Deutsche Büroimmobilien sind gefragt

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Die starke Konjunktur der vergangenen Jahre schlägt sich – wie immer in solchen Phasen – leicht verzögert und sehr verstärkt im Gewerbeimmobilienmarkt nieder. Preise und Transaktionsvolumina stiegen zuletzt merklich. Besonders gefragt waren im vergangenen Jahr Büroimmobilien, wovon vor allem Frankfurt profitierte. Dort wechselten Objekte im Gesamtvolumen von mehr als 9,5 Milliarden Euro den Besitzer. So verkaufte etwa der Projektentwickler Tishman Speyer den Omniturm für rund 700 Millionen Euro an den Immobilienfonds Hausinvest der Commerz Real. Das Bürohochhaus Trianon ging für 670 Millionen Euro an das südkoreanische Finanzkonsortium IGIS/Hana Financial Investment.

Doch nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland geht der Gewerbeimmobilienmarkt derzeit durch die Decke. „Nach drei sehr guten Jahren mit jeweils deutlich über 50 Milliarden Euro Transaktionsvolumen wurde 2018 erstmals die 60-Milliarden-Euro-Schwelle durchbrochen und ein neues Allzeithoch aufgestellt”, sagte Piotr Bienkowski, Deutschland-Chef des Immobilienberaters BNP Paribas Real Estate in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Das außergewöhnliche Vorjahresergebnis wurde damit noch einmal um knapp sechs Prozent übertroffen“, so Bienkowski. Auch die Immobilienberater CBRE, Colliers und JLL sprechen von einem Rekordjahr mit einem Transaktionsvolumen von mehr als 60 Milliarden Euro und zeigen sich für das neue Jahr zuversichtlich.

Wegen der niedrigen Zinsen, einer guten Konjunktur und steigender Mieten dürfte die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien nach Einschätzung der Experten hoch bleiben. Colliers-Deutschland-Chef Matthias Leube erwartet für 2019 ein Transaktionsvolumen von 58 Milliarden Euro. Nach Ansicht seines JLL-Kollegen Timo Tschammler sind bis zu 55 Milliarden Euro erreichbar. Bienkowski hält 55 bis 60 Milliarden Euro für realistisch.
Nach Büroimmobilien liegen Einzelhandelsimmobilien in der Beliebtheitsskala weiterhin auf Platz zwei, gefolgt von Logistikimmobilien, die insbesondere vom stark wachsenden Online-Handel profitieren. Die hohe Nachfrage treibt die Preise in die Höhe, die seit Jahren anhaltende Talfahrt bei den Renditen setzt sich fort. Denn die Mieten steigen schon länger nicht mehr so schnell wie die Immobilienpreise.

Baukosten steigen

Was das Transaktionsvolumen zumindest mittelfristig weiter antreiben und die Renditen für Investoren weiter sinken lassen dürfte: Auch die Kosten für Neubauten stiegen zuletzt stark an. Während in den vergangenen zehn Jahren die Baupreise durchschnittlich um etwa zwei Prozent pro Jahr zulegten, stiegen die Kosten für den Bau von Büroimmobilien im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt um durchschnittlich 4,35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: Statistisches Bundesamt. Berichtsmonat im Quartal_1=Februar, 2=Mai, 3=August, 4=November. August und November 2013: Hamburg und Schleswig-Holstein geschätzt.

Gefahr einer Konjunkturdelle

Noch fährt Deutschlands Wirtschaft unter Volldampf. Das Bruttoinlandsprodukt steigt, die Arbeitslosenquote sinkt. Sollte sich die Konjunktur, wie es sich derzeit andeutet, jedoch auch in Deutschland deutlich abschwächen, bedeutet die jüngste Preisentwicklung auf dem Gewerbeimmobilienmarkt nicht Gutes: Dem größeren Angebot mit gestiegenen Preisniveau steht dann mittelfristig eine schwächere Nachfrage gegenüber. Das könnte den noch boomenden Markt unter Druck setzen.