Krise streckt ihre Fühler aus

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Bei den Frühindikatoren überraschten in
Deutschland sowohl die ZEW-Erwartungen (-13,7 versus -21,3) als auch die
ZEW-Lagebeurteilung (72,6 versus 72,1) positiv. Auch die Industrieproduktion in
der Eurozone entwickelte sich mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent gegenüber dem
Vorjahr besser als erwartet. Zudem wurde der finale Wert für das BIP-Wachstum im
2. Quartal auf 0,4 Prozent revidiert, womit ebenfalls die Erwartungen (0,3
Prozent) übertroffen wurden. In den USA zeigte sich dagegen ein gemischtes
Bild: So verzeichnete der Empire-State-Index mit einem Wert von 25 ebenso ein
überzeugendes Ergebnis wie der Zuwachs der Einzelhandelsumsätze gegenüber dem
Vormonat. Mit einem Anstieg von 0,5 Prozent konnten die Erwartungen von 0,1
Prozent hier deutlich übertroffen werden. Einen leichten Dämpfer gab es dagegen
bei der Industrieproduktion, die mit einem Anstieg von 0,1 Prozent den
Konsensus von 0,3 Prozent verfehlte. Zum Wochenabschluss enttäuschte dann die
Stimmung der US-Verbraucher, die sich mit einem Wert von 95,3 Punkten
überraschend eintrübte und die Erwartungen der Volkswirte, die mit einem
leichten Anstieg auf 98 gerechnet hatten, verfehlte. In China enttäuschten
wiederrum die Einzelhandelsumsätze sowie die Industrieproduktion. Trotz gewohnt
robuster Wachstumsraten von 8,8 bzw. 6,0 Prozent wurden die Markterwartungen
jeweils nicht erfüllt. Im Brexit-geplagten Großbritannien zeigte sich mit einem
Zuwachs von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei den Konsumentenpreisen ein
anhaltend hoher Wert. Die Einzelhandelsumsätze konnten mit einem Zuwachs von
0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat aber positiv überraschen.

Der
Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent verbilligte sich gegenüber der Vorwoche
deutlich und notierte auf einem Niveau von 71,83 US-Dollar je Barrel. Der
US-Dollar legte gegenüber dem Euro um 0,20 Prozent zu. Der japanische Yen
wertete mit einem Zuwachs von 0,44 Prozent ebenfalls auf.

In
diesem Marktumfeld entwickelten sich die Aktienmärkte mit Ausnahme der USA
negativ. Die größten Verluste mussten erwartungsgemäß die Schwellenländer
verkraften, gefolgt von Europa und Japan. Innerhalb Europas entwickelte sich
die Eurozone unterdurchschnittlich. Auf Sektorebene ergab sich folgendes Bild:
In Europa entwickelten sich die Sektoren Basiskonsum, Versorger und IT am
besten. Eine Underperformance zeigten die Segmente Energie, Rohstoffe und
Finanzwerte. In den USA gehörten Titel aus den Sektoren Telekom, Basiskonsum
und Versorger zu den Gewinnern, während Aktien aus den Bereichen Energie,
Rohstoffe und Zyklischer Konsum hinterherhinkten. Small Caps schnitten sowohl
in den USA als auch in Europa schlechter ab als Large Caps. Bei den
Investmentstilen schnitt in den USA „Value“ besser ab, während in Europa
„Growth“ outperformen konnte.

Im
Rentenbereich entwickelten sich Unternehmensanleihen mit
Investment-Grade-Rating und Euro-Staatsanleihen negativ. Anleihen mit kurzer
Duration schnitten dabei leicht besser ab. Hochzinsanleihen mussten wie Hart-
und Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern ebenfalls einen Wertrückgang
verkraften.

Mit Infrastruktur-Investments verdienen

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Wir neigen dazu, nur die absolute Höhe der Rendite zu betrachten, wenn wir aber das Rendite-Risiko-Verhältnis von Anleihen und Aktien vergleichen, bleiben Anleihen weiterhin attraktiv: Sie sind weniger volatil, weniger riskant und werfen langfristig eine konstante Rendite ab. Darüber hinaus sind bei einem Darlehensausfall Sicherungsrechte vorhanden. Die zu erzielende Rendite hängt vom Risiko ab, welches relativ niedrig ist. Diese Anlagen liefern – dank der Illiquiditätsprämie – im Vergleich zu Anleihen mit einem ähnlichen Rating aber immer noch eine zusätzliche Rendite zwischen 100 und 150 Basispunkten.

Warum die Zusammenarbeit mit Banken wichtig ist

Der Infrastrukturmarkt ist nach wie vor fest in der Hand von Banken. Sie stellen drei Viertel der Mittel zur Verfügung, während institutionelle Investoren wie Kreditfonds nur ein Viertel aufbringen. Um das Kapital unserer Investoren einzusetzen und die besten Gelegenheiten nutzen zu können, müssen wir bei der Kreditvergabe flexibel sein und mit Banken zusammenarbeiten. Es ist wichtig anzumerken, dass die involvierten Banken nicht zwangsläufig die gleichen Ziele wie institutionelle Investoren verfolgen. Banken akzeptieren meist Sondertilgungen, was nicht unbedingt im Interesse institutioneller Anleger liegt, die langfristig investieren und regelmäßige Cashflows erzielen wollen.

Würden wir uns jedoch ausschließlich auf Transaktionen beschränken, die für institutionelle Investoren oder Kreditfonds strukturiert sind, würden wir die meisten Marktchancen verpassen. Darüber hinaus sorgt der Zustrom von Liquidität durch institutionelle Investoren für ein hart umkämpftes Umfeld, in dem die Margen niedrig und die Konditionen schwierig sind. In dieser Situation ermöglicht uns der Zugang zu ursprünglich für Banken bestimmten strukturierten Geschäften ein attraktiveres Risiko-Rendite-Verhältnis.

Wir haben unsere Investitionsaktivitäten relativ zügig aufgenommen: Unser Team wurde vor einem Jahr gegründet, unser erstes Closing fand im Dezember statt, und wir brauchten etwa sechs Monate, um ein erstes Portfolio von sechs Projekten aufzubauen. Derzeit arbeiten wir an einem zweiten Closing.

Erneuerbare Energien gewinnen bei Infrastrukturprojekten an Bedeutung

Ein Drittel unseres Portfolios an Infrastrukturkrediten entstammen dem Bereich erneuerbare Energien. Dieser hohe Anteil resultiert aus unserem generellen Bestreben, ESG-Kriterien, die im Mittelpunkt unseres Managementansatzes stehen, bei der Auswahl unserer Investments zu berücksichtigen. BNPP AM setzt im gesamten Anlagemanagement eine dedizierte ESG-Strategie-Plattform ein. Vor der Anlageentscheidung beraten wir uns hinsichtlich der ESG-Kriterien mit unseren ESG-Analysten, die dabei sogar ein Vetorecht haben. Zusätzlich arbeiten wir zur Messung der Umwelt- und Klimaauswirkungen der Projekte auch mit einer unabhängigen Drittpartei zusammen. Unseren Investoren sind diese ESG-Aspekte sehr wichtig, da sie verpflichtet sind, für ihre Anlagen ein ESG-Reporting zu erstellen und selbst daran arbeiten, diesen Ansatz in ihrem Management einzuführen. Darüber hinaus überprüfen wir unsere Investitionen jährlich anhand der ESG-Kriterien.

Brownfield- oder Greenfield-Anlagen?

Bei Infrastrukturkrediten gibt es keine J-Kurve. Trotzdem haben Investoren wegen der Bauprojekten innewohnenden Risiken weniger Interesse an Greenfield- als an Brownfield-Anlagen. Dies funktioniert gut: Die meisten Transaktionen konzentrieren sich mittlerweile auf Brownfield-Infrastrukturen, da die Projektinvestoren von der Liquidität des Marktes, den niedrigen Zinsen und den dadurch niedrigen Refinanzierungskosten ihrer Projekte profitieren.

Zudem gab es zuletzt viele Finanzierungen von Infrastrukturübernahmen, in einem Marktumfeld, das in Europa ohnehin von zahlreichen Fusionen und Übernahmen geprägt war. Darüber hinaus ermutigen wir Investoren, generell keine Angst vor Greenfield-Projekten zu haben. Wenn sie effizient strukturiert sind, funktionieren diese Projekte sehr gut. Dafür ist es wichtig, schon bei der Strukturierung alle möglichen Risiken wie zum Beispiel Bauverzögerungen zu analysieren und vertraglich auf andere, in diesem Fall den Bauträger, zu übertragen. Darüber hinaus muss die Finanzstruktur in der Lage sein, jedes nachteilige Szenario zu „absorbieren“. Unser Fonds investiert innerhalb bestimmter Grenzen sowohl in Brownfield- als auch in Greenfield-Anlagen.

Sollten institutionelle Anleger angesichts der Komplexität dieses Marktes über internes Know-how verfügen oder können sie sich auf Managementgesellschaften verlassen?

Die Expertise intern vorzuhalten, ist personell und organisatorisch relativ aufwendig, da die Risikoanalyse dieser Art von Anlagen nicht standardisiert ist. Darüber hinaus ist ein Middle-/Back-Office erforderlich, das in der Lage ist, die mit dieser Art von illiquiden Vermögenswerten verbundenen spezifischen Besonderheiten, wie die Übertragung von Forderungen und zugehörigen Sicherheiten oder Inanspruchnahmen, zu verwalten (die Investitionen werden teilweise in mehreren aufeinanderfolgenden Tranchen getätigt).

Darüber hinaus erfordert die erfolgreiche Strukturierung von speziellen, an die Bedürfnisse oder Restriktionen der Anleger angepassten Fonds oder Strukturen Zeit und erhebliche interne Expertise.

Zusätzlich zu den Kosten der Bereitstellung von internem Management-Know-how muss ausreichend Kapital eingesetzt werden, um eine zufriedenstellende Granularität im Portfolio zu erreichen. Die Bündelung von Positionen mittels eines Fonds bleibt eine attraktive Möglichkeit, das Portfolio kostengünstiger zu diversifizieren.

Vorsicht bei US-Tech-Aktien

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Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft:
Mehr als zwei Drittel der 500 größten börsennotierten Unternehmen haben im
zweiten Quartal 2018 mehr verdient, als Analysten erwartet hatten, insgesamt
sind die Quartalsgewinne im Vergleich zum Vorjahr um gut 20 Prozent
angestiegen. „Die Fundamentaldaten der US-Unternehmen zeigen sich zwar in
solider Verfassung“, konstatiert Daniel White, Fondsmanager des M&G
North American Value Fund
(Foto). „Aber es kommen allmählich Sorgen auf:
Die Finanzierungskosten steigen, die Inflation zieht an, und die Gefahr eines
globalen Handelskrieges ist immer noch nicht vom Tisch.“ Alarmierend sei zudem,
dass mit Netflix, Twitter und Facebook gleich drei große US-Tech-Namen ihre
Gewinnziele verfehlt haben. Der massive Kurssturz der Facebook-Aktie Ende Juli
löste eine Massenflucht der Anleger aus dem Tech-Sektor aus. „Das hat wieder
einmal gezeigt, wie riskant es ist, nur auf einige wenige große Markennamen zu
setzen“, so der Fondsmanager.

Daniel White, M&G
Daniel White, M&G

Foto: Daniel White

Dabei haben Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google lange den US-Aktienmarkt dominiert. Zusammen liegt ihr Börsenwert bei 4,1 Billionen US-Dollar – weit mehr als die untere Hälfte der S&P 500-Unternehmen insgesamt aufbringt. Die US-Aktiengewinne dieses Jahres gehen fast ausschließlich auf die Rallye dieser fünf Titel zurück, deren Risiko und Liquidität somit stark konzentriert sind. „Aber seit dem Facebook-Sturz ist die Sorge wieder da, dass wir eine Wiederholung des dot.com-Desasters aus den Neunzigern erleben könnten. Die Sichtweise der Anleger hat sich rasant gedreht“, sagt Daniel White.

Das beflügelt Value-Investoren. Denn interessant sei, sagt White, dass die Facebook-Aktien nicht aufgrund eines Datenschutzskandals abgestoßen wurden, sondern wegen der schlechten Aussichten für Wachstum, Nutzerzahlen und Gewinnmargen: „Hohe Wachstumsraten lassen sich nicht unendlich fortschreiben, und hohe Bewertungen machen Unternehmen verwundbar.“ Aufgrund der Schwäche der US-Technologieaktien lagen Value-Titel in den letzten Wochen an der Börse klar vorn. Dieser Wechsel zu Substanzwerten könnte anhalten. Denn die Bewertungen von Wachstumstiteln sind in den USA zurzeit extrem hoch – der Abstand zu Value-Aktien war seit 2006 nicht mehr so groß. Auch die wieder anziehende Geldpolitik mit auslaufenden Quantitative-Easing-Programmen und steigenden Zinsen ist gut für solide Unternehmen, solange die Konjunktur läuft.

Die Angst vor einer neuen dot.com-Blase dürfte jedoch übertrieben sein, glaubt White. „Der aktuelle Technologie-Boom ist anders als vor zwanzig Jahren. Wir sehen heute große Unternehmen mit stabilen Erträgen und überwiegend soliden Geschäftsmodellen.“ Allmählich trenne sich aber die Spreu vom Weizen – Microsoft habe zum Beispiel weiter sehr gute Ergebnisse gemeldet. „Anleger sollten nicht blind dem Momentum und der Masse folgen – am Ende sind Fundamentaldaten für die Aktie eben doch wichtiger als die neuesten Schlagzeilen.

Wenn ein Aktienteam nach Indien reist…

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Im Rahmen einer Reise durch Indien, Sri Lanka und den Nahen Osten machte das Team kürzlich auch Station in Mumbai, der laut den Vereinten Nationen nach Neu-Delhi zweitgrößten Stadt Indiens. Die Metropole hat sich zu einem wichtigen Finanzplatz des Landes entwickelt und war Gastgeber einer von der indischen Bank Kotak Mahindra veranstalteten Konferenz. Das Geldhaus wurde 1985 als Finanzgesellschaft gegründet und 2003 in eine Bank umgewandelt. Seit ihrer Gründung wird sie vom namensgebenden Uday Kotak geführt.

Vertrauen ist von zentraler Bedeutung

In einer Rede zur Begrüßung der Konferenzteilnehmer sprach der Bankchef über die Entwicklung der Investmentfondsbranche. Dabei betonte er, wie wichtig es sei, dass Finanzdienstleister das Vertrauen der Menschen gewinnen, von denen viele zum ersten Mal ihr Geld an den Märkten anlegen. Für uns als Anleger im Bankensektor ist Vertrauen von zentraler Bedeutung beim Versuch, die Finanzdienstleistungsbranche zu verstehen. Denn über viele Jahre aufgebautes Vertrauen kann im Nu zerstört werden, wie die Industrieländer 2008 feststellen mussten.

Eine Regulierung der Branche ist zwar nötig, um die „animalischen Instinkte“ im Zaum zu halten. Aber gesetzliche Regelungen für alle Eventualitäten sind wohl ein Ding der Unmöglichkeit. In einem Wirtschaftszweig, in dem erhebliche Summen dafür gezahlt werden, neue Finanzprodukte aus dem Nichts zu zaubern, hinken die Regulierer den jüngsten Innovationen immer einen Schritt hinterher.

In vielen Industriezweigen sind Innovationen unseres Erachtens der Schlüssel zum Erfolg. Aber bei Finanzprodukten machen sie uns tendenziell nervös. In diesem Bereich haben sich die von den Kunden benötigten Kerndienstleistungen seit dem Aufkommen des modernen Bankwesens in Italien im zwölften Jahrhundert nicht wesentlich verändert. Der Siegeszug von Computern hat jedoch dazu geführt, dass allein die Fantasie der Nutzer und die Toleranz von Compliance-Abteilungen der Schaffung neuer Finanzprodukte Grenzen setzen. Das erklärt auch, warum es inzwischen weltweit mehr Indizes als Aktien gibt, die sie vermeintlich repräsentieren.

Warum kompliziert, wenn‘s auch einfach geht 

Ganz anders ist der von der Housing Development Finance Corporation (HDFC) verfolgte Ansatz. Der indische Finanzkonzern wurde 1977 gegründet und leistete Pionierarbeit in der Wohnungsbaufinanzierung im Land. Auf unsere Frage, was sich mit dem Aufkommen von Computern an der Art und Weise, wie sie Kredite gewähren, geändert habe, bekamen wir die beruhigende Antwort: „Nichts.“ Das Kreditgeschäft ist an sich nicht weiter schwierig: Allein kurzfristige Anreize, um mit Wettbewerbern Schritt zu halten, sorgen immer wieder für Auf- und Abschwungphasen. HDFC ist komplexer geworden, aber sein konservativer Ansatz in der Kreditvergabe ist gleich geblieben.

Ein weiteres gutes Beispiel für diese Art von Mentalität liefert die City Union Bank in Tamil Nadu, die 1904 gegründet wurde. Ungewöhnlich an dieser Bank ist, dass sie seit drei Generationen von Mitgliedern derselben Familie geführt wird, die jedoch nicht Eigentümerin der Bank ist. Bei unserem Treffen mit Entscheidern von City Union listeten diese vieles auf, was die Bank nicht gemacht hat – eine ganz andere Erfahrung als bei Treffen mit anderen Finanzdienstleistern, bei denen das rasante Wachstum des Unternehmens das einzige Thema war.

Geben Politiker auch gute Banker ab? 

banknoten
banknoten

Quelle: iStock

Anders als in vielen anderen Teilen der Welt hat Indien seit der Liberalisierung seiner Bankengesetze in den 1990er Jahren keine veritable Bankenkrise mit einem Sturm auf die Geldhäuser erlebt. Zum Teil hat dies wohl mit dem Fehlen eines Insolvenzgesetzes zu tun, weshalb man die Probleme über Jahre vor sich herschob. Die jüngsten Bestrebungen zur Einführung eines Konkursverfahrens zwingen viele Banken nun, die ungelösten Probleme der Vergangenheit anzugehen. Bewusst haben wir uns gegen ein Engagement bei staatlichen Banken entschieden. Denn immer wieder mussten wir feststellen, dass Politiker eigene Ziele verfolgen, die nicht zwingend zu vernünftigen Kreditentscheidungen führen. Deshalb ächzen die Staatsbanken in Indien heute unter einem überproportional hohen Anteil an faulen Krediten.

Von einigen Veränderungen unter Indiens Premierminister Narendra Modi hat der Bankensektor enorm profitiert. Mit den Bestimmungen zur finanziellen Inklusion wurde ein Teil der informellen Wirtschaft aus ihrem Schattendasein geholt. Die meisten Unternehmen, die wir auf unserer Reise trafen, erwähnten die Demonetisierung, mit der die Regierung große Geldscheine ohne lange Vorwarnung wertlos stellte, um den bargeldlosen Zahlungsverkehr über Banken zu fördern.

Zusammen mit fallenden Zinsen sorgten die wachsenden Ersparnisse im Land für ein rasantes Wachstum bei Investmentfonds. Dies hat einer Rally Vorschub geleistet, die bedauerlicherweise viele von uns favorisierte Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt zu teuer werden lässt, da wir davon ausgehen, dass die künftigen Renditen unter unseren Vorgaben für dieses Portfolio liegen werden. 

Indische Konsumgüterwerte sind zu teuer

Als Team mögen wir tendenziell Verbrauchsgüterunternehmen, die Dinge verkaufen, die die Menschen täglich brauchen oder benutzen, wie Shampoo, Zahnpasta, Haaröl oder Brot. Diese Unternehmen verfügen über echte Preissetzungsmacht, was nichts anderes bedeutet, als dass ein Produkt seinen Preis trotz Inflation behaupten kann. In Indien nagt die Inflation häufig an den Renditen, die wir uns als Aktionäre erhoffen. Wir tun uns jedoch schwer, den Preis zu bezahlen, den der Markt für diese Unternehmen verlangt. Denn der preist aus unserer Sicht perfekte Ergebnisse in einem nicht perfekten Umfeld ein. Wir haben stattdessen attraktiver bewertete Alternativen in Afrika gefunden, insbesondere in Südafrika und Nigeria. 

Disruption durch das Internet

Eine Bedrohung, der sich alle unsere Konsumgüterfirmen gegenübersehen, ist die rasante Verbreitung des Internets. Viel wurde darüber diskutiert, ob die mit ihm verbundene unbegrenzte Verkaufsfläche die Vormachtstellung etablierter Marken bedroht. Auch in Indien ist der E-Commerce auf dem Vormarsch. Und angesichts der fehlenden Durchdringung des formellen Einzelhandels ist es durchaus möglich, dass sich die großen Supermärkte, die in den entwickelten Märkten überall anzutreffen sind, auf dem indischen Subkontinent nicht in der gleichen Weise entwickeln werden. Hindustan Unilever beispielsweise nutzt sein starkes Vertriebsnetz, um die Kirana-Läden, also kleine unabhängige Geschäfte, online zu bringen und so einen Vertriebskanal zu schaffen, der die Geschäftsmodelle der etablierten Anbieter auf den Kopf stellen könnte.

Damit etablierte Unternehmen die Möglichkeiten der digitalen Vertriebskanäle nutzen können, müssen sie erhebliche Änderungen an ihren IT-Plattformen vornehmen, die ursprünglich nicht für diesen Zweck gedacht waren. Die dazu erforderlichen Dienstleistungen bieten IT-Unternehmen wie Tata Consultancy Services (TCS), Cognizant und Infosys. Sie erfüllen damit eine ähnliche Aufgabe wie die Unternehmen, die zu Zeiten des Goldrauschs in Kalifornien in den 1850er Jahren Goldgräber mit Spitzhacken und Schaufeln versorgten. Bei vielen Geschäftsmodellen sind wir skeptisch, ob sie Renditen erwirtschaften werden. Aber diejenigen, die ihnen die dazu benötigten Werkzeuge zur Verfügung stellen, können auf jeden Fall florieren. 

Governance, übereinstimmende Interessenlage und Handelsdisziplin

Unsere Reise hat uns einmal mehr die Bedeutung einer Philosophie vor Auge geführt, die auf Unternehmen mit starker Corporate Governance und Eigentümern setzt, deren Interessen mit den unsrigen als Minderheitsaktionär übereinstimmen. Zweifellos wird es wieder Zeiten geben, in denen sich die Weisheit der Herde im Nachhinein als gar nicht so weise herausstellt. Und genau deshalb ist eine solche Anlagephilosophie aus unserer Sicht so wichtig. Es gibt zwei sichere Arten, Geld zu verlieren: Aktien schlechter Unternehmen zu kaufen oder für ein gutes Unternehmen einen zu hohen Preis zu zahlen. Fehler dieser Art macht man in Zeiten mit überschäumendem Optimismus schneller. Wir glauben, dass es in Indien eine Fülle guter Anlagemöglichkeiten gibt. Der Weg zum Anlageerfolg führt jedoch über Höhen und Tiefen. Letztere eröffnen dem geduldigen Anleger Chancen für Käufe, wenn andere weniger optimistisch in die Zukunft blicken.

Anlagechancen in Real Estate

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Um CRE-Debt zu managen, braucht man Erfahrung und besondere Kompetenz. Deshalb ist es für viele Investoren sinnvoller, über einen Assetmanager anzulegen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: CRE-Debt bietet stabile laufende Erträge durch lange Laufzeiten, eine attraktives Risiko-Ertrags-Profil und Diversifikation. Für institutionelle Investoren ist die Assetklasse auch mit Blick auf die geforderten Eigenkapitalquoten unter Solvency II interessant.

Gute Aussichten

Mit 9% ist der europäische Markt für Geschäftsimmobilieninvestments 2017 so stark gewachsen wie noch nie, auf 259 Mrd. Euro Volumen. In einigen Ländern war das Wachstum sogar noch stärker, beispielsweise in den Niederlanden (plus 63% zum Vorjahr) oder Italien (plus 24%).  Die einzelnen Segmente wuchsen unterschiedlich stark: Anlagen in Büroimmobilien um 4,4% zum Vorjahr auf ein Rekordvolumen von 114,5 Mrd. Euro, Logistik- und Hotelimmobilien um 67% und 17,5%.

Volkswirte erwarten in diesem Jahr für Westeuropa ein überdurchschnittliches BIP-Wachstum von 1,9%. In einigen Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden soll es sogar noch erheblich höher ausfallen. Zugleich hält sich die Inflation in Grenzen, sodass das Risiko stark steigender Zinsen im Euroraum in nächster Zeit recht gering ist.  Auch die Heraufstufung des Länderratings von Spanien spricht für einen guten Ausblick. Alles in allem dürfte das Umfeld für viel Aktivität am Markt für Geschäftsimmobilienanlagen günstig sein.

Chancen am wachstumsstarken Markt für CRE-Debt

In den letzten Jahren hat sich Private Debt von einer Marktnische zu einer wichtigen Assetklasse entwickelt. Weil in den letzten fünf Jahren einige große Fremdkapitalfonds aufgelegt wurden, dürfte sich daran nichts ändern, zumal Fondsmanager Plattformen entwickeln wollen, um davon zu profitieren, dass die Hypothekenkreditvergabe der Banken Einschränkungen unterliegt.

Viele Investoren haben den Sektor noch nicht entdeckt, aber das Interesse an CRE-Debt steigt. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Interessenten in den nächsten Monaten zunimmt.

Ein Beispiel für die Nutzung von CRE-Debt ist die Renovierung eines Bürogebäudes gegen eine Mehrheitsbeteiligung an dem Objekt, verbunden mit einer guten Verhandlungsposition an einem transparenten Markt. Möglich ist auch die Finanzierung von Kinoobjekten für eine große Kinokette, die gute Sicherheiten und Diversifikation in einem Nischenmarkt bietet.

Marktrückblick

Abbildung 1: Typische Bedingungen für erstrangige Büroimmobilienkredite in europäischen Ländern

Bedingungen Immo-kredite
Bedingungen Immo-kredite

Quelle: CBRE; 2018


Lassen Sie den Manager über die Portfolioeigenschaften entscheiden

Wir halten in diesem Segment einen Buy-and-Hold-Ansatz für sinnvoll. Für Immobilienanlagen muss man interessante Objekte finden können, beispielsweise durch einen besonders guten Kontakt zu Immobilienabteilungen von Banken und Beziehungen zu Originatoren und Sponsoren.  Weil man zur Diversifikation in unterschiedliche Objektarten aus unterschiedlichen Regionen, Branchen sowie in verschiedene Wertpapierarten investieren sollte, ist es sinnvoll, diese Aufgabe einem Spezialisten zu übertragen.

Die Berücksichtigung nicht-finanzieller Kriterien ist heute ein Muss bei der Portfoliokonstruktion (bei BNP Paribas Asset Management [1] ist sie ein besonders wichtiger Aspekt). Deshalb meinen wir, dass man dafür Experten braucht, für die die Integration ökologischer, sozialer und governancebezogener Faktoren (ESG-Faktoren) in ihren Investmentprozess eine Selbstverständlichkeit ist.

In diesem Fall werden bei jedem Objekt die ESG-Richtlinien und Managementsysteme der Sponsoren oder Eigentümers sowie die ESG-Performance untersucht.

Beispiele für wichtige Performanceindikatoren der Objekte sind die Auswirkungen auf die Artenvielfalt, Treibhausgasemissionen oder die Energieeffizienz. Aus sozialer Sicht können Beratungen mit den betroffenen Gemeinden oder die Verbesserung der Sozialstruktur dazu gehören.

Wir bei BNP Paribas Asset Management arbeiten außerdem mit externen Experten zusammen, um unsere Objekte auf Umwelt- und Klimafolgen zu untersuchen. Dabei betrachten wir beispielsweise Kennzahlen wie die Emissionen, die durch den Betrieb, die Instandhaltung und Nutzung eines Objekts entstehen, die durch die Renovierung eines Gebäudes vermiedenen Emissionen, den Betrag zur Erreichung des 2-Grad-Ziels auf Grundlage eines Dekarbonisierungsansatzes und den Beitrag des Projekts zur Energiewende und zum Umweltschutz.

Wir meinen, dass wir durch die Kombination unterschiedlicher Kriterien, Performanceindikatoren und Kennzahlen bei der Objektauswahl Investoren CRE-Debt-Portfolios bieten können, die ihre und unsere Anforderungen an Cashflows, Risiko-Ertrags-Profile, Kreditqualität und ESG-Standards erfüllen.

*Dieser Beitrag erschien erstmals am 31. Juli 2018 im “The Intelligence Report”


[1] Infrastructure Debt ist Teil der Private-Debt- und Immobilienplattform von BNP Paribas Asset Management (BNPP AM). Hier managen über 50 Investmentexperten 7,7 Mrd. Euro Vermögen (Stand Ende März 2018).

Streikende drückt Kupferpreis

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Kupfer fällt, nachdem die Streiks in
Escondida (der größten Mine der Welt) vorerst abgewendet wurden. Zusätzlicher
Gegenwind durch einen aufkeimenden Handelskrieg und die Aufwertung des
US-Dollars haben das Metall belastet. Allerdings ist dies noch nicht das Ende
der Krise. Die Gewerkschaft muss sich noch auf den Vorschlag von BHP Billiton
(dem größten Betreiber von Escondida) einigen.

Wir haben bereits früher darüber geprochen, dass die Angebotsunterbrechung durch denHandelskrieg den Schaden für die Nachfrage aufwiegen wird. Daher glauben wir,
dass es zu einer Kurskorrektur nach oben kommen könnte. Der US-Dollar dürfte
weiterhin stark bleiben, da die geopolitischen Risiken die Nachfrage nach dem
Dollar aufrechterhalten; sollten diese geopolitischen Risiken jedoch nachlassen,
könnte der US-Dollar nachgeben. 

Extremismus in den USA, Krisenherde in Europa

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Das
Meinungsforschungsinstitut PEW Research Center analysiert regelmäßig die
ideologischen Neigungen von Wählern der Demokraten und der Republikaner. Noch
1994 und 2004 war der durchschnittliche Wähler der Demokraten nur moderat
sozialdemokratisch, und der durchschnittliche Wähler der Republikaner nur
moderat konservativ. Darüber hinaus gab es eine große ideologische Überschneidung
zwischen beiden Wählergruppen mit einer starken Mitte. 2017 zeigte sich ein
anderes Bild: Die Extreme waren deutlich stärker ausgeprägt, die Mitte hingegen
war ausgedünnt.

USA:
Politisch gespaltene Nation
 

Metzer Nation
Metzer Nation

Quelle: PEW Research
Center: Verteilung der Wähler von Demokranten und Republikanern basierend auf
zehn Fragen zur politischen Haltung

Gäbe es in den USA ein Verhältniswahlrecht, könnte
eine Partei der Mitte entstehen, die dann für eine Regierungsbildung benötigt
würde –  diese Partei hätte einen mäßigenden Einfluss auf die Regierung.
In den USA besteht jedoch das Mehrheitswahlrecht, sodass bei den derzeitigen
ideologischen Präferenzen der Wähler entweder ein sehr linker Demokrat oder ein
sehr konservativer Republikaner einen Wahlkreis oder die Präsidentschaft
gewinnt. Solange sich an den Präferenzen der Wähler nichts ändert, wird mit
jeder Wahl die Zahl der Verfechter extremer politischer Haltungen in
politischen Ämtern und deren Einfluss steigen. Die Wahl Donald Trumps zum
US-Präsidenten ist somit „kein Ausrutscher“ – bei den nächsten
US-Präsidentschaftswahlen dürfte erneut ein sehr linker oder ein sehr
konservativer Kandidat gewinnen. Vielleicht würde ein möglicher künftiger
US-Präsident der Demokraten sogar einen noch aggressiveren Handelskrieg führen?

USA:
Fiskalischer Stimulus bis ins erste Halbjahr 2019 eine nennenswerte
Wachstumsstütze Auswirkung der Fiskalpolitik auf das Wachstum des realen BIP,
in Prozent-Punkten

Metzler stimulus
Metzler stimulus

Quelle: Goldman Sachs; US
Department of Commerce, Treasury

Auch eine lockere Fiskalpolitik ist oft ein Kennzeichen
einer sehr linken oder rechten Politik. Die Steuersenkung von Jahresanfang und
die höheren Staatsausgaben werden zweifellos positiv zum Wachstum beitragen.
Schätzungen zufolge wird der Wachstumsbeitrag bei etwa 1,0 %-Punkt des BIP im
dritten und vierten Quartal 2018 liegen, im ersten Halbjahr 2019 noch bei etwas
über 0,5 %-Punkten. Erst ab dem zweiten Halbjahr 2019 dürfte der
Wachstumsbeitrag merklich abnehmen und 2020 sogar moderat negativ werden. Eine
Rezession in den USA ist somit bis Ende 2019 sehr unwahrscheinlich.
Dementsprechend dürften die Konjunkturdaten wie die Einkaufsmanagerindizes
(Donnerstag) und die Auftragseingänge (Freitag) ein anhaltend dynamisches
Wachstum signalisieren. Die Verfassung des Wohnimmobilienmarktes ist dabei ein
wichtiger Frühindikator für die Zeit nach dem fiskalischen Stimulus: Verkäufe
bestehender Wohnimmobilien (Mittwoch) und Neubauverkäufe (Donnerstag). Sollten
bis 2020 die Immobilienpreise und die Immobiliennachfrage anhaltend zulegen,
könnte die US-Wirtschaft auch moderat wachsen, wenn der fiskalische Stimulus
wegfiele, ohne in eine Rezession abzugleiten.

Türkei: Währungskrise und
die Folgen für die Eurozone

Die Türkei erlebt derzeit eine typische
Zahlungsbilanzkrise. Seit 2010 verzeichnete die türkische Wirtschaft ein sehr
hohes nominales Wachstum von durchschnittlich etwa 15,5 % pro Jahr, das sich
aufteilt in ein reales Wachstum von durchschnittlich knapp 7 % und eine
Inflation von durchschnittlich etwa 8,5 % pro Jahr. Angetrieben wurde das
Wachstum durch eine großzügige Kreditvergabe; entsprechend beschleunigte sich
die Wachstumsrate der Verschuldung des Staates, der Unternehmen und privaten
Haushalte auf durchschnittlich knapp 18 % jährlich. Das hohe inländische
Wachstum der Nachfrage konnte nicht allein durch die inländische Produktion
befriedigt werden, sodass die Türkei in großem Umfang auf ausländische Importe
angewiesen war. So kämpft die Türkei mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit von
durchschnittlich 5,6 % des BIP seit 2010, das sich im ersten Quartal 2018 sogar
auf 7,1 % des BIP verschlechterte. Offensichtlich waren ausländische Investoren
lange Zeit bereit, die notwendige Finanzierung der Importe bereitzustellen. Die
Schulden in Fremdwährungen explodierten von etwa 150 Mrd. USD im ersten Quartal
2005 auf zuletzt 467 Mrd. USD.  

Eine steigende Verschuldung und ein hohes
Leistungsbilanzdefizit sind über viele Jahre hinweg in einer Volkswirtschaft
möglich, ohne eine Krise auszulösen. Der entscheidende Faktor ist die
Finanzierungsbereitschaft ausländischer Investoren, die sehr eng mit der
Geldpolitik der US-Notenbank verbunden ist. Der US-Dollar ist die
Weltreservewährung, und der weitaus größte Teil der Verschuldung in
Fremdwährung lautet in US-Dollar.

In Phasen einer lockeren US-Geldpolitik suchen Anleger
oft Renditechancen außerhalb der USA und sind oft zu einer großzügigen
Finanzierung bereit. In Phasen steigender US-Zinsen fließen weniger US-Dollars
ins Ausland, und Schuldner mit einem hohen Finanzierungsbedarf kommen oft in
Schwierigkeiten. Bei einem Leistungsbilanzdefizit von mehr als 7 % des BIP
braucht die Türkei einen jährlich Zufluss an ausländischem Kapital von etwa 60
Mrd. USD. Ein Auslöser wie der eskalierende Streit mit den USA genügt – und
plötzlich fließt weniger Kapital ins Land. Die Folge ist eine Währungskrise, da
sich die Türkei plötzlich weniger Importe leisten kann als zuvor.

Wenn die Türkei keine neuen ausländischen
Investoren findet, die bereit sind, jährlich mehrere Milliarden US-Dollar in
das Land zu investieren, muss die Türkei nunmehr ihre Abhängigkeit von Importen
und einer Finanzierung aus dem Ausland reduzieren. Die inländische Nachfrage
lässt sich jedoch nur mithilfe aggressiver Leitzinserhöhungen und staatlicher
Sparmaßnahmen reduzieren, was eine Rezession verursachen dürfte. Je länger die
Türkei mit den schmerzhaften Anpassungen wartet, desto größer das Risiko einer
stark steigenden Inflation.

Natürlich könnte die Türkei auch
Kapitalverkehrskontrollen mit dem Ziel einführen, die Auslandsschulden einfach
nicht mehr zu bedienen. In diesem Fall würde allerdings das
Leistungsbilanzdefizit von 7 % des BIP sofort auf 0 % des BIP fallen und damit
das türkische BIP um 7 % reduzieren.

Insgesamt  wird die voraussichtliche Rezession
in der Türkei auch das Wachstum in der Eurozone belasten. Wir haben daher
unsere Wachstumsprognose für 2018
und 2019 jeweils um 0,1 %-Punkte reduziert.
Dementsprechend droht auch ein weiterer Rückgang der Einkaufsmanagerindizes
(Donnerstag) im August. Das Verbrauchervertrauen (Donnerstag) dürfte dagegen
nicht davon betroffen sein und anhaltend auf hohem Niveau bleiben.  

Japan: Inflation im Fokus

Im Juni beschleunigte sich das Wachstum der Löhne
auf 3,6 % – den höchsten Wert seit Januar 1997. Höhere Löhne könnten zunehmend
zu einem Abstieg der Inflationsraten (Freitag) beitragen und für
Inflationsüberraschungen in Japan sorgen. Die Unternehmen werden jedoch nur
vorsichtig die Preise anheben, sodass es noch einige Zeit dauern könnte, bis
die steigenden Lohnkosten in den Inflationsdaten sichtbar werden.

Über die möglichen
positiven wirtschaftlichen Folgen einer Alterung der Gesellschaft

Der langfristige Wachstumstrend einer
Volkswirtschaft wird von zwei Faktoren bestimmt: Bevölkerungs- und
Produktivitätswachstum. Seit 1991 wuchs die deutsche Wirtschaft beispielsweise
um durchschnittlich 1,4 % pro Jahr, wobei das Bevölkerungswachstum
durchschnittlich mit 0,1 % pro Jahr zum Wirtschaftswachstum beitrug, das
Produktivitätswachstum mit 1,3 %.

In den kommenden Jahren wird der Beitrag des
Bevölkerungswachstums aufgrund der Alterung der Gesellschaft zunehmend negativ
werden und damit zu einem langfristig niedrigen Wachstumstrend der deutschen
Wirtschaft beitragen. Die internationale Arbeitsagentur prognostiziert einen
Rückgang der Erwerbsbevölkerung von durchschnittlich etwa 0,4 % pro Jahr in den
kommenden zehn Jahren. Bei einem gleichbleibenden Produktivitätswachstum von
1,3 % pro Jahr würde somit der Wachstumstrend der deutschen Volkswirtschaft auf
nur noch 0,9 % sinken.

Es gibt Überlegungen, dass infolge einer Alterung
der Gesellschaft auch das Produktivitätswachstum sinken könne, da eine ältere
Bevölkerung die Risiken neuer Technologien höher gewichte als deren Chancen.
Glücklicherweise zeigen die Daten ein anderes Bild. In den Ländern, in denen
die ältere Bevölkerung in Relation zur jüngeren zunimmt, wurde eine
Beschleunigung des Produktivitätswachstums zwischen 1990 und 2015 festgestellt.

Eine
Zunahme der älteren Bevölkerung geht mit einem höheren Produktivitätswachstum
einher Zeitraum von 1990 bis 2015

Metzler Zunahme
Metzler Zunahme

Quelle: Daron Acemoglu und
Pascual Restrepo (2017): SECULAR STAGNATION? THE EFFECT OF AGING ON ECONOMIC
GROWTH IN THE AGE OF AUTOMATION. http://www.nber.org/papers/w23077

Eine plausible Erklärung dafür ist, dass sich die
Unternehmen dazu gezwungen sahen, die ausbleibenden jungen Arbeitskräfte durch
Roboter und andere Technologien zu ersetzen. So zeigt die folgende Grafik, dass
in Ländern mit einer stark alternden Bevölkerung der Einsatz von Robotern
deutlich gestiegen ist.

Alternde
Gesellschaften investieren verstärkt in neue Technologien wie den Einsatz von
Robotern

metzler Gesellshcaft
metzler Gesellshcaft

Quelle: Daron Acemoglu und
Pascual Restrepo (2017): SECULAR STAGNATION? THE EFFECT OF AGING ON ECONOMIC
GROWTH IN THE AGE OF AUTOMATION, http://www.nber.org/papers/w23077

Somit bestehen gute Chancen für Deutschland, dass
das Produktivitätswachstum in den kommenden zehn Jahren sogar steigt und das
Wachstum möglicherweise nur geringfügig sinkt.

Maßgeblich dafür ist jedoch ein positives
Investitionsklima. Die neue digitale Welt stellt nämlich hohe Anforderungen an
die Finanzierung und an staatliche Unterstützung. Viele Investitionen in neue
Technologien sind so unternehmensspezifisch, dass sie nicht als Sicherheit für
Kredite hinterlegt werden können. Die Eigenkapitalfinanzierung muss daher eine
deutlich größere Rolle spielen als bisher – vielleicht auch mit staatlicher
Unterstützung. Darüber hinaus sind eine moderne Infrastruktur und gut
ausgebildete Arbeitskräfte eine notwendige Voraussetzung für hohes
Produktivitätswachstum. Auch zeigen Studien, dass ein hohes Niveau an staatlich
finanzierter Grundlagenforschung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein
kann.

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk

Chefvolkswirt Metzler Asset Management

Weizenpreis auf Rekordkurs

Schlagworte: ,

Weizen war in diesem Jahr mit einem Plus von 32,8
% bis zum 9. August 2018 das bislang erfolgreichste Rohstoffprodukt. Der
Aufwärtstrend wurde durch ungünstige Witterungsbedingungen in bedeutenden
Weizenanbaugebieten unterstützt. In den USA, Europa und Australien herrschen in
den letzten Monaten immer trockenere und wärmere Bedingungen für die
Weizenernte. Nach der Einstufung als Absatzmarkt mit ausreichendem Angebot
haben sich die Aussichten für die Weizenmärkte in diesem Jahr dramatisch
gewandelt. Die weltweite Weizenproduktion wird voraussichtlich zum ersten Mal
seit sechs Jahren zurückgehen. Was im Jahr 2018 als Sorge um die
US-Winterweizenproduktion begann, entwickelte sich aufgrund der außergewöhnlich
warmen Witterung zu einer tieferen Sorge um die Produktion aus der EU, Russland
und Australien. In den jüngsten Monatsprognosen des
US-Landwirtschaftsministeriums vom 10. August 2018 wurden die weltweiten
Weizenlieferungen in diesem Monat um 7,1 Mio. Tonnen reduziert, was vor allem
auf die geringere EU-Produktion zurückzuführen ist. 

Wheat – Ending Stocks

Annual in mln tons, from 1980 to 2018

Wheat
Wheat

Source: USDA, Bloomberg, WisdomTree

 Die anhaltende Dürre in
Deutschland hat die Deutsche Landwirtschaftsgenossenschaft DRV veranlasst, ihre
Prognose für die deutsche Getreideernte auf 36,3 Mio. Tonnen nach unten zu
korrigieren und damit den niedrigsten Stand seit 1994 zu erreichen. Laut DRV
soll die Ernte um 20 % unter dem Vorjahreswert und damit um fast 25 % unter dem
Fünfjahresdurchschnitt liegen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die
Binnennachfrage zum ersten Mal seit langem nicht mehr gedeckt wird. Auf der
anderen Seite wird die russische Weizenproduktion laut
US-Wirtschaftsministerium voraussichtlich um 1 Mio. Tonnen steigen, da die
Bedingungen für Frühjahrsweizen weiterhin günstig sind. Es wird erwartet, dass
Russland das zweite Jahr in Folge der weltweit führende Weizenexporteur bleibt.
Das US-Außenministerium geht davon aus, dass der Welthandel 2018/19 vor allem
aufgrund der geringeren EU-Ausfuhren, die um 4,5 Mio. Tonnen zurückgegangen
sind und damit den niedrigsten Stand seit sechs Jahren erreichen, niedriger
ausfallen wird. 

Die Aussichten für
2018/19 von US-Weizen von der USDA für diesen Monat sind dagegen auf niedrigere
Lieferungen, einen höheren Verbrauch und geringere Lagerbestände beschränkt.
Aufgrund der Reduzierung der Winterweizen- und Hartweizenproduktion, wie im
Augustbericht der NASS angegeben, wird die Weizenproduktion in den USA
voraussichtlich um 4 Mio. Bushel auf 1,87 Mrd. abnehmen. Der prognostizierte
Nahrungsmittelverbrauch wurde um 5 Mio. Bushel auf 970 Mio. erhöht, der höchste
Wert seit Beginn der Berichtsperiode. Australien hat den wärmsten Winter seit
mehr als 100 Jahren erlebt, ganz zu schweigen vom trockensten. Der östliche
Teil Australiens leidet unter anhaltenden Dürren, die den Getreideanbau
beeinträchtigt haben. Die Erwartungen für die nächste Weizenernte sind düster,
mit Prognosen von bis zu 13 Mio. Tonnen, die weit unter der enttäuschenden
letzten Ernte von 21,2 Mio. Tonnen liegen. Dies dürfte die globale Produktion
in der Saison 2018/19, die bereits von USDA herabgestuft wurde, weiter dämpfen.

Kanada
ist eine Ausnahme unter den Ländern, die eine geringere Weizenproduktion
voraussagen, da es für 2018/19 einen zunehmend engeren globalen Weizenmarkt
erwartet. Hinzu kommt, dass das USDA einen Anstieg der kanadischen
Weizenproduktion um 7% auf 31,15 Mio. Tonnen prognostiziert. Außerdem wird
aufgrund der anhaltenden diplomatischen Konflikte zwischen Kanada und
Saudi-Arabien in der Frage der Menschenrechte ein wichtiger Verbraucher wahrscheinlich
nicht in den Genuss kanadischer Weizenausfuhren kommen. Dies wurde bestätigt,
nachdem die saudische Getreideorganisation (SAGO) den Exporteuren mitgeteilt
hatte, dass Saudi-Arabien Kanada bei der Ausschreibung von Weizen- und
Gerstenlieferungen nicht mehr berücksichtigen wird. Dies könnte anderen
Anbietern wie den USA, der EU und Russland in Form einer höheren Nachfrage aus
Saudi-Arabien zugutekommen und damit ihre Preise erhöhen. Im vergangenen Jahr
waren Litauen, Lettland und Deutschland die drei wichtigsten Weizen exportierenden
Länder in Saudi-Arabien.

Market share of global exporting suppliers to
Saudi Arabia

Market Share
Market Share

Source: Global Trade Atlas, Foreign
Agricultural Service, WisdomTree, data available as of close 09 August 2018

Die stillen Stars der Industrie 4.0

Schlagworte: , ,

Der rasante Fortschritt in der Digitalisierung und neue Technologien revolutionieren die Wirtschaft und erfassen immer mehr Branchen wie auch die Industrie. Robotik, Big Data, Internet der Dinge, artifizielle Intelligenz oder 3-D-Printing: Zusammengefasst wird dieser Trend unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Die Stars der technologischen Revolution kennt man, zumeist handelt es sich um Giganten wie Google, Amazon oder Apple. In deren Schatten gedeihen jedoch Unternehmen, die sich den Trend zur Verzahnung von Produktions- und Informationstechnologien zunutze machen und für Anleger Mehrwert schaffen: Die stillen Stars.

Familiengeführte Unternehmen mit hoher Innovationskraft

Was in der Konsumgüterbranche schon Einzug gehalten hat, steckt im Industriesektor noch in den Kinderschuhen. Die Digitalisierung nimmt aber hier schnell an Fahrt auf und Europa nimmt dabei eine Führungsrolle ein. Viele der stillen Stars sind auch Schweizer Firmen, die, oft im Schatten der Grossen, an der Weltspitze von Entwicklungen stehen und das Tempo vorgeben. Dass es sich oft um familien- oder eigentümergeführte Unternehmen handelt, überrascht nicht. Denn es sind gerade die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften, die ihnen in diesen disruptiven Zeiten Vorteile verschaffen und sie interessant machen.

Die Vorzüge familiengeführter Unternehmen sind bekannt und immer wieder durch wissenschaftliche Studien belegt worden. Vergleiche zeigen, dass Aktien von unternehmergeführten Firmen besser abschneiden als die von managergeführten. Dieser Befund gilt mit Blick auf die Schweiz wie auch international. Gemäss dem europäischen Credit Suisse Family Index belief sich die Überrendite im Zehn-Jahres-Vergleich sogar auf 5.5% pro Jahr.

Schweizer Unternehmen im technologischen Wandel an vorderster Front

Klein, aber oho: Zu den stillen Stars, die vom Langzeittrend Industrie 4.0 besonders profitieren werden, gehören aus Industriewerte wie:

Bobst: Ein erfolgreiches Schweizer Industrieunternehmen, weltweit führend in Verpackungsanlagen. Der Spezialist profitiert schon lange von den Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, um Kundenbedürfnisse besser zu adressieren. Dank starker Innovation ist der Nischenplayer hervorragend positioniert, seine Führungsrolle zu verteidigen sowie neue Märkte wie Print zu erobern. Möglich macht dies vor allem auch die hohe Finanzkraft, und die langfristige Ausrichtung der Eigentümerfamilie, die das Unternehmen kontrolliert.

Die österreichische S&T bietet IoT- und Sicherheitslösungen für die Märkte Industrie, Energie und Medizin. Das Unternehmen ist eine attraktive Anlageidee, um von der Digitalisierung industrieller Prozesse zu profitieren. Vor 10 Jahren gegründet, befindet sich S&T noch in einem frühen Stadium seines Lebenszyklus und verzeichnet ein starkes Wachstum, das durch die zugrundeliegenden digitalen Trends gestützt wird. Zudem überzeugt das Management mit Umsetzungskompetenz, was sich etwa in Margensteigerungen manifestiert.

Diese Bespiele zeigen: Inhaberkontrollierte Gesellschaften sind gleichermassen solide wie innovativ und erfolgreich – eine Symbiose, die Anleger besonders hellhörig werden lässt. «Die Firma geht vor!» Das Credo der Familienunternehmer in Sachen Strategie gilt auch für die Wertentwicklung an der Börse.

Bullen in den USA, Bären in Europa

Schlagworte: ,

Der
Schlagabtausch zwischen den USA und China geht in die nächste Runde: Die
US-Administration hat erwartungsgemäß neue Zölle auf chinesische Waren
angekündigt, China antwortete umgehend mit Vergeltungsmaßnahmen in gleicher
Größenordnung. Spektakulär verlief der Absturz der türkischen Lira zum Ende der
Woche. Die Lira verlor massiv und gab zum Euro sowie zum US-Dollar auf neue
Tiefstände nach. An der Datenfront kam es bei der Kerninflation in den USA im
Juli zu einem Anstieg auf 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dem höchsten Stand
seit September 2008. Die allgemeine Teuerung verharrte auf einem Niveau von 2,9
Prozent. In China pendelten sich die Konsumentenpreise in den vergangenen
Monaten bei rund 2 Prozent ein. In Deutschland verzeichneten die
Auftragseingänge der Industrie im Juni ein Minus von 4,0 Prozent gegenüber dem
Vormonat. Damit wurde der Anstieg aus dem Monat davor von 2,4 Prozent deutlich
überkompensiert und die Jahresrate erstmals seit fast zwei Jahren mit minus 0,8
Prozent wieder in den negativen Bereich gedrückt. Ebenfalls rückläufige Zahlen
lieferte die deutsche Industrieproduktion. Im Monatsvergleich wurde 0,9 Prozent
weniger Output erzeugt als im Mai, die Konsensschätzung lag bei minus 0,5
Prozent. Das britische BIP-Wachstum beschleunigte sich von 0,2 Prozent auf
erfreuliche 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In Japan überraschte das
japanische BIP im 2. Quartal mit einem markanten Plus von 0,5 Prozent im
Vergleich zum Vorquartal.

Der
Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent konnte gegenüber der Vorwoche leicht
zulegen und notierte auf einem Niveau von 74,63 US-Dollar je Barrel. Der
US-Dollar erholte sich gegenüber dem Euro deutlich und schloss im Vergleich zur
Vorwoche auf einem Niveau von 1,15 EUR/USD. Der japanische Yen erholte sich
ebenfalls und legte zum Euro 1,79 Prozent zu.

In
diesem Marktumfeld entwickelten sich die Aktienmärkte bis auf denjenigen in
Europa positiv. Aus Sicht des Euro-Anlegers schnitt der amerikanische Markt am
besten ab, dahinter folgte der japanische Aktienmarkt und mit einem deutlichen
Abschlag der europäische Aktienmarkt. Auf Sektorebene ergab sich folgendes
Bild: In Europa entwickelten sich die Sektoren zyklischer Konsum, Industrie und
Energie am besten. Eine deutliche Underperformance zeigten die Bereiche
Finanzen, Telekom und Rohstoffe auf. In den USA gehörten Titel aus den Sektoren
zyklischer Konsum, Telekom und IT zu den größten Gewinnern, während Aktien aus
den Bereichen Rohstoffe, Industrie und nicht-zyklische Güter eine
Underperformance gegenüber dem breiten Markt aufwiesen. Kleinkapitalisierte
Werte (Small Caps) schnitten gegenüber Large Caps sowohl in den USA als auch in
Europa besser ab. Hinsichtlich der Investmentstile „Value“ und „Growth“
entwickelten sich in den USA und Europa Growth-Titel besser als ihre Pendants.
Der Rentenbereich entwickelte sich gemischt, wobei Unternehmensanleihen mit
Investment-Grade-Rating und Euro-Staatsanleihen moderat positiv abschnitten.
Anleihen mit kurzer Duration sowie Hochzinsanleihen entwickelten sich leicht
negativ. Hart- und Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern mussten
hingegen einen deutlichen Abschlag hinnehmen.