Anleiheanleger in der Zwickmühle

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Wenn man sich das Verhältnis zwischen Renditen und Laufzeit bei Anleihen über die Zeit ansieht, dann ist ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten.

Es stimmt wirklich – Anleiheanleger haben ein Problem. Das gilt insbesondere für jene, die in Staatsanleihen der Eurozone investieren. Wenn man sich die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Renditen und Laufzeit bei diesen Anlagen ansieht, dann ist ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten. Dies macht Sinn, weil die Laufzeit in vielen Ländern der Eurozone auf sieben bis zehn Jahre verlängert werden muss, damit überhaupt eine positive Rendite erzielt werden kann.
Das Problem besteht darin, dass die Duration dieser Anlagen gestiegen ist. Das heißt, dass sich das Zinsrisiko erhöht hat.
Einfach gesagt: Anleger in Staatsanleihen von Ländern der Eurozone müssen heute ein höheres Risiko auf sich nehmen, erhalten dafür aber einen geringeren Ertrag. Das ist unserer Ansicht nach kein vorteilhaftes Geschäft.
Entwicklung der Zinsen in der Eurozone
Viele gingen davon aus, dass die Zinsen nach oben gedrückt werden würden, als die Europäische Zentralbank (EZB) den monatlichen Kauf von Staatsanleihen im Wert von 30 Mrd. Euro im Dezember 2018 einstellte.
Aber es gibt derzeit ein Problem mit dem Wirtschaftswachstum in der Eurozone.
Deutschland – häufig als Wachstumsmotor der Region bezeichnet – ist nur knapp einer technischen Rezession (zwei Quartale in Folge mit negativem BIP-Wachstum) entgangen. Italien befindet sich nach der oben angegebenen Definition sogar in einer technischen Rezession. Der Einkaufsmanagerindex (EMI) tendiert in der gesamten Region nach unten, wobei in einigen Märkten Werte zu beobachten sind, die auf einen konjunkturellen Einbruch hinweisen.
Die Zinsen einer Zehn-Jahres-Anleihe sollten die Erwartungen an das zukünftige Wachstum und die zukünftige Inflation widerspiegeln. Die schlechten Wachstumsaussichten sind unserer Ansicht nach der wichtigste Grund für die aktuell niedrigen Zinsen.

Mögliche Maßnahmen im Bereich der Anleihen

Wenn fiskalpolitische Maßnahmen ausbleiben, ist nur schwer festzumachen, welche unmittelbare Lösung es für das Wachstumsproblem der Eurozone geben könnte.
Anleiheanleger müssen allerdings trotzdem Erträge erwirtschaften. Sie haben drei Optionen:

Steigerung der Duration

Anlagen mit längerer Laufzeit bieten in der Regel immer noch eine höhere Rendite als Anlagen mit kürzerer Laufzeit. Das heißt also, dass man zur Generierung eines höheren Ertrags auf immer längere Laufzeiten setzen muss. Falls die Zinsen steigen, ist mit dieser Option das Risiko verbunden, dass die negativen Auswirkungen auf die Gesamtrendite möglicherweise größer sind.

Reduzierung der Bonität

Es ist auch immer noch der Fall, dass Unternehmensanleihen mit niedrigerer Bonität höhere Renditen abwerfen als Staatsanleihen mit höherer Bonität. Wenn Anleger über die nötige Flexibilität verfügen, könnte es hilfreich für sie sein, die Tatsache zu nutzen, dass sie für die Übernahme höherer Risiken derzeit besser entschädigt werden.
Konzentration auf andere Länder
Dazu befähigte Anleger haben uns auch mitgeteilt, dass sie Opportunitäten außerhalb der Eurozone wie beispielsweise Staatsanleihen von Schwellenländern, evaluieren. Solche Anlagen sind mit ganz spezifischen Risiken, wie dem Wechselkursrisiko verbunden, aber ihre Renditen sind derzeit ziemlich hoch.

Lösung Enhanced Yield

Für jene Anleger, bei denen ein bestimmter Anteil ihres Engagements auf Staatsanleihen der Eurozone entfallen muss, hat WisdomTree einen pragmatischen Ansatz entwickelt, um bei einem minimalen Tracking-Risiko im Verhältnis zur festgelegten Benchmark einen höheren Ertrag mit diesen Anlagen zu erzielen. Dabei werden ausschließlich Staatsanleihen eingesetzt und der Fokus liegt unter bestimmten Einschränkungen weniger auf Anleihen mit niedrigeren, häufig eher negativen Renditen und stärker auf Anleihen mit positiven Renditen. Im Großen und Ganzen heißt das für Anleger, die in Staatsanleihen der Eurozone investieren:

  • längere Duration eingehen
  • mehr Italien ins Portfolio packen
  • Engagement in Deutsche Staatsanleihen zurückfahren

Fusion von Unicredit & Commerzbank ist logisch, aber voller Fallstricke

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Für Mark Peden, Investment Manager bei Kames Capital, macht das angebliche Übernahmeangebot der italienischen Unicredit für die Commerbank zwar durchaus Sinn. Doch sieht der Marktstratege vier Probleme.

Ein
Bericht der Financial Times hat zu Spekulationen geführt, die
italienische Großbank Unicredit ziehe ein Angebot für einen
„bedeutenden“ Anteil an der Commerzbank in Betracht. Die Gerüchte sind
aus unserer Sicht aus mehreren Gründen schlüssig:

Die
Unicredit kaufte bereits 2005 mit der Hypovereinsbank die damals
viertgrößte deutsche Bank und könnte mit einer Beteiligung an der
Commerzbank ein hohes Synergiepotenzial freilegen – wobei die
kolportierten 500 Millionen Euro deutlich weniger wären, als bei einem
Zusammenschluss mit der Deutschen Bank. Bereits
vor zwei Jahren hatte es Berichte gegeben, dass die italienische Bank in Berlin Interesse an der Commerzbank angemeldet habe.
Hinzu kommt: Die Bankaufsichtsbehörde der EU befürwortet angeblich
grenzüberschreitende Aktivitäten, um einigen der schwächeren Akteure mit
Blick auf die Kapitalbasis und die notleidenden Vermögenswerte unter
die Arme zu greifen.

Gleichwohl
wären wir extrem überrascht, wenn ein solcher Deal zustande käme, da es
unseren Erachtens vier sehr große Hürden zu überwinden gilt:

  1. Die Bundesregierung würde unter massive Kritik seitens populistischer
    Strömungen geraten, wenn offensichtlich würde, dass ein italienischer
    „nationaler Champion“ einen einheimischen „nationalen Champion“
    übernimmt.
  2. Die Situation für die Deutsche Bank würde noch prekärer, als sie jetzt schon ist.
  3. Ein solcher Deal wäre vor dem Hintergrund des Dreijahresplans des
    Unicredit-CEOs (der zugegebenermaßen Ende dieses Jahres durch einen
    Neuen ersetzt werden wird) völlig undenkbar, weil er keine großen,
    grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten vorsieht.
  4. Die Finanzierung könnte sich angesichts der Tatsache, dass der
    Börsenwert der Commerzbank bei einem Drittel der Marktkapitalisierung
    von Unicredit liegt – natürlich abhängig von der Höhe der Beteiligung –
    als unerschwinglich erweisen.

US-Notenbank: Sicher ist nur die Unsicherheit

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Die US-Währungshüter haben auf ihrer jüngsten Sitzung des Federal Open Market Committee den Leitzins unverändert gelassen. Man sollte meinen, dass sich das positiv auf die Märkte auswirken sollte. Doch weit gefehlt.

2018 Jahr galt die Fed meist als übertrieben falkenhaft – so sehr, dass die mildere Rhetorik im Dezember zu einer Erleichterungswelle führte, obwohl die Fed die Zinsen zum vierten Mal innerhalb des vergangenen Jahres erhöhte. Umgekehrt wurde das jüngste Treffen als überraschend „taubenhaft“, also auf eine expansive Geldpolitik ausgerichtet, betrachtet. Vor wenigen Monaten lag der Leitzins laut des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell „weit entfernt vom neutralen Zins.“ Nur eine Erhöhung später, im Dezember 2018, und auch jetzt, befindet Powell, dass sich das Niveau „im breiten Spektrum der Schätzungen des neutralen Zinses“ bewegt.

Die jüngste Prognose der Fed verdeutlicht, dass sie für 2019 keine und bis 2021 nur noch eine Erhöhung erwartet. Die Terminmärkte, die sich nicht von der Fed austricksen lassen wollen, rechnen nun mit einer Zinssenkung im Jahr 2019. Chairman Powell bekräftigte, dass man keine Pläne für die Zukunft habe –  außer abzuwarten. Da er eine Zinssenkung aber nicht explizit ausschließt, ist davon auszugehen, dass der nächste Schritt nur in die entgegengesetzte Richtung gehen kann, falls der Zinserhöhungszyklus beendet ist.

Unglaubwürdige Argumentation

Weitere Widersprüche zeigten sich mit Blick auf die Bilanz der US-Notenbank. So überraschte die Ankündigung der Wahrungshüter, dass sie im Mai beginnen werden, den Verkauf ihrer US-Staatsanleihen zu verlangsamen und im September ganz zu beenden. Powell sagte, er betrachte das Management der Bilanz nicht als geldpolitisches Instrument. Doch das klingt unglaubwürdig: Wenn Quantitative Easing eine geldpolitische Entscheidung war, gilt das auch umgekehrt. Das nun absehbare Ende der geldpolitischen Straffung untermauert das Ansinnen der Fed, weitere Aktionen auf Eis zu legen.

Eigentlich sollte man erwarten, dass die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen durch einen beunruhigenden wirtschaftlichen Ausblick ausgelöst wurden. Powell bestätigte die schwächeren Daten in den USA und die Konjunkturabkühlung in Europa und China, während die Fed ihre BIP-Prognosen leicht nach unten korrigiert hat. Aber er betonte mit Nachdruck, dass „unsere Aussichten positiv sind“ und dass „die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten nach wie vor sehr stark sind“. Vielleicht sollte dieses Bemühen um einen ausgeglichenen Ton heftige Überreaktionen der Märkte in die eine oder andere Richtung verhindern. Aber bei all ihren Anstrengungen, sich ihre Optionen offen zu halten, hat die US-Notenbank auch erhebliche Unsicherheit hinsichtlich ihres nächsten Schrittes hervorgerufen. Nach oben oder nach unten: Irgendwer wird bald ein böses Erwachen erleben.

„Wait and see“

Die erste Reaktion auf das Fed-Meeting seitens der Experten und Märkte überraschte. Die Entwicklung der dreimonatigen/zehnjährigen US-Zinsstrukturkurve spiegelte bereits zwei Tage nach der letzten Sitzung Unterstützung für die Haltung der Notenbank wider. Erstmals in diesem Zyklus kehrte sie sich kurzzeitig um. Manche Beobachter behaupteten, dies sei ein Beweis für den Weitblick der Fed und für künftig schwierigere wirtschaftliche Bedingungen. Alternativ kann es auch ein Versuch gewesen sein, die Märkte überstürzt in Unruhe zu versetzen.

Eine inverse Zinsstrukturkurve wird zwar oft als Vorbote eines Abschwungs interpretiert. Doch sie besitzt nur wenig Aussagekraft – mit langen Vorlaufzeiten vor Rezessionen und Fehlalarmen in der Vergangenheit. Die Zukunft erscheint von Tag zu Tag unklarer, die einzige Sicherheit ist derzeit die Unsicherheit. Genau wie für die Federal Reserve gilt auch für uns: „wait and see.“

Capital Group: Chinesische Aktien – Im Wandel Chancen erkennen

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Trotz langsameren Wachstums bieten chinesische Aktien noch immer profitable Möglichkeiten. Zwar sollten Investoren die wirtschaftlichen Aussichten vor Augen haben, aber auch die wachsende Mittelschicht und ihren Konsumwunsch nicht vergessen.

Chinas Wachstum verlangsamt sich und die
Wachstumsrate hat mittlerweile ein fast 30-jähriges Tief erreicht. Zwar konnten
chinesische Aktien gemessen am MSCI China Investable Market Index in den ersten
beiden Monaten 2019 knapp 15 Prozent zulegen und Investoren scheinen auf eine
wirtschaftliche Erholung sowie eine Beilegung des Handelsstreits mit den USA zu
hoffen. Stephen Green, Volkswirt mit Schwerpunkt Asien bei Capital Group, geht
jedoch davon aus, dass Chinas Wirtschaftswachstum von den Antworten auf zwei
wesentliche Fragen abhängen wird. Erstens: Wird Peking ein neues
Konjunkturprogramm auflegen? Zweitens: Wird dieses umfangreich genug sein, um
Wirkung zu zeigen?

Konjunkturprogramme könnten zu Immobilienblasen führen

Betrachtet man das große Ganze, sind primär langfristige, ökonomische Trends
für das abnehmende Wachstum verantwortlich – zum Beispiel die sinkende
Arbeitskraft und das geringere Produktivitätswachstum. „Dabei handelt es sich
um den normalen Reifeprozess eines Schwellenlandes, das der Bezeichnung als
Emerging Market entwächst“, so Green. Hinzu kommen zyklische Faktoren, wie
beispielsweise der Schuldenabbau bei Staatskonzernen, das Durchgreifen bei
Schattenbanken oder Versuche, den Wohnungsmarkt abzukühlen.

Trotz der derzeitigen Lage scheint es Peking mit Maßnahmen zur Ankurbelung der
Konjunktur, wie beispielsweise in den Jahren 2015 und 2016, derzeit nicht eilig
zu haben. „Die Sorge ist, dass weitere Konjunkturpakete am Immobilienmarkt zu
einer Blasenbildung führen und die Schuldenkrise verschärfen könnten“, so
Green. „Man sollte aber auch nicht vergessen, dass Chinas Wirtschaft, den
offiziellen Regierungsabgaben zufolge, aktuell noch immer mit einer jährlichen
Geschwindigkeit von 6,6 Prozent wächst – auch wenn dies unter den zweistelligen
Wachstumsraten vergangener Jahrzehnte liegt.“

Auf den Umfang der Reformen kommt es an 

Dem Asienkenner Green zufolge könnten zwei Szenarien eintreten – je nachdem wie
umfangreich die Reformen ausfallen. Bei einem Neustart der umfangreichen
Reformen könnte sich das chinesische Wirtschaftswachstum in den nächsten fünf
bis sechs Jahren auf durchschnittlich rund fünf Prozent verlangsamen. Sollte es
jedoch nur kleinere Reformen geben, schätzt der Experte ein Wachstum von drei
Prozent. „Das wäre dann insbesondere auf das negative allgemeine
Produktivitätswachstum zurückzuführen“, sagt Green.

Green selbst hält eine Mischung aus beiden Szenarien für am wahrscheinlichsten:
„Angesichts zyklischer Abschwünge wird Peking mehr Reformen anstreben, von den
wichtigsten Schritten jedoch weiter Abstand nehmen. Eine durchschnittliche
reale Wachstumsrate von vier Prozent bis 2025 würde mich daher nicht
überraschen.“ Sollte der Handelskonflikt mit den USA allerdings weiter
anhalten, könnte sich das negativ auswirken. „Beide Staaten haben aufgrund des
Handelsstreits bereits hohe Verluste erlitten. Folglich sollten auch beide
Verhandlungspartner Interesse daran haben, zumindest einem Übergangsdeal
auszuhandeln, der die Zölle senkt und vielleicht die Handelsbeziehungen
ausdehnt“, so der Experte.

In die wachsende Mittelschicht Chinas investieren

Den Entwicklungen zum Trotz bieten chinesische Aktien noch immer profitable
Möglichkeiten. Zwar sollten Investoren die wirtschaftlichen Aussichten vor
Augen haben, ebenso sollten sie aber auch die wachsende Mittelschicht und ihr
Konsumwunsch nach Smartphones, Tennisschuhe oder Kaffee nicht vergessen.
Attraktive Titel können Investoren zum Beispiel bei in- und ausländischen
Unternehmen finden, die der wachsenden chinesischen Mittelschicht Reise- oder
Finanzdienstleistungen offerieren sowie bei innovativen Technologieunternehmen,
die Halbleiterkomponenten für mobile Endgeräte und die industrielle
Automatisierungstechnik herstellen. „Wichtig ist auch, den Handelsstreit mit
den USA im Blick zu behalten. Sollten Handelsabkommen unterzeichnet werden
könnte dies einen positiven Einfluss auf den Schutz geistigen Eigentums haben,
wovon insbesondere inländische Software- und multinationale Unternehmen
profitieren würden.“

Amerikanischer Touch für europäische High Yields

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Warum US-Unternehmen an den europäischen Anleihemärkten Kapital aufnehmen und wie Anleger davon profitieren können, erklären Tom Ross und Tim Winstone, Corporate Credit Portfolio Manager bei Janus henderson.

Nicht erst seit der Landung amerikanischer Soldaten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg verbinden Amerikaner und Europäer starke kulturelle und sprachliche Bande. In jüngster Zeit hat sich der Blick des Weißen Hauses jedoch vom Atlantik auf den Pazifik verlagert, wo sich das wieder erstarkte China zu einem direkten Konkurrenten der führenden Wirtschaftsmacht USA gemausert hat.

Aber auch wenn sich der politische Fokus verschieben mag: Amerikas Unternehmen zieht es weiterhin nach Europa. Dies ist nicht zuletzt auf die günstigeren Finanzierungskosten auf dem alten Kontinent zurückzuführen. Während der Leitzins der US-Notenbank in einer Bandbreite von 2,25 bis 2,50 Prozent liegt, verharrt das Pendant der Europäischen Zentralbank bei Null. Das schlägt sich auch bei den Kreditkosten in der Gesamtwirtschaft nieder, sodass Staats- und Unternehmensanleihen in Europa in der Regel mit niedrigeren Renditen gehandelt werden.
Begibt ein Unternehmen aus den USA eine Anleihe außerhalb seines Heimatmarktes in einer anderen Währung als US-Dollar, wird diese als „Reverse Yankee“-Anleihe bezeichnet. Das kommt daher, dass die von einem Nicht-US-Unternehmen in den USA emittierten und auf Dollar lautenden Anleihen „Yankee Bonds“ genannt werden. Für den umgekehrten Fall stellt man daher das Präfix „Reverse“, englisch für umgekehrt, voran.

Warum im Ausland Kapital aufnehmen?

Für ein Unternehmen sprechen diverse Gründe für eine Emission von Anleihen außerhalb des Heimatmarktes:

  • Niedrigere Finanzierungskosten: An einem Auslandsmarkt mit niedrigeren Renditen ist der Zinsaufwand geringer. Das verringert auch die Kreditaufnahmekosten;
  • Verbindlichkeiten und Umsatzerlöse aufeinander abstimmen: Erwirtschaftet ein Unternehmen einen erheblichen Teil seines Umsatzes in einer Fremdwährung, kann es sinnvoll sein, auch einen Teil seiner Verbindlichkeiten in dieser Währung aufzunehmen;
  • Fusionen und Übernahmen: Für die geplante Übernahme eines Unternehmens im Ausland will das Unternehmen Kapital in der Landeswährung zur Finanzierung der Transaktion aufnehmen;
  • Breitere Gläubigerbasis: Das Unternehmen will seine Gläubigerbasis verbreitern, da der Pool der Kreditgeber von Region zu Region unterschiedlich sein kann.

Aber natürlich ist die Rendite nicht das alleinige Kriterium. Das Unternehmen muss bei seinen Plänen auch berücksichtigen, wie die Aufnahmefähigkeit des Marktes für seine Emission ist und ob genug Interessenten dafür vorhanden sind. Auch die Kosten für die Währungsabsicherung müssen ins Kalkül gezogen werden. Das gilt vor allem für US-Unternehmen mit höheren Umsätzen im Inland als in Europa, bei denen es wahrscheinlicher ist, dass die auf Euro lautenden Finanzmittel in Dollar umgetauscht werden.
Ende Februar machten Unternehmen aus den USA 16,3 Prozent des ICE BofAML European Currency Non-Financial High Yield 2% Constrained Index aus. Weitere 8,9 Prozent dieses High-Yield-Indexes stellen andere Emittenten außerhalb Europas.

Grafik 1: Aufschlüsselung der Emittenten europäischer High Yields nach Ländern, in Prozent

Aufschlüsselung der Emittenten europäischer High Yields nach Ländern, in Prozent
Aufschlüsselung der Emittenten europäischer High Yields nach Ländern, in Prozent

Quelle: Bloomberg, ICE BofAML European Currency Non-Financial High Yield 2% Constrained Index, Stand: 28. Februar 2019.

Der Anteil der US-Emittenten ist dabei von knapp 2,5 Prozent vor fünf Jahren auf 16,3 Prozent und damit in etwa das Niveau vor zehn Jahren gestiegen, als er bei 16,6 Prozent lag. Für den zwischenzeitlich starken Rückgang des Anteils von Reverse-Yankee-Anleihen am Index im Jahr 2014 ist die Schuldenkrise in der Eurozone verantwortlich. Zwischen 2010 und 2012 hatte sie ihren Höhepunkt erreicht und die Kreditaufnahme in den Jahren davor in Europa verglichen mit den USA verteuert (siehe Grafik 2). Für Emittenten jenseits des Atlantiks war der Anreiz daher gering, sich auf der anderen Seite des großen Teichs Kapital zu beschaffen.

Grafik 2: Rendite von Anleihen mit Rating BB in Europa und den USA

Rendite von Anleihen mit Rating BB in Europa und den USA
Rendite von Anleihen mit Rating BB in Europa und den USA

Quelle: Bloomberg, 28. Februar 2010 bis 28. Februar 2019, ICE BofAML Euro High Yield BB Index (HE10), ICE BofAML US High Yield BB Index (H0A1), Yield-to-Worst.


Wie unterscheidet sich die Gewichtung von Reverse Yankees am europäischen Hochzinsmarkt von der am europäischen Investment-Grade-Markt? Erstaunlicherweise kaum. Rund 16,2 Prozent des ICE BofAML Euro Corporate Index für Investment-Grade-Anleihen entfallen auf Papiere von US-Unternehmen. Zuletzt aber hat die Kreditaufnahme über Reverse Yankees sprunghaft zugenommen: In den ersten zehn Wochen des neuen Jahres haben die Emissionen von Investment-Grade-Emittenten außerhalb des Finanzsektors bereits das Gesamtvolumen für 2018 übertroffen. Wobei jedoch erwähnt werden muss, dass die Zahlen für das letzte Jahr durch die Steuerreform in den USA verzerrt wurden. Sie ermutigte amerikanische Firmen, im Ausland erwirtschaftete Gewinne zurück nach Amerika zu holen.

Potenzielle Vorteile

Bringen Emittenten aus dem Ausland, die in Europa Kapital aufnehmen, auch Vorteile für Anleger? Zunächst einmal sorgen US-Emittenten für eine bessere Diversifizierung des europäischen High-Yield-Marktes und sind bei dünnem Angebot europäischer Hochzinsemittenten eine willkommene Ergänzung. Außerdem weisen sie eine breite Branchenstreuung auf, decken sie doch 13 der vorhandenen 15 Sektoren ab (Stand: 28. Februar 2019). Neben der Autovermietung Avis finden sich unter ihnen auch Netflix, der Medienkonzern, und Iron Mountain, das sich auf Datenspeicherung spezialisiert hat. Anlegern aus Europa ermöglichen sie somit ein Engagement in US-Unternehmensanleihen, ohne ​das Währungsrisiko von auf Dollar lautenden Papieren tragen zu müssen.

Zum anderen können Anleger über sie von unterbewerteten Chancen profitieren. Ein in Europa weniger bekannter US-Emittent muss potenzielle Geldgeber möglicherweise mit einer höheren Verzinsung locken als ein vergleichbares Unternehmen aus der Region. Dabei kann der US-Emittent mindestens ebenso kreditwürdig sein wie sein bekannteres Pendant aus Europa. Diese Marktineffizienz können europäische Anleger mit fundierten Kenntnissen der US-Emittenten zu ihrem Vorteil nutzen.

Glossar:

Währungsabsicherung: Abschluss eines Finanzkontrakts zum Schutz vor Wechselkursänderungen.Investment Grade: Anleihen mit Investment Grade werden von Unternehmen begeben, die von Ratingagenturen als besonders kreditwürdig eingestuft werden.

High Yield: eine Anleihe mit einem schwächeren Rating als Investment Grade. Da bei ihnen das Risiko höher ist, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Anlegern nicht nachkommen, bieten sie in der Regel eine höhere Rendite als Investment-Grade-Anleihen.

Nicht jeder Wechsel beim Portfoliomanagement bedeutet Unruhe

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Veränderungen gehören zur Vermögensverwaltung einfach dazu. Fondsmanager wechseln das Unternehmen oder scheiden aus. Wie Kinden mit solchen Wechseln umgehen, ist aber für ihre Portfolios von großer Bedeutung.

In einem System mit nur einem Manager oder gar einem „Starmanager“ können Veränderungen für große Unruhe sorgen. Wenn der Manager in den Ruhestand geht, das Unternehmen verlässt oder aus einem anderen Grund seinen Fonds abgibt, können sich dessen Ansatz, Positionen und Risikoeigenschaften deutlich ändern. Kunden und ihre Berater müssen dann ihre ursprüngliche Entscheidung überdenken. Sie müssen prüfen, ob der neue Ansatz noch immer zu ihren Anforderungen passt und gegebenenfalls Veränderungen einleiten. Dies geht naturgemäß mit Risiken, Zeitaufwand und Kosten einher.

Bei der Capital Group setzen wir seit über 60 Jahren auf ein einzigartiges System mit mehreren Managern. Ein wesentlicher Vorteil davon ist, dass Managerwechsel recht problemlos sind – ohne Veränderungen des Ansatzes und mit minimalen Beeinträchtigungen des Fonds.

Durch ein modulares System können wir bei Managerwechseln Friktionen verhindern – dank sorgfältiger Planung mit dem Ziel langfristiger Stabilität. Hinzu kommt, dass unsere 380 Investmentmanager im Schnitt schon sehr lange zum Unternehmen gehören; die Portfoliomanager arbeiten seit durchschnittlich 20 Jahren für die Capital Group.1 Die Kunden müssen sich über mögliche Nachfolgeprobleme also keine Sorgen machen; es drohen keine ungewollten Überraschungen. Stattdessen können sie auf die Langfristigkeit und Dauerhaftigkeit der Strategie vertrauen, in die sie investiert haben.

Geordnete Nachfolge

Das Capital SystemSM führt gezielt zahlreiche Portfoliomanager mit unterschiedlichen Einschätzungen und sich ergänzenden Investmentstilen zusammen. Die Fonds werden unter der Annahme gemanagt, dass die voneinander unabhängigen Ideen und Überzeugungen vieler erfahrener Portfoliomanager und Analysten denen eines Ausschusses oder einzelnen Managers meist überlegen sind. Wir glauben, dass diese Vielfalt an Sichtweisen, Erfahrungen, Stilen und Fähigkeiten für berechenbarere und stetigere Langfristerträge unserer Fonds sorgt.

Neue Portfoliomanager waren meist zunächst Analysten in demselben Team. Alle unsere Investmentexperten sammeln erst langjährige Erfahrung im Management von Kundenportfolios, oft mehr als zehn Jahre lang, bevor sie die volle Portfolioverantwortung übernehmen. Analysten, die selbst investieren, spielen für die Nachfolgeplanung für unsere Fonds und unser Unternehmen eine wesentliche Rolle. Die Analysten zeigen im Laufe der Zeit immer mehr, welche Art von Investoren sie sind, wie sie unter unterschiedlichen Marktbedingungen reagieren und ob sie sich als Portfoliomanager eignen.

Comgest erweitert das globale Investment-Team

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Die Fondsverwaltungsgesellschaft Comgest erweitert ihr globales Aktienteam und ernennt Alexandre Narboni und Richard Mercado zu Fondsmanagern.

Narboni, der bereits seit über zehn Jahren für Comgest tätig ist, wechselt aus dem Team für US- Aktien, wo er einer der wichtigsten Entscheidungsträger war, zum Team für globale Aktien. Mercado kommt von USS Investment Management (London) und bringt mehr als 18 Jahre Anlageerfahrung in den Spezialgebieten US-Aktien und globale Aktien mit. Die Gruppe hat außerdem Louis Citroën als Analysten gewinnen können, um das Team für US-Aktien nach dem Wechsel von Alexandre Narboni zu verstärken.
Das globale Aktienteam von Comgest verwaltet derzeit ein Vermögen von 3,2 Mrd. Euro nach einer Strategie, deren Erfolgsnachweis bis ins Jahr 1991 zurückreicht. Mit der Verstärkung des Teams scheidet zugleich zum 31. März die Analystin/Portfolio-Managerin Céline Piquemal-Prade aus dem Unternehmen aus, um sich nach 15-jähriger Tätigkeit für Comgest künftig privaten Aufgaben zu widmen. Ihre Aufgaben im Portfolio-Management hat Piquemal-Prade im vergangenen Jahr Schritt für Schritt abgegeben.

Arnaud Cosserat, CEO von Comgest, erklärte: „Das engagierte globale Team von Comgest ist für unser 45-köpfiges Anlageteam von zentraler Bedeutung und unterstützt unseren Fokus auf hochwertige Wachstumsinvestitionen. Ich darf Richard Mercado und Louis Citroën sehr herzlich bei uns begrüßen und freue mich, dass Alexandre Narboni seine Expertise in US-Aktien und seine profunde Kenntnis der Philosophie von Comgest in unser globales Aktienteam einbringen wird. Die Global-Strategie von Comgest ist hervorragend aufgestellt und kann auf eine der längsten Erfolgsbilanzen in unserer Gruppe verweisen. Im Namen des gesamten Unternehmens darf ich Céline Piquemal-Prade für all die Jahre, die sie unserem Unternehmen gewidmet hat, meinen herzlichen Dank aussprechen und wünsche ihr für die Zukunft alles Gute.“

Biografien:

Alexandre Narboni kam 2009 zu Comgest und gehörte dort zunächst dem Team für US-Aktien an, bevor er 2018 ins globale Aktienteam wechselte, wo er heute als Portfolio-Manager und Analyst tätig ist. Narboni ist unter anderem für die Entwicklung und Kontrolle der Flex-Strategien verantwortlich, die ersten Anlagestrategien von Comgest, die zur Absicherung von Volatilität und Kurseinbrüchen auf Hedging-Techniken zurückgreifen. Bevor er zu Comgest kam, arbeitete Narboni in New York, zuerst von 2005 bis 2007 im ABS-Geschäft von Société Générale und danach als Hedgefonds-Kreditanalyst bei HSBC. Nach seinem Universitätsabschluss an der National School of Statistics and Economic Administration (ENSAE) in Paris erwarb er noch einen Master-Abschluss in Finanzmathematik an der Columbia University in New York.

Richard Mercado kam 2019 zu Comgest, wo er als Analyst und Portfolio-Manager im globalen Aktienteam tätig ist. Davor arbeitete Mercado als Portfolio-Manager in London bei USS Investment Management und für F&C Investments als Global Equities Portfolio Manager. Von 2001 bis 2008 war er in Australien bei Capital Partners als Investment Analyst und bei AMP Capital Investors als Anlagestratege beschäftigt. Mercado schloss seine Studien an der University of New South Wales mit einem Bachelor of Science in Mathematik und einem Bachelor of Commerce in Finanzwissenschaften ab. Außerdem ist er Chartered Financial Analyst (CFA®).

Gold glänzt wieder

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Eine defensiver agierende Fed wird den Goldpreis in diesem Jahr weiter stützen. Gold hat trotz der Rallye an den Aktienmärkten zugelegt.

Der Rohstoffkorb stieg
im vergangenen Monat um 1,3 Prozent, angeführt von Industriemetallen
(4,2 Prozent) und Energie (3,8 Prozent). Diese beiden
konjunkturgetriebenen Sektoren haben am meisten von den Anzeichen
profitiert, dass sich die USA und China einem Handelspakt nähern, der
die Bedenken über einen Rückgang der Nachfrage zerstreuen wird. Dass
sich der eigentliche Deal zwischen den beiden Ländern wahrscheinlich um
mehrere Monate verzögern wird, sollte kein Grund zur Sorge sein, es sei
denn, die Gefahr eines Scheiterns steigt. Die Fundamentaldaten für beide
Teilsektoren bleiben gut.

Im Energiesektor dürfte Öl weiterhin von der Verknappung des Angebots
der OPEC profitieren. Das Kartell hat seine Sitzung im April 2019
abgesagt und damit die derzeitige Politik der Produktionskürzung bis
mindestens Juni 2019 verlängert. Die Verschiebung des Treffens wird der
Gruppe auch die Möglichkeit geben, die Auswirkungen der Sanktionen auf
Iran und Venezuela – sowie etwaige Änderungen der Ausnahmeregelungen für
Verbraucher von iranischem Öl – zu bewerten. 

Die Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) in dieser Woche
bestätigte, dass die US-Notenbank (Fed) das Ende ihres
Zinssenkungszyklus für 2019 erreicht hat. Der US-Dollar dürfte
angesichts dieser friedlichen Stimmung die Rohstoffperformance weiterhin
positiv beeinflussen. Die People’s Bank of China hat ihre Geldpolitik
gelockert, während der Nationale Volkskongress die Türen für die
fiskalische Expansion geöffnet hat, um das für dieses Jahr angestrebte
Wirtschaftswachstum von 6 bis 6,5 Prozent zu erreichen. Trotz
des Rückgangs des Global Manufacturing Purchasing Manager Indizes auf
ein 32-Monatstief könnte ein weniger restriktives politisches Umfeld die
Nachfrage nach zyklischen Rohstoffen wie Industriemetallen und Energie
beflügeln. 

Gleichzeitig dürfte eine moderate Fed den Goldpreis stützen, da der
Aufwertungsdruck auf Treasury-Renditen und US-Dollar nachlässt. Der
jüngst zu verzeichnende Rückzug aus Edelmetallen könnte sich daher mit
steigenden Gold- und Silberpreisen umkehren. Mit der Unsicherheit
angesichts von Brexit, Handelskonflikten und regelmäßiger Korrekturen an
den Aktienmärkten dürften sowohl Gold als auch Silber von ihren
traditionellen Safe-Hafen-Eigenschaften profitieren.

Öl:

Die Angebotsdynamik auf dem Ölmarkt könnte den Spread zwischen Brent und WTI potenziell ausweiten.
Da die OPEC ihre Förderkürzungen fortsetzt und die USA gegen den Iran
und Venezuela Sanktionen verhängen, könnten die Preise für Brent-Öl
kurzfristig weitere Unterstützung finden. In der Zwischenzeit steigt die
US-Produktion weiter an, was einen Keil zwischen WTI und Brent Preise
trieb.

Industriemetalle:
Industriemetalle profitierten weiterhin von einer Erholung, da die USA und China konstruktive Handelsgespräche führen. Wenn
sich ein Deal um mehrere Monate verzögert, könnte dies die Dynamik
etwas beeinträchtigen. Aufgrund von Versorgungsengpässen und knappen
Lagerbeständen an der London Metal Exchange (LME) erwarten wir jedoch,
dass die Preise im Falle eines Deals wieder steigen werden.

Gold:
Es wird erwartet, dass eine defensiver agierende Fed den Goldpreis in diesem Jahr weiter stützen wird.
Die spekulative Positionierung von Gold hat trotz der Rallye an den
Aktienmärkten zugenommen, da sich die Anleger weiterhin der finanziellen
und geopolitischen Risiken bewusst sind.

Agrarrohstoffe:
Die
Anleger zogen sich aus dem Engagement in Agrarrohstoffe stark zurück,
da deren Aussichten von der Realisierung eines Handelsabkommens
abhängen. Die
Preisentwicklung landwirtschaftlicher Rohstoffen war mit Ausnahme von
Baumwolle und Vieh schwach. Die Short-Positionierung wurde gegenüber dem
Vormonat deutlich ausgebaut. Die Angebotsseite für die meisten
landwirtschaftlichen Rohstoffe, mit Ausnahme von Zucker, bleibt frei.
Der Abschluss eines Handelsabkommens zwischen USA und China könnte also
als Wendepunkt für eine weitere Preiserhöhung dienen, da es die
Nachfrageseite stärkt.

«Ägypten lässt auf Worte Taten folgen“

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Der ägyptische Aktienmarkt bietet nach seiner Korrektur ein attraktives Potenzial. Am Horizont zeigen sich Wachstumsaussichten und eine Wiederbelebung des Unternehmergeistes.

Interview mit Malek Bou-Diab, Portfoliomanager BB African Opportunities Fonds bei Bellevue Asset Management.

Sie haben kürzlich die 3. Annual MENA Investor Conference von CI Capital in Kairo besucht. Welchen Eindruck haben Sie von dem Land aus Investorensicht erhalten?

Bou-Diab: Die zentrale Botschaft der Regierung lautete: Wir setzen uns für Wirtschaftsreformen und die Schaffung eines günstigen Investitionsumfeldes für den Privatsektor ein. Während die hohen Zinsen weiterhin eine Belastung für unternehmerische Aktivitäten darstellen, insbesondere für Investitionsausgaben, zeichnet sich am Horizont das Bild einer Aufhellung der Wachstumsaussichten und einer Wiederbelebung des Unternehmergeistes ab. Nach seiner Korrektur im Jahr 2018 bietet der ägyptische Aktienmarkt attraktives Wertpotenzial.

Höhepunkt Ihrer Reise war sicherlich das Treffen mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Wie haben Sie ihn erlebt?

Bou-Diab: Präsident al-Sisi bestand auf einer interaktiven Sitzung und machte einen entspannten Eindruck, während er auf die Fragen der Anleger einging, die vorher nicht abgesprochen waren. Wir trafen einen Präsidenten, der in Wirtschaftsfragen gut bewandert ist, Herausforderungen schonungslos und offen analysiert und einen pragmatischen Ansatz für deren Lösung verfolgt. Wirtschaftsreformen sind in seinen Augen unumgänglich und al-Sisi betonte, dass sie auch nach Ablauf des IWF-Programms in diesem Jahr fortgesetzt würden. In einem Land, in dem 60% der Bevölkerung unter 40 Jahre alt sind und demnächst jährlich über 800 000 junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, spielt der Privatsektor in seinen Augen zwangsläufig eine wichtige Rolle, die er nutzen sollte. Er wies auf die Bemühungen seiner Regierung bei der Schaffung eines förderlichen Investitionsumfeldes hin. Dazu zählen die Wiederherstellung von Sicherheit, die Modernisierung der Infrastruktur, eine höhere Verfügbarkeit von Devisen und die Durchsetzung legislativer Reformen für Chancengleichheit und den Schutz der Investoren. 

Sie hatten auch noch Treffen mit weiteren Regierungsmitgliedern. Worum ging es dabei?

Bou-Diab: Im Grossen und Ganzen fördert die ägyptische Regierung die vielen positiven Veränderungen innerhalb des Landes. Premierminister Mostafa Madbouly unterstrich die Entschlossenheit der Regierung, ihr Ziel eines integrativen und investitionsgestützten Wirtschaftswachstums zu erreichen. Dabei räumt er dem Privatsektor ungeachtet der globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten eine bedeutende Funktion als Entwicklungspartner ein. Finanzminister Mohamed Mait versicherte, dass eine Anhebung der Steuersätze zur Finanzierung des Haushaltsdefizits nicht vorgesehen sei, sondern stattdessen die Steuereintreibung verbessert werden soll, wozu er besonders auf die Abschlussergebnisse einer Studie von Ernst & Young zur Vereinfachung und Automatisierung von Steuerverfahren verwies.

Investitionsministerin Dr. Sahar Nasr bestätigte, dass die Stimulierung ausländischer Direktinvestitionen (FDI) im derzeitigen konjunkturellen Umfeld eine Herausforderung darstelle, hob jedoch hervor, dass sich bei FDI ein Wachstumstrend abzeichne und Ägypten wieder die grössten FDI-Zuflüsse in Afrika verzeichne. Die stellvertretende Gouverneurin der CBE erläuterte die positive makroökonomische Entwicklung des Landes seit der Abwertung des ägyptischen Pfund im Jahr 2016. Insbesondere wies sie darauf hin, dass das BIP-Wachstum nicht ausschliesslich durch Konsum, sondern auch durch Investitionen und Nettoexporte getrieben wird. Ein Ziel der CBE-Politik, allerdings auch ein deutlicher Bruch mit der Vergangenheit, sei zudem eine dauerhaft wettbewerbsfähige Währung, um Exportwachstum und Importsubstitution anzukurbeln.

Die Regierung hat in den letzten Jahren viele Reformen angestossen. Wo stehen diese heute?

Bou-Diab: Während die vorherige Regierung vor allem mit grossen Worten von sich reden machte, lässt die jetzige Regierung auf ihre Worte Taten folgen. So führte sie einige der schwierigsten Reformen in Ägypten durch, wie etwa die schrittweise Liberalisierung des Devisenverkehrs und den Abbau der teuren und ineffizienten Subventionen. Selbst das Projekt «New Administrative Capital», dem wir anfänglich skeptisch gegenüberstanden, befindet sich inzwischen im Bau. Wir messen Regierungsäusserungen daher mittlerweile ein höheres Gewicht als in der Vergangenheit bei.  

Ägypten hat ebenfalls ein bewegtes Jahr hinter sich, was die Aktienkurse betrifft. Wie wird sich das in diesem Jahr entwickeln? 

Bou-Diab: Die Entwicklung des ägyptischen Aktienmarktes 2018 erscheint uns eher ein Kollateralschaden der allgemeinen Marktkorrektur, die die Schwellenländer gebeutelt hat. Abgesehen von länger als erwartet hohen Zinsen beobachten wir eine solide Verbesserung der unternehmerischen und makroökonomischen Fundamentaldaten und eine Wachstumserholung bei gleichzeitig merklich niedrigeren Bewertungen infolge der Marktkorrektur. Das Land bietet ohne Zweifel interessante Anlagemöglichkeiten, aber die erzielte Performance wird wohl vom Tempo der Zinsnormalisierung und der globalen EM-Liquiditätslage abhängen.

Alles im grünen Bereich an den Aktienmärkten?

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Der in der letzten Woche noch positive Ausblick für europäische und Emerging Markets Anleihen drehte am Freitag auf neutral. Die Prognosen für US und globale Anleihen bleiben bei ihrem konstant stark positiven Signal.

Aktien: Die Stimmung ist schlechter als die Lage

Das Signal für die weltweite Aktien ist seit über 2 Wochen konstant „positiv“. Negative Nachrichten überschatten derzeit scheinbar die tastsächliche Situation. Das spiegelt auch das Signal für US Aktien wider, welches ebenfalls seit über 2 Wochen steigende Märkte indiziert. Die Entscheidung der amerikanischen
FED (Federal Reserve) im heurigen Jahr keine Zinserhöhung vorzunehmen und eventuell bereits im September den Abbau ihrer Bilanz zu beenden, wird sich ebenfalls positiv auf die Aktienmärkte auswirken. Die Signale für die Aktienmärkte Emerging Markets und Japan sind ebenfalls positiv und seit letzte Woche Dienstag drehte auch die Prognose für die europäischen Aktienmärkte von neutral auf steigend.

Rohstoffe/FX: Ausblick für Euro weiterhin negativ

Die positive Prognose für Energie schwächte sich Anfang letzter Woche ab hält nunmehr bei neutral. Die Prognose für den Euro ist unverändert bei „negativ“ und spiegelt die Unsicherheit des gegenwärtigen Brexit Dramas wider. Demzufolge passend, ist die positive Prognose für Edelmetalle durch einen Anstieg der Signalstärke nochmals bestätigt worden.

DAS IQ-FOXX BÖRSENWETTER
DAS IQ-FOXX BÖRSENWETTER

Das iQ-FOXX Börsenwetter basiert auf den täglich berechneten Prognose-Indizes von iQ-FOXX. Die Signale können zur Steuerung der Investitionsquote einzelner Märkte verwendet werden

Die Signale sind das Ergebnis von Prognosen die auf makroökonomischen, fundamentalen und technischen Inputfaktoren basieren. Aufgrund der technischen Komponenten kann sehr rasch auf etwaige Rückschläge in Form eines Risk-OFF Signals reagiert werden – und so Portfolios vor Verlusten schützen.

Die Signale von iQ-FOXX basieren auf einer seit 2006 unveränderten, proprietären Prognose-Methodologie. Ziel ist es, große Rückschläge möglichst zu vermeiden und an der Performance von Bullenmärkten weitgehend zu partizipieren. 350 regelbasierte Indizes stehen für alle wesentlichen Anlageklassen, Regionen und aktuelle Themen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit zur Verfügung. Diese Information ist ausschließlich an institutionelle Anleger gerichtet und nicht an Privatanleger. Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen und sind keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung.