Die Rückkehr der Tauben

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Die Notenbanken richten sich nach den Märkten, kommentiert Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei LFDE, die jüngsten Äußerungen der EZB und der Fed. Die Abkehr von der restriktiven Geldpolitik durch die Fed führte zu Kursgewinnen für US-Aktien und einem Nachgeben der Renditen in den USA.

Eine Zentralbank nach der anderen bläst ins gleiche Horn: Vor zwei Wochen beherrschten die Äußerungen von Mario Draghi und die vorsichtige Positionierung der Europäischen Zentralbank die Schlagzeilen. Vergangene Woche waren dann in den USA ähnliche Töne zu hören. Im Anschluss an ein Treffen mit dem Gouverneursrat der US-Notenbank Fed lud ihr Vorsitzender Jerome Powell zu einer Pressekonferenz, auf der – gelinde gesagt – die deutliche Abkehr vom restriktiven Kurs der Geldpolitik der Fed bestätigt wurde. Die Mitglieder des Gouverneursrates vertreten die Auffassung, dass der aktuelle Leitzins (Spanne von 2,25 Prozent bis 2,5 Prozent) der wirtschaftlichen Lage angemessen ist und dass die Haltung nach dem Motto „wait and see“ eine Anpassung an das wirtschaftliche Umfeld ermöglicht. Auch wenn dieser Kurs in Anbetracht der Konjunkturindikatoren bereits vor Monaten angekündigt wurde, bedeutet dies dennoch eine größere Wende. Die Fed lässt hiermit durchblicken, dass sie ihre Zinssätze 2019 unter Umständen nicht anheben wird, während sie noch vor einigen Wochen zwei Anhebungen prognostizierte.

Überdies signalisierte die Fed, dass der schrittweise Abbau ihrer Bilanz („quantitative tightening“) früher als geplant enden könnte. Manchem Beobachter zufolge könnte sie sich ein Ziel von 3.500 Milliarden US-Dollar (derzeit 4.000 Milliarden USD) setzen. Bei dem aktuellen Tempo bedeutet dies ein Jahr der Bilanzreduzierung, und nicht zwei oder drei, wie der Markt bis vor kurzem noch erwartete. Auch dies ist ein bedeutender Schritt. Die Haltung der Fed wird demnach noch mehrere Monate leicht restriktiv sein, insbesondere mit dem fortgesetzten Entzug von Liquidität. Im Jahr 2020 wird sie jedoch einen neutralen Kurs einschlagen.

Diese Positionierung war von den Anlegern seit Wochen erwartet worden. So betrachtet lässt sich sagen, dass die Fed sich nach den Märkten gerichtet hat. Seit Dezember 2015 war die Situation eher umgekehrt, da die Fed ihren Leitzins in dieser Zeit neun Mal anhob. Diese Wende ist vor allem durch die sich abzeichnende Konjunkturverlangsamung (nachlassende Wirkung der Ende 2017 umgesetzten Steuerreform), aber auch durch die Folgen des Handelskrieges für das US-amerikanische und weltweite Wachstum bedingt. Die Gefahr einer inflatorischen Überhitzung wurde überdies deutlich kleiner, insbesondere aufgrund des Rückgangs des Ölpreises und der Entkopplung der Vollbeschäftigung von der nach wie vor sehr moderaten Lohninflation. Darüber hinaus machte Powell deutlich, dass die mögliche Pause der Fed auf die Verschärfung der Kreditbedingungen zurückzuführen sei.

Die Wall Street und US-Präsident Donald Trump begrüßten die Entscheidungen. US-Aktien legten deutlich zu, während die Rendite auf zehnjährige Anleihen weiter nachgab und der Dollar verlor. Im Hinblick auf die Allokation bedeutet dies zunächst ein neuerliches Interesse an US-Zinstiteln mit einer Präferenz für Langläufer, aber auch ein im Vergleich zu anderen Währungen weniger attraktives Dollar-Exposure und zudem ein höheres Potenzial bei US-Aktien und ganz besonders bei Wachstumstiteln. Neben US-Assets dürften sämtliche Schwellenländertitel (Anleihen und Aktien) aufgrund der rückläufigen US-Renditen und des schwächeren US-Dollar die Hauptnutznießer dieser Entscheidungen sein.