Diese Großaktionäre wetten auf Wirecard

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Die „Financial Times“ hat erneut schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Die Aktie reagierte prompt und fiel auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. In solchen Zeiten setzen Unternehmen auf die Rückendeckung ihrer Großaktionäre, die loyal hinter der Firma stehen und den Kurs damit stabilisieren. Wer Wirecard die Treue hält.

Von wegen Ruhe und Besinnlichkeit:
Für den Zahlungsabwickler Wirecard hat die Adventszeit mit einem Paukenschlag
begonnen. Erneut schickte ein Artikel der britischen „Financial Times“ (FT) die
Aktie des Unternehmens auf Talfahrt. Diesmal äußerte sich die Zeitung kritisch
zur Berechnung des Bestandes liquider Mittel im Jahr 2017. Laut FT-Artikel vom 9.
Dezember soll Wirecard in seiner Bilanz Geld auf Treuhandkonten zu den eigenen
Bar-Reserven gerechnet haben. Die Wirecard-Aktie reagierte sofort und fiel am
Tag der Veröffentlichung um rund fünf Prozent. In den folgenden Tagen setzte
das Papier seinen Abwärtskurs fort und stürzte auf den tiefsten Stand seit neun
Monaten. Am Abend des 11. Dezembers notierte der Anteilsschein nur noch bei
knapp 104 Euro. Anfang Oktober war die Aktie noch 144 Euro wert.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wirtschaftspresse
über angebliche dubiose Geschäfte des Zahlungsdienstleisters berichtet. Doch
mit den neuesten Veröffentlichungen erreichen die Vorwürfe gegen den Konzern
eine neue Dimension. Ging es zuvor lediglich um Umsätze und Gewinne, steht mit
der Cashflow-Rechnung nun eine Kennzahl unter Verdacht, auf die Investoren
besonders gerne schauen, um die Finanzkraft eines Unternehmens einzuschätzen.

Wenn Konzerne derart unter Druck
stehen, richten viele Investoren ihre Augen auf die Großaktionäre. Ziehen diese
sich zurück, gilt das in der Regel als schlechtes Zeichen. Halten sie dem
Unternehmen dagegen die Treue, kann das für Zuversicht sorgen und andere
Investoren von Panikverkäufen abhalten.

Hohe Fluktuation

Größter Aktionär bei Wirecard ist die
MB Beteiligungsgesellschaft. Die Initialen stehen für Markus Braun,
österreichischer Vorstandsvorsitzender der Wirecard AG. Mit einem Anteil von
7,05 Prozent besitzt Braun mehr Aktien als alle anderen namhaften Investoren.
Seine Beteiligung blieb – wenig überraschend – allen Vorwürfen zum Trotz das
gesamte Jahr über konstant.

Dafür war die Fluktuation bei den
frei handelbaren Anteilsscheinen in den vergangenen Monaten umso höher. Den Löwenanteil
hält nun die Deutsche Bank mit 5,92 Prozent. Vor allem die DWS hat in den
vergangenen Wochen kräftig aufgestockt. In fünf Deutschland-Aktienfonds der Investmentgesellschaft
sind die Aktien des Zahlungsabwicklers nach Informationen des Branchenportals
Finanzszene.de derzeit mit dem Drei- bis Siebenfachen übergewichtet. Auf den
Plätzen zwei und drei folgen Citigroup (4,94 Prozent) und Artisan Partners
(4,49 Prozent). Andere namhafte Investoren sind Allianz SE (1,41 Prozent) und
Dekabank (1,29 Prozent).

Wetten auf fallende Kurse

Noch im Oktober sah die Eigentümerstruktur
von Wirecard gänzlich anders aus. Damals lagen mit Blackrock und Jupiter Asset
Management zwei große Vermögensverwalter auf den Plätzen eins und zwei. Seitdem
hat Blackrock seine Anteile halbiert – von 6 auf 3,25 Prozent. Jupiter kam im Oktober
auf 4,99 Prozent aller Aktien im Streubesitz, mittlerweile kommt die
Gesellschaft nur noch auf 2,89 Prozent. Auch die Fondsgesellschaften Vanguard
und Alken haben in den vergangenen Wochen Anteile abgestoßen.

Inzwischen positionieren sich sogar immer
mehr Leerverkäufer gegen Wirecard. Der Hedgefonds Slate Path hat seine Position
auf rund 1,1 Prozent der geliehenen Aktien gesteigert, Leeverkäufer Marshall
Wace kommt auf 0,73 Prozent. Hedgefonds wetten auf fallende Kurse. Sie leihen
sich bei anderen Investoren Aktien, um diese sofort wieder zu verkaufen. Sinkt
der Kurs wie geplant, können die auch als „Shortseller“ bezeichneten Investoren
die Anteilsschei­ne später zu einem geringeren Kurs zurückkaufen.

Ob das Kalkül bei Wirecard aufgeht,
hängt davon ab, wie viel Wahrheit in den Vorwürfen steckt. Das Unternehmen aus
Aschheim be­streitet jegliche Manipulation und kündigte an, seine Bücher von
unabhängigen Wirtschaftsprüfern untersuchen zu lassen.