Was bedeutet die GroKo für die Finanzmärkte?

Schlagworte:

„Nur 56,4% der SPD-Delegierten stimmten gestern für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Dieses enttäuschend schwache Ergebnis zeigt, wie tief gespalten die SPD in dieser Frage ist. Falls aber das schlechteste Szenario eintreten würde – wenn die Koalitionsverhandlungen scheitern oder die SPD-Mitglieder die Verhandlungsergebnisse ablehnen – dann würden wir Neuland betreten. Es wäre nicht klar, was passieren würde: Würde Bundeskanzlerin Merkel versuchen, eine Minderheitsregierung zu führen? Käme es zu Neuwahlen, mit ihr oder ohne sie an der Spitze der CDU? Diese politische Unsicherheit in Europas größter Volkswirtschaft könnte die Märkte erschüttern. Ich erwarte eine Zunahme der Volatilität und zumindest vorübergehend einen gewissen Druck auf die europäischen Risikoaktiva. 

Wenn am Ende eine neue große Koalition gebildet wird, wird diese aller Voraussicht nach bei den Anhängern aller beteiligten Parteien nicht besonders beliebt sein. So gibt es einen starken Anreiz für die neue Regierung, die Wahlbasis mit teuren Geschenken in Form von höheren Sozialausgaben oder Steuersenkungen zu beschwichtigen. So wurde diskutiert, den Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer teilweise auslaufen zu lassen. Eine Lockerung der Haushaltsdisziplin könnte dazu führen, dass das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts („Schwarze Null“) aufgegeben wird. Das könnte das Angebot an deutschen Staatsanleihen erhöhen, währen die EZB gleichzeitig ihr Ankaufsvolumen und damit die Nachfrage nach Staatsanleihen reduzieren würde. Diese ungünstige Nachfrage- und Angebotsdynamik würde die Bewertung deutscher Staatsanleihen unter Druck setzen.“

 

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um Archivinformationen handelt. Sie sind nicht als aktuelle Ansichten oder Einschätzungen, sondern nur als historische Angaben zu verstehen.

Verbriefungen zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten eröffnen Anlagemöglichkeiten

Schlagworte:

Nach der Kreditkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise sind die Bilanzen von Banken, Versorgern und dem öffentlichen Sektor strapaziert. Daher erwarten wir, dass auch institutionelle Anleger notwendig sein werden, um die Projekte zu finanzieren, die die EU zur Erreichung ihrer Klimaziele umsetzen muss. Die hochrangige Expertengruppe für nachhaltige Finanzierung der EU (EU High-Level Expert Group on Sustainable Finance) hat in ihrem Interim-Report im Juli 2017 signalisiert, dass Europa in den nächsten zwei Jahrzehnten weitere 180 Mrd. Euro pro Jahr aufwenden muss, um den globalen Temperaturanstieg unter 2 Grad Celsius zu halten.

Damit Europa seine grünen Ziele erreicht, müssen auch kleinere Projekte finanziert werden. Auch Privatpersonen werden beispielsweise nicht umhinkommen, die Energieeffizienz ihrer Häuser zu optimieren. Sie werden Hybrid- oder Elektroautos kaufen oder leasen, und Ladestationen für Elektroautos müssen installiert werden. Die einzelnen Kredite, die für Projekte wie Dachsolaranlagen, solare Warmwasserbereitung oder Ladestationen für Fahrzeuge erforderlich sind, sind für den Finanzierungsmarkt viel zu klein. Sie können jedoch mit anderen ähnlichen Krediten zu marktfähigen Schuldtiteln gebündelt werden. Solche grünen Verbriefungen können für institutionelle Anleger interessant sein, die entweder an der Entwicklung einer neuen nachhaltigen Anlageklasse teilhaben wollen, oder die in Erwartung steigender Zinsen eine Ausrichtung auf hochwertige, variabel verzinsliche Vermögenswerte mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Profil anstreben. Eine Anlage kann über eine Reihe von Investmentprodukten mit grünen Verbriefungen erfolgen, z. B. Publikumsfonds und individuelle Mandate, die Anlegern Zugang zu dieser schnell wachsenden Anlageklasse bieten.

In den vergangenen Jahren wurden zunehmend grüne Verbriefungen emittiert, was ermutigend ist. Allerdings startet dieses Volumenwachstum von einem sehr niedrigen Ausgangspunkt – der globale Markt für grüne Verbriefungen steckt noch in den Kinderschuhen. Die Gesamtemission betrug 2016 weltweit 5 Mrd. US-Dollar. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht das Potenzial grüner Verbriefungen jedoch alleine innerhalb der EU bis 2020 bei einem jährlichen Emissionsvolumen von 20 Mrd. US-Dollar. Auf globaler Ebene könnte das Volumen der OECD zufolge bis 2035 auf 380 Mrd. US-Dollar pro Jahr steigen (OECD 2016: A quantitative framework for analysing potential bond contributions in a low carbon environment).

Das Wachstum der vergangenen Jahre an den globalen Märkten für grüne Anleihen liefert ebenfalls einen Anhalts-punkt für das potenzielle künftige Wachstumsniveau in diesem Bereich. Die Climate Bonds Initiative hat berichtet, dass 2017 weltweit grüne Anleihen im Wert von mehr als 155 Mrd. US-Dollar emittiert wurden.

Der Markt für grüne Verbriefungen hat also schon erste Schritte in Richtung eines vollwertigen Marktes genommen. Im Juli 2017 veröffentlichten der europäische Hypothekenverband und der European Covered Bond Council, die europäische Interessensvertretung für Emittenten von gedeckten Schuldverschreibungen, einen Aktionsplan für energieeffiziente Hypotheken. Teil dieser Initiative ist ein Pilotprojekt, das darauf abzielt, in Europa eine standardisierte Infrastruktur zur Datenerfassung für grüne private Wohnungsbaukredite zu entwickeln. Das Projekt erhielt Fördermittel der EU und wird vermutlich im März oder April dieses Jahres starten. Diese Initiative kann eine entscheidende Entwicklung sein. Die Schaffung einer solchen Infrastruktur wäre ein wichtiger Schritt, um den Prozess für grüne Verbriefungen effizienter und transparenter zu machen.

Fondsmanager erwartet anhaltenden Green-Bonds-Boom

Schlagworte: ,

In den vergangenen Jahren haben Green Bonds einen gewaltigen Aufschwung erlebt, und auch 2017 hielt ihr weltweites Wachstum an: Inzwischen können Anleger in der Bandbreite der Investitionen unter mehr als 200 verschiedenen Themen wählen. Das Emissionsvolumen betrug Ende des vergangenen Jahres mehr als 120 Milliarden Euro – ein neuer Rekord.

Mit dem Startschuss der Branche im Jahr 2007 entwickelte sich der weltweite Markt für Green Bonds mit beachtlichem Tempo. „Auch 2018 wird dieses Segment weiterhin wachsen“, so die Einschätzung von Olivier Vietti, Fondsmanager des AXA WF Planet Bonds. „Angesichts der hohen Nachfrage ist die Preisgestaltung der Schlüssel für Investoren“, rät er.

Die meisten Green Bonds folgen in ihrer Preisgestaltung traditionellen Neuemissionen, so eine Analyse der Climate Bonds Initiative (CBI). Teils sei die Performance dieser Anleihen im europäischen Sekundärmarkt für Unternehmensanleihen sogar höher als bei den traditionellen Anleihen. Die europäische Nachfrage zeige sich dabei besonders dynamisch. „Der Euro ist die wichtigste Währung. Beinahe 55 Prozent aller Green-Bonds-Indizes werden in ihr berechnet“, betont Vietti.

Auch habe sich die Liquidität des Markts über die vergangenen beiden Jahre signifikant verbessert, was den Handel der Anleihen auf dem Sekundärmarkt deutlich erleichtere. Eine französische Benchmark-Green-Bonds-Transaktion bot Investoren zu Beginn des Jahres 2017 besonders viel Liquidität.

2017: robuste Aktivität im europäischen Markt

2017 wurde der Markt für Green Bonds vor allem durch die Ausgabe grüner Finanzinstrumente in Europa geprägt: Mehr als die Hälfte aller Emissionen wurden hier getätigt. Allen voran bot vor allem die französische Regierung Investoren eine neue Anlageklasse erstklassiger Qualität. Der europäische Bankensektor blieb mit Emissionen verschiedenster Banken und Länder ebenfalls nicht untätig in der Herausgabe neuer Wertpapiere. Im Jahr 2016 stellten chinesische Emittenten noch 30 Prozent der weltweiten Neuemissionen. Die Aktivität auf dem chinesischen Primärmarkt sank im vergangenen Jahr jedoch erneut durch den Versuch Pekings, das Finanzsystem zu entschulden. „Nichtdestotrotz glauben wir fest daran, dass diese Entwicklung nur zeitweilig ist. China bleibt nach Frankreich der zweitgrößte Emittent“, sagt Olivier Vietti.

In klimafreundliche Anleihen investieren

Viele Unternehmen stellten sich inzwischen zwar umweltbewusster auf. Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad jährlich zu begrenzen, stehe und falle jedoch mit den Maßnahmen zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes. „Investoren können diese Entwicklung mit verschiedenen Strategien unterstützen, etwa indem sie kohlenstoffintensive Titel aus ihrem Portfolio streichen“, sagt Olivier Vietti. „Aus unserer Sicht bietet der Markt für Green Bonds eine gute Richtlinie um in eine klimafreundliche Wirtschaft zu investieren. Green Bonds sind ausdrücklich dazu konzipiert, das Kapital für Projekte mit positiven Umwelteinflüssen zu generieren.“

Analyse und Selektivität als Schlüsselkompetenzen

Um aggressive Marketingkampagnen besser einschätzen zu können, müsse der Markt für Green Bonds sich jedoch kontinuierlich einer sorgfältigen Risiko-Prüfung unterziehen, so Vietti.  „Wählerisch sein – das ist der Schlüssel um verlässliche Standards in diesem jungen Markt aufzubauen.“ Selektivität und größere Transparenz förderten, dass die relevantesten und einflussreichsten Umweltprojekte die notwendige Finanzierung erhielten. „Investoren sollten sich vor allem vor sogenannten potenziellem „Green Washing“ in Acht nehmen, um zu vermeiden, dass ungeeignete Projekte durch den Anlagesektor finanziert werden“, warnt Vietti.

Der Mangel an allgemeinen Standards für Green Bonds erfordere demnach auch immer eine eigene Anlayse. Investoren sollten hinter die Green Bond Prinzipien schauen und sich der Anleihequalität selbst versichern. „Eine konsequente Überwachung und Nachverfolgung grüner Investments ist nötig um sich zu versichern, dass diese ihren versprochenen Umwelteffekt auch einhalten“, so Vietti weiter.

Das steigende Interesse institutioneller Investoren werde die Weiterentwicklung und das Wachstum der grünen Anleihen weiter antreiben. „Neue Märkte wie China werden im Laufe der Zeit mit neuen Emissionen den Markt beleben. Diese neuen Teilnehmer müssen allerdings garantieren, dass die Effekte, die ihre Green Bonds haben sollen, auch wirklich transparent und messbar sind“, so der Fondsmanager. Nur dann könne der Markt auch weiterhin kontinuierlich wachsen.

Kompromisse bei der Anleihequalität steigern das Risiko

Schlagworte: ,

Seit Langem gelten US­Anleihen als eine der stabilsten Asset­ klassen, handelt es sich doch überwiegend um Qualitäts­ Staatsanleihen und Investmentgrade­Unternehmensanleihen. Da aber die Zinsen seit der Finanzkrise 2008 kontinuierlich gefallen sind, setzen jetzt viele Investoren auf US­Anleihen mit niedrigeren Investmentgrade­Ratings (BBB/Baa und leicht darüber). Auch in High Yield (BB/Ba und darunter) wurde viel investiert, um höhere laufende Erträge zu erzielen. In den letzten Jahren hat man damit tatsächlich oft höhere Renditen und attraktive Erträge erwirtschaftet, allerdings um den Preis einer engeren Korrelation mit Aktien. Was können Investoren tun, um interessante Erträge und Diversifikation gleichermaßen zu erreichen? Und, allgemeiner gefragt: Welche Rolle sollten Anleihen in einem Portfolio spielen?

Hier hilft ein Blick in die Vergangenheit. Für unsere Analyse haben wir die Fonds der Morningstar­Kategorie „Bond Fund Intermediate“  in vier Quartile unterteilt, die monatlich auf Grundlage der gleitenden  Dreijahreskorrelation mit dem Standard & Poor’s 500 Composite Index angepasst werden.
* Stand 31. Dezember 2016. Quelle: Capital Group

Das oberste (erste) Quartil enthält die Anleihenfonds mit den höchsten Durchschnittsratings. Sie haben eine durchschnittliche  Korrelation mit Aktien von ­0,05 und sind zu weniger als 3% in High Yield investiert. Das unterste (vierte) Quartil besteht aus Anleihenfonds, die in Papiere mit besonders niedrigen Ratings investieren. Ihre Korrelation mit Aktien liegt bei 0,42, und sie bestehen zu fast 12% aus Anleihen ohne Investmentgrade­Rating.

Die Fonds des untersten Quartils (mit der geringsten Kreditqualität) sind seit der Finanzkrise besonders erfolgreich. Von 2009 bis 2016 haben sie sich jedes Jahr um durchschnittlich  2,6 Prozentpunkte besser entwickelt als die Fonds aus dem ersten Quartil (und um 1,6 Prozentpunkte besser als die Fonds aus dem zweiten). Als 2013 bekannt wurde, dass die Fed ihre Anleihenkäufe zurückführen will und die Märkte in Aufruhr gerieten, verloren die Fonds aus dem vierten Quartil 3,8%. Die Fonds aus dem ersten Quartil (mit den höheren Ratings) gaben um 4,1% nach. In dieser Zeit, als man also vor allem höhere Zinsen fürchtete, halfen Unternehmensanleihen, das Zinsrisiko zu diversifizieren.

Aktuelle Risiko- und Ertragseigenschaften: 2009–2016

Oben: Entwicklungeiner Anlagevon 100 USD,investiert imJanuar 2009

Unten: VerlusteVerlust (Höchststandbis Tiefststand)Jan. 2009 bisDez. 2016

Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Nur zur Illustration.

Quelle: Morningstar Wir ordnen alle Fonds der Morningstar-Kategorie „Bond Fund Intermediate“ gleichgewichtet den vier Quartilen zu, und zwar auf der Grundlageihrer gleitenden Dreijahreskorrelation mit dem S&P 500. Die Quartile werden monatlich angepasst. Gezeigt wird der maximale Verlust vomHöchst- bis zum Tiefststand.

 

Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF.

Alternative Lending – neue Akteure gewinnen Marktanteile

Schlagworte:

Trend 1: Stärkerer Wettbewerb und Open Network Collaboration

Europäische Banken verfügen wieder über mehr Spielraum in ihren Bilanzen. Zugleich müssen sie sich neuen regulatorischen Vorgaben, sinkenden Margen und der Frage stellen, wie sie am besten von der Digitalisierung profitieren können. Mit der Zweiten Zahlungsdienstrichtlinie müssen Banken ab Januar 2018 auf Anfrage Dritten gegen-über ihre Daten offenlegen. Dies dürfte zu einer weiteren Disintermediation führen und es Nischenanbietern er-möglichen, ihre Marktanteile auszubauen. Hier bieten sich Chancen, z.B. durch effizientere Lösungen in den Bereichen Know your customer/Legitimationsprüfung, Zahlungsverkehr und Abwicklung. Plug-and-play-Lösungen, bei denen Kreditangebote mehrerer Institute auf einer Plattform gebündelt werden und Kreditnehmer zentral darauf zugreifen können, werden an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung wird zuweilen als Open Banking bezeichnet, ich halte jedoch Open Network Collaboration für eine zutreffendere Bezeichnung. Neue Technologien wie Blockchain werden die Art und Weise grundlegend verändern, wie Banken miteinander interagieren, Risiken analysieren und managen und Transaktionen miteinander durchführen.

Im Jahr 2017 flossen gemäß Deloitte rekordhohe Kapitalbeträge in das Segment Alternative Lending/Private Debt (Alcentra, ICG, HayFin, Bluebay), die jetzt investiert werden müssen. Institutionelle Anleger interessieren sich zu-nehmend für Anlagen in solche Plattformen, zumal zahlreiche Fintech-Plattformen inzwischen ein investierbares Volumen erreicht haben. Tatsächlich dürfte 2018 für viele der entsprechenden Fintechs ein entscheidendes Jahr werden.

Die Kreditvergabe bleibt ein substanzorientiertes, kapitalintensives Geschäft, und um wettbewerbsfähig zu sein, muss ein Unternehmen eine gewisse Größe aufweisen und/oder in einer klar definierten Nische tätig sein. 2018 dürften vor allem Multi-Partner-Ansätze in Erscheinung treten, bei denen sich mehrere Anbieter in unterschiedlichen Kooperations- und Anlageformen zusammenschließen, seien es direkte Eigenkapitalinvestitionen, Investitionsprogramme oder Partnerschaften.

Investoren sollten belastbare Partnerschaften eingehen, damit die Transaktions-Pipeline nicht versiegt, und überwachen, dass ihre Kriterien erfüllt sind und sich das Risikoprofil ihrer Anlagen nicht verschlechtert. Außerdem sollten sie Gelegenheiten für Investitionen in qualitativ hochwertige digitale Plattformen für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Konsumenten prüfen. Dort bieten sich noch beträchtliche Chancen, wenn-gleich die Risiken sorgfältig beurteilt und beobachtet werden müssen.

Grafik 1: Schlüsseltrends im Bereich Alternative Lending für das Jahr 2018

(Quelle: Gabriella Kindert, NN Investment Partners)

 Trend 2: Konsolidierung und Auftreten neuer Akteure im Finanzdienstleistungssektor

Zunehmend werden im Finanzdienstleistungssektor auch E-Commerce-Unternehmen aktiv, die nicht in Europa ansässig sind und ursprünglich auch nicht aus dem Finanzsektor stammen. Sie greifen auf ihren umfangreichen Datenbestand zurück. Ein Beispiel ist Amazon, das seit einigen Jahren auch Unternehmenskredite vergibt. Einige dieser Unternehmen erwerben in Europa E-Commerce-Plattformen, um von dieser Grundlage aus Finanzdienstleistungen anzubieten. Diese Entwicklung darf man nicht einfach außer Acht lassen. Insbesondere China gewinnt dabei im globalen und europäischen Finanzsystem an Bedeutung: So haben Alipay und WeChat ihre Präsenz an den internationalen Märkten in den vergangenen Jahren ausgebaut.

Zugleich hat die Stärke europäischer Finanzinstitute im vergangenen Jahrzehnt abgenommen: Statt 36 Prozent vor zehn Jahren machen sie heute nur noch 14 Prozent der Marktkapitalisierung der 50 größten Finanzinstitute aus. Das könnte Chancen eröffnen, kontinentaleuropäische Institute zu übernehmen. Außerdem sollten die Investoren Partnerschaften mit anderen Unternehmen als nur traditionellen Finanzdienstleistern in Erwägung ziehen.

Trend 3: Erhöhte Anforderungen an Datentransparenz und Harmonisierung

Eine diversifizierte Finanzdienstleistungsindustrie ist für Kunden und Investoren vorteilhaft, denn sie verbessert die Widerstandsfähigkeit der Kreditmärkte. Allerdings erfordert sie auch, dass Kontrahentenrisiken genau beobachtet werden. Dies gilt vor allem für jene Akteure, die vom regulatorischen Rahmenwerk nicht erfasst werden. Heutzutage ist es sehr aufwändig, Alternative Lending-Plattformen zu beurteilen. Investoren sollten sorgfältig auf Datentransparenz achten und Performancedaten gegebenenfalls mit Hilfe externer Quellen bestätigen und vergleichen.

Trend 4: Wachstum und disruptive Entwicklungen bei kurzfristigen Finanzierungslösungen

Bei Kreditkartenverbindlichkeiten und Verbraucherkrediten mit kurzer Laufzeit spielt eine gute Datenlage eine wichtige Rolle für die Risikobeurteilung. Digitale Technologien und Geschäftsmodelle können in diesem Bereich zu grundlegenden Veränderungen führen und effektivere Lösungen bieten. Disruptive Entwicklungen sind in diesen Segmenten seit langem überfällig. Derzeit werden zahlreiche Fintech-Lösungen vorgestellt, die diese Marktchancen nutzen möchten. So vergibt z.B. Barclays seit kurzem Verbraucherkredite online.

Investoren sollten sich der Veränderungen am Kreditmarkt bewusst sein. Die Chancen sind nicht mehr überall gleich gut, und in einigen Produktsegmenten ist bereits eine Überhitzung zu erkennen. Dennoch bieten sich bei kurzfristigen Krediten, Konsumentenkrediten und bei Handelsfinanzierungen sowie im Factoring und in der Forderungsfinanzierung interessante Ertragsmöglichkeiten. Kleineren KMUs mangelt es zudem weiterhin häufig an Kapital, weil ihre Ratings ungünstig und die Kosten für solche Geschäfte relativ hoch sind. In diesem Bereich können innovative, technologisch ausgefeilte Lösungen für eine direkte Kreditvergabe oder für eine Kreditvergabe über Plattformen sehr interessant sein.

Komplexe und illiquide Investitionen wie Kredite für Gewerbeimmobilien, ECA-Loans, also die Exportfinanzierung, oder Handelskredite bieten weiter hohe Aufschläge im Vergleich zu liquideren Anlagemöglichkeiten.

Grafik 2: Märkte bieten nach wie vor Effizienzchancen

Quelle: Gabriella Kindert, basierend auf Daten der Europäischen Zentralbank, European Data Warehouse

  Fazit

2018 wird für das Segment Alternative Lending wahrscheinlich ein aufregendes Jahr der Veränderung. Der Trend zur Disintermediation hält an, neue Akteure werden Marktanteile gewinnen. Die durch neue Technologien wie Blockchain ermöglichte digitale Transformation führt zu neuen Formen der Interaktion, der Risikotransparenz und Kundennähe. Zugleich wird der Alternative Lending-Markt reifer und stärker institutionalisiert. Mit Hilfe einer besseren zukunftsgerichteten Analyse können neue Kreditvergabechancen erkannt und die Risikoeinschätzung verbessert werden. Durch Open Architecture und Open Network Collaboration dürften bessere Produkte und Services für Kunden entstehen. Die neuen Akteure können Kapital für zahlreiche innovative Unternehmen und Verbraucher bereitstellen, die derzeit gegebenenfalls keinen Zugang zu attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten haben. Technologiegestützte Lösungen dürften dabei üblich werden. Ich rechne mit einem dynamischen Markt, bei dem nicht viel Bedenkzeit bleibt und der gute Chancen für Unternehmen bietet, die eindeutigen Mehrwert bieten.

Gabriella Kindert, Head of Alternative Credit bei NN Investment Partners

Silber auf der Überholspur

Schlagworte:

In unserem Goldausblick vom Dezember 2017 begründeten wir, warum sich Gold unseres Erachtens 2018 weiter seitwärts entwickeln wird. Obwohl es bei der Inflation zu überraschenden Spitzen kommen könnte, was für Gold positiv wäre, würden sich die steigenden Zinsen und ein aufwertender US-Dollar negativ auf Gold auswirken und die Goldpreise mehr oder minder unverändert lassen. Andererseits ist es möglich, dass Silber steigt, da die industrielle Nachfrage zunimmt. Nach der unterdurchschnittlichen Entwicklung des letzten Jahres könnte es gegenüber Gold aufholen.

Silber an Gold gekoppelt?

Unser Silbermodell[i] koppelt die Entwicklung von Silber an Gold. In den vergangenen fünf Jahren korrelierten die monatlichen Silberrenditen zu 83 Prozent mit den monatlichen Goldrenditen. 2017 allerdings schnitt Silber deutlich schlechter als Gold ab. Gold stieg 2017 um 10 Prozent, während Silber das Jahr beinahe an der Stelle beendete, an der es begonnen hatte. Gold schien stärker vom periodischen Aufflackern des geopolitischen Risikos zu profitieren als Silber. Silber hingegen fand im Zuge des anhaltenden Aufschwungs anderer zyklischer Werte, etwa Aktien, wenig Beachtung. So verzeichneten Silber-ETPs 2017 Zuflüsse von nur 6,2 Millionen Unzen. Dies entspricht weniger als einem Siebtel der Zuflüsse von 2016. Ende Dezember 2017 erreichte das Volumen der spekulativen Silber-Kontrakte mit 3545 netto long sogar den tiefsten Stand seit Oktober 2014. Anscheinend konnte Silber weder von seiner Korrelation mit Gold profitieren noch seine zyklischen Qualitäten ausspielen.

Die Gold-Silber-Ratio ist nach wie vor erhöht. Auch wenn sich die Goldpreise 2018 wahrscheinlich seitwärts entwickeln werden, muss Silber noch etwas aufholen.

Industriezyklus

In unserem Silbermodell ist auch die industrielle Nachfrage berücksichtigt. Da über 50 Prozent des Silbers von der Industrie verwendet werden, hat es viele Gemeinsamkeiten mit Industriemetallen, während sich Gold eher wie ein monetärer Vermögenswert verhält.

Im Laufe des vergangenen Jahres sind die globalen Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes durchweg angestiegen. Derzeit wachsen die entwickelten Märkte schneller als die sich entwickelnden Märkte. Die globalen Indizes dürften unseren Erwartungen zufolge weiter zulegen, wenn die positive Dynamik in den Industrieländern auch auf die Schwellenländer übergreift. Nach unserer Überzeugung werden die Einkaufsmanagerindizes zwischen Dezember 2017 und Ende 2018 von 54,5 auf 55,0 bis 55,5 steigen.

Bergbauinvestitionen weiter verhalten

Unser Modell beinhaltet ferner eine Variable für die durch die Silberminen bedingten Angebotsbeschränkungen, für die wir die um 18 Monate vorlaufenden Kapitalinvestitionen (Capex) in die Minen berücksichtigen. Da nur 25 Prozent des Silbers direkt gewonnen werden und die übrigen 75 Prozent beim Abbau anderer Metalle als Nebenprodukt anfallen, ziehen wir nicht nur die Investitionen in die Silberminen, sondern im gesamten Bergbausektor heran.

Der aktuelle Investitionsrückgang im Bergbau ist der einschneidendste seit Beginn der Erhebung unserer Daten 1997. Sein Tempo hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2017 zwar etwas verlangsamt, aber über einen so langen Zeitraum sind die Investitionen in unserem Datensatz bisher noch nicht gesunken.

Aufgrund des Absturzes der Bergbauinvestitionen dürfte sich am Angebotsdefizit bei Silber nichts ändern. Laut den Daten des GFMS/The Silver Institute befindet sich der Silbermarkt sogar seit 2013 im Angebotsdefizit. Auch wenn in ihnen noch nicht die Zahlen von 2017 berücksichtigt sind, sprechen die geringeren Minenvolumina und die höhere Industrienachfrage dafür, dass der Markt trotz der geringeren Investitionsnachfrage ein Defizit aufweisen dürfte.

Börsenbestände wahrscheinlich vor dem Rückgang

Die Bestände der COMEX haben 2017 erheblich zugenommen. Man könnte deshalb meinen, dass die Menge des verfügbaren Metalls gestiegen ist. Der Anstieg ist allerdings zum größten Teil nicht den registrierten, sondern den lieferbaren Beständen geschuldet. Dabei werden lieferbare Silberbestände einfach in einem von der COMEX genehmigten Lager gehalten, ohne dass für sie ein Bezugsschein ausgestellt wurde. Die Besitzer halten das Silber also nicht, um Termingeschäfte abzurechnen (zumindest nicht bis es registriert ist). Der Anstieg der lieferbaren Bestände könnte also daher rühren, dass die Besitzer ihr Silber nur im COMEX-Lager parken wollen, das heißt, dass sie an ihrem Silber festhalten, es aber nicht auf dem Terminmarkt einsetzen. Entsprechend steht es dem Markt auch nicht zur Verfügung. Wir rechnen mit einem Rückgang der Gesamtbestände auf das Niveau von Anfang 2017, da die Anlegernachfrage zum Verkauf animiert.

Nitesh Shah, Director – Commodities Strategist

 


[i] Eine Beschreibung unseres Silbermodells findet sich in „Gold und Silber – ähnlich, aber anders“.

Fondsmanager sagen hohen Wertzuwachs europäischer Smaller-Caps voraus

Schlagworte:

Als sich zu Beginn des Jahrzehnts Volkswirtschaften rund um den Globus langsam von der Finanzkrise erholten, ließen die USA und Großbritannien Europa hinter sich. Die Gewinne europäischer Unternehmen wuchsen weniger schnell, das Wachstum pendelte sich knapp über der Deflationsgrenze ein, und die Politik war mit Grexit, Brexit und anderen Themen beschäftigt.

Aber 2017 wendete sich das Blatt: Anleger honorierten zunehmend die erkennbar besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf dem alten Kontinent, die die Weichen für eine Aufholjagd stellten. Allem Anschein nach nimmt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts Fahrt auf, und die Gewinnmargen der Unternehmen steigen –  in Europa inzwischen gar so stark wie in sonst keinem anderen Industrieland. Während in den USA und Großbritannien Populisten das Ruder übernahmen, mussten sie in Europa – abgesehen von Deutschland und Katalonien – eine Wahlschlappe nach der anderen einstecken. Die gute wirtschaftliche Entwicklung erlaubt es Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), die Märkte auf eine allmähliche Rücknahme der beispiellosen quantitativen Lockerungen (QE) beginnend wohl im Spätjahr 2018 einzustimmen.

Auch der Euro hat zuletzt wieder zugelegt und Niveaus erreicht wie zuletzt im Frühjahr 2015, als die EZB ihr QE-Programm auflegte. Keine gute Nachricht ist der stärkere Euro für größere europäische Unternehmen, die sich in den letzten Monaten weniger gut entwickelt haben. Sie erzielen einen Großteil ihres Gewinns aus Aktivitäten außerhalb der Eurozone und und sind daher den Unbilden von Wechselkursschwankungen ausgeliefert. Kleinere Unternehmen, in die wir investieren, haben eher ihre Heimatmärkte im Visier und sind daher weniger stark von der Aufwertung des Euro betroffen.

Klein, aber oho

Mit Anlagen in kleinere Unternehmen sind Risiken verbunden, die uns sehr bewusst sind: So sind sie für Marktumschwünge anfälliger als größere Wettbewerber, und größere Mengen ihrer Aktien lassen sich mitunter kurzfristig nur schwer handeln. Aber große Unternehmen boten Anlegern zuletzt kaum noch Wertpotenzial. Letztere wandten sich daher angesichts der wieder erwachten Begeisterung für europäische Aktien Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung zu – deren Aktien sich daraufhin verteuerten. Daher bieten kleinere Aktiengesellschaften nach unserer Einschätzung nun das beste Wertpotenzial. Und in eben jenem Bereich sind wir seit Langem erfolgreich bei der Suche nach aufregenden Wachstumschancen für unsere Anleger.

Starkem Kapitalwachstum auf der Spur

Wir suchen nach Unternehmen mit guten Führungsteams, denen wir zutrauen, dass sie das langfristige Wachstumspotenzial des Unternehmens realisieren. Entweder indem sie interne Schwachstellen beseitigen oder den Gewinn unabhängig von geopolitischen Unsicherheiten weiter kräftig steigern. Im Zentrum unserer Strategie stehen Value (Substanz), Selbsthilfe und „Wachstum zu angemessenem Preis“ (GARP).

Value oder Werthaltigkeit bildet den Kern unserer Anlagestrategie. Wir suchen nach Firmen, bei denen der Markt den Wert ihrer Vermögenswerte unterschätzt. Dieser kann aus seiner führenden Position in einem bestimmten Bereich, aus der Qualität seiner Produkte oder aus technologischem Vorsprung resultieren. Im Bereich „Wachstum zu angemessenem Preis“ halten wir nach Firmen Ausschau, deren Gewinne verglichen mit ihren Wettbewerbern oder dem Markt als Ganzes stärker wachsen können. Wichtig ist, dass dieses Potenzial vom Markt noch nicht erkannt wird und damit noch nicht im Aktienkurs eingepreist ist. Turnaround-Unternehmen oder solche, die sich selbst helfen, werden vom Markt zwar nicht geliebt, können aber vor allem durch interne Veränderungen ihren Kopf aus der Schlinge ziehen und sich erholen.

Übersehen und unterbewertet?

Alma Media ist ein Verlag für lokale, regionale und überregionale Zeitungen und gehört damit einer alten Branche an, was sich im Aktienkurs niederschlägt. Aber was der Markt nach unserer Einschätzung übersieht, sind andere Aktivitäten des Unternehmens: Dazu gehören Online-Portale für den Handel mit gebrauchten Autos, Maschinen und Immobilien. In diesem Geschäft ist Alma Media Marktführer. Der deutsche Axel Springer Verlag weist mit seinem vergleichbaren Geschäft den Weg und wird vom Markt deutlich höher bewertet. Wir glauben, dass auch andere Anleger sich unserer Einschätzung mit Blick auf Alma Media anschließen werden.

Aussichten für die Pharmabranche

Zur Rose, gegründet 1993, ist im Online-Versand verschreibungspflichtiger Medikamente mit seiner Marke DocMorris in Deutschland tätig. In der Schweiz ist es als Online-Apotheke mit der Marke Zur Rose Marktführer.

Apotheken stehen in Europa vor disruptiven Veränderungen: Relativ kleine Packungen mit hochwertigen, nicht verderblichen Medikamenten sind für den E-Commerce wie geschaffen. Aber der Markt ist noch sehr unterentwickelt, wie die hohe Zahl von rund 125.000 stationären Apotheken in Europa zeigt. Unlängst hat der Europäische Gerichtshof jedoch mit einem Urteil den deutschen Markt für Online-Apotheken geöffnet. Marktführer DocMorris dürfte davon besonders profitieren.

Selbsthilfe

Die Van Lanschot (VL) Bank wurde 1737 gegründet und ist die älteste unabhängige Bank der Niederlande. Sie ist als Privatbank, Geschäftsbank und Vermögensverwaltung tätig. Im April 2016 präsentierte das Management der Bank eine neue Strategie mit dem Ziel, das Privatkundengeschäft wiederzubeleben. Damals entfielen auf diesen Bereich rund die Hälfte der Umsatzerlöse, aber nur sieben Prozent der Gewinne – ein deutliches Indiz für mangelnde Effizienz und erhebliches Verbesserungspotenzial. Mit der zukunftsorientierten Strategie will die VL ihre Effizienz steigern, die Kapitalquoten erhöhen und so viel Kapital an ihre Aktionäre ausschütten wie möglich. Die Eigenkapitalrendite als Maß für die Profitabilität der Bank lässt derzeit zu wünschen übrig, sollte aber nach unserer Einschätzung deutlich steigen.

Europäische Nebenwerte setzen ihre Aufholjagd fort

2017 war unter dem Strich ein gutes Jahr für europäische Aktien und besonders für europäische Nebenwerte. Trotzdem haben sie noch reichlich Luft nach oben und können ihre Aufholjagd zu ihren Wettbewerbern in anderen Industrieländern fortsetzen. Denn im Vergleich verfügen sie über mehr Potenzial für stärkeres Wachstum. Dabei sollten Anleger jedoch die oben genannten Risiken einer Anlage in kleinere Unternehmen nicht aus dem Blick verlieren. Wir sind jedoch überzeugt, dass sich cleveren Anlegern auch 2018 viele attraktive Anlagechancen in diesem Marktsegment bieten werden.

Glossar:

Deflation: in einer Volkswirtschaft flächendeckend fallende Preise für Güter und Dienstleistungen.

Quantitative Lockerungen (QE): bezeichnet das Drucken von Geld durch eine Zentralbank, um damit Vermögenswerte zu kaufen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Kapitalquote: bezeichnet den Anteil liquider Vermögenswerte eines Finanzinstituts im Verhältnis zu seinen risikobehafteten Aktivitäten.

Eigenkapitalrendite: bezeichnet das Verhältnis von Nettogewinn zu dem von den Aktionären investierten Kapital.

Grexit: eine Wortneuschöpfung, die das mögliche Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone (Gruppe von Ländern, die den Euro als Währung haben) beschreibt.

Brexit: eine Wortneuschöpfung, die das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union beschreibt.

Aufholjagd: beschreibt einen Prozess, bei dem Unternehmen mit zuvor schwacher Wertentwicklung zu ihren Wettbewerbern aufschließen.

Nebenwerte: bezeichnet hier Firmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 4 Mrd. EUR.

Drei Herausforderungen für Fondsmanager in 2018

Schlagworte:

Die Formulierung eines Basisszenarios für den Markt ist gewiss ein unabdingbarer erster Schritt. Doch ein solches Szenario muss im Zusammenhang mit einer Analyse der Aufwärts- und Abwärtsrisiken stehen. Das heißt, es sollte sich auf das Verständnis der wichtigsten Faktoren stützen, die bei einer signifikanten Wende einen entscheidenden Einfluss auf die Märkte haben könnten, nach oben wie nach unten. Langfristig ist ein solches Verständnis unverzichtbar für das Generieren einer soliden Performance über Marktzyklen hinweg.

Die Herausforderungen, um die es geht, fallen in drei getrennte, wenngleich voneinander abhängige Bereiche: Konstellation der Märkte, makroökonomische Aspekte und politische Faktoren. Unsere Analyse zeigt: Das Jahr 2018 wird von Herausforderungen gekennzeichnet sein, die äußerste Wachsamkeit erfordern.

Politische Faktoren

 Weite Kreise der Anlegergemeinde gehen zu Recht davon aus, dass dieser Bereich für die Märkt nur von sekundärer Bedeutung ist. Es ist noch schwieriger, politische Entwicklungen vorherzusagen als wirtschaftliche Veränderungen – von ihrer Auswirkung auf die Finanzmärkte ganz zu schweigen. Vor diesem Hintergrund halten wir dennoch nichts von übermäßiger Sorglosigkeit gegenüber der Politik im Jahr 2018.

Zunächst erscheinen die Auswirkungen politischer Ereignisse oft erst mit zeitlichem Verzug auf dem Radarschirm. Die britische Wirtschaft wird das Brexit-Votum aus dem Jahr 2016 in diesem Jahr wahrscheinlich noch schmerzhafter zu spüren bekommen. Wir beginnen daher das Jahr mit einer Verkaufsposition auf das britische Pfund, die sich auszahlen dürfte, wenn es zu großen Schwierigkeiten am Verhandlungstisch kommt.

Hinzu kommt, dass die bevorstehenden Wahlen in Lateinamerika und Europa alles andere als harmlos sind. Besonders aufmerksam sollte man in diesem Umfeld Mexiko beobachten und vielleicht sogar die Renditen von Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer. Geht man hingegen davon aus, dass die politischen Entwicklungen eine positive Wende nehmen, was unserem Szenario entspricht, wird die europäische Einheitswährung gut abschneiden.

Letztendlich beobachten wir auch die Entwicklungen im Nahen Osten sehr genau, da in dieser Region derzeit Gefahren einer politischen und damit auch wirtschaftlichen Destabilisierung lauern. Wir halten unsere Positionen in westlichen Erdölproduzenten und unsere Goldaktien für eine leistungsfähige Absicherung gegen die Zunahme politischer Risiken im Nahen Osten.

Makroökonomische Aspekte

Die Prognosen der Ökonomen, die sich 2017 als bei weitem zu pessimistisch erwiesen hatten, wurden erwartungsgemäß nach oben korrigiert, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem Zuversicht, Konsum und Wirtschaftswachstum Spitzenwerte erreichen. Auch wenn man durchaus davon ausgehen kann, dass die Weltkonjunktur sich 2018 weiter solide entwickeln wird, besteht nunmehr das Risiko enttäuschender Nachrichten.

Diese Aussicht beinhaltet ein gewisses Risiko für Aktien, insbesondere für die aus zyklischen Sektoren. Doch sie birgt auch Chancen. Denn indem dieses Szenario die Anfälligkeit des Dollars erhöht und der Anhebung der Zinsen Grenzen setzt, begünstigt es in hohem Maße die Bewertung von Wachstumswerten in den USA und den Schwellenländern.

Konstellation der Märkte

2017 beschleunigte die endlich eingetretene Konjunkturerholung dank der großzügigen von den Zentralbanken bereitgestellten Liquidität den Anstieg der Aktienmärkte, bewirkte aber immer noch keine deutliche Anpassung der Anleihenmärkte. Die Verzerrung der Marktpreise hat 2017 gewiss ihren Höhepunkt erreicht, und 2018 dürfte von einer bedeutenden Trendwende gekennzeichnet sein. In diesem Jahr werden die Zentralbanken ihre weltweiten monatlichen Liquiditätsspritzen allmählich zurückfahren, letztendlich wahrscheinlich bis auf null.

Diese historische Wende zu steuern, ohne abrupte Marktkorrekturen auszulösen, ist die noch nie dagewesene Herausforderung, mit der die Zentralbanken demnächst konfrontiert sein werden. Da selbst die meisten traditionellen „Fluchtwerte“ mittlerweile übermäßig teuer geworden sind, werden Anleger zwangsläufig auf geeignete Absicherungsinstrumente zurückgreifen müssen, um ihre Exposures zu verwalten.

Wie einleitend bereits erwähnt, sind diese drei Kategorien – politische Faktoren, makroökonomische Aspekte und technische Markteinflüsse – zwar voneinander getrennt, stehen aber in gegenseitiger Abhängigkeit. Die Finanzmärkte bilden ein System, dessen innere Beziehungen durch die Intervention der Zentralbanken ungekannte Verzerrungen erlebt haben. Dieses System wird künftig einem grundlegenden Wandel unterliegen. Und wenn dieser eintritt, werden Anleger mit völlig neuen Risiken und Chancen konfrontiert sein. 

UTM-Link : https://www.carmignac.de/de_DE/analysen-und-markte/carmignacs-note/drei-ueberlegungen-fuer-2018-1677?utm_source=EuroFR_News_Teas&utm_medium=Platform&utm_content=CN_18_01&utm_campaign=Exp_Outlook

Quelle: Bloomberg, 02.01.2018

Trendwende bei der Rohstoffnachfrage

Schlagworte:

Betrachtet man die Rohstoffentwicklung im Laufe der Zeit, wird deutlich, dass sich der wirtschaftlich stärkste Rohstoffsektor tendenziell aus strukturellen Verschiebungen bei Technologie und Wachstum ergibt. Bis ins 18. Jahrhundert entfiel der Großteil des Rohstoffmarktes auf die Landwirtschaft, die sich im Einklang mit dem Handel und der Bevölkerung entwickelte. Durch die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert rückte die Massenproduktion von Stahl und Kohle in den Mittelpunkt. Diese Entwicklung setzte sich im 20. Jahrhundert fort, als Öl und Petroleum das Zepter übernahmen. Wir stehen nun an einem Wendepunkt einer neuen Rohstoffgeneration, die geprägt ist von ineinandergreifenden Technologien in den Bereichen Energieeffizienz, Automation und Klimawandel, welche für die Nachfrage entscheidend sein dürften.

Energieeffizienz

Die Verbreitung erneuerbarer Energien hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da sie eine Möglichkeit darstellen, den zunehmenden Energiebedarf zu decken. Eine der kommerziell und wirtschaftlich rentabelsten Alternativen ist dabei die Solarkraft. Der Bau von Photovoltaikanlagen (PV) übertrifft weltweit auch weiterhin die Erwartungen, wobei die globale PV-Nachfrage einem Bericht von EnergyTrend3 zufolge in diesem Jahr 100 Gigawatt (GW) übersteigen dürfte. China ist der weltweit führende Solarkrafterzeuger und hat 2016 Solaranlagen mit einer Kapazität von 34 GW und über 17 GW allein in der ersten Jahreshälfte 2017 errichtet. Diese zunehmende Nachfrage nach PV-Modulen könnte sich als Segen für die erforderlichen Grundstoffe erweisen, allen voran Silber. Die Silbernachfrage aus der Industrie könnte bis 2022 im Einklang mit der globalen PV-Nachfrage weiter ansteigen.

Technologische Fortschritte bei der Energiespeicherung, insbesondere bei der Batterietechnologie, haben die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien gesteigert. Bei Lithium-Ionen-Akkus dürfte ein rascher Nachfrageanstieg durch Elektrogeräte, Stromzellen und allen voran die weltweit zunehmende Verbreitung batteriebetriebener Fahrzeuge zu beobachten sein.

Neben Lithium ist die derzeitige Batterietechnologie auch noch auf andere marktgängige Metalle angewiesen, vor allem Cobalt und Nickel. Cobalt, das hauptsächlich in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut wird, verbuchte zusammen mit Lithium ansehnliche Preissteigerungen infolge von Angebotsunterbrechungen und der erwarteten Batterienachfrage. Bei Nickel ist die globale Produktion hingegen aus regionaler Sicht stärker gestreut, und bislang sind rasche Preissteigerungen ausgeblieben.

Wahrscheinlicher ist, dass die Nickelpreise in den kommenden Jahren allmählich von der Nachfrage nach neuen Batterien profitieren und dabei schrittweise steigen. Derzeit vergrößert sich das Angebotsdefizit bei Nickel – ein Trend, der bis ins Jahr 2018 anhalten dürfte. Der Preisanstieg bei Nickel in den letzten Monaten geht auf die erwartete höhere Nachfrage und nicht auf angebotsseitige Faktoren wie die Produktionskosten zurück.

Den vollständigen Beitrag zum Thema „Disruptive Themen beflügeln die künftige Rohstoffnachfrage“ finden Sie hier.

Positive Lage am Green-Bond-Markt

Schlagworte:

Internationale Organisationen konnten ihre Klimaziele in der Vergangenheit nie erreichen. Die Durchschnittstemperaturen weltweit steigen weiter an. Naturkatastrophen treten so häufig auf wie noch nie zuvor, während internationale und lokale Maßnahmen zur Minderung der negativen Auswirkungen von Treibhausgasemissionen nach wie vor nicht ambitioniert genug sind, um der globalen Erderwärmung Einhalt zu gebieten. Das Übereinkommen von Paris, das im Dezember 2015 aufgesetzt wurde und im November 2016 in Kraft trat, gilt als Wendepunkt in den weltweiten Bemühungen zur Rettung des Planeten, da es die Unterzeichner dazu ermutigt, ambitioniertere Ziele nach Best-Effort-Prinzip zu definieren. Allerdings müssen den Worten auch Taten folgen.

In einem früheren Bericht mit dem Titel Sustainable investing: the performance myth hoben wir Millennials als wesentliche Nachfragequelle für grüne Anlagen sowie deren Rolle bei der Neugestaltung der Anlagebranche hervor. Nachhaltige Anlagen und ESG-Kriterien sind dank des neuen Kapitals seitens der Millennials, die ihre Anlageziele mit ihrer moralischen Verpflichtung gegenüber dem Planeten und künftigen Generationen verbinden möchten, mittlerweile weit verbreitet. Während sich Emissionsrechte bei der Verringerung von CO2- Emissionen nicht als so effizient erwiesen haben wie erwartet worden war (siehe Anlagen in eine emissionsarme Wirtschaft), haben die Umweltpolitik und die Stärkung des globalen Bewusstseins zu einem Anstieg der Investitionen in erneuerbare Energien beigetragen. In diesem Beitrag analysieren wir den Markt für Green Bonds, der Möglichkeiten für Anlagen in grüne Projekte bietet und auf kurze Sicht rasant wachsen dürfte.

Was sind Green Bonds? 

Green Bonds sind Anleihen, deren Erlöse zugunsten von ökologischen Projekten gehen, darunter z.B. die Entwicklung erneuerbarer Energien, sauberer Transport, Verschmutzungsprävention oder Energieeffizienz. Ein Green Bond weist dieselben Merkmale auf wie eine „normale“ Anleihe – von Kupon über Duration und Laufzeit bis hin zur Abhängigkeit des Kurses von Angebot und Nachfrage.

Dabei widmeten sich, wie bereits beim nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlegen (Sustainable and Responsible Investing, SRI), internationale Organisationen der Definition allgemeiner Richtlinien, welche Kriterien auflisten, die eine Anleihe erfüllen muss, um als „grün“ betrachtet zu werden. Derzeit kommen zwei wesentliche Standards zum Einsatz:

–        die von der International Capital Markets Association entwickelten Green Bond Principles (GBP), die Transparenz, vor allem im Hinblick auf die Verwendung von Erlösen, fördern; und

–        der von der Climate Bonds Initiative herausgegebene Climate Bonds Standard, der sektorspezifischere Kriterien für Anlagen und Projekte festlegt, um als „grün“ zu gelten.

Zwar wurden auf lokaler Ebene viele weitere freiwillige Richtlinien veröffentlicht. Allerdings ist ein global anerkannter Standard erforderlich, damit der Markt für Green Bonds sein volles Potenzial entfalten kann.

Den volständigen Beitrag zum Thema „Green-Bond-Markt“  finden Sie hier.