Der Handelskonflikt lässt die Volatilität steigen

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Seit seinem Einzug ins Weiße Haus verspricht US-Präsident
Trump gemäß seinen Wahlkampfversprechen, amerikanische Unternehmen zu
unterstützen und für mehr Fairness im Handel zu sorgen. Seiner Meinung nach
sind die Vereinigten Staaten in Handelsfragen in mehrfacher Hinsicht
benachteiligt, unter anderem durch Diebstahl geistigen Eigentums der USA durch
chinesische Unternehmen oder durch multilaterale Handelsabkommen wie das
Freihandelsabkommen NAFTA. Nun macht sich die Trump-Administration langsam
daran, ihre Wahlkampfversprechen umzusetzen. Bislang sind die wirtschaftlichen
Auswirkungen noch begrenzt, die jüngsten Entwicklungen verschärfen jedoch die
Gefahr einer Eskalation.

Was ist geschehen?

In den vergangenen Monaten wurden von der US-Regierung
verschiedene protektionistische Maßnahmen bekanntgegeben bzw. umgesetzt. Im
März verkündete Trump, er werde die nationale Sicherheit der USA durch die
Verhängung von Einfuhrzöllen auf Stahl und Aluminium schützen. Die USA, Kanada
und Mexiko liegen auch nach mehreren NAFTA-Verhandlungsrunden bei einigen
Themen noch weit auseinander, sodass ein neues Freihandelsabkommen noch nicht
in greifbarer Nähe liegt. Letzten Freitag griff die US-Regierung als Reaktion
auf die Verletzung von Urheberrechten durch China zu Maßnahmen auf der Basis
des US-Handelsgesetzes (Section 301). Dabei wurden Warenimporte im Wert von 34
Milliarden USD, unter anderem Flugzeugteile und medizinische Geräte, mit einem
Strafzoll von 25 % belegt. Außerdem richtet das US-Handelsministerium ihr
Augenmerk auf den Automobilsektor und prüft die Einführung von Zöllen auf
Autoimporte. China reagierte prompt und konterte mit der Erhebung von Zöllen
gleichen Umfangs und gleicher Höhe auf US-Importe. Sie treffen ein breites
Warenspektrum, angefangen von Sojabohnen bis hin zu Autos.

Bislang sind die wirtschaftlichen Folgen überschaubar

Wie bereits erwähnt, sind die Konsequenzen für die
Wirtschaft bislang begrenzt. Die angekündigten Maßnahmen betreffen nur einen
Bruchteil des Welthandels. Deutlich wird das am Beispiel des globalen
Stahlhandels, gegen den sich die ersten Warnschüsse des US-Präsidenten in dem
Konflikt richteten. Dessen Anteil am gesamten Welthandel liegt bei ca.
2 %. Ferner macht der gesamte bilaterale Handel zwischen den USA und China
weniger als 3,5 % des Welthandelsvolumens aus. Dementsprechend sind die
Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Inflation nur marginal. Bestimmte
Sektoren und Unternehmen bekommen die jüngsten Maßnahmen jedoch direkt zu
spüren. Ob Unternehmen in der Lage sind, von den Abschottungsmaßnahmen zu
profitieren oder sich zu behaupten und welche Umsatzauswirkungen zu befürchten
sind, hängt von zahlreichen unternehmensspezifischen Faktoren wie
Fertigungsstandort und Preismacht ab.

Angesichts der Gegenmaßnahmen Chinas, der Europäischen
Union, Mexikos und Kanadas sowie der Erwägung von Maßnahmen im Automobilsektor
droht mit Blick auf die Zukunft eine Ausweitung des Konflikts, die den globalen
Handel doch gefährden könnte.

Voraussichtlicher Anstieg der Volatilität

Wir halten eine Korrektur unseres allgemeinen
gesamtwirtschaftlichen Ausblicks zum jetzigen Zeitpunkt nicht für erforderlich.
Die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und seinen Handelspartnern
verstärken jedoch die Abwärtsrisiken. Bei der Analyse einzelner von den
jüngsten Maßnahmen betroffenen Unternehmen und Branchen berücksichtigen wir
ferner trotz des unveränderten gesamtwirtschaftlichen Ausblicks die aktuellsten
Entwicklungen. Diese passen unseres Erachtens zum Gesamtbild und deuten auf
einen weiteren Anstieg der Volatilität an den Märkten hin.

Unter dem Strich bleiben wir bei unserem Basisszenario und
rechnen damit, dass die Weltwirtschaft 2018 weiter wachsen wird und die
Kursschwankungen an den Finanzmärkten angesichts politischer Ereignisse und
Kurswechseln in Sachen Geldpolitik etwas zunehmen werden.

Jordy Hermanns
Jordy Hermanns

Jordy
Hermanns, Kames Capital