ESG- und SDG-Fonds boomen

Schlagworte: ,
Während es im Jahr 2013 etwa 150 ESG-Fonds in Europa gab, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf fast 300 angestiegen.

Der Markt boomt und die Nachfrage steigt: ESG- und SDG-Fonds liegen voll im Trend. Einige Anleger stehen den nachhaltigen Investments allerdings kritisch gegenüber. Worauf es bei grünen Investitionen ankommt.

In Zeiten der Klimadebatte, Fridays-for-Future-Protesten
und einer angedachten CO2-Steuer wächst auch bei Investoren der Wunsch nach
Anlageprodukten mit grünem Anstrich. Viele Fondsgesellschaften haben deshalb in
den vergangenen Jahren aufgerüstet und neue Produkte mit den Zusätzen ESG und
SDG auf den Markt gebracht. ESG steht für Environment (Umwelt), Social
(Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Die Kriterien sollen ein
Mindestmaß an Nachhaltigkeit garantieren. Bei Anlegern kommt das gut an.
Während es im Jahr 2013 etwa 150 ESG-Fonds in Europa gab, ist die Zahl im vergangenen
Jahr auf fast 300 angestiegen, zeigen Daten der Ratingagentur Morningstar. Die
SDG-Ziele gehen auf einen Beschluss der Vereinten Nationen zurück. Diese haben
sich vorgenommen, 17 nachhaltige Ziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Zu den
Sustainable Development Goals (SDG) zählen zum Beispiel die Gleichberechtigung
aller, sauberes Trinkwasser und keine Armut. Fonds mit diesem Zusatz haben sich
entweder allen oder einzelnen SDG-Zielen verschrieben.

Trotz der gestiegenen Zahl
nachhaltiger Fonds reicht die Auswahl nicht aus, zeigt eine Umfrage des
Vermögensverwalters NN Investment Partners (NNIP). 46 Prozent der befragten
professionellen Investoren sind der Meinung, dass das Anlagespektrum noch nicht
groß genug sei, um nachhaltige Investments zu einem massentauglichen Angebot zu
machen. Es mangelt außerdem an Forschung und Informationen dazu, was verantwortungsbewusste
Investitionen konkret ausmacht, sagen 44 Prozent.

Nachhaltige Investments haben kein höheres Risiko

Das spiegelt sich auch in der
Risikobewertung der Anleger wider: „Die Einschätzung, dass die Anwendung von
ESG-Kriterien das Anlageuniversum einschränkt, könnte ein Grund dafür sein,
dass die Hälfte der Umfrageteilnehmer glaubt, das Risikomanagement sei dadurch
schwieriger als bei traditionellen Strategien“, sagt Jeroen Bos, Leiter der
Nachhaltigkeitssparte bei NNIP. Diese Angst können Finanzberater ihren Kunden
aber nehmen. Auf Basis von hauseigenen Analysen habe NNIP nachhaltige Anlageprodukte
entworfen, die eine vergleichbare oder sogar bessere
Risiko-Rendite-Eigenschaften besitzen als traditionelle Strategien, sagt Bos.
Nachhaltige Investments müssen also nicht per se riskanter sein.

Auch die Vermögensverwalter von
Bluebay sind davon überzeugt. Sie beziehen explizit den ESG-Charakter eines
Unternehmens oder einer Anleihe in die Investitionsentscheidung mit ein. Denn
wie gut Emittenten bei ESG-Kriterien abschneiden, liefere gute Hinweise auf die
Qualität des Managements, so die Vermögensverwalter.

Vorsicht vor „Greenwashing“!

Bei den sogenannten Green Bonds sei
allerdings Vorsicht geboten, warnen die Vermögensverwalter von Degroof Petercam(DPAM). Bisher gibt es keine allgemein gültigen Regeln, ab wann eine Anleihe
als nachhaltig gilt. Finanzberater sollten darum nicht nur die finanzierten
Projekte, sondern auch den Anleiheemittenten unter die Lupe nehmen. „Nur weil
ein Unternehmen oder ein Staat eine grüne Anleihe begibt, sagt das noch lange
nichts über seine eigene ESG-Güte aus“, sagt Ophélie Mortier, Leiterin der
Nachhaltigkeitssparte bei DPAM. China zum Beispiel ist der größte Emittent von
Green Bonds. Für DPAM kommt ein Investment aber aufgrund der nicht nachhaltigen
politischen Situation in der Volksrepublik nicht in Frage.

Finanzberater müssen also weiterhin
wachsam bleiben und hinterfragen: Ist das Investment wirklich nachhaltig oder
hat es nur einen grünen Anstrich bekommen?