Degroof Petercam AM: Behavioral Finance Akademie Teil 2

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Degroof Petercam AM (DPAM) versteht sich als Pionier des Investierens nach den Erkenntnissen der Verhaltensökonomie. Bereits seit dem Jahr 2002 nutzt DPAM verhaltensbedingte Preisanomalien an den Kapitalmärkten im Rahmen quantitativ gemanagter Value-Strategien und erzielt dabei kontinuierlich überdurchschnittliche Anlageergebnisse.

Mittlerweile
werden mehr als 2,5 Milliarden Euro in insgesamt drei Behavioral
Value-Strategien verwaltet, die auf die Aktienmärkte der USA, Europas
bzw. der Eurozone fokussiert sind.

Aufbauend auf dieser Erfahrung möchte DPAM mit seiner ‚Behavioral Finance Akademie
einen Beitrag leisten, um mehr über die Hintergründe einer
Anlagestrategie zu informieren, die in weit grösserem Maße auf Theorien
und akademischer Forschung basiert als viele andere Investmentansätze.

Anknüpfend
an das berühmte Zitat von Value-Investorenlegende Warren Buffet
„Investiere niemals in etwas, das du nicht verstehst“ soll die
‚Behavioral Finance Akademie‘ dabei helfen, in kompakter Form
wichtiges Wissen zu vermitteln und Anlegern einen erfolgreichen, aber
bislang noch relativ wenig beachteten Investmentansatz näher zu bringen.

Die ‚Behavioral Finance Akademie‘ gliedert sich in insgesamt 6 Teile, die stufenweise aufeinander aufbauen und sich folgendermassen darstellen:

Teil 1: Was ist unter dem Begriff ‚Behavioral Finance‘ zu verstehen?

Teil 2: Der ‚Homo Oeconomicus‘: Wie hat er sich entwickelt und gibt es ihn überhaupt noch?

Teil 3: Welche Fehler machen Menschen bei der Kapitalanlage? Warum schätzen sie das Risiko oft falsch ein?

Teil 4: Warum entsteht das Herdenverhalten? Wie spiegelt sich dies im Anlegerzyklus wider?

Teil
5: Wie lassen sich die Erkenntnisse der Behavioral Finance in
Anlagestrategien umsetzen? Worin liegt der Vorteil von Behavioral
Value-Ansätzen?

Teil
6: Exkurs Anlagestile – ‚Value‘ hat lange Zeit im Schatten von ‚Growth‘
gestanden. Was spricht für ein Comeback von Value-Strategien?

Teil
2: Wieviel Emotionalität steckt im ‚Homo Oeconomicus‘?

Intellekt, Aufmerksamkeit,
Konzentrationsfähigkeit, persönliche Erfahrungen – diese und viele weitere
individuelle Eigenschaften prägen jeden Einzelnen und unterscheiden die
Menschen auf natürliche Weise wie äußere Faktoren, also zum Beispiel die Größe
und das Aussehen.

Ebenso können wir uns völlig voneinander unterscheiden beim Thema
Emotionalität. Emotionen sind tief verwurzelt in der Psyche des Menschen.
Ernüchterung und Frust, aber auch Freude und sogar Euphorie können mitunter nah
beieinander liegen. Bei jedem natürlich ganz anders – denn kein Mensch ist wie der andere. Das gilt auch für rationales
Verhalten, das unter den Aspekten der Vernunft und Abwägung von Vor- und
Nachteilen bzw. Chancen und Risiken zu vermeintlich
wohl überlegten Entscheidungen
führt.

Viele Menschen gehen mit einem eben solchen, rationalen Vorsatz an das Thema Geld bzw. Geldanlage heran. Ein
durchaus guter Ansatz, denn viele ökonomische
Entscheidungen
wollen gut durchdacht
sein. Wer Investitionen tätigt oder Geld anlegt, hat sich dies in den meisten
Fällen hart erarbeitet und möchte es nicht
verlieren
. Im Gegenteil: Der rationale
ökonomische Sachverstand
führt uns schnell zu dem Schluss, dass sich Kapital bei der Anlage vermehren sollte.

Umso absurder wirken vor diesem Hintergrund die erreichten Null- oder Minuszinsen, die dazu
führen, dass bestimmte Anlageformen sich nicht mehr verzinsen bzw. sogar
Verluste einfahren. Geld zu verdienen
ist aber der ganz natürliche Wunsch
eines jeden Anlegers. Dieses Ziel erfolgreich in die Tat umzusetzen, misslingt
jedoch häufig.

Und da ist man auch schon wieder schnell beim Thema Emotionen. So mancher ist verärgert über das niedrige Zinsniveau. Schaut er sich am Kapitalmarkt um, findet er
dennoch renditeträchtigere Alternativen
zu Staatsanleihen und Sparkonten. Wie zum Beispiel die Aktie. Doch muss sich jeder Anleger, der zu Aktien greift, auch die
Frage stellen, inwieweit diese Anlageform überhaupt bzw. zu welchem Anteil
seines Gesamtportfolios zu seinen Anlagezielen
und Risikoneigungen passt.

Da Aktie nicht gleich Aktie ist, steht auch schnell die Frage im
Raum, welche Aktien denn für den Einzelnen die Richtigen sind. Bewertung lautet das Stichwort, d.h.
ist die einzelne Aktie noch unterbewertet
oder gar schon zu teuer? Gleiches
gilt auch für andere risikoreichere
Asset-Klassen
, wie zum Beispiel Rohstoffe, Währungen oder auch Private
Equity.

Null Emotionen!?

Lange Zeit haben die Wirtschaftswissenschaften das Bild eines rationalen, ausschließlich
„wirtschaftlich” denkenden und nutzenmaximierenden
Verbrauchers bzw. Anlegers gezeichnet, der sogenannte ‚Homo Oeconomicus‘. Dieser konnte quasi gar keine emotional
behafteten Fehler machen, denn das Hauptmerkmal des Homo Oeconomicus ist seine
Fähigkeit zu uneingeschränktem rationalem
Verhalten
.

Möglich wird dies in der Theorie durch lückenlose Informationen über sämtliche Entscheidungsalternativen
und deren Konsequenzen.

Die Analysen der klassischen
Wirtschaftstheorie
, die auf den Schotten Adam Smith zu Beginn des
17. Jahrhunderts zurückgeht, setzten demnach eine vollkommene Markttransparenz voraus und einen Menschen als perfekten, kalten und emotionslosen
Rechenautomaten.

Dieses Modell
erschien zwar schon damals so manchem unrealistisch,
dennoch hat dieses vereinfachte Menschenbild bis in die Neuzeit der
Wissenschaft enorme Fortschritte bei der Ausarbeitung ökonomischer Theorien ermöglicht. Hierzu zählt zum Beispiel die ‚Prospect Theory‘, die das strikt
rationale Modell des Homo Oeconomicus durch ein Modell erweitert, in dem die
Rationalität unter anderem durch so genannte kognitive Verzerrungen, also systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und
Urteilen, modifiziert wird.

Aus ‚Homo
Oeconomicus‘ wird ‚Homo emotionalis‘

Weiter revolutioniert wurde die Betrachtungsweise durch moderne Forschungsansätze. Sie stellen
einen Menschen in den Mittelpunkt, wie er tatsächlich ist, und nicht, wie er
theoretisch sein sollte. Dazu zählen die Arbeiten des US-amerikanischen
Wissenschaftlers Richard Thaler,
wofür er 2017 den Wirtschaftsnobelpreis
erhielt. Er hat gezeigt, dass unter anderem begrenzte Rationalität, soziale Präferenzen und ein Mangel an Selbstbeherrschung systematisch
Entscheidungen und Marktergebnisse beeinflussen. Der 73-jährige Pionier der
Verhaltensökonomie belegt mit seinen langjährigen Untersuchungen, dass sich der
Mensch – wie in anderen Lebensbereichen – auch bei wirtschaftlichen Fragen und
der Geldanlage sehr stark von seinen Emotionen leiten lässt
und weit weniger rational ist, als
dies lange angenommen wurde.

Thaler unterscheidet zwischen dem „planerischen Ich“, das langfristig denkt und rationalen
Beweggründen folgt, und dem „agierenden
Ich“
, das unstet ist, kurzfristig denkt und sich von Stimmungen und Emotionen
leiten lässt. Eine Unterscheidung, die auf die verschiedensten Lebenssituationen zutrifft – zum Beispiel bei der
Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, oder auch beim Konsumieren und
Geldanlegen.

Thaler stellte diese Ambivalenz, also die langfristige Rigorosität und die kurzfristige Laxheit des Menschen in das Zentrum seiner Forschungen.
Dafür standen unter anderem eine ganze Reihe von anthropologischen
Fragestellungen im Blickpunkt: „Wie funktioniert das menschliche Gehirn?“,
„Welche biochemischen Prozesse laufen dabei ab?“, „Wie treffen Menschen
Entscheidungen?“ „Welchen Einfluss haben dabei psychologische Faktoren?“.

Auf Aspekten wie diesen und der Tatsache, dass regelmäßig irrationale Entscheidungen
getroffen werden, basiert die Behavioral
Finance
. Denn Fehlentscheidungen
und Herdenverhalten führen auch an
den Finanzmärkten zu abweichenden Tendenzen von der Theorie
des rational handelnden Homo Oeconomicus. Tatsächlich neigen Anleger in der
Realität bei negativen wie auch positiven Nachrichten und Ereignissen
an den Märkten zu emotionalen
Übertreibungen
. In der Folge entstehen Fehlbewertungen
– sei es, dass einzelne Aktien übertrieben abgestraft
oder übertrieben gefeiert werden.

Als Pionier der
Behavioral Finance hat DPAM die akademischen Erkenntnisse der Finanzverhaltensökonomie
von Richard Thaler in einen streng regelbasierten
Investmentprozess
eingebettet, der entstandene Fehlbewertungen an den Märkten systematisch
nutzt. Dieser soll im
5. Teil der ‚Behavioral Finance Akademie
näher beleuchtet werden. Der erste Fonds wurde bereits 2002 auf der Grundlage
verhaltensbasierter Erkenntnisse aufgelegt. Mittlerweile verwaltet DPAM mehr
als 2,5 Milliarden Euro in insgesamt drei Behavioral Value-Strategien, die auf
die Aktienmärkte der USA, Europas und der Eurozone fokussiert sind.

Vorschau

Der nächste Teil der Behavioral Finance Akademie von DPAM beschäftigt sich mit den Fehlern, die Menschen
bei der Kapitalanlage machen. Untersucht wird dabei auch die Frage, warum
Anleger das Risiko oft falsch einschätzen.

Teil 1: Was ist unter dem Begriff ‚Behavioral Finance‘ zu verstehen?