Die meisten aktiven Deutschland-Fonds schlagen den Index

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Wenn die Leistungen von Fondsmanagern gemessen werden, schneidet die Mehrheit oft schlechter ab als die jeweiligen Vergleichsindizes. Das war auch 2019 so. Ausnahme: Aktive Manager, die mit ihren Fonds in deutsche Aktien investierten.

Beim Aktiv-Passiv-Vergleich schneiden aktive Fondsmanager normalerweise nicht gut ab. Das hat einen einfachen Grund: Die laufenden Fondsgebühren sorgen dafür, dass die aktiv gemanagten Fonds einen Performancenachteil im Rennen um die letzten Prozentpunkte wettmachen müssen. Das gelingt nur einer Minderheit. Das ist gleichermaßen sehr wahrscheinlich: Wenn es einen statistischen Durchschnitt gibt, muss es mindestens 49 Prozent geben, die schlechter sind, gemessen an investiertem Volumen. Die Anzahl der Fondsmanager, die erfolgreicher sind als der Rest, kann jedoch über 50 Prozent liegen. Das ist insbesondere in weniger liquiden und effizienten Märkten zu beobachten, wo Fondsmanager mit gezieltem Stock Picking punkten können.

Eine aktuelle Analyse der Ratingagentur Scope, in der für die wichtigsten Aktienfonds-Peergroups untersucht wurde, wie viele Fonds 2019 ihren Vergleichsindex schlagen konnten, sorgten einige Ergebnisse jedoch für Überraschungen. 

Zunächst eine überaus erfreuliche Nachricht: In allen betrachteten Vergleichsgruppen hat sich die Outperformance-Ratio der untersuchten Fonds gegenüber 2018 verbessert. Diese Kennzahl beziffert den Anteil der aktiv gemanagten Fonds einer Vergleichsgruppe, der über den jeweiligen Betrachtungszeitraum die Performance des Vergleichsindex übertreffen konnte.

Konkret: Im vergangenen Jahr schnitten 661 beziehungsweise rund 34 Prozent der Aktienfonds besser als ihr jeweiliger Vergleichsindex ab. Das ist im Vergleich zu 2018 ein deutlicher Anstieg um zehn Prozentpunkte. In allen acht Aktienfonds-Peergroups fiel die Outperformance-Ratio 2019 höher aus als ein Jahr zuvor. Die deutlichste Verbesserung zeigten laut Scope die Fonds der Peergroup „Aktien Deutschland“. Während 2018 nur knapp ein Viertel der Fonds den MSCI Germany übertreffen konnte, waren es 2019 fast zwei Drittel. Damit hat die Peergroup „Aktien Deutschland“ zugleich auch die höchste Outperformance-Ratio der acht betrachteten Vergleichsgruppen.

Neben „Aktien Deutschland“ weist lediglich noch die Peergroup „Aktien Emerging Markets“ mit 51 Prozent eine Outperformance-Ratio oberhalb der 50-Prozent-Schwelle auf. In den sechs weiteren Aktienfonds-Peergroups waren die Fonds, die ihren Vergleichsindex übertrafen, in der Minderheit.

Auffällig: Mit „Aktien Welt“ und „Aktien Nordamerika“ haben zwei der größten Peergroups die niedrigste Outperformance-Ratio. Die Fonds beider Gruppen sind schwerpunktmäßig auf dem sehr effizienten US-amerikanischen Markt aktiv. Dies stützt den bereits in früheren Auswertungen aufgezeigten Befund, dass effiziente Aktienmärkte es aktiven Fondsmanagern erschweren, Outperformance zu generieren. Deutlich vorteilhafteres Terrain für aktive Manager sind hingegen Märkte mit höheren Informationsasymmetrien – wie es zum Beispiel für Small- und Mid-Cap- geprägte Aktienmärkte sowie Schwellenländer typisch ist.

Volumengewichtete Auswertung zeigt Unterschiede 

Scope hat zusätzlich für die acht Peergroups eine volumengewichtete Outperformance-Ratio ermittelt. Dabei spielte nicht die Anzahl der Fonds, sondern der Anteil der Assets under Management der jeweiligen Peergroup eine Rolle.

Das Ergebnis: Die betrachteten rund 2.000 Aktienfonds verwalteten Ende des vergangenen Jahres 913 Milliarden. Fonds, die ihren Peergroup-Index im vergangenen Jahr übertrafen, verwalteten zum Jahresende rund 413 Milliarden Euro. Damit liegt die volumengewichtete Outperformance-Ratio für 2019 bei 45,2 Prozent.

Die volumengewichtete Outperformance-Ratio ist in sechs der acht betrachteten Peergroups höher als die nach Anzahl der Fonds berechnete Outperformance-Ratio. Auch hier auffällig: Am deutlichsten ist der Unterschied in der Gruppe „Aktien Deutschland“ (96% versus 64%).