Das Krisenmetall steckt in der Krise

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Wer sich Gold ins Depot legt, vertraut darauf, dass das Edelmetall in Krisenzeiten Verluste abfedert. Doch in der Corona-Krise wurde der vermeintlich sichere Hafen bisher schwer in Mitleidenschaft gezogen. Warum der Goldpreis fällt – und wie es für das Metall weitergeht.

Sein Vermögen in Gold zu investieren,
ist eigentlich wirtschaftlicher Unsinn. Es liegt herum, bringt keine Zinsen und
verursacht oft sogar noch Lagerkosten. Dass Gold trotzdem in fast allen
Portfolios zu finden ist, liegt im Prinzip nur an einem einzigen Grund: Es soll
in Krisen seinen Wert behalten oder sogar noch wertvoller werden. Geht es an
den Kapitalmärkten bergab, etwa im Zuge einer Wirtschafts- oder Finanzkrise,
gilt Gold als sicherer Hafen. Sein Preis soll anziehen, wenn alle anderen
Vermögenswerte in den Keller rauschen. Dadurch soll das Edelmetall wenigstens
einen Teil der Verluste kompensieren.

Doch die Corona-Krise stellt dieses
Versprechen auf eine harte Probe. Nicht nur, dass der Goldpreis auf Monatssicht
sieben Prozent an Wert verloren hat. An Tagen, an denen es an den
Kapitalmärkten besonders turbulent zuging, rauschte zudem auch der Goldpreis in
die Tiefe. Allein in der vergangenen Woche schmolz der Preis pro Feinunze um
144 US-Dollar. Momentan notiert das gelbe Metall bei rund 1.470 US-Dollar. „Die
üblichen Absicherungsstrategien zur Risikominderung funktionieren derzeit
nicht“, sagt Axel Botte, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Ostrum Asset
Management.

Marktbeobachter erklären sich die
paradoxe Entwicklung beim Gold unter anderem damit, dass der Börsencrash eine
Flucht in Bargeld ausgelöst hat. Viele Anleger mussten ihre Gold-Bestände zuletzt
gezwungenermaßen verkaufen, um Verluste in anderen Asset-Klassen auszugleichen.
Experten sprechen von sogenannten Margin Calls: Bei stark fallenden Aktienkursen
verlangen viele Banken und Aktienbroker von ihren Kunden zusätzliche Bargeldreserven,
um nicht auf Verlusten sitzenzubleiben. Das gilt vor allen dann, wenn sich
Kunden zuvor bei der Bank Geld geliehen haben, um spekulative Wetten auf
Kursentwicklungen einzugehen.

Positive Rahmenbedingungen

Hinzu kommt: Durch das Coronavirus
liegt die Kauflust der Menschen brach, nicht zuletzt wegen der auf breiter
Front angeordneten sozialen Distanzierung. Das setzt nicht nur Tourismus und
Gastronomie unter Druck, sondern auch die Luxusgüterindustrie. In wichtigen
Absatzländern wie China und Indien ist die Nachfrage nach Schmuckwaren
eingebrochen. Auch das belastet den Goldpreis.

Dennoch sollten Investoren nicht den
Glauben an Gold verlieren, sagen Experten. Selbst wenn das Krisenmetall zuletzt
enttäuscht hat: „Anleger werden in den kommenden Wochen und Monaten mehr denn je
Vermögenswerte benötigen, die objektiv weniger von dieser Gesundheits­krise
betroffen sind“, schreiben Analysten der Fondsgesellschaft Baker Steel in einem
aktuellen Marktkommentar. Anleger sollten zudem berücksichtigen, dass die
volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen Gold mittelfristig sogar attraktiver
machen als vor der Corona-Krise. „Die politische Ausrichtung deutet auf ein
makroökonomisches Umfeld mit anhaltend niedrigen Realzinsen und einer
signifikanten Ausweitung der Staatsverschuldung hin“, heißt es in dem Bericht.
In der Vergangenheit hat sich der Goldpreis in einem solchen Umfeld meist gut
entwickelt.