China feuert im Handelskonflikt mit den USA zurück

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China hat den Import mehrerer US-amerikanischer Agrarprodukte verboten. Zuvor hatte die chinesische Regierung bereits die staatseigenen Betriebe angewiesen, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu kaufen.

China hat im Handelskrieg gegen die USA mit Importverboten und einer Abwertung des Renminbis gekontert. Das könnte US-Präsident Donald Trump Wähler kosten

Der Handelsstreit zwischen den USA
und China geht in eine neue Runde. Der Waffenstillstand, den US-Präsident
Donald Trump und Chinas Parteichef Xi Jinping zwischenzeitlich ausgehandelt
hatten, hielt damit kaum mehr als einen Monat. Vergangene Woche kündigte Trump neue
Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an. „Aus
chinesischer Perspektive wird es nun darum gehen, Präsident Trump dort zu
treffen, wo er verwundbar ist: mit Blick auf die bevorstehenden
Präsidentschaftswahlen“, sagt Seema Shah, Chefstrategin des US-amerikanischen
Asset Managers Principal Global Investors (PGI).

Genau das haben die Chinesen inzwischen
getan. Sie haben den Import mehrerer US-amerikanischer Agrarprodukte verboten. Zuvor
hatte die chinesische Regierung bereits die staatseigenen Betriebe angewiesen,
keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu kaufen. Auch private Unternehmen haben inzwischen
ihre Bestellungen eingestellt, berichtet die Commerzbank. US-Bauern könnten auf
über zwei Millionen Tonnen Sojabohnen sitzen bleiben, die laut Commerzbank eigentlich
im August und September nach China verkauft werden sollten. Das verärgert die Landwirte, die eine wichtige Wählergruppe Trumps
ausmachen.

US-Industrie ist stark von China abhängig

Daneben könnte der US-Präsident auch die Konsumenten
gegen sich aufbringen vermutet Andreas Busch, Analyst beim Vermögensverwalter
Bantleon. Sollte Trump seine jüngst angedrohten Zölle durchsetzen, wären
diesmal vor allem Smartphones und Laptops betroffen. Das könnte die
US-Industrie in eine Rezession stürzen, warnt Busch: „In diesem Umfeld
verbietet es sich eigentlich von selbst, den privaten Konsum – als letzte
Stütze des Wachstums – mit Einfuhrzöllen zu belasten“, sagt der
Wirtschaftsanalyst.

Wie abhängig die US-Industrie und die
Finanzmärkte von den Entwicklungen im Handelskonflikt sind, zeigte sich zu
Beginn dieser Woche erneut. Die Chinesen haben ihre eigene Währung, den
Renminbi, gegenüber dem US-Dollar um rund 1,5 Prozent abgewertet. Das sorgte
für Turbulenzen an den US-Finanzmärkten. Die US-Leitindizes Dow Jones und
S&P 500 sackten zwischenzeitlich um rund drei Prozent ab. Am stärksten traf
es den Nasdaq 100. Der von Technologiewerten geprägte Index verlor zwischenzeitlich
4,2 Prozent an Wert. Kein Wunder: Große US-Tech-Unternehmen erzielen den
Großteil ihres Umsatzes außerhalb der USA, sagt PGI-Chefstrategin Shah. Sie
sieht Gefahren für die gesamte US-Wirtschaft: „Wenn der Tech-Sektor stolpert,
stolpert auch der breite Markt.“

Die Fed wird Trump keine Rückendeckung geben können

Der US-Präsident hatte zuvor auf Schützenhilfe
von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gehofft. Nachdem Investoren schon
lange damit gerechnet hatten, hat sich die Fed dann tatsächlich zur Zinswende
durchgerungen und den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. Doch selbst weitere
Senkungen reichen nach Ansicht der PGI-Chefstrategin Shah nicht, um die
US-Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Auch Bantleon-Analyst Busch ist
skeptisch: „Sollte der Handelskrieg eskalieren und damit die Weltwirtschaft in
eine Rezession stürzen, werden das auch die Notenbanken nicht verhindern können“,
sagt er: „Eine Vollkaskoversicherung kann die Geldpolitik in diesem Fall
sicherlich nicht anbieten.“