Diese Investoren setzen auf positive Wirecard-Zahlen

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Am morgigen Freitag legt der Dax-Konzern Wirecard seine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Die Großaktionäre des Unternehmens rechnen offenbar mit guten Nachrichten: Viele von ihnen haben ihre Positionen zuletzt aufgestockt.

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters
Wirecard hat einen starken Jahresstart hingelegt. Am morgigen Freitag (14.
Februar) wird sich zeigen, ob das jüngste Kurs-Plus gerechtfertigt ist. Das
Unternehmen legt dann die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 vor. In den
vergangenen Jahren konnte der Spezialist für mobile Bezahllösungen sowohl
Umsatz als auch Gewinn regelmäßig um rund 30 Prozent steigern. „Wir werden
nicht enttäuschen“, versprach Wirecard-Vorstandschef Markus Braun Ende Januar via
Twitter. Investoren gehen offenbar davon aus, dass Braun sein Versprechen hält
und sich der Aufwärtstrend im vergangenen Jahr fortgesetzt hat.

Mit mehr Spannung als die
Jahreszahlen dürften Investoren indes etwas anderes erwarten: das Ergebnis der
Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Wirecard gilt als
das Schmuddelkind im Dax. Betrug, Korruption, Spionage, Bilanzfälschung – die
Liste der Vergehen, die dem Konzern in den vergangenen Monaten zur Last gelegt
wurden, ist lang. Im Dezember warf die „Financial Times“ Wirecard vor, in
seiner Bilanz Geld, das auf Treuhandkonten liegt, zu den eigenen Barreserven
gerechnet und so eine Kennzahl manipuliert zu haben, die Investoren besonders
interessiert. In der Folge stürzte die Aktie kurzzeitig ab. Im Januar
beauftragte der neue Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann KPMG damit, die Bücher
zu durchleuchten. Anleger gehen offenbar davon aus, dass die Wirtschaftsprüfer
das Unternehmen entlasten, sodass sich die Gerüchteküche beruhigt und der
Aktienkurs weiter steigt.

Über ein positives Ergebnis der
Sonderprüfung und starke Jahreszahlen dürften sich vor allem die großen
Wirecard-Aktionäre freuen, die dem Unternehmen auch in den dunklen Tagen die
Treue gehalten haben. Neben dem größten Anteilseigner, der MB
Beteiligungsgesellschaft von Vorstandschef Markus Braun, sind das in erster
Linie Banken und Fondsgesellschaften. Einige von ihnen haben ihr Engagement bei
dem Zahlungsdienstleister zuletzt sogar noch ausgebaut.

Finanzprofis zeigen sich optimistisch

Neu aufgestiegen in die Riege der
Aktionäre mit meldepflichtigen Positionen ist Union Investment. Der
genossenschaftliche Fondsanbieter hält seit Ende Januar rund vier Prozent der Wirecard-Anteile
in Streubesitz. Die Wirecard-Position sei in vielen Portfolios aufgestockt
worden, sowohl in Deutschland-Fonds als auch in globalen Mandaten, erklärte
Marc Hellingrath, Leiter Globale Aktien bei Union Investment, dem
Branchenportal finanz-szene.de.

Auch die Deutsche Bank hat zugekauft.
Deutschlands größtes Geldhaus ist derzeit mit knapp sechs Prozent an Wirecard
beteiligt. Ihre Fondstochter DWS hat zum Jahreswechsel ihre Position deutlich aufgestockt,
zeigen Zahlen des Datenanbieters Bloomberg. Das war vor allem Fondsmanager Tim
Albrecht zu verdanken, in dessen Deutschland-Aktienfonds die Aktie des
Zahlungsdienstleisters derzeit zu den größten Positionen gehört. Die
US-Investmentbank Goldman Sachs hat ebenfalls zugeschlagen: Der
Wirecard-Großaktionär hat seinen Anteil im vergangenen Monat von 10,8 auf 14,05
Prozent hochgefahren. Auch der US-Investmentriese Blackrock hat zuletzt wieder leicht
aufgestockt. Ärgern dürfte sich Jupiter Asset Management: Der Vermögensverwalter
hatte im vergangenen Herbst seine Position kurz vor dem Kurssturz verkleinert –
und hat sie danach nicht wieder ausgebaut.

Die Turbulenzen rund um Wirecard
zeigen: Für Privatanleger kann es sich lohnen, darauf zu achten, wie sich
Großaktionäre positionieren. Wer trotz Hiobsbotschaften an dem Unternehmen
festgehalten hat, dürfte sich in den kommenden Wochen über einen weiteren
Kursanstieg freuen. Unter Shortsellern dürfte sich dagegen Trübsinn breit
machen. Die Wirecard-Aktie war zuletzt beliebt bei Investoren, die auf fallende
Kurse setzen. Das dürfte sich nun ändern.