Die Wiederwahl von Modi bedeutet für Indiens Wirtschaft Aufwind

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Der Gewinner der Wahlen in Indien ist nach wie vor schwer vorherzusagen. Aktuell ist Narendra Modi der beliebteste Führer und es gibt keinen, der ihn ersetzen könnte.

Ein Marktkommentar von Gaurav Sinha, Asset Allocation Strategist beim ETP-Anbieter WisdomTree

Das
Ergebnis der bevorstehenden Wahlen in Indien ist nach wie vor schwer
vorherzusagen. Aktuell ist der derzeitige Premierminister Narendra Modi
der beliebteste Führer, und es gibt keine einzige andere Gestalt, die
ihn ersetzen könnte. Aber die eigentliche Frage ist, ob Modi durch eine
scheinbar einheitliche Zusammensetzung der Oppositionsparteien besiegt
werden kann. In dieser Phase ist die Wiederwahl von Modi aufgrund der
Erfahrungen vor Ort wahrscheinlich, aber natürlich können sich die Dinge
bis zu den Wahlen, die in sieben Phasen zwischen dem 11. April und dem
19. Mai 2019 stattfinden sollen, ändern.

Eine Wiederwahl
Modis und die Fortsetzung seiner Steuer- und Marktpolitik dürfte sich
positiv auf Indiens Wirtschaft auswirken. In den letzten fünf Jahren
wurden ökonomische Leitplanken eingeführt, so dass es wahrscheinlich
ist, dass wir bei einer Rückkehr Modis an die Macht eine breite
Beschleunigung der Wirtschaft entlang dieser Leitplanken sehen werden.
Folgende Leitlinien sind auch in der nächsten Amtszeit relevant:

– Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen sowie Stärkung der Banken

Mit
der Vereinfachung und Vereinheitlichung der komplizierten Steuern
Indiens unter der „Goods & Services Tax (GST)“ könnte dies beginnen.
Die Steuer fasst bereits über 17 unterschiedliche Steuerarten bei jedem
Kauf zu einer nationalen Steuer zusammen. Mit Einführung der GST wurde
das Land zu einer echten einheitlichen Wirtschaftszone. Wir konnten auch
die Umsetzung des „Konkursrechts“ beobachten, das auf die
Beschleunigung von Liquidation und Rückzahlung notleidender Kredite
zielt. Eine Stimulation der Mikrokredite durch eine von der Regierung
unterstützte Mikrokreditagentur ist ebenfalls eine mögliche Option für
die kommende Amtszeit, da die Beschäftigung in nicht organisierten
Sektoren fast 86 Prozent der Gesamtbeschäftigung in Indien ausmacht. Wir
erwarten darüber hinaus auch Anreize für Sparer, Geld bei Banken
einzuzahlen, indem diese kostenlose Lebensversicherungen anbieten und so
jedem Einzelnen auf der Straße den Zugang zu formellen
Finanzdienstleistungen bringen.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Wir
konnten sehen, dass verschiedene Wirtschaftszonen und staatlich
unterstützte halbprivate Einrichtungen die Ausbildung in der Produktion fördern, was Start-ups
und kleineren Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten große
Steuervorteile bieten könnte.

Verbesserte Benutzerfreundlichkeit bei der Abwicklung von Geschäften

Indien
rückte im „Ease of Doing Business“ Rankingsder Weltbank vom
Ranglistenplatz 142 in Jahr 2013 auf aktuell Rang 77 von insgesamt 190
von der Bank betreuten Ländern nach vorne. Innerhalb eines Jahres rückte
Indien sogar um 30 Plätze vor, von Rang 130 im Jahr 2016 vor auf Rang
100 im Jahr 2017, was bislang kein anderes Land schaffte. Jetzt begannen
die Menschen, dieses Land ernster zu nehmen als je zuvor. Wir erwarten,
dass sich der Aufstieg fortsetzt, wenn Modi Premier bleibt.

Sozioökonomische Veränderungen

Es
zeigt sich, dass die biometrische eindeutige Identifizierung für 1,3
Milliarden Menschen und die Verbindung deren Daten mit Bankkonten und
Mobiltelefonen möglich ist. Dies könnte eine Dreieinigkeit aus Banking,
Identifikation und Konnektivität schaffen. So würde Indien zu einer
Goldmine für die Dateninkubation, indem es Zwischenmänner und Leckagen
in staatlichen Sozialeinrichtungen beseitigt.

Im Moment
ist unsere Positionierung für Indien taktisch neutral und strategisch
übergewichtet. Aber insgesamt sind wir der Meinung, dass indische Aktien
für eine mögliche strategische Allokation in Betracht kommen sollten.
Es gibt nur sehr wenige Länder, die mit einer Wachstumsrate von mehr als
7 Prozent wachsen, und praktisch alle sind klein und schwer zugänglich.
Mit seinen Wirtschaftswachstumsraten, günstigen demographischen Daten,
der steigenden Mittelschicht und der verbesserten fiskalischen Situation
ist Indien eine attraktive strategische Allokation, und deshalb könnte
meines Erachtens jeder Investor, der nach langfristigem Wachstum sucht,
eine Übergewichtung indischer Aktien in Betracht ziehen.

Die
bevorstehenden Wahlen können kurzfristig zu Volatilität führen,
insbesondere wenn die Entwicklung auf eine Hängepartie hindeutet – was
jedoch aus meiner Sicht weniger wahrscheinlich ist. Diese Volatilität
wird jedoch die Marktbewertungen lockern und gute Einstiegspunkte für
strategische Allokatoren schaffen. In den kommenden Wochen könnte es an
der Zeit sein, sich verstärkt auf Indien zu konzentrieren.

Anleger
sollten vor dem Ausbau ihrer Positionen besonders auf den Druck auf die
indischen Infrastrukturreformen achten. Meiner Meinung nach müssten
Indiens zukünftige Regierungen smarter sein, wenn es darum geht, ihre
staatseigenen Einheiten zu verwalten, insbesondere solche, die Verluste
verursachen. Indien befindet sich auf einer Gratwanderung zwischen
haushaltspolitischer Besonnenheit bei gleichzeitig effizienten Ausgaben
zur Stärkung der Infrastruktur des Landes und einem Privatisierungsschub
gemeinnütziger staatlicher Einrichtungen. Die Liquidierung
verlustbringender Vermögenswerte würde die Regierung entlasten und
könnte ihre liquiden Mittel, die anderswo besser ausgegeben werden
könnten, erhöhen.

Indiens Wirtschaftswachstum, sein
demografisches Profil und sein Konsumwachstum dürften für
Schwellenländer-Investoren attraktiv sein. Nicht viele Menschen wissen,
dass Indien heute die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und
damit vor anderen traditionellen Wirtschaftskraftzentren wie Frankreich
und Italien und fast genauso groß wie Großbritannien. Noch wichtiger
ist, dass es den Vorhersagen zufolge deutlich über 7 Prozent wachsen
wird – eine Rate, mit der keine andere große zugängliche Wirtschaft
derzeit wächst! Wenn Volkswirtschaften derart schnell wachsen, schaffen
sie historisch gesehen genügend Rückenwind für ihre effizient geführten
Unternehmen im „Huckepack“ auf dem Gesamtwachstum. Wenn man einen
Zeitraum von fünf Jahren betrachtet, hat ein großer Prozentsatz der
Large-Cap-Firmen, die ihren Buchwert gesteigert haben, und der
Small-Cap-Firmen, die Gewinne in den Schwellenländern erzielt haben,
ihren Sitz in Indien. Wir sind zuversichtlich, dass
Schwellenländer-Investoren weiterhin von den potenziell langfristigen
Renditen profitieren werden, die Indien generieren kann.