorgeprodukten profitiert
etwa der große Versicherer AIA. Das Thema Umweltschutz nutzt z.B. der
dänische Betreiber von Off-Shore-Windparks Orsted und der Autobauer
Toyota entwickelt nicht nur Hybridfahrzeuge, sondern investiert auch
stark in weitere Innovationen wie den Wasserstoffantrieb.

Anleger
haben durch Fokussierung speziell auf solche Unternehmen die Chance, an
den langfristigen Trends unseres Jahrhunderts teilzuhaben. Allerdings
sind Ungeduld und schnelle Veränderungen des Portfolios hier nicht
zielführend: Weil man Namen finden will, die einerseits Services und
Produkte für die Märkte der Zukunft anbieten und entwickeln, die aber
andererseits (noch) nicht allzu stark nachgefragt werden und somit zu
einem attraktiven Preis zu haben sind. Denn eines ist besonders wichtig:
Überhitzte Börsenlieblinge sollten Anleger ebenso wie unprofitable
Geschäftsmodelle vermeiden – zwischen guten Ideen und guten Unternehmen
liegt ein großer Unterschied.“

Der M&G (Lux) Global Themes Fund
investiert zu mindestens 80 Prozent in Aktien solcher Unternehmen, von
denen der Fondsmanager glaubt, dass sie von „Themen“ profitieren, die
durch Veränderungen in Volkswirtschaften, Branchen und Gesellschaften
entstehen. Über einen beliebigen Zeitraum von fünf Jahren soll er mit
einer Kombination aus Kapitalzuwachs und Erträgen eine Rendite
erwirtschaften, die höher ist, als die des weltweiten Aktienmarkts –
gemessen am MSCI ACWI Net Return Index. Per Ende August 2019 hatte der Fonds ein Volumen von 259 Millionen Euro und war in 60 Unternehmen investiert.

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund
Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund
Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund

Alex Araujo, Manager des M&G (Lux) Global Themes Fund

Natixis IM: Mögliche Zinssenkung der Fed in dieser Woche

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Esty Dwek, Anlagestrategin bei der Dynamic Solutions Gruppe von Natixis Investment Managers, hält jedoch die Erwartung der Märkte von drei weiteren Zinsschritten für übertrieben.

Es herrscht große Übereinstimmung unter den Beobachtern, dass die Fed in ihrer Sitzung in dieser Woche die Zinsen senken wird.

Dwek: „Die US-Wirtschaft braucht derzeit keine
weitere Unterstützung. Das Wachstum in den USA verlangsamt sich zwar,
dürfte sich aber bei rund 2% stabilisieren. Den Verbrauchern geht es
gut,  wie man an den starken Einzelhandelsumsätzen erkennen kann. Der
Arbeitsmarkt floriert. Der Wohnungsbau profitiert von niedrigeren
Zinsen. Darüber hinaus ist die Kerninflation in den letzten Monaten
gestiegen und erreichte im August 2,4% – obwohl noch kein nennenswerter
Inflationsdruck von den Löhnen kommt.“

Überhaupt, so Dwek, würde sich angesichts der
übereinstimmend lockeren Geldpolitik der großen Zentralbanken die Frage
stellen, ob sie nicht ihre Grenzen erreicht habe. Die Grafik zeige, wie
stark ein Jahrzehnt ultra-akkommodativer Politik ihre Bilanzen
aufgebläht habe.

Central Bank Balance Sheets
Central Bank Balance Sheets
Central Bank Balance Sheets

Dwek: “Die Fed war erfolgreicher darin, das
Wachstum und vor allem die Märkte anzukurbeln. Tatsächlich sehen wir ein
Risiko darin, dass sie zu sehr markt- statt datengetrieben wird, den
Markterwartungen folgend, anstatt die Märkte zu führen. Der anhaltende
Druck von Präsident Trump ist nicht hilfreich.

Aus seiner Sicht ist die
Fed ein Sicherheitsnetz für seine Handelskriege und ein Instrument für
einen schwächeren USD. Die durch die Handelsstreitigkeiten ausgelöste
Flucht in die Sicherheit unterstützt jedoch den USD, anstatt ihn zu
schwächen, trotz einer lockeren Fed.“

nova funds: Gesunde Renditen, sogar bei einer angeschlagenen Wirtschaftslage

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Es macht Sinn, das eigene Portfolio möglichst krisenfest aufzustellen und auf Investments zu setzen, die traditionell gut durch schwierige Zeiten an der Börse kommen.

Sektoren mit wichtigen Wachstumstreibern, die auch von einer schwächelnden Konjunktur kaum beeinflusst werden, sind wieder gefragt. Viele Argumente sprechen hier für den Gesundheitsbereich.

Wenn die Wirtschaft schwächelt
oder krankt, wird es wichtiger, auf die richtigen Sektoren zu
setzen. Viele Wirtschaftsbereiche berichten bereits von deutlich sinkenden
Auftragseingängen und zurückgehenden Exportumsätzen, obwohl zumindest derzeit
lediglich von einer wirtschaftlichen Abkühlung und nicht von einer Rezession
gesprochen werden kann.

Daher macht es Sinn, das eigene Portfolio möglichst krisenfest aufzustellen und auf Investments zu
setzen, die traditionell gut durch schwierige Zeiten an der Börse kommen. Wo
spart man kaum, auch wenn das Portemonnaie nicht mehr gut gefüllt ist

Ein Bereich, der hier von allen Experten genannt wird, ist der Gesundheitsbereich, denn lebenswichtige
Behandlungen oder Operationen sind nicht zu ersetzen und sollten auch nicht
aufgeschoben werden.
Außerdem gibt es für diesen Bereich eine ganze Reihe von wichtigen
Wachstumstreibern, die nicht oder kaum von der aktuellen Konjunkturlage
beeinflusst werden, z.B.:

1. Demographischer
Wandel
 – mit steigendem Alter steigt der Bedarf an medizinischen
Leistungen

2.  Aufstieg
der Schwellenländer
 – steigende medizinische
Nachfrage in weiteren Regionen

3.  Innovationen – Entwicklung zahlreicher neuer Substanzen und Heilverfahren

4.  Digitalisierung – Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen

Demzufolge geht eine OECD-Schätzung für die 36 Mitgliedsländer von einem
stark steigenden Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP aus.
Für 2060 werden 9,5% , dies entspricht einer mehr als 50% Steigerung gegenüber
2010, als es noch lediglich 6,2% waren. Die oben erwähnten Schwellenländer sind
hier natürlich noch gar enthalten!

Ein für Healtcare Fonds besonderes Anlagekonzept verfolgt vor diesem
Hintergrund die Münchner nova funds GmbH. Der nova Steady HealthCare Fonds
investiert nicht in die beiden
Bereiche Pharma und Biotech. In den übrigen acht Segmenten des
weltweiten Gesundheitsbereichs sucht das Management nach besonders
schwankungsarmen Geschäftsmodellen. Zusätzlicher Vorteil: Hier ist das
Gewinnwachstum üblicherweise sogar höher als in den Bereichen Pharma und
Biotech, wie man gut aus der nachstehenden Grafik erkennen kann.

Gewinnentwicklung MSCI Pharma / Biotechnologie vs. andere 8 Subindustrien
Gewinnentwicklung MSCI Pharma / Biotechnologie vs. andere 8 Subindustrien
Gewinnentwicklung MSCI Pharma / Biotechnologie vs. andere 8 Subindustrien

Fonds: nova
Steady HealthCare – ISIN DE000A1145H4 / DE000A1145J0

WisdomTree: Ölpreis klettert rasant

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Große geopolitische Erschütterungen könnten als Reaktion der Drohnenangriffe von Houthi-Rebellen am Wochenende auf die Anlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco folgen.

Von Nitesh Shah, Director Research beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Der
Ölpreis war in den letzten drei Monaten tendenziell gesunken. Seit
heute Morgen jedoch, als die Preise um mehr als 20 Prozent stiegen, hat
sich eine abrupte Veränderung vollzogen, die anfänglichen Gewinne lagen
bei plus 10 Prozent zum Zeitpunkt des Schreibens. Erste Schätzungen des
Schadens deuten auf eine Aussetzung von 5,7 Mio. Barrel Öl hin, was mehr
als die Hälfte der saudi-arabischen Produktion bzw. fast 5 Prozent des
weltweiten Angebots ausmacht. Der saudische Energieminister Prinz
Abdulaziz bin Salman – der erst knapp eine Woche im Amt ist – sagte,
dass durch den Angriff die Gasproduktion um 50 Prozent abgefallen sei.

Die
Ölproduktion wurde schwer getroffen. Aber noch größer sind die
politischen Auswirkungen. Die Houthi-Rebellen im Jemen werden vom Iran
unterstützt. Der Saudi-Jemen-Krieg (Houthi), der seit 2015 geführt wird,
wird allgemein als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem
Iran angesehen. Der Konflikt könnte sich nun in einen offenen Krieg mit
dem Iran verwandeln. Der Iran rasselte vor allem mittels seiner
Stellvertreter mit den Säbeln als es im Mai und Juni dieses Jahres auf
Angriffe auf Schiffe rund um die für den Öltransport wichtigste
Seestraße der Welt, die Straße von Hormuz, kam.

Das
relative Fehlen von Nachrichten in den Schlagzeilen hatte den Markt zu
der Annahme verleitet, dass es eine Deeskalation der Risiken in der
Region gäbe. Erst letzte Woche fielen die Ölpreise an einem einzigen Tag
um mehr als 2 Prozent, als Präsident Trump seinen nationalen
Sicherheitsberater John Bolton entließ, der allgemein als Iran-Habicht
angesehen wurde. Die Ereignisse der letzten Tage sind eindeutig kein
Zeichen einer Deeskalation. Wir glauben, dass die geopolitische Prämie
für Öl steigen wird, da das Risiko einer militärischen Intervention in
der Region von Tag zu Tag wächst.“

Chefstratege von Natixis IM zieht Lehren aus der Finanzkrise 2008

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Auch elf Jahre später wirkt die Finanzkrise gesellschaftlich und politisch noch nach, und David Lafferty, Chefstratege von Natixis Investment Managers, stellt in folgendem Blog die Frage, ob man heute besser dagegen gewappnet ist.

Am 15. September 2008 ging die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers in Konkurs und es folgte eine der größten Krisen der Wirtschaftsgeschichte.

Lafferty: „Sicher, einige der Risiken sind
kleiner geworden. Aber viele der Kernfragen bleiben bestehen. So ist das
systemische Risiko innerhalb des Bankensystems – also die
Ansteckungsgefahr, die von der Insolvenz eines einzelnen Instituts
ausgeht – nicht ganz verschwunden. Zwar haben die US-Banken seitdem
ordentliche Kapitalpuffer aufgebaut, aber die europäischen Banken waren
weniger bereit, bittere Pillen – wie etwa den Abbau ihrer Non Performing
Loans und den Aufbau ihrer Kapitalquoten – zu schlucken. So stehen sie
heute schwächer da als ihre Wettbewerber in den USA.

Doch die notwendigen Qualitäts- und
Liquiditätsanforderungen nach den seither verabschiedeten Regeln wie
Basel III und Dodd-Frank haben auch eine Kehrseite. Sie binden mehr
Kapital und können dazu führen, dass die Banken weniger Kredite
ausreichen – ein Gegenwind mehr in einer bereits zu langsam wachsenden
Weltwirtschaft.

Was sich die Aufsichtsbehörden und die
Regierungen trotz härterer Regeln (allein in Deutschland seit 2008 rund
50 einschlägige Gesetze) eingestehen mussten, war, dass viele
Finanzinstitute schlicht zu groß waren, um sie scheitern zu lassen („Too
big to fail“). Leider sind seit der Finanzkrise viele Banken und
Finanzinstitute nur noch größer geworden, da diese Unternehmen größere
Skaleneffekte benötigen, um in einem kostspieligeren (d.h. regulierten)
und technologiegetriebenen Umfeld zu konkurrieren.

Der
Finanzstabilitätsrat (FSB) – eine der vielen neuen Institutionen, die in
den vergangenen 11 Jahren geschaffen wurden – zählt die Deutsche Bank,
die US-Investmentbank JPMorgan, die Citigroup und die britische HSBC zu
den zwei höchsten Kategorien innerhalb einer Liste von 29 global
systemrelevanten Banken (G-SIB). Zwar wurden die europäischen Banken
verpflichtet, Abwicklungspläne für ihre eigene Insolvenz vorzuhalten,
aber niemand weiß, wie diese Testamente, die in guten Zeiten geschrieben
wurden, tatsächlich in der Verwirrung einer echten Krise funktionieren
werden. Hinzu kommt, dass Banken in den USA solche Pläne gar nicht
aufstellen müssen.

Eine Lehre aus der Lehman-Krise ist, dass das
Risiko der Illiquidität manchmal tödlicher ist als das der Insolvenz.
Selbst große Unternehmen, die langfristig profitabel sind, können in die
Krise geraten, wenn sie ihre kurzfristigen Verpflichtungen und
Operationen nicht finanzieren können. Sicher: die meisten
Finanzunternehmen haben große Schritte unternommen, um ihre
Illiquiditäts- und Timing-Risiken zu managen. Aber Liquidität ist ein
launisches Tier.

Sie verschwindet schnell und ohne Vorwarnung, und keine
Unternehmens- oder Geschäftsstrategie ist völlig immun, wenn die
Kapitalmärkte austrocknen. Dies kann auch eine Chance für Unternehmen
und Investoren bedeuten, die einen Anfall  von Illiquidität und massiver
Preisverwerfung aushalten können.  Für Value-Investoren kann es sich
lohnen, wenn sie unterscheiden können, ob die Insolvenz wegen eines
gescheiterten Geschäftsmodells droht, oder nur einer vorübergehenden
Beeinträchtigung.

Welche Risiken bleiben am Horizont? Angesichts
der weltweit extrem niedrigen Zinsen sind die Schulden und der
Verschuldungsgrad in einigen wichtigen Bereichen weiter gestiegen.
Während die Verbraucher in den entwickelten Märkten moderat blieben,
haben Regierungen und Unternehmen die billigen Kredite über das Maß
hinaus genutzt. In allen Euroraum-Ländern mit Ausnahme von Deutschland
und Malta sind die Staatsschulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt heute
höher als vor dem Lehman-Kollaps.

Solange die Kosten für den
Schuldendienst überschaubar bleiben, werden sich diese Risiken
vielleicht nicht in Solvenzprobleme verwandeln. Unternehmen und Länder
sind damit jedoch weiterhin auf offene und frei fließende Kapitalmärkte,
niedrige Realzinsen und niedrige Inflationsraten angewiesen. Keine
dieser Bedingungen ist für immer garantiert. Der klassische Kreditzyklus
ist nicht abgeschafft worden. Irgendwann endet jede Flut.

Für Investoren besteht die wichtigste Lektion
vielleicht darin, nicht von der inhärenten Stabilität von
Finanzinstituten auszugehen, egal wie solide sie heute aussehen mögen.
Käufer können streiken. Vermögenswerte sind nur so liquide wie ein
anderer dafür ins Risiko gehen will.  Verluste infizieren die ganze
Kapitalstruktur eines Unternehmens. Derivate können den Schmerz ebenso
verschlimmern wie sie gegen ihn versichern sollen. Niedrige
Korrelationen sind erwünscht, aber nicht immer gegeben. Risikomanagement
kann nicht auf eine einfache Value-at-risk-Schätzung reduziert werden. 

Die Erholungs- und Expansionsphase, die wir seit
der Lehman-Pleite erleben, ist historisch gesehen sehr lang. Je länger
dieser Zyklus läuft, umso mehr wird sich die Tapferkeit in der
Zurückhaltung zeigen müssen.“