Europas Konjunktur kühlt sich ab

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Laurent Clavel, Head of Research bei AXA Investment Managers, ist der Ansicht, die Konjunkturverlangsamung in der Eurozone könnte zu einem Patt bei der Europäischen Zentralbank führen.

  • Die Konjunkturabschwächung und die hartnäckig niedrige Inflation in der Eurozone könnten jegliche Normalisierung der Geldpolitik verhindern.
  • Dies würde die Renditen von Euro-Bonds drücken und Banken belasten.
  • Der (moderate) Rückgang der Ölpreise und fiskalische Stimulationsmaßnahmen in vielen Ländern der Eurozone könnten helfen, die Konjunktur zu stützen.
  • China könnte sich nach einem deutlichen Anstieg der Kreditvolumina im Januar ebenfalls als Retter entpuppen.

“Die Konjunkturabkühlung in der Eurozone könnte – gemeinsam mit einer enttäuschend niedrigen Kerninflationsrate (1 % für zwei Jahre) jegliche Normalisierung der Geldpolitik verhindern. In unseren Augen steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit eines „EZB-Patt-Szenarios“ auf 40 %. In diesem Szenario erhält die EZB keine Gelegenheit, vor dem nächsten zyklischen Aufschwung die Zinsen zu erhöhen, und die wichtigen Zinssätze bleiben bis 2022 auf ihren derzeitigen Niveaus – beim Einlagenzinssatz sind das -0,4 %. Dieses Szenario würde auch dazu führen, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bis Ende 2020 bei 0,1 % verharrt – mit dem zusätzlichen Risiko, dass ein Mangel an verfügbaren Sicherheiten die Renditen sogar auf ein negatives Niveau drückt.

“Dies würde die Renditen von Euro-Bonds drücken und Banken belasten. Weitere drei Jahre mit negative Zinsen als Last auf der Profitabilität der Banken könnte allerdings auch den Appetit der Institute auf die Vergabe von Krediten dämpfen.“

“Es gibt allerdings auch gute Nachrichten. Die Staaten der Eurozone haben ihre Haushaltspolitik gelockert, und die Märkte haben dies positiv aufgenommen. Der Ölpreis ist in den vergangenen drei Monaten signifikant gefallen. Ein Barrel Brent-Öl kostet nun statt 75 nur noch 65 US-Dollar. Daher wird es zu einer Konvergenz der Gesamtinflationsraten und der Kerninflationsraten kommen, die zu einem Anstieg der Kaufkraft beitragen und die Widerstandsfähigkeit der Binnennachfrage in Europa stärken sollte. Hinzu kommt, dass außerdem die ersten positiven Anzeichen einer Übertragung der fiskal- und geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen in China auf die Realwirtschaft – mit einer starken Erholung des Kreditwachstums im Januar.

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