Für China-Investoren steigen die Chancen

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Die chinesische Politik hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt

China vermeldet weiterhin sinkende Wachstumszahlen. Für Investoren ist das allerdings kein Grund, sich aus dem Markt zurückzuziehen, sagen Experten bei Jupiter Asset Management und der Capital Group. Im Gegenteil.

Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist erneut zurückgegangen. Mit nur noch 6,2 Prozent lag das Plus im zweiten Quartal zwar noch innerhalb der Zielvorgabe der chinesischen Regierung, war aber zugleich so schwach wie seit dem Jahr 1990 nicht mehr. Für Charles Sunnucks, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management, ist das aber kein Grund zur Sorge. Er behält die chinesische Politik genau im Auge. Die Partei hat in den vergangenen Quartalen viele geld- und fiskalpolitische Lockerungen zur Stützung der Konjunktur umgesetzt. „Wie immer bleibt es aber ein schwieriger Balanceakt, dringend notwendige Reformen umzusetzen und gleichzeitig die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren“, kommentiert Sunnucks die Lage in China.

Die größte Unbekannte bleibt der Handel. Neben dem BIP-Wachstum schrumpfte zuletzt auch das Exportwachstum. Das verunsichert Unternehmer und Investoren. Jupiter-AM-Fondsmanager Sunnucks unterscheidet bei Investments nun nach zwei Arten von Unternehmen: „Diejenigen, die in einer wachsenden Wirtschaft lediglich zyklische Gewinne erwirtschaften, und solche, die eine solide Performance auf Grundlage echter, struktureller Faktoren erzielen.“ Letztere gewinnen seiner Meinung nach in Zeiten nachlassenden Wachstums für Investoren an Bedeutung. Dabei spielt auch die Entwicklung der Gesellschaft in Asien eine große Rolle. Die Mittelschicht in asiatischen Ländern wächst rasant. So entsteht eine immer breitere Mittelschicht mit steigendem Einkommen.

Chancen für Stock Picker

Das wirkt sich besonders auf den Binnenmarkt in China aus. Dort sieht Richard Carlyle, Investment Director bei der Capital Group, auch die größten Chancen. Denn China öffnet seinen Markt zunehmend für ausländische Investoren: „Mehr als 800 Unternehmen, in die Ausländer bislang nicht investieren konnten, dürften ihnen in den nächsten Jahren für Anlagen zur Verfügung stehen.“ Besonders interessant sei dieser Markt für Stock Picker. Denn eine Investition in chinesische Unternehmen will gut geprüft sein. So haben Analysten chinesischen Ratingagenturen zuletzt mehrfach vorgeworfen, gegen Bezahlung zu gute Bewertungen zu vergeben. Eine eigenständige Prüfung kann sich also auszahlen. Capital-Group-Investmentstratege Carlyle träumt bereits von der großen Entdeckung: „Stellen Sie sich vor, Sie entdecken das nächste Alibaba, Baidu oder Tencent.“

Wem die Diamantensuche im Aktienmarkt zu umständlich ist, der kann möglicherweise auch bei Schwellenländer-Anleihen einen guten Fang machen. An der positiven Entwicklung der Schwellenländeranleihen hat zuletzt zu großen Teilen der US-Dollar mitgewirkt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte jüngst angedeutet, den Leitzins wohl wieder zu senken. Das hat einige Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. „Wer höhere laufende Erträge wünscht, sollte Emerging-Market-Anleihen nicht übergehen“, sagt Peter Becker, Investment Director bei der Capital Group. Ohnehin profitierten Schwellenländer mit Auslandsschulden von den niedrigen Zinsen der Industrieländer. Das gilt auch für China.