Euro Fund Forum: Der Markt, die Macher und ein Mahner

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Neun Investmentexperten diskutieren in München auf hohem Niveau den Markt und seine Möglichkeiten. Zum Ausklang sorgt ein Weltreisender mit seinen Einsichten und Aussichten für nachdenkliche Minen.

FundResearch berichtet exklusiv vom €uro Fund Forum in München. Teil 2/2

Als im Biergarten des Charles Hotel im Herzen der Münchner City am Donnerstagabend das €uro Fund Forum ausklingt, haben die Teilnehmer einen langen Tag hinter sich: In den insgesamt 15 Workshops nutzen die angereisten rund 100 Vermögensverwalter und Private-Wealth-Manager an diesem Tag die Gelegenheit, sich persönlich mit prominenten Investmentexperten über deren Strategien zu unterhalten. Vor und nach den Workshops diskutieren die Experten zudem auf der großen Bühne im Ballsaal die aktuelle Marktsituation, die Implikationen für die kommenden Monate und praktische Lösungsmöglichkeiten für Investoren.

Schon die Themen des ersten Panels „Makro“, das nach der Eröffnungsrede des ifo-Präsidenten Clemens Fuest startet, hätten nicht komplexer sein können: US-Handelskrieg mit China, hohe Staatsverschuldung, niedrige Zinsen,  Konjunkturabkühlung – und Italien. Kurz: Wie geht es der Welt und der Wirtschaft? Und wie geht es weiter?

Die Teilnehmer dieser Diskussionsrunde: Franz Wenzel von AXA IM, Reza Karim von Jupiter AM, Dirk Hoffmann-Becking von Morgan Stanley, Walter Liebe von Pictet und Uwe Röhrig von der UBS.

Martin Hüfner, der die Diskussion leitet, eröffnet die Runde mit einer Umfrage ans Publikum: Wo steht der DAX am Jahresende? Wenig überraschend erwarten die meisten Teilnehmer, dass der DAX in einem halben Jahr in etwa da stehen wird, wo er heute notiert. Vielleicht ein wenig höher. Was allerdings überrascht: Dieser leichte Optimismus im Auditorium wird von den anwesenden Experten auf dem Podium nicht geteilt. Franz Wenzel und Walter Liebe erwarten einen deutlich niedrigen DAX-Sand am Jahresende. Auch Reza Karim bewertet die Aktienmärkte als vergleichsweise teuer. Uwe Röhrig hält Prognosen für Kaffeesatz-Leserei. Es gebe zu viele Unsicherheiten, der G20-Gipfel werde mit zu vielen positiven Erwartungen überfrachtet. Einzig der Moderator Martin Hüfner bleibt positiv. Es ist ein fulminanter Auftakt einer lebhaften Diskussion, die nun folgt.

So konfrontiert Martin Hüfner die Experten mit der Frage, was passieren würde, wenn die USA gegen China nun auch einen Währungskrieg eröffneten. Dirk Hoffmann-Becking gibt daraufhin zu bedenken, dass China mittlerweile ein Schlüsselfaktor für die Weltwirtschaft sei. Das hätte man in den vergangenen Jahren gut beobachten können. „Schiebt China seine Wirtschaft mit lockererer Kreditvergabe an, springt die Weltwirtschaft an. Fährt China die Kreditvergabe zurück, ist das weltweit zu spüren“, so  Hoffmann-Becking. Einig ist man sich in der Runde, dass ein Währungskrieg weder im Interesse Chinas noch der USA seien.

Wohin gehen die Zinsen?

Müssen wir uns an dauerhaft niedrige Zinsen gewöhnen? In diesem Zusammenhang gibt Uwe Röhrig von der UBS ein Bonmot zum besten: Vor einigen Jahren habe ein Kollege zu ihm gesagt, irgendwann müssen die japanischen Staats-Anleihen ja wieder mehr Zinsen bringen. Wie sehr dieser Kollege mit seiner Einschätzung daneben lag, ließe sich heute gut beobachten. Deshalb hält Uwe Röhrig japanische Verhältnisse langfristig durchaus auch in Europa für denkbar. „Kann ein Notenbankpräsident denn noch wirklich frei entscheiden?“, fragt Röhrig in die Runde. Seine Einschätzung: Die Notenbanken seien mittlerweile politisch Getriebene.

Passend dazu wird erneut das Auditorium befragt: Wo sehen Sie die 10-Jahres-Bundrenditen am Jahresende? Das Ergebnis: Die Mehrheit der Teilnehmer erwartet unveränderte oder niedrigere Renditen.

Lohnt es sich jetzt überhaupt noch lohnt, in Bonds zu investieren?

Bonds kaufen? Jetzt, da die Renditen im Keller sind? Reza Karim von Jupiter AM hat dazu eine klare Meinung: Auf der Suche nach günstig bewerteten Unternehmens-Anleihen sollte man nicht in die entwickelten Länder schauen, sondern in die Emerging Markets. Auch Franz Wenzel ist positiv für Schwellenländer-Bonds gestimmt. Einig ist sich die Diskussionsrunde in dem Zusammenhang darin, dass man die Notenbanken niemals unterschätzen sollte. In Europa seien theoretisch auch minus 50 Basispunkte denkbar.

Panel „Markt“

Mit diesen Gedanken verteilen sich die Zuhörer in die Workshops, um im Anschluss dem zweiten Panel „Markt“ zu lauschen. Die Teilnehmer diesmal: Francis Ellison von Columbia Threadneedle, Wolfgang Fickus von Comgest, Damian Burkhardt von Lombard Odier und Tilo Wannow von ODDO BHF. Moderiert wird die Diskussion von Rüdiger Sälzle, Vorstand von FondsConsult Research.

Die wichtigste Frage: Wie geht man mit der aktuellen Situation am Markt um? Was sind die passenden Assets? Wie geht man etwa auf der Bondseite damit um? Tilo Wannow erklärt dazu: Die Zinswende sei ausgeblieben. Nun heiße es Zinsende statt Zinswende. Es bleibe nach Kosten immer weniger Rendite übrig. Man müsse immer mehr für immer schlechtere Bonität zahlen. Vorsichtiges Agieren sei also nötig. 

Francis Ellison und Wolfgang Fickus sehen die Entwicklung pragmatisch: Je mehr man auf der Anleiheseite gezwungen sei, mehr Risiko zu höheren Preisen einzugehen, desto aktienfreundlicher sei der Markt. Jetzt komme es eben darauf an, bei Aktieninvestitionen auf Qualität zu achten. Auch Damian Burkhardt ist optimistisch für Aktien. Die Anleihepreise seien dagegen auf Rekordniveau, und bei Hochzinsanleihen würden die Risiken häufig unterschätzt. Der jüngste hohe Geldabfluss vom Aktien- in den Anleihemarkt sei als Kontraindikator vielversprechend. Doch welche Aktien seien nun die richtigen? Damian Burkhardt antwortet darauf, dass strukturelle Wachstumstreiber aussichtsreich seien. Themen wie etwa die alternde Gesellschaft.

Interessant wird es noch einmal, als sich die Experten darüber unterhalten, ob nun Value oder Growth der bessere Ansatz für Investitionen sei. Francis Ellison bringt es schließlich auf den Punkt: „Als Growth-Investor vermeide ich nicht Value – und das gilt auch umgekehrt.“ Was zähle, sei die Qualität des Geschäftsmodells. „Preismacht und Marke entscheiden“, so Ellis.

Mut, Zukunft und neue Welt

Zum Abschluss des Euro Fund Forums nimmt Keynote-Speaker Dirk Herrmann das Publikum mit seinem Vortrag „Mut, Zukunft, neue Welt“ auf eine eindrucksvolle Zeitreise durch die Weltwirtschaft mit. Nach einem Parforceritt über technische Innovationen und Veränderungen unserer Generation, hinweg über ehemals große Unternehmen wie Nokia und Kodak, den Aufstieg Chinas, den Abstieg der europäischen Banken, den unaufhaltsamen Wandel für unsere Automobilindustrie und die Zukunft von KI konstatiert Herrmann: Wir beenden gerade das Industriezeitalter. Das Zeitalter, das uns reich gemacht hat. 

Und er stellt die provozierende Frage: Wie sieht unsere Zukunft in 20 Jahren aus? Er bleibt die Antwort bewusst schuldig, schließlich habe man sich auch vor 20 Jahren unsere heutige Welt nicht vorstellen können. Allerdings gebe ein altes chinesisches Sprichwort einen guten Hinweis auf die Dynamik, mit der wir rechnen sollten: „Eine Schlucht überwindet man nicht mit zwei Sprüngen“, heiße es dort. Damit entlässt Dirk Herrmann das nachdenkliche Publikum in den warmen Abend. Und schließlich in den Biergarten.