Europäische Fondslandschaft wächst weiter

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Auch wenn 2018 für die Märkte in einem miesen 4. Quartal endete, konnten die Fondspromoter ihr Wachstum weiter fortsetzen. Vor allem etablierte Anbieter bauten ihren Marktanteil weiter aus.

Das vergangene Jahr hat der europäischen Fondsbranche zu Teil herbe Verluste beschert und die Fonds-Promoter lecken noch immer ihre Wunden. Rund 129 Mrd. € flossen aus Investmentfonds ab, der erste Rückgang seit der Finanzkrise 2008.

Zwar haben die Kapitalmärkte ihre Verluste aus dem vierten Quartal zum Teil wieder aufgeholt, doch die grundlegenden Parameter, die für die heftigen Kursrückgänge sorgten, sind nach wie vor nicht vom Tisch. Die Volatilität hat in den letzten drei Monaten mal kurz die 50 Punkte touchiert. Zwar liegt der Wert mittlerweile wieder unter 20, doch die Verunsicherung bleibt. Auch die Handels-Auseinandersetzungen der USA mit China und Europa sorgen nicht unbedingt für ein entspanntes Klima an den Börsen. Hinzu kommt die ausufernde Verschuldung in den USA sowohl auf Staatsebene (21 Billionen US$ bzw. 120 % des BIP) als auch auf Unternehmensseite (neun Billionen US$), die vor dem Hintergrund möglicherweise weiter steigender Zinsen durchaus zur Sorge Anlass bieten mag.

In diesem Umfeld hatten es Fondsgesellschaften 2018 alles andere als leicht, ihre Produkte an den Anleger zu bringen und, glaubt man der Statistik, es scheint sich ein Markt zu etablieren, in dem die großen Anbieter ihren Teil vom Kuchen vergrößern konnten, während die kleineren zusehends zu kämpfen haben.

So hat laut der monatlichen Übersicht von Lipper Alpha der Fondsriese BlackRock, der auch international mit weitem Abstand den Markt dominiert, im vergangenen Jahr unterm Strich Mittelzuflüsse in seine Produkte generiert und sammelte 25,4 Mrd. € ein, während die Branche in Europa netto (also um Kursverluste bereinigt) 129,2 Mrd. € verlor. In BlackRocks Zahlen sind rund 10 Mrd. € aus dem ETF-Geschäft von iShares enthalten, der Rest entfällt auf die traditionellen Investmentfonds. BlackRock bringt in Europa nun Vermögen im Wert von 735 Mrd. € auf die Waage.

Zweitgrößter Fondspromoter in Europa ist mit einem Vermögen von 331 Mrd. € Amundi, gefolgt von JP Morgan (295 Mrd. €), der UBS (275 Mrd. €) und der Deutschen Bank (265 Mrd. €).

Bei den Verkäufen konnte sich Aviva auf Platz zwei schieben; die Briten nahmen 18,4 Mrd. € ein, während der drittplatzierten UBS knapp 12 Mrd. € zuflossen. Bei den Schweizern konzentrierte sich das Neugeschäft übrigens fast ausschließlich auf Rentenfonds – eine Assetklasse, die ansonsten im vergangenen Jahr auf wenig Interesse stieß, denn aus Fonds mit Schwerpunkt Corporate Europe wurden beispielsweise mehr als 20 Mrd. € entnommen.

Das Neugeschäft mit Aktienfonds dominierte hingegen BlackRock, deren Equity-Produkte 8,2 Mrd. € einsammelten, während Baillie Gifford es auf 5,7 Mrd. € brachte und Morgan Stanley 5,2 Mrtd. € verbuchen konnte.

Fondsindustrie in Europa jedoch weiter im Wachstumsmodus

Trotz des Kapitalabflusses im vergangenen Jahr befindet sich die Fondsindustrie in Europa jedoch weiter im Wachstumsmodus. So hat die Zahl der neu auf den Markt gekommenen Produkte seit fünf Jahren wieder ein neues Hoch erklommen: 2.367 Fonds wurden 2018 emittiert.

Die MiFID-Regularien haben den Aufwand für das Management von Fonds unterm Strich erhöht, so dass vor allem für kleinere Anbieter der Druck wächst, ihre Produktpalette zu bereinigen, um Kosten zu sparen. 2018 haben die Fondsgesellschaften in Europa 1.190 Fonds liquidiert und weitere 994 mit bestehenden Fonds zusammengelegt.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Trend bei den Aktienfonds: Hier wurden 351 Fonds geschlossen, 347 gemergt und 786 neue Fonds aufgelegt.

Die Mischfonds, die 2018 eine hohe Nachfrage verzeichnen konnten und bis dahin in großem Maß von den Entwicklungen am Rentenmarkt abhängig waren, etablieren sich nun als Multi-Asset-Fonds: 270 “alte” Fonds wurden in dieser Klasse liquidiert, 214 auf bestehende verschmolzen und 774 neue Fonds aufgelegt.

Unterm Strich wuchs die Zahl der Investmentfonds in Europa über alle Asset-Klassen hinweg im vergangenen Jahr also um 183.