Festtage an der Börse

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Mit dem nahenden Ende des aktuellen Börsenjahrs steigt bei Marktteilnehmern die Hoffnung auf eine Jahresendrally. Trotz wirtschaftspolitischer Krisenherde stehen die Chancen dafür gut.

Ist es bald soweit? Als der deutsche
Leitindex DAX an diesem Donnerstag auf 13.289 Punkte kletterte und damit ein
neues Jahreshoch erreichte, dürfte das vielen Marktteilnehmern Hoffnung auf
eine nahende Jahresendrally gemacht haben. Tatsächlich haben sich die Kurse
schon im September und Oktober positiv entwickelt. Und das, obwohl das aktuelle
Börsenjahr von wirtschaftspolitischen Unsicherheiten in aller Welt geprägt war:
allen voran der Handelsstreit zwischen den USA und China, der das globale
Wachstum mit rund 1 bis 1,5 Prozent belastet, wie Zahlen von HSBC belegen. Auch
der ungeklärte Brexit sorgt für Unruhe. Seit dem Spätsommer mehren sich die
Stimmen, dass die Weltwirtschaft auf eine Rezession zusteuere.

Mit Blick auf Deutschland mögen die
Rezessionsängste berechtigt sein. Mehrere Entwicklungen sprechen jedoch dafür,
dass weltweit eine Jahresendrally am Aktienmarkt wahrscheinlicher ist als ein
Kurseinbruch. Denn im Streit zwischen den Großmächten USA und China könnte es
zu einer ersten Versöhnung kommen: Derzeit arbeiten die Länder ein
Handelsabkommen aus. Und auch der Brexit wirkt weniger bedrohlich, nachdem sich
der britische Premier Boris Johnson auf einen Kompromiss mit der Europäischen
Union (EU) eingelassen hat. Das könnte Anleger optimistisch auf das Jahresende
blicken lassen, meint Mark Dowding, Partner des Londoner Asset Managers
Bluebay. Anleger hätten sich in letzter
Zeit vorsichtig positioniert. „Sollten sie jetzt wieder Geld anlegen, könnte
eine Rally die Hürde der Angst überwinden.“

Maßgeblichen
Einfluss auf die aktuelle und künftige Börsenentwicklung haben die Notenbanken.
So beschreibt Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der Privaten
Vermögensverwaltung AG, die Zentralbanken als „Zünglein an der Waage“:
Zinssenkungen, zunehmende Wertpapierankäufe und Liquiditätsspritzen seitens der
US-amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkten
sich positiv auf die Börsen aus. Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi hatte vor
dem Ende seiner Amtszeit noch einmal bekanntgegeben, dass der Leitzins auf dem
historischen Tief von null Prozent bleibe, und auch die Fed hat in diesem Jahr
schon zwei Mal die Zinsen gesenkt – und wird es womöglich wieder tun.

Dennoch ist
diese Entwicklung nicht nur Grund zur Freude. Denn sie zeigt auch, dass „anscheinend
nicht einmal der Geldmarkt in den USA ohne Intervention der Fed funktionsfähig
ist“, warnt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensverwalters
Quant Capital Management. Das sei ein kritisches Zeichen für den aktuellen
Zustand der Kapitalmärkte. Auch deshalb, weil sich verschiedene Anlageklassen
derzeit immer stärker in die gleiche Richtung bewegen. „Wo alle Assets
gleichzeitig steigen, da können auch alle Assets gleichzeitig fallen“, sagt
Mlinaric.

Verbraucher sind weiterhin in
Konsumlaune

Gegen einen
Kurseinbruch spricht jedoch die Stimmung in der Bevölkerung. Die privaten
Haushalte und Verbraucher weltweit zeigten sich „völlig unberührt“ von
derzeitigen Krisenherden, beobachtet Axel Crohn, leitender Investmentmanager
bei HSBC Global Asset Management Deutschland. „Die Sparquote in den USA liegt
mittlerweile bei ungewöhnlich hohen acht Prozent“, sagt er und verweist darauf,
dass die Löhne dort stärker gestiegen sind als erwartet. Auch der weltweite
Konsum werde bisher nicht von den rückläufigen Unternehmensgewinnen
beeinträchtigt. Und dass der Konsum gegen Ende des Jahres einbricht, ist wegen
der nahenden Festtage wenig wahrscheinlich.