Das Thema Nachhaltigkeit darf von Beratern nicht mehr ignoriert werden

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Einer aktuellen Umfrage der UBS Asset Management zufolge beziehen heute bereits 78 Prozent der institutionellen Investoren weltweit Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien.

Wer die Medienberichte der vergangenen Monate verfolgt hat, musste sich verwundert die Augen reiben. Auf der einen Seite bestimmten die Friday-for-Future-Kids die Schlagzeilen. Auf der anderen Seite geriet die Klimapolitik vieler Regierungen in die Defensive. Jenseits des Atlantiks regiert nicht nur seit Jahren ein Klima-Leugner in Washington, sondern jetzt auch in Brasilien, dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas. Und in Europa stellen rechtsnationale Parteien in Ungarn, Polen und Italien sogar schon Regierungen, in Großbritannien und Frankreich schienen sie zuletzt wieder zu erstarken.

Das Problem dabei: Die Rechten eint bekanntermaßen weltweit eine Abscheu gegen Alles, was nach umweltfreundlicher Politik aussieht. Die Europawahl mutierte damit auch zur Schicksalswahl für die europäische Klimapolitik.

Die Befürchtungen, Rechtspopulisten könnten im EU-Parlament mit ihrer neuen Macht die in Paris vereinbarten Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele nachhaltig torpedieren, werden sich jedoch wohl erst einmal nicht bewahrheiten. Denn die Europawahl verhalf den euroskeptischen Parteien nicht zum Durchbruch. So sendet das Vereinigte Königreich möglicherweise die europafreundlichste Abordnung der vergangenen 20 Jahre ins Europaparlament. Und auch der französische Rassemblement National von Marine Le Pen verlor Parlamentssitze.

Die größten Gewinner in nahezu allen 28 EU-Mitgliedsstaaten waren grüne und liberale Parteien. Die Fraktion der Grünen / Europäischen Freien Allianz (Grüne/EFA) hat die Zahl ihrer Abgeordneten von 52 auf 75 von insgesamt 751 Sitzen deutlich gesteigert. Das ist nicht nur ein Sieg für die Grünen, sondern auch ein Signal an alle anderen Parteien: Wer das Klima-Thema ignoriert, verliert. Der Effekt wird wohl sein, dass das Erreichen der Klimaziele von Paris sogar eine noch höhere Priorität erlangt als bisher.

Politik treibt die Finanzindustrie zu mehr Nachhaltigkeit an

„Bereits das letzte Europäische Parlament war zunehmend bereit, Handelsspannungen in Kauf zu nehmen, um seine Klimaziele und die Achtung der Menschenrechte sowie bessere Standards am Arbeitsmarkt und im Umweltschutz zu erreichen“, sagt Petra Pflaum, CIO for Responsible Investments bei der DWS. „Jüngste EU-Handelskonflikte mit Indonesien, Thailand und Malaysia im Streit um europäische Palmölimporte könnten einen Vorgeschmack auf die künftige europäische Handelspolitik bieten“, so Pflaum.

Diejenigen in der Finanzindustrie, die darauf gehofft hatten, dass das EU-Parlament ihre Bestrebungen zu mehr nachhaltigem Investieren demnächst schleifen lassen könnte, sollten ihre Hoffnungen deshalb wohl besser begraben. Ohnehin gehören sie nur noch einer Minderheit an: Einer aktuellen Umfrage der UBS Asset Management zufolge beziehen heute bereits 78 Prozent der institutionellen Investoren weltweit Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (englisch: Environmental, Social, Governance = ESG) in ihre Anlageprozesse ein.

An der Studie „ESG: Do you or don’t you?“ des Vermögensverwalters aus der Schweiz nahmen 600 Investoren teil, die für ein Gesamtvermögen von über 19 Billionen Euro Verantwortung tragen.

Wer Nachhaltig als Entscheidungsfaktor für Investitionen ignoriert, verliert Kunden

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Mehr als 80 Prozent der Investoren halten es sogar für ein erhebliches Risiko, ESG-Faktoren nicht zu berücksichtigen. Viele von ihnen (55 Prozent) sind zudem überzeugt, dass sich deren Berücksichtigung positiv auf ihren Anlageerfolg auswirken wird. In Europa ist der Prozentsatz der institutionellen Investoren, die bereits im Bereich ESG aktiv sind, mit 82 Prozent am höchsten. In Asien, Ozeanien und Afrika liegt dieser Prozentsatz bei 76 Prozent. In diesen Regionen ist auch die Zahl derer, die zukünftig ESG-Faktoren berücksichtigen wollen, am größten, was hohes Wachstumspotenzial in Aussicht stellt.

Entgegen einem weit verbreiteten Eindruck und trotz der in den USA herrschenden, recht feindseligen Haltung zum Thema Nachhaltigkeit, sind auch dort die Investoren, die ESG Beachtung schenken (68 Prozent), gegenüber denen, die dies nicht tun (elf Prozent), klar in der Überzahl.

Was Berater, die im institutionellen Beriech unterwegs sind, zudem wissen sollten: Bei allen Arten von Versorgungskassen ist der Anteil derer, die ESG-Faktoren integrieren, enorm hoch. Von den Pensionsfonds auf Basis von aufgeschobener Vergütung integrieren bereits drei Viertel ESG-Kriterien in ihre Standardfonds, wobei sich die meisten (63 Prozent) für Investments in breit angelegte ESG-Strategien entscheiden.

Wenn wir mit unseren großen institutionellen Kunden sprechen, stellen wir zunehmend eine veränderte Haltung zu nachhaltigem Investieren fest. Diese aktuelle Studie bestätigt unsere Überzeugung: Nachhaltiges Investieren ist nicht länger eine schöne Option, sondern ein Muss“, sagt Michael Baldinger, Head of Sustainable & Impact Investing bei UBS AM.