Goldpreis erreicht neue Höhen

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Das Edelmetall erreicht Sechsjahres-Hoch. Dafür gibt es einen guten Grund, sagen Finanzexperten

Der Goldpreis ist aus seiner
Lethargie erwacht: Seit Ende Mai kletterte der Preis je Feinunze um mehr als
zehn Prozent, von 1280 US-Dollar auf 1415 US-Dollar. Damit notiert das Edelmetall
so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr: Zuletzt hatte der Goldpreis die Marke
von 1400 US-Dollar im Mai 2013 überschritten. Seit Sommer 2018 hat das Edelmetall
seinen Wert damit um ein Viertel gesteigert. Die jüngste Rally ist
bemerkenswert: Obwohl der Handels­­­­krieg der USA mit China und der Brexit
seit über einem Jahr die Schlagzeilen beherrschen und die Zinsen seit
Ewigkeiten niedrig sind, hatte der Goldpreis sich lange Zeit kaum bewegt. Erst
in der letzten Mai-Woche war der Preis dann nach oben ausgebrochen.

Finanzexperten sehen vor allem einen
Grund für den Preisanstieg: Das jüngste Signal der Notenbanken, bis auf weiteres
billiges Geld in das System zu pumpen. „Richtig an Fahrt nahm der Preisanstieg
auf, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi und der Fed-Vorsitzende Jerome Powell
Mitte Juni die Tür für Zinssenkungen weit aufstießen“, sagt Carsten Fritsch,
Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank. Der Markt rechnet inzwischen mit drei
Fed-Zinssenkungen bis zum Jahresende. Die EZB könnte den ohnehin schon
negativen Einlagenzins im Juli noch einmal senken. Als Konsequenz dürften die
Anleiherenditen in den USA und Europa weiter fallen. Der daraus resultierende
Anlagenotstand lasse Investoren in andere Assetklassen ausweichen, erklärt
Fritsch. Und das bedeutet auch glänzende Zeiten für Gold-Investoren: „Als
zinslose Anlage gewinnt Gold durch die Negativzinsen an Attraktivität“, sagt
der Anlageprofi.

Auch der jüngste Konflikt zwischen
den USA und dem Iran hat den Goldpreis beflügelt. Die Lage am Persischen Golf
droht zu eskalieren: Im Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden eigenen
Angaben zufolge eine US-Drohne ab. Die USA verurteilten den Abschuss als „nicht
provozierten Angriff“ im internationalen Luftraum. US-Präsident Donald Trump
kommentierte auf Twitter, der Iran habe „einen sehr großen Fehler“ gemacht. Ein
weiterer Krisenherd ist der nach wie vor ungelöste Handelsstreit zwischen den
USA und China. Zwar haben sich die Fronten nach dem G20-Gipfel beruhigt, dafür
droht nun von anderer Seite Ärger. Im Herbst könnte nämlich Europa stärker in
den Konflikt hineingezogen werden, sollte US-Präsident Trump seine Drohung wahr
machen und neue Importzölle auf Autos erheben.

Starkes Plädoyer für Gold

Investoren, die eine geopolitische
Eskalation fürchten, wollen ihr Vermögen vor dem Worst Case – einem
dramatischen Kursverfall – schützen. Die Lösung dafür heißt für viele Anleger ebenfalls
Gold. Commerzbank-Analyst Fritsch hat seine Prognose für den Goldpreis daher
jüngst nach oben korrigiert. Statt bisher 1400 US-Dollar erwartet er nun bis
Jahresende einen Preis von 1500 US-Dollar je Feinunze.

Auch Michael Blümke, Portfoliomanager
beim Fondsanbieter Ethenea, rechnet mit einem steigenden Goldpreis. „Das
aktuell vorherrschende Makrobild, insbesondere die Erwartungshaltung bezüglich
mittelfristig weiter fallender Realzinsen, ist nach wie vor ein starkes Plädoyer
für Gold“, sagt der Experte. Blümke hält sogar eine Rückkehr zu alten
Höchstständen für möglich. Sein historisches Allzeithoch markierte Gold bisher während
der Euro-Krise im Jahr 2011 mit mehr als 1900 US-Dollar.

Zu sicher sollten sich
Gold-Investoren allerdings nicht sein: Kurzfristig könnte es durchaus noch zu
Rücksetzern kommen, sagt Blümke. Der Grund: Nach dem jüngsten Höhenflug könnten
viele Gold-Investoren über einen Verkauf nachdenken, um Gewinne mitzunehmen – allen
Risiken zum Trotz.