EdR AM: Positionen nach Marktrückgang anpassen?

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Für Anleger ist jeder Marktrückgang potenziell eine Gelegenheit, um die Positionierung anzupassen.

In den letzten sechs Handelstagen sind die Aktienmärkte stark gefallen und die Renditen von Staatsanleihen sind gesunken.

Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management,
nimmt in seinem jüngsten Marktkommentar Stellung zur aktuellen Lage an
den Finanzmärkten und erläutert, warum Edmond de Rothschild Asset
Management seine Portfolioallokation jetzt verändert hat. Dazu blickt
Melman auf die Ereignisse der vergangenen Tage zurück:

Bereits
am 26. Juli nahm der Abwärtsdruck auf das Britische Pfund aufgrund des
erhöhten Risikos eines harten Brexits zu, nachdem hartgesottene
Anti-EU-Konservative in London die Macht übernommen hatten. Kurze Zeit
später, am 31. Juli, senkte die US-Notenbank Fed die Zinsen um die
erwarteten 25 Basispunkte, aber das Beschlusspapier präsentierte den
Schritt eher als Versicherung gegen wachsende Unsicherheiten und nicht
als Beginn einer möglicherweise größeren Bewegung zur monetären
Lockerung. „Die Haltung der Fed ändert sich von proaktiv zu reaktiv, was
aus unserer Sicht einen deutlichen Wandel bedeutet“, resümiert Benjamin
Melman. Aus diesem Grund haben wir am 1. August unsere Gewichtung in
europäische Aktien reduziert und dafür unseren Cash-Anteil erhöht.“

Am
selben Tag twitterte Donald Trump, dass er 10 Prozent Zoll auf
chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar erhebt. Zudem
wertete die chinesische Währung ab und am 5. August wurde die Marke von
sieben Renminbi pro US-Dollar überschritten, was innerhalb von zwei
Handelstagen einem Rückgang um zwei Prozent entspricht (Stand
08.06.2019). Peking ließ auch wissen, dass es die Käufe von US-Getreide
eingestellt hat. Das US-Finanzministerium beschuldigte China daraufhin
der Währungsmanipulation. „Tatsächlich hatte aber die chinesische
Zentralbank die Interventionen am Devisenmarkt reduziert oder gestoppt,
um eine Abwertung des Renminbis verhindern“, so Melman. Für den Experten
ist klar, was die jüngsten Turbulenzen an der Börse verursacht hat:
„Zweifellos wurde der große Ausverkauf durch neue Spannungen zwischen
den USA und China ausgelöst mit ersten Auswirkungen auf die
Währungsmärkte.“

Zusammenfassend
lässt sich festhalten, dass sich das Unverständnis zwischen den USA und
China vertieft hat. „China scheint den breiten politischen Konsens in
der US-Politik zwischen Republikanern und Demokraten über Pekings
zutiefst unausgewogene und unfaire Verwendung von Handelsregeln und
seinen Mangel an Respekt vor geistigem Eigentum unterschätzt zu haben“,
schätzt Melman die Lage ein. „Umgekehrt erscheint es so, dass die USA es
nicht einkalkuliert haben, dass einige ihrer Forderungen als Angriff
auf die chinesische Souveränität angesehen werden.“ Die schlechte
Nachricht sei, dass bereits einige potenziell gefährliche
Eskalationsstufen zwischen den USA und China erreicht wurden. Laut
Benjamin Melman – und dies ist die gute Nachricht – habe aber keines der
beiden Länder ein grundlegendes Interesse an einem Konflikt.
Wahrscheinlich wolle keine Seite den Punkt, an dem es kein Zurück mehr
gibt, überschreiten. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es sehr schwierig zu
sagen, wie sich die Beziehungen zwischen den USA und China von nun an
weiter entwickeln werden“, sagt Melman.

Laut Benjamin Melman gebe es jedoch immer mehr potenzielle Reibungspunkte:

–        Chinas
Vergeltung richte sich wahrscheinlich und vorsätzlich direkt gegen den
US-Präsidenten. Peking wusste, dass ein fallender Renminbi ein Beben an
den Finanzmärkten auslösen würde und damit einen Bereich träfe, auf den
Donald Trump ein großes Augenmerk richtet. Ebenso würden Beschränkungen
für US-Getreide republikanische Trump-Anhänger treffen – eine sensible
Zielgruppe, da er bereits seine Wiederwahlkampagne gestartet hat. All
dies könne Donald Trump ebenso leicht zum Kompromiss führen oder ihn im
Gegenteil dazu bringen, den Einsatz zu erhöhen.

–        Risiko
eines Währungskriegs? Sowohl der US-Präsident als auch das
US-Finanzministerium haben eine unklare Haltung gegenüber dem US-Dollar;
er könnte daher als Instrument eingesetzt werden. Die Märkte würden
stark auf jede Entwicklung reagieren. „Im August 2015 verzeichnete der
Renminbi eine Abwertung um drei Prozent, was zu einer Marktkorrektur
führte, und dann atmeten die Anleger auf, als die Vereinbarung von
Shanghai im Februar 2016 den Währungskonflikt beendete“, blickt Melman
zurück. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verlangsamung und
der strukturell geringen Inflation würde jeder Versuch einer Regierung,
ihre Währung zu senken, als Versuch angesehen werden, ihr eigenes
deflationäres Risiko zu exportieren.

–        Risiko
Raketenkrise? Die USA haben sich aus dem Vertrag über nukleare
Mittelstreckenwaffen zurückgezogen und planen nun, genau solche Raketen
in Asien zu stationieren. Das chinesische Außenministerium reagierte mit
den Worten: „China wird nicht tatenlos zusehen und ist verpflichtet,
Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn die USA Raketen in dieser Region
aufbauen“.

–        Laut
Financial Times beobachten die USA die chinesischen Frachtbewegungen
genau, da einige Schiffe im Verdacht stehen, iranisches Öl nach China zu
transportieren.

–        Zuletzt
haben weit verbreitete Demonstrationen und Streiks in Hongkong offene
Drohungen von Peking nach sich gezogen mit dem Ziel, das Ende dieser
Bewegung herbeizuführen. Was wären die internationalen Auswirkungen,
wenn die Chinesen direkt eingriffen? Erstaunlicherweise haben die
westlichen Regierungen bislang äußerst ruhig reagiert.

„Für
Anleger ist jeder Marktrückgang potenziell eine Gelegenheit, um die
Positionierung anzupassen. Dies gilt insbesondere für uns, da erstens
unsere Anlageallokation im Allgemeinen immer noch konservativ ist und
zweitens sich die USA und China weiterhin als widerstandsfähig erweisen,
selbst wenn sich die Weltwirtschaft deutlich abschwächt“, sagt Melman.
Die zunehmenden geopolitischen Spannungen, insbesondere im Hinblick auf
den in den Startlöchern stehenden US-Präsidentschaftswahlkampf, trüben
jedoch den Blick in die Zukunft. Jedes weitere Hochschaukeln der
politischen Lage und die Gegenreaktion der anderen Seite könnten
konkrete Auswirkungen haben. Der jüngste Marktsturz an sich reiche nicht
aus, um zu argumentieren, dass die Unsicherheit jetzt eingepreist
wurde, zumal sich die Entwicklung unberechenbar in Echtzeit bewegt.
„Dennoch zeigt die unterdurchschnittliche Performance von Aktien aus
Schwellenländern, dass einige Indizes jetzt wieder wertbasiert
betrachtet werden können, auch wenn das kurzfristige Bild nach wie vor
von Unsicherheit geprägt ist. Nachdem wir zuletzt Risiken verringert
haben, belassen wir unsere Anlageallokation erst einmal unverändert und
beobachten die Situation weiterhin genau“, schlussfolgert Melman.

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