ETFs auf der Überholspur

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Laut der Umfrage erwarten mehr als 90 Prozent, dass in den kommenden zwei Jahren weitere Wettbewerber auf den Markt für ETFs drängen werden. Diese werden vor allem aus den Reihen von Banken und Fondsanbietern kommen, die bereits aktiv gemanagte Produkte anbieten. Nur die Hälfte glaubt hingegen, dass Nischenplayer oder kleine Startups sich am Markt etablieren können.

Für die Befragung hat das ETF Team von Ernst & Young im September und Oktober 2018 persönliche Interviews bei 12 der größten ETF Anbieter und Dienstleister durchgeführt, die zusammen rund 85% des Marktes repräsentieren.

Sicher sind sich die Teilnehmer der Befragung, dass das Wachstum der Exchange Traded Funds sich fortsetzen wird: 56 Prozent erwarten mittelfristig zwischen 11 und 20 Prozent pro Jahr, ein Viertel sogar Steigerungen von mehr als zwanzig Prozent.

Lisa Kealy, die bei Ernst & Young den Bereich Wealth & Asset Management verantwortet, erklärt: “Die Fundamentaldaten sprechen zugunsten des Sektors.” Investoren drängen in die ETF-Industrie, es finde ein kontinuierliches Wachstum statt. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs sei nun der Zeitpunkt gekommen, Prozesse weiter zu verbessern, Produkte zu erneuern und neue Märkte zu erschließen.

Entwicklung der ETF-Branche in Billionen US$
Entwicklung der ETF-Branche in Billionen US$

Quelle: EY, Morningstar

Vor allem China stellt nach Ansicht von Ernst & Young
einen bedeutenden Markt für die europäische ETF-Industrie dar. Bei der
Befragung gaben die Teilnehmer unisono an, der Marktvolumen in China
liege bei über 100 Milliarden US$. Voraussetzung ist, dass ETF-Connect,
ein Projekt, dass chinesischen Anlegern Zugang zu ETFs über die Börse
in Hongkong bieten soll, dann funktioniert. Das kann jedoch noch dauern,
wobei die Erwartungen zwischen drei und fünf Jahren liegen.

Wird der Erfolg der ETFs auf den Kostenvorteil gegenüber
aktiv gemanagten Fonds zurückgeführt, so scheinen nun auch die passiven
Produkte vor einem Gebührenwettlauf sicher. Dazu erklärt EY-Managerin
Kealy: “Kosten sind heute eine Leistungskennzahl. Vier Fünfte der Asset
Manager haben uns gesagt, dass sie künftig auf neue Technologien setzen,
um die Kosten zu reduzieren. Wir erwarten eine bedeutende Verschiebung
bei den Geschäftsmodellen.”

Vor allem den Vertrieb der Produkte wollen die ETF-Anbieter
verbessern. Dabei setzen zwei Drittel auf eine verbesserte Darstellung
der Produktdaten auf der Website der Anbieter verbessert werden, mehr
als 60 Prozent setzen auf Verkauf über Online-Plattformen.

“Sich selbstgefällig zurückzulehnen kann sehr gefährlich werden”

Trotz
aller Unsicherheit in der Branche und dem anhaltenden Druck auf die
Margen, so Lisa Kealy, sei ein hohes Maß an Optimismus festzustellen –
Zeichen der hohen Widerstandsfähigkeit der ETF-Industrie. Allerdings
müsse sich die Branche an vielen Fronten neu aufstellen, um das Momentum
zu erhalten, die Zufriedenheit der Kunden zu verbessern, sich schnell
an neu Regularien anzupassen und  von zukünftigen Chancen zu
profitieren: “Sich selbstgefällig zurückzulehnen kann sehr gefährlich
werden”, warnt Kealy.