Diese Großaktionäre setzen auf Wirecard

Schlagworte:
Nachdem die „Financial Times“ diese Woche über angebliche Bilanzfälschungen bei Wirecard-Töchtern in Irland und Dublin berichtete, ist der Aktienkurs um fast ein Viertel abgesackt. In solchen Zeiten setzen Unternehmen auf die Rückendeckung ihrer Großaktionäre, die loyal hinter der Firma stehen und den Kurs damit stabilisieren. Wer Wirecard die Treue hält.

Bittere
Pille für Wirecard: Nach einem erneuten Bericht der britischen „Financial
Times“ (FT) über angebliche Bilanzfälschungen bei dem Zahlungsanbieter haben
Investoren die Flucht ergriffen. Die im deutschen Leitindex DAX notierten
Aktien brachen am Dienstag zeitweise um 23 Prozent ein und notierten mit 107,80
Euro auf dem tiefsten Stand seit sechs Monaten. Im Wochenverlauf stand immerhin
ein Minus von rund 17 Prozent zu Buche. Dem Bericht zufolge soll Wirecard Umsatz
und Gewinn bei Auslandstöchtern in Dubai und Irland aufgebläht haben, womöglich
auch, um die eigenen Wirtschaftsprüfer in die Irre zu führen.

Es ist
nicht das erste Mal, dass die Zeitung über angebliche dubiose Geschäfte des
Zahlungsdienstleisters berichtet. Das Unternehmen aus Aschheim bei München war
2019 mehrfach in den Fokus kritischer FT-Artikel geraten, die unter anderem
über Bilanzmanipulationen in Singapur berichteten. Bislang konnten die Vorwürfe
nicht bestätigt werden, Wirecard wirft der Zeitung darum Marktmanipulation und
die Zusammenarbeit mit Shortsellern vor.

Wenn
Unternehmen derart unter Druck stehen, richten Investoren die Augen gerne auf
die Großaktionäre. Ziehen sie sich zurück, gilt das in der Regel als ganz
schlechtes Zeichen. Halten sie dem Unternehmen dagegen die Treue, kann das
wiederum für Zuversicht sorgen und andere Investoren von Panikverkäufen
abhalten.

Größter
Aktionär bei Wirecard ist die MB Beteiligungsgesellschaft mbH. Die Initialen
stehen für Markus Braun, dem österreichischen Vorstandsvorsitzenden der
Wirecard AG. Mit einem Anteil von 7,05 Prozent besitzt Braun mehr Aktien als
alle anderen namhaften Investoren. Seine Beteiligung blieb – wenig überraschend
– allen Vorwürfen zum Trotz nahezu konstant.

Strategisches
Interesse an Wirecard

Der
Löwenanteil der frei handelbaren Aktien verteilt sich nach Unternehmensangaben auf
die Fondsschwergewichte Blackrock (sechs Prozent), Artisan Partners (5,24
Prozent), Jupiter (4,99 Prozent) und Alken (drei Prozent). Andere namhafte
Investoren sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge die Deutsche Bank
(4,91 Prozent), der ETF-Anbieter Vanguard (2,66 Prozent), Allianz SE (1,27
Prozent), Dekabank (1,18 Prozent) und Union Investment (0,42 Prozent). Die
US-amerikanische Großbank Citigroup hält 4,93 Prozent der Wirecard-Aktien,
Goldman Sachs kommt auf 3,53 Prozent. Insgesamt stammt rund ein Drittel der
Investoren aus den USA. Deutschland stellt mit gut 21 Prozent den zweitgrößten
Anteil. Aus dem Vereinigten Königreich kommen etwas mehr als 17 Prozent der
Investoren.

Von den
Großaktionären könnten allenfalls Citigroup oder Goldman Sachs ein
strategisches Interesse daran haben, Wirecard die Treue zu halten. Schließlich
ist das Geschäftsmodell des Zahlungsabwicklers für Banken interessant, schreibt
der Branchendienst IT-News. Dagegen spreche jedoch, dass zumindest Goldman
Sachs seine Beteiligungen an Wirecard in diesem Jahr stark reduziert habe.
Fondshäuser wie Blackrock oder Jupiter hingegen dürften ihre Aktien ziemlich
sicher abstoßen, sollten sich die Vorwürfe gegen Wirecard als wahr erweisen.
„Als einziger stabiler Investor ist deshalb der Vorstandsvorsitzende selbst,
Markus Braun, zu bezeichnen“, lautet das Fazit der Autoren.