Goldene Zeiten im Handelskrieg

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Der Handelskonflikt zwischen China und den USA könnte sich mit einem ersten Abkommen vorerst beruhigen. Die Lage bleibt trotzdem unsicher. Davon profitiert Gold – Öl jedoch verliert.

Am Silvestertag twitterte
US-Präsident Donald Trump eine frohe Botschaft an die Welt: Am 15. Januar wolle
er den „sehr großen und umfassenden Phase-Eins-Handelsdeal mit China“ unterzeichnen.
Daraufhin plane er, nach Peking zu reisen, um sofort das Phase-Zwei-Abkommen anzustoßen.
Beruhigende Worte zu Ende eines Jahres, das von einem ständigen Hin und Her
zwischen den beiden streitenden Großmächten geprägt war. Ein erstes Abkommen
zwischen China und den USA könnte die Weltwirtschaft beflügeln, die schon seit
Monaten unter den gegenseitigen Handelsbeschränkungen der beiden Länder leidet.

Schon als Mitte Dezember klar wurde,
dass China und die USA ein Abkommen unterschreiben wollen, reagierten die Kurse
wohlwollend. Einen deutlichen Sprung machte vor allem der Ölpreis, der durch
die Unsicherheiten im Handelskonflikt immer wieder eingebrochen war. Lag der
Preis am 13. Dezember noch bei 64,41 US-Dollar für ein Barrel der Sorte Brent,
waren es am Ende des Monats 68,79 US-Dollar.

Dennoch: Übermäßig optimistisch zeigen
sich Marktbeobachter für das neue Jahr nicht. Zum einen bleiben die
geopolitischen Risiken hoch – trotz des angestrebten Handelsabkommens zwischen
China und den USA bleibt unklar, wie sich ihre Beziehung weiterentwickelt. Denn
die US-Präsidentschaftswahlen stehen an, und Trump hatte seinen Wählern
versprochen, das US-Handelsdefizit zu senken. Um diesem Ziel gerecht zu werden,
könnte er doch noch einmal Strafzölle auf chinesische Importe durchsetzen. Chris
Gannatti, Forschungsleiter bei WisdomTree, glaubt zwar, dass Trump es vermeiden
wolle, „zu einem so entscheidenden Moment eine wirtschaftliche Rezession
herbeizuführen“. Jedoch werde er versuchen, ein definitives Abkommen möglichst
spät zu schließen. „Rückt der Zeitpunkt näher an die Wahlen, werden die Wähler
ihn als denjenigen in Erinnerung behalten, der die US-Wirtschaft aus der Misere
gezogen hat“, erklärt Gannatti. China wiederum dürfte dieses Vorgehen nicht
gefallen.

Goldpreis profitiert von anhaltender Unsicherheit

Dementsprechend volatil könnte sich
auch der Ölpreis entwickeln. Besondere Höhenflüge sind laut Marktexperten nicht
zu erwarten. Und das nicht zuletzt, weil die USA mit ihrer eigenen Ölförderung
– dem Protest der Opec-Staaten zum Trotz – die weltweiten Preise weiter drücken.
Die anhaltende Unsicherheit kommt gleichzeitig dem Goldpreis zugute, der schon
in der Vergangenheit angezogen hatte. Anfang der Woche war er vor allem aufgrund
des Konflikts zwischen den USA und Iran auf
den höchsten Stand seit 2013 gestiegen: 1577,68 US-Dollar kostete am Montag
eine Feinunze Gold. Zudem profitieren in Zeiten, in denen Anleger sogar
Negativzinsen bei Staatsanleihen in Kauf nehmen, um sich abzusichern, sogenannte Krisenanlagen wie das Edelmetall. Analyst
Daniel Briesemann von der Commerzbank warnt zwar davor, dass vor allem Käufe am
Futures-Markt für den Preisanstieg verantwortlich sind. Das bedeute, „dass der
Preisanstieg von Gold auf wackeligen Beinen steht und die Korrekturgefahr
steigt.“ Dennoch dürfte die Angst vor weiteren politischen Eskalationen den
Goldpreis hochhalten.