Die Ankunft der Lohninflation

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Bevor das Schreckgespenst des Protektionismus die Märkte in Atem hielt, war der US-Arbeitsmarkt, genauer gesagt die Lohninflation, der erste Stressfaktor des Jahres. Da die Lohninflation im Februar deutlich höher als erwartet ausfiel, ließ sie eine Beschleunigung und mögliche Entgleisung der Inflation in den USA sowie eine daraus folgende aggressive geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank (Fed) befürchten. Auch wenn die Reaktion der Anleger zweifelsohne überzogen war, hatte diese Episode zumindest den Vorteil, dass das Thema Inflation in den Köpfen der Anleger ankam.

Trotz immer besserer Arbeitsmarktzahlen, eines steten Rückgangs der Arbeitslosenquote und durchschnittlich rund 200.000 neu geschaffener Stellen pro Monat blieb die Lohninflation seitdem jedoch moderat. Hierfür gibt es mehrere Erklärungen. Einerseits den Anstieg der privaten Einkommen vom Jahresanfang im Zuge der Steuerreform, die den Wunsch nach Lohnerhöhungen eindämmte. Andererseits die Rückkehr von Arbeitnehmern auf den Arbeitsmarkt, die lange Zeit außer Arbeit waren und daher weniger hohe Lohnforderungen stellen.

Seitens der Unternehmen waren jedoch andere Töne zu vernehmen. Eine Erhebung des Institute for Supply Management (ISM) nannte die Arbeitskosten als einen der Faktoren für den Anstieg der gezahlten Preise. Ebenso wiesen kleinere Unternehmen in der Befragung durch den US-Verband der freien Berufe (NFIB) auf einen ausgeprägten Lohndruck hin, und einige berichteten von Schwierigkeiten bei Neueinstellungen. Insgesamt deuteten diese verschiedenen Erhebungen auf eine höhere Lohninflation hin, als sie den Zahlen des Bureau of Labor Statistics (BLS) bislang zu entnehmen war.

Der am vergangenen Freitag veröffentlichte Bericht des BLS bestätigte diese Beobachtungen. Denn der durchschnittliche Stundenlohn legte im August um 0,4 Prozent zu, während lediglich 0,2 Prozent erwartet worden waren. Über ein Jahr betrachtet stieg er um 2,9 Prozent, während die Prognose lautete, dass er mit 2,7 Prozent stabil bleiben würde. Der Rückgang der Erwerbsquote erzeugt einen Aufwärtsdruck auf die Löhne. Dagegen haben die Stagnation bei den durchschnittlich geleisteten Stunden und der Rückgang der Unterbeschäftigungsquote eher einen dämpfenden Effekt. Anders gesagt: Es handelt sich um eine „echte“ Lohninflation und nicht bloß um einen Masseneffekt.

Sobald der Anstieg der privaten Einkommen durch die Steuerreform aufgesogen ist, wird sich der Anstieg der US-Löhne in den kommenden Monaten fortsetzen. Entscheidend ist nun die Frage, ob es den Unternehmen gelingt, diese Kostensteigerungen auf höhere Verkaufspreise umzulegen. Falls ja, werden die Verbraucherpreise weiter ansteigen, was die Fortsetzung der von der Fed begonnenen geldpolitischen Straffung rechtfertigen würde. Im gegenteiligen Fall werden die Margen der Unternehmen unter Druck geraten. Dies könnte letztlich negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne haben, sobald der günstige Basiseffekt der Steuerreform verpufft.