Ende der Zinserhöhungen könnte US-Dollar schwächen

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Ein Blick auf die
US-Leitzinserwartungen zeigt, dass die Finanzmarktakteure schon Mitte 2019 ein
Ende der Leitzinserhöhungen sehen, während die Mitglieder im
Offenmarktausschuss der US-Notenbank derzeit noch etwa sechs bis neun Monate
später damit rechnen. Ein Ende der Leitzinserhöhungen in den USA ist damit
absehbar. Die Finanzmarktakteure werden daher jede Veröffentlichung der
US-Notenbank wie das Protokoll der Sitzung am Donnerstag auf Hinweise nach den
selbstgewählten Kriterien untersuchen, nach denen die US-Notenbank eine
Zinspause einlegen könnte. 

Ende der
US-Leitzinserhöhungen absehbar

Ende der US-Leitzinserhöhungen absehbar
Ende der US-Leitzinserhöhungen absehbar

Die Konjunkturdaten
sprechen derzeit nach unserem Dafürhalten eher dafür, dass die US-Notenbank
schon früher den Zinserhöhungszyklus beendet – schon im März oder Juni 2019.
Insbesondere die Schwäche am Wohnimmobilienmarkt signalisiert, dass sich das
US-Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr merklich abschwächen dürfte. In der
Vergangenheit zeigte der frühzyklische Wohnimmobilienmarkt regelmäßig als einer
der ersten etwaige Abschwächungstendenzen der US-Wirtschaft an. Immerhin steht
der immer noch leicht positive Wachstumsbeitrag der Wohnimmobilien im Einklang
mit einem sich nur abschwächenden Wirtschaftswachstum – und nicht mit einer
Rezession. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung der Neubauverkäufe
(Mittwoch) ein sehr wichtiger Indikator. Erste Abschwächungstendenzen außerhalb
des Wohnimmobilienmarktes dürften sich auch in einem Rückgang des
Konsumentenvertrauens (Dienstag) sowie der Konsumausgaben (Donnerstag)
niederschlagen.

USA:
Wohnimmobilienmarkt fordert Aufmerksamkeit

USA: Wohnimmobilienmarkt fordert Aufmerksamkeit
USA: Wohnimmobilienmarkt fordert Aufmerksamkeit


USA: Ende der
Zinserhöhungen könnte US-Dollar schwächen

Ein Ende der US-Leitzinserhöhungen bei einem
gleichzeitigen Nachziehen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von
Japan könnten zudem im Jahresverlauf 2019 den US-Dollar schwächen. Dazu müsste
sich jedoch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone wieder etwas beschleunigen,
und die politischen Risiken in Europa müssten unter Kontrolle gebracht werden.
In der Vergangenheit schwächte sich nämlich der US-Dollar oft in Phasen ab, in
denen die USA ihre Staatsschulden merklich im Vergleich zum Rest der Welt
ausweiteten.

US-Dollar
ist perspektivisch wegen der hohen Staatsverschuldung der USA eine
„Weichwährung“ – aber auch eine Krisenwährung

US-Dollar ist perspektivisch wegen der hohen Staatsverschuldung der USA eine „Weichwährung“ – aber auch eine Krisenwährung
US-Dollar ist perspektivisch wegen der hohen Staatsverschuldung der USA eine „Weichwährung“ – aber auch eine Krisenwährung

Ein Ende der
Leitzinserhöhungen und ein tendenziell schwächerer US-Dollar könnten den
Schwellenländern im kommenden Jahr eine Verschnaufpause ermöglichen. Seit 2011
haben die Währungen der Schwellenländer gemäß dem von JP Morgan berechneten
Währungsindex etwa 40 % gegenüber dem US-Dollar verloren – allein in diesem
Jahr knapp 10 %. Immerhin sind die Währungen der meisten Schwellenländer nicht
mehr wie früher an den US-Dollar gekoppelt. In diesem Fall hätte es jetzt schon
Attacken von spekulativen Anlegern auf ihre Währungen gegeben. Die heutzutage
überwiegend flexiblen Wechselkurse haben es ermöglicht, dass die Währungen der
Schwellenländer abwerten konnten, ohne größere Verwerfungen in der
Realwirtschaft zu verursachen. Die Türkei und Argentinien sind dabei jedoch die
unrühmlichen Ausnahmen. Beide Länder haben hohe Leistungsbilanzdefizite und
sehr geringe Devisenreserven – im Verhältnis zu den kurzfristigen
Auslandsschulden, den fällig werdenden langfristigen Auslandsschulden sowie zu
den Einlagen der Aus­länder im heimischen Bankensystem.

Die
Gruppe der Schwellenländer hat eine ausgeglichene Leistungsbilanz und ist somit
nicht auf ausländisches Kapital angewiesen

Die Gruppe der Schwellenländer hat eine ausgeglichene Leistungsbilanz und ist somit nicht auf ausländisches Kapital angewiesen
Die Gruppe der Schwellenländer hat eine ausgeglichene Leistungsbilanz und ist somit nicht auf ausländisches Kapital angewiesen

Die große Mehrheit der
Schwellenländer hat jedoch eine mehr oder weniger ausgeglichene Leistungsbilanz
und ausreichende Devisenreserven, was ihnen eine gewisse Widerstandsfähigkeit
gegen Kapitalabflüsse verschafft. Auch zeigen Studien, dass die Kapitalflüsse
in die Schwellenländer stark vom US-Leitzinsniveau abhängen. Mit jeder
US-Leitzinserhöhung fließt demnach weniger Kapital in die Schwellenländer, was
den Wechselkurs schwächt und die Liquidität im Bankensystem verringert – mit
negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum. Der schwächere Wechselkurs
stimuliert jedoch auch die Exporte, die damit immerhin ein gewisses
Gegengewicht bilden können. Wenn die US-Notenbank den Leitzinserhöhungszyklus
also im nächsten Jahr beenden sollte, würden sich die Kapitalflüsse in die
Schwellenländer stabilisieren – und damit die Währungen und die Liquidität im
Bankensystem.

Eurozone: Konjunkturumfeld
hat sich zuletzt verschlechtert

Die Konjunkturschwäche in China, die hohe
Unsicherheit aufgrund der zahlreichen politischen Risiken sowie selbst
erfüllende Erwartungen haben zuletzt deutliche Bremsspuren in der europäischen
Wirtschaft hinterlassen. Vor allem wegen der Konjunkturschwäche in China droht
ein merklicher Rückgang beim ifo-Index (Montag) – umso mehr, als die
europäischen Unternehmen nach den Krisenerfahrungen von 2009 und 2012
heutzutage sehr schnell auf eine Veränderung des Konjunkturumfelds mit einer
Zurückhaltung bei den Investitions- und anderen Ausgaben reagieren.
Selbsterfüllende Erwartungen spielen somit auch eine Rolle in der gegenwärtig
sich abkühlenden Konjunktur. Dementsprechend dürfte auch der
Geschäftsklimaindex der europäischen Wirtschaft (Mittwoch) gefallen sein.

Bankensystem spielt große
Rolle bei der Frage nach Konjunkturschwäche oder Rezession

Das Bankensystem in Europa wird in diesem Umfeld
maßgeblich darüber entscheiden, ob aus der aktuellen Konjunkturschwäche eine
Rezession wird. In der Vergangenheit waren nämlich oft die Kurse der Bankaktien
ein guter Frühindikator für die Kreditvergabe der Banken und damit für eine
Rezession. Zuletzt neigten die Aktienkurse der Banken wieder zur Schwäche und
signalisierten damit erhöhte Konjunkturrisiken.

Eurozone:
Kurse von Bankaktien als konjunktureller Frühindikator

Eurozone: Kurse von Bankaktien als konjunktureller Frühindikator
Eurozone: Kurse von Bankaktien als konjunktureller Frühindikator

Immerhin gelang es der EZB
mithilfe ihrer zahlreichen Liquiditätsprogramme, 2016/17 einen Abschwung zu verhindern,
da die Banken ausreichend mit langfristiger EZB-Liquidität versorgt wurden und
somit die Kreditvergabe nicht einschränken mussten. Es ist sicherlich kein
Zufall, dass die EZB derzeit über neue langfristige Refinanzierungen für die
Banken (TLTRO) nachdenkt und sie wahrscheinlich auch bald beschließen wird.
Daher wird die Entwicklung der Kreditvergabe (Mittwoch) in den kommenden
Monaten immer stärker in den Fokus der Marktteilnehmer rücken. Derzeit sprechen
die Anzeichen (noch) für ein ausreichendes Kreditangebot und daher nur für eine
temporäre Konjunkturschwäche, zumal die staatlichen Stimuli in China auch
langsam greifen dürften. Die Inflationsentwicklung (Freitag) tritt in einem
solchen Umfeld naturgemäß immer stärker in den Hintergrund. 

Wenn sich die europäische Wirtschaft in den
kommenden Monaten doch stärker als erwartet abschwächen würde, hätte die EZB
kaum noch Optionen, das Wachstum zu stimulieren und gegenzusteuern. Die einzige
Möglichkeit, die europäische Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen,
wäre ein Fiskalstimulus. Vor diesem Hintergrund wäre es wichtig, bei den
europäischen Reformen schnell voranzukommen und damit entsprechende Spielräume
für ein solches Vorgehen zu schaffen.

Asien:
Einkaufsmanagerindizes stehen im Fokus

In China wird der Einkaufsmanagerindex (Freitag)
veröffentlicht und dürfte aufgrund der schwachen Konjunktur erneut gefallen
sein.

In Japan wird der Einkaufsmanagerindex schon früher
veröffentlicht (Montag). Bisher zeigte er sich überraschend stabil auf hohem
Niveau. Auch werden die Inflationsdaten aus dem Großraum Tokio (Freitag) der
Öffentlichkeit präsentiert.

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management